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Der letzte Mohikaner - Gekürzte Jugendbuchversion

James Fenimore Cooper: Der letzte Mohikaner - Gekürzte Jugendbuchversion - Kapitel 14
Quellenangabe
typefiction
authorJ. F. Cooper
titleDer letzte Mohikaner - Gekürzte Jugendbuchversion
publisherHoch-Verlag
printrun23.-27. Tausend
year1951
correctorhille@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20060219
modified20170411
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13. Kapitel

Am 9. August 1757 wurde das Fort »William Henry« den Franzosen übergeben. Die Hörner der Sieger bliesen heitere und fröhliche Weisen, bis der letzte Mann im Lager unter den Waffen war. Als das Abzugssignal in der Festung ertönte, erschien Munro festen Antlitzes, aber sehr betrübt, in der Mitte seiner schweigenden Truppen. Duncan war tief bewegt über die Niedergeschlagenheit des Generals und hielt es für seine Pflicht, sich besonders um die beiden Töchter Munros zu kümmern. Er eilte nach der Wohnung des Kommandanten. Dort fand er die Schwestern, von weinenden und jammernden Weibern umgeben. Kora hatte ihre Standhaftigkeit auch in dieser schweren Stunde behalten. Alices Augen dagegen verrieten, daß sie lange geweint haben mußte. Die Schwestern empfingen Heyward mit unverhohlener Freude. Da Duncan wieder zu der Truppe zurückkehren mußte, eilte er zu David, den er in der Nähe wußte, und bat ihn, sich besonders der beiden Schwestern anzunehmen.

»Recht gerne will ich die beiden Damen begleiten«, beteuerte der Singemeister. Die beiden Mädchen empfingen ihren neuen, etwas eigenartigen Beschützer mit gemischten Gefühlen. Duncan versicherte ihnen, er habe getan, was zur Zeit in seinen Kräften stände, und er glaube, daß auch in nächster Zeit keine unmittelbare wirkliche Gefahr drohe.

Nachdem sie noch verabredet hatten, sich später einige Meilen vom Hudson zu treffen, verabschiedete er sich schweren Herzens von den Schwestern und eilte zu den Truppen zurück.

Auf das Signal zum Abmarsch setzte sich die englische Kolonne in Bewegung und verließ geschlossen die Festung.

»Auch wir müssen gehen«, sprach jetzt Kora. »Hier ist kein Aufenthalt mehr für uns.«

Da alle Wagen und Lasttiere für Kranke und Verwundete benötigt wurden, hatte Kora mit ihrer Schwester beschlossen, die Beschwerden eines Fußmarsches auf sich zu nehmen. Alles war jetzt in Bewegung: die Schwachen und Verwundeten, die Weiber und Kinder.

Als diese schüchterne, zusammengewürfelte Menge menschlichen Elends die schützenden Wälle der Festung verließ und die offene Ebene erreichte, sah sie die englischen Truppen in der Ferne auf einem durch den Wald geschlagenen Weg geschlossen abmarschieren. Am Rande des Waldes standen die Wilden und beobachteten mit beutegierigem Blick den Auszug des Feindes. Bisher hatte sie die Gegenwart eines ihnen überlegenen Heeres davon abgehalten, sich über die Beute herzustürzen. Als sie jedoch den Trupp schwacher Nachzügler erblickten, wurden sie mutiger. Da bemerkte Kora unter ihnen auch die Gestalt Maguas, der eindringlich auf seine Kumpanen einsprach. Fast schien es so, als ob sich die Wilden zurückziehen und ihre Feinde unbehelligt lassen wollten. Plötzlich aber zog die bunte Farbe eines Schals ein Huronenauge auf sich. Der Hurone kam herbei, um sich des Tuches zu bemächtigen. Vor Schreck hüllte die Mutter ihr Kind fester in das Tuch ein und drückte beides an die Brust. Da riß der Wilde das bunte Bündel an sich. Voller Angst stürzte die Mutter zu ihm, um ihr Kind zurückzufordern. Der Indianer lächelte grimmig und deutete mit einer Hand an, daß er einen Tausch eingehen wolle, während er mit der anderen das Kind an den Füßen um den Kopf schwang.

