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Bjørnstjerne Bjørnson: Der König - Kapitel 2
Quellenangabe
typedrama
authorBjörnstjerne Björnson
booktitleAbsalons Haar ? Der König ? Ein Fallissement
titleDer König
publisherMitteldeutsche Verlagsanstalt Lehmann & Fink
seriesBjörnson Ausgewählte Werke
volumeZweiter Band
printrunDritte Auflage
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectid124bb4d1
created20070422
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Der König.

Ein Schauspiel in vier Akten und einem Vorspiel von

Björnstjerne Björnson.

Vorspiel.

(Die Musik beginnt, noch ehe der Vorhang aufgeht. Eine große, gotische Halle in festlicher Beleuchtung. Ein Maskenball. Im Hintergrund wird ein Ballett aufgeführt. Noch ehe dasselbe zu Ende ist, treffen zwei weibliche Masken im Vordergrund rechts zusammen.)

Erste Maske Weißt du, daß der König hier sein soll?

Zweite Maske Ja – und seitdem ich es weiß, glaube ich ihn überall zu sehen.

Erste Sollte es dieser hier sein?

Zweite Der König ist größer.

Erste Aber jener? Sieh' jenen dort!

Zweite Der hat mit mir gesprochen. Er hat eine kalte, spröde Stimme.

Erste Sollen wir versuchen ihn zu finden?

Zweite Ja, komm! (Eine Schar weiblicher Masken, alle im selben Kostüm, haben sich allmählich links gesammelt.)

Erste Sind wir jetzt alle versammelt?

Zweite Mathilde fehlt.

Mathilde (im selben Kostüm wie die übrigen). Hier bin ich. Wißt ihr, daß der König hier sein soll?

Alle Ist es möglich?

Mathilde Ich kenne seine Maske nicht, aber ich habe es von einem der Veranstalter des Festes erfahren.

Mehrere Der süße König! (Kater Murr und sein Miezchen kommen dazu.)

Kater Murr Hörst du, traute Miez?

Miezchen Miau.

Mathilde Sollen wir nicht versuchen, ihn ausfindig zu machen?

Alle Ja, ja!

Zweite Maske Und wenn wir ihn entdeckt haben?

Alle Um ihn herumtanzen.

Kater Murr Jetzt nimm deine Tugend gut in acht, Miezchen!

Miezchen Miau.

Kater Murr Miau. (Beide ab.)

Mathilde Vergeßt nicht, daß wir uns dann wieder in einer Ecke zusammenfinden müssen.

Alle Ja (Sie zerstreuen sich.)

(Das Ballett geht unter allgemeinem Beifall zu Ende. Man plaudert, die Konversation wird belebt. Dann ein Trompetenstoß und ein Vorhang im Hintergrund geht auf., Man erblickt ein lebendes Bild, eine holländische Schützengilde nach einem berühmten Gemälde darstellend. Die Musik spielt das holländische Nationallied. Lebhafter Beifall. Dann allgemeiner Tanz, der bis zum Ende des Vorspiels fortgesetzt wird.)

(Eine ältere Damenmaske von einem Esel geführt.)

Die Dame Das verzeihe ich Ihnen niemals, Kammerherr.

Esel Sie erschrecken mich so sehr, daß ich noch ganz aus meiner Rolle fallen werde, Baronin.

Baronin Wenn ich nur begreifen könnte, wie es zuging.

Esel Sie können doch nicht, beste Baronin, alle Lehrerinnen und erwachsenen Schülerinnen des Institutes an einem Bändchen mit sich führen.

Baronin Nein, aber ich habe meine Gründe, gerade über sie wachen zu wollen. (Sie sieht sich fortwährend nach allen Seiten um.) Und in diesem großen Menschenstrom – – – – –

Esel Wir stürzen uns mutig hinein! (Er stößt ein Eselsgeschrei aus, während sie abgehen.)

(Ein Herr und eine Dame im Kostüm Louis XV.)

Die Dame – – wenn der König in Geist und Schönheit strahlt, dann darf er alles tun.

Der Herr Alles, Prinzessin?

Dame Was Geist in Schönheit verklärt, ist erlaubt.

Ein Kavalier (In der Tracht derselben Zeit). Ich kann ihn nicht entdecken, Königliche Hoheit.

Dame Aber er ist hier. Er ist hier. Und einer Dame wegen. Ich bin meiner Sache vollkommen sicher.

Herr Aber ich sprach mit einem der Veranstalter des Festes. Und er wußte von nichts.

Dame Bestellten Sie ihm einen Gruß von mir?

Herr Ja.

Dame Dann wird er nicht eingeweiht sein.

Herr Aber, Euere Königliche Hoheit – – – – –

Dame Nicht so viele »Königliche Hoheiten,« wenn ich bitten darf. Aber verschaffen Sie mir eine Beschreibung seiner Maske.

(Der Kavalier verbeugt sich und geht)

Und wir setzen unsere Jagd fort – –

Herr – – auf den großen Jäger.

Dame – – der selbst auf der Jagd ist. (Sie geht nach vorne, bleibt plötzlich stehen.)

