Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > James Fenimore Cooper >

Der Kettenträger

James Fenimore Cooper: Der Kettenträger - Kapitel 15
Quellenangabe
pfad/cooper/kettentr/kettentr.xml
typefiction
authorJames Fenimore Cooper
titleDer Kettenträger
publisherVerlag von S. G. Liesching
year1846
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
senderwww.gaga.net
created20121203
projectid928a30b9
Schließen

Navigation:

Dreizehntes Kapitel.

Eine bequeme Lehre; und es läßt sich viel
darüber sagen. Wo ist Euer Text zu finden?

Was Ihr wollt.

 

Ein Monat verfloß rasch. Während dieser Zeit ward Frank Malbone völlig installirt, und Andries verstand sich dazu, die Operationen mit der Meßkette so lange ruhen zu lassen, bis diese nothwendige Arbeit vorüber war. Eine Arbeit war es; denn alle von meinem Großvater bewilligten Pachtverträge waren abgelaufen und die Pächter waren auf ihren Gütern geblieben, geduldeter Weise, oder als Inhaber auf Gutdünken und kurze Frist, indem sie auf Ehrenwort abgeschlossene Übereinkünfte je auf ein Jahr mit Mr. Newcome gemacht hatten, welchem Vollmacht gegeben war, so weit zu gehen, aber nicht weiter.

Es war, wie ich schon gesagt habe, zu jenen Zeiten selten, daß ein Grundbesitzer während der ersten Jahre der Ansiedlung von seinen Ländereien irgend ein Einkommen zog. Die große Aufgabe war, Ansiedler herbeizuziehen; denn da die Concurrenz so groß war, mußten Opfer gebracht werden, um diesen allerersten Zweck zu erreichen. In Gemäßheit dieser Politik hatte mein Großvater seine wilden Ländereien fast durchgängig gegen eine nur nominelle Rente verliehen, dann und wann ein Pachtgut, das ganz besondere Vortheile darbot, ausgenommen; und in den meisten Fällen hatte der Ansiedler die Benützung des Pachtgutes für mehrere Jahre ohne allen Pachtzins gehabt. Er bezahlte die Steuern, welche nur nominell waren, und hauptsächlich zur Bestreitung der Kosten für Zwecke und Gegenstände dienten, welche der nächsten Nachbarschaft zu Statten kamen, wie z. B. der Bau von Straßen, Brücken, Pferchen und andern ähnlichen Werken, und die Gerechtigkeitspflege. Nach Ablauf der Frist, während welcher gar keine Rente bezahlt wurde, ward festgesetzt, daß eine kleine Summe je für den Acre entrichtet werde, aber nicht streng und förmlich erhoben, und kein Dollar davon kam je aus der Ansiedlung hinaus. Man erwartete vom Grundherrn, daß er sich an die Spitze der Subscriptionen für Alles stellte, was für das Gut heilsam und nützlich war, oder dafür ausgegeben wurde; und die zwei oder dreihundert Dollars jährlich, welche mein Pachtregister wirklich nachwies, gingen wieder auf den Pachtgütern des Nestes auf. Es war urkundliche Thatsache, daß der Eigenthümer dieses Gutes noch nicht Einen Schilling zu seinen Privatzwecken hatte wegnehmen und verwenden können. Es ist wahr, es wäre in seiner Macht gestanden, jedes Jahr eine Kleinigkeit zu diesem Behuf zusammen zu bringen; aber man betrachtete es nicht als politisch, und daher war es auch nicht der Brauch des Landes bei so gelegenen Gütern in der Zeit vor der Revolution, obwohl einzelne Fälle einer entgegengesetzten Handlungsweise mögen vorgekommen seyn, wenn der Grundherr besonders habgierig oder in Vermögensbedrängniß war. Unsere New-Yorker Grundherrn zu jener Zeit waren selten im Falle, des Geldes so sehr benöthigt zu seyn. Der Luxus war in der Provinz wenig bekannt gewesen, und konnte im Staate auch noch nicht zur Herrschaft gelangt seyn; daher kamen Wenige durch großen Aufwand um ihr Vermögen, wohl aber manche durch ungeschickte Wirtschaft. Die Praktik des »Kätzchen in der Ecke,« der Kniff, einen Mann aus seinem Besitzthum zu verdrängen, um sich an seine Stelle zu setzen, war vor der Revolution wenig im Brauch: und das Gemeinwesen betrachtete immer den, der sich in das Besitzthum einer Familie eindrängte, mit Kälte und mit scheelem Auge, wenn er nicht durch ehrlichen Kauf und um einen genügenden Preis in den Besitz kam. Legalspekulationen waren damals fast ganz unbekannt, und wenn Einer reich wurde, so setzte man voraus, daß er es werde durch männliche Kraftanstrengung und offene, das Licht nicht scheuende Thätigkeit, und nicht durch die dunkeln Machinationen einer heillosen Rechtsverdrehung.

Was uns betraf, so hatten wir bis jetzt von unserem Besitzthum Ravensnest noch nicht einen Schilling bezogen. Alles, was wir je eingenommen, und noch mehr dazu, war an Ort und Stelle wieder verwendet worden; jetzt aber war die Zeit gekommen, wo es recht und billig war, daß die Ländereien uns für alle Mühen und Auslagen, die wir gehabt, einigen Ertrag und Ersatz leisteten.

