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Der kleine Johannes

Frederik van Eeden: Der kleine Johannes - Kapitel 22
Quellenangabe
typefiction
authorFrederik van Eeden
titleDer kleine Johannes
publisherSchuster & Loeffler
printrunSiebente Auflage
year1921
translatorElse Otten
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080321
projectidecab903e
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Drittes Buch

Noch flossen die warmen Tränen um Vater Pan Johannes über die Wangen, als er seine Augen aufschlug, mit einem Gefühl, als erwache er. Was er sah, war noch völlig das Gleiche, das er zuletzt gesehen: das tröstende Angesicht seines erhabenen Bruders und rings umher fahler Qualm und Rauch. Aber anders sah es jetzt aus, gleich als werde es mit andern Sinnen wahrgenommen – wie dieselbe Erzählung in einer andern Sprache, wie dieselbe Melodie auf einem andern Instrument, in einer andern Tonart. Nicht schöner und wirklicher, sondern mehr nüchtern, hart und platt. Er befand sich an einem Bergesrand und sah Markus, der sich über ihn neigte. Die Sonne war untergegangen, und das Tal lag in Dämmerung. Aber in dieser Dämmerung sah man qualmende Hochöfen glühen und große Fabrikschornsteine, aus denen sich dicker gelblich-schwarzer Rauch emporträufelte, daß es aussah wie schmutzige Wolle. Das ganze Tal war von dem Rauch erfüllt, und was da wuchs auf dem Bergeshang, war schwärzlich beschlagen. Ein unablässiges Surren und Summen, Stampfen und Dröhnen stieg auf aus jener Stadt voll kahler, schwarzer Baukolosse. Aus den Hochöfen schlugen von Zeit zu Zeit bläulich-gelbe und violette Flammen wie glühende Wimpel, und hin und wieder stieß einer meilenweit leuchtende grelle Funkenströme in die graue Luft hinauf. Das Land sah düster und trostlos aus, gleich als wäre es durch Lava verwüstet.

»Markus,« sagte Johannes noch stets beklommenen Gemütes. »Pan ist tot.«

»Pan ist tot,« antwortete Markus, »aber sein Bruder lebt.«

»Gott sei Dank, daß du hier bist. Was machst du hier?«

»Ich bin bei den Bergleuten, Johannes, und bei den Fabrikarbeitern. Die brauchen mich.«

»O, mein Bruder, aber auch ich brauche dich. Ich weiß den Weg im Leben nicht zu finden ... und Pan ist tot.«

Johannes umfaßte Markus' rechten Arm und blieb eine Zeitlang schweigend neben ihm sitzen, den Kopf an seine Schulter gelehnt.

Er starrte in das neblige Tal mit dem riesengroßen Minentrichter, den schwarzen Schornsteinen und Öfen, den dunklen, bläulich-gelben und weißen Rauchbüscheln – den großen eisernen Hallen und vielfenstrigen Gebäuden ohne Schmuck und Farbe.

Ringsum konnte er noch sehen, wie die Flanken der Berge durch große klaffende Wunden entstellt, wie die schöne grüne Natur versengt, die Bäume gefällt, die Felsen zerklüftet und zerschellt waren. Noch standen einzelne Tannen auf dem Bergeskamm dicht an dem Rand der Grube, durch die der Berg ausgehöhlt war, wie eine von Wespen angefressene Frucht. Alsbald würden auch diese letzten Waldeskinder fallen und drüben das Echo der Explosionen durchs Gebirge hallen, gefolgt von einem entsetzlichen Lärmen wie von herabstürzendem Gestein – wenn die Bergleute die Felsen mit Dynamit sprengten.

Pan ist tot, sein schönes Wunderland ging zugrunde.

Und in dem neuen Leben, das auf den Trümmern des alten zu erblühen begann, wußte Johannes nicht den Weg. Es erschreckte und verwirrte ihn.

Aber hatte er nicht seinen Bruder wiedergefunden und ihn zum zweitenmal geschaut in verherrlichter Gestalt und glitzernden Gewändern? Und fühlte er nicht seine warme trostbringende Nähe?

