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Der letzte Mohikaner - Gekürzte Jugendbuchversion

James Fenimore Cooper: Der letzte Mohikaner - Gekürzte Jugendbuchversion - Kapitel 29
Quellenangabe
typefiction
authorJ. F. Cooper
titleDer letzte Mohikaner - Gekürzte Jugendbuchversion
publisherHoch-Verlag
printrun23.-27. Tausend
year1951
correctorhille@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20060219
modified20170411
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28. Kapitel

Während Unkas seine Streitkräfte verteilte, herrschte größte Stille in den Wäldern. Hier und da hörte man einen Vogel in den Ästen der Stämme zwitschern. Die Wildnis, die zwischen den Delawaren und dem Dorfe ihrer Feinde lag, schien von keinem Fuße eines Menschen betreten zu sein.

Als der Kundschafter seine kleine Schar um sich gesammelt hatte, gab er ein Zeichen, ihm zu folgen. Er führte sie nach dem Bett eines kleinen Baches. Hier machte er halt, bis die Krieger sich um ihn versammelt hatten.

»Weiß einer meiner jungen Männer, wohin dieser Bach uns führt?« fragte er in delawarischer Sprache.

Ein Indianer streckte die Hand aus, hielt zwei Finger auseinander und antwortete:

»Ehe die Sonne ihre Bahn durchläuft, wird das kleine Wasser in dem großen sein.«

»So dachte ich es«, versetzte der Kundschafter. »Wir wollen uns unter dem Schutze seiner Ufer halten, bis wir die Mingos erreicht haben.«

Seine Begleiter ließen Beifallsrufe hören. Der Marsch folgte jetzt eine Meile von dem Bach entfernt. Wenn sie auch vor der Gefahr einer frühen Entdeckung durch die steilen Ufer und das dichte Gestrüpp geschützt waren, so verabsäumten sie doch keine Vorsichtsmaßregel eines indianischen Kriegszuges. Rechts und links kroch ein Krieger, um die Seiten zu sichern. Öfters machte der Trupp halt und horchte nach feindlichen Lauten. Bald erreichten sie den Punkt, wo sich der kleinere Bach in den größeren verlor.

»Wir werden einen guten Tag zum Kampfe haben«, bemerkte der Kundschafter zu Heyward und blickte zum Himmel empor. »Glänzender Sonnenschein und dann noch blitzende Büchsenläufe sind keine guten Verbündeten für einen Schützen. Doch jetzt hat unser Versteck ein Ende. Vor uns liegt eine breite Lichtung.«

Sorgfältig beobachtete Falkenauge die Umgebung. Es war jetzt größte Vorsicht erforderlich. Auf ein Zeichen hin versammelte der Kundschafter wieder seine kleine Streitmacht um sich. Dann ging Falkenauge voran und ihm folgten im Gänsemarsch die Delawaren. Jeder bemühte sich, in die Spuren des Jägers zu treten, um nur eine Fährte zu machen. Doch kaum hatten sie den Wald verlassen und waren auf die Lichtung gelangt, als hinter ihnen eine Gewehrsalve ertönte. Ein Delaware wurde getroffen und stürzte der Länge nach zu Boden.

»Eine solche Teufelei habe ich befürchtet!« rief der Kundschafter. »Schnell ins Versteck, Freunde, gebt Feuer!«

Die Delawaren sprangen sofort hinter die schützenden Bäume. Anscheinend war der Angriff nur von wenigen Huronen unternommen worden. Die Delawaren verfolgten die Mingos von Baum zu Baum springend und trieben die Feinde zurück.

Doch die Huronen schienen Verstärkung zu erhalten, denn die Kraft ihres Feuers nahm zu. Der Kampf wurde jetzt erbitterter und kam nicht mehr von der Stelle. Bis jetzt waren nur wenige Delawaren verwundet, da beide Parteien sich hinter den Bäumen versteckt hielten. Da bemerkte der Kundschafter, daß er in Gefahr kam, mit seinen Leuten von den Huronen überflügelt zu werden. Er erwog schon einen Rückzug, als auf einmal Schlachtgeschrei durch den Wald erscholl.

Unkas griff mit seiner Hauptmacht in den Kampf ein. Diese Entlastung wirkte sofort, denn die Zahl der Gegner schien abzunehmen. Plötzlich nutzte der Jäger den Vorteil aus und gab das Zeichen zum Angriff. Von Versteck zu Versteck sprangen Falkenauge, Duncan und die Delawaren und trieben die Huronen vor sich her. Erneut hatten sich die Mingos in einigen Gebüschen festgesetzt und eröffneten ein wildes Feuer auf die Angreifer.

