Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Max Dürr >

Der Hexenturm

Max Dürr: Der Hexenturm - Kapitel 2
Quellenangabe
typenarrative
authorMax Dürr
titleDer Hexenturm
publisherBurgverlag Otto F. Hahn G.m.b.H.
year1929
firstpub1929
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160906
projectida1b5eb71
Schließen

Navigation:

Der Hexenturm in Maulbronn.

Mein Name ist Cornelius Heidelob und ich bin Doktor der Philosophie, promoviert in Heidelberg.

Ich gehe davon aus, daß es der Anstand erfordert, mich vorzustellen, bevor ich mich auf diese ganz unglaubliche Geschichte, in welcher ich immerhin eine, wenn auch zweifelhafte Rolle zu spielen bestimmt bin, einlasse.

Um jede Ungewißheit zu beheben, will ich ausdrücklich betonen, daß ich nicht von Maulbronn gebürtig bin.

Maulbronn ist ein kleines Städtchen im Schwabenlande und liegt hinter Berg und Hügel und weitausgedehnten Wäldern versteckt, es hat durch seinen auf anmutigen Hängen wachsenden Elfinger Wein einige Berühmtheit erlangt.

Maulbronn im Tale.

Maulbronn besitzt aber auch eine ehemalige Cisterzienser-Abtei und ein Kloster, das die Brüder vor bald achthundert Jahren in vollendeter Kunst erbauten und das sich bis zum heutigen Tage den Ruf des schönsten Klosters Deutschlands erhalten hat.

Dieses Kloster in Maulbronn ist noch berühmter als sein Elfinger Wein, und vielleicht ist es deshalb befremdend, auch gar nicht recht, daß ich den Wein voranstelle, aber ich weiß, es gibt Leute, welche lieber vom Wein als vom Kloster reden hören, und deshalb habe ich berechnender Weise mit jenem den Anfang gemacht.

Die Schilderung der altersgrauen, ehrwürdigen Cisterzienser-Abtei hatte ich dem bekannten Paulus'schen Buche entnommen, sie hatte meine Neugier und meinen Wissenstrieb in so hohem Maße erweckt, daß ich mich kurzer Hand entschloß, den Weg unter die Füße zu nehmen, um diese Perle des deutschen Landes, diesen kostbaren Schatz unter den mittelalterlichen Baudenkmälern aufzusuchen und mit eigenen Augen zu sehen und zu genießen.

Wenn man jung ist, wißbegierig und schönheitsdurstig, auch von Sorgen unbeschwert, so wird das Wandern leicht, und um so leichter, je geringer das Gepäck ist, das auf den Schultern lastet.

Das meinige bestand in einem grünen, mit stattlich anzusehenden, hellen Lederriemen gezierten Rucksacke, der trotz der Schwüre des listigen Kaufmannes ein weniges an Farbenpracht eingebüßt hatte und außer der nötigsten Wäsche nicht viel mehr enthielt, als eine mir lieb gewordene Porzellanpfeife mit bunten seidenen Troddeln, einigen Päckchen edelsten Rippentabaks inländischer Abstammung, das schon genannte, einem hinterwäldlerischen Antiquare abgehandelte Buch meines Gedankenfreundes Paulus und eine ziemlich große rostige Gartenschere, welch' letzterer ich zwar nicht gerade notwendig für meine Wanderung bedurfte, die ich aber unterwegs im Odenwalde gefunden und mangels anderweitiger Verwendung in diesem meinem lieben, etwas abgeschossenen und verwaschenen, grünen Rucksacke untergebracht hatte. An der linken Seite hing mir eine geräumige Feldflasche, da ich nach erprobter Sitte nicht durstig durch die Welt zu reisen gesonnen war, und in der nervigen Faust schüttelte ich den grimmen Hakenstock, den ich um so kräftiger und selbstbewußter auf dem weichen Erdboden aufstieß, als ich allbereits nach drei und einem halben Tage der Wanderung einige Müdigkeit der nagelbeschuhten Füße verspürte.

Noch zu erwähnen wäre ein Tannreis, das meinen Lodenhut zierte und das ich erneuerte, sobald ich den Verlust des alten bemerkte, und eine Landkarte von buntester Färbung, die mir die trefflichsten Dienste erwies, sobald die ausgestreckten Arme des Wegweisers einen Zweifel über die einzuschlagende Richtung unmöglich machten, aber jeweils versagte, wenn ich in Ungewißheit ratschlagend an einem oder dem anderen namenlosen Scheidewege hielt.

Was tut's? Ein Bursch, wie ich, was macht sich der daraus? zitierte ich und steckte die Karte zu Hemd und Strumpf, Pfeife und Gartenschere in den Wandersack.

Ach wenn nur diese abscheuliche Müdigkeit nicht wäre!

Wo sind sie, diese eisernen Kniekehlen, von denen ich doch stets in Romanen und andern schönen Schriften gelesen habe? Hol sie der Kuckuck, die Romane und schönen Schriften meine ich, denn schmerzlich spüre ich am eigenen Leibe, daß sie so unwahr sind, wie alle die Helden und Heidenjungfrauen, welche die papierenen Lügengewebe dem gläubigen Leser auftischen.

Wahr ist einzig und allein, daß ich müde bin, müde von dem dreieinhalbtägigen Marsche auf staubigen, sonnendurchglühten Landstraßen, die mir die Karte als reizvolle Wege durch erquickenden Waldesschatten, wonnige Sonnenpracht und belebenden Tannenduft, in verführerischer Falschheit vorgemalt hatte, und daß das gastliche Maulbronn noch zehn Kilometer entfernt seine ersehnten Schätze verborgen hält.

Und dort drüben liegt das badische Städtchen Bretten mit dem rauchgeschwärzten, rührend alten und vergangen aussehenden Bahnhofe, von dem lockend das kindlich fröhliche Pfeifen einer mittelalterlichen Lokomotive aus weiter Ferne herübertönt.

Ein liebliches weißes Dampfwölkchen steigt dort kerzengerade zum stahlblau glitzernden Himmelszelte empor.

Soll ich oder soll ich nicht?

In solchen Fällen versucht man das Orakel.

Es genügt ja schon der verloren im Staube liegende kantige Stein. Man stößt ihn mit der Stiefelspitze nach der dürftigen Eberesche am Straßenrande. Trifft der Stein den Stamm des Baumes, so muß ich gehen, wandern, marschieren, und sollten die Beine in den Leib sich laufen. Trifft man den Baumstamm nicht, so darf ich für den Rest des Weges den Zug benützen, der dort mit seinen eines neuen Farbenputzes nicht unwürdigen Kastenwägen in bedeutender Hitze auf eiserner Schiene einstweilen schlummernd des Zeichens der freudigen Abfahrt harrt.

O Verhängnis, der Stein fährt weit ab zur Seite, weit vom Baume, in das durstige Feld! Ich soll also nicht mehr wandern! Ich soll nicht! Das Schicksal, die Vorbestimmung will nicht und verbietet mir unzweideutig die Fortsetzung der geplanten Fußreise! –

Nun sitze ich in einem durch seine Einfachheit und Schmucklosigkeit so ungemein friedlich berührenden Wartestübchen auf langgestreckter Bank und habe Gelegenheit, Land und Leute der badisch-württembergischen Grenze in seinen diese wackere Einrichtung eines Wartestübchens benützenden typischen Vertretern kennen zu lernen, denn der Zug geht erst in fünfunddreißig Minuten, sofern der schweigsame Bahnsteigschaffner, der mir die Auskunft erteilt, recht behält.

Aber auch diese Hoffnung trage ich bald zu Grabe, denn die beiden Bäuerinnen mit ihren duftenden großen Körben voll Zwiebeln, Strickgarn und Weichkäse vermögen doch wohl nicht die Gattung darzustellen, und auch das an der anderen Wand mir gegenübersitzende Geschöpf, dieses hübsche Mädchen mit dem Buschkopfe – wohlverstanden, ich meine ihre Haartracht, sie trägt keinen Hut und hat ganz einfach das kurzgeschnittene volle Haar in einem Büschel oben auf dem Kopfe mit einem breiten Bande zusammengebunden, gerade wie man die Garben der Kornähre im Regenwetter aufrichtet – gehört nicht zur Gegend.

