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Der Irrwisch oder der Kaper

James Fenimore Cooper: Der Irrwisch oder der Kaper - Kapitel 25
Quellenangabe
authorJames Fenimore Cooper
titleDer Irrwisch oder der Kaper
publisherHoffmann'sche Verlags-Buchhandlung
year1853
printrunDritte Auflage
translatorEduard Mauch
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180603
projectid8463216d
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Dreiundzwanzigstes Kapitel

Rund spiegelt sich der Mond in seinem Auge ab,
Auch glaubt er fest, daß eckig sei die Erde:
Denn reist' er fünfzig Meilen auch – es gab
Ein Zeichen nirgends, daß sie Kugel werde.

Don Juan.

 

Raoul Yvard verdankte sein Leben einem Akte der Vorsicht von Seiten Clinchs. Wären die drei Kanonen nicht noch so ganz zu rechter Zeit auf dem Foudroyant abgefeuert worden, so hätte die Execution ihren Fortgang genommen, und hätte nicht der Steuermannsmate so kluge Vorsorge getroffen, so wären jene Kanonen niemals abgefeuert worden.

Dieß erklärt sich folgendermaßen.

Als Cuffe seinem Untergebenen Instructionen über sein Verhalten ertheilte, fiel diesem Letzteren ein, wie ein Aufenthalt irgend einer Art so gar leicht möglich wäre, und er dachte auf ein Mittel, wodurch diesem Uebel abgeholfen werden konnte. Auf seinen Rath erwähnte der Kapitän in seinem Schreiben an den Admiral jenes Signals mit den Kanonen, indem er auf dessen Wichtigkeit aufmerksam machte.

Nelson war eben zu Castellamare, als Clinch die Flotte erreichte, und es wurde somit nöthig, ihm zu Lande nach jenem Orte zu folgen. Hier traf Clinch den Admiral in dem Palaste Qui-Si-Sane, den Hof erwartend, und übergab ihm unverzüglich seine Depeschen.

Nichts machte dem brittischen Admirale größere Freude, als wenn er im Stande war, Gnade zu gewähren, denn das oben angeführte Beispiel des Gegentheils bildete sowohl in seinem Privatcharakter als in seiner öffentlichen Laufbahn eine Ausnahme, und es ist leicht möglich, daß eben dieser neuliche Vorfall, der seinen sonstigen Gewohnheiten so ganz fremd war, ihn um so mehr geneigt machte, jener gewohnten Neigung zu gehorchen und den erbetenen Aufschub desto bereitwilliger zu gewähren.

»Euer Kapitän sagt mir hier, Sir,« bemerkte Nelson, nachdem er Cuffe's Brief zum zweiten Mal gelesen hatte, »es sei kaum zu zweifeln, daß Yvard wegen einer Liebesangelegenheit nach dem Golfe kam, und daß seine Absicht überhaupt nicht die eines Spiones war?«

»Dieß ist die allgemeine Meinung auf unserer Fregatte, Mylord,« gab der Steuermannsmate zur Antwort. »Es ist da ein alter Mann und ein reizendes junges Mädchen in seiner Gesellschaft, welche Eurer Lordschaft, wie Kapitän Cuffe sagt, erst vor wenigen Tagen in der Kajüte des Admiralschiffes einen Besuch machten.«

Nelson fuhr zusammen und Flammenröthe zeigte sich in seinen Mienen. Er ergriff die Feder und kritzelte mit der einzigen Hand, welche ihm geblieben, den Befehl, die Execution bis auf weiteren Befehl aufzuschieben. Nachdem er das Schreiben gesiegelt, händigte er es Clinch mit den Worten ein:

»Geht in Euer Boot und rudert so schnell als möglich nach der Fregatte zurück. Verhüte Gott, daß je ein Mensch durch mich Unrecht leiden sollte!«

»Ich bitte um Verzeihung, Mylord – aber ich habe jetzt nicht mehr so viel Zeit, um mein Schiff vor Sonnenuntergang zu erreichen. Ich habe zwar auf meinem Boote ein Signal in Bereitschaft; aber die Fregatte wird vielleicht bis zum letzten Augenblicke nicht um Campanella herumkommen, und dann ist alle unsere Mühe verloren. Spricht Kapitän Cuffe nicht von einigen Kanonenschüssen, die von dem Flaggenschiffe abgefeuert werden sollten, Mylord?«

»Ja wohl, Sir, und dieß wird auch wirklich das sicherste Mittel der Mittheilung sein. Bei diesem leichten Westwind kann ein Kanonenschuß zur See auf weite Entfernung gehört werden. Nehmt die Feder, Sir, und schreibt, wie ich Euch diktire.«

Clinch ergriff die Feder, welche der Admiral, der erst vor einigen Jahren den rechten Arm verloren hatte, außer Stand war zu führen, und schrieb wie folgt:

»Sir – Sogleich nach Empfang dieses werdet Ihr drei schwere Kanonen in Zwischenräumen von je einer halben Minute abfeuern, als Zeichen für die Proserpina, daß sie die Execution einzustellen hat.