»Wir müssen die Burschen vor uns loswerden«, sprach Falkenauge, »sonst nützen wir Unkas nichts.«

Da rief der Kundschafter den Delawaren etwas in ihrer Sprache zu. Im gleichen Augenblick sprang jeder Krieger um den ihn schützenden Baum herum. Bei dem Anblick der vielen Krieger gaben die Huronen sofort eine Gewehrsalve ab, die glücklicherweise niemand traf. Ehe die Feinde die abgeschossenen Gewehre laden konnten, sprangen die Delawaren hinter ihren Bäumen hervor und stürzten sich auf die im nahen Buschwerk versteckten Huronen. Es entbrannte ein furchtbarer Kampf Mann gegen Mann. In diesem entscheidenden Augenblick ertönte ein Flintenknall im Rücken der Mingos und gleich darauf erscholl ein wildes Kriegsgeschrei.

»Das ist Chingachgook!« rief Falkenauge erfreut. »Jetzt haben wir sie eingeschlossen!«

Der Eindruck auf die Huronen war sehr stark. Da sie sich von allen Seiten bedrängt fühlten, stießen sie ein verzweifeltes Geheul aus und stoben auseinander. Die meisten fielen bei den Fluchtversuchen den Kugeln und den Streichen der sie verfolgenden Delawaren zum Opfer.

Nur wenige Worte wurden zwischen Chingachgook und seinen Freunden während der Kampfpause gewechselt. Falkenauge stellte den Mohikaner den Delawaren vor und legte dann den Befehl über seine Streitmacht in die Hände Chingachgooks.

Der Mohikaner übernahm den Befehl mit Würde und Ernst. Den Fußstapfen des Kundschafters folgend, führte er den Zug durch das Dickicht zurück. Seine Krieger skalpierten die gefallenen Huronen und verbargen die Leichen ihrer eigenen Toten im Gebüsch.

Jetzt traten der Mohikaner und seine Freunde an den Rand des Hügels und horchten auf das ferne Kampfgetöse. Unkas schien mit der Hauptmacht der Huronen zusammengetroffen zu sein.

»Das Gefecht kommt den Abhang herauf«, sagte Duncan. »Wir müssen uns etwas zurückziehen.«

Der Mohikaner zögerte noch einen Augenblick und beobachtete den weiteren Verlauf des Kampfes, der sich schnell den Abhang heraufzog. Ein Beweis, daß die Delawaren siegreich waren. Falkenauge, Heyward und Munro zogen sich wenige Schritte in ein Gebüsch zurück und erwarteten mit Ruhe den weiteren Fortgang des Kampfes. Jetzt sammelte sich eine Anzahl vertriebener Huronen am Waldesrande.

»Es ist Zeit für den Delawaren loszuschlagen«, sagte Duncan.

»Nur ruhig«, entgegnete der Kundschafter, »Chingachgook wird schon zur rechten Zeit wissen lassen, daß er zur Stelle ist.«

In diesem Augenblicke erscholl ein Kriegsgeschrei und ein Dutzend Huronen fielen durch Chingachgooks und seiner Leute Feuer. Das Geschrei wurde von einem Geheul aus dem Walde beantwortet. Die Huronen stutzten, und da brach auch schon Unkas mit hundert Kriegern aus dem Walde hervor. Der Kampf hatte sich geteilt. Die Huronen waren in zwei Gruppen zerspalten. Jede suchte Schutz in den Wäldern, hart bedrängt von den siegreichen Kriegern der Lenapen. Eine kleine Schar Huronen hatte es jedoch verschmäht, Schutz zu suchen. Magua ragte unter ihnen deutlich hervor. Um die Verfolgung zu beschleunigen, war Unkas ungestüm allein vorangeeilt. Als er Le Renard Subtil erblickte, erhob er seinen Schlachtruf, der sechs Krieger an seine Seite rief, und stürzte sich trotz der kleinen Zahl auf den Feind. Plötzlich ertönte ein neues Geschrei und Falkenauge eilte, von seinen weißen Gefährten begleitet, zur Hilfe herbei. Da stürzte der Hurone die Anhöhe hinauf. Schnell setzte Unkas die Verfolgung fort. Vergeblich ermahnte ihn Falkenauge, sich besser zu schützen. Doch der junge Mohikaner trotzte dem Feuer seiner Feinde und zwang sie zu weiterer Flucht. Bei der eiligen Verfolgung war das Dorf der Huronen erreicht worden. Bei dem Anblick ihrer Hütten leisteten die Huronen nochmals verzweifelten Widerstand. Es entspann sich erneut ein kurzer heißer Kampf. Unkas' Tomahawk, Falkenauges und Duncans Büchsen streckten die Huronen nieder. Bald bedeckte sich der Boden mit Feinden. Noch immer wehrte sich Magua und war allen Angriffen entgangen. Als er sah, wie seine Krieger unter den furchtbaren Streichen seiner Gegner getötet wurden, erkannte er das Aussichtslose des Kampfes und ließ ein wütendes Geheul erschallen. Schnell floh er mit zwei seiner Krieger von dem Kampfplatz.

