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Der Kettenträger

James Fenimore Cooper: Der Kettenträger - Kapitel 8
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typefiction
authorJames Fenimore Cooper
titleDer Kettenträger
publisherVerlag von S. G. Liesching
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Sechstes Kapitel.

Ihr Land sie lieben, weil's ihr Land ist, schon;
Zu stolz, noch andre Gründe anzugeben;
Schütteln die Hand dem König auf dem Thron;
An ihm ist es, nach solcher Ehr' zu streben!
Ein streng Geschlecht, dem fremd des Schmeichlers Ton
Und Menschenfurcht, im Tode wie im Leben, –
So Alle, bis auf wenige Apostaten
Von Krämern, Wechslern, Mäklern, Plutokraten.

Halleck.

 

Ein paar Tage nach meiner Rückkehr nach Lilaksbush fand eine jener Familienscenen statt, welche so gewöhnlich sind in dem freundlichen milden Juniusmonat an den Ufern des herrlichen alten Hudson. Ich nenne den Fluß den alten Hudson, denn er ist gerade so alt wie die Tiber, obgleich die Welt nicht so viel und nicht so lange von ihm gesprochen hat. In tausend Jahren wird dieser Strom auf der ganzen Welt bekannt seyn, – und die Menschen werden davon sprechen wie jetzt von der Donau und vom Rhein. So guter Wein mag an seinen Ufern nicht wachsen, als er auf den Höhen des letztern Flusses wächst; aber schon heutzutage wird ein besserer, sowohl was Qualität als Mannigfaltigkeit betrifft, dort wirklich getrunken. Hierüber sind alle Reisenden von Sachkenntniß einverstanden. Auf dem Rasenplatze von Lilaksbush steht eine stattliche Linde, nicht weit entfernt vom Hause und ebenso nicht weit vom Wasser. Der Baum war vom Vater meines Großvaters Mordaunt gepflanzt worden, welchem das Gut einst gehört hatte, und er hatte eine vortreffliche Lage, darunter einen müssigen Sommernachmittag hinzubringen. Unter seinem Schatten tranken wir oft den Wein zum Nachtisch während der warmen Monate, und dahin pflegten auch General Littlepage und Oberst Dirck Follock sich mit ihren Pfeifen zu begeben, und unter Besprechung eines Feldzugs oder einer Schlacht zu rauchen, wie eben der Zufall das Gespräch lenkte. Und kein Schlachtfeld war je so in Rauch gehüllt gewesen, als dies der Fall gewesen wäre mit der in Rede stehenden Linde, wenn all der Dampf, welcher um sie aufwirbelte, in eine Masse hätte zusammengedrängt werden können.

Am Nachmittag des erwähnten Tages saß die ganze Familie unter dem Baume zerstreut, je nachdem Neigung und Schatten Jedes seinen Platz wählen ließ, obgleich ein kleiner Tisch mit Früchten und Wein beladen, zeigte, daß man die gewöhnliche Beschäftigung dieser Stunde nicht vergessen hatte; die Weine waren Madeira und Claret, das gewöhnliche Getränke des Landes, und die Früchte waren Stachelbeeren, Kirschen. Orangen und Feigen – die zwei letzteren Gattungen natürlich eingeführt. Es war etwas zu frühe, um Ananasse von den Inseln zu haben, eine Frucht, die zu einer bestimmten Jahreszeit so gewöhnlich ist, daß man in der Stadt ganz leicht je vier recht ansehnlich große um einen Dollar kauft. Aber der Ueberfluß, ja der Luxus besserer Art des gewöhnlichen amerikanischen Tisches ist nichts Neues; Fleischspeisen, Liqueure und Früchte erscheinen darauf, wie man sie in Europa nur auf den Tischen sehr luxuriöser Reichen findet. Wenn die Art des Servirens ebenso geschmackvoll, die Art des Kochens so gut wäre bei uns, wie beides in Frankreich zum Beispiel ist, so würde Amerika das wahre Paradies des Epikuräers seyn, mögen oberflächliche Reisende so viel sie wollen das Gegentheil behaupten. Ich bin in den neuesten Zeiten in anderen Ländern gewesen und spreche aus Erfahrung.

Niemand saß förmlich am Tische, obgleich mein Vater, Oberst Dirck und ich demselben nahe genug waren, um nöthigen Falles unsere Gläser mit der Hand zu erreichen. Meine Mutter saß mir zunächst und hielt sich aus triftigen Gründen in meiner Nähe, denn ich rauchte nicht; und Tante Mary und Kate hatten gerade außerhalb der Sphäre des Tabaksqualms Posto gefaßt. Am Ufer lag ein großes Boot, worin ein paar ziemlich umfangreiche Koffer und eine Art Kleidersack sich befanden. In den ersteren war ein Theil meiner Kleider, während die Jaaps den Sack füllten. Der Neger selbst lag auf dem Gras ausgestreckt, etwa in der Mitte zwischen dem Baum und dem Ufer, und zwei oder drei Enkel von ihm wälzten sich zu seinen Füßen, um ihn herum. In dem Schiffe saß sein Sohn, bereit die Ruderschaufeln in Bewegung zu setzen, sobald der Befehl gegeben würde.