»Dem kommandirenden Offizier von Seiner Majestät Schiffe Foudroyant.«

Sobald die magischen Worte ›Nelson und Bronte‹ nebst Datum dem Befehle beigefügt waren, erhob sich Clinch, um sich zu verabschieden. Nachdem er seine Verbeugung gemacht, stand er mit der Hand an der Thürklinke, ungewiß, ob er seine Bitte vorbringen sollte oder nicht.

»Das Geschäft ist sehr dringend, Sir, und keine Zeit ist dabei zu verlieren,« fügte Nelson bei. »Ich fühle große Aengstlichkeit in mir und wünsche, daß Ihr Kapitän Cuffe meldet, er möge Euch, sobald es angeht, an mich zurückschicken und Alles, was unterdessen vorgegangen, berichten lassen.«

»Ich werde Eure Wünsche vermelden, Mylord,« antwortete Clinch in freudigem Tone, denn er bedurfte ja nur einer Gelegenheit, um über seine eigene Beförderung zu sprechen und diese war ihm nun in Aussicht gestellt. »Darf ich dem Kommandanten des Flaggenschiffs sagen, daß er die Unterdeckskanonen abfeuere, Mylord?«

»Wenn er diesen Befehl gelesen hat, wird er es wohl von selber thun – schwere Kanonen bedeuten immer die schwersten. Guten Abend, Sir; um's Himmels willen verliert keine Zeit!«

Clinch gehorchte dieser Weisung buchstäblich. Er erreichte den Foudroyant noch einige Zeit vor Sonnenuntergang und übergab seinen Befehl augenblicklich in die Hände des Kapitäns. Wenige erläuternde Worte setzten Alles in Bewegung, und die drei Kanonen wurden auf der Seite gegen Capri – zum großen Glück für unsern Helden – pünktlich abgefeuert.

Die nächste halbe Stunde, welche dem Schluß unserer vorigen Scene folgte, war eine Zeit der Lust und Fröhlichkeit am Borde der Proserpina. Jedermann freute sich, daß das Schiff mit der Execution verschont geblieben war, und dann kam jetzt auch die Stunde, wo ›die Hängematten herabgepfiffen‹ und die Wachen abgelöst wurden.

Cuffe hatte seine ganze Lebendigkeit wieder gefunden, und erging sich in munterem Gespräche mit seinen beiden italienischen Gästen, wobei Griffin wieder den Dolmetscher machte. Die Letzteren waren verhindert worden, dem Gefangenen ihren Besuch abzustatten, da er allein zu bleiben gewünscht hatte; jetzt aber erneuerten sie ihr Gesuch, und schickten zu ihm hinab, um zu erfahren, ob sie willkommen sein würden. Die beiden Würdenträger, die sich die eigentlichen ›Seebeine‹ noch nicht angewöhnt hatten, gingen zusammen an die Ausführung ihres freundlichen Planes, und während sie die Leiter hinabstiegen und sich durch die Masse des Schiffsvolkes drängten, blieb das Gespräch zwischen ihnen in stätem, munterem Gange.

» Cospetto!« rief der Podesta; »Signor Andrea, wir leben in einer Welt der Wunder! Man kann ja kaum sagen, ob man noch wirklich am Leben ist oder nicht. Wenn ich mir denke, wie dieser falsche Sir Smees noch vor einer halben Stunde dem Tode so nahe war – und jetzt ist er ohne Zweifel eben so munter und lebendig, wie einer von uns Beiden!«

»Es wäre wohl nützlicher, Freund Vito Viti,« antwortete der philosophische Vicestatthalter, »wenn man bedächte, wie die Lebenden dem Tode immer nahe stehen, der ja nur seine Pforten öffnen darf, um die Schönsten und Kräftigsten in's Grab hinabzuziehen.«

»Bei San Stefano! Ihr habt eine Art an Euch, Vicestatthalter, die einem Kardinal wohl anstehen würde! Es ist tausendmal schade, daß die Kirche einer solchen Stütze beraubt wurde, Signor Andrea; dafür glaube ich aber auch, wenn Euer Geist sich weniger mit unserem künftigen Zustande beschäftigte, würde er weit fröhlicher gestimmt sein, und gewiß ungleich ermunternder für die, welche mit Euch sprechen. Es gibt in diesem Leben des Uebels genug, auch ohne daß man so viel an den Tod denkt!«

»Es gibt Philosophen, guter Vito, welche behaupten, daß von all' Dem, was wir vor uns sehen, eigentlich gar Nichts existire! Das wir uns Alles nur so denken: denken, daß dieses ein See, mit Namen Mittelmeer – dieß hier ein Schiff – und dort das Land sei; denken, daß wir jetzt leben und daß auch der Tod nur in unseren Gedanken bestehe!«

