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Der Irrwisch oder der Kaper

James Fenimore Cooper: Der Irrwisch oder der Kaper - Kapitel 30
Quellenangabe
authorJames Fenimore Cooper
titleDer Irrwisch oder der Kaper
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
year1853
printrunDritte Auflage
translatorEduard Mauch
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180603
projectid8463216d
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Achtundzwanzigstes Kapitel

Den Rücken an das Felsenthor
Gestützt, setzt er den Fuß davor:
»Kommt Alle an, denn eh'r soll weichen
Der Fels, als ich, vor euren Streichen!«

Die Dame vom See.

 

Um unsere Schlacht mit um so größerer Deutlichkeit schildern zu können, wollen wir dem Leser einen Umriß aller getroffenen Anstalten geben.

Sir Frederick Dashwood hatte, wie wir schon mehr als einmal angedeutet haben, alle seine Vorkehrungen so getroffen, daß der Sturm von der Landseite aus beginnen sollte, um seinem Feinde den Rückzug nach der Küste abzuschneiden. Raoul hatte dieß vorausgesehen, und seine beiden Schiffe waren in der Absicht, ein Entern derselben zu erschweren, hinter eine Reihe niederer Klippen placirt worden, welche sie von jenem Theile des Golfes trennten. Diese Klippen waren so ziemlich in gleicher Höhe mit der Oberfläche des Wassers und deßhalb in der Entfernung nicht leicht zu bemerken, so daß sie gegen einen Bootsangriff denselben Schutz gewährten, welchen Gräben und dergleichen bei Landgefechten darbieten. Dieser Umstand war ganz besonders vortheilhaft für die Vertheidigung, und durch die Benützung desselben hatte unser Held auf's Neue seinen Scharfblick bewiesen.

Am Bord der Felucke, welche den Namen des heiligen Michael führte, befand sich Ithuel mit fünfzehn Mann und zwei Zwölfpfünder-Karronaden nebst dem gehörigen Vorrath an Feuergewehren und Munition. Der Granitmann war der einzige Offizier auf dem Schiff, hatte aber drei bis vier der besten Leute des Luggers zu seiner Unterstützung bei sich.

Der Irrwisch stand unter dem Kommando Jules Pintards, des ersten Lieutenants, der etliche fünfundzwanzig Matrosen nebst vier Karronaden unter seinen Befehlen zählte. Der Lugger hatte mittlerweile nur einen Theil seines Ballastes und etwa ein Drittel seiner Vorräthe eingenommen: der Rest von beiden blieb noch immer bis zur Entscheidung des Kampfes auf den umliegenden Klippen gelagert. Gleichwohl hielt man das Schiff für vollkommen fähig, jeden Dienst, den man während seiner Verankerung von ihm erwarten konnte, zu verrichten, ja sogar bei leichtem Winde mit völliger Sicherheit seine vollen Segel zu führen. Die vier Kanonen waren sämmtlich nach einer Seite geschafft worden, so daß sie in der Richtung gegen die Küste als Batterie dienten. Auf diese Art gelang es den Franzosen, ihre Vertheidigungsanstalten wesentlich zu verstärken, da sie ihre sämmtliche Artillerie zu gleicher Zeit spielen lassen konnten, was nicht möglich gewesen wäre, wenn sie die bei Seegefechten gewöhnliche Aufstellung befolgt hätten.

Raoul hatte die vier übrigen Geschütze zwischen den Ruinen aufgepflanzt. Dieß hatte sich mit Hilfe einiger Planken, Takel, Anhalttaue und sonstiger Schiffsgeräthschaften ziemlich leicht ausführen lassen, und als er sein Werk von Neuem besichtigte, glaubte er sich mit Zuversicht auf die Festigkeit seiner Stücke verlassen zu können. Die Ruinen selbst waren nicht von Bedeutung, ja sogar auf einige Entfernung nicht einmal sichtbar: dennoch entsprachen sie dem Zwecke der Seeleute vollkommen, sobald man nur mit Benützung der natürlichen Felsformation einige von den Trümmern in eine vortheilhaftere Lage brachte. Die Karronaden waren en barbette – d. h. auf der Brustwehr selbst aufgepflanzt; der Felsen vor ihnen war jedoch gerade hier sehr abschüssig, so daß die Bedienungsmannschaft, wenn sie nur wenige Schritte zurücktrat, vollkommen vor dem feindlichen Schusse gedeckt wurde; nur Diejenigen, welche die Geschütze wieder zu laden hatten, waren bedeutender Gefahr ausgesetzt.

Der Schiffs-Arzt hatte mit Carlo Giuntotardi und Ghita in einer Felsaushöhlung Unterkunft gefunden, wo sie, wenn gleich nur fünfzig Schritte von der Batterie entfernt – so lange der Feind seinen Angriff in der jetzigen Richtung unternahm, gegen alle Wurfgeschoße vollkommen geschützt blieben. Ersterer traf alsbald seine furchtbar anzusehenden, wenn auch nicht blutgierigen Vorkehrungen zum Amputiren der Verwundeten, ohne daß jedoch diese Anstalten von seinen beiden Gefährten beachtet worden wären, welche Beide, in tiefe Andacht versunken, das Bewußtsein der Außenwelt gänzlich verloren hatten.