Diese Maid ist auf der Wanderschaft, wie ich selbst. Dies zeigt ihr ganzes Auftreten, das kurze Röckchen, die festen Stiefel, die nicht imstande sind, die zierlichen Füßchen abscheulich zu machen, der Wanderstab, der mir doch bloß zur Zierde zu dienen scheint, und vor allem der Rucksack, der mit seinen Riemen so unbarmherzig in die schönen, schmalen Schultern einschneidet.

Merkwürdig, wie aus geringen Dingen nicht selten zwischen Menschen, die sich nie zuvor im Leben sahen, Sympathien entstehen. Ich habe einen grünen Rucksack von zweifelhafter Farbenechtheit und sie, die Maid, hat ebenfalls einen grünen Rucksack von zweifelhafter Farbenechtheit!

Vielleicht stammt er aus demselben Laden desselben listigen Kaufmanns, dem ich den meinigen zu verdanken habe?

Schon ist die Sympathie gegeben, spannen sich unsichtbare Fäden zwischen zwei Fremdlingen, die in einem unscheinbaren Wartestübchen eines dürftigen Bahnhofes des badischen Landstädtchens auf harter Holzbank sich gegenübersitzen, denn auch das Mädchen sieht zuweilen mit einem flüchtigen Blicke zu mir herüber.

Ob es wohl auch eine rostige Gartenschere mit sich herumträgt?

Wenn nicht trotz dem geringen Ausmaße dieses Stübchens die Entfernung zwischen uns beiden zu groß wäre, so könnte ich einmal danach fragen und es wäre am Ende ein ganz guter Anknüpfungspunkt, aber es macht sich lächerlich, mit einer jungen Dame durch den ganzen Raum eines Zimmers hinüberzureden.

Neben mir auf der Bank hat sich jetzt ein alter Herr niedergelassen, der einen weißen Vollbart – er spielt ein wenig ins Grünliche, sollten die Bärte auch nicht ganz waschecht sein? – und den breitrandigen, unausgebürsteten Hut des Gelehrten trägt. Ferner trägt er eine Brille, die den Eindruck des Gelehrten verstärkt, und die unter dem Namen »Röllchen« berüchtigten, aus zu kurzen Aermeln des abgetragenen schwarzen Rockes herausfallenden Manschetten, ein untrügliches Kennzeichen des Gelehrten!

Ich bemerke, daß er mich dann und wann von der Seite scharf, aber nicht unfreundlich ansieht, als ob er etwas auf dem Herzen hätte oder ein Gespräch mit mir beginnen wollte.

Ich bin auf der Wanderschaft befindlich – wenn schon ich jetzt als ein Abtrünniger schofler Weise die Eisenbahn zu benützen gesonnen bin – um ein mittelalterliches Kunstdenkmal zu besuchen und unterwegs die Sitten und Gebräuche, das Wesen und die Sprache fremder Völkerschaften zu studieren, aber ich gestehe, daß mich die junge Dame mir gegenüber allmählich mehr zu interessieren beginnt als die einheimischen Bauernweiber.

Was dieses Mädchen für seltsame Augen hat! Wirklich helle, schimmernde Nixenaugen. Und dieses drollige Stumpfnäschen, das drollige Fischmäulchen in dem zarten, feinen Gesichte!

Aber trotzdem hübsch, sehr hübsch!

Und rassig.

Macht es nur diese absonderliche Haartracht, daß ich mich des Gedankens des Kobolds im Sommernachtstraum nicht erwehren kann?

Oder sieht sie mehr einem hübschen Hexlein, einem Schrättlein gleich?

Gewiß machen es diese sonderbaren Augen, die zuweilen fast grell leuchten, wie bei einem zierlichen schwarz-weiß gefleckten Kätzchen.

Die Augen sehen mich übrigens nicht sehr freundlich an, ich müßte es lügen. Und ich bin kein Lügner. Eher spöttisch als freundlich, denke ich, und mit einem leichten Anfluge von Verachtung.

Wenn das Ding mir gegenüber ein Hexchen ist, weiß es vielleicht, wie ich das Orakel mit dem Steine befragte und daß ich dabei mit Vorsatz den Stein an der Eberesche vorbeigestoßen habe. Das ist wohl möglich.

Der Gelehrte neben mir hat mich wirklich angesprochen.

Ich bin ein guter Menschenkenner, dieser alte Herr ist tatsächlich ein Gelehrter. Jeder andere hätte vom Wetter angefangen, oder von der unmenschlichen Hitze in oder außerhalb dieses Wartestübchens und von der mangelnden Aussicht auf Regen, oder wenigstens von der Schönheit des Sommers, daß heute kein Lüftchen gehe und daß sich kein Wölkchen am Himmel zeige.

Es gibt ja tausend Möglichkeiten, in dieser Weise ein Gespräch von allgemeinem Interesse herbeizuführen. Dieser alte Herr aber fragt mich direkt, ob ich nicht auch an die Wiedergeburt des Menschen, an das Karma glaube.

Ich sagte, manchmal glaube ich daran und manchmal wieder nicht. Ich sei auch einmal in der algebraischen Aufgabe durchgefallen.

Ich hätte das nicht sagen sollen. Denn alsbald schickte sich der alte Herr an, mich zu belehren, er ging mir mit Vernunftsgründen und mit anderen Gründen zu Leibe, überschüttete mich mit Beweisen jeder Art. Ob es mir nicht selbst schon zuweilen vorgekommen sei, als hätte ich dieses oder jenes schon einmal erlebt, aber in anderer Gestalt und unter anders gestalteten Menschen?

Das Hexchen mir gegenüber hört alles, obwohl es tut, als kümmere es sich nicht um unser Gespräch, blitzt mich mit seinen glänzenden Augen schadenfroh an, verzieht das reizende Fischmäulchen zu einem heimlichen Lachen.

Während ich diese Beobachtung mache, höre ich neben mir unaufhörlich die eintönige Stimme des alten Herrn. – Ob es mir nicht schon öfters so vorgekommen sei, daß mir, wenn ich mit einem Menschen zusammentreffe, von dem ich gewiß wisse, daß ich ihn zum ersten Male im Leben sehe, wie eine Erinnerung der Gedanken auftauche, ich sei mit diesem Menschen in uralter Zeit schon einmal zusammengewesen, habe mit ihm gesprochen, sei ihm als Freund oder als Feind gegenübergestanden?

Wahrhaftig, schon beginne ich zu glauben, dieses schillernde Nixchen dort drüben blinzle mir zu, als wollte es sagen: Erinnerst du dich denn nicht mehr? Damals vor zweitausend Jahren an den Ufern des Federsees? Du hattest ein solch' drolliges altes Bärenfell umgehängt?

Gestehen Sie, macht der Mann zu meiner Rechten weiter, wir treffen hin und wieder auf ganz überraschende Aehnlichkeiten, hier einen Cäsar, dort einen Nero, einen Großen Kurfürsten, einen Napoleon? Wie erklären Sie sich diese absonderliche Vorliebe, die wir zuweilen für eine Idee, das Schrifttum längst verstorbener und vielfach vergessener Autoren haben, eine Vorliebe, die so weit geht, daß wir mit Leichtigkeit ihren Stil, ihren Gedankengang nachahmen? Wie erklären Sie sich vollends die Tatsache, daß manchmal Menschen von heute genau dieselben Vorstellungen besitzen, dieselben Schlußfolgerungen ziehen, dieselben Ziele und Bestrebungen mit denselben Mitteln verfolgen, einfach in ihrem ganzen geistigen Leben identisch sind mit längst verstorbenen Persönlichkeiten, von deren Dasein sie nicht einmal Kenntnis hatten?

Mir wird schwül, unheimlich zu Mute. Und wie ist es auch möglich, sich in die tiefsten Tiefen des menschlichen Denkens zu vertiefen, wenn von der andern Seite lustige, spöttische, schillernde und höchst merkwürdige Nixenaugen herüberleuchten? Da hole der Teufel die ganze Lehre von Karma und Wiedergeburt, wenn man fortgesetzt in seinem Denken von einem boshaften Hexchen aus dem Konzept gebracht wird!