» Corpo di Bacco! Signor Andrea,« rief der Andere, blieb am Fuße der Leiter stehen, und ergriff seinen Gefährten am Rockknopfe, als fürchtete er, derselbe möchte ihm mitten in seiner sonderbaren Enttäuschung abhanden kommen. »Ihr werdet doch nicht auf solche Art mit einem alten Freunde scherzen – der Euch von Kindheit an gekannt hat? Denken, daß ich am Leben sei!«

» Si – ich habe Euch blos Wahrheit berichtet. Die Einbildungskraft vermag gar viel, und kann leicht unwesenhaften Dingen den Schein der Wirklichkeit verleihen.«

»Und daß ich nicht ein Podesta in der That, sondern nur einer in Gedanken sei!«

»Ganz so, Freund Vito, so daß auch ich blos in der Einbildung Vicestatthalter wäre.«

»Und Elba soll keine wirkliche Insel, Porto Ferrajo keine wirkliche Stadt sein, und sogar all' unser Eisen, das wir in großen Massen in guten, gesunden Schiffen in die Welt zu schicken schienen, wäre nur eine Art Gespenst von solidem, wahrhaftem Metall!«

» Si – si – Alles, was Materie zu sein scheint, sei in der That blos eingebildet – Gold, Eisen oder Fleisch!«

»Und dann bin ich also nicht Vito Viti, sondern nur ein Betrüger? Was das für eine schurkische Philosophie ist! Wie – denkt Euch nur, Vicestatthalter – oder scheinbarer Vicestatthalter – wir Beide wären ja eben so schlecht, wie dieser Sir Smees, wenn das, was Ihr sagt, wahr wäre!«

»Kein Betrüger, Freund Vito; denn es gibt gar kein wirkliches Wesen deines Namens, wenn du es nicht bist.«

» Diavolo! Eine hübsche Theorie in der That – sie könnte das junge Volk auf Elba glauben machen, es gebe gar keinen wirklichen Podesta auf der Insel, sondern höchstens ein armes, erbärmliches Trugbild eines solchen, und Vito Viti existire gar nicht auf Erden. Wenn sie einmal auf diesen Glauben verfallen, dann möge Gott den Ort beschützen, was Ordnung und Nüchternheit betrifft.«

»Ich glaube, Nachbar, du verstehst die Sache noch nicht recht, und daran bin ich vielleicht selbst schuld, weil ich nicht gehörig klar war: da wir jetzt übrigens auf dem Wege sind, einen unglücklichen Gefangenen zu besuchen, so könnten wir die Discussion auch auf eine andere Zeit verschieben. Auf einem Schiffe, dessen Sprache Einem fremd ist, hat man hie und da einen müssigen Augenblick, welchen wir durch ein näheres Eingehen in diesen Gegenstand höchst nützlich und angenehm ausfüllen können.«

»Verzeiht mir, Signor Andrea – aber es gibt keine passendere Zeit als eben jetzt. Ueberdieß existirt ja, wenn die Theorie wahr ist, überhaupt gar kein Gefangener – oder höchstens nur ein eingebildeter – und dann kann es Sir Smees doch nichts schaden, wenn er auch ein bischen warten muß; wogegen ich nicht eher einen ruhigen Augenblick haben werde, als bis ich erfahre, ob wirklich ein solcher Mann, wie Vito Viti existirt oder nicht, und ob ich dieser Mann bin.«

»Bruder Vito, du bist ungeduldig; überdieß lassen sich diese Dinge nicht nur so in einem Augenblicke erlernen, denn jedes System hat, gerade wie ein Buch, seinen Anfang und sein Ende, und wer könnte jemals gelehrt werden, wenn er eine Abhandlung von hinten herein zu lesen versuchte?«

»Ich weiß, Signor Andrea, was ich Eurem höheren Range sowohl als Eurer größeren Weisheit schuldig bin, und will für jetzt nichts weiter sagen; aber daß ich wenigstens nicht an eine Philosophie denken sollte, welche mich lehrt, daß ich nicht der Podesta bin oder daß Ihr nicht der Vicestatthalter seid – das wäre mehr, als Fleisch und Blut vermögen.«

Andrea Barrofaldi war froh, daß sein Gesellschafter wenigstens für den Augenblick beruhigt war, und verfügte sich nun weiter nach Raouls kleinem Gefängnisse. Er wurde von der Schildwache, die bereits hierauf instruirt war, augenblicklich eingelassen.

