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Der Lootse oder Abenteuer an Englands Küste. Erster Theil

James Fenimore Cooper: Der Lootse oder Abenteuer an Englands Küste. Erster Theil - Kapitel 3
Quellenangabe
authorJames Fenimore Cooper
titleDer Lootse oder Abenteuer an Englands Küste. Erster Theil
senderHerbert Niephaus
correctorohne
publisherAdolf Wienbrack
year1824
created20171117
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I.

 

Drohend kommt das Meer gezogen,
Bricht sich an des Schiffes Bauch.

Lied.

 

 

Ein Blick auf die Landkarte wird den Leser sogleich mit der östlichen Küste der Insel von Großbritannien in Hinsicht ihrer Lage bekannt machen. Die Gestade des festen Landes sind ihr gegenüber. Zwischen beiden findet sich die Gränze des kleinen Meeres, das seit Menschenaltern der ganzen Welt als die Bühne von so vielen Thaten zur See, als der große Kanal bekannt war, auf welchem Krieg und Handel die Flotten der nördlichen Völker Europas leiteten. Die Inselbewohner machten lange Zeit darauf einen Anspruch, den die gesunde Vernunft auf die Heerstraße aller Völker keiner Macht einräumen kann und welcher häufig zu Streitigkeiten führte, die mit einem Blutvergießen, einem Aufwande endeten, daß beides mit dem Gewinne, der je aus der Behauptung solcher nutzlosen und unsichern Rechte entspringen kann, in keinem Verhältniß stand. Auf die Gewässer dieses in Anspruch genommenen Ozeans wollen wir unsere Leser in Gedanken zu versetzen suchen, indem wir einen Zeitrahmen für unsere Abentheuer wählen, der namentlich für jeden Amerikaner theuer ist. Er wurde der Geburtstag dieses Volkes. Er war der Augenblick, wo Vernunft und Gemeinsinn an die Stelle der Gewohnheit und des Feudalrechts bei den Angelegenheiten der Völker traten.

Bald nachdem die Ereignisse der amerikanischen Revolution die Königreiche Frankreich und Spanien und die Republik Holland in diesen Krieg verwickelt hatten, war eine Zahl von Landleuten auf einem Felde beisammen, das dem Winde des Ozeans an der Nordostküste Englands offen gegenüber lag. Sie suchten sich ihre mühselige Arbeit, die traurige Dunkelheit eines Decembertages durch Mittheilung ihrer schlichten Meinungen über Politik und die Aussichten der Zeit zu erleichtern, aufzuhellen. Daß England mit einigen seiner Staaten auf der andern Seite des Ozeans im Kriege war, galt ihnen als lang bekannte Thatsache, insoweit das Gerücht von entfernten, sie wenig angehenden Dingen ihre Aufmerksamkeit in Anspruch nahm. Allein jetzt hatten sich auch Völker, mit denen England in Streit zu liegen gewohnt war, hineingemischt, und das Geräusch der Waffen störte selbst die Ruhe dieser einsam wohnenden und ungebildeten Landleute. Die Hauptsprecher bei dieser Gelegenheit waren ein schottischer Viehtreiber, und ein irländischer Feldarbeiter, der den Weg über den Kanal und so weiter ins Innere der Insel, indem er dem Tagelohn nachging, gefunden hatte.

»Die Schwarzen Spottname für die Amerikaner würden ein Spaß für Alt-England seyn, ohne Irland zu rechnen,« sagte der Letztere, »wenn die Franzosen und Spanier sich nicht in die Sache gemengt hätten. Ich denke, wir sind ihnen dafür nicht viel Dank schuldig, wenn ein Mensch so nüchtern seyn muß, wie ein Priester in der Messe, bloß aus Furcht, sich sonst unter die Soldaten genommen zu sehen, ehe er daran nur gedacht hat.«