Eben als diese Vorkehrungen vollendet waren, hörte man Ithuel, der eines seiner beiden Augen fortwährend windwärts gerichtet hatte, bei Raoul anfragen, ob es nicht gut sein möchte, die Raaen an die Mastentopps hinaufzuziehen, da sie oberhalb weniger genirten, als wenn sie auf den Verdecken umherlägen. Bei der jetzigen Windstille ließ sich Nichts gegen diesen Vorschlag einwenden; der Lugger und die Felucke hißten beide ihre Raaen auf, indem die Segel umbunden und in die Geitaue gehängt wurden.

Bei Felucken wird die Takelage in der Regel so geordnet; bei Luggern aber ist dieß seltener der Fall, und der Granitmann, der sein eigenes Takelwerk von den früheren Schiffseigenthümern schon vor der Eroberung der Felucke herabgelassen fand, war nur in der Absicht, alles Nöthige für einen augenblicklichen Aufbruch bereit zu halten, auf diesen Einfall gerathen. Er wünschte den Lugger in demselben Bereitschaftszustande zu sehen, da die Engländer, sobald sie zwei Fahrzeuge zu verfolgen hätten, offenbar doppelt so viele Schwierigkeiten, als bei einem einzigen vorfinden mußten. Aus diesem Grunde machte er seinen Vorschlag, und fühlte sich sehr beruhigt, da er ihn alsbald ausgeführt sah.

Aber auch auf der andern Seite waren alle vorläufigen Hindernisse beseitigt worden. Kapitän Sir Frederick Dashwood hatte das Kommando, und die Lieutenants Winchester und Griffin mußten sich wohl oder übel darein fügen, jedoch nicht ohne zuvor einige offene Protestationen, verschiedene Grimassen und allerhand geheime Intriguen versucht zu haben. Der Streit hatte wenigstens für die auf der Proserpina ein günstiges Resultat herbeigeführt: Cuffe schickte von den Booten der Fregatte viere gegen den Feind, während er die Terpsichore und die Ringeltaube, erstere sogar mit Einschluß ihres Gigs – auf je zwei beschränkte.

Jedes Schiff beorderte natürlich sein Langboot mit einem Zwölfpfünder-Kanonenboot auf seinem Rüsterwerk So heißt der Ort, wo das getheerte Tauwerk ausgelegt wird.
D. U.
. Griffin befehligte das der Proserpina, Mr. Stothard, zweiter Lieutenant der andern Fregatte, das der Terpsichore, und M'Bean, wie sich von selbst verstand, die beiden Boote der Ringeltaube. Griffin hatte den ersten Kutter seines eigenen Schiffes, Clinch das zweite und Strand das dritte Boot der Fregatte, mit welchem er die Vorhut des Ganzen bildete. Die übrigen Boote wurden durch Subalternoffiziere der betreffenden Schiffe kommandirt. Alle waren gutes Muths, denn wenn sie auch bei dem verzweifelten Charakter ihres Feindes einem hitzigen Kampfe entgegensahen, so hatten sie gleichwohl die feste Ueberzeugung, daß der Lugger endlich doch in brittische Hände fallen müsse; nur bei dem bedachtsameren Theile unter den Angreifenden mischte sich in den Triumph des erwarteten Sieges eine ernste Betrachtung der Folgen, welche er für die Mitspielenden herbeiführen konnte.

Sir Frederick Dashwood, der die Verantwortlichkeit seiner Stellung eigentlich am meisten hätte fühlen sollen, schien sich von allen anwesenden höheren Offizieren gerade am wenigsten um die Folgen zu kümmern. Von Natur beherzt, hatten persönliche Rücksichten bei ihm nur wenig Einfluß, und Sieg und Ruhm war dasjenige, was er bei seiner gewohnten Zuversicht auf die englische Tapferkeit als etwas ganz Natürliches erwartete, so daß er, von Geburt, Vermögen und parlamentarischem Einflüsse begünstigt, und in der vollen Gewißheit (wiewohl er sich diese nicht einmal selbst zugestand), daß eben derselbe Zufall, der ihn so frühzeitig zu seinem jetzigen Range erhoben hatte, auch jedes kleine Mißgeschick mit seinem breiten Mantel bedecken würde – ein Mißlingen seiner Unternehmung überhaupt gar nicht für möglich hielt.

Uebrigens war Sir Frederick nicht so unklug, bei dem Entwerfen der Angriffsdispositionen den Rath älterer und erfahrenerer Seemänner zu verschmähen. Cuffe hatte ihm vor seinem Abgange noch manche gute Weisung gegeben, und ihm besonders Winchester und Strand als zwei Seemänner anempfohlen, deren Rathschläge ihm im ferneren Verlaufe sehr nützlich werden könnten.