Ich bemerke wohl, der alte Herr sieht mich mißbilligend von der Seite an. Er scheint gekränkt.

Vielleicht habe ich etwas Dummes gesagt, ich weiß nicht, aber das weiß ich, daß mir dieser alte Herr allmählich recht lästig zu werden beginnt, weil er mich hindert, mich weiter in diese Nixenaugen zu vertiefen.

Plötzlich geht die Türe auf, und der schweigsame Schaffner erscheint auf der Schwelle. »Der Zug nach Maulbronn-Oetisheim-Mühlacker hat 45 Minuten Verspätung!«

Nicht wie und was, wo und warum!

Einem Schatten gleich ist er verschwunden.

Eine allgemeine Entrüstung erhebt sich. Wir sind im ganzen fünf Personen, und ist deshalb erlaubt, von allgemeiner Entrüstung zu reden. Hätte der Mensch gesagt, daß diese Verspätung die Folge eines großen Eisenbahnunglücks, eines Schienenbruchs, eines Brückeneinsturzes sei, wir hätten alles mit Geduld hingenommen, aber uns in der Ungewißheit zu lassen, warum der Zug nach Maulbronn 45 Minuten Verspätung hat, das muß unsere Empörung herausfordern.

Das Mädchen mit den Nixenaugen, wie ich es nun schon einmal getauft habe, erhebt sich mit sichtlichem Unwillen, reckt sich, bringt den grünfleckigen Rucksack in eine bequemere Lage und schickt sich an, das Wartestübchen in der Richtung gegen die Stadt zu verlassen.

Ich sehe noch, daß sie mir einen schlimmen, verächtlichen Blick zuwirft.

Zweifellos macht mich die junge Dame für die Verspätung verantwortlich und mißt mir die Schuld bei. Was weiß ich, welche tollen und unentwirrbaren Gedanken solch ein hübscher Mädchenkopf auszuspinnen vermag?

Sie geht, sie geht, bei Gott, zu Fuß weiter, denke ich und behutsam schicke ich mich an, den alten Herrn darauf vorzubereiten, wie ich ebenfalls gesonnen sei, dieser nichtswürdigen Eisenbahn einen schlimmen Streich zu spielen und gleichfalls den Weg unter die Füße zu nehmen.

Aber er hat schon meine Absicht erkannt und hält mich am Aermel fest. Unaufhörlich fließt der Strom seiner eindringlichen Beredsamkeit, unerbittlich überhäuft, überschüttet er mich mit seinen Lehren von der Wiedergeburt, unbarmherzig, wie die Spinne eine Mücke, umspinnt er, verstrickt er, umwickelt er mich mit den Fäden seiner unheimlichen Theorien.

»Glauben Sie mir, junger Mann,« sagt er ...

Das ist zu viel! Ich bin fünfundzwanzig Jahre alt, Doktor der Philosophie, promoviert in Heidelberg, denke nicht selten an das Heiraten, und er nennt mich einen jungen Mann!

Nein, alles, was erlaubt ist! Ich stehe auf und schüttle ihn ab. »Entschuldigen Sie, ich habe Eile!«

Er sieht mich durch seine Brillengläser, die nach meiner Schätzung elf bis zwölf Tage nicht mehr geputzt worden sind, mit Erstaunen und deutlichem Tadel an, dann leuchtet ein Strahl des Verständnisses – das aber gänzlich falsch ist – in seinen Augen auf und er krümmelt sich in die Ecke der Bank.

Mag er von mir denken, was er will, ich bin frei. Tiefaufatmend trete ich vor den Bahnhof hinaus, sehe die lange und langweilige Allee, die zur Stadt führt, vor mir und meine Blicke suchen nach dem Hexchen.

Verschwunden! Verschwunden!

Verschwunden wie eine echte und richtige kleine Hexe, wie eine wunderliebende kleine Fee, wie ein Irrlicht, wie eine Elfe Uranias!

O du teuflischer alter Mann mit deiner törichten Lehre! Siehe, jetzt habe ich den Schaden!

Mit bewölkter Stirne und scharf äugend – aber gleichwohl ohne Erfolg – in dem Bestreben, einen gewissen drolligen hübschen Mädchenkopf mit einer ganz unmöglichen Garben-Haartracht wieder zu entdecken, schreite ich beflügelten Fußes und jede Müdigkeit vergessend unter alten Platanen zur Stadt.

Verschwunden ist sie, verschwunden!

Grollend gehe ich die endlos scheinende Straße. Wer dich erbaute, o gute Stadt, dem mag an der Wiege die Göttin Langeweile Pate gestanden sein!

Mein zürnender, unbefriedigter Blick fällt im Vorbeistürmen auf ein ehernes Fürstenstandbild, bestehend aus einem entsetzlich unmodernen Radmantel und einem großen Helmbusch, ich lese die Inschrift eines Hauses, welche Schillers Flucht vermeldet – er flüchtete sich, um nicht in dieser Atmosphäre der Langeweile zu sterben – und eine zweite, der Geburt Philipp Melanchthons gewidmet.

Sei ein Städtchen auch noch so trist, ein berühmter Mann dort geboren ist!

Den reichlichen Staub von den Füßen schüttelnd, strebe ich voran, denn schon erkenne ich nicht allzu ferne das wackere Städtlein Knittlingen.

Ich fasse meinen Eindruck in dem Rate, der späteren Geschlechtern und schönheitsdurstigen Wanderern gewidmet sei, zusammen: Cave Knittlingen!

Zu spät erkenne ich, daß ich mir die Mühe, den Staub des badischen Städtchens von den Füßen zu schütteln, füglich hätte ersparen können, denn reichlicher noch als dort höht sich hier im württembergischen Knittlingen der weißlichen Staubschicht unwillkommene Menge auf dem sohlenbenagelten Stiefel.

O Knittlingen, warum hast du mir das angetan, daß ich dich sehen mußte!

Selbst der weihevolle Gedanke, daß hier die Wiege des hochberühmten Magiers Doktor Faustus gestanden sein soll, vermag mir schlechten Trost zu bieten, denn vergebens spähe ich umher, dieses nützliche, ehrwürdige Hausgerät aufzufinden.

Vielleicht gelingt es einmal einem, der nach mir kommt, der glücklicher ist im Finden!

O Fauste, wer vermöchte dir übel zu nehmen, wenn du dich der Schwarzkunst ergeben hast, deiner Phantasie bessere Nahrung zu schaffen, als diese deine Geburtsstadt dir jemals zu bieten vermocht hätte!

Doch siehe, in der Ferne ein liebliches Bild, der bewaldete Höhenzug, der mich noch von dem ersehnten Ziele meiner Wanderung trennt.

Bläulich schimmert der dunkle Kamm der alten Reichshalde, und rosige, goldgeränderte Wölkchen schwimmen in zarter Farbenpracht darüber hinweg. Und hast du erst die mühsame Bergwand erstiegen, so winkt dir oben ein reicher Lohn, denn dort, ja dort zeigt sich dem trunkenen Blicke der gelobte Berg, der auf seinem sonnendurchglühten Rücken des Elfingers Wonne erzeugt.

Evoe! Evoe!

Schattender Buchenwald, düsterer Tannenforst nimmt mich auf, und plötzlich stehe ich da, entschwunden sind die Gedanken an Zeit und Raum, und drängend fordert die befreite Seele, die gewohnte Sprache des Alltags abzulegen und fürderhin reimend durch die schöne Welt zu ziehen.

Aber wehe dem, der den Alltag vergißt, denn bitter rächt er sich an dem übermütigen Toren. Da stehe ich wieder, inmitten der ragenden Tannen, die lächelnd über dieses Menschleins Armseligkeit leise die schwarzen Häupter schütteln.

Schwellendes Moos umschmeichelt die Füße und einzig der vielstimmige Chor jubilierender kleiner gefiederter Sänger unterbricht das heilige Schweigen dieses Edens.

Da stehe ich und weiß nicht mehr weiter, finde nicht Weg mehr noch Steg.

Heraus du geliebte bunte Wanderkarte, heraus aus dem grünlichen Rucksacke! Nun ist es an dir, dem Irrenden trefflichen Rat zu erteilen, ihn aus den lockenden Schlingen des trügerischen Zauberwaldes zu ziehen.

