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Der Meineidbauer

Ludwig Anzengruber: Der Meineidbauer - Kapitel 13
Quellenangabe
typefolkplay
booktitleDer Meineidbauer
authorLudwig Anzengruber
year1994
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-000133-1
titleDer Meineidbauer
pages3-9
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1871
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Zweite Szene

Vorige. Franz ist durch die vordere Stube gekommen und tritt jetzt in die Tür.

Franz.
Guten Abend miteinander!

Ferner.
Weißt, kann s' auch behalten.

Höllerer.
So b'halt s'! B'halt s'!

Ferner.
Kommen g'nug drum.

Höllerer (nimmt seinen Hut).
Aber keiner, der ein' Adamshof anrainen hat.

Franz (überschreit die Streitenden).
Holla, he! Streit und kein Ende! Soll ich ewig da zwischen Tür und Angel stehn? Wer ist da der Herr vom Haus?

Ferner.
Der bin ich!

Franz.
Freut mich! – Ich bin der Franz Ferner!

Ferner.
Also Ihr... Du bist's Franzl?! (Tritt, ihn fixierend, zögernd näher und bietet ihm die Hand). Der Herr g'segn' dein' Eingang und dein' Ausgang in diesem Haus!

Höllerer.
Amen!

Ferner.
Schön, daß d' 'kommen bist...

Franz (auf Crescenz).
Ist das die Schwester?

Ferner.
Ja, das is die Crescenz!

Franz (auf Höllerer).
Und Euer Gast da?

Höllerer (gibt ihm die Hand).
Der Bauer vom Adamshof, junger Herr!

Ferner.
Wir sein Schwiecher z'samm'...

Höllerer (schüttelt ihm die Hand).
Freilich! Freilich! Kreuzdividomini! Und ein Herz und ein Sinn!

Ferner.
Sein Sohn heirat die Dirn' da. Crescenz, rühr dich doch, wann der Bruder kimmt!

Crescenz (zu Franz).
Grüß Enk Gott! – G'fallt's Enk da?

Ferner.
Dumm's Ding, kannst nit zum Bruder »du« sag'n?

Crescenz.
Dös »du« sagen wird mir völlig schwer! Ich muß's erst g'wöhnen, denn so hab ich mir 'n nit vorg'stellt. Er schaut aus wie die Stadtherrn, wann s' auf d' Jagd herkämmen, und ist doch a Student, und a Student, mein ich, tat sich schicklich doch nur schwarz trag'n wie a geistlich' Herr, und 's geistlich' G'wand, mein ich, müßt'm Bruder so viel gut stehn!

Ferner.
Pst!! Dirn! Mit der Tür muß man nie ins Haus fall'n!

Höllerer (pfiffig).
Und noch gleich gar mit der Kirchtür!

Crescenz.
Es hat mir's nur so rausg'riss'n, weil dös weltlich aufg'stazte Zeug für ihn sich völlig nit schickt in unsern fromm' Haus; wir sein dafür in der ganz' Gegend bekannt, und der Vater gilt für ein' halben Heiligen!

Franz (ironisch,).
So?

Ferner (zu Crescenz).
Mußt nit so red'n, wir sein alle sündige Leut'!

Höllerer.
Sie is völlig derschrocken über 'n eigenen Bruder, weil er nit schwarz kimmt. Hehe! Narrische Dirn, wer weiß, was noch g'schieht! (Leise zu Ferner.) Weiß jetzt schon, was d' willst, weiß schon – die Dirn' schwatzt dir nit übel aus der Schul'; na, mach's nur richtig und all's bleibt beim alten! (Laut.) Komm, Crescenz, kannst mir a d' Wirtschaft zeig'n, der Vater hat sich g'wiß mit sein'm Suhn z'erst alleinig ausz'red'n!

Ferner.
Freilich wohl! Geht's nur zu!

Höllerer.
Wann d' uns brauchst – sein glei wieder da! – B'hüt Gott derweil!

Crescenz.
B'hüt Gott, Bruder! Hör nur fein auf Vaters' Wort!

Höllerer.
Wohl! Wohl! Wenn man auch aus der Stadt kommt, auf Vaters Wort hör'n, bringt kein' Schand'. (Beide ab.)

Franz.
Adieu, kluge Schwester! Servus, weiser Adamshofbauer!

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