Alle diese Anstalten deuteten auf meine bevorstehende Abreise nach dem Norden hin. Der Wind wehte von Süden, und Schaluppen von verschiedenen Graden der Güte und Schnelligkeit kamen um die Landspitzen herum und näherten sich, eine im Kielwasser der andern, so wie sie im Stande gewesen die Werften zu verlassen, um den günstigen Wind zu benützen. Zu jener Zeit besaß der Fluß noch nicht den zehnten Theil der Schiffe die er jetzt zählt, aber doch schon genug, um eine kleine Flotte zu bilden in solcher Nähe von der Stadt und in einem Augenblick, wo Wind und Fluth günstig waren. Zu jener Zeit gehörten die meisten Schiffe auf dem Hudson den Anwohnern des obern Flusses, und die Schiffsleute hatten ganz die Art und den Geschmack unserer holländischen Ahnen. Ausgezeichnete Seeleute vor frischem Wind, wußten sie mit widrigen Winden gar wenig anzufangen, und brauchten gewöhnlich acht bis vierzehn Tage, um von Albany herunter zu kommen, wenn der Wind irgend südlich wehte. Dennoch dachten wenige Personen daran, die Reise zwischen den zwei größten Städten des Staates (York und Albany) zu machen, ohne sich einer dieser Schaluppen zu bedienen. Ich erwartete in diesem Augenblick das Erscheinen eines gewissen Adlers, von Albany, Kapitän Bogert, welcher ganz in der Nähe von Lilaksbush anlegen und mich an Bord nehmen sollte, gemäß meiner früher in der Stadt getroffenes Verabredung. Ich ließ mich bestimmen, einen Platz in diesem Fahrzeug zu miethen, durch den Umstand, daß es eine Art von Hinterkajüte hatte, durch einen großen grünen Vorhang abgeschlossen, – eine Bequemlichkeit, deren alle damals auf dem Fluß segelnden Schiffe entbehrten; doch sind seit jener Periode, von welcher ich hier schreibe, sehr große Verbesserungen eingetreten.

Natürlich wurde die Zeit, welche im Warten auf das Erscheinen des Adlers verfloß, mehr oder weniger mit Gesprächen ausgefüllt. Jaap, der mich auf meiner Reise nach Ravensnest begleiten sollte, erkannte jedes Fahrzeug auf dem Strom, sobald er es nur sah, und wir verließen uns auf ihn, daß er uns zu wissen thun werde, wann ich in das Boot steigen sollte, obgleich die Bewegungen der Schaluppe selbst uns nothwendig noch zu rechter Zeit anzeigen mußten, wann Abschied genommen werden müsse.

»Ich würde ausnehmend gern einen Besuch bei der alten Mrs. Van der Heyden, zu Kinderhook, machen, Mordaunt.« sagte meine Mutter nach einer der häufigen Pausen, welche im Gespräche eintraten. »Sie ist eine Verwandte und ich hege große Neigung für sie, und zwar um so mehr in Folge davon, daß der Gedanke an sie sich immer mit der Erinnerung an jene entsetzliche Nacht auf dem Strome verbindet, von der Du mich schon hast sprechen hören.«

Wie meine Mutter dies gesagt hatte, sah sie mit inniger Liebe den General an, der diesen Blick meiner Mutter, so wie jeden ihrer Blicke, mit einem Blick voll männlicher Zärtlichkeit erwiederte. Ein inniger verbundenes Paar als meine Eltern gab es nie. Sie schienen mir gewöhnlich nur Eine Seele mit einander gemeinsam zu haben, und wenn irgend eine leichte Meinungsverschiedenheit eintrat, so war dann die Frage nicht: Welches durchdringen, sondern Welches nachgeben solle. Meine Mutter mag einen größeren angeborenen Verstand gehabt haben, obgleich der General ein sehr hübscher, stattlicher, gescheuter Mann und allgemein hochgeachtet war.

»Es wäre auch gut, Anneke,« sagte mein Vater, »wenn der Major einen Besuch beim Grabe des armen Guert machte, und nachsähe, ob die Steine noch stehen, und der Platz so gehalten wird, wie es sich gebührt. Ich bin seit dem Jahr 68 nicht mehr dort gewesen, wo es aussah, wie wenn in nicht sehr ferner Zeit das Nachsehen eines befreundeten Auges ihm frommen würde.«

Er sagte dies absichtlich mit leiser Stimme, damit Tante Mary es nicht hörte; und da sie etwas harthörig war, erreichte er vermuthlich seine Absicht. Aber anders war es mit Oberst Dirck, welcher die Pfeife aus dem Munde nahm, und aufmerksam lauschend da saß, wie Einer, der an einem Gegenstand lebhaftes Interesse nimmt. Wieder trat eine Pause ein.