»Bah, bah! Ihr wißt viel, wie geworben werden muß, ihr in Irland, wenn ihr nicht eine Trommel auf eine Tonne mit Whiskey Branntwein. stellt,« bemerkte der andere und winkte den übrigen Landleuten. »Ja, da hier im Norden dürfen wir nur pfeifen, und dann folgen sie dem Dudelsack so willig, als wenn es am Sonntag in die Kirche geht. Ich habe die Liste von einem ganz hochschottischen Regimente auf einem Papierchen gesehen, das eines Mädchens Hand bedecken konnte. Es waren blos Camerons und M'Donalds und doch paradirten 600 Mann. – – Aber was giebts denn da? Der Bursche scheint mir für einen Seemann zuviel Appetit zum festen Lande zu haben und wenn der Grund so ist, wie die Oberfläche der See, kann er leicht Schiffbruch leiden.«

Die unerwartete Wendung in der Rede zog aller Augen auf den Gegenstand, den ihnen der Stab des Sprechenden bemerklich machte. Zum großen Erstaunen aller Anwesenden umsegelte ein kleines Fahrzeug die Landspitze, welche eine der beiden Seiten der kleinen Bai bildeten, auf deren andern das Feld der Landleute lag. In dem Aeußern des ungewöhnlichen Zuspruches war etwas ganz Besonderes, und dies trug zu dem Staunen, das seine Erscheinung in dieser fernen Gegend erregte, nicht wenig bei. Nur die kleinsten Fahrzeuge, aber auch diese selten, und in langen Zwischenräumen ein verzweifelnder Schmuggler, waren dafür bekannt, daß sie sich unter den Sandbänken und verborgenen Klippen, die an dieser Küste in so großer Menge liegen, so nahe ans Land wagten. Die kühnen Seeleute, welche jetzt diese gefährliche und, wie es schien, ohne allen Kopf begonnene Fahrt wagten, waren auf einem kleinen Schooner, dessen Bauart mit den hochaufstrebenden Masten in gar keinem Verhältnisse stand. Die letztern trugen eine leichtere aufgesetzte Spitze, die am äußersten Ende so dünn ausging, daß sie nicht stärker erschien, als der träge Wimpel, der sich bei dem schwachen Winde umsonst zu entwickeln suchte.

Der kurze Tag in jener nördlichen Breite ging bereits zu Ende, die Sonne warf schon ihre scheidenden Strahlen schief über das Gewässer und versilberte hier und da die düstern Wogen mit ihrem blassen Lichte. Dem Scheine nach war der stürmische Wind des deutschen Ozeans eingeschläfert. Zwar rollten die Wogen an der Küste unaufhörlich, und machten den Anblick, die düstere Stunde noch grausender. Allein ein sanfter vom Land her wehender Wind zerschnitt doch die Fluthen. Nur in dem dumpfen, hohlen Murmeln, dem eines Vulkans am Abend, ehe er ausbricht, ähnlich, war trotz des letztern günstigen Umstandes, etwas, das die Unruhe, die Furcht steigerte, mit welcher die Landleute diese ungewöhnliche Störung der Ruhe in ihrer kleinen Bai wahrnahmen. Das große Segel war auf dem Fahrzeuge allein in Thätigkeit, ein leichtes Focksegel abgerechnet, das weit über den Vorderbord hinaus leicht und luftig flatterte und den Zuschauern ganz wie ein Zauberbild vorkam. Sie wendeten den verwundernden Blick in stillem Staunen auf einander selbst. Endlich meinte der Viehtreiber ganz ernstlich:

»Der das Steuerruder hat, muß ein kecker Bursche seyn. Und wenn sein Schiff im Kiel mit Holz ausgefüttert ist, wie die Brigantinen, die zwischen London und dem Frith bei Leith hin- und herfahren, er ist doch in größern Gefahren, als ein kluger Mann es wünschen möchte. Jetzt ist er bei dem Felsen, der sich in die Höhe hebt, wenn die Fluth verlaufen ist. Er ist glücklich herum. Aber lange kann kein Mensch an einer solchen Küste steuern, ohne bald Wasser über dem Land zusammenzutreffen.«

Der kleine Schooner aber steuerte immer zwischen Klippen und Sandbänken dahin und machte so leichte Wendungen, daß man wohl sah, er sey unter der Leitung eines Mannes, der seine Lage kenne. Nachdem er endlich soweit in die Bai gefahren war, als die Klugheit gestatten konnte, wurde das Segel eingerefft, ohne daß eine Hand dabei thätig zu seyn schien. Das Schiff fuhr einige Längen über die Wogen daher, die der Ozean hereinströmen ließ, schwankte in der Fluth noch hin und her und lag endlich ruhig an seinem Anker.