Das beruhigte ihn und machte ihn erstarken.

»Mein Bruder,« sagte er, »wer hat Pan getötet?«

»Niemand. Seine Zeit war erfüllt.«

»Aber warum denn war er so traurig, als ich ihn nach dir fragte?«

»Soll die Frucht reifen, so muß die Blume sterben. Auch ein Kind weint, wenn die Nacht kommt und mit ihr der gute Schlaf, denn es will länger spielen und weiß nicht, um wie viel besser die Ruhe ist. Alle Menschen, die noch wie die Kinder sind, weinen um den Tod, und doch ist er nur eine Geburt und voll freudiger Erwartung.«

»Haben Pan und Windekind dich gekannt, Bruder?«

»Nein, aber sie haben mich gefürchtet, so wie der Geringere den Höheren fürchtet.«

»Wird dein Reich denn schöner sein als das ihre?«

»Um so viel, als die Sonne schöner ist denn der Mond. Aber das Weiche und Zarte und Scheue, das zur Nachtzeit lebt, wird dies nicht erkennen und die herrliche Sonne fürchten.«

Lange Zeit dachte Johannes darüber nach. In dem weiten raucherfüllten Tal voller Bergwerke und Fabriken schlug eine Uhr, und dort drüben noch eine, und eine dritte in der Ferne. Dann kreischten schrille Dampfpfeifen, läuteten weithin hallende Glocken. Man sah das Volk in Scharen zu den Werkstätten eilen.

»Wie düster!« sagte Johannes.

Markus lächelte. – »Düster ist auch die schwarze Saat in der dunklen Erde, und dennoch wächst aus ihr eine frohe Sonnenblume.«

»Mein Bruder,« sprach Johannes flehentlich, »so rate mir doch, was ich tun soll? Die Schönheit kommt vom Vater, ist es nicht so?«

»So ist es, Johannes.«

»Muß ich denn nicht jetzt dem Allerschönsten folgen, das ich je in der Menschenwelt gesehen habe? So sage es mir doch!«

»Ich sage dir nichts als dies: Du mußt der Stimme des Vaters folgen da, wo sie dir am lautesten zu sprechen scheint.«

»Und wenn ich zweifle?«

»Dann mußt du fragen mit deiner ganzen Inbrunst und lauschen, totenstill wie eine Blume, mit deiner ganzen Andacht.«

»Aber wenn ich dann handeln soll?«

»Keinen Augenblick darfst du schwanken, sondern deiner und seiner Liebe, die eins ist, sollst du vertrauen und in des Vaters Namen es wagen.«

»Und kann ich dann nicht irren?«

»Ja –, aber wenn du um seinetwillen irrst, so wird er dir Augen und Ohren öffnen. Fürchtest du um deiner selbst willen und vergissest du ihn, dann allein kannst du verloren gehen.«

»So zeige mir denn, welcher dein Weg ist, mein Bruder!«

»Gut, Johannes, komm mit mir! –«

Sie stiegen zusammen hinab in das Tal. Der Boden war dort überall schwarz von Kohlen, Asche und Schlacken, und schwarz wie Tinte das Wasser, das in den Pfützen stand. Von allen Seiten erklang das Geräusch schwerer Schritte. Es schien fast, als wolle die schwarze Stadt leerströmen. Hunderte von Männern liefen hin und her, alle mit schwerem, müdem und dennoch hastigem Schritt. Scheinbar liefen sie alle durcheinander, jeder in eine andere Richtung, aber es herrschte dennoch keine Unordnung. Ein jeder schien genau zu wissen, wohin er gehen mußte.

Die meisten sahen schmutzig aus, schwarz und mit Kohlenstaub und Rauch gänzlich besudelt. Ihre Joppen und Hüte glommen von schwärzlichem Wasser. Zumeist schwiegen sie: nur hin und wieder riefen sie einander etwas zu, kurz und mit rauher Stimme, wie Menschen, die ihre ganze Kraft schon verbraucht und die zum Plaudern und Scherzen nichts mehr übrig haben.