Der Gefangene empfing seine Gäste höflich und in fröhlicher Laune, denn wir sind weit entfernt, ihn als so heroisch darstellen zu wollen, daß er sich nicht ausnehmend gefreut hätte, dem Tode durch Henkershand entgangen zu sein, selbst wenn es vorderhand nur ein Aufschub und nicht ein wirklicher Pardon war. In einem solchen Augenblicke hätte der junge Mann auch noch weit lästigere Besuche entschuldigt; der plötzliche Wechsel in seinen Aussichten machte ihn sogar ein wenig zum Scherzen aufgelegt, denn, die Wahrheit zu sagen, hatte Dankbarkeit gegen Gott nur wenig Antheil an seiner Gemüthsbewegung. Er betrachtete seine Befreiung vom Galgen, so wie seine Gefangennahme und alle übrigen Zwischenfälle seiner Kreuzfahrt rein als die Resultate des Kriegsglücks.

Winchester hatte Raouls Gemach mit all' den kleinen Erfordernissen, welche seine Lage wünschenswerth machte, versehen lassen, und so enthielt es denn auch unter anderen Gegenständen zwei gewöhnliche Schiffsstühle. Jeder der beiden Italiener erhielt einen derselben, während sich der Gefangene auf dem Schlepptakel einer der beiden Kanonen niederließ, welche die Seitenwände seines Stübchens bildeten.

Es war jetzt Nacht; ein Nebeldunst hatte den Himmel bedeckt und die Sterne verfinstert, so daß völlige Dunkelheit herrschte. Trotzdem hatte Raoul weder Kerzen- oder Lampenlicht in seinem Zimmer: man hatte ihm zwar dergleichen angeboten, er hatte es aber abgelehnt, weil er bemerkte, daß fremde Augen zuweilen mit der müssigen Neugierde des gemeinen Mannes durch die Oeffnungen in der Leinwand hereinguckten, um die Miene und das Treiben eines zum Tode Verurtheilten zu beobachten. Diese Neugierde hatte ihn schon in der verflossenen Nacht sehr belästigt, und da die Leute jetzt eben so begierig sein mochten, einen Verbrecher den gewährten Aufschub tragen zu sehen, so hatte er beschlossen, die Nacht lieber im Finstern zuzubringen.

Auf dem Kanonendeck brannten übrigens ein paar Laternen, welche sogar durch die Leinwandschoten eine matte Helle in das Stübchen warfen. Diese Schoten erstreckten sich, wie gesagt, von einer Kanone zur andern, so daß Licht und Luft durch die Stückpforten freien Zugang hatten. Dadurch reichten auch die Kanonentakeln auf der einen Seite bis in's Zimmer und auf einem derselben nahm Raoul nunmehr seinen Sitz ein.

Vermöge seiner höheren Lebensstellung, seiner besseren Erziehung und eines feineren natürlichen Taktes übertraf Andrea Barrofaldi seinen Gefährten weithin in der Artigkeit des Benehmens. Letzterer wäre wohl sogleich in medias res hineingeplumpt, hätte nicht der Vicestatthalter ein Gespräch über allgemeine Gegenstände begonnen in der Absicht, Raoul seinen Glückwunsch zu dem neulichen Aufschube abzustatten, so wie sich nur eine passende Gelegenheit dazu darbieten würde.

In einer Beziehung war dieß eine unglückliche Verzögerung, denn Vito Viti fand nicht sobald, daß der Hauptzweck ihres Besuches hintangestellt werden sollte, als er wieder voll Eifer zu dem früheren Gegenstande ihres Streites zurückkehrte, der durch den Eintritt in das Gefangenenzimmer unterbrochen worden war.

»Hier der Vicestatthalter hat eine Theorie aufgestellt, Sir Smees,« begann er, sobald eine Pause im Gespräche ihm dieß gestattete – »der Vicestatthalter hier hat eine Theorie aufgestellt, welche die Kirche ganz gewiß verdammenswürdig nennen würde, und gegen welche die menschliche Natur sich empören muß.«

»Ei nein, guter Vito, du betrachtest die Sache nicht im rechten Lichte,« unterbrach ihn Andrea, der sich durch einen so unvermutheten Angriff etwas gereizt fühlte. »Die Theorie stammt nicht von mir, sondern hauptsächlich von einem gewissen englischen Philosophen, der, nebenbei gesagt, sogar Bischof war.«

»Ein Lutheraner! – war's nicht so, verehrter Signor Andrea? – ein sogenannter Bischof?«

»Nun – die Wahrheit zu gestehen, er war ein Ketzer und nicht als ein Apostel der wahren Kirche zu betrachten.«

»O, darauf hätt' ich geschworen. Kein ächter Sohn der Kirche würde jemals eine solche Lehre predigen. Denkt euch nur einmal, Signori, die Unzahl eingebildeter Feuer, Zangen und anderer Torturinstrumente, welche nöthig wären, um unter einem solchen System eine Strafe zu vollziehen! Um da noch beim Verstand zu bleiben, müßten selbst die Teufel nur eingebildet sein.«