Befriedigt stecke ich die Karte wieder ein, weil ich die ehrliche Treue meines Freundes Pankraz aus ihr erkenne, der schon zu Beginn meiner Wanderung mit warnendem Ernste mir, dem leichtsinnig Hoffenden, die Voraussagung gab, niemals werde ich aus dieser Karte den richtigen Pfad, der zum Ziele führe, erforschen.

Aber bin ich denn nicht schon in Maulbronner Gebiet? Ist es nicht so, daß demnächst unter den rauhrindigen Bäumen die hohe Gestalt eines langsam einherwandelnden Cisterzienserbruders erscheinen wird, mich auf den rechten Weg zu bringen?

Sieh dorthin, da kommt er schon! Weiß schimmert sein Gewand in dem hellen Grün des grasbewachsenen Waldweges! Ach nein, verschwunden sind ja doch seit 400 Jahren aus dieser Gegend die Mönche und was mir dort entgegenkommt, ist nur ein altes Weiblein mit Kopftuch und dürftigem Leinengewand, dessen Weiße schwindet, je näher die Trägerin kommt.

Doch gleichviel, ob Mönch, ob Weiblein, oder Zauberin Waldtrudis, es ist ein Menschenkind, das mir willkommene Auskunft erteilt, und fröhlich, lustig, wohlgemut pilgere ich durch geheimnisvolle Waldgründe und lauschige Verstecke.

Schon lichtet sich's und jetzt, o gütige Sonne, hier stehe ich auf freier, rasenbedeckter Bergkuppe und sehe hinunter in das liebliche Wiesental, die fröhliche Aue, in der die sauberen, schmucken Sandsteinhäuschen Maulbronns zerstreut daliegen, als hätten Kinderhände die farbige Spielschachtel entleert, es dehnen sich die weiten, sanften, träumenden Wälder zur Linken, die sonnigen Rebenhügel zur Rechten, und da ist vor allem auch er, dem heute mein Lobgesang gilt, des heiteren Dionysos ureigenstes Erbe, der sagen-, lied- und weinfrohe Elfingerberg.

Juchhei, wie ist die Welt so schön,
es strahlt der blaue Himmel,
im Holze schallt der Vöglein Sang
und unten tönt des Glöckleins Klang
in fröhlichem Gebimmel.
Juchhei, wie ist die Welt so schön,
man sagt, sie tät nichts taugen,
ich liebe diese schöne Welt,
und hab ich weder Gut noch Geld,
hab ich doch meine Augen.
Die halt ich offen, hell und klar,
sie sehen vieles offenbar
im rosenroten Lichte.
Was hilft das Klagen, das Gestöhn?
Juchhei, die ganze Welt so schön,
reimt mir sich zum Gedichte!

Wie sitzt man so behaglich weich auf grüner Matte am steilen Bergabsturz und läßt die müden Beine zu Tale hängen!

Hätte ich in meiner Kindheit die Kunst gelernt, Holunderpfeifen zu fertigen, so würde ich mit ländlicher Schalmei mein Feiertagslied unterstützen können, es rächt sich bitterlich jede Versäumnis der Jugendjahre.

Doch horch, vom Tale mahnt zitternd in glitzernder Luft der Schlag der Turmuhr: Komm, o Freund, o komm herab, sieh an die klösterlichen Schätze, die in der sinkenden Sonne dir ausgebreitet liegen.

Ich werfe den Rucksack über die Schulter, freue mich in dem Gedanken, daß der Mensch, so er nur will, immer noch aus dem Schlechten das Gute herauszusuchen vermag, über die breiten Lederriemen, deren gelbe Farbe noch frisch und neu von dem regenschützenden Lodengewande absticht, pflücke zum letzten Male ein Tannreis für das wiederum aus dem lockeren Hutbande Verlorene und nehme zwei Zweigchen als Vorrat, denn bis zum Fuße des Klosterberges sind es nach meiner Schätzung noch mehr denn hundert Meter, mag also noch manches Reis verloren gehen, und wer wollte als ein richtiger Wandersmann mit schmucklosem Hute am Ziele ankommen?

Heilige Lust ergreift mich, da ich über das schwere Zwingerbrückchen durch ein ernstes, wuchtiges, wehrhaftes Turmtor schreite. Nicht Wein, nicht Speise, nicht Weib noch Lautensang bewegt mein Sinnen, denn im Innern ist alles lauterer Orgelklang und nur die nichtswürdige Gartenschere in meinem Rucksack dämpft den Ueberschwang meiner Gefühle durch leisen, heimtückischen Druck an empfindlicher Stelle.

Juble, mein Herz, jetzt bist du aufgenommen im uralten Klosterfrieden, denn dein Herr, er wandelt im Umkreise der wettergrauen Giebelhäuser, beim Rauschen des strömenden Brunnens, in den schon die kletternden Kinder der Ahnen und Urahnen hineingefallen und von erzürnten und jammernden Müttern wieder herausgezogen worden sind, zwischen hundertjährigen Linden von riesigem Wuchse, deren Blätterdach abertausende von Bienlein summend durchschwärmen, in dem weiten zwingergeschützten Hofe einer ehrwürdigen Cisterzienser-Abtei!

Ein freundlicher, höflicher, zutraulicher Mann geht mir zur Seite.

Welch' ein Charakterkopf! Wie spähen seine neugierigen Aeuglein scharfblickend nach rechts und links in die Ferne, um etwas zu erhaschen, was vergnüglich wäre zu sehen, wie schreitet er in geschäftiger Eile neben mir her, was weiß nicht alles der redegewandte und sagenfrohe Mund zu erzählen!

Die Brunnenkapelle im Kloster Maulbronn.

Es ist des Klosters Mesner und mein Führer, der mir die Schätze erschließt, meinen unkundigen Augen mit weisender Hand, bald hier, bald dort, ungesehene Herrlichkeiten offenbart, in Scherz und Ernst niemals versagend Rede und Antwort steht, so oft ich, trotz Paulus und seinem Buche, als ein Unwissender des Fragens kein Ende finde.

Schon eine Stunde ist vorüber, seit wir zusammen durch die Halle des Paradieses eingetreten sind und der Refektorien herrliche Pracht, der hohen Kreuzgänge feierliche Stille, der zierlichen Brunnenkapelle Wunderbau, der Klosterkirche heilige Schönheit durchschritten haben. Hinter uns liegt die Höllentreppe, die in solch bewundernswürdiger Kunst im Reiche seiner satanischen Majestät kaum aufzufinden sein dürfte, das Grausen der Geißelkammer, hinter uns der tropische Reiz des berückend stillen, säulenumschlossenen Klostergartens, und immer neue Türen schließt der emsige Begleiter auf.

Das Paradies im Kloster Maulbronn.

Müde wird das Auge, müde der Fuß, aber nimmer müde die träumende Phantasie, und unermüdlich ist auch mein zutraulicher, gelehrter, gesprächiger und scherzhafter Führer. Aber da doch alles ein Ende nehmen muß, so verlassen wir durch das ansehnliche, erkergeschmückte Abtshaus die geweihte Stätte, um noch zuguterletzt in schnellgeschlossener Freundschaft einen abendlichen Rundgang um das weitgedehnte Kloster zu unternehmen.

Sieh her, man glaubt in einem anheimelnden alten Burghofe zu stehen! Wuchtig erhebt sich vor uns mit seinen herrischen Türmen das alte Jagdschloß, aber friedlich und stille plätschert unter herrlichen Tannen der Hofbrunnen. – »Ganz richtig,« sagt der Führer, »ein Jagdschloß ist's. Vor mehr als 300 Jahren erbaute es der Herzog Ludwig von Württemberg. Nun sitzt der Herr Landrat drinnen. Und merkwürdig, alle die Herren, die ich mir denken kann, waren gar gewaltige Nimrode. Das kommt wohl davon! Doch will ich nichts gesagt haben, der jetzige ist ein freundlicher, leutseliger Herr, mit dem wir wohl zufrieden sind.«

Wehrhaft waren die wackeren Mönche, so streitbar, wie sie fleißig und kunstsinnig waren, denn von außen gleicht der Gottessitz mit Türmen und Mauern, Zwinger und Wehrgängen gar sehr und viel einer kriegerischen Feste, einer wohlgerüsteten Burg, und böse Stürme sind auch über diese starken, strebengestützten Wände im Lauf der Jahrhunderte hinweggebraust.

