Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Ludwig Anzengruber >

Der Meineidbauer

Ludwig Anzengruber: Der Meineidbauer - Kapitel 15
Quellenangabe
typefolkplay
booktitleDer Meineidbauer
authorLudwig Anzengruber
year1994
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-000133-1
titleDer Meineidbauer
pages3-9
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1871
Schließen

Navigation:

Vierte Szene

Kurzes Klopfen.
Vorige. Vroni tritt ein und geht rasch vor, wobei sie die Mitte gewinnt.

Vroni.
Guten Abend!

Franz (aufmerksam machend).
Vater!

Ferner (erhebt den Kopf aus den Händen).
Wer is's? Du?!

Vroni.
Grüß Gott miteinander! (Zu Franz, der fort will.) Bleib nur da – kannst auch hör'n, was ich mit 'm Matthias Ferner z' reden hab!

Ferner (ist aufgestanden und tritt, ganz der alte, auf sie zu).
Z'reden hätt'st mit mir, keck's Ding! Wird wohl nix so G'wichtigs sein und hat wohl auch a andermal Zeit! Wär grad heut aufg'legt zu ein' Diskurs mit dir! – Wann d' aber schon kommst, so tritt nit in die Stuben, wie vom Himmel g'fall'n; und klopfst schon an, so wart auch, bis man dir »Herein« sagt; dann muß ich dir noch sag'n, daß ich da Herr von Haus und Hof bin und für dich nicht Matthias Ferner, sondern Kreuzweghofbauer heiß, das dermerk dir und, wann d' nächst' Mal kommst, so komm mit Art und hitzt geh!

Vroni.
Es taugt mir aber grad heut und derentweg'n mußt dich also nit harben über meine Unarten, ich bin schon so! – In die Stuben da hoff ich noch a öften z' kommen, ohne Anklopfen, und wann ich dich Matthias Ferner heiß, is's doch allweil dein ehrlich' Nam', und ob dich d'Leut noch lang' so ruf'n werd'n, drauf möcht ich nit schwören, leicht heißt d' in paar Wochen schon im ganzen Land, wie d' bei der Ahnl in Ottenschlag schon d' Jahr her heißt, der Meineidbauer!

Ferner (auffahrend).
Noch so a Wort, Dirn...! (Bezwingt sich und schupft die Achsel.) Bei der Alten in Ottenschlag rappelt's, und die hat dich jetzt wohl auch verruckt g'macht?!

Vroni.
Die Ahnl weiß derweil noch nit, was ich weiß – und ich war noch nie gescheiter wie heut! Auf 'm Adamshof hab ich dir in der Fruh' g'sagt, daß ich nit g'wart hätt bis heut, wußt ich von deiner Sünd' – daß ich aber hoff, ich käm dir noch drauf – da hab'n wir wohl keins denkt, daß ich dir jetzt am Abend sag'n kann: Ich bin dir draufkämma und ich wart auch nit! – Ich wart nit und unser Recht muß uns gleich werd'n, denn das alte Weiberl drob'n in Ottenschlag hat wenig Zeit mehr zum Warten! Ich wart nit, denn die Leut' können die Wahrheit nie zu zeitlich erfahr'n und ich denk, die Lug ist alt gnug word'n! – Aber als ehrlicher Feind komm ich auch, dir ins G'sicht z' sag'n, daß's aus is mit 'm Landfrieden zwischen uns zwei und auf was d' dich darfst g'faßt machen! Die nächste Sonn' sieht mich bereits auf 'm Weg nach der Kreisstadt. Ich will hier sitzen auf 'm Kreuzweghof, der unser is von Gotts und Rechts weg'n nach Vaters letztem Willen, und du sollst hinaus auf den nämlichen Weg, den du vor acht Jahr'n mein' Mutter g'schickt hast in Not und Schand'! Nur darfst du dich nicht wundern, wann er bei dir von der »ehrlich'-Leut'-Straß« abbiegt nach 'm Zuchthaus!