»Dann ist da auch mein Lord Howe, Corny,« bemerkte der Oberst mit stark holländischem Accent; »wie ist es mit seinem Grabe?«

»Oh, dafür hat die Colonie gut gesorgt. Man hat ihn im Hauptflügel von St. Peter begraben, glaube ich; und ohne Zweifel ist da Alles in Ordnung. Was das andere Grab betrifft. Major, so dürfte es gut seyn, darnach zu sehen.«

»Große Veränderungen sind in Albany eingetreten, seit wir als junge Leute dort waren!« bemerkte meine Mutter mit nachdenklichem Ernst. »Die Cuylers sind durch die Revolution sehr gesunken, während die Schuylers größer geworden sind als je. Die arme Tante Schuyler, sie hat es nicht mehr erlebt, einen Sohn von uns bei sich zu bewillkommnen!«

»Die Zeit führt solche Wechsel herbei, meine Liebe; und wir können nur Gott dankbar seyn, daß nach einem so langen und blutigen Kriege noch so Viele von uns übrig sind.«

Ich sah meiner Mutter Lippen sich bewegen, und ich wußte, daß sie in ihrem Innern der Vorsehung dankte, welche ihren Gatten und ihren Sohn bei dem letzten Kampfe am Leben erhalten hatte.

»Du wirst schreiben, so oft sich Gelegenheiten darbieten, Mordaunt,« sagte diese zärtliche Mutter nach einer ungewöhnlich langen Pause. »Jetzt da es Friede ist, kann ich hoffen, Deine Briefe mit einiger Regelmäßigkeit zu bekommen.«

»Man sagt mir, Cousine Anneke,« – denn so nannte der Oberst immer meine Mutter, wenn wir allein waren – »Man sagt mir, Cousine Anneke,« sagte Oberst Dirck, »sie beabsichtigen jetzt, förmlich eine Briefpost dreimal wöchentlich zwischen Albany und York einzuführen. Man kann nicht wissen, General, was diese glorreiche Revolution uns noch Alles bringen wird.«

»Wenn sie mir dreimal wöchentlich Briefe von meinen Lieben bringt,« versetzte meine Mutter, »so wird sicherlich mein Patriotismus um ein Großes gesteigert werden. Wie werden aber Briefe aus Ravensnest herauskommen nach den ältern Theilen der Colonie – des Staates wollte ich sagen, Mordaunt?«

»In dieser Beziehung muß ich mich auf die Ansiedler verlassen. Hunderte von Yankees, sagt man mir, sehen sich diesen Sommer nach Pachtgütern um; ich werde wohl einen oder den andern derselben als Boten benutzen können.«

»Verlaßt Euch nicht zu sehr auf sie, oder nicht auf zu viele,« brummte Oberst Dirck, welcher den alten holländischen Groll gegen unsere östlicher wohnenden Brüder hegte. »Denkt nur, wie sie es dem Schuyler gemacht haben!«

»Ja,« sagte mein Vater, seine Pfeife wieder stopfend, »sie hätten können mehr Gerechtigkeitsliebe und weniger Vorurtheile gegen den weisen Philipp an den Tag legen; aber Vorurtheile gibt es in der ganzen Welt. Selbst Washington hatte deren seinen Theil!«

» Das ist ein großer Mann!« rief Oberst Dirck mit Nachdruck und im Ton eines Mannes, der seiner Sache gewiß ist. »Ein sehr großer Mann!«

»Das wird Euch kein Mensch bestreiten, Oberst; aber habt Ihr keine Botschaft zu bestellen an unsern alten Kriegskameraden, Andries Coejemans? Er muß jetzt beinahe schon ein Jahr mit seiner Truppe von Feldmessern in Mooseridge seyn, und ich will dafür stehen, er hat gewiß die alten Grenzlinien wieder so aufgespürt, daß er im Stande ist, für Mordaunt frisch anzufangen, sobald der Knabe das Patent erreicht.«

»Ich hoffe, er hat keinen Yankee zum Vermesser gemiethet, Corny,« bemerkte der Oberst dazwischen mit einiger Unruhe. »Wenn eines von diesen Geschöpfen das Besitzthum betritt, so bringt er es gewiß dahin, daß er das halbe Land in seiner Compaßschachtel mit fortträgt. Ich hoffe, der alte Andries versteht die Sache besser.«

»Ich bin überzeugt, er wird all das Land ebenso zu behaupten als zu vermessen wissen. Es ist tausendmal Schade, daß der Kapitän keinen Kopf für die geometrischen Figuren und für Zahlen hat; denn seine Ehrlichkeit würde sein Glück gemacht haben. Aber ich habe selbst eine Probe seiner Gaben gesehen und ich weiß, es geht nicht. Er stellte einmal acht Tage lang an einer Rechnung für einige aus dem Hauptquartier gelieferten Vorräthe, und er vermochte der Wahrheit durchaus nicht näher zu kommen, als daß er um fünfundzwanzig Procent daneben schoß.«