Die Bauern machten nun manche kühnere Bemerkungen über das, was der Besuch wolle, wer er sey. Einige meinten, er wäre wohl mit Contrebande beladen. Andere, es seien hier feindliche Absichten und Krieg dahinter. Es kam sogar von ferne der Zweifel zur Sprache, ob hier ein wirkliches Schiff zu sehen sey; denn, meinte einer und der andere, kein von Menschen bemanntes Fahrzeug würde es wagen, an einer so gefährlichen Küste zu einer Zeit zu steuern, wo der unerfahrenste Landmann den bevorstehenden Sturm voraussagen könne. Der Schotte hatte bei aller Thätigkeit, die seinen Landsleuten eigen ist, doch auch keinen kleinen Theil von ihrem Aberglauben. Er neigte sich daher gar sehr zu der letztern Meinung hin und fing eben an, seine Gedanken mit Bedachtsamkeit und Umsicht auszusprechen, als der Irländer, der mit seiner Ansicht nicht völlig in Richtigkeit war, ihn unterbrach.

»Meiner Treu!« rief er. »Ein großes und ein kleines! Wenn das Seegeister sind, so lieben sie Gesellschaft wie andere Christenmenschen!«

»Zwei?« wiederholte der andere. »Zwei? Das bedeutet für einen von uns ein Unglück. Zwei Schiffe, die Niemand führt, an einer so gefährlichen Stelle, und wo keines Menschen Auge hinreicht, die Gefahr alle zu zeigen, droht dem, der hingukt, Gefahr. Ei! ein Jährling ist das nicht, der da ankommt. Seht; seht! das ist ein schönes Schiff; ein großes!«

Er hielt inne, nahm sein Bündel vom Boden auf, warf noch einen forschenden Blick auf die Gegenstände seines Verdachts, sah dann bedächtig seine Umgebungen an und nahm dann langsam den Weg tiefer ins Land, indem er meinte: »Ich wundere mich gar nicht, wenn das große Schiff einen Befehl vom König Georg am Bord hat. Nun, ich gehe nach der Stadt. Mir ahnet etwas. Die zwei Schiffe sind mir verdächtig. Das kleine nimmt einen Menschen weg, mir nichts, dir nichts, und das große verschluckt uns alle und noch zweimal soviel, wie wir hier sind.«

Dieser heilsame Rath machte eine allgemeine Bewegung rege, denn eine tüchtige Matrosenpresse war bereits ein Gerücht des Tages geworden. Die Männer rafften ihr Arbeitsgeräthe zusammen und gingen heim. Zwar warfen manche einen neugierigen Blick auf die Bewegungen der Schiffe von den fernen Hügeln, aber wenige von ihnen wagten es, sich den Klippen zu nähern, die die Bai selbst umgürteten. Hatten sie doch nichts unmittelbar mit den geheimnißvollen Fremdlingen zu thun.