»Ich sende auch einen Untersteuermann, Namens Clinch, einen der erfahrensten Seemänner auf der Proserpina, in einem von meinen Booten mit, Dashwood,« fuhr der ältere Kapitän am Schluß seiner Bemerkungen fort. »Er hat schon manchen Bootsangriff mitgemacht und sich jederzeit äußerst brav benommen. Die üble Gewohnheit des Trunkes hat den armen Teufel bis jetzt nicht aufkommen lassen; er ist aber jetzt entschlossen, sich noch einmal aufzuraffen, und ich ersuche Euch, ihn gehörig voranzustellen, um ihm eine Möglichkeit dazu zu gewähren. Jack Clinch hat ganz die rechte Art von Stoff in sich, sobald sich eine Gelegenheit bietet, ihn an's Licht zu bringen.«

»Ich schmeichle mir, Cuffe, daß Alle zusammen Gelegenheit in Fülle finden werden,« gab Sir Frederick in seinem gewöhnlichen schleppenden Tone zur Antwort; »denn ich will sie sammt und sonders zusammenwerfen wie eine Koppel Jagdhunde, die auf Tod und Leben dahinjagen. Ich habe einst Lord Echo's Windhunde nach einer langen Jagd noch so dicht neben einander gesehen, daß Ihr den ganzen Raum mit Eurem großen Segel hättet bedecken können, und ich denke, es auch heute mit unsern Booten so zu halten. Apropos, Cuffe, das gäbe eine hübsche Redefigur für eine Depesche – he? Bronte würde gewiß darüber lachen – meint Ihr nicht?«

»Den Teufel mit Eurer Figur und den Windhunden mit sammt der Depesche, Dashwood; erst müßt Ihr den Sieg gewinnen, ehe Ihr mit einer poetischen Beschreibung desselben anfangen könnt. Unser Bronte (wie Ihr Nelson nennt) fuhrt ebensowohl Blitze als Donner mit sich, und in der ganzen Marine ist kein einziger Admiral, der sich weniger um adeliges Geblüt und sonstigen Rang kümmerte. Die beste Art, ihm ein Lächeln abzugewinnen, ist die, seine Sachen hübsch ordentlich durchzuführen. Um's Himmels willen, schont Eure Leute, Sir; wir sind damit so knapp daran, daß wir keine zweite Schlappe wie die bei Porto Ferrajo vertragen können.«

»Fürchtet nichts für uns, Cuffe; die Leute, die ich daran wende, sollt Ihr nie vermissen.«

Jeder Kapitän hatte seinen Offizieren noch ein Wörtchen zu sagen; besonders bemerkenswerth war, was Lyon bei dieser Gelegenheit mit seinem ersten Lieutenant verhandelte.

»Vergeßt mir nicht, Airchy, daß ein Schiff sich ebensogut wie ein Mensch durch Sparsamkeit auszeichnen kann. Wir haben gerade jetzt einige unserer eigenen Landsleute im Admiralitätsamte, welche neben Muth und Kühnheit besonders auch den Kraftaufwand mit scharfen Augen bemessen. Ich habe einen Admiral gekannt, der sich gerade durch seine Sparsamkeit bis zu der rothen Flagge emporschwang, da seine Berichte wohlfeilere Schiffe und Geschwader als alle anderen Befehlshaber aufzuweisen hatten. Ihr werdet natürlich Eure Schuldigkeit thun, schon unserem lieben Schottland zu Ehren; aber Ihr habt da auf Euren Booten sechs bis sieben Leither und Glasgower Bursche, die Ihr ohne dringende Noth dem Tod nicht geradezu in den Rachen schicken dürft. Ich habe Euch die ganze letzte Aushebung unseres Wachtschiffes auf's Boot mitgegeben – mit denen braucht Ihr gerade nicht so zärtlich umzugehen; es ist doch nur der Auswurf von Wapping und der Themse; die volle Hälfte davon wäre ganz gewiß nach Botany Bai transportirt worden, wenn man sie nicht noch zu uns geschickt hätte.«

»Bezieht sich das Gesetz, daß man den Feind im Auge haben muß, für heute nur auf die Boote oder auch auf die Schiffe, Kapitän Lyon?«

»Auf die Boote, Mann! wer Teufels glaubt Ihr denn, würde sonst darauf dienen wollen? 's ist freilich eine traurige Geschichte, so wie es jetzt geworden ist, da die Ehre, meiner Meinung nach, doch nicht viel höher als der Gewinn steht; trotzdem würde es nimmermehr angehen, wenn unsere alte Scotia beim Handgemenge im Hintergrund bliebe. Vergeßt nicht, daß wir wegen unserer Claymore's berühmt sind, und so thut euer Bestes, Alle mit einander, das will ich euch gesagt haben.«

M'Bean brummte ein »Ja, ja, Sir,« und ging gerade so methodisch an's Werk, als ob er eine algebraische Rechnung hätte summiren müssen. Der zweite Lieutenant der Terpsichore war ein junger Irländer mit einer süßen, wohlklingenden Stimme; als die Boote von den Schiffen abstießen, war er nur mit Mühe in gleicher Linie mit den andern zu erhalten, da er mit freudigem Grinsen immer weiter vorwärts drang, und die Leute durch seine Cheers zu übermäßigen und unvernünftigen Anstrengungen anfeuerte.