Eilf tausend Acres waren verliehen, unter etwas weniger als hundert Pächter vertheilt. Bis zum ersten April folgenden Jahres konnten diese Leute ihre Ländereien behalten unter den Bedingungen des mündlichen Contrakts; nach diesem Tage aber wurden neue Pachtverträge nöthig. Es ist bei dem amerikanischen Grundbesitzer nicht gebräuchlich, sehr streng im Einfordern zu seyn. Es liegt dies in der That auch gar nicht in seiner Macht, aus dem einfachen Grunde, weil es so viel mehr Land gibt als Menschen; aber es liegt auch gar nicht in der Sitte des Landes, vielmehr ist gewöhnlich sorglose Nachsicht der Fehler dieser Menschenklasse, eine Nachsicht, welche ein Anwachsen von Rückständen gestattet, die, wenn der Zahltag kommt, gar leicht böses Blut und Unzufriedenheit erzeugen. Es ist eine unläugbare Wahrheit in der Moral, daß die Menschen, was auch im Augenblick ihre Gefühle und Gesinnungen seyn mögen, selten gegen eine Regierung dankbar sind, welche ihren Fehlern freien Spielraum gestattet. Immer suchen sie einen Theil der Schuld ihrer eigenen Verirrungen und Fehltritte denjenigen aufzubürden, die sie hätten bewachen und lenken sollen. Ebenso ist es mit Schulden; denn wie sehr man auch im Augenblick um Nachsicht und Geduld bitten mag, – die Anhäufung der Zinsen bekommt gar ein furchtbares und feindliches Aussehen, wenn sie sich in einer Gesammtsumme darstellen in einem Zeitpunkt, wo es ungelegen seyn mag, die Rechnung auszugleichen. Wenn nun diejenigen, welche sich schon in eine solche Lage versetzt gesehen haben, bedenken wollten, daß es eine letzte, große Abrechnung gibt, welche ins Reine zu bringen mit Rückständen dereinst an jeden Menschen die Aufforderung und Ladung ergeht, so dürfte ihnen ihre Erfahrung, von den weltlichen Dingen entnommen, eine unendlich nützliche Warnung an die Hand geben. Es ist ein Glück für uns Alle, ohne Ausnahme, daß ein Mittler uns beisteht bei jener Abrechnung.

Die Zeit war gekommen, wo man von Ravensnest einigen Ertrag sich versprechen durfte. Geleitet von den Ergebnissen der Vermessung und von unserer Lokalkenntniß, und nicht wenig unterstützt von der Erfahrung des Kettenträgers, brachten Frank Malbone und ich volle vierzehn Tage damit zu, die Pachtländereien zu klassificiren; die geringsten stellten wir in die Kategorie von einem Shilling, andere in die von achtzehn Pence, und ein Dutzend etwa in die von zwei Shillingen. Das Resultat war, daß wir sechstausend Acres in die Klasse von ein Shilling Jahresrente setzten, dreitausend achthundert in die von achtzehn Pence, und zwölfhundert in die von zwei Shillingen. Das Ganze betrug einen Rentenbetrag von 44,100 Shillingen, oder etwas über 1742 Dollars jährlich. Dies wollte viel sagen für das Jahr 1784 und zwar war dies der Betrag noch mit Ausschluß des zum Nest gehörigen Gutes, von Jason Newcome's Mühlen und Zimmerholzland, die er bisher umsonst oder gegen eine blos nominelle Rente inne gehabt hatte, so wie aller noch wilden Ländereien.

Ich will gestehen, ich hatte eine große Freude über das Ergebnis unserer Berechnungen. Vor diesem Tage hatte ich auf Ravensnest gar nicht gerechnet, in Betreff eines daraus zu ziehenden Einkommens, da ich die Mittel meines Unterhalts in dem übrigen Vermögen fand, das ich von meinem Großvater geerbt hatte. Auf dem Papier war mein Einkommen mehr als verdoppelt, denn ich bezog damals nur etwa elfhundert jährlich (ich spreche von Dollars, nicht von Pfunden) von meinem andern Vermögen. Es ist wahr, letzteres schloß sehr viele Plätze und Gebäulichkeiten in und bei der Stadt in sich, welche im Augenblick nichts ertrugen, aber in späteren Zeiten, wie Ravensnest selbst, sehr werthvoll zu werden versprachen. Die meisten Dinge in Amerika wiesen damals, wie jetzt noch, auf die Zukunft hin, obwohl ich hoffe, die Zeit des Genusses und Nutzens werde nun endlich kommen. Meine Besitzungen in der Stadt sind schon längst sehr werthvoll und ziemlich einträglich geworden.

Sobald unser Plan für die Wiederverleihung reiflich erwogen war, forderte Frank die Inhaber der Pachtgüter auf, sich je in Abteilungen von Zehen auf dem Nest einzufinden, um ihre Pachtungen aufs Neue zu übernehmen. Wir waren auf dem Gut herum geritten, hatten uns mit den Ansiedlern besprochen und ihnen meine Absichten im Voraus schon mitgetheilt, so daß Wenig mehr zu erörtern übrig blieb. Die Pachtungen wurden alle wieder auf drei Sterbfälle und ganz nach meinem zuvor entworfenen Plane verliehen, und Keiner machte eine Einwendung gegen den Pachtzins, der nach allgemeinem Zugeständniß nicht nur billig sondern nieder war. Die Lage der Dinge war damals in zu frischem Andenken, als daß die Vergangenheit so schnell hätte vergessen werden können; und der Tag, an welchem der letzte Pachtvertrag unterzeichnet wurde, war ein Tag der allgemeinen Zufriedenheit. Ich dachte daran, ein Grundherrnessen zu geben und die ganze Ansiedlerschaft zum Behuf eines fröhlichen und freundschaftlichen Zusammenseyns zu mir zu laden; aber der alte Andries goß kaltes Wasser auf meinen Vorsatz.

