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Der Kampf um Wien

Hugo Bettauer: Der Kampf um Wien - Kapitel 28
Quellenangabe
typefiction
authorHugo Bettauer
titleDer Kampf um Wien
publisherHannibal Verlag
year1980
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070121
projectid41fe131f
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28. Kapitel

Das Komplott.

Zur selben Stunde ging Laszlo Bartos wütend im Salon Lolottes auf und ab, die mit ihrem Bären spielte und einen bösen Zug um die zusammengekniffenen Lippen zeigte.

Bartos sprach ungarisch:

»Also, ich habe dir zu viel zugetraut, scheint es. Bist doch nur die Dirne aus Kecskemet und nicht die große Dame, trotz Schminke, Toiletten, Monokel und Bären. Dein Amerikaner hat nicht angebissen, läuft schon wieder mit der Wiener Gans herum, sitzt jetzt mit ihr im Restaurant und verlobt sich vielleicht gerade.«

Lolotte gab dem Bären einen Fußtritt, daß er sich überschlug und sprang auf.

»Das darfst du nicht dulden, Laszlo, hörst du!«

»Nicht dulden? Soll ich es ihm verbieten? Bin neugierig, was für Gesicht die Herren in der Bankgasse schneiden werden! Der Vorschuß pfutsch und die amerikanischen Millionen erst recht. Hätte eben eine Geschicktere verwenden müssen als dich. Natürlich, der Kerl hat es satt bekommen, hinter dir her zu laufen, ohne – – Dein System taugt nichts, damit kann man Greise fangen, aber nicht so einen. Wärst lieber nicht so spröde gewesen –«

»Schwein«, zischte Lolotte wütend. »Hast weniger Ehre im Leib, als dieses da.«

»Noch ein Wort und du kriegst Prügel wie früher von der Madame. Luder, freches!«

In dieser Tonart ging der Streit weiter, bis Lolotte plötzlich zu schluchzen begann.

»Er darf sie nicht heiraten! Er darf nicht! Ich bring ihn und mich um, wenn er sie nimmt.«

»So, pfeift der Wind aus dem Loch?« sagte gedehnt und grinsend Bartos. »Hast dich in das Fischblut verliebt, was? Dich und ihn umbringen? Damit kommen seine Dollars nicht zum Vorschein. Eher sie – das hätte schon Zweck und Sinn.«

»Gut, ich bring sie um«, schrie die Tänzerin, während sie ein Spitzentaschentuch in der Hand zerriß. »Ich schütt' ihr Vitriol in die Fratze.«

Bartos ging wieder auf und ab.

»Das wirst du bleiben lassen! Umbringen? Hm, ich habe schon einmal daran gedacht, daß man das Frauenzimmer geknebelt und gefesselt über die Grenze bringen könnte. In Ungarn würde kein Hahn nach ihr krähen, dafür sorgte schon Laszlo Bartos. Aber was erreichen wir damit? Gar nichts! Dann wird dein sentimentaler Amerikaner Zeter und Mordio schreien und Trauer anlegen und Millionen in Bewegung setzen, bis er der Sache auf den Grund gekommen ist. Halt, ich habe eine andere Idee! Wir müssen sie ihm zum Ekel machen, so daß ihm vor ihr graut.«

Lolotte sah ihn groß an.

»Das wird dir nicht gelingen, mein Lieber, oder vielleicht willst du sie verführen? Dann würde ihm allerdings vor ihr ekeln müssen.«

Bartos ließ sich den Hieb ruhig gefallen. Raste schweigend durch das Zimmer, um plötzlich stehen zu bleiben.

»Ich hätte da einen sauberen Vogel an der Hand, so eine Art Operettentenor ohne Stimme und Engagement, aber ein fescher Kerl mit damischem Glück bei den Weibern. Besonders bei den älteren, unbefriedigten Damen zwischen fünfunddreißig und fünfundvierzig. Na, und wenn er dann seine Pflicht und Schuldigkeit getan, wurzt er sie gehörig, rupft sie kahl, preßt Geld, Schmuck, die Pelze aus ihnen heraus, immer unter der Drohung, alles ihrem gehörnten Gatten zu sagen. Die Gattin eines Großindustriellen hat meine Intervention angerufen und ich habe ihr gegen ein entsprechendes Honorar wirklich Ruhe vor ihm verschafft. Georg Haller heißt er und ich werde ihn benützen.«

»Dummheit, du glaubst doch nicht, daß dieses Mädel, das auf den reichen Amerikaner spitzt, sich mit dem Gauner einlassen wird?«

»Ne, das wird sie sicher nicht tun! Ist auch gar nicht notwendig. Paß nur auf, wie ich die Sache deichseln werde.«

Und Laszlo Bartos entwickelte seinen Plan, den Lolotte ruhig anhörte.

»Pfui«, sagte sie dann, »eine Schweinerei! Aber Hauptsache, daß es geht!«

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