So war in jenem Augenblicke der Zustand der englischen Streitmacht beschaffen: beide Partien waren völlig zum Kampfe gerüstet. Fügen wir noch bei, daß es bereits zwei Uhr D. h. die zweite Stunde der Vormittagswache – nach unserer Rechnung also zehn Uhr Morgens.
D. U.
vorüber war, und daß alle Betheiligten wegen des Windes, der bald erwartet werden durfte, einige Besorgniß fühlten, so möchte die einleitende Skizze unseres Schlachtgemäldes vollendet sein.

Sir Frederick Dashwood hatte seine Linie in der Entfernung einer Meile von den Klippen formirt, so daß eines der drei Langboote im Centrum, die zwei übrigen auf jedem der beiden Flügel aufgestellt waren. Das in der Mitte war von seinem eigenen zweiten Lieutenant O'Leary, das auf dem linken Flügel von M'Bean, das auf dem rechten dagegen von Winchester befehligt. O'Leary wurde von Griffin und Clinch in den beiden Kuttern der Proserpina flankirt: den Zwischenraum füllten die übrigen Boote der Division. Der Kapitän ruderte fortwährend in seinem eigenen Gig auf und ab, und ertheilte seine Befehle, allerdings etwas konfus, doch auch mit einer Munterkeit und einem Gleichmuth, welche nicht wenig dazu beitrugen, die allgemein herrschende frohe Stimmung aufrecht zu erhalten. Sobald Alles fertig war, gab er den Befehl zum Vorrücken, indem er während der ersten halben Meile der Bootslinie voll ritterlichen Muths in seinem eigenen Gig vorausruderte.

Raoul hatte in ernster Aufmerksamkeit die kleinste Bewegung des Feindes mit seinem Glase beobachtet. Nichts war seiner eifersüchtigen Wachsamkeit entgangen, und er bemerkte augenblicklich, daß Sir Frederick gleich beim Aufbruch einen Hauptfehler begangen hatte. Hätte er alle seine Karronaden zu einer einzigen Batterie im Centrum vereinigt, so würde er die Möglichkeit eines Erfolgs zum wenigsten verdoppelt haben; statt dessen hatte er deren Wirkung durch die angeordnete Zersplitterung dermaßen geschwächt, daß voraussichtlich keine der drei französischen Batterien durch deren Feuer demontirt werden konnte. Dadurch blieb den Engländern natürlich die schwierige Aufgabe, unter den fortwährenden Kartätschensalven ihrer Feinde zum Kampfe Mann gegen Mann vordringen zu müssen.

Die wenigen Minuten, welche seit dem Befehle zum Vorrücken bis zu dem Augenblicke verstrichen, da die Boote den Klippen bis auf eine Viertelmeile nahe kamen, herrschte auf beiden Seiten das tiefste Schweigen, obwohl es Raoul schwer genug wurde, die angeborene Ungeduld seiner Leute, mit der sie zur Eröffnung drängten, zurückzuhalten. Für so ungeübte Artilleristen, wie die Seeleute im Durchschnitte sind, sofern sie sich mehr auf eine allgemeine Schätzung als auf scharfes, kunstgerechtes Zielen verlassen, was durch die Bewegung der Schiffe ohnedieß vereitelt würde – war ein Boot ein so kleiner Gegenstand, daß Raoul seine Munition nicht auf diese Art vergeuden mochte. Doch, selbst ein Franzose, konnte er jetzt nicht länger an sich halten – zu einer von den Karronaden tretend, feuerte er sie mit eigener Hand ab.

Damit nahm der Kampf seinen Anfang. Alle anderen Geschütze in der Ruine folgten: der Lugger antwortete seinen Kameraden fast Note für Note. Die Engländer erhoben sich mit drei lauten Cheers und jedes Langboot löste seine Kanonen.

In demselben Augenblick fuhren auch die beiden Artilleristen auf der Felucke mit ihren Lunten rasch an das Zündloch ihrer Geschütze – doch zu ihrer Verwunderung ging keines von beiden los, und bei genauer Untersuchung fand sich's, daß die Zündung verschwunden war. Der aus dem Granitstaate war nämlich mit der Hand sachte über die Kanonen gefahren, und hatte das Zündkraut – dieses wesentliche Erforderniß ihrer Wirkung – abgenommen. Er hielt die Pulverhörner in beiden Händen, und weigerte sich standhaft, sie einem Andern unter der Bedienungsmannschaft zu übergeben.

Es war ein Glück, daß Ithuel als der entschlossenste Feind der Engländer bekannt war, sonst würde er diesen anscheinenden Akt der Verrätherei vielleicht mit seinem Leben bezahlt haben. Aber er hatte auch keineswegs eine solche Pflichtverletzung beabsichtigt. Der bedächtige, scharfberechnende Amerikaner wußte recht gut, daß er seine Leute unmöglich am Feuern hindern konnte, so lange sie die Mittel dazu besaßen, und war auf dieses Auskunftsmittel nur verfallen, um die Wirkung seiner Geschütze für den Augenblick aufzusparen, wo sie seiner Ansicht nach am größten sein mußte.