»Das ginge an, Mortaunt,« sagte er, »wenn Ihr nur mit ächten New-Yorkern oder Mittelstaatenmännern es zu thun hättet; aber über die Hälfte von diesen Leuten sind aus den östlichen Staaten, wo es keine solche Dinge gibt wie Grundherrn und Pächter, – in einem größeren Maßstabe, heißt das; und unter diesen Allen ist nicht Einer, der nicht im Schilde führte, dereinst sein Pachtgut als Eigenthum zu besitzen, möge es ihm auf geradem oder auf krummem Wege gelingen. Sie sind so eifersüchtig auf ihre Würde, als wenn Jeder von ihnen ein ganzer Oberst wäre, und sie werden Euch keinen schönen Dank sagen für ein Mittagsmahl, bei welchem sie die zweite Geige zu spielen scheinen.«

Obwohl ich des Kettenträgers alte holländische Vorurtheile gegen unsre östlichen Brüder kannte, wußte ich doch wohl, daß, was er sagte, viel Wahres enthielt. Frank Malbone, der in Rhode-Island geboren war, hatte dieselbe Ansicht, wie ich bei näherer Erkundigung erfuhr; und ich war geneigt, mich seiner Meinung unterzuordnen. Frank Malbone war selbst ein Gentleman, und Männer dieser Gattung sind in der Regel über kleinliche Eifersucht erhaben; aber Frank mußte die Gesinnungen derjenigen, unter welchen er geboren und aufgewachsen war, besser zu würdigen wissen, als es für mich möglich war; demgemäß wurde der Plan mit der Mahlzeit aufgegeben.

Es blieb nun noch übrig, eine neue Uebereinkunft zu treffen und bleibend festzusetzen mit Mr. Jason Newcome, welcher bei weitem der vermöglichste Mann auf Ravensnest war; denn er allein schien alle Geschäfte und den ganzen Handel und Verkehr auf der Niederlassung an sich gerissen zu haben. Er war Magistrat, Oberaufseher, Diakon, nach der Einrichtung der Congregationisten, oder was die Benennung seyn mochte, Müller, Inhaber aller Vorräthe und Kaufmann, Notar bei Testamenten, Eigenthümer des Gasthauses, das er durch einen Andern versehen ließ, und allgemeiner Rathgeber für die ganze Gegend. Alles schien durch seine Hände zu gehen; oder vielleicht wäre richtiger zu sagen: Alles kam in seine Hände, aber Wenig wieder heraus. Dieser Mann war, in kleinem Maßstabe freilich, einer der Alles an sich raffenden Geldmenschen, die nur leben, um zu sammeln und Geld aufzuhäufen, – nach meinem Sinne und in meinen Augen die widerlichsten und verächtlichsten Leute, da sie bei ihrem Geldzusammenscharren durchaus keinen der anerkennungswerthen Zwecke einer vernünftigen Industrie, eines achtbaren Unternehmungsgeistes im Auge haben. So lang ein Mensch in seiner Nähe war, den er für reicher hielt als er selbst war, so lange hätte Mr. Newcome sich unglücklich gefühlt, obgleich er nicht wußte, was anfangen mit dem Vermögen, das er schon erworben hatte. Man weiß nicht, ob man solche Charaktere mehr verabscheuen oder bemitleiden soll; denn während sie jedem Menschen von gesundem Gefühl und edlem Geist zuwider sind und seyn müssen, tragen sie in ihrem eigenen Busen einen Wurm, der nie stirbt, und der am Marke ihres Lebens zehrt.

Mr. Newcome hatte seine Beseitigung als Agent dem Anschein nach ganz gut aufgenommen, und hatte von dem Augenblick an, wo er Grund hatte zu vermuthen, daß ihm die Stelle entzogen werden würde, sich die Miene gegeben, als wünschte er derselben los zu werden. In dieser Hinsicht lief somit Alles ganz im Guten und freundschaftlich ab, und durchaus keine Klage wurde von seiner Seite erhoben. Im Gegentheil, er kam Frank Malbone anscheinend mit der größten Herzlichkeit entgegen, und wir schritten zur Verhandlung, wie es schien, in eben so guter und ungetrübter Stimmung, als zu irgend einem der vorhergegangenen Pachtverträge. Mr. Newcome that Nichts offen und geradezu; von Kindheit an war er immer gewohnt gewesen, nur krumme Pfade und Umwege zu betreten.

