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Der letzte Mohikaner - Gekürzte Jugendbuchversion

James Fenimore Cooper: Der letzte Mohikaner - Gekürzte Jugendbuchversion - Kapitel 17
Quellenangabe
typefiction
authorJ. F. Cooper
titleDer letzte Mohikaner - Gekürzte Jugendbuchversion
publisherHoch-Verlag
printrun23.-27. Tausend
year1951
correctorhille@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20060219
modified20170411
projectidfc49ad04
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16. Kapitel

Der Himmel war noch mit Sternen übersät, als Falkenauge die Schläfer weckte. Schnell machten sie sich reisefertig.

»Kommt!« sprach leise Falkenauge und wandte sich nach einem Wall der Festung. »Wir wollen in den Graben steigen und beim Gehen sorgfältig auf Steine und Holzstücke treten, um keine Spuren zu hinterlassen.«

Als sie sich in der niederen Höhlung befanden, war der Weg durch Trümmer fast versperrt. Mühsam gelang es ihnen, dem Kundschafter nachzuklettern und endlich das Ufer des Horikan zu erreichen.

»Das ist eine Fährte, die man nur mit der Nase verfolgen kann«, sagte der Kundschafter. »Gras ist ein verräterischer Teppich, aber Holz und Stein nehmen keine Spur an. – Vorsichtig, Unkas, etwas näher an das Land mit dem Kanu! Es darf das Ufer aber nicht berühren, sonst merkt man, wo wir den Ort verlassen haben.«

Der junge Mohikaner beachtete diese Vorsichtsmaßregel. Der Kundschafter legte ein Brett, das er aus den Trümmern mitgenommen hatte, auf den Kahn und winkte den beiden Offizieren, einzusteigen. Dann folgte er ihnen. Schweigend ruderten die Indianer das Boot auf den See hinaus.

Gerade als der Tag anbrach, durchfuhren sie die Enge des Sees. Chingachgook legte seine Ruder beiseite, während Unkas und Falkenauge das leichte Fahrzeug durch die vielen Windungen der Kanäle trieben. Die Augen Chingachgooks überprüften, während das Kanu sich leicht fortbewegte, aufmerksam jede Insel und jeden Busch. Plötzlich gab Chingachgook ein Zeichen und das Boot stand sofort still.

»Howgh!« rief Unkas fast im gleichen Augenblick, als sein Vater durch einen leichten Schlag auf den Rand des Kanus auf nahe Gefahr aufmerksam machte. Der Indianer hob das Ruder auf und deutete auf einen Punkt in einiger Entfernung.

»Ich sehe nichts als Land und Wasser«, sprach Heyward.

»Pst!« unterbrach ihn der Kundschafter. »Seht Ihr da den Nebel, Major, der sich über die Insel erhebt?«

»Es sind Dünste, die aus dem Wasser steigen!«

»Nein«, entgegnete Falkenauge, »das ist der Rauch eines Feuers, das im Erlöschen ist. Jetzt tut Eile not.«

Die Indianer griffen zu den Rudern und auch die anderen ruderten jetzt kräftig mit. Schnell trieb das Boot über das Wasser. In wenigen Minuten hatten sie den Punkt erreicht, von wo aus sie das ganze nördliche Ufer der Insel übersehen konnten.

»Da sind sie!« flüsterte der Kundschafter. »Da liegen zwei Kanus und auch den Rauch sieht man jetzt deutlich. Noch haben sie uns nicht entdeckt, sonst hätten sie ihr Kriegsgeschrei erschallen lassen. Jetzt schnell rudern, meine Freunde! Bald sind wir aus der Schußweite ihrer Kugeln.«

Plötzlich ertönte der Knall einer Büchse und ein schrilles Geheul von der Insel kündete, daß sie entdeckt worden waren. Bald darauf stürzten die Wilden in die Kanus und begannen eine wilde Verfolgung.

»Halte die Richtung ein, Chingachgook«, rief Falkenauge kaltblütig. »Halte das Fahrzeug ruhig! Die Huronen haben keine Gewehre, die so weit reichen. Aber mein Wildtöter ist ihnen überlegen.«

Da zeigte Unkas nach dem Felsenufer, wo ein anderes Kanu ihren Weg abzuschneiden suchte. Ihre Lage wurde jetzt sehr bedenklich. Der Kundschafter legte seine Büchse weg und ergriff das Ruder, während Chingachgook den Bug des Kanus etwas gegen das Westufer richtete, um die Entfernung zwischen ihnen und dem neuen Feind zu vergrößern. Die Anstrengungen der Fliehenden waren jedoch zu groß, um noch lange andauern zu können. Außerdem hatten die Verfolger den Vorteil der Überzahl. Duncan bemerkte nicht ohne Sorge, daß der Kundschafter um sich blickte, um ein Mittel zu finden, die Flucht zu beschleunigen.