Seine Leute murrten, waren aber viel zu aufgeregt, um lange zu überlegen, und machten ihrem Unmuthe in einer donnernden Musketensalve Luft, da Ithuel ihnen nur dieses einzige Mittel, ihrem Feinde zu schaden, übrig gelassen hatte. Sogar Raoul blickte, als er nichts von den Kanonaden der Felucke vernahm, etwas verwundert seitwärts, glaubte aber, Alles sei in Ordnung, da er die Leute so emsig mit ihrem Kleingewehrfeuer beschäftigt sah.

Bei solchen Gelegenheiten ist gewöhnlich die erste Salve die zerstörendste von allen, und auch dießmal war das Feuer nicht ohne ernstliche Wirkung. Die Engländer, die am meisten ausgesetzt waren, litten natürlich in demselben Verhältniß. Auf Winchesters Boote waren vier, auf Griffins zwei und auf den übrigen Langbooten und Kuttern sechs bis acht Mann verwundet, und auf Sir Fredericks Gig hatte eine Kugel einen der Ruderer mitten in's Herz getroffen, was diesen Offizier veranlaßte, sich neben einen Kutter zu legen und den Todten gegen einen Lebenden auszutauschen.

Auf den Klippen zählte man nur einen einzigen Getroffenen. Eine Vollkugel hatte einen Stein in Trümmer zersplittert, und einen braven Matrosen eben in dem Augenblicke niedergeschmettert, da er mit heiterer Miene vorgetreten war, um eine von den Kanonen auszuwischen.

»Armer Joseph!« rief Raoul, der den Sturz des Mannes mit ansah, »tragt ihn zu dem Chirurgen, mes braves

» Mon Capitaine – Joseph ist todt.«

Damit war die Sache entschieden, und der Leichnam wurde bei Seite gelegt, während ein Anderer vortrat und die Kanone auswischte. Jetzt fand auch Raoul einen Augenblick Zeit, sich einige Schritte rückwärts zu wenden, um sich zu überzeugen, ob Ghita unter ihrem Schirmdache gehörig sicher sei

Das Mädchen lag auf den Knieen und schien der Außenwelt entrückt zu sein. Hätte er übrigens in ihrem Herzen lesen können, so würde er gefunden haben, daß dieses zwischen den Gebeten zu ihrem Schöpfer und der Liebe für ihn selbst getheilt war.

Der Lugger hatte keinen Schaden genommen: O'Leary hatte vor lauter Begierde, seine Geschoße wirksam anzubringen, über das niedere Fahrzeug weggeschossen. Nicht ein einziges Kartätschenkorn hatte seine Spieren getroffen oder seine Segel zerrissen. Sein gewöhnliches Glück schien ihm auch dießmal treu zu bleiben, und die Mannschaft focht mit frischem Eifer und erneutem Vertrauen.

Anders dagegen war's mit der Felucke: hier hatte das Feuer der Engländer am zerstörendsten gewirkt. Der vorsichtige, berechnende M'Bean hatte seine Aufmerksamkeit auf diesen Theil der französischen Vertheidigungslinie gerichtet und die Folgen waren seines Verstandes und Scharfsinnes würdig. Ein Kartätschenhagel war über die Verdecke der Felucke hingesaust, und hatte mehr als den zehnten Theil von Ithuels kleiner Streitmacht mitgenommen, denn man zählte einen Todten und drei Verwundete auf dieser Seite.

Doch der Schlachtlärm hatte nun einmal seinen Anfang genommen, und es war jetzt nicht die Zeit, ihm Einhalt zu thun. Das Feuer wurde auf beiden Seiten lebhaft unterhalten und hier und dort sah man Leute stürzen. Mit lauten Hurrahs drangen die Boote vorwärts, während sich das Wasser ringsum mit weißen Rauchschichten bedeckte.

In solchen Augenblicken geht der Angreifer immer am sichersten, wenn er unaufhaltsam weiter dringt. Dieß thaten denn auch die Engländer, feuerten und jauchzten bei jedem Faden, den sie zurücklegten, unbekümmert um den Verlust, welchen sie erlitten. Bei dem fortwährenden Entladen der Karronaden und der gänzlichen Windstille mußte sich vor den Klippen bald eine dichte Rauchwolke ansammeln: mit den Engländern kam, in Folge ihres Feuers, eine zweite längs des Wassers dahergezogen. Beide Dunstmassen floßen in einander, und die Boote waren jetzt eine Minute lang nur ganz undeutlich sichtbar.