» Comment, Signori!« rief Raoul lächelnd und mit plötzlicher Theilnahme an dem Gespräche; »hat je ein englischer Bischof eine solche Lehre aufgestellt? Eingebildete Teufel und eingebildete Straforte – das kommt ja unserem revolutionären Frankreich ziemlich nahe! Jetzt darf ich erst hoffen, unsere so arg mißhandelte Philosophie besser respektirt zu sehen.«

»Mein Nachbar hat die Theorie, von welcher er spricht, noch nicht gehörig begriffen,« antwortete Andrea, der ein zu guter Anhänger der Kirche war, als daß diese neue Wendung der Dinge ihn nicht unruhig gemacht hätte; »und so, würdiger Vito Viti, fühle ich die Nothwendigkeit, die ganze Sache etwas genauer zu erläutern. Sir Smees« – so nannten die Italiener unsern Raoul noch immer aus lauterer Höflichkeit, da es ihnen nach Allem, was vorgefallen, zu ungeschickt vorkam, ihn mit seinem wahren Namen anzureden – »Sir Smees wird uns für wenige Minuten entschuldigen; vielleicht gewährt es ihm sogar Vergnügen, wenn er vernimmt, zu welch' hohem Fluge die Einbildungskraft eines genialen Mannes sich erheben kann.«

Raoul erwiederte höflich, es werde ihm Freude machen, dem Vicestatthalter zuzuhören, und suchte, sich ausstreckend, eine bequemere Lage auf dem Kanonentakel anzunehmen, so daß er mit dem Kopfe gerade zwischen die Oeffnung der Stückpforte zu liegen kam, während sich seine Füße gegen das innere Rad der Lafette stemmten. Dieß brachte ihn so ziemlich in eine liegende Stellung: da man aber sah, daß sie blos deßhalb angenommen wurde, um einen unbequemen Sitz zum wenigsten erträglich zu machen, so konnte sie Niemand für unpassend halten.

Wir brauchen hier nicht Alles zu wiederholen, was Andrea Barrofaldi zu seiner eigenen Rechtfertigung und zur Erläuterung der gepriesenen Theorie des Bischofs Berkeley zu sagen für gut fand. Eine solche Aufgabe war nicht in einer Minute zu lösen, und in der That wurde Weitschweifigkeit nur gar zu gern eine von des Vicestatthalters Schwächen, sobald er auf eines seiner Lieblingsthema zu sprechen kam.

Er war übrigens weit entfernt, die Lehre zu billigen, obwohl es seinen alten Nachbar ausnehmend verdroß, daß er die Sache auf eine Art darstellte, die sie ihm doch dem äußeren Scheine nach beachtenswerth, wenn nicht gar unzweifelhaft erscheinen ließ. Letzterem war es besonders unangenehm, zu denken – und wenn auch nur des Beweises halber – daß keine Insel wie sein Elba existiren und daß er nicht deren Podesta sein sollte; alle seine persönlichen und egoistischen Vorurtheile kamen hier einem natürlichen Widerstreben zu Hilfe, um ihm eine Theorie vollständig zu entleiden, welche, wie er keinen Anstand nahm zu behaupten – eine grobe Beschimpfung gegen jedes ehrlichen Mannes Natur enthalte.

»Es gibt Leute in der Welt, Signor Andrea,« so perorirte der halsstarrige Podesta im Verlauf seiner Einwürfe, »welche allerdings heilig froh wären, wenn sich Alles, wie Ihr sagt, nur als Einbildung erwiese – Bursche, welche Nachts vor lauter bösem Gewissen nicht schlafen können, und für die es ein wahrer Segen wäre, wenn die Erde sie (wie man's auf diesem Schiffe nennt) über Bord werfen und in den großen Ocean der Vergessenheit versenken wollte. Doch sie sind abgefeimte Baroni, und sollten eigentlich unter ehrlichen Leuten für gar nichts Ordentliches gelten. Ich habe zu Livorno einige dieser Spitzbuben gekannt, und darf wohl sagen, daß auch Neapel nicht ganz frei davon ist; ganz etwas Anderes aber ist es, wenn man einem hübschen und sittsamen Mädchen sagen wollte, ihre Schönheit und Tugend sei nur Schein, oder achtbaren Magistratspersonen: sie seien eben so große Betrüger, wie die Spitzbuben selbst, welche von ihnen in's Gefängniß oder an den Galgen gebracht werden.«

Diesen und ähnlichen Reden stellte Andrea seine Erläuterungen und seine Philosophie entgegen, bis der Streit nach und nach hitzig und das Gespräch immer lauter wurde.

Es gehört zu den Eigenthümlichkeiten Italiens, daß seine Landessprache – eine der weichsten der ganzen Christenheit – durch die Art ihres Gebrauches häufig rauh und unangenehm klingt. Bei dieser Gelegenheit war die Heftigkeit der Streitenden eben nicht geeignet, dieses Uebel sonderlich zu mildern.

