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Der Meineidbauer

Ludwig Anzengruber: Der Meineidbauer - Kapitel 12
Quellenangabe
typefolkplay
booktitleDer Meineidbauer
authorLudwig Anzengruber
year1994
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-000133-1
titleDer Meineidbauer
pages3-9
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1871
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Zweiter Akt

Wohnzimmer im Gehöfte Ferners.

Behäbig ausgestattet, an den Wänden Heiligenbilder. Eingang Mitte, über dieser Türe, die offensteht, so daß man in die vordere Stube sieht, ein Madonnenbild mit einem Herzen von Messing und eine brennende Lampe mit rotem Glas davor. Zwei Fenster rechts, an dem vorne steht ein Tisch mit Stühlen. Links zwei Stühle, auf einem eine Joppe; ein Schrank, worauf ein Hut. An der Tür Weihwasserbehältnis.

Erste Szene

Ferner in bequemer Hausjoppe und Höllerer sitzen an dem Tische, letzterer mit dem Rücken gegen das Fenster. Beide rauchen und haben vor sich einen Krug und Imbiß; später Crescenz.

Höllerer.
Der Tag neigt sich; heunt kommt dein Sohn wohl nimmer, müßt ja sonst schon da sein. – Warten wir nit unnötig, und ich kimm' nit gern spät heim. – Wo steckt denn der Toni?

Ferner.
Wird mit der Crescenz gangen sein, mein' Wirtschaft anschaun. Hat a gute Führerin, die weiß Bescheid. (Sieht durch das Fenster.) Kann gar nit weit sein, denn dort drüben steht die Crescenz und plaudert mit der Großdirn.

Höllerer.
Ruf s' rein!

Ferner.
Soll gleich da sein. (Steht auf und ruft vom rückwärtigen Fenster:)
Crescenz! He! Kimm rein!

Crescenz (außen).
Gleich, Vater.

Ferner (dasselbe schließend).
Freilich wohl, gleich. (Kommt an den Tisch zurück.)

Höllerer.
Dein Viehstand und Hauswesen is bekannt weit und breit. Wie steht's denn draußt auf die Felder? Bist z'frieden?

Ferner.
Ah freilich! Ich dank Gott dafür! Es is a gesegnet Jahr.

Höllerer.
Bin auch z'frieden, wenn wir's so reinkrieg'n, wie's draußt steht.

Crescenz (kommt herein).
Da bin ich. – Was wollt's denn, Vater?

Höllerer (auf Ferner).
Der Vater will dir nix, aber der Vater fragt dich: Dirndl, was hast denn mit mein' Bub'n ang'fangt, daß d' ihn nit mitbringst? Hast 'n leicht verlor'n oder gar versetzt?

Crescenz.
War' er verlor'n, könnt's ihn schon austrommeln lassen, ich such' ihn nit; war' er aber versetzt, ich löset ihn a nit aus.

Ferner.
Na ich hoff, es werd't's doch nit am ersten Tag zum warteln ang'fangt hab'n.

Crescenz.
Ah freilich, tut er ja grad, als müßt' mir's a Gnad' sein, daß er mit mir geht; ich hab ihm aber gleich g'sagt, ich wär die Crescenz mit 'm hart' Talersackel und nit die Vroni mit 'm Fetzenbinkerl.

Höllerer.
Sikra h'nein! Dös hat's nit Not! Er hat a Talersäck'.

Ferner.
Mußt nit so rar tun mit 'm Toni. Die Dirn kann ihn leiden und ich wett', sie hat nur von d' Taler g'red't, weil s' dös von der Vroni g'magerlt hat.

Höllerer.
Kannst recht hab'n. Die verliebt' Weibsleut' schlag'n a auf d' Talersäck' und meinen den Esel, der s' drum nimmt. Kreuzdividomini! Wo is er denn hin, der Wildling?

Crescenz.
Von mir davong'rennt.

Höllerer.
Vielleicht heim?

Crescenz.
Na, die entgegengesetzte Straß'.

Höllerer.
Sternsakra! Wohin?

Crescenz.
Weiß ich's? Vielleicht auf Ottenschlag zu der Dirn', der Vroni nach.

Höllerer.
Na, das wär unnötig.

Crescenz.
Er hat g'sagt, er wußt wohin, wo man 'n lieber hätt.

Höllerer.
Na, du kimm mir heut heim. – Die dumm' G'schicht' hat mir nie angestanden – mein', 's is aus – und jetzt! Hätt'st 'n auch d' erst' Zeit festhalten können, daß er s' vergißt.

Crescenz.
Soll er s' nehmen.

Höllerer.
Tu nit so. G'schähet uns allz'samm kein G'fall'n, dir zum wenigsten.

Crescenz.
Wann er so is.

Ferner.
Sei du still, Dirn! Und du, Schwiecher, sag 'm Toni, er soll kein' Narr'n spiel'n, sonst war's wohl nix!

Höllerer (aufstehend).
Is enk so weng dran g'leg'n? Ich merk's, er soll enk nur 'n Narr'n mach'n, dann wird erst recht was draus.

Ferner.
Schwiecher!

Höllerer.
Ach was! Schwiecher hin, Schwiecher her! Hast du ihm dein' Dirn nit naufg'worfen?

Ferner.
Ich hätt ihm s' naufg'worfen?

Höllerer.
Vielleicht nit? Hast's nit?

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