»Ich würde aber doch eher dem Andries Coejemans die Vermessung meiner Güter anvertrauen, verstehe er sich auf Ziffern oder nicht,« rief Oberst Dirck in sehr bestimmtem Tone, »als jedem Dominie in Neu-England.«

»Nun, das ist eben je nachdem Einer denkt,« versetzte mein Vater, den Madeira kostend. »Ich für meinen Theil werde mit jedem Landesvermesser zufrieden seyn, den er auswählen mag, und wäre es auch ein Yankee. Andries ist gescheut, wenn er auch kein Rechenmeister ist, und ich glaube gewiß, er hat einen passenden Mann angeworben. Da er den Contrakt zu einem sehr guten Preis übernommen hat, ist er ein zu ehrlicher Mann, um nicht für einen tüchtigen Mann für die Hauptsache zu sorgen. Was alles Uebrige betrifft, so würde ich ihm vertrauen so gut wie auf irgend einen Mann in ganz Amerika.«

»Das ist wahr wie das Evangelium. Mordaunt wird auch ein Auge auf die Sachen haben, da er ja so wesentlich betheiligt ist bei dem Besitzthum. Eines ist, was Ihr nicht vergessen dürft, Major. Fünfhundert gute Acres müssen abgemessen werden für Schwester Anneke, und fünfhundert für die hübsche Kate hier. Sobald das geschehen ist, wollen der General und ich den beiden Mädchen eine Schenkungsurkunde ausstellen.«

»Dank Euch, Dirck.« sagte mein Vater mit Wärme; »ich will das Land nicht ausschlagen für die Mädchen, welche über kurz oder lang froh seyn dürften, es zu besitzen.«

»Es ist jetzt Nichts von Bedeutung, Corny; aber, wie Ihr sagt, es kann ihnen dereinst von Nutzen seyn. Wie wär' es, wenn wir dem alten Andries auch ein Geschenk machten mit einem Pachtgut, obendrein in den Kauf?«

»Von ganzem Herzen gern!« rief mein Vater lebhaft. »Ein paar hundert Acres können ihn leicht seine übrigen Lebenstage behaglich machen. Ich danke Euch für den Gedanken, Dirck, und wir wollen Mordaunt das Loos wählen und uns die Beschreibung davon schicken lassen, damit wir die Schenkungsurkunde vorbereiten.«

»Ihr vergeßt, General, daß der Kettenträger seinen militärischen Loostheil Land als Kapitän hat oder bekommen wird,« wagte ich zu bemerken. »Zudem wird das Land ihm von wenig Nutzen seyn, außer etwa, um es zu messen. Ich zweifle, ob nicht der alte Mann lieber ungegessen bliebe, als daß er einen Kartoffelhaufen hackte.«

»Andries hatte drei Sklaven, so lang er bei uns war; einen Mann, ein Weib und ihre Tochter,« versetzte mein Vater. »Er wolle sie unter keinen Umständen verkaufen, sagte er; und ich habe erfahren, daß er wirklich Noth litt aus Mangel an Geld, da er zu stolz war, von seinen Freunden Etwas anzunehmen, und zu menschenfreundlich, sich von Familiensklaven zu trennen, um es aufzubringen. ›Sie sind geborene Coejemans,‹ sagte er, ›so wie ich selbst einer bin, und sie sollen auch als Coejemans sterben.‹ Ohne Zweifel hat er diese Leute bei sich in Mooseridge, wo Ihr sie Alle gelagert finden werdet, in der Nähe einer kleinen Quelle Gartengemüse und anderes Zeug der Art ziehend, wenn er offenes Land genug finden kann zu diesem Behufe. Er hat Erlaubniß, nach Gutdünken auszuhauen und zu pflanzen.«

»Das ist mir eine angenehme Nachricht, General,« erwiederte ich, »da ich mir hienach eine Art von Heimwesen versprechen darf. Wenn der Kettenträger wirklich diese Schwarzen bei sich hat, und mit Verstand eine Hütte angelegt hat, so werden wir es gewiß so behaglich haben, als wir es oft im Lager miteinander gehabt haben. Dann werde ich meine Flöte mit mir nehmen, denn Miß Priscilla Bayard hat in mir die Erwartung erweckt, ein ganz wunderbares Geschöpf zu finden an Dus, der Nichte, von welcher der alte Andries viel zu schwatzen pflegte. Ihr erinnert Euch gewiß, Sir, den Kettenträger von einer solchen Person sprechen gehört zu haben, denn es war seine Liebhaberei, von ihr zu schwatzen.«

»Ganz vollkommen gut; Dus Malbone war zu einer gewissen Zeit eine Art von Toast unter den jungen Männern des Regiments, obgleich Keiner von Allen ihrer je, auf geraden oder krummen Wegen, ansichtig zu werden im Stande war.«

Wie ich mich in diesem Augenblick zufällig umkehrte, sah ich, daß meiner lieben Mutter Auge neugierig und fragend auf mir ruhte, vermuthlich, bilde ich mir ein, in Folge der Erwähnung von Toms Schwester.