»Ihr habt das Mühlloos und die Benützung von fünfhundert Acres Waldland von meinem Großvater auf drei Sterbfälle oder im ungünstigsten Falle auf einundzwanzig Jahre übernommen, wie ich finde, Mr. Newcome,« bemerkte ich, sobald wir uns zu dem Geschäft hingesetzt hatten, »und zwar gegen eine nur nominelle Rente; die Mühlen sollten in baulichem Stand gehalten werden, und nach Ablauf des Pachttermins an den Grundherrn zurückfallen.«

»Ja, Major Littlepage, das war der Vertrag, ich muß es gestehen, obgleich er für mich sehr schwer ward. Der Krieg brach aus, und mit ihm kamen harte Zeiten, und ich dachte, der Major würde geneigt seyn, die Umstände in Erwägung zu ziehen, wenn wir einen neuen Vertrag machten.«

»Der Krieg kann für Euch nicht sehr nachtheilig gewesen seyn, da die Früchte aller Art einen hohen Preis hatten; und ich sollte meinen, der Umstand, daß große Heere in der Nähe waren, welche Alles consumirten, was Ihr zu verkaufen hattet, und zwar zu hohen Preisen, müßte jeden Nachtheil, der Euch etwa daraus erwachsen, mehr als ausgeglichen haben. Ihr hattet die Vortheile von zwei Kriegen zu genießen, Mr. Newcome; vom Kriege von 1775 und theilweise von dem von 1756.«

Mein Pächter antwortete Nichts hierauf, da er fand, daß ich über den Gegenstand nachgedacht hatte, und gefaßt war, ihm zu antworten. Nach einer Pause lenkte er das Gespräch auf positivere Dinge.

»Ich vermuthe, der Major geht von dem Grundsatz aus, ein legales Recht des alten Pächters auf einen neuen Pachtvertrag anzuerkennen. Man hat mir gesagt, er habe dies so ziemlich bei allen bisherigen Unterhandlungen anerkannt.«

»Dann hat man Euch falsch berichtet, Sir. Ich bin nicht so schwach, daß ich ein Recht anerkennte, welchem der Pachtvertrag selbst, welcher der Natur der Sache nach nothwendigerweise den einzigen Anspruch und Rechtstitel des Pächters begründet, entschieden widerspricht. Eure gesetzlichen Ansprüche auf das Besitzthum hören in wenigen Tagen von jetzt an gerechnet gänzlich auf.«

»J – a – j – a, Sir, ich glaube das schon,« sagte der Squire, indem er sich in seinem Sessel zurücklehnte, bis sein Körper einen Winkel von sechszig bis siebzig Graden mit dem Boden bildete; – »ich glaube das schon nach den Vertragsbedingungen; aber zwischen einem Mann und den andern sollte etwas Anderes, Bindenderes bestehen.«

»Ich kenne nichts Bindenderes bei einer Pachtverleihung als die Vertragsbedingungen, Mr. Newcome.«

»Wohl,« – wie dieser Mann das Wörtchen wohl zu gebrauchen wußte, wenn er einen Mitmenschen zu hintergehen suchte, und mit welch' jesuitischem Accent er es aussprach! – »Wohl, das ist eben, je nachdem die Leute Ideen haben. Eine Vertragsbedingung kann hart seyn, und dann sollte sie, nach meiner Ansicht, für nichts gelten. Ich bin gegen alle harten Verträge.«

»Hört Ihr, Freund Jason,« fiel der Kettenträger ein, der ein alter Bekannter von Mr. Newcome war und seinen Charakter durch und durch zu kennen schien – »Hört Ihr, Freund Jason: gebt Ihr einen unverhofften Gewinn zurück, wenn es sich so trifft, daß Euch ein größerer zufällt, als worauf Ihr Euch beim Abschluß eines Handels Rechnung gemacht hattet?«

»Es führt zu nichts, mit Euch über solche Gegenstände zu schwatzen, Kettenträger, denn wir werden in unsern Ansichten nie zusammenstimmen,« antwortete der Squire, sich noch weiter in seinem Sessel zurücklehnend. »Ihr seyd, was ich einen absonderlichen Mann nenne in Euren Begriffen, und wir werden uns nie verstehen.«

»Aber doch hat des Kettenträgers Frage einen guten Sinn,« sagte ich. »Wenn Ihr nicht bereit seyd, sie mit Ja zu beantworten, sehe ich nicht ein, wie Ihr mit irgend einem Schein von Recht Eure eignen Grundsätze anwenden könnt. Aber lassen wir das beiseite, – warum macht man Verträge, wenn sie nicht sollen beobachtet werden?«

»Nun wohl, nach meinen Begriffen ist ein Vertrag bei einer Pachtverleihung ungefähr dasselbe, was ein fließendes Wasser auf einer Landkarte – Nichts, auf was man so ein sonderliches Gewicht legen sollte; aber sowie fließende Wasser sich auf einer Karte gut ausnehmen, so lesen sich auch Verträge gut bei einer Pachtverleihung. Die Grundherrn haben sie gern und die Pächter sind nicht sehr bedenklich.«

»Es kann Euch schwerlich mit dem Einen oder mit dem Andern Ernst seyn, hoffe ich, Mr. Newcome, sondern Ihr übt nur Euern Scharfsinn an uns zu Eurer Unterhaltung. Die Vertragsbedingungen Eures Pachtes enthalten nichts so Absonderliches, daß die Entscheidung darüber irgend zu einem Gewissensfall werden könnte.«

»Doch steht das darin, Major, daß Ihr das ganze Besitzthum zurückbekommen sollt, wenn Ihr Lust bekommt, Ansprüche darauf zu erheben.«

»Ansprüche zu erheben! – Das ganze Besitzthum ist mein oder meiner Vorfahren Eigenthum gewesen, seitdem es uns von der Krone überlassen worden ist. Alle Eure Rechte rühren von Eurer Pachtung her; und wenn diese zu Ende geht, haben auch Eure Rechte ein Ende.«

»Nicht, nach meiner Einsicht, Major; nicht, nach meiner Einsicht. Ich habe die Mühlen auf meine Kosten gebaut, wie Ihr Euch erinnern werdet.«