Unkas, der vergeblich den Huronen im Kampfe stellen wollte, stürzte ihm nach. Magua rannte der Höhle zu, in der er verschwand. Auch Falkenauge und Heyward machten sich auf die Verfolgung des flüchtenden Huronen. An der Höhle angekommen, eilten die Verfolger in den langen Gang. Allen voran stürmte Unkas den Fliehenden nach. Heyward und der Kundschafter blieben ihm auf den Fersen. Der Weg in den düsteren Gängen wurde immer mühevoller. Nur noch selten zeigten sich ihnen die fliehenden Mingos. Da bemerkten sie plötzlich an dem fernen Ende eines Ganges, der auf den Berg zu führen schien, ein weißes flatterndes Kleid.

»Es ist Kora!« rief Heyward.

»Kora, Kora!« wiederholte Unkas.

Die Verfolger erneuerten ihren Eifer. Der Weg wurde jetzt rauh und an einigen Stellen fast ungangbar. Unkas warf seine Büchse weg und sprang vorwärts. Heyward folgte ihm. Da hörten sie den Knall einer Flinte und der junge Mohikaner wurde leicht verletzt.

»Wir müssen hinter Ihnen her!« rief der Kundschafter. »Die Schufte schießen uns alle ab. Seht! Sie halten das Mädchen als Schild vor sich.«

Durch unglaubliche Anstrengungen kamen die Verfolger den Fliehenden so nahe, daß sie sehen konnten, wie Kora von zwei Kriegern fortgetragen wurde, während Magua die Richtung der Flucht vorschrieb. Durch seine Büchse behindert, ließ der Kundschafter seine Begleiter etwas vorauseilen. Die beiden jungen Männer kamen den Huronen immer näher.

»Halt Hurone!« schrie Unkas von weitem.

»Ich geh' nicht weiter«, rief Kora und blieb an einem Felsvorsprung stehen, der über einem tiefen Abgrund herausragte. »Töte mich, wenn du willst, ich geh' nicht weiter!«

»Weib«, sprach Magua, »wähle Le Subtils Wigwam oder sein Messer!«

Kora achtete seiner Worte nicht. Sie warf sich auf die Knie und erhob Augen und Arme zum Himmel.

»Weib!« schrie Magua wütend, »wähle!«

Kora gab keine Antwort. Der Hurone zögerte, dann hob er die scharfe Waffe empor. In diesem Augenblick erscholl aus der Höhe ein durchdringendes Geschrei. Unkas erschien und sprang von einer furchtbaren Höhe auf den Felsvorsprung herab. Magua wich einen Schritt zurück. Einer seiner Begleiter benutzte den Augenblick, sein Messer in Koras Herz zu stoßen. Magua sprang wie ein Tiger auf seinen Stammesgenossen los, der die Flucht ergriff. Dann stieß Magua dem am Boden liegenden Mohikaner das Messer in den Rücken. Wie ein verwundeter Panther erhob sich nochmals Unkas und streckte mit einem gewaltigen Hieb den zweiten Huronen zu seinen Füßen nieder. Dann verließen den Mohikaner die Kräfte. Magua ergriff den kraftlosen und zu jedem Widerstand unfähigen Mohikaner und stieß ihm erneut mehrmals sein Messer in das Herz. Mit einem wilden Aufschrei warf Magua das blutige Messer fort und floh weiter in die Berge. In diesem Augenblick erschien die hohe Gestalt des Kundschafters. Als der Jäger den blutigen Schauplatz des heimtückischen Mordes erreichte, zeigte ihm ein Blick auf die Toten, daß seine Hilfe zu spät kam. Sein scharfes Auge musterte aufmerksam die vor ihm ansteigenden Felsen. Da bemerkte er am Rande eines schwindelnden Absturzes eine menschliche Gestalt mit erhobenen Armen. Es war Magua, der aus einer Felsspalte trat und einen breiten Felsriß übersprang. Dann klomm er weiter den Felsen hinan. Noch ein einziger Sprung über den Abgrund, und er wäre in Sicherheit gewesen. Ehe der Hurone Anlauf nahm, schüttelte er die Hand gegen den Kundschafter und schrie:

»Die Bleichgesichter sind Hunde! Die Delawaren sind Weiber! Magua läßt sie auf den Felsen den Krähen zur Speise!«

Unter lautem Gelächter versuchte er den verzweifelten Sprung. Er erreichte nur knapp das Ziel. Seine Hände hielten im Fallen ein Gestrüpp am Rande umklammert. Vorsichtig ließ sich Magua etwas hinuntergleiten und fand ein Felsstück, auf dem seine Füße Halt bekamen. Dann bot er alle seine Kräfte auf und es gelang ihm, sich mit den Knien auf den Rand des Berges zu schwingen. Nur noch ein kurzer Schwung und Magua war in Sicherheit. Da zog der Kundschafter seine Büchse an die Schulter. Der Knall des Schusses weckte ein mehrfaches Echo in den Bergen. Die Arme des Huronen verloren ihren Halt. Sein Leib fiel in sich zusammen, und dann stürzte seine dunkle Gestalt kopfüber in den tiefen Abgrund.

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