Aus Urwaldwildnis erhebt sich in entzückender Anmut ein seltsam geformter Turm.

Der Maulbronner Faustturm.

»Das ist der Faustturm,« sagte der Mesner. »Selten werden Sie etwas Aehnliches sehen. Die Stübchen dort oben sind zerfallen und baufällig geworden, aber wunderhübsch wäre darin zu wohnen. Vor vier Jahrhunderten hat sie der Abt Johannes Entenfuß dem Doktor Faustus zur Wohnung angewiesen, bevor ihn der Teufel geholt hat. Ich meine natürlich den Doktor Faustus, denn der Abt Johannes Entenfuß war ein gar gottseliger Herr. Aber das verlangte Gold hat er doch nicht fertig gebracht, der Doktor Faustus, so gelehrt er war und so vielerlei Schwarzkünste er auch verstand.«

»Ich weiß, ich weiß,« sagte ich, froh, endlich auch einmal meine Belesenheit zeigen zu können, »im Winterrefektorium zu Maulbronn in dem Kloster.«

Der Mann lächelte. »Es freut mich, daß Sie das sagen,« meinte er vergnügt.

Das Laienrefektorium im Kloster Maulbronn.

Seine Heiterkeit machte mich betroffen. »Wie so?« fragte ich kleinlaut.

»Sehen Sie,« erwiderte er, »bis jetzt haben noch alle Herren, denen ich den Faustturm gezeigt habe, die beiden ersten Strophen des Scheffelschen Liedes zitiert. Ich fürchtete schon, Sie könnten eine Ausnahme machen,« setzte er schalkhaft hinzu. »Dieses Gedicht Scheffels kennen alle, ob sie von Nord oder Süd hierher kommen, aber das wissen die wenigsten, daß der Faustturm für Viktor von Scheffel der Anlaß geworden ist, seinen Ekkehard zu schreiben.«

Ich sah meinen Führer erschrocken an, denn nachdem ich zuvor seine bewundernswerte Geistesfrische, seinen Verstand und seine Gelehrsamkeit angestaunt hatte, glaubte ich plötzlich eine bedauerliche Schwäche und Anzeichen von geistiger Störung zu entdecken, die in einer Verwechslung des Faustturmes mit dem Hohentwiel zutage trat.

Der Führer las mir alles an den Augen ab. »Es ist doch so,« sagte er lustig. »Unser Dichter Scheffel war nämlich entschlossen, hier seinen Klosterroman zu schreiben und er hatte sich dazu das Stübchen im Faustturme ausersehen, aber mit des Geschickes Mächten ist kein ewiger Bund zu flechten. Er erhielt zwar von dem poesieverständigen Ephorus, wie der Vorstand des theologischen Seminars heißt, das die Stelle der Klosterschule eingenommen hat, gerne die Erlaubnis, den Faustturm zu beziehen, aber die Frau Ephora kam dazwischen und warf ihr mächtiges Veto ein, da sie das Stübchen gerade zum Aufhängen der Wäsche benötigte. Scheffel reiste in grimmigem Zorn ab und der Maulbronner Roman blieb ungeschrieben. Dafür entstand der Ekkehard.«

O Jammer und Not! An Kleinigkeiten geht die Welt zugrunde und wiederum welterschütternde Dinge nehmen ihren Ursprung vielleicht in einem Mückenstiche!

Mit bedenklichem Schütteln des Kopfes verlasse ich samt meinem treuen Begleiter die zauberische Wildnis des Faustturmes und wir schreiten auf schmaler, halsbrecherischer Zwingermauer zurück zum Fuße des Klosterberges, wo ein mächtiger, vierschrötiger Turm aus massiven Sandsteinquadern mit seinem von einem Storchenneste gezierten Helmdache herrisch herüberdräut.

»Der Hexenturm,« sagt mein Begleiter.

Der Name erweckt meine Neugier. Unheimlich ist er anzuschauen, der finstere Turm, als stecke er bis zum geschwärzten Ziegeldache voll schlimmer Geheimnisse.

»Es spukt also in diesem Turme?« frage ich mit der widerlichen lüsternen Aufdringlichkeit des Vergnügungsreisenden.

Der andere schüttelt den klugen Kopf. »Wo spukte es nicht in Maulbronn? Und spukt es nicht zu allermeist in dem Hirn des Menschen? Daß sich dieser Turm durch einen besonderen Spuk auszeichnete, habe ich selbst bis dato noch nicht gehört.«

»Aber der Name, der Name?« dränge ich erregt. »Woher soll denn der Name kommen, falls der Turm keine Geschichte, keine Sage hat?«

»Das schon, Herr Doktor. In diesem Turme war einst ein schönes junges Hexlein eingesperrt. Zuvor hielt man das Elzlin allerdings nicht für ein solches, sondern es war das holde, liebe und hurtige Kind des Klosterhörigen Wendelin Flachskopf. Aber einer der jungen Cisterzienserbrüder verliebte sich in das lockige Haar, in die mutwilligen Augen und das runde Gesicht des Dirnleins, und da er eine unheilbare Wunde im Herzen davontrug, so hieß es alsbald, das Elzlin ist eine Hex und wurde es, wie es in jener bösen Zeit so der Brauch war, in diesen schrecklichen Turm gesperrt und hatte das Mägdlein jedenfalls nichts anders verbrochen, als daß es ein hübsches Ding war und vielleicht einmal verliebte Augen an den jungen Mönch gemacht haben mag. Das Elzlin sollte also auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden und habe man sein jämmerliches Weinen bis herüber zum Ratskeller Tag für Tag hören können. Aber in der Nacht, vor man es wollte verbrennen, ist es plötzlich still geworden, und als man nach dem Hexlein schaute und die wohlverriegelte Tür des Turmstübchens öffnete, war der Vogel ausgeflogen.

Die Maulbronner Klosterkirche.

Der Leibhaftige hat ihr geholfen, hieß es natürlich sogleich, aber – der Erzähler lächelte gutmütig verschmitzt – meine Ansicht geht dahin, es ist weniger der Teufel im Spiel gewesen, als der Bruder Aribert, oder wie er sonst geheißen haben mag, selbst. Ihn wird das holdselige Geschöpf gedauert haben, denn wie gegen den Tod, so ist auch gegen die Liebe kein Kräutlein gewachsen und mancher, der in jungen Jahren ins Kloster gekommen ist, mag in verzweifeltem Herzen diese Erfahrung gemacht haben. Und schwer ist es wohl auch nicht gewesen, das Elzlin herauszulassen, denn so kunstverständig die Mönche gewesen sind, so wenig haben sie es verstanden, künstliche Schlösser zu machen. Ein Schlüssel wie der andere macht alle Türen auf. Ich meine nicht das Gold, lieber Herr,« fügte er hinzu, als er meinen verständnisinnigen Blick bemerkte, »es ist buchstäblich zu verstehen. Sehen Sie, hier kann man sogar das Schloß mit der Hand aufmachen.«

Ein böser Gedanke durchzuckte mich, und ich sah arglistig zur Seite. »O weh,« sagte ich, »was mag das arme Elzlin ausgestanden haben, bis der rettende Engel gekommen ist. Noch heute dauert es mich von Herzen. Aber weil die Geschichte gut ausgegangen ist, bin ich auch wieder ausgesöhnt mit diesem alten finsteren Gesellen hier. Mit dem Turm ist es, wie oft mit den Menschen: Hinter der gerunzelten, finsteren Stirne verbirgt sich manchmal ein harmloses Gemüt. Man soll nicht nach dem Schein urteilen.«

Langsam wandeln wir, dem Zwinger entlang, dem Ausgangspunkte zu, dem blöckischen und doch so reizvollen Klosterhoftore.

Das Klostertor in Maulbronn.

