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Fjodr Michailowitsch Dostojewski: Der Jüngling - Kapitel 91
Quellenangabe
typefiction
authorF. M. Dostojewskij
titleDer Jüngling
translatorH. Röhl
publisherAufbau-Verlag
year1971
printrun3
copyrightInsel-Verlag
correctorhille@abc.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
senderwww.gaga.net
created20051017
projectida772644f
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III

Um Makar Iwanowitschs Charakteristik zum Abschluß zu bringen, will ich eine seiner Erzählungen hier wiedergeben, und zwar gerade eine aus dem Privatleben. Der Charakter diese Erzählungen war sonderbar: richtiger würde man sagen, daß sie überhaupt keinen gemeinsamen Charakter hatten; eine moralische Lehre oder eine allgemeine Tendenz war nicht herauszuholen, abgesehen davon, daß sie alle mehr oder weniger rührselig waren. Aber es gab darunter auch solche, die nicht rührselig waren, sogar ganz heitere, sogar Spöttereien über liederliche Mönche, so daß er durch solche Erzählungen seiner Idee geradezu schadete; ich machte darüber auch eine Bemerkung, aber er verstand nicht, was ich sagen wollte. Manchmal war es schwer zu begreifen, was ihn eigentlich so zum Erzählen trieb, so daß ich mich mitunter sogar über seine Redseligkeit wunderte und sie zum Teil auf Rechnung seines hohen Alters und seines krankhaften Zustandes setzte.

»Er ist nicht mehr das, was er früher war«, flüsterte mir Wersilow einmal zu, »er war früher doch nicht ganz so. Er wird bald sterben, weit schneller, als wir es denken, und man muß sich darauf gefaßt machen.«

Ich habe vergessen zu sagen, daß sich bei uns eine Art von Abendgesellschaften herausgebildet hatte. Außer Mama, die nicht von Makar Iwanowitschs Seite wich, kam auch Wersilow abends immer in dessen Stübchen; auch ich kam stets, und ich wußte auch nicht, wo ich sonst hätte bleiben sollen. In den letzten Tagen stellte sich auch Lisa fast immer ein, obwohl sie später erschien als die andern und immer fast stumm dasaß. Ferner war auch Tatjana Pawlowna regelmäßig zugegen und gelegentlich auch der Doktor. Mit dem Doktor war ich (das hatte sich auf einmal so ergeben) zu einem besseren Verhältnis gelangt; allerdings nicht zu einem sehr guten, aber wenigstens gab es nicht mehr die früheren heftigen Angriffe. Mir gefiel das einfache Wesen, das ich schließlich an ihm zu würdigen gelernt hatte, und eine gewisse Anhänglichkeit, die er unserer Familie bewies, so daß ich endlich beschloß, ihm seinen ärztlichen Hochmut zu verzeihen; und außerdem lehrte ich ihn, sich wenigstens die Hände zu waschen und die Nägel zu reinigen, wenn er schon nicht dazu zu bewegen war, reine Wäsche zu tragen. Ich setzte ihm auseinander, daß das mit Geckenhaftigkeit und Eleganz nichts zu tun habe, wohl aber Reinlichkeit naturgemäß zum Handwerk des Arztes gehöre, und bewies ihm das. Schließlich kam auch Lukerja häufig aus ihrer Küche an die Tür und hörte, hinter der Tür stehend, zu, wie Makar Iwanowitsch erzählte. Wersilow rief sie einmal hinter der Tür hervor und forderte sie auf, sich zu uns zu setzen. Mir gefiel das; aber sie kam seitdem nicht mehr an die Tür. Sie hatte eben ihre eigenen Sitten!

Ich setze eine seiner Erzählungen, die ich wahllos herausgreife, hierher, einzig deswegen, weil ich sie am besten im Gedächtnis behalten habe. Es ist dies eine Geschichte von einem Kaufmann, und ich glaube; daß solche Geschichten sich in unseren Städten und Städtchen zu Tausenden ereignen; man muß nur verstehen, sie zu sehen. Wer es wünscht, kann diese Geschichte überschlagen, um so mehr, als ich sie in seinem Stil erzählen werde.

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