Dieß war der Augenblick für Ithuel. Da er die zehn bis zwölf Matrosen, welche ihm noch übrig blieben, mit ihren Musketen beschäftigt fand, so richtete er die beiden Karronaden selbst, und versah sie aus den Pulverhörnern, die er keinen Augenblick losgelassen hatte, mit dem nöthigen Zündkraut. Für die Felucke empfand er im Augenblicke keine Besorgniß: Winchester war mit allen Booten im Centrum der brittischen Linie am meisten voraus, da das Feuer von den Ruinen sie zu eiligem Vordringen antrieb; M'Bean war noch weiter zurück und konnte nicht ohne einen Umweg durch die vor der Felucke ausgebreitete Klippenreihe kommen; überdieß mußte ihm eben dieses Hinderniß bis jetzt noch völlig unbekannt sein. Ithuel war von Natur wie durch Gewohnheit kalt und berechnend; die jetzige Gefahrlosigkeit seiner Lage mochte jene kostbaren kriegerischen Eigenschaften bei ihm noch bedeutend verstärken. Seine Karronaden waren bis zur Mündung mit Kartätschenpatronen vollgepfropft; dem besten Seemanne seiner Abtheilung herbeiwinkend, griffen Beide nach den Lunten, und Jeder hielt ein Richttau in der Hand, um die leichten Kanonen, je nachdem die Umstände es erforderten, zu wenden. Beide Stücke hatte Ithuel mitten auf das Kampfgewühl gerichtet, und nichts blieb übrig, als den Moment zum Losfeuern abzuwarten.

Dieser Augenblick war jetzt nahe. Die Engländer hatten die Absicht, auf der Hauptinsel zu landen und die Ruinen mit Sturm zu nehmen. Aus diesem Grunde ruderten ihre Boote alle in convergirender Richtung nach einem und demselben Punkte, und da die Rauchschichte mit jeder neuen Geschützsalve aus einander gerissen wurde, so war jetzt kaum fünfzig Schritte von dem beabsichtigten Landungsplatze ein dichter Haufen der Feinde durch die Lücken in dem Pulverdampfe sichtbar.

Ithuel stand mit seinem Gefährten bereit: Beide zielten und feuerten zumal.

Diese unerwartete Explosion aus einer Region, welche bis jetzt vergleichungsweise stumm gewesen war, überraschte gleichermaßen Freunde wie Feinde, und jagte eine neue Dunstwolke zwischen die Klippen und den offenen Raum vor denselben.

Ein Schrei erhob sich aus dem dichten Kampfgewühle, himmelweit verschieden von dem gewohnten Siegesrufe der Engländer – ein Schrei, welchen der Todeskampf selbst den muthigsten Herzen erpreßte, so daß sogar die Franzosen in den Ruinen inne hielten, um den nächsten Akt dieses verzweifelten Drama's abzuwarten.

Raoul benützte diese Gelegenheit, um sich für das erwartete Handgemenge in Verfassung zu setzen – doch dieß war unnöthig. Auf beiden Seiten wurde das Feuer eingestellt; nach einer Minute lichtete sich der Pulverdampf und hob den Vorhang von der Scene der Verwirrung.

Als das letzte Hinderniß verschwunden und die Aussicht wieder frei war, – da konnte man erst das Resultat übersehen. Die englischen Boote waren alle bis auf eines zerstreut, und suchten eiligst nach verschiedenen Richtungen diesem Schauplatze des Blutbades zu entkommen. Dadurch wurde das Feuer ihrer Feinde zertheilt und geschwächt – ein Kunstgriff, den sie schon weit früher hätten anwenden sollen.

Das zurückgebliebene Boot war ein Kutter der Terpsichore. Es war von der vollen Wucht des Kartätschenhagels aus Ithuels eigener Kanone getroffen worden, und von den sechzehn Matrosen, welche es bei der Abfahrt von der Fregatte eingenommen hatte, waren blos zwei mit dem Leben entronnen. Diese hatten sich in die See gestürzt und wurden von den vorübereilenden Booten aufgefangen. Der Kutter selbst kam gegen den Felsen herangetrieben, und aus dem Aechzen und Stöhnen, das aus seinem Innern hervordrang, war die Art seiner furchtbaren Ladung deutlich zu erkennen.

Raoul ließ nach wenigen Salven auf die zurückziehenden Boote aus Klugheit sowohl als aus Menschlichkeit das Feuer einstellen. – Der erste Akt der Schlacht war zu Ende.

Die Ruhezeit gab beiden Partien erwünschte Gelegenheit, ihre gegenseitige Lage zu untersuchen. Die Franzosen zählten im Ganzen eilf Dienstuntüchtige, alle, mit Ausnahme der vier Mann von der Felucke – zu der Ruine gehörend. Der Verlust der Engländer belief sich auf dreiunddreißig, mit Einschluß mehrerer Offiziere. Der Steuermannsmate, der den zusammengeschossenen Kutter kommandirt hatte, lag im Spiegel des Boots flach auf dem Rücken; nicht weniger als fünf Kugeln hatten ihm die Brust durchbohrt, und er war mit der Blitzesschnelligkeit eines elektrischen Funkens in die andere Welt hinübergegangen. Von seinen ehemaligen Gefährten theilten mehrere das gleiche Schicksal mit ihm: die meisten aber waren noch am Leben und litten die Schmerzen zerschmetterter Beine und Gliedmaßen. Das Boot selbst berührte sachte die Felsen, und ein neuer Schmerzensschrei der Verwundeten ließ sich vernehmen, da die Erschütterung in Folge des Steigens und Fallens der Brandung ihnen neue Pein verursachte.