»Was weiß Priscilla Bayard von dieses Kettenträgers Nichte?« fragte meine geliebte Mutter, sobald sie merkte, daß ihr Blick meine Aufmerksamkeit erregt hatte.

»Sehr viel, wie es scheint, denn sie sagt mir, sie seyen vertraute Freundinnen; so vertraut, sollte ich schließen nach der Miß Bayard Sprache und Wesen, als sie selbst und Kate sind.«

»Das kann kaum seyn,« erwiederte meine Mutter, leicht lächelnd, »da dort der Hauptgrund der Freundschaft fehlen muß. Und dann kann jene Dus doch kaum die Ebenbürtige von Priscilla Bayard seyn.«

»Man weiß so etwas nie, Mutter, bis man Gelegenheit gehabt hat, Vergleichungen anzustellen; doch sagt Miß Bayard selbst, Dus sey ihr in vielen Stücken überlegen. Ich bin überzeugt, ihr Oheim ist mir in vielen Stücken überlegen, im Meßkettentragen ganz besonders.«

»Ja, aber schwerlich im Rang und Stand, Mordaunt.«

»Er war der älteste Kapitän im Regiment.«

»Wahr, aber Revolutionen sind Revolutionen. Was ich meine, ist, daß euer Kettenträger doch kaum ein Gentleman seyn kann.«

»Das ist ein Punkt, der sich nicht in einem Athem entscheiden läßt. Ja oder nein! Der alte Andries ist von achtbarer Familie, obwohl ziemlich vernachlässigt in der Erziehung und Bildung. Leute, die weit unter ihm stehen der Geburt, den Lebensgewohnheiten, den allgemeinen Begriffen einer höhern Lebenssphäre nach, in den Staaten von Neu-England, sind ihm an Kenntnissen sehr überlegen. Dem ungeachtet glaube ich, während wir Alle zugeben müssen, daß ein gewisser Grad von Erziehung und Bildung heutzutage ein nothwendiges Erforderniß zu einem Gentleman ist, wird doch jeder Gentleman gestehen, hunderte von uns haben Grade in der Tasche, mit geringen Ansprüchen, zu der Klasse gerechnet zu werden. Vor drei oder vier Jahrhunderten, dafür wollte ich stehen, wäre der alte Andries ein Gentleman gewesen, obgleich er das Wachs mit den Zähnen hätte beißen und ein Kreuz machen müssen in Ermanglung einer bessern Namensunterschrift.«

»Und der Mann ist ein Kettenträger, Mordaunt!« rief meine Schwester aus.

»So wie auch vor kurzem ältester Kapitän in Eures Vaters Regiment, Miß Littlepage. Aber, dies bei Seite gesetzt, Andries und Dus sind so wie sie nun einmal sind, und ich werde froh seyn, sie diesen Sommer zur Gesellschaft zu haben. Jaap gibt Signale, und ich muß Euch Alle verlassen. Ach ja wohl! Es ist gar angenehm hier unter dieser Linde, und die Heimath beginnt mein Herz mit ihren Fäden zu umflechten. Nun, es thut nichts, es wird bald Herbst seyn, und ich werde hoffentlich Euch Alle, so wie ich Euch verlasse, gesund und vergnügt in der Stadt wieder sehen.«

Meine liebe gute Mutter hatte Thränen in den Augen stehen, als sie mich umarmte, ebenso Kate, die, obgleich sie Tom Bayard am meisten liebte, doch auch mich sehr lieb hatte. Tante Mary küßte mich in ihrer ruhigen aber liebevollen Art, und ich schüttelte die Hände mit den Gentlemen, die mich zu dem Boot hinunter begleiteten. Ich bemerkte, daß mein Vater bewegt war. Hätte der Krieg noch fortgedauert, so würde er an diese Trennung gar nicht gedacht haben, aber in dieser gelinden, behaglichen Friedenszeit schien sie ihm ungelegen zu kommen.

»Nun, vergeßt mir nicht die großen Loostheile für Anneke und Katrinke,« sagte Oberst Dirck, als wir an die Küste hinabstiegen. »Laßt Andries von dem besten Lande herauslesen, das gut bewässert ist und gut bewachsen, und dann wollen wir die Loose nach den Mädchen benennen. Das ist eine gute Idee, Corny.«

»Eine treffliche, mein Freund. Mordaunt, mein Sohn, wenn Du auf Stellen stößest, welche wie Gräber aussehen, so wünsche ich daß Du Merkzeichen daselbst anbringest, woran man sie erkennen kann. Es ist wahr, ein Vierteljahrhundert oder mehr bewirkt manche Veränderungen in den Wäldern, und es ist ganz wohl möglich, daß keine solche Spuren sich mehr finden.«

»Ihr werdet Euch erinnern, Mordaunt, daß ich keine Yankees zu Pächtern auf meinem Gute haben will. Euer Vater mag die eine Hälfte eines Looses an sie verleihen, wenn er Lust hat, aber ich will nicht die andre Hälfte an sie verleihen.«