Ferner (schreit auf).
Schandmaul! (Faßt zitternd vor Aufregung nach einem Stuhl.) Wann dir deine graden Glieder lieb sein, so schau, daß d' fortkommst! Hinter mein' Rücken plant's meintweg'n, was's wollt's, wärmt's den alten Prozeß wieder auf, wann's a überflüssig' Geld habt's – Recht wird Recht bleib'n, und für eure Sach' find't sich heut so wenig a Beweis wie damal! Aber in meiner Stub'n, mir ins Gesicht darfst du dich nit übernehmen, das merk und geh mir aus die Aug'n, bevor a Unglück g'schieht!

Vroni.
Laß's gut sein, ich will dich nit länger beschwer'n; aber es steht dir nit gut an, daß du den Hochfahrig'n spielst und mit Recht und Beweis rumwirfst, wo z'neb'n dir in der Stub'n da einer steht, der mit eigne Aug'n g'sehn hat, wo damal 's Testament blieb'n is!

Ferner (schupft die Achsel, wie mitleidig).
Red und red in Tag h'nein – was weißt du? – Leut'g'red'! – (Auf Franz.) Rechnet's leicht auf den, wär euch der grad z'recht kämma als Zeug'?

Franz.
Ihr müßt doch wissen, daß mich niemand zwingen könnte, Zeugnis gegen den leiblichen Vater abzulegen.

Vroni.
Weiß's und hätt dir's auch nit zug'mut't, aber ich hab ein' bessern Zeugen als dich; ich hab 'n leiblichen Vater selber! – Diesmal gilt's nit gegen a arm' Weib und zwa Waserln, dösmal gilt's gegen dein' eigen' Handschrift und Wort aufzukommen Meineidbauer! Ich hab den Brief, den du damal an Vatern ins Spital g'schrieb'n hast.

Ferner (sieht sie mit verglasten Augen an).
Dös is nit – dös kann nit sein!

Vroni.
's is doch so! Der Brief, der gilt! Und es paßt ganz gut zu dem, was nachher kämma is, daß du schon damal schreibst: »Lieber Jakob, es is nit schön, daß Du mich und meine Kinder so g'ring im Testament drin abfertigst!«

Franz.
Unglückseliger! Dein erstes Zeichen spricht nun wider dich!

Ferner (wankt zitternd nach rückwärts zu einem Stuhle, in den er kraftlos zusammensinkt, die Hände vor sich faltend).

Vroni (tritt näher).
Siehst, Meineidbauer, so g'fallst mir! Zu was das Großtun, wo wir zwei doch wissen, wie wir miteinander dran sind? Du magst dir's wohl denken, wie ich auf die Stund' g'wart und g'wart hab die Jahr her, und drum hab ich auch g'wußt, daß d' mir d'Freud nit verdirbst, wann sie kommt! Daß du klein, ganz klein werden wirst, so klein, wie du dich ehender vor alle Leut' groß g'macht hast! – So hab ich dich sehen woll'n, vorerst allein, eh noch die Welt dich so sieht – so wollt ich dich haben allein vor mir! Aug' in Aug'! Wie du kein Wort im Maul hast und dir doch deutlich gnug auf der Stirn g'schrieb'n steht: »Du hast mir nit Unrecht tan, ja, ich bin a großer Halunk!« – Das hat mich herg'führt, und jetzt Gute Nacht miteinander! (Wendet sich und geht bis zur Türe.)

Franz.
Vroni.

Vroni.
Willst du mir was?

Franz.
Laß mich ein Wort bei dir einlegen für den alten Mann – warte wenigstens noch zu – überlege – überstürze nichts!

Vroni (ernst).
Ferner Franz! Drüben in der Totenkammer zu Ottenschlag liegt jetzt zur Stund' mein Bruder nach ein' elend verkommen' Leben auf 'm Laden; ich hab's aus seine letzten Wort', daß's mit ihm nit so kommen wär, wär der dort ein anderer g'wes'n! Mußt nit für den bitten!

Franz.
Red ich denn für ihn allein? Vroni, trifft's nicht auch mich mit?

Vroni.
Armer Bub, ich weiß, daß du für nix kannst und wie schwer als's is, an fremder Sünd' schleppen! Aber ich kann dir nit helfen; die alte Rechnung muß erst ins reine; wann nix mehr am Kerbholz steht, dann komm und red für dich. (Reicht ihm beide Hände.) B'hüt dich Gott!

 << Kapitel 14  Kapitel 16 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.