»Ich weiß allerdings, Sir, daß Ihr die Mühlen gebaut habt, auf Eure Kosten, wie Ihr sagt; das heißt, Ihr bedientet Euch einer natürlichen Mühlegelegenheit, benütztet unser Zimmerholz und sonstige Materialien und erbautet die Mühlen, sowie sie nun sind, wobei Ihr Euren Lohn und Gewinn Euch von der Benützung derselben versprachet, gegen eine nur nominelle Rente; und dabei hattet Ihr Sägeblöcke zu Eurer Verfügung, wie Ihr sie nur wünschtet, und genoßet auch sonst die mannigfachen Vortheile und Vergünstigungen einer der liberalsten Pachtverleihungen, die je bewilligt wurde.«

»Ja, Sir, aber das war in dem Handel ausbedungen, den ich mit Eurem Großvater schloß. Das wurde zwischen uns so verabredet damals, als ich den Platz übernahm, daß ich Holz fällen dürfe nach Belieben und natürlich mich der auf dem Gute sich findenden Materialien zum Bau bedienen. Seht Ihr, Eurem Großvater war es ganz verzweifelt um Mühlen zu thun; und daher stellte er demgemäß die Bedingungen. Ihr werdet das Sylbe für Sylbe in dem Pachtbrief finden.«

»Ohne Zweifel, Mr. Newcome und Ihr werdet auch in demselben Pachtbrief eine Vertragsbedingung finden, wornach Eure Ansprüche auf das Besitzthum in wenigen Tagen zu Ende gehen.«

»Wohl nun, ich verstehe Pachtbriefe nicht auf diese Art. Gewiß konnte doch das nie die Meinung seyn, daß Einer Mühlen erbauen sollte, um nach fünfundzwanzig Jahren alles Recht darauf zu verlieren!«

»Das hängt von dem Vertrag ab, wie er zu seiner Zeit abgeschlossen wurde. Manche Leute bauen Mühlen und Häuser, die durchaus keine Rechte darauf haben. Sie werden für ihre Arbeit bezahlt während sie bauen.«

»Ja, ja, Zimmerleute und Mühlenbauer meint Ihr. Aber ich spreche von keinen solchen Leuten, ich spreche von ehrlichen, hart arbeitenden, fleißigen Leuten, welche ihre Arbeit und ihre Zeit darauf verwenden, eine Ansiedlung empor zu bringen; nicht von Euren Handwerkern, die für Taglohn arbeiten. Natürlich werden diese bezahlt für das, was sie thun, und damit ist die Sache beendigt.«

»Ich wüßte nicht, daß alle ehrlichen Leute auch hart arbeitende sind, und ebenso wenig, daß alle hartarbeitenden Leute ehrlich sind. Ich wünschte vor Allem, Mr. Newcome, daß dies zwischen uns eine ausgemachte Sache wäre. Redensarten und Phrasen werden mir keine Zugeständnisse abdringen. Ich bin jedoch mit Euch vollkommen einverstanden, wenn Ihr sagt: wenn Einer für seine Arbeit bezahlt wird, so habe die Sache damit ein Ende. Nun werdet Ihr binnen dreiundzwanzig Tagen bezahlt seyn für Alles, was Ihr an meinem Besitzthum gethan habt gemäß Eurem eignen Zugeständniß; und nach Eurer eignen Argumentation muß Eure Verbindung mit diesem Besitzthum hiemit ein Ende haben.«

»Der Major hat doch sicherlich nicht die Absicht, mich meines sauer erworbenen Verdienstes zu berauben!«

»Mr. Newcome, berauben ist ein hartes Wort, ein Wort das, ich muß Euch darum bitten, zwischen Euch und mir nicht mehr vorkommen soll. Ich habe nicht die Absicht Euch zu berauben, noch auch mich von Euch berauben zu lassen. Die Ausrede, daß Ihr mit den Bedingungen dieser Pachtverleihung nicht bekannt gewesen seyd, kommt ziemlich spät, nach einem Besitz von einem Vierteljahrhundert. Ihr wißt recht gut, daß mein Großvater nicht verkaufen wollte und daß er nur pachtweise verlieh; wenn Eure Absicht war, zu kaufen, warum wandtet Ihr Euch nicht anders wohin und suchtet Land zum Erbbesitz zu erwerben? Es waren und sind noch rings herum Tausende von Acres zu verkaufen. Ich selbst habe Land zu verkaufen zu Mooseridge, als Agent meines Vaters und des Obersts Follock, nur zwanzig Meilen von Euch entfernt, und wie man mir sagt, vortreffliche Mühlplätze obendrein.«

»Ja, Major, aber das ist nicht so nach meinem Geschmack, – ich hatte nun einmal Lust zu diesem.«

»Aber ich habe nun auch Lust zu diesem; und da es nach Recht und Billigkeit mein Eigenthum ist, so habe ich doch wohl den besten Anspruch auf den Genuß.«

»Nach der Billigkeit möchte ich diese Sache beigelegt sehen, Major – ich weiß, das Gesetz ist gegen mich – das heißt, manche Leute behaupten es; aber manche bestreiten es auch, jetzt, nachdem wir eine Revolution gehabt haben, – aber laßt das Gesetz sprechen wie es will, es gibt Etwas, das ich das Recht nenne zwischen Mann und Mann.«