Einzelne traten bereits aus den Waschhäusern, gereinigt, in ihrer dunklen Arbeitskleidung. Auffallend bleich sahen ihre gewaschenen Gesichter aus in dem trüben Halblicht zwischen ihren noch schmutzigen Kameraden, aber um ihre Augen lagen dunkle Schatten, die sich nicht fortbringen ließen.

Johannes und Markus gingen an den Bergwerken, den Kohlenminen, den Schmelzöfen entlang, bis sie an die endlose Reihe kleiner Häuser kamen, in denen Tausende und Abertausende von Arbeiterfamilien wohnten. Dorthin strömte jetzt auch das Volk. Die Lichtchen hinter den kleinen Fenstern begannen überall zu scheinen, wo die Frau mit dem Mahl wartete.

Darauf betraten Markus und Johannes einen großen kahlen Saal mit niedriger holzgetäfelter Decke. Im Vordergrund verbreiteten zwei Gasflammen einen flackernden Schein, der übrige Raum lag im Halbdunkel. Es standen viele Bänke da, aber es war noch niemand anwesend. Die Wände waren kahl und schmutzig, und nur hier und dort sah man einzelne Sprüche und Anschlagzettel.

Eine halbe Stunde saßen die Beiden dort, ohne ein Wort zu sprechen. Ein trüber Eindruck von Häßlichkeit prägte sich Johannes tief in die Seele. Das war schlimmer noch, als sein langweiliges Schulzimmer: es schien ihm entsetzlicher, hier leben zu müssen, als in der wildesten unwirtlichsten Wildnis von Pans Reich. Dort war es allzeit schön und erhaben – wenn auch noch so grausig. Hier war es schlimmer, eng und drückend und häßlich und kahl. Hier waren die Greuel eines bangen Traumes, das Entsetzlichste, was Johannes kannte.

Es dauerte eine Stunde; dann begann sich der große Saal langsam mit Arbeitern zu füllen. Schlendernden Schrittes kamen sie daher, ein wenig verlegen; mit ihren Pfeifen im Munde, den Mützen und Hüten auf dem Kopf, blieben sie anfangs im dunklen Hintergrunde stehen und ließen sich dann allmählich hier und dort auf den Bänken nieder, während sie links und rechts und hinter sich schauten und hin und wieder auf den Boden spieen. Grobe müde Gesichter, rauhe breite Hände, die größtenteils geöffnet herabhingen, mit schwarzen Nagelrändern. Gedämpfte Reden und ab und zu ein leises Auflachen. Auch Frauen kamen mit ihren Kindern auf dem Arm, einzelne noch jung und frisch und ein wenig bunt geputzt, aber auch schwache, ausgemergelte Mütter sah man mit verunstaltetem Körper, spitzer Nase, bleichen Wangen und hohlen Augen, und endlich auch abstoßende Weiber mit harten Zügen und selbstsüchtigem Blick.

Der Saal war voll, und Aller Gesichter starrten durch den Tabaksqualm, gespannt und erwartungsvoll, was nun wohl kommen würde.

Ein Arbeiter, ein großer, kräftig gebauter Mann mit rotem Bart, stellte sich in den Schein der Gasflammen und begann zu sprechen. Anfangs stotterte er und stieß mit seinem rechten Arm immerfort in die Luft, gleich als wolle er die Worte herauspumpen. Aber dann ging es immer fließender und fließender, und die Hunderte von Gesichtern im Saal folgten seinen Mienen und Gebärden mit banger Spannung, so daß man seinen Zorn und sein Lachen sich gleichsam in all diesen Zügen widerspiegeln sah. Und wenn er mit einem scharf hinausgestoßenen fragenden Wort einen Satz abbrach, dann begannen die Füße im Saal zu scharren und zu trampeln, mit einem Getöse, das bisweilen zu heftigem Donner anschwoll; und dazwischen laute Ausrufe und »ja ja«, wählend die Gesichter lachend und mit bedeutungsvollem Blick sich hin und her wendeten, wohl um Beifall kund zu tun und ihn auch unter den Mithörern zu suchen.