Das Schiff, das alle diese Unruhe erregte, war ein großes Gebäude. Seine hohen Masten, seine viereckigen Raaen, ließen es in der Abenddämmerung über das Meer wie einen aus der Tiefe emporsteigenden Berg anschauen. Es führte nur wenig Segel und ob es schon sorgfältig vermied, sich mehr dem Lande zu nähern, das der Schooner bereits erreicht hatte, so war doch die Uebereinstimmung aller Bewegungen von beiden groß genug, auf die Vermuthung zu kommen, beide seien mit Einem Zwecke beschäftigt. Die Fregatte, – denn zu dieser Ordnung gehörte das Schiff, – lief bis an den Eingang der Bai majestätisch hin und manövrirte nicht mehr als nöthig war, um dem Gefährten gegenüber die Segelstangen gerade zu stellen und ruhig zu halten. Indessen der Wind, der bis jetzt ihre Segel geschwellt hatte, ließ nach. Die Landluft hörte ebenfalls auf. Die Wogen, vom deutschen Meere heranwälzend, fanden keinen Widerstand mehr, und so trieben sie die Fregatte mit der Strömung vereinigt nach einer der Spitzen von der Bai, wo die schwarzen Häupter der Felsen aus dem Meere herauftauchten. Die Mannschaft warf hier seinen Anker und reffte alle Segel ein. Während das Schiff am Tau schwankte, ward eine große Flagge aufgehißt und ein scharfes Lüftchen entfaltete bald das weiße Feld und rothe Kreuz, das Englands Wappen schmückt, in dem Maaße, daß selbst der bedächtige Viehtreiber in der Freie stehen geblieben war, hinzuschauen. Als indessen ein Boot aus dem einen und dem andern Schiffe herabgelassen war, so beschleunigte er seine Schritte und machte seinen sich wundernden Gefährten bemerklich: »Die Schiffe wären eines wie das andere; aber weit davon zu sein, bliebe am besten!«

Eine starke Mannschaft stieg in die Schaluppe, die von der Fregatte herabgelassen war. Sie nahm einen Offizier und einen jungen, unter seinem Befehl stehenden Mann ein und ging dann mit abgemessenem Ruderschlag gerade in das Innere der Bai. Als sie nicht fern vom Schooner war, stieß eine kleine Barke, von vier kräftigen Männern geführt, auch von diesem ab, über die Fluthen mehr hintanzend, als sie durchschneidend, und mit wundervoller Schnelligkeit auf sie zueilend. Kaum waren die Fahrzeuge einander nahe, als die Mannschaft, den von den Offizieren gegebenen Signalen zufolge, das Rudern einstellte und beide einige Augenblicke anhielten. Während dessen fand folgendes Gespräch statt.

»Ist denn der alte Mann närrisch?« rief der junge Offizier in der Barke, als seine Leute mit Rudern inne gehalten hatten. »Denkt er denn, der Kiel des Ariels ist von Eisen und ein Felsen kann ihm keinen Leck beibringen? Oder glaubt er, wir sind Alligators, die nicht ersaufen können?«

Ein bedächtiges Lächeln spielte einen Augenblick in den Zügen des jungen Mannes, der hinten in der Schaluppe mehr lag, als saß. Dann bemerkte er:

»Er kennt eure Klugheit viel zu gut, Kapitain Barnstable, als daß er fürchten sollte, euer Schiff könnte untergehen oder eure Mannschaft ersaufen. Wie viel Faden habt ihr?«

»Ich mag gar nicht sondiren,« erwiederte Barnstable. »Wenn ich die Klippen so wie die Meerschweine herausguken sehe, fürchte ich mich die Hand ans Senkblei zu legen.«

»Nun ihr seid doch noch flott!« rief der andere mit einer Heftigkeit, die eine innere Unruhe verrieth.

»Flott?« wiederholte sein Freund. »Ja, der Ariel würde in der Luft flott seyn.«

Während er so sprach, sprang er auf, nahm die lederne Schiffsmütze ab und strich das schwarze lockige Haar aus dem von der Sonne gebräunten Gesichte zurück, während er nach seinem kleinen Schiff mit dem Wohlgefallen eines Seemannes schaute, der auf die Eigenschaften desselben stolz ist.

»'s ist aber doch ein böses Stück Arbeit, Griffith, auf einem solchen Orte und in so einer Nacht und mit einem Anker liegen zu bleiben. Nun, wie lauten denn die Befehle?«

»Ich soll so weit vordringen, als ich kann, und dann anlegen; ihr sollt Merry an Bord nehmen und das Ufer zu gewinnen suchen.«

»Ufer?« erwiederte Barnstable. »Nennt ihr einen senkrechten Felsen von hundert Fuß Höhe ein Ufer?«

»Wir wollen nicht über Ausdrücke streiten!« versetzte Griffith lächelnd. »Aber ihr müßt schon so manövriren, daß ihr das Land gewinnt. Wir haben das Signal vom Lande und wissen, der schon so lange erwartete Lootse ist da, an Bord bei uns zu gehen.«

Barnstable schüttelte den Kopf mit bedenklicher Miene.

