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Der letzte Mohikaner - Gekürzte Jugendbuchversion

James Fenimore Cooper: Der letzte Mohikaner - Gekürzte Jugendbuchversion - Kapitel 18
Quellenangabe
typefiction
authorJ. F. Cooper
titleDer letzte Mohikaner - Gekürzte Jugendbuchversion
publisherHoch-Verlag
printrun23.-27. Tausend
year1951
correctorhille@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20060219
modified20170411
projectidfc49ad04
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17. Kapitel

Das Boot wurde in einem dichten Gebüsch am See versteckt und die Nacht unter freiem Himmel mitten im Walde zugebracht. Am anderen Morgen – der Tau war verdunstet und die Sonne hatte die Nebel zerstreut – setzten die Reisenden die Wanderung fort. Nachdem sie einige Meilen zurückgelegt hatten, begann Falkenauge die Umgebung genauer zu mustern. Er blieb oft stehen, um den Weg, die Sträucher und die Bäume zu untersuchen, und besprach sich dann eingehend mit Chingachgook. Endlich wandte sich der Kundschafter an seine Begleiter und sagte:

»Als ich feststellte, daß die Spuren der Huronen nach Norden führten, wußte ich, daß sie den Weg durch die Täler wählen und sich zwischen den Wassern des Hudson und Horikan halten werden. Freilich haben wir bis jetzt von ihnen noch keine Fährte entdeckt.«

Der junge Mohikaner sah seinen Vater fragend an. Da winkte Chingachgook ihn zu sich und sprach mit ihm. Bald darauf lief Unkas eine kleine Anhöhe hinauf und blieb erfreut vor einer Spur stehen, die von dem Tritt eines schweren Tieres herzurühren schien.

»Das ist endlich eine Spur!« rief der Kundschafter hinzutretend.

»Da«, sprach Unkas, »das ›Schwarze Haar‹ ist hier gegangen!«

»Kein Spürhund hat je eine schönere Fährte gefunden«, erwiderte der Kundschafter lächelnd. »Hier sind auch die Spuren der zwei einseitigen Pferde zu sehen. Der Hurone marschiert gedankenlos wie ein General der Weißen.«

Durch diese wichtige Entdeckung ging ihr weiterer Marsch jetzt schneller vor sich. Der Hurone hatte öfters versucht, die Spuren zu verwischen. Doch die Verfolger ließen sich dadurch nicht beirren.

Am Nachmittag kamen sie an eine Stelle, wo Le Renard mit seinen Gefangenen offenbar haltgemacht hatte. Verkohlte Holzreste lagen um eine Quelle. Überreste einer Mahlzeit waren verstreut, und die Sträucher zeigten unverkennbare Spuren, daß die Pferde sie abgeweidet hatten. Der Boden war von Fußstapfen von Männern und Tieren in weitem Umkreis des Platzes zertreten.

Die Pferdespur ließ sich allerdings noch einige Zeit verfolgen. Unkas war der Fährte nachgegangen und brachte plötzlich nach einiger Zeit die beiden Tiere herbei, die er unbeaufsichtigt frei im Walde herumlaufend gefunden hatte.

»Was bedeutet das?« fragte Duncan entsetzt.

»Daß unsere Reise jetzt zu Ende geht und wir uns im Feindeslande befinden«, erwiderte der Kundschafter. »Wäre der Schurke verfolgt worden und hätten die Mädchen keine Pferde gehabt, so hätte er ihnen vielleicht die Skalpe abgezogen. Da er aber keine Gefahr vermutete, hat er ihnen auch kein Haar auf dem Haupte gekrümmt. Bestimmt sind wir jetzt in die Nähe ihres Lagers gekommen. Es gilt den Weg aufzuspüren, den sie von hier aus eingeschlagen haben.«

Falkenauge und die Mohikaner untersuchten nun eingehend den Platz und seine weitere Umgebung nach menschlichen Spuren. Jedes Blatt wurde genau betrachtet, jeder dürre Zweig und Stein aufgehoben. Trotz großer Geduld und Sorgfalt blieb die Untersuchung ohne Erfolg. Jetzt hatte Unkas den Gedanken, den kleinen Bach mit Erde abzudämmen und seinen Lauf in ein anderes Bett zu lenken. Freudig wurde diese Maßnahme begrüßt. Durch die Umleitung des Wassers hatte Unkas in dem alten Bett des Baches die Fährte eines großen Mokassins entdeckt.