»Ganz gewiß; und das Gesetz ist eine Erfindung und Institution, dem Recht Geltung und Kraft zu verschaffen. Es ist Recht, daß ich genau erfülle, wozu mich der Wille meines Großvaters vor fünfundzwanzig Zähren verpflichtete, in Bezug auf jene Mühlen; und es ist dem Recht gemäß, daß Ihr thut, wozu Ihr Euch selbst verpflichtet habt.«

»Ich habe das gethan. Ich habe mich verpflichtet, die Mühlen zu bauen, in einer bestimmten Art und Weise, und ich habe es gethan. Ich biete jedem Sterblichen Trotz, ob er es anders sagen kann. Die Sägemühle zerschnitt die Klötze zwei Monate nachdem ich den Pacht übernommen, und nach vier Monaten begannen wir Korn zu mahlen.«

»Ohne Zweifel, Sir, seyd Ihr thätig und betriebsam gewesen – obwohl, um ganz offen gegen Euch zu seyn, ich sagen muß, daß urtheilsfähige Leute mir erklären, keine von den Mühlen sey jetzt mehr viel werth.«

»Das ist wegen der Pachtverleihung,« rief Mr. Newcome, etwas hastiger vielleicht, als sich mit seiner sonstigen klugen Vorsicht vertrug: »wie wußte ich, wenn sie zu Ende gehen würde? Euer Großvater verwilligte mir den Pacht auf drei Leben oder wenigstens einundzwanzig Jahre, und ich that Alles, was in eines Menschen Kräften stand, um ihm eine so lange Dauer zu sichern, als ich selbst leben würde; aber nun stehe ich in meinen kräftigsten Jahren und bin in Gefahr, mein Eigenthum zu verlieren!«

Ich kannte alle Umstände des Falles ganz genau und hatte von Anfang an die Absicht, großmüthig mit Mr. Newcome zu verfahren. In seiner gierigen Gewinnsucht hatte er den Pachtbrief auf das Leben von drei Kindern ausstellen lassen, obgleich mein Großvater ihm gerathen hatte, ihn wenigstens doch auch auf sein eigenes Leben stellen zu lassen; aber nein! – Mr. Newcome hatte gedacht, das Leben eines Kindes sey doch besser, als das eines Mannes; und drei oder vier Jahre nach Unterzeichnung seines Pachtbriefes hatten seine einundzwanzig Jahre zu laufen angefangen und waren jetzt nahezu erschöpft. Aber selbst unter diesen allerdings ganz unerwarteten Umständen war doch der Pacht ein sehr vortheilhafter für den Pächter gewesen; und wenn eine der Personen, auf deren Leben der Pachtbrief gestellt war, hundert Jahre alt geworden wäre, so hätte der Grundherr deshalb vergebens ein Zugeständniß, eine Entschädigung erwartet; denn Grundherren verlangen oder erwarten niemals Gefälligkeiten oder Einräumungen dieser Art – ja, die meisten würden sich schämen, sie anzunehmen. Dennoch war ich geneigt, diese Verhältnisse in Betracht zu ziehen, den Umstand zu übersehen, daß die Mühlen und alle andere Gebäulichkeiten auf dem Gute schlecht gebaut waren und für eine weitere Frist von einundzwanzig Jahren Waldland, Pachtgut, Gebäude und andere Privilegien wieder zu verleihen, um etwa den dritten Theil des Geldes, das Mr. Newcome selbst im Stande gewesen wäre zu verlangen, wenn er, statt meiner, der Verleihende gewesen wäre. Nicht geneigt, eine Erörterung mit einem Manne zu verlängern, der seiner ganzen Natur nach nicht im Stande war, mehr als Eine Seite eines Gegenstandes zu sehen, schnitt ich die Sache kurz ab, indem ich ihm ohne weiteres Zögern meine Bedingungen sagte.

Trotz aller seiner Verstellung und Heuchelei war der Squire doch so erfreut, als er sich von meiner Mäßigung in meinen Forderungen überzeugte, daß er nicht umhin konnte, seine Empfindungen offen auszusprechen; was er sicherlich nicht gethan haben würde, hätte er nicht die moralische Gewißheit gehabt, daß ich von meinem Wort nicht abgehen würde. Ich hielt es jedoch für nothwendig, mich gegen ihn näher zu erklären.

»Ehe ich Euch diesen neuen Pacht verleihe, Mr. Newcome,« fuhr ich fort, während ich das Instrument unterzeichnet in der Hand hielt, »wünsche ich, daß Ihr meinen Sinn recht versteht. Ich bewillige ihn Euch nicht in der Meinung und Voraussetzung, daß Ihr irgend ein Recht habt, ihn zu verlangen, abgesehen von der Rücksicht, die ein liberaler Grundherr immer auf einen leidlich guten Pächter nimmt, welche jedoch lediglich darin besteht, daß er ihm bei gleichen Bedingungen vor Andern den Vorzug gibt. Was den frühen Verlust Eurer drei Sterbfälle betrifft, so war das Eure eigene Schuld. Wären die drei Kinder, die Ihr namhaft gemacht habt, oder wäre nur eines davon über die Kinderjahre hinausgekommen, so hätte es achtzig Jahre alt werden können, in welchem Falle mein Wald mit Zimmerholz gänzlich ausgehauen worden wäre, ohne daß der wahre Eigenthümer irgend einen Nutzen davon gehabt hätte; aber Eure Kinder starben, und die Verleihung kam so auf billige Grenzen zurück. Was mich nun veranlaßt, Euch diese Bedingungen anzubieten, ist einzig und allein die bei Grundherren übliche Liberalität; was ich Euch zugestehe, ist Euch zugestanden nicht als ein Recht, sondern als ein Beweis der Liberalität.«