Griffin führte der Zufall eben in diesem Augenblicke an dem Gefangenenzimmer vorüber, und da er einige Worte von dem Verhandelten auffing, so blieb er stehen, um zu lauschen. Sein Lächeln und die preisgegebenen Uebersetzungen sammelten bald eine Gruppe von Offizieren um ihn; die Schildwache zog sich ehrerbietig etwas bei Seite, und so wurde der Raum vor dem Gemache des Gefangenen zu einer Art von Parquet bei einer höchst belustigenden Vorstellung. Mehrere von den jungen Herren verstanden etwas Italienisch, und da Griffin sehr rasch, wiewohl in leisem Tone, übersetzte, so kam den Zuhörern die ganze Sache äußerst unterhaltend vor.

»Das ist eine kuriose Art, einem zum Tod Verurtheilten Trost einzusprechen,« murmelte der Quartiermeister: »ich wundere mich nur, wie's der Franzmann bei all' dem Unsinn aushalten kann.«

»O,« meinte der Marineoffizier, »die Dressur thut schon das Ihrige. Die Revolutionäre sind dermaßen auf die Heuchelei eindressirt, daß ich darauf wette, der Bursche grinst die ganze Zeit über in lauter verstelltem Entzücken.«

Und in der That – Raoul horchte mit nicht geringem Ergötzen. Anfänglich ließ sich auch seine Stimme im Verlaufe der Discussion zuweilen vernehmen, offenbar nur in der Absicht, die Streitenden noch mehr zu erhitzen: doch die Heftigkeit der Letzteren brachte ihn bald zum Schweigen, und wohl oder übel mußte er sich mit Zuhören begnügen.

Eben als der Streit warm zu werden begann und während Griffin eine Gruppe von Zuhörern um sich versammelte, steckte der Gefangene den Kopf noch weiter zu der Schießschartenöffnung hinaus, um die Kühle der Abendluft zu genießen – da mit einem Male fühlte er zu seiner Ueberraschung eine Hand sich sachte auf seine Stirne legen.

»St,« flüsterte eine Stimme dicht neben seinem Ohr, »es ist der Amerikaner – Ithuel – seid ruhig – jetzt ist der Augenblick, auf Tod und Leben zu rudern.«

Raoul besaß zu viel Selbstbeherrschung, um sein Erstaunen zu verrathen; im nächsten Augenblicke aber waren alle Fähigkeiten in ihm rege und lebendig. Ithuel, das wußte er, war ganz der Mann für solche Fälle. Die Erfahrung hatte ihm tiefe Achtung vor dessen kühnem Unternehmungsgeiste eingepflanzt, sobald es galt, rasch und entschlossen zu handeln. Ohne Zweifel mußte etwas Wichtiges vor sich gehen, sonst würde sich dieser vorsichtige Praktikus nicht einer Lage ausgesetzt haben, die ihm im Falle der Entdeckung jedenfalls Strafe zugezogen haben würde. Ithuel saß nämlich rittlings auf einer der Puttingen unterhalb des Hauptkanals – eine Stellung, welche möglicherweise, so lange es dunkel blieb, ohne eine Entdeckung herbeizuführen, beibehalten werden konnte, die aber, sobald sie gesehen wurde, schon an sich selbst als ein Zeichen schlimmer Absicht betrachtet worden wäre.

»Was hast du vor, Etouell?« flüsterte Raoul, sobald er bemerkte, daß seine Gesellschafter viel zu eifrig mit sich selbst beschäftigt waren, um seine Bewegungen sehen oder seine Worte hören zu können.

»Der Italiener will mit seiner Nichte an's Land gehen. Alles ist bereit und vorgesorgt. Ich habe mir gedacht, Ihr könntet in der Dunkelheit durch die Stückpforte schlüpfen und in das Boot gelangen. Haltet Euch ruhig – wir wollen sehen.«

Raoul wußte wohl, daß der bewilligte Aufschub nur von zweifelhafter Dauer war. Im günstigsten Falle stand ihm ein englischer Kerker in Aussicht, während ihm die andere Seite des Gemäldes Ghita's Bild vor Augen stellte. Alle seine Gefühle waren in wildem Tumult, doch kein Laut entschlüpfte seinen Lippen, so sehr war er an Selbstbeherrschung gewöhnt.

»Wann, cher Etouelle; wann?« fragte er flüsternd, und seine Stimme zitterte trotz der Mühe, die er sich gab, sich selbst zu bezwingen.

»Jetzt – too-der-swiet – ( tout-de-suite) – das Boot liegt an der Fallreepstreppe, und der alte Giuntotardi ist schon d'rin; eben richten sie einen Sitz für das Mägdlein her. – Aha – da schwingt es schon hinaus! – hört Ihr den Pfeifenruf?« -

Raoul vernahm das Signal des Hochbootsmanns, der in diesem Augenblicke zum ›Wegstreichen‹ pfiff. Er lauschte angestrengt, indem er sich auf seinem Kanonentakel streckte; bald hörte er das Plätschern im Wasser, als das Boot den Meeresspiegel erreicht hatte. Auch das Rasseln der Ruder war zu vernehmen, als Ghita ihren Sitz verließ und sich nach dem Hintertheile begab.