»Steure etwas mehr aus der Sonne weg, Chingachgook«, sprach der Kundschafter. »Die Burschen wollen auf uns schießen.«

Da unterbrach eine Salve der Huronen das Gespräch und die Kugeln pfiffen um ihre Ohren. Bald darauf ertönte Salve auf Salve, und eine Kugel schlug dem Häuptling das leichte Ruder aus den Händen und schleuderte es in die Luft.

Die Huronen stießen einen Jubelschrei aus und benutzten die Gelegenheit, erneut zu feuern. Nun beschrieb Unkas mit seinem Ruder einen Halbkreis in dem Wasser. Während das Boot schnell vorschoß, erhaschte Chingachgoook sein Ruder wieder. Hocherfreut darüber ließ der Mohikaner seinen Kampfruf erschallen.

Da ertönten auf den Kanus hinter ihnen die Rufe: »Die Große Schlange!« »Die Lange Büchse!« »Der Schnelle Hirsch!«

Der Kundschafter ergriff seinen Wildtöter und schwang ihn über seinem Haupte den Feinden entgegen.

Die Wilden beantworteten diese Bewegung mit einer weiteren Salve. Eine der Kugeln durchschlug sogar die Rinde ihres kleinen Bootes.

»Die Schufte hören sich gerne schießen, aber keiner der Mingos hat ein gutes Augenmaß, um die Insassen eines fahrenden Bootes zu treffen.«

Eine Kugel aber zerschlug das Ruder des Jägers.

»Nicht übel!« sprach der Kundschafter. »Doch jetzt muß ich mich mit meinem Wildtöter an der Unterhaltung beteiligen.«

Falkenauge nahm seine Büchse zur Hand, zielte schnell und feuerte. Der Hurone, der im Bug des ersten Kanus saß, sank zurück und ließ seine Büchse ins Wasser fallen. Alsbald hörten seine Begleiter zu rudern auf und das folgende Kanu stieß mit dem anderen zusammen und blieb liegen.

Chingachgook und Unkas benutzten die Pause, um Atem zu schöpfen, Duncan ruderte jetzt allein weiter.

Der See gewann immer größere Breite. Die wenigen Inseln waren leicht zu vermeiden. Der schlaue Mohikaner steuerte das Boot den Bergen zu. Die Huronen hatten scheinbar die Verfolgung aufgegeben, so daß keine große Vorsicht mehr geboten schien. Endlich hatten sie eine Bucht am nördlichen Ufer des Sees erreicht. Hier wurde das Kanu an das Ufer getrieben und alle stiegen an Land. Falkenauge und Heyward kletterten auf eine nahe Anhöhe, von der sie eine gute Sicht in die Landschaft hatten. Der Kundschafter lenkte den Blick seiner Begleiter auf einen kleinen Punkt.

»Seht ihr etwas?« fragte der Kundschafter und deutete mit der ausgestreckten Hand auf den fraglichen Punkt.

»Nach der Entfernung und Größe hielte ich es für einen Vogel«, antwortete Duncan.

»Es ist ein Kanu und wird von Mingos gerudert«, erwiderte der Kundschafter. »Wir müssen sie unbedingt loswerden oder auf die Verfolgung Renard Subtils verzichten. Auch der Rauch will mir nicht gefallen«, fuhr der aufmerksam beobachtende Jäger fort. »Es ist Zeit, daß wir handeln.«

Etwas nachdenklich stieg Falkenauge von seinem Ausguck an das Ufer hinab. Er teilte den Mohikanern den Erfolg seiner Beobachtungen in delawarischer Sprache mit. Dann wurde das Kanu aus dem Wasser gehoben, und die Indianer trugen es auf den Schultern nach dem Walde. Nachdem sie eine größere Felsenplatte überschritten hatten, die keine Fußspuren zurückließ, folgten sie dem Bett eines dem See zufließenden Baches und ließen ihr Kanu wieder in das Wasser gleiten. Unter dem Schutze tief herabhängender Büsche blieben sie bis zur einbrechenden Dunkelheit ruhig am Rande des Sees liegen. Dann erst, als tiefe Finsternis eingetreten war, ruderten sie in aller Stille nach der anderen Seite des Sees.

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