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Der letzte Mohikaner - Gekürzte Jugendbuchversion

James Fenimore Cooper: Der letzte Mohikaner - Gekürzte Jugendbuchversion - Kapitel 13
Quellenangabe
typefiction
authorJ. F. Cooper
titleDer letzte Mohikaner - Gekürzte Jugendbuchversion
publisherHoch-Verlag
printrun23.-27. Tausend
year1951
correctorhille@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20060219
modified20170411
projectidfc49ad04
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12. Kapitel

Die nächsten Tage flossen eintönig dahin. Entbehrungen, Verwirrungen und Gefahren nahmen für die Belagerten ständig zu. Munro war nicht in der Lage, seinen Feinden den nötigen Widerstand zu leisten. Es schien, als ob General Webb mit seinem Heere, das untätig an den Ufern des Hudsons lag, die bedrängte Lage seiner Landsleute vergessen hätte. Montcalm hatte die Wälder mit seinen Wilden angefüllt und ihr Geschrei und Geheul war deutlich im britischen Lager zu hören.

Die Lage war für Munro, der die Festung »William Henry« verteidigte, sehr ungünstig. Obgleich der Franzose die Höhen der Berge nicht besetzt hatte, so waren doch seine Batterien sehr geschickt in der Ebene aufgefahren und hatten eine ununterbrochene Kanonade auf das Fort eröffnet. Diesem Angriff konnten die Belagerten nur die unvollkommenen Verteidigungsmittel einer Festung der Wildnis gegenüberstellen.

Es war am fünften Tage der Belagerung, als Major Heyward einen soeben abgeschlossenen Waffenstillstand benutzte, um sich auf die Brustwehr einer Bastion zu begeben, von wo er die Fortschritte der Belagerer beobachten konnte. Zwei kleine weiße Flaggen, Zeichen der Waffenruhe, wehten. Eine auf einem Fort der Festung, die andere auf einer der vorgeschobenen Batterien der Belagerer. Hinter ihnen flatterten die Standarten Englands und Frankreichs im Winde. Viele junge Franzosen zogen Netze an den Strand des Sees. Aufmerksam hatte Duncan seine Beobachtungen gemacht, als sich seine Augen auf das Ausfalltor richteten. Er bemerkte, wie Falkenauge unter Bewachung eines französischen Offiziers auf das Tor zukam. Die Gesichtszüge des Jägers waren eingefallen und er schien niedergeschlagen. Die Hände des Jägers waren mit Riemen auf den Rücken gebunden. Als Heyward seinen Freund erkannt hatte, eilte er bald darauf von der Bastion in das Innere der Festung herab. Rasch ging er die Rasenstufen herunter und stürmte über den Paradeplatz und stand nach kurzer Zeit vor dem Festungskommandanten. Als Duncan in das Zimmer Munros trat, ging dieser mit großen Schritten auf und nieder.

»Sie kommen mir recht, Major Heyward!« sagte der General. »Ich wollte Sie eben rufen lassen.«

»Mit größtem Bedauern sah ich den Boten, den ich Ihnen so warm empfohlen hatte, unter dem Gewahrsam der Franzosen zurückkehren. Ich hoffe, Sie haben keinen Grund in seine Treue Zweifel zu setzen.«

»An der Treue des Kundschafters ist niemals zu zweifeln«, versetzte Munro. »Doch sein Glück scheint ihn verlassen zu haben. Montcalm hat ihn gefaßt und ihn mir wieder zurückgesandt, mit der Erklärung, daß er mir den Jäger nicht vorenthalten wolle, da ich so große Stücke auf ihn hielte.«

»Und General Webb und seine Hilfe?« fragte Heyward.