»Hier, alles kannst du haben!« rief die unglückliche Mutter und riß sich mit zitternden Fingern leichte Kleidungsstücke vom Leibe. »Nimm alles, nur gib mir mein Kind wieder!«

Der Wilde verschmähte das Angebot. Als er bemerkte, daß der Schal bereits von einem anderen Huronen genommen war, geriet er in Wut und zerschmetterte den Kopf des Kindes an einem Felsen. Einen Augenblick stand die Arme ganz fassungslos. Doch dann sprang sie völlig von Sinnen zu dem toten Kinde. Bei diesem Anblick schien der Hurone noch wütender zu werden, denn er griff zu seinem Tomahawk und spaltete den Schädel der armen Frau, die neben ihrem Kinde tot zu Boden stürzte.

In diesem gefährlichen Augenblick erhob Magua seine Hände an den Mund und ließ das furchtbare Kriegsgeschrei ertönen. Sämtliche Indianer stimmten in diesen grausamen Schlachtruf ein und die Ebene erscholl von dem schrecklichen Geheul. Jetzt stürzten sich mehr als zweitausend Wilde auf die Nachzügler und es entstand ein furchtbares Gemetzel. Der geringste Widerstand reizte die Wut der Wilden immer mehr. Ströme von Blut wurden vergossen. Vergebens versuchten einzelne herbeieilende französische Truppen, die Wilden von ihrem grausamen Treiben abzuhalten.

Mitten in diesem blutigen Gewühle standen die Schwestern eng aneinandergeschmiegt vor Schrecken und Entsetzen regungslos. Nirgends sahen sie mehr einen Ausweg. Von allen Seiten erscholl schreckliches Geschrei, Gestöhne und Flüche. Bei diesem Anblick fiel Alice besinnungslos zu Boden. Kora kniete ihr zur Seite und warf sich zu ihrem Schutze über sie. Da stand plötzlich David neben den Schwestern. Eingedenk seines gegebenen Versprechens, sie nicht zu verlassen, blickte er auf die furchtbare Szene um sich und dabei schien seine hagere Gestalt noch größer zu werden. Da faßte er einen seiner Person würdigen Entschluß. In höchsten Tönen stimmte er mitten in dem Gewühl ein frommes Lied an. Zwei Wilde, die auf die Töchter Munros zustürzen wollten, um ihnen die Skalpe zu nehmen, ließen von ihrem Vorhaben ab und blieben erstaunt und verwundert stehen. Durch diesen Erfolg gestärkt, verdoppelte David seine Anstrengungen. Da stand auf einmal Magua neben dieser Gruppe.

»Komm!« rief er. »Der Wigwam des Huronen ist noch leer!«

Der Indianer zeigte seine mit Blut befleckte Hand und rief: »Sieh, meine Hand ist rot von Blut, aber es kommt aus weißen Adern!«

»Ungeheure Ströme von Blut lasten auf deiner Seele!«

»Magua ist ein großer Häuptling!« erwiderte der Wilde. »Will das schwarze Haar zu seinem Stamme gehen?«

»Nimmermehr, töte mich, wenn du willst!«

Der Indianer zögerte einen Augenblick. Dann umschloß er die leichte Gestalt Alices mit seinen Armen und eilte dem Walde zu.

»Halt!« schrie Kora und lief ihm nach. Auch David beteiligte sich an der Jagd, und so stürmten sie über die Ebene hin, mitten durch Fliehende, Verwundete und Tote.

Um alle Verfolgung zu vereiteln, trat Magua durch eine kleine Schlucht in den Wald, wo bereits die Pferde, die die Reisenden vorher verlassen hatten, warteten. Ein Hurone hatte die Tiere bewacht. Magua setzte Alice auf eines der Pferde und winkte Kora, das andere zu besteigen. Dann drang er mit seinen beiden weiblichen Gefangenen noch tiefer in den Wald ein. Als David bemerkte, daß man ihn allein ließ, bestieg er ebenfalls eines der zurückgelassenen Pferde und ritt hinterdrein.

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