Raoul war zu umsichtig und gefaßt, um nicht den errungenen Vortheil einzusehen. Um seine ferneren Vertheidigungsmittel im besten Zustande zu erhalten, ließ er die Kanonen ihr Feuer einstellen und alle Schäden augenblicklich ausbessern. Dann verfügte er sich mit einer Abtheilung nach dem Boote, welches in seine Hände gefallen war.

Sich in seiner gegenwärtigen Lage überhaupt mit Gefangenen irgend einer Art zu belasten, wäre ein großer Mißgriff gewesen; bei Verwundeten aber, wie die vor ihm Befindlichen, hätte man es wahre Tollheit nennen müssen. Das Boot führte den nöthigen Verbandzeug bei sich, und er befahl deßhalb einigen seiner Franzosen, Diejenigen, welche am meisten der Hilfe bedurften, damit zu bedienen. Auch netzte er die ausgetrockneten Lippen der Blessirten mit Wasser, und gab sodann, nachdem er seine Pflicht in vollem Maaße erfüllt zu haben glaubte, den Befehl, das Boot auf die Seite zu holen, und es mit Gewalt in einer solchen Richtung vom Lande zu stoßen, daß es nicht mehr in den neuen Kampf verwickelt werden konnte.

»Halloh, Kapitän Rule!« rief Ithuel laut, »da thut Ihr ganz unrecht. Laßt das Boot liegen, wo es ist, und es wird Euch die beste Brustwehr von der Welt abgeben. Die Engländer werden schwerlich mitten durch ihre eigene Verwundeten auf Euch feuern wollen.«

Der Blick, welchen Raoul seinem Hilfsgenossen zuwarf, war stolz und sogar unwillig; ohne auf diesen Rath zu hören, winkte er seinen Leuten, den bereits gegebenen Befehl zu vollziehen. Dann aber, als ob er sich plötzlich erinnerte, wie wichtig Ithuel für ihn war, wie erfolgreich dessen zeitgemäße Hilfe gewesen, und wie er ihn um keinen Preis beleidigen dürfe, wandte er sich nach der Seite des Inselchens, welche der Felucke zunächst lag, und sprach höflich und freundlich mit dem Manne, dessen Rath er so eben noch mit Gleichgültigkeit, wenn nicht gar mit Verachtung behandelt hatte. Es war dieß keine Heuchelei, sondern nur ein kluges Anpassen seiner Mittel an die gegebenen Umstände.

» Bon – brave Etouelle!« sprach er; »deine Kugelsäcke waren mir höchst willkommene Freunde und erschienen gerade im rechten Moment.«

»Nun, Kapitän Rule, wir in dem Granitlande sind nie verschwenderisch mit unsern Mitteln. Bei solchen Affairen muß man immer erst abwarten, bis man an einem Engländer das Weiße im Aug' erblickt. Es sind im Ganzen lauter boshafte Teufel und sie rennen Alle wie blind in das Feuer. Zu Bunkers-Hill kamen sie in so dichten Haufen, daß unsere Leute –«

» Bon!« wiederholte Raoul, da er keine Lust hatte, eine schon dreimal erzählte Geschichte zum vierten Mal anzuhören; so oft nämlich Ithuel auf Bunkers-Hill zu sprechen kam, durfte man auch darauf zählen, daß er im Prahlen das große Roß bestiegen hatte, denn er hielt diesen großen Sieg nicht nur – was er auch wirklich war – für einen Triumph Neu-Englands, sondern war sogar sehr zur Unterstützung der Meinung geneigt, daß er in hohem Grade dem ›Granitstaate‹ angehöre. » Bon!« fiel Raoul ein – »Bunkair gut, mais les Roches aux Sirènes sind besser. Hast du noch mehr de ces balles, so lade encore

»Was haltet Ihr davon, Kapitän Rule?« fragte der Andere und deutete auf eine kleine Wimpel, die am Topp eines seiner Masten zu flattern begann. »Der Westwind hat sich eingestellt und wir dürfen jetzt nur aufbrechen. Nehmt Vernunft an, Kapitän, und laßt uns auslaufen!«

Raoul war betroffen; er schaute nach dem Himmel, nach der Wimpel und auf die Oberfläche des Wassers: letztere fing schon an, sich leicht zu kräuseln. Dann wanderte sein Auge gegen Ghita.

Das Mädchen hatte sich von den Knieen erhoben und ihre Blicke folgten jeder seiner Bewegungen. Als sie seinem Auge begegneten, deutete sie mit süß flehendem Lächeln aufwärts, als ob sie ihn bitten wollte, jenem erhabenen Wesen, das ihn bis jetzt unverletzt durch den Kampf geführt hatte, die Schuld der Dankbarkeit zu entrichten.

Er verstand ihre Meinung, warf ihr mit zärtlicher Galanterie eine Kußhand hinüber, und wandte sich dann gegen Ithuel, um das Gespräch fortzusetzen.