Ein anmutiges Bild hält mich gefangen. Ich stehe betroffen. – »Schwind's Hochzeitsreise,« geht mir durch den Kopf. Hat Moritz von Schwind etwa hier den Gedanken zu seinem lieblichsten Werke geschöpft? Das ist ein Schmuckkästchen für sich, die Apotheke! Kann je eine solche reizender liegen, als diese hier, hinter dem Tore, halb versteckt hinter Baum und Klostermauer? Und sie hat ein hübsches Alter, seit 1767 besteht sie!

Langsam und sinnend trete ich unter das Tor. Doch mein Führer steht stille. »Nun wären wir zu Ende,« sagte er. »Zwar gibt es in Maulbronn noch mancherlei zu sehen. Da sind die großen Steinbrüche. Im ganzen Lande und weit darüber hinaus finden Sie den Maulbronner Sandstein. Auch Ihr Landestheater« – der Mann hält mich offenbar für einen Stuttgarter – »ist aus Maulbronner Sandstein erbaut.«

Der Klosterhof in Maulbronn.

»Aber sonst haben Sie keine Industrie hier? Man sieht ja, Gottlob, kaum einen Schlot!«

»Nicht doch, mein Herr,« gibt er eifrig zur Antwort, »bei uns regt es sich. Da steht über dem Stadtbahnhof, nebenbei gesagt, werden Sie im ganzen Lande keinen hübscheren Bahnhof finden, die neue und stattliche Fabrik. Dort machen sie feine Spezialwerkzeuge. Und unten im Tale ist das große Aluminiumwerk ...«

»Halt ein, halt ein, mein Guter, nicht nach Industrie geht ja mein Sehnen! Die Poesie dieses Städtchens ist es, die es mir angetan hat!«

Doch der redselige Mann läßt sich nicht beirren. »Dann gehen Sie vor allen Dingen auf den Silahop, ein köstliches, lauschiges Plätzchen, mitten in der Stadt ...«

»Silahop? Woher dieser sonderbarste aller Namen?«

»Ja, wenn ich das wüßte!« Der Mesner lächelt. So heißt er nun einmal, dieser Hügel. Vielleicht war er einst eine alte heidnische Opferstätte. Aber jetzt ist es angenehm, droben zu sein, und schön. Von dort übersehen Sie das ganze Tal und sogar den Aalkistensee, vor allem aber auch den Klosterhof. Und dann die vielen neuen und roten Dächer! Wissen Sie,« setzte er leiser hinzu, »unser Stadtoberhaupt ist ein rühriger, umsichtiger Mann! Wenn überall so gebaut würde, wie in Maulbronn, so hätten wir längst keine Wohnungsnot mehr in unserem lieben deutschen Vaterlande. – Ich könnte Ihnen noch vieles nennen, denn an malerischen Punkten sind wir hier reicher, als anderswo, aber das zu zeigen, ist nicht meines Amtes, denn ich bin bloß für das Kloster bestellt ... Und hier ist auch meine Behausung.« Er wies auf das kleine im Toreingang angebrachte vielfenstrige Puppenstübchen. »Wenn Sie eintreten und meine kleine Heimat sehen wollen – es ist auch ein Stück des Klosters – so wird es mich freuen.«

Gerne folgte ich der herzlichen Einladung, und jetzt erst begriff ich den Ursprung des Sprichwortes »Mit der Türe ins Haus fallen«. So bald mein Führer die Türe des Mesnerhäuschens öffnete, stand ich von der Straße aus mit einem einzigen Schritte in seiner Mitte. Schiller muß das Maulbronner Mesnerhäuschen eingesehen haben. – Raum ist in der kleinsten Hütte, für ein glücklich liebend Paar, hätte ich gar zu gerne angeführt, denn durch die offene Zwischentüre erblickte ich sogleich auch das Schlafgemach des Mesners mit zwei Bettlein klein, die, so winzig sie waren, dennoch das ganze Stübchen ausfüllten. Sollte einmal in späterer Zeit ein Langgewachsener das Mesneramt bekleiden, so wüßte ich nicht, wie er hier ungekrümmt schlafen sollte, es sei denn, er strecke die Beine ein wenig zu den Zwingerfensterchen heraus. Allein ich unterließ es, die abgegriffene Münze eines Zitates klingen zu lassen, denn ich dachte an meinen mißglückten Versuch, dem Guten durch meine Kenntnis des Scheffelschen Liedes zu imponieren.

O dieser schlaue Maulbronner mit seinem freundlichlistigen Charakterkopfe!

Nun weiß ich, warum er mich in diese Mäusefalle seiner zierlichen Behausung gelockt hat!

Nein, nein, es ist nicht Geld, der alte Knabe strebt höher!

Seinen Obulus hat er schon vordem empfangen und ohne Zögern eingestrichen, und er würde gekränkt sein, wenn ich noch einmal nach der Geldtasche greifen würde.

Schon hat er ein dickes, artig gebundenes Buch aus der Schublade genommen, und mit unwiderstehlicher Freundlichkeit bietet er es mir dar.

»Sind Sie so liebenswürdig, Herr Doktor! Wer meine Häuslichkeit betritt, wird nicht eher wieder frei, als bis er mir ein Andenken in diesem Buche hinterlassen hat, irgend einen frischen, fröhlichen Spruch, gereimt oder ungereimt ... ausgenommen ist nur das Scheffelsche Maulbronner Lied,« fügte er mit heiterem Schmunzeln hinzu, »denn es möchte gar zu oft als Lösegeld gebraucht werden.«

O wie gut, daß mich der Maulbronner Waldgeist schon heute mittag gezwungen hat, nach Reimen zu haschen!

Ich setze mich an das altmodische Puppentischchen und nehme die willig dargebotene Feder.

Ist ein Städtlein klein,
so lieblich und fein
zwischen Berg und Hügel im Sonnenschein,
ward der Welt entführt
und nicht aufgespürt,
die Jahrhunderte ließen es unberührt.
Nun die Lerchen singen
und die Brünnlein springen,
da hebet sich an ein klösterlich Klingen
wie von alten Tagen
und von Mären und Sagen,
wie ein Orgelton von den Lüften getragen.
In der Morgenluft
quillt der Blumenduft,
wo die Rose erblüht aus Moder und Gruft,
und das Auge gewahrt,
wie Spinnweb so zart,
ein nadelspitz Türmchen besonderer Art.
Und aus Mauern so alt
ein Requiem hallt,
es spricht zu den Herzen mit Himmelsgewalt:
Glückselig hienieden
der Mensch, dem beschieden
aus den Stürmen der Welt seines Herzens Frieden.

Mein lieber Hauswirt liest und klappt anscheinend befriedigt das Buch zu. Er schüttelt mir die Hand. »Meinen Dank, bester Herr Doktor, und kommen Sie einmal wieder nach Maulbronn, so steht der Mesner Schempf zu Ihrer Verfügung. So Gott mir noch einige Jährlein schenken will auf dieser schönen Erde,« fügte er fromm und heiter hinzu.

Mit herzlichen Abschiedsworten verließ ich meinen neugewonnenen Freund.

Nach so vielen geistigen Genüssen, nach so viel Wunder und Schönheit für Herz und Gemüt fordert der Leib des schwachen sterblichen Menschen sein Recht, und hochgemut sitze ich in kleinbürgerlicher Gaststube.

»Elfinger her, verehrter Herr Wirt, Elfinger auf diesen Tisch!«

»Sehr wohl, mein Herr,« erwiderte dieser höflich. Ist es Zufall oder ist es der Typus der in diesem Eden wohnenden Menschen? Schlau blitzen des Wirtes Augen, doch redlich und gutmütig ist sein Gesicht, während er den goldgelben blinkenden Wein vor mir niederstellt.

Man ißt und trinkt gut hier in Maulbronn, ist meine nächste Beobachtung, während ich mit Behagen den Imbiß einnehme.

Gesegnet bist du, Maulbronn, unter allen Nestern und Nestchen des Schwabenlandes!

Wer hat das Recht zu schelten, mir den hämischen Tadel des Sybariten aufzubürden, scheel zu sehen, während ich genieße?

Ich schlürfe und prüfe, prüfe und schlürfe den blumigen Trank, bald mit Schlückchen, bald mit Schlucken, denn jeweils mundet dieser Wein anders.

Aber gut schmeckt er immer.