»Da Ihr gemeinschaftliche Inhaber seyd, Gentlemen,« erwiederte ich mit Lächeln, »wird es nicht leicht seyn die Interessen auf diese Weise zu sondern. Ich glaube Euch jedoch zu verstehen: ich soll die Ländereien von Mooseridge verkaufen oder Verkaufsverträge abschließen, als Euer Bevollmächtigter und Sachwalter, während ich, meines Großvaters Mordaunt Ideen folgend, die noch nicht verliehenen Ländereien auf meinem eignen Gut verleihe. Dadurch wird wenigstens den Ansiedlern die Wahl gelassen, und diejenigen, welchen die eine Art, ihre Ländereien zu erwerben, nicht gefällt, können zu der andern greifen.«

Jetzt schüttelte ich noch einmal mit den Gentlemen die Hände, stieg in das Boot und wir stießen vom Ufer ab. Jaap hatte bei guter Zeit sein Signal gegeben und den Aufbruch veranlaßt, und wir mußten eine Viertelmeile den Fluß hinab rudern, bis wir die Schaluppe trafen. Der Wind, obgleich vollkommen günstig, war doch nicht so stark, daß Mr. Bogert Lust hatte umzuwenden; man warf uns ein Seil zu, das wir faßten, worauf wir mit Sack und Pack aus das Deck des Adlers hinübergeschafft wurden.

Kapitän Bogert rauchte am Steuer, als er meinen Gruß erwiederte. Nach ein paar Zügen nahm er die Pfeife aus dem Munde, deutete mit dem Rohr auf die Gruppe an der Küste, und erkundigte sich, ob ich ihnen Lebewohl zu sagen wünschte.

» Allponny,« so pflegten die Holländer den Namen ihrer Stadt im vorigen Jahrhundert auszusprechen, »ist eine weite Strecke Weges von hier entfernt,« sagte er, »und vielleicht würdet Ihr Eure Freunde gern noch einmal sehen.«

Die Gewohnheit, Hüte und Taschentücher zu schwenken, ist etwas regelmäßiges auf dem Hudson, und ich sprach meine Bereitwilligkeit aus, dem Gebrauche, wie natürlich, mich zu fügen. Dies waren die Begriffe Mr. Mordaunt Littlepage's zu Anfang dieses Jahrhunderts, und dies seine Empfindungsweise kurz nach dem Frieden von 1783. Nichts der Art veranschaulicht vollständiger die allgemeine Veränderung, die mit dem Land in Sitten, Gewohnheiten und materiellen Dingen vorgegangen ist, als der Unterschied zwischen den Reisen von damals und von jetzt. Damals zog die Abfahrt einer Schaluppe oder die Einschiffung eines Passagiers an der Küste ganze Schaaren Menschen an die Werften, und Taschentücher wehten, wie wenn die Zurückbleibenden das Verlangen fühlten, ihre Freunde so lang als möglich mit den Augen zu verfolgen. Jetzt kommen und gehen täglich Tausende, im buchstäblichen Sinne, welche so viel Stunden auf dem Hudson zubringen, als ihre Großväter Tage; und das Händeschütteln und Abschiednehmen wird gewöhnlich zu Hause abgemacht. Das müßte eine kecke Dame seyn, die jetzt sich einfallen ließe, einem Flußdampfboot auf dem Hudson mit dem Taschentuch zuzuwinken! D. H. Demgemäß steuerte Mr. Bogert das Schiff mit gutem Bedacht der Küste zu, und ich sah die ganze Familie auf einem niedern Felsen, nahe beim Wasser, sich versammeln, um mir den Scheideblick zuzuwerfen. Im Hintergrund standen die Satanstoes, eine dunkle, wollige Gruppe, die Mrs. Jaap und zwei Generationen von Abkömmlingen in sich begreifend. Die Weißen weinten, d. h. meine liebe Mutter und Kate; und die Schwarzen lachten, obgleich die Alte ihre Zähne beinahe ebenso übereinander klemmte, als sie sie zeigte. Eine lebhafte Empfindung hat beinahe unabänderlich beim Neger ein Gelächter zur Folge, und nur ganz besonders ernste Fälle und Veranlassungen machen hier eine Ausnahme.

Ich glaube, wenn die Wahrheit bekannt wäre, Mr. Bogert empfand einen großen Triumph über die stattliche Bewegung seiner Schaluppe, wie sie an der Küste hinstrich, in nicht großer Entfernung von den Felsen, ihre Hauptsegel aufgesetzt und gebläht; man konnte wohl sagen, der Adler bewegte sich in all seiner Herrlichkeit. Er fuhr so nahe an den Felsen hin, als verachtete er alle Gefahr. Damals war noch nicht die Zeit der ängstlichen Berechnung, wie sie später eintrat. Damals machte sich ein Schiffer von Albany noch nichts daraus, ein paar hundert Fuß Abstand bei einer Bewegung zu verlieren, während es heutzutage keine leichte Sache wäre, einen Liverpooler Kauffahrer zu bereden, um so viel seitwärts zu steuern, um ein fremdes Schiff mitten auf dem atlantischen Meer anzureden, wenn er nicht anders im Fall ist, sich bei dem andern Schiffe hinsichtlich des Längengrades Rathes zu erholen.