»Es ist zu bald,« bemerkte er. »Wir sind hier unbezwingbar, und der Wind ist noch zu leicht. Eine Stunde später gehen wir Alle zusammen.«

Ithuel murrte verdrießlich, doch sein Kommandant beachtete ihn nicht; denn er hatte ganz richtig geurtheilt, indem die Boote, der Gefahr trotzend, sich bereits wieder auf Gewehrschußweite versammelten und den Angriff offenbar erneuern zu wollen schienen. In einem solchen Augenblicke die Flucht zu versuchen, hätte offenbar nichts anderes geheißen, als den großen Vortheil der Ruinen aufzugeben und Alle ohne irgend einen Nutzen in Gefahr zu stürzen.

In der That begann jetzt Sir Frederick Dashwood aufs Lebhafteste zu fühlen, welche Schmach ihn treffen mußte, wenn der Lugger entkäme und ihn der Ehre beraubte, denselben gefangen genommen zu haben. Der junge Mann hatte jetzt mit einem Male die gewöhnliche Apathie seines Wesens abgeworfen, und gleich allen Naturen, welche schwer zu erregen sind, war er nun, da seine Energie einmal erwacht schien, keineswegs gering anzuschlagen.

Die Boote hatten sich bereits wieder gesammelt; alle Kampfunfähigen wurden auf einen der Kutter versetzt und nach den Schiffen zurückgeschickt, auf den zurückbleibenden aber alle Anstalten zu Erneuerung des Angriffs getroffen. Es war ein Glück, daß Cuffe eine so starke Expedition abgeschickt hatte, denn trotz des erlittenen Verlustes zählten die drei Langboote nebst den Luggern noch immer das Doppelte der Mannschaft, welche Raoul zur Verfügung hatte.

Dießmal zeigte sich Sir Frederick willig, auf fremden Rath zu hören. Winchester, M'Bean, Griffin und Strand waren sämmtlich der Meinung, die Boote müßten sich trennen und den Sturm auf verschiedenen Punkten versuchen: dadurch allein konnte man die Erneuerung eines so vielumfassenden Unglücks verhüten, wie es sie heute schon einmal betroffen hatte. Dem Schotten wurde die Felucke angewiesen; das Langboot der Terpsichore sollte den Lugger angreifen, während die zwei Kutter und das große Boot der Proserpina die Ruinen auf sich zu nehmen hatten. Sir Frederick blieb für seine Person auf dem Gig, um sich sogleich nach dem Punkte wenden zu können, der seine Anwesenheit am dringendsten erfordern mochte.

M'Bean war dießmal der Erste, der zu feuern begann. Er ließ seine Karronade gegen die Felucke losdonnern, nachdem er sie selbst zuvor mit aller Sorgfalt gerichtet hatte. Die Kugel traf eine von Ithuels eigenen Karronaden, zertrümmerte sie in ein Dutzend Stücke, schlug nicht weniger als drei Mann zu Boden, mehrere Andere nicht gerechnet, welche weniger schwer verletzt wurden, und bohrte die Kanone, welche sie von der Lafette herabstürzte, bis in den Kielraum der Felucke.

Das war ein schlimmer Anfang, der die Angreifenden sehr ermuthigte, da Alle das Resultat mit angesehen hatten. Drei herzhafte englische Cheers folgten dem Schusse, und Ithuel war dadurch so sehr außer Fassung gebracht, daß er die übriggebliebene Kanone, welche wie früher mit Kartätschen geladen war, wenigstens um zwei Minuten zu früh abfeuerte. Die See wurde in Schaum verwandelt, ohne daß ein einziger Mann verletzt worden wäre.

Erst jetzt wurde das Feuer allgemein: eine Kanone nach der andern ließ sich vernehmen, während das Knattern der Handwaffen die Pausen ausfüllte. Die Boote wurden mit festem, stetigem Ruderschlage herangetrieben, ohne irgend einen Schaden zu nehmen – ein Fall, der öfter vorkommt, wenn er auch schwer zu erklären ist. Einige Kugeln fielen zwischen die Ruinen, und schleuderten Trümmer rings um sich her, so daß ein paar Minuten lang aller Schaden nur auf einer Seite war.

Doch Pintard wie Ithuel fühlten sich durch die vor ihrer Front hinlaufenden Klippen vollkommen gesichert, und Jeder suchte sein Feuer so wirksam wie möglich anzubringen. Ithuel gelang dieß auch vortrefflich; er bezahlte M'Bean mit seiner eigenen Münze, und überschüttete die Büge seines Langboots mit einem Hagel von Kugeln, der diesen klugen Offizier an die Nothwendigkeit erinnerte, lieber nach dem Inselchen mit den Ruinen zu gieren. Pintards Gegner wurde gleichermaßen durch die Felsenreihe vor der Front zurückgehalten, und mußte sich ebenfalls seitwärts wenden.

Endlich, mitten unter einer Wolke von Rauch, unter wildem Toben und Fluchen, unter Befehlen, Jammergeschrei und dem Brüllen der Kanonen, stürzten sich die Engländer alle in einem Haufen auf den Hauptposten des Feindes, und hatten sich in einem Augenblicke seiner Batterie bemeistert.

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