»Das ist eine wunderliche Fahrt,« brummte er für sich; »erst laufen wir in eine unbekannte Bai ein, die voller Klippen, Sandbänke und Untiefen ist, und dann bekommen wir unsern Lootsen. – Ja, aber wie soll ich ihn denn erkennen?«

»Merry wird euch die Parole geben und sagen, wie ihr ihn zu suchen habt. Ich würde selbst ans Land gehen, aber meine Weisung verbietet dies. Trefft ihr auf Schwierigkeiten, so laßt nur drei Ruder in die Höhe heben, und ich komme euch zu Hülfe. Drei Ruder in die Höhe gehalten und ein Pistolenschuß bringen meine Gewehre zum Schuß, und so wie die Schaluppe das Signal wiederholt, giebt die Fregatte Feuer.«

»Großen Dank!« rief Barnstable sorglos, »großen Dank! Ich denke, auf der Küste will ich meine Feinde, die etwa hier zu treffen wären, ganz allein bekämpfen. Der alte Mann ist aber wahrlich närrisch. Ich würde« –

»Ihr würdet seinem Befehl gehorchen, wenn er hier wäre, und werdet jetzt so gut seyn, dem meinigen zu gehorchen!« war Griffiths Gegenrede, in einem Ton, dem der freundliche Blick des Auges widersprach. – »Macht fort und sucht einen kleinen Mann in dunkelgrüner Jacke auf. Merry wird euch die Parole geben. Antwortet er darauf, so bringt ihr ihn an Bord.«

Die beiden jungen Männer grüßten einander, freundlich mit dem Kopfe nickend, und der junge Mann, Namens Merry, eilte aus der Schaluppe in die andere Barke. Barnstable nahm seinen Platz wieder ein und winkte mit der Hand. Die Matrosen legten aufs Neue Hand an ihre Ruder. Das leichte Fahrzeug entfernte sich geschwind von seinem Gefährten und eilte dem felsigen Gestade zu. Es fuhr erst eine Strecke längs demselben hin, um einen bequemen Landungsplatz zu suchen, und endlich bot sich, als es die Fluthen durchschnitten hatte, ein Punkt dar, wo bequem ausgestiegen werden konnte.

Die Schaluppe folgte während dessen in einiger Entfernung langsamer und vorsichtig, und als sie sah, die Barke habe an der Seite des Felsens angelegt, warf sie einen Anker aus, während die Mannschaft zum Gewehr griff, beim ersten Zeichen feuern zu können. Jedermann schien strengen Befehlen zu gehorchen, die schon vorher gegeben seyn mußten, denn der junge Mann, den unsere Leser bereits unter dem Namen Griffith kennen gelernt haben, sprach nur wenig und dann blos in kräftigen Ausdrücken, wie man sie von Leuten hört, die wohl wissen, daß man ihnen gehorchen muß. Als die Schaluppe vor Anker lag, warf er sich auf seine gepolsterte Bank und zog nachlässig den Hut über das Auge. Dann schien er einige Minuten in Gedanken vertieft, die seiner gegenwärtigen Lage ganz fremd zu seyn schienen. Manchmal stand er auch auf und warf einen Blick auf die Küsten, als wolle er seine Kameraden ausspähen. Dann blickte er wieder ausdrucksvoll nach dem Ozean, und sein zerstreutes gleichgültiges Wesen machte dann dem besorgten, verständigen Blick eines Seemannes Platz, dessen Erfahrung den Jahren vorausgeeilt ist. Seine an Beschwerden gewöhnten kräftigen Leute saßen, als sie sich in Vertheidigungszustand gesetzt hatten, in tiefem Stillschweigen, die eine Hand in die Jacken gesteckt, das Auge immer ernstlich auf alle Wolken gerichtet, die in der drohenden Atmosphäre zerstreut waren. So oft sich die Schaluppe höher als gewöhnlich hob, wenn eine Woge vom Ozean in die Bai mit steigender Schnelligkeit und Größe eindrang, warfen sie sich gar bedenkliche Blicke zu.

 

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