Dies hieß freilich meinem Pächter den für ihn unbegreiflichsten Beweggrund zu irgend einem Thun darlegen. Selbst ein ängstlicher und schmutziger Berechner und Knauser war er nicht gewohnt, irgend einem Menschen Großmuth zuzutrauen; und die zweifelnde, mißtrauische Art, womit er das Papier hinnahm, ließ mich im Augenblick vermuthen, er fürchte es sey irgend ein Plan und Anschlag im Werke, ihn zu fangen. Ein Spitzbube ist immer mißtrauisch und verräth seinen Charakter gegen ehrliche Leute ebenso oft hiedurch, als durch irgend welche andere Sünden und Fehler. Aber es war nicht meine Sache, mein Benehmen nach den Schwächen Jason Newcome's einzurichten und davon bestimmen zu lassen, und der Pacht war verwilligt.

Ich wünsche hier eine Bemerkung einzuschalten. Es sollte allerdings derselbe Grundsatz eines guten gesellschaftlichen und gegenseitigen Verhältnisses bestehen und gelten in den Beziehungen zwischen Grundherr und Pächter, wie in den andern Verhältnissen und Beziehungen des Lebens, welcher ein moralisches Band knüpft zwischen Parteien, die in ihren gewöhnlichen Interessen genau zusammenhängen, und zwar dies in einem Grade, daß dadurch Bevorzugungen und verschiedene Vorrechte ähnlicher Art sich bilden. Dies bin ich weit entfernt in Abrede zu stellen und im Ganzen halte ich dafür, daß unter dieser ganzen Klasse von Beziehungen und Verhältnissen das in Rede stehende als eines der allerbindendsten und heiligsten angesehen werden muß. Aber doch müssen die rein moralischen Rechte und Ansprüche des Pächters bedingt seyn durch strenge Aufrechthaltung aller Rechte des Grundherrn, der gesetzlichen und moralischen zusammengenommen; und derjenige, der eines der letzteren in Zweifel zieht, verwirkt sicherlich jeden Anspruch darauf, seine Forderungen erfüllt zu sehen, so fern sie über das hinausgehen, was der strenge Buchstabe des Gesetzes ihm einräumt. Der Grundherr, welcher einen neuen Pachtvertrag dem Individuum bewilligt, das seine Rechte, mittelbar oder unmittelbar, zu untergraben strebt, begeht die Schwachheit, einen Feind mit dem Messer zu bewaffnen, mit welchem er selbst soll angegriffen werden, neben dem Irrthum, einem Mann Macht einzuräumen, der, unter dem Namen und der Maske einer unächten Freiheit die einzigen Bedingungen zu erschüttern und umzustürzen trachtet, unter welchen eine civilisirte Gesellschaft bestehen kann. Wenn Grundherren diese Schwäche zeigen, sich ihrer schuldig machen wollen, so haben sie sich selbst wegen der Folgen anzuklagen.