Als die Schaluppe an dem Felsen vorbei strich, wurde ich mit Verbeugungen, Schwenken von Hüten und Tüchern und guten Wünschen salutirt, genug um für die ganze Reise auszureichen. Auch Jaap bekam seinen Theil; und »lebt wohl Jaap!« kam mir zu Ohren, von der süßen Stimme Kate'ns ihm zugerufen. Dahin fuhren wir, in stattlicher, holländischer Bewegung, langsam, aber sicher. In zehn Minuten lag Lilaksbush hinter uns, und ich war wieder auf Monate hinaus allein und einsam in der Welt.

Jetzt hatte ich Zeit, mich umzusehen, wer meine Begleiter auf dieser Reise waren. Der Kapitän und die Matrosen bildeten wie gewöhnlich den Haupttheil der Gesellschaft; dann die Lootsen, Beide Weiße und Beide von holländischer Abkunft, ein alter runzliger Neger, der sein Leben auf dem Hudson im Dienst am Vordermast zugebracht hatte, und zwei jüngere Schwarze, von welchen Einer den Ehrentitel des Kajütenverwalters führte. Auch zahlreiche Passagiere waren da, von welchen einige höhern Klassen anzugehören schienen. Sie waren von beiden Geschlechtern, aber mir insgesammt fremd. Auf dem Hauptdeck befanden sich sechs oder acht stämmige, anständige, gesetzte, achtbar aussehende Arbeiter, welche sichtlich zur Klasse der Landbauer gehörten. Ihre Päcke lagen auf einem Haufen, unten am Mast, und es entging meiner Beobachtung nicht, daß ebenso viele Aexte da lagen als Päcke.

Die amerikanische Art! Sie hat mehr wirkliche und bleibende Eroberungen gemacht als das Schwert irgend eines kriegerischen Volkes, das je gelebt; aber es sind Eroberungen gewesen, welche statt Verderben und Verwüstung, Gesittung in ihrem Gefolge gehabt haben. Ueber eine Million Quadratmeilen Landes Heutigen Tages mehr als zwei Millionen. sind, aus dem Schatten des Urwaldes heraus, erschlossen worden, um die Wärme der Sonne aufzunehmen; und Anbau und Ueberfluß haben sich da verbreitet, wo vor kurzer Zeit noch die Thiere des Waldes, vom Wilden gejagt, sich umtrieben. Und hievon ist das Meiste ausgeführt worden zwischen dem Tage, wo ich an Bord des Adlers ging, und demjenigen, wo ich dies niederschreibe. Ein kurzes Vierteljahrhundert hat diese wunderbaren Veränderungen eintreten sehen und ihnen allen liegt zu Grunde das schöne, preiswürdige, stets bereite, wirksame Werkzeug – die amerikanische Art!

Es wäre nicht leicht, dem Leser einen klaren Begriff zu geben von der Art und Weise, wie die jungen Männer, und Männer jeden Alters, aus den ältern Gebieten der neuen Republik nach den Wäldern strömten, um das Geschäft des Fällens der Forste und der Bloßlegung der Geheimnisse der Natur zu beginnen, sobald die Nation sich vom Drucke des Krieges erhob, um sich der Freiheit des Friedens zu erfreuen. Die Geschichte jener Zeit in New-York, welcher Staat an der Spitze stand in dem rühmlichen Kampfe des Fortschritts und der Verbesserung, und seither immer so edel seinen Vorrang behauptet hat, ist noch nicht geschrieben. Wenn sie wird gehörig dargestellt seyn, werden Namen der Vergessenheit entrissen werden, die mit größerem Rechte Statuen und Nischen in dem Tempel des Nationalruhms verdienen, als die von Vielen, welche ihnen den Vorrang abgelaufen haben, bloß in Folge des Umstandes, daß die öffentliche Meinung sich leichter für glänzende Thaten und Unternehmungen begeistern und bestechen läßt, als sie die Verdienste der wahrhaft humanen und nützlichen Bestrebungen anerkennt.

Es war nicht gewöhnlich, daß Ansiedler (settlers), wie man diejenigen zu nennen pflegte, welche zuerst neue Ländereien übernehmen und sich darauf niederlassen, ihre Reisen aus der Nähe der See in das Innere anders als zu Lande machten: einige Wenige aber, die von Connektikut über New-York kamen, reisten von hier den Fluß hinauf in den Schaluppen. Von dieser Art waren diejenigen, die ich an Bord des Adlers traf. Wir hatten im Ganzen sieben solcher Männer unter uns, welche am ersten Tag unserer Fahrt mit mir ins Gespräch kamen, und ich war etwas überrascht, als ich entdeckte, wie viel sie schon von mir, meinem Thun und Treiben und meinen Planen wußten. Bald jedoch fiel mir Jaap ein, als derjenige, von welchem sie wahrscheinlich ihre Kunde von mir geschöpft hatten: und wie ich mich erkundigte, fand ich, daß dies wirklich der Fall war.