Wer ist das? (Eine weibliche Maske, als Landmädchen gekleidet, gefolgt von einem Domino, der über ihre Schulter auf sie einspricht. Man sieht das Mädchen nach allen Seiten spähen.)

Domino – – – und dort in dem verzauberten Schloß, weit drinnen im hochstämmigen Park – –

Landmädchen Verlassen Sie mich!

Domino – – – dort grüßt uns eine Nymphe mit plätscherndem Wasserstrahl, die den Becher der Freude hoch über ihrem Haupte schwingt – – –

Landmädchen (ängstlich). Wo kann sie nur geblieben sein. (Eine der weiblichen Masken von früher ist den beiden gefolgt und kehrt jetzt gleichzeitig mit mehreren andern zurück. Sie weist auf den Domino und sagt gleichzeitig mit den letzten Worten des Mädchens:)

Dort ist der König!

Eine andere Aber wer ist sie?

Domino – – – kühle Laubengänge zu beiden Seiten, mit Pforten, die zu dunklen Gemächern führen und dort – –

Landmädchen (sich umwendend). Ich verachte Sie! (Tanz und Musik sind gerade im selben Moment zu Ende. Große Bestürzung. Die Damen sammeln sich um die beiden.)

Baronin (hört die Stimme des Mädchens und stürzt nach vorne). Klara!

Domino (hat des Landmädchens Hand ergriffen und zieht sie ganz in den Vordergrund). Wissen Sie auch, wen Sie verachten?

Landmädchen (in höchster Erregung). Ja, ich weiß, wer Sie sind und darum aus dem tiefsten Grunde meines Herzens: ich verachte Sie! (Die Musik fällt ein und malt die allgemeine Bestürzung, die sich ausbreitet.)

Mehrere (drängen nach dem Vordergrund).

Baronin (ganz vorne). Klara! (Das Landmädchen wirft sich weinend an ihre Brust.)

Der Vorhang fällt.

Erstes Zwischenspiel.

(Beim Fallen des Vorhangs beginnt eine geheimnisvolle leise Musik; der Vorhang geht wieder in die Höhe und zeigt eine von weißen Wolken verhangene Gegend, die von der Sonne allmählich verdrängt werden; links sind drei Genien sichtbar, die von einer wolkenumlagerten Höhe in das Luftmeer aufsteigen.)

Die drei Genien: Während sie froh im Tanze sich schwingen,
    Voll edlen Zorns jene Worte erklingen,
    Weit durch den Raum erschallend,
    Millionenfach widerhallend:
    Jubel, Jubel, Sieg-Fanfaren,
    Geisterscharen
    Durch die Lüfte gleißend ziehn.
    Und der Bund der Bösen zittert
    Ob der Freud', die sie erschüttert.
        All der Lenze brausend Werden
    Bebt nun wieder durch den Raum,
    Wie ein mächt'ger Frühlingstraum,
    All die Keuschheit, die gelitten,
    All die Tugend, die gestritten,
    Jauchzt des Siegs, den sie errungen,
    Jauchzt der Seele, die bezwungen,
    Ewig wachsen ihre Reiche,
    Ewig muß der andre weichen.
        Sie, die stritt, konnt' bloß erlauschen,
    Innrer Stimmen mächtig' Rauschen.
    Ohne Ahnung, welche Welt
    Sich der ihren hat gesellt.
        Heißes Bangen ist die Saat,
        Tiefes Sehnen weist den Pfad,
    Nur in Lust und qualvoll Ringen
    Kann der Geist den Geist durchdringen.

Unsichtbarer Chor (ringsum):
    Kann der Geist den Geist durchdringen.

Die drei Genien: Der Geister Schar die Welt umfließt,
    Wie Lüfte, die den Erdball säumen.
    In der Gedanken erstes Keimen
    Sich unbewußt ihr Walten gießt.

Unsichtbarer Chor (ringsum):
    Der Geister Schar die Welt umfließt

Die drei Genien: Nun zu ihm!
    Deutlich sprach es eine Stimm',
    Daß ein Funke ihrer Pein
    Schlug nun ein.
    Wenn wir blasen:
    Funken sprühen.
    Knistern, glühen,
    Auf zum Brand mit mächt'gem Rasen!

Der unsichtbare Chor: Auf zum Brand mit mächt'gem Rasen!

Die drei Genien: Du willst löschen, bläst ins Licht,
    Doch die Flamme löschst du nicht.
        Hoffe nicht, uns zu besiegen!
    Da Millionen dich bekriegen,
    Die mit Macht die Flamme fachen,
    Spott zum Wundgenossen machen!
        Erst wenn tiefster Qualen Brand
    Dich versehret, übermannt,
    Sich in Wahn dein Leid gewandt,
    Da erst wird aus tiefsten Gründen
    Unsre Stimme sich dir künden.
        Wir sind der Eumeniden Schar,
        Tiefstes Leid unsern Schwur gebar.

Unsichtbarer Chor: Wir sind der Eumeniden Schar.

Die drei Genien: Tiefstes Leid unsern Schwur gebar.

Unsichtbarer Chor: Wir sind der Eumeniden Schar.

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