Johannes konnte das Gesprochene nicht gut verstehen. Er hatte zwar Deutsch gelernt, aber das nützte ihm hier nicht viel, weil der Redner gar so schnell und noch dazu im Dialekt sprach. Auch wurde seine Aufmerksamkeit fast ebenso durch die Zuhörer wie durch den Redner gefesselt.

Dennoch aber ward ihm die große Sache, um die es sich handelte, immer klarer.

Die Erregung des Redners teilte sich seinen Hörern mit und wurde dort hundertfach verstärkt und schwoll an zu einer großen Woge der Gemütsbewegung, die alle Anwesenden und auch den kleinen Johannes mit sich riß.

Er sah die Gesichter immer bleicher und die Züge immer gespannter werden, die Augen begannen schärfer und immer schärfer zu blitzen, und die Lippen regten sich unwillkürlich wie zum Mitsprechen. Ab und zu begann ein Kind zu weinen, aber das störte nicht. Im Gegenteil, der Redner schien solchen Laut sozusagen in seine Rede mit aufzunehmen und ihn seinen Absichten dienstbar zu machen. Ergriffen sah Johannes wie zwei Tränen in den roten Bart rannen, hörte er die grobe Stimme zittern, als der Redner mit beiden Händen auf das weinende Wurm wies, so daß alles, was an solchem Kinderlärmen belustigend oder störend sein kann, wie mit einem Schlage verschwand.

Das eine ward Johannes klar, daß diese Menschen Unrecht erlitten, daß sie sich auflehnen wollten, und daß diese Auflehnung gefährlich war, äußerst gefährlich sogar, so daß ihr Leben und ihre Existenz, wie die ihrer Frauen und Kinder auf dem Spiele standen.

In ihren leidenschaftlichen Blicken und zornigen Gebärden las er das Gefühl eines lange erduldeten Unrechts. Er sah die atemlose Furcht bei dem Gedanken an die Gefahr, die sie und ihre Lieben bedrohte, wenn sie sich auflehnen würden, er sah das stolze Aufblitzen der Augen und die kühn aufgerichteten Köpfe, nachdem der innere Streit geschlichtet, nachdem die Furcht besiegt war und die Heldenhaftigkeit triumphiert hatte. Sie würden kämpfen, jetzt wußten sie es. Die große Glutwelle von Mut und Begeisterung ließ keinen Zweifler unberührt. Aufmerksam betrachtete Johannes die Gesichter, aber da war keines, auf dem noch Angst oder Zweifel zu lesen war. Der entbrannte Geist erleuchtete alle wie eine mächtige Flamme.

Da ward auch des Johannes Seele feurig, und in seinem Herzen ward es licht. Die ersten Strahlen der Schönheit, die schlummernd unter diesem dunklen Schleier trüber Häßlichkeit glomm, begannen ihm sichtbar zu werden.

Nach diesem Redner sprachen noch andere, die sich von ihren Plätzen erhoben, ohne indessen in den Vordergrund zu treten. Kein einziger wagte es, das heilige Feuer löschen zu wollen. Sie sprachen alle über den kommenden Streik wie über eine beschlossene Sache. Aber jetzt sah Johannes mit einem Gefühl, das ihn die Fäuste ballen ließ, gleich als läge ihm des Feindes Hand bereits an der Kehle, wie ein kräftiger, breitschultriger Mann mitten in seiner Rede stecken blieb und zu schluchzen begann – und das war nicht aus Furcht, nein! sondern aus bitterem Zorn um die erlittene Schmach und die Erniedrigung und um des unerträglichen Verdachtes willen, daß er seinen Kameraden abtrünnig geworden.

Johannes begriff seine Geschichte auch ohne Worte. Man hatte ihn betrogen und ihn in einer Zeit des größten Elends, da seine Frau krank darniederlag, durch lockende Versprechungen dazu gebracht, daß er an dem Kampf seiner Genossen nicht teilnahm.

Und es jauchzte in Johannes, als er sah, wie in einer Anwandlung ehrlicher Rührung auch schöne Regungen von selber entstehen, und wie die ganze ernste Menge, von einem einstimmigen Edelmut beseelt, den scheinbaren Verräter beruhigte und ihm verzieh.