Die Neugier und Fragelust des Volkes von Neu-England ist so allgemein von den Schriftstellern und Commentatoren über den amerikanischen Charakter zugestanden worden, daß ich glaube, man hat das Recht, die Wahrheit dieses Charakterzuges unbedingt zu behaupten. Ich habe ihn schon auf verschiedene Weise erklären hören; und unter andern hat man als Erklärungsgrund ihre Geneigtheit zum Auswandern genannt, wovon eine nothwendige Folge die Erkundigungen nach dem Befinden von Freunden und Verwandten in der Ferne seyen. Mir jedoch scheint es, dies heiße den Grund dieses Zuges sehr eng auffassen; vielmehr möchte ich diese Eigentümlichkeit von der regen Geistesthätigkeit überhaupt ableiten, die unter einem Volke herrscht, das den Zwang konventioneller Gebräuche in künstlicheren Gesellschaftszuständen nicht kennt. Auch die Gewohnheit, sich in so Vielem der Stimme und Ansicht des Gemeinwesens zu unterwerfen, übt einen großen Einfluß auf alle Meinungen dieses eigentümlichen Theils der amerikanischen Bevölkerung, denn sie scheint das Recht einzuräumen, sich nach Dingen zu erkundigen, welche anderswo durch das geheiligte Gesetz der Privatsphäre des Individuums geschützt sind.

Dem sey wie ihm wolle, meine Axtmänner hatten aus Jaap Alles herauszubringen gewußt, was ihm von Ravensnest und Mooseridge, sowie von meinen Beweggründen, die gegenwärtige Reise zu unternehmen, bekannt war. Nachdem sie im Besitz dieser Aufschlüsse waren, säumten sie nicht, sich mir vorzustellen, und die Frage an mich zu richten, welche ihre Gemüther vor allen beschäftigten. Natürlich gab ich ihnen solche Antworten, wie sie die Natur des Falles mit sich brachte, und es knüpfte sich gleich am ersten Tag eine Art Geschäftsbekanntschaft zwischen uns an. Da die Reise mehrere Tage dauerte, war, bis wir Albany erreichten, von der einen oder der anderen Seite so ziemlich Alles vorgebracht, was sich über den Gegenstand sagen ließ.

Was Ravensnest betraf, mein eigenes Besitzthum, so hatte mein Großvater in seinem Testament den Wunsch ausgesprochen, daß die Güterstücke pachtweise möchten verliehen werden, wobei er mehr meiner Kinder als meinen Nutzen im Auge hatte. Sein Wunsch war mir Gesetz, und ich hatte den festen Entschluß gefaßt, die noch nicht vergebenen Ländereien dieses Gutes, volle drei Viertheile des ganzen Patents, als Pachtgüter zu verleihen, unter Bedingungen, ähnlich denjenigen, welche den bisherigen Pächtern bewilligt worden waren. Andrerseits war es die Absicht, die Landloose von Mooseridge zu veräußern. Diese Bedingungen wurden den Axtmännern bekannt gemacht, – mein erster Schritt bei der Aufgabe, neue Ansiedlungen zu gründen, – und ganz gegen meine Erwartung fand ich, daß diese Abenteurer weit mehr Neigung zur Pachtung, als zum gänzlichen Ankauf hatten. Allerdings rechnete ich auf eine kleine Baarzahlung für jedes förmlich verkaufte Grundstück, während ich bereit war, Pachtungen auf drei Sterbfälle jedenfalls zu sehr niedrigen Renten zu verwilligen; und eine große Zahl von Landloosen, diejenigen, welche ihrer Lage, oder der Beschaffenheit des Bodens nach am wenigsten wünschenswerth waren, wollte ich für die ersten Jahre der Besitznahme ganz ohne Rente in Pacht geben. Diese letztern Vortheile, und die Gelegenheit, sich in den Besitz von Ländereien auf eine gute Anzahl von Jahren hinein zu setzen gegen eine Rente von nur einem Shilling für den Acre, waren, wie ich bald entdeckte, starke Versuchungen für Leute, die Alles, was sie besaßen, in ihren Päcken mit sich trugen, und die so das wenige Geld, das sie in der Tasche hatten, für die Bedürfnisse ihrer künftigen Haushaltung und Wirthschaft aufsparten.

Diese Gegenstände besprachen wir während der acht Tage, die wir an Bord der Schaluppe zubrachten; und bis wir der Kirchthurmspitze von Albany ansichtig wurden, waren meine Schiffsgesellschafter entschlossen, mir nach dem Nest zu folgen. Dieser Kirchtürme waren es damals zwei; nämlich der der englischen Kirche, welche nahe am Ende der Stadt stand, gegen den Berg hin, und der der holländischen Kirche, welche bescheidener in der Ebene stand, und den man kaum über die spitzen Dächer der umliegenden Häuser hervorragen sah; obgleich diese letzteren selbst weder besonders hoch noch besonders imposant waren.

 

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