So mag einst Viktor von Scheffel, der Meister, den ich verehre, auch hier gesessen sein und kostend und prüfend, schluckend und zechend die Eingebung zu seinem von mir schon mehr, als recht ist, erwähnten Maulbronner Klosterlied erhalten haben.

»Elfinger her, Herr Wirt! Vom gleichen! O lassen Sie einen lechzenden Wanderer nicht verdursten!«

Wer wagt, zu mäkeln und zu kritteln? Ich, Cornelius Heidelob, Doktor der Philosophie, graduiert in Heidelberg, bestreite jedem das Recht dazu, ich bestreite seine geistige Größe, so er es dennoch tut, ich bestreite überhaupt alles, denn schon beginnt der Zauber des Elfingers einigen Einfluß auf mein sonst ruhiges und friedliches Gemüt auszuüben.

Die Sonne ist hinter dem gelobten Berge verschwunden, ein goldener Streifen glüht noch über seinem dunkelbewaldeten Kamme, und prächtig scharf hebt sich vom silbergrauen Abendhimmel das einsam auf dem Gipfel des Berges stehende Elfinger Haus.

Nun wird es Zeit aufzubrechen, die arglistig geplante und doch so verführerische Tat zu vollbringen.

»Herr Wirt, noch zwei Flaschen, eine links, eine rechts! Ich nehme sie mit.«

Der Wirt, er schmunzelt, als hätte er Verdacht, als hätt' er Verdacht auf die ... Das vermaledeite Zitieren und besonders, wenn es falsch ist!

Ist das Nebenwirkung dieses edlen Tranks?

Laß ihn schmunzeln, den Wirt, ich schmunzle auch, als er die beiden verkorkten Flaschen mit freundlichem Anstande auf den Tisch stellt.

»Sie wollen noch weiter, mein Herr? Ich würde Ihnen raten, Quartier zu nehmen, der letzte Zug ist vor einer halben Stunde abgefahren. – Wir haben hier keine Nachtzüge,« fügte er entschuldigend hinzu.

Ich lächle überlegen. Wie wenig vermag dieser Listige, Schlaue meines Geistes Flug zu folgen. O nein, o nein! Was schert mich die gräßliche Prosa einer modernen Eisenbahn mit ihrem stets verkehrten, nüchternen Fahrplane? Im Bette schlafen ist keine Kunst, im Bette schnarcht der träumende Philister! »Herr Wirt, merken Sie sich das! Im Winde, die Linde ...«

Ich weiß nicht, was ich alles in meiner unbegreiflichen Zitiersucht – sonst bin ich nämlich nicht so, jetzt weiß ich, wer die Schuld trägt, Bacchus, Dionysos ist's! – in meinem abscheulichen Sentenzentrieb preisgebe.

Sorgsam geleitet mich der brave Wirt zur Türe. »Nehmen Sie sich in acht, mein Herr, die Nächte in Maulbronn sind sehr kühl. Das Haus wird um 11 Uhr geschlossen, und im Hofe ist der Hund los. Aber wenn Sie später doch noch kommen wollen, so pfeifen Sie ein paarmal kräftig, bis Sie der Hausknecht hört.«

Es ist Nacht geworden und die frische kühle Luft wirkt köstlich auf die erschlafften Lebensgeister.

Da steht der schwarze Koloß, der Hexenturm, in schwarzer Nacht, ein drohender Riese!

Aber warte du nur, ich fürchte dich nicht, du wirst mich noch kennen lernen, so bald die Zeit gekommen ist.

Sanft steigt der Weg zur Höhe über dem Kloster und unter mir liegen die ragenden Firste.

Die Umrisse der steilen Giebel, des nadelfeinen Türmchens der Klosterkirche zeichnen sich am sternhellen Himmel ab.

Auf weichem Rasenhügel unter leise rauschenden Apfelbäumen steht eine Bank und lädt den müden Wanderer zur Ruhe und stillen Betrachtung ein.

Sieh da, die rote Feuerkugel!

Der volle Mond taucht über den waldigen Hängen auf und plötzlich ist diese kleine Welt mit silbernem Lichte übergossen, in zauberhafter Schönheit liegt die liebliche Landschaft, ein rätselvolles Feenreich, hell schimmern die Türme, die Mauern, Erker und Zinnen, Kirche und Prälatur, das kleine Jagdschlößchen und der Klosterhof mit der Gruppe urgewaltiger Linden.

Zur Linken blinkt glitzernd der schlummernde tiefe See.

Ein wonniger Duft von wilden Rosen, von Moos und Efeu, von Reben, Schlehen, Ginster und Luzerne umschmeichelt die Sinne.

O Wunder der Schönheit! Jetzt erkenne ich: Das erst ist Maulbronn, das Kloster Maulbronn im Vollmondscheine!

In den kleinen an den titanischen Bau des Klosters sich anschmiegenden Häuschen der Eingeborenen leuchten die Lichter auf und erlöschen in schweigender Nacht.

So tritt der Mensch in das Leben, so geht er aus dieser Welt.

Und der Mond steigt höher und höher und ringsum ist Feierlichkeit.

Es regt sich ein heimlich gespenstisches Treiben in diesen alten Mauern, und seltsame, nie gesehene Spukgebilde entstehen und zerfließen vor dem weit offenen Auge.

Horch, klingt nicht schlitternder Orgelton aus der Tiefe, verstohlener Singsang und heimlicher Becherklang?

Im Vollmondschein,
wenn in tiefer Nacht
das Kloster liegt im silbernen Lichte,
erlebt man wohl leicht, wer weiß,
gar sonderbare Gesichte.
Aus geht es und ein.
Im Paradeis,
ein leises Singen und Beten,
in Kreuzesgängen gedämpft,
ein Psalmodieren,
da bricht sich das Intonieren
der Orgelweis.
Im weißen Gewand
steht lichtumflossen
ein Bruder in wechselnder Helle
und kühlet bei dreifacher Schale
der flüsternden Brunnenkapelle
die fiebernde Hand.
Und zuweilen gar
ein verhalten fröhliches
Lachen und Becherscherzen
im Refektorium,
ein Zupfen der Laute und Wohlklang der Terzen
hört man fürwahr.
Wenn der Tag erwacht,
verschwunden ist
all das wunderbare Mondengebild,
nur das alte Kloster,
es lächelt noch träumend und mild,
gedenket der heutigen Nacht.

Nun ist die Stunde der Ausführung des frischen, fröhlichen, arglistig geschöpften Planes gekommen und abwärts trägt mich der Fuß zur dunkeln Masse des Hexenturms. Durch heimlichen Wandelgang schreitend stehe ich vor der Türe, vor dem schweren, plumpen und doch so einfachen Schlosse.

Siehe da, Freund Schempf hat recht gesagt, ein starker Finger schiebt die eiserne Zunge zurück, die Türe dreht sich kreischend in den Angeln. Aber hier ist kein Mensch in der Nähe, friedlich schlummern die Toten drüben im benachbarten Gottesacker und die Lebenden scheuen in der Nacht den Weg am Kirchhofe.

Ein modriger, feuchter Geruch dringt mir entgegen.

Heida, was schiert mich Hexe, Moderduft und Polizei? In dieser Nacht wird der Doktor Cornelius Heidelob hoch oben im Hexenturm sein Nachtquartier aufschlagen! Blitz, Hagel und Wetter! Denn in mir braust noch das junge Blut und wer da sagt, der Wein spreche mir aus der Seele, der lügt!

Glückauf, schon das dritte Streichholz von den fünfen, die ich erschreckend in meinem Besitz zähle, fängt Feuer und unruhig flackert jetzt die heimlich eingeschobene, aber beileibe nicht gestohlene, sondern ehrlich mit gutem Gelde erstandene dicke Unschlittkerze und tastend steige ich die alte, steile, ausgetretene Holztreppe empor zum erstrebten Turmstübchen.

Schwierig ist der Aufstieg. Der Geist des Elfingers sitzt nicht im Hirne, er bannt nur die Knie, und der am Arme schlenkernde Hakenstock, die links und rechts aus den Taschen des Lodenwamses ragenden Flaschen des lobenswerten Weines bringen manche Beschwernis.

Doch guter Wille und zähe Ausdauer müssen zum Ziele führen, schon bin ich oben im Turmstübchen, ist es anders erlaubt, das Bretter- und Balkengehege mit diesem Namen zu benennen.