»Der Junge wird seinem Volke große Ehre machen«, sprach Falkenauge und bestaunte die Spur. »Das ist aber kein Fußtritt eines Indianers. Das kann nur die Spur unseres Singemeisters sein, der seine Schuhe mit Mokassins hat vertauschen müssen. Wahrscheinlich hat man ihn vorausgehen lassen und die anderen sind in seine Fußstapfen getreten.«

»Aber«, rief Duncan ungläubig, »ich sehe keine Spuren von –«

»Den beiden Mädchen«, unterbrach der Kundschafter. »Der Bursche wird Sie soweit getragen haben, bis er glaubte, er habe allen Verfolgern ihre Spuren entzogen.«

Man prüfte jetzt den Lauf des Baches in seinem alten Bett. Fast waren sie eine halbe Meile gegangen, als das Wasser über einen großen kahlen Felsen rieselte. Hier untersuchten sie eingehend, ob die Huronen an dieser Stelle das Wasser verlassen hätten. Bald fand das scharfe Auge des jungen Mohikaners die Spur eines Indianerfußes auf einem Büschel Moos. In einem nahen Dickicht fanden sich noch weitere Spuren.

»Jetzt haben wir es!« rief Falkenauge fröhlich. »Hier sind die Spuren von drei Paar Mokassins und von zwei kleinen Füßen!«

Erfreut über dieses Ergebnis, erquickten sich die Reisenden schnell an einem Imbiß und marschierten dann nach kurzer Ruhepause wieder weiter. Da die Huronen ihre Vorsicht nicht fortsetzten, die Spuren zu verbergen, konnten ihnen die Verfolger schnell nacheilen.

Da blieb plötzlich der Kundschafter stehen und wartete, bis seine Begleiter zu ihm herangekommen waren.

»Ich wittere die Huronen«, sagte er zu den Mohikanern. »Chingachgook, steige du auf diesen Hügel und du, Unkas, gehe weiter links den Bach entlang, während ich die Spur verfolge. Wer etwas entdeckt, krächzt dreimal wie eine Krähe.«

Die Indianer entfernten sich, ohne ein Wort zu erwidern. Da wies Falkenauge Heyward an, vorsichtig nach dem Rande des Waldes zu schleichen und dort auf ihn zu warten, bis er käme. Duncan gehorchte und hatte bald die bezeichnete Stelle erreicht. Er befand sich vor einer Lichtung, die jetzt im Glanze eines milden Sommerabends vor ihm lag. Der Bach hatte sich zu einem kleinen See erweitert. In diesen schönen Anblick versunken, schreckte Duncan plötzlich auf, als er einige hundert Schritte vor sich einen fremden Indianer erblickte. Zuerst überzeugte sich Heyward, daß er nicht selbst bereits entdeckt sei. Doch der Eingeborene schien ihn noch nicht gesehen zu haben. Sein Kopf war bis auf den Scheitel geschoren und von seinem Schopf wehten drei Falkenfedern herab. Ein zerrissener Mantel verhüllte seinen Körper. Seine Beine waren nackt und von Dornen zerkratzt. Die Füße steckten in einem Paar Mokassins von gutem Hirschleder. Der Indianer sah verwahrlost und elend aus. Duncan beobachtete immer noch den seltsamen Indianer, als der Kundschafter still und vorsichtig an seine Seite trat.

»Dort steht einer der Wilden!« flüsterte ihm Duncan zu. Falkenauge blickte in die angedeutete Richtung.

»Der Bursche ist kein Hurone«, sprach er dann. »Doch an seinen Kleidern ist zu sehen, daß er einen Weißen ausplünderte. Habt Ihr bemerkt, wo er seine Büchse oder seinen Bogen abgelegt hat?«

»Er scheint unbewaffnet zu sein und auch keine schlimmen Absichten zu hegen.«

Im gleichen Augenblick verschwand der Jäger in dem Dickicht des Waldes. Duncan wartete einige Minuten, bis er den Kundschafter wieder sah. Langsam kroch der Jäger von hinten auf den Indianer zu. Schon glaubte Duncan, daß der Kundschafter dem Wilden die Hände an die Kehle legen werde, da sah er, wie Falkenauge ihm einen leichten Schlag auf die Schulter gab und laut rief: »Wie, Freund, habt Ihr vor die Biber singen zu lehren?«

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