»Rund geholt,« rief der Offizier auf dem Deck, worauf Carlo Giuntotardi im unbestrittenen Besitze seines eigenen Bootes gelassen wurde.

Der Augenblick war ausnehmend kritisch. Irgend Jemand bewachte aller Wahrscheinlichkeit nach das Boot vom Verdeck aus, und obwohl die Nacht finster war, so mußte man doch mit der höchsten Vorsicht zu Werke gehen, wenn man mit einiger Gewißheit auf Erfolg zählen wollte. In diesem Moment hörte man Ithuel wieder flüstern.

»Die Zeit ist nahe. Der alte Carlo hat seine Befehle, und die kleine Ghita wird schon darauf sehen, daß er sie befolgt. Stille und Thätigkeit entscheiden jetzt Alles. In weniger als fünf Minuten wird das Boot unter der Stückpforte stehen.«

Raoul begriff jetzt den Plan, aber er kam ihm hoffnungslos vor. Es schien ihm unmöglich, daß man Ghita von dem Schiffe abziehen ließe, ohne daß hundert Augen ihre Bewegungen beobachteten; zwar war es finster, aber immer noch nicht so sehr, daß man voraussichtlich ungesehen zu ihr stoßen konnte. Doch mußte man es auf diese Gefahr wagen, oder ein Entkommen war für immer unmöglich.

Eben wurde mit dem Sprachrohr ein Befehl gegeben, und dieß ermuthigte den Gefangenen, denn es bewies, daß der Offizier von der Wache mit irgend einem Dienste beschäftigt war, der seine Aufmerksamkeit anders wohin lenkte. Dieß war von Wichtigkeit, da nur Wenige bei Seite zu blicken wagen konnten, so lange dieser Befehlshaber ihre Aufmerksamkeit in anderer Richtung in Anspruch nahm.

Raouls Gedanken drehten sich im Wirbel. Der Streit der beiden Italiener hatte seinen Höhepunkt erreicht, und ihr Geschrei war so laut, als man es nur immer wünschen konnte. Sogar das unterdrückte Gelächter der außenstehenden Offiziere war für ihn hörbar, wogegen die Disputirenden nichts als ihre eigenen Stimmen vernehmen konnten. Jedes Anstoßen des Boots gegen die Seite des Schiffes, jedes Geräusch der Ruder, wenn Carlo unter ihnen herumrasselte, sogar das Klatschen des Wassers war deutlich wahrzunehmen. Es schien, als ob alle Interessen des Lebens – der Zukunft, der Vergangenheit und der Gegenwart – mit den gesammten Regungen seines Herzens in diesen einzigen Moment zusammengedrängt wären.

Da er nicht wußte, was Ithuel von ihm erwartete, so fragte er diesen auf französisch, was er zunächst vornehmen sollte.

»Soll ich Hals über Kopf in's Wasser fallen? Was willst du, daß ich thun soll?« flüsterte er.

»Bleibt ruhig liegen, bis ich's Euch anders heiße. Ich will das Signal geben, Kapitän Rule; laßt die Italiener nur näher kommen.«

Raoul konnte das Wasser nicht sehen, da er mit dem Kopf gerade in der Stückpforte lag; so mußte er sich also ganz allein auf sein Gehör verlassen. Schlag auf Schlag und Stoß auf Stoß zog das Boot langsam längs der Fregatte hin, als ob es sich fortwährend zum Abfahren anschickte.

Dieß Alles machte Carlo Giuntotardi zum Erstaunen gut. Als er unmittelbar unter dem Hauptkanale lag, wäre es selbst für einen der Ausgucker oben nichts Leichtes gewesen, das Boot zu bemerken. Hier hielt er an, denn er war für die Außendinge doch noch nicht so ganz verloren, daß er nicht vollkommen begriffen hätte, was man Alles von ihm erwartete. Vielleicht wurde er von Denen auf dem Verdeck gerade deßhalb weniger beobachtet, weil man ihn solcher weltlichen Sorge gar nicht für fähig hielt.

»Ist Alles sicher für einen Augenblick da drinnen?« flüsterte Ithuel.

Raoul hob den Kopf und schaute sich um. Daß sich eine Gruppe um das Zimmer versammelt hatte, konnte er aus ihren Bewegungen, aus dem leisen Gespräche und unterdrückten Gelächter abnehmen; doch schien Keiner ihm selbst besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Da er aber schon einige Zeit lang nicht mehr gesprochen hatte, so hielt er für gut, sich wieder einmal vernehmen zu lassen, wobei er wohl zu beachten hatte, daß seine Stimme aus der Stückpforte heraus unverdächtig klang. So machte er denn einen jener leichten Einwürfe gegen die Theorie des Vicestatthalters, wie er sie schon im Anfange des Disputs gelegentlich vorgebracht hatte.