Durch die Bewilligung des Pachtes wurde ich Mr. Newcome's sogleich los, denn all sein Manöuvriren war nur darauf berechnet gewesen, die Rente zu erniedrigen; denn er selbst war viel zu gescheut und schlau, um an die Wahrheit seiner eigenen Doktrinen über Recht und Unrecht zu glauben. An demselben Tage kamen meine Artmänner aus dem Nest an, nachdem sie die Zwischenzeit damit zugebracht, sich verschiedene Landstriche zu besehen, welche feil waren, die sie aber hinsichtlich der Lage, der Beschaffenheit des Bodens oder der Bedingungen nicht so annehmlich gefunden hatten, als die von mir angebotenen. Nunmehr waren auch die vermessenen Loose von Mooseridge fertig, und ich bot sie diesen Auswanderern zum Kaufen an. Der Preis war nur ein Dollar für den Acre, mit Credit auf zehn Jahre: der Zins daraus sollte jährlich bezahlt werden. Man hätte glauben sollen, dieser niedrige Preis hätte die Leute veranlassen müssen, eigenes Land gepachtetem Lande vorzuziehen; aber alle diese Männer fanden es ihrem Vortheil mehr gemäß, Pachtgüter auf die Dauer von drei Leben zu nehmen, für die fünf ersten Jahre ohne Pachtzins, und für die übrige Zeit gegen eine nominelle Rente, als jährlich sieben Dollars Zins und nach Verfluß der Creditzeit hundert Dollars in Geld zu bezahlen. Das hier von Mr. Littlepage angeführte Faktum sollte nie vergessen werden, sofern es der ganzen Beschaffenheit der Forderungen, die man jetzt aufstellt, hinsichtlich der zwangsweisen Überlassung der Pachtgüter, eine andere Farbe leiht. Kein Mensch in New-York hat je ein Pachtgut pachten müssen, weil ihm die Gelegenheit gefehlt hätte, eines zu kaufen; denn es hat nie eine Zeit gegeben, wo nicht innerhalb der Grenzen des Staates Land als förmliches Eigenthum offen feil geboten wäre, und Land, das in jeder Weise ebenso annehmlich war, als das zur Verleihung angebotene. In wenigen Fällen sind zwei aneinander stoßende Besitzungen pachtweise verliehen worden; und selbst wo dies der Fall war, hätten die Landwirthe immer leicht ein als Eigenthum verkäufliches Gut gefunden, wenn sie nur eine halbe Tagereise weit es hätten suchen mögen. Die Vortheile für den Grundherrn sind meist bei pachtweise verliehenen Besitzungen so weit entfernt gewesen, daß bei weitem der größte Theil der Eigenthümer lieber sofort verkauft, als die langsamen Wirkungen und Ergebnisse der Zeit haben abwarten wollen. D. H. Dieser Umstand für sich allein beweist schon, wie genau diese Männer ihre Mittel berechneten und die Wirkungen, welche ihre Entscheidung auf ihre Interessen haben würden. Auch hatten sie mit ihrer Wahl manchmal nicht eben Unrecht. Wer sich des Aufschwungs noch erinnern kann, den das Land bald nach dem Frieden von 83 nahm, der Preise, die die Ansiedler auf neuen Ländereien für ihren Weizen, ihre Asche und ihr Schweinefleisch erhielten – oft drei Dollars für das Bushel Weizen, dreihundert Dollars für die Tonne Asche, und acht bis zehn Dollars für den Centner Schweinefleisch, begreift sofort, daß derjenige, der zu jener Zeit neues Land in Besitz nahm und urbar machte, für einen Arbeiter ungeheuren Lohn erntete in Folge des Reichthums des noch unerschöpften Bodens, den er so ausbeuten durfte. Ohne Zweifel würde er in einer noch besseren Lage gewesen seyn, wenn er nach Ablauf seiner Pachtzeit sein Land eigen besessen hätte; aber so würde auch der Kaufmann, der ein Schiff baut, und durch die erste Fahrt die Kosten desselben herausschlägt, ein reicherer Mann seyn, wenn er die Kosten für zwei Schiffe, statt für eines, herausgeschlagen hätte; aber er hat doch von Glück zu sagen, und man darf nicht vergessen, daß der Mann, der seine Laufbahn mit einer Art und einigem wenigem Hausrath anfängt, in der Lage eines bloßen Tagelöhners sich befindet. Der Zuwachs, den seine Mittel erhalten durch die Benützung des Landes, ist es eben, was ihn in Stand setzt, über seine niedrige Stellung sich zu erheben und vom Anbau des Bodens Nutzen zu ziehen. Gegen Ende des letzten Jahrhunderts und zu Anfang des gegenwärtigen befand sich das Land in einer solchen Lage, daß jeder Hieb der Art unmittelbar gewinnreich war, denn schon die Arbeit, welche auf das Fällen der Bäume verwendet wurde, fand im Erlös aus der dabei bereiteten Asche einen so reichlichen Lohn, daß sogar Spekulanten sich auf dies Geschäft warfen. Es dürfte dereinst ein Gegenstand interessanter Nachforschungen und Untersuchungen seyn, zu erklären wie in dieser Zeit so viel dafür geschehen konnte, die Wildniß in einen Garten zu verwandeln, als, wie man weiß, wirklich geschehen ist; und ich will hier zum Vortheil der Nachkommenschaft eine Skizze entwerfen von einer Methode, die zu jener Zeit sehr häufig eingeschlagen wurde, um wohlhabend, wo nicht reich zu werden.

Es war für einen tüchtigen und geschickten Artmann die Arbeit eines Jahres zehn Acres Waldland zu fällen, in Scheiter zu hauen, zu verbrennen, zu lichten und einzusäen. Die Asche bereitete er zum Verkauf. Bei den schwereren Theilen der Arbeit, wie das Scheitermachen, rief er seine Nachbarn zu Hülfe, welchen er dann wieder dafür ähnlichen Beistand leistete. Ein Joch Ochsen genügte oft für zwei oder drei Bauerngüter.

Zehn Acres Land nun zum erstenmal bestellt und geerntet, konnten recht gut hundert und fünfzig Bushels verkaufbaren Weizen ertragen, der auf dem Markt zu Albany dreihundert Dollars einbrachte. Auch mochten sie eine Tonne Potasche geben, die man wenigstens zu dreihundert Dollars verkaufen konnte. Dies macht fünfhundert Dollar für die Arbeit eines einzigen Jahres. Zieht man nun auch für alle Unkosten des Bauens, der Werkzeuge, der Ketten, des Transports, der Gebühren u. s. w. ein Bedeutendes ab, so konnte doch die Hälfte dieses Geldes ganz gut als reiner Gewinn bei Seite gelegt werden: ein sehr großes Einkommen für einen Mann, der, ehe er sein Pachtgut bekam, sich in der Lage eines bloßen Tagelöhners befand, der zufrieden war, für acht bis zehn Dollars monatlich zu arbeiten.

Daß dies, den allgemeinen Umrissen nach, die Geschichte des Emporkommens von Tausenden von Yeomen ist, welche jetzt in New-York wohnen, ist unläugbar; und es beweist, daß, wenn der Ansiedler auf neuem Lande Mühsale und Entbehrungen zu erdulden hat, diese doch nicht immer ohne einen schnellen Ersatz und Lohn bleiben. In den neuern Zeiten wenden sich die Leute nach den offenen Prairien und bearbeiten mit dem Pflug einen alten Boden; aber ich muß nur die Frage aufwerfen, ob sie nicht lieber es mit den Urwäldern von 1790 versuchen würden, falls die Preise jener Zeit noch beständen, statt die parkgleichen Felder zu bestellen, um Weizen zu erzielen zu 37½ Cent, für das Bushel, Asche zu keinem Preis zu haben und ihr Schweinefleisch um zwei Dollars den Centner zu verkaufen!

 

 << Kapitel 14  Kapitel 16 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.