Juchhei! Suche treu, so findest du! Bald habe ich ein geruhsames Plätzchen entdeckt, und hier sitzt also der des öfteren erwähnte Doktor der Philosophie Cornelius Heidelob hoch oben im Hexenturm und sieht mit trunkenem Auge – wer behauptet, daß »betrunken« besser klinge, der lügt! – in das mondscheingleißende, traulich schöne Tal hinaus, hier sitzt er, hat die Flasche Elfinger entkorkt und der Feldflasche geräumiger Schraubenverschluß dient ihm zum willkommenen Becher.

Gepriesen sei, wer diesen Verschluß erfand!

Gepriesen sei, wer die Feldflasche erfand, gepriesen sei der alte Vater Noah, der den Weinstock dem Paradiese abfeilschte, gepriesen sei der Wein.

Welch seltsames Gestöhne? Welch seltsames gespenstiges Flattern über meinem Haupte? Welch seltsamer Luftzug weht über mich hin?

Auch hier Gespenster? Gespenster im Hexenturm?

Das wäre nimmer behaglich für einen einzelnen Menschen! Man leuchte hinauf in die dunkle Höhe!

Welch hohlen Kopf hat dieser Turmriese?

O nein, es sind nicht die Geister der Abgeschiedenen, die zum Besuche in luftiger Höhe sich eingefunden haben, es ist nur die ehrenwerte Familie der Käuzchen, die ich in ihrer Ruhe störe.

Ein Prosit euch artigen Käuzchen!

Ich bin euch fremd, denn ihr gehört zu diesem Turme, wie der Dotter zum Ei. Beruhigt euch, denn nur diese eine Nacht gedenke ich hier zu verweilen, und fernerhin könnt ihr ungeschoren durch Jahrhunderte hier hausen und mit Kindern und Kindeskindern das Turmdach bevölkern! –

Wehe, wie schwindet des Weines Labsal in der bauchigen Flasche!

Doch je mehr der Trank in der Flasche zurückgeht, um so größer wird meine Kraft, meine Stärke, meine Macht.

Ob ich Anlage habe zur Vertonung meiner heute gereimten Lieder?

Wer weiß, welch großes Talent noch ungeweckt in mir schlummert? Zeit, Ort und Gelegenheit, die Probe aufs Exempel zu machen, sind günstig.

Wie sonderbar klingt die Stimme in diesem hohlen Raume? ...

Ich breche meinen frevelhaften Gesang ab ...

Ha, was sehe ich? Was steht dort unter der roh gezimmerten Türe?

Eine lichte, leichte, schlanke Gestalt, ein holdseliges Kind mit einem frischen, kecken Gesichtchen und schillernden, spöttisch glänzenden Augen!

Was das Mädchen für eine absonderliche Haartracht hat? Die Haare sind wie aufgestellte Garben in einem Büschel mit breitem Bande oben auf dem Kopfe zusammengebunden!

Wo in der Welt habe ich nur dieses Mädchen schon gesehen?

»Aber ich bitte Sie, mein Fräulein, wie kommen Sie hier herauf, in diesen Turm? Es muß doch nahezu Mitternacht sein.«

Ein eigentümliches Mädchen, es ist nicht scheu und nicht ängstlich, es setzt sich unbekümmert mir gegenüber auf das Fenstergesimse.

»Das möchte ich Sie fragen, mein Herr.«

»Ich? Ich? Nun, ich bin mit Hilfe dieser Kerze hier heraufgestiegen ... Aber so sagen Sie mir doch, wo bin ich Ihnen denn schon begegnet? Ich weiß gewiß, daß dies schon einmal der Fall gewesen sein muß.«

Die glitzernden Augen des Mädchens sehen noch spöttischer, und es bammelt ein wenig mit den zierlichen Füßchen, ergötzt und zugleich unwillig. »Was Sie für ein kurzes Gedächtnis haben, mein Herr! Es ist auch nicht sehr artig von Ihnen, daß Sie sich meiner nicht mehr erinnern, nachdem Sie mich heute mittag in der Wartestube des Brettener Bahnhofs so lange und so ungezogen beobachtet haben ... Außerdem sollten Sie sich doch auch noch erinnern, damals vor zweitausend Jahren, am Federsee-Ufer! Pfui! Pfui, pfui, was die Herren für ein schwaches Gedächtnis haben!«

Das ist entschieden allerhand! Aber blitzschnell kommt mir die Erinnerung zurück. Ich schlage mich vor die Stirn. »Ach freilich. Sie sind ja das hübsche Geschöpf von heute mittag, das mir so geschwinde entflohen ist. Ich war recht böse auf Sie. Wenn der alte Herr nicht gewesen wäre mit seinem verfl... Wie heißt denn das Wort? O mein Gedächtnis! Mir scheint, es ist heute auch besonders schlecht ... Allerdings der Begegnung am Federsee vor 2000 Jahren entsinne ich mich nicht mehr genau. Ich bitte, nehmen Sie mir es nicht übel. Uebrigens, mein liebes Fräulein, Sie haben mir immer noch nicht gesagt, was Sie hier oben tun, an diesem eigentümlichen Orte? Es ist eigentlich gar nicht so recht passend, daß Sie hier sind, zusammen mit einem jungen Manne.«

»Nicht passend?« Die zierlichen Füßchen bammelten stärker. »Sie werden immer komischer, mein Herr! Ich bin in meiner eigenen Behausung, Sie dringen ungeladen bei mir ein und Sie fragen mich noch, was ich hier mache? Das ist stark, mein Herr.«

»In Ihrer Behausung? Wer sind Sie denn, wenn ich fragen darf? Sind Sie denn von Maulbronn?«

Das holde Geschöpf lächelte überaus heiter, es machte sich offenbar über mich lustig. »Nun ja, Sie sind heute schwer von Begriff. Ich bin doch das Hexlein Elzelin.«

»Ei der Kuckuck! Daß mir das nicht gleich eingefallen ist, da ich doch im Hexenturm bin! Ich habe Sie übrigens schon heute mittag in Bretten für ein Hexlein gehalten, Sie nehmen mir es doch nicht übel? ... Darf ich Ihnen aber jetzt einen Schluck Wein anbieten?«

Das Hexlein blickte lüstern nach dem Becher, den ich sorgfältig füllte, und streckte schon das kleine feine Händchen danach aus, zog es aber schnell wieder zurück. »Sie sind doch nicht verheiratet? Nein?«

»Sie dürfen ganz beruhigt sein. Gestatten Sie, daß ich mich vorstelle. Mein Name ist Cornelius Heidelob, Doktor philosophiae, graduiert in Heidelberg. Ich bin aber ein geborener Frankfurter.«

»So, hm? Nun meinetwegen! Also geben Sie den Becher her, es ist schon lange, daß ich keinen Wein mehr getrunken habe. In der Regel hole ich mir nur ein paar Trauben im Elfingerberg.«

Sie nippt so zierlich an dem Becher, daß es eine helle Freude ist. Ich meine den Wein durch das feine, schlanke Hälschen rinnen zu sehen.

Aber ein heftiger Luftzug läßt mich umsehen.

Entsetzen! Die Türe wird aufgerissen, Mönche dringen ein, starke, zornmütige Mönche, Mönche in weißen Gewändern, das Antlitz fast verhüllt von der großen Kapuze, voran der Abt mit Mitra und Krummstab!

»Wehe! Wehe!« Schaurig dröhnt seine tiefe Stimme in dem hohlen Turme. »Wehe! Wehe! Wehe!«

Wo ist das Hexlein? Wie in die Lüfte verflogen! Verschwunden wie ein Nebelstreif!

»Wehe! Wehe, Bruder Aribertus! Schuldig bist du todeswürdigen Verbrechens! In offener Auflehnung gegen die Gebote des Ordens wirst du in sündigem Zusammensein mit einer Hexe betroffen!«

»Aber meine Herrn, mein Name ist Cornelius Heidelob, Doktor philosophiae, promoviert in Heidelberg.«

»Lüge nicht, Bruder Aribertus! Größer noch wird deine Schuld durch die Heuchelei der Lüge! Wehe! Wehe!«

Der