Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Hugo Bettauer >

Der Kampf um Wien

Hugo Bettauer: Der Kampf um Wien - Kapitel 14
Quellenangabe
typefiction
authorHugo Bettauer
titleDer Kampf um Wien
publisherHannibal Verlag
year1980
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070121
projectid41fe131f
Schließen

Navigation:

14. Kapitel

Zwei Seelen und ein Gedanke.

Im Bureau des Generaldirektors Klopfer-Hart spielte sich eine erregte Szene ab. Der kleine, feiste Direktor Pfeffer von der Depotbank hatte seinen Kollegen besucht und nach wenigen einleitenden Worten ihm heftige Vorwürfe darüber gemacht, daß er auf den Amerikaner Beschlag legen wolle.

»Ich habe mich erkundigt«, schrie Pfeffer, »der Mann ist so reich, daß er, wenn er will, sämtliche Aktien auf dem Wiener Platz zusammenkaufen kann. Er hat gesagt, daß er Industrien gründen will, und nun haben Sie die Absicht, das Geschäft mit ihm allein zu machen. Ich weiß alles genau, man ist orientiert, man hat beobachtet, wie dieser Herr Lank hinter ihm her ist – das gibt es aber nicht, das darf nicht sein, ein solches Riesengeschäft darf der Bankgesellschaft nicht allein zufallen! Haben Sie eine Ahnung, was dabei herausschaut? Der Flanagan ist ein Narr, dem wird man doch die Dollars aus dem Hintern ziehen können – und das wollen Sie allein machen? Gibt's nicht! Ich werde intrigieren, ich werde ihn aufklären, lieber soll er wieder zurück nach Amerika fahren, als daß die Depotbank dabei leer ausgeht.«

»Erstens spucken Sie mich nicht so an, sonst muß ich einen Regenschirm aufspannen«, erwiderte gelassen Herr Klopfer-Hart, »zweitens schreien Sie nicht mit mir und drittens kann ich nichts dafür, wenn die Depotbank schläft und sich nicht rechtzeitig die überseeischen Verbindungen gesichert hat. Mister O'Flanagan ist an unsere Bank gewiesen worden, er ist unser Klient, und wenn das Geschäft zustande kommt, werde ich es machen.«

Herr Pfeffer wollte erregt aufspringen, aber Klopfer-Hart drückte ihn sanft auf den Stuhl zurück.

»Ich werde es machen, aber nicht allein. Ich werde ein Bankenkonsortium gründen, in dem Sie einen hervorragenden Platz haben werden. Die anderen werden wir mitnehmen müssen, damit kein Geschrei entsteht, aber in der Hauptsache werden wir uns teilen. Nicht daß ich vor Ihnen und Ihren Drohungen Angst hätte, aber aus Politik nehme ich Sie mit, damit es nicht so aussieht, als ob die Bankgesellschaft profitgierig wäre. Und dem Amerikaner wird es imponieren, wenn ich ihm sagen werde, daß eine solche große Industrieaktion unter Teilnahme aller österreichischen Finanzinstitute geschaffen werden muß. Übrigens ist der Mann gar nicht dumm, im Gegenteil, er ist sogar sehr gescheit. Aber ein Idealist ist er und das hebt den Verstand wieder auf.«

Es wurde nun verabredet, sofort mit Ralph O'Flanagan in Verbindung zu treten. Klopfer-Hart ließ sich mit dem Hotel Imperial verbinden, aber Ralph befand sich eben in der Badewanne, und so mußte Sam vermitteln. Ralph ließ die Herren bitten, ihn um ein Uhr in seinem Appartement zu besuchen und mit ihm dort zu luncheon.

 << Kapitel 13  Kapitel 15 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.