Und als die Arbeiter im Begriff waren, auseinander zu gehen mit dem strengen und dennoch freudigen Ernst derer, die fest entschlossen sind, einen gerechten Kampf aufzunehmen, da sah Johannes zu seiner großen Freude, daß auch Markus sprechen wollte. Man kannte ihn und es entstand sofort tiefe Stille. Es lag in der freudigen Bereitwilligkeit, mit der diese deutschen Bergleute ihre Plätze wieder einnahmen, um ihm zuzuhören, ein kindliches Vertrauen und ein ruhiger Ernst, wie Johannes sie nimmer unter den Jahrmarktsleuten, ja auch niemals in seinem eigenen Lande gesehen hatte.

Und da Markus mit der sorgfältigen Langsamkeit und Deutlichkeit eines Menschen sprach, der nicht zu dem Lande gehört, konnte Johannes jetzt alles verstehen.

»Meine Freunde«, sagte Markus. »Man hat euch in euren Schulen und Kirchen gelehrt, daß es einen Geist der Wahrheit gibt, der als Tröster der Menschheit kommen werde. Nun wohl, was euch soeben ergriffen, und was euer aller Herzen die Stärke gegeben und euer aller Augen erhellt hat, das ist jener Tröster, der Geist der Wahrheit, der heilige Geist. Denn Wahrheit und Gerechtigkeit sind Eins und kommen von Einem. Und an euren freudigen und beherzten Blicken sehe ich es, daß ihr wißt, ganz sicher wißt, mit eurem Gewissen, daß es die Wahrheit ist, die euch bewegt hat, und die Gerechtigkeit, für die ihr euer Leben wagen wollt. Und daß jener Geist ein Tröster ist, das werdet ihr erfahren, so ihr nur getreulich standhaltet.

»Dies aber sage ich euch jetzt, weil ihr es nicht wißt, so wie ich es weiß, daß die Wahrheit ist wie ein Bergpfad zwischen zwei Abgründen, und daß es bei ihr auf Reinheit noch mehr ankommt als bei dem Ton einer Geige.

»Ihr habt Unrecht erlitten, aber ihr habt auch Unrecht getan. Denn es ist Unrecht zu unterdrücken, aber es ist auch Unrecht, Unterdrückung zu dulden. Man hat es euch anders gelehrt und euch gesagt, daß da geschrieben steht, man solle Unrecht erdulden. Aber so dies auch geschrieben stünde, der Geist der Wahrheit wird es ungeschrieben machen. Ich sage euch, wer Unrecht tut, ist ein Missetäter, und wer Unrecht billigt, ist sein Mitschuldiger.

»Aber es gibt einen Stolz, der den Menschen Ehre bringt in Gottes Augen, und es gibt einen Hochmut, der ihn wird straucheln lassen und zu Fall bringen. Dies sagt der Geist der Wahrheit. Ihr sollt euren Wert kennen und keine Demütigung erdulden, die gegen die Wahrheit ist. Doch wer sich überschätzt, wird fallen und Gott wird ihn nicht aufrichten.«

Nach diesen Worten, die kräftig widerhallten wie ein beinahe drohendes Ermahnen, setzte Markus sich nieder und stützte den Kopf in die Hand.

Nachdem sie noch eine Weile in feierlicher Stille verharrt, teilte sich die Menge, ohne Beifall oder Zustimmung kund zu geben, flüsternd und langsamen Schrittes.

»Darf ich bei dir bleiben?« fragte Johannes leise, fürchtend, daß er seinen Begleiter stören könne.

»Und dein kleiner Kamerad?« fragte Markus, »sollte der nicht unruhig werden? Komm mit, ich werde dir den Rückweg zeigen.«

Und sie fanden zusammen den nächtlichen Weg durch den Wald zu dem kleinen Badeort und dem Volkslogierhaus. Aber außer einem Gutenachtwunsche wurde zwischen ihnen kein Wort mehr gewechselt, und in seiner großen Ehrfurcht wagte Johannes auch nicht mehr zu fragen, wie denn Markus um all das wisse, was ihm widerfahren.

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