Seine Worte wurden nur wenig beachtet, wie er erwartet hatte; aber sie dienten doch dazu, die Außenstehenden von seiner Anwesenheit zu überzeugen und einer unzeitigen Entdeckung vorzubeugen. – Sonst schien Alles günstig, und er legte sich abermals seiner ganzen Länge nach nieder, so daß sein Gesicht nur wenige Zolle von Ithuels Kopfe entfernt war.

»Alles sicher,« wisperte er; »was habe ich jetzt zu thun?«

»Nichts; aber schiebt Euch mittelst Eurer Füße sorgsam vorwärts.«

Dieß that Raoul; Anfangs Zoll für Zoll, bis ihm Ithuel das Ende eines Taues mit dem Bemerken in die Hand schob, dasselbe sei an den Kanal oben wohl befestigt.

Jetzt war die Aufgabe leicht; die einzige Gefahr war nur noch von allzu großer Eile zu besorgen. Nichts wäre Raoul leichter gewesen, als seinen Körper durch die Stückpforte zu ziehen und sich in das Boot hinabzulassen: um aber glücklich zu entkommen, war es immer noch nöthig, jede Beobachtung zu vermeiden.

Das Schiff stand eine halbe Meile von der Landspitze von Campanella entfernt, und derselben gerade gegenüber; für die Flüchtlinge war aber an keine Sicherheit zu denken, wenn sie sich nicht unbeachtet eine ziemliche Strecke weit entfernen konnten. Diese Betrachtung veranlaßte Ithuel zu der äußersten Vorsicht, und auch sein Freund ließ diesen Wink nicht verloren gehen.

Mittlerweile war aber Raoul so vollkommen Herr seiner Bewegungen geworden, daß er seine Beine ohne bedeutende Anstrengung aus der Schießscharte zu ziehen vermochte: von da in's Boot hinabzusteigen, war das leichteste Ding von der Welt. Aber ein Druck von Ithuels Hand hemmte ihn noch in seinen Bewegungen.

»Wartet ein bischen,« flüsterte der Letztere, »bis die Italiener dicht unterhalb stehen.«

Das Gezänk war jetzt so laut und hitzig, daß man nicht mehr viel Zeit verlieren durfte. Ithuel gab das Signal, und Raoul zog Kopf und Schultern mit den Armen empor, während er die Füße gegen die Kanone stemmte: im nächsten Augenblicke hing er senkrecht zwischen den großen Puttingen. Es bedurfte blos einer Sekunde, um leicht und geräuschlos in das Boot hinabzugleiten.

Als seine Füße den Querbalken berührten, fand er, daß der Amerikaner schon vor ihm da war. Letzterer zog ihn neben sich nieder, und Beide legten sich der Länge nach auf den Boden der Jolle, indem Ghita's Mantel über sie hingeworfen wurde.

Carlo Giuntotardi war an die Führung eines Fahrzeugs, wie die Jolle, gewöhnt; er zog also nur seinen Bootshaken aus einer der Puttingen zurück und die Fregatte steuerte langsam vorwärts, und ließ ihn in der nächsten Minute fast hundert Fuße hinter sich in ihrem Kielwasser.

So weit war Alles zum Erstaunen gelungen. Die Nacht war so dunkel, daß die beiden Flüchtlinge schon jetzt sich zu erheben und ihre Sitze auf den Querbalken einzunehmen wagten; doch geschah dieß Alles mit der äußersten Vorsicht und ohne das mindeste Geräusch. Bald wurden die Ruder eingesetzt, Carlo ergriff das Steuer, und ein triumphirendes Gefühl wogte in Raouls Herzen, als er das eschene Werkzeug erfaßte und das Boot unter seinem Drucke erzittern fühlte.

»Ruhig, ruhig, Kapitän Rule,« sprach Ithuel leise; »wir haben noch lange zu rudern und sind noch immer in der Gehörweite der Fregatte. In fünf Minuten haben wir uns so weit entfernt, daß sie uns nicht mehr zu sehen vermag, dann können wir geraden Wegs in die See hinausrudern, wenn Ihr's wünscht.«

Eben jetzt hörte man die Glocke auf der Proserpina vier Uhr schlagen – das Zeichen, welches die achte Stunde des Abends verkündete. Unmittelbar darauf wurde die Wache abgelöst und eine allgemeine Bewegung war auf dem Schiffe zu gewahren.

»Sie lösen blos die Wachen ab,« sprach Raoul, als er bemerkte, daß sein Gefährte beunruhigt stille hielt.

»Das ist eine ungewöhnliche Bewegung für ein Ablösen der Wache! – Was ist das

Das Ueberhalen von Takeln war unverkennbar: ihm folgte das Plätschern eines Bootes, das in's Wasser gelassen wurde.

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