»Es war ein Brief von General Webb vorhanden und das ist das einzig Erfreuliche bei der Sache. Doch das Schreiben hat Montcalm dem Kundschafter abgenommen.«

»Aber was sagt Falkenauge? Er war doch im Lager Webbs! Was hat er gesehen und gehört?«

»Es gab dort zahllose Morgen- und Abendparaden und das übliche Exerzierreglement«, erwiderte Munro verstimmt und fuhr nach einer Weile des Nachdenkens fort: »Und doch muß in dem Briefe etwas stehen, das zu wissen für uns gut wäre.«

»Die Lage wird immer kritischer«, fuhr Heyward fort. »Die Mauern stürzen uns über dem Kopf zusammen und der Mundvorrat wird knapp. Selbst die Mannschaft zeigt Spuren von Unzufriedenheit und Unruhe.«

»Major Heyward«, sprach Munro feierlich, »solange noch Hoffnung auf Unterstützung vorhanden ist, werde ich diese Festung verteidigen. Alles kommt jetzt darauf an, den Brief zu Gesicht zu bekommen, um zu wissen, ob wir noch auf Hilfe rechnen können.«

»Kann ich Ihnen dabei nützlich sein?« fragte Heyward.

»Ja, das können Sie. Der Marquis von Montcalm hat mich zu einer persönlichen Unterredung zwischen den Festungswerken und dem Lager eingeladen, um mir weitere Aufschlüsse zu geben. Ich bitte Sie, an dieser Unterredung teilzunehmen.«

Duncan erklärte sich dazu gleich bereit.

»Ich will den Franzosen sofort und ohne Aufschub sprechen. Gehen Sie, Major Heyward, und schicken Sie eine Ordonanz, um Montcalm zu melden, daß ich komme.«

Der junge Offizier folgte dem Befehl und beeilte sich, unverzüglich die nötigen Vorkehrungen zu treffen. In wenigen Minuten waren Truppen unter Gewehr getreten und ein Parlamentär mit einer weißen Fahne in das französische Lager abgeschickt, um die Ankunft des Kommandanten von Fort »William Henry« zu melden.

Kaum waren Munro und seine Begleitung einige hundert Schritt von den Festungswerken entfernt, als ein kleiner Trupp Soldaten, der den französischen General umgab, aus einem Hohlweg erschien. Trommelwirbel ertönte und jede Partei ließ einen Parlamentär mit weißer Fahne vortreten. Nachdem diese Begrüßung vorüber war, trat Montcalm mit leichtem Schritte auf Munro zu und entblößte sein Haupt vor dem Veteranen. Beide schwiegen eine Weile, dann unterbrach Montcalm das Schweigen. Nach der üblichen Begrüßung wandte er sich an Munro und forderte ihn zur Übergabe der Festung auf. Der britische General ließ sich von den Ausführungen Montcalms nicht beirren und erklärte, daß er das Fort »William Henry« weiter verteidigen würde, da er wüßte, daß es bald entsetzt werde. Bei dieser Bemerkung spielte um die Züge des französischen Feldherrn ein undurchsichtiges Lächeln und er übergab dem Festungskommandanten den abgefangenen Brief des Generals Webb. Hastig ergriff Munro das Schreiben. Als er es gelesen hatte, glich er einem Manne, dessen letzte Hoffnungen sich zerschlagen hatten. Auch Duncan überflog den Inhalt des schicksalsschweren Briefes. General Webb, ihr gemeinsamer Vorgesetzter, forderte sie auf, sich zu ergeben, da es ihm unmöglich sei, Hilfe zu schicken.

Nach einigem Besinnen sprach Munro mit ernster Stimme: »Monsieur de Montcalm, wir sind bereit, Ihre Forderungen anzuhören.«

Der französische Feldherr verlangte Übergabe der Festung und sicherte seinem Feinde ehrenvollen Abzug zu. Munro, der nach dem Erhalt des Briefes den Eindruck eines geschlagenen Mannes machte, entfernte sich, nachdem er Major Heyward gebeten hatte, die einzelnen Bedingungen der Kapitulation mit den Franzosen zu vereinbaren. Um die Zeit der ersten Nachtwache kehrte Heyward in die Festung zurück. Es wurde bekanntgegeben, daß die Feindseligkeiten einzustellen seien. Munro hatte die Kapitulation unterzeichnet, nach der die Festung am nächsten Morgen dem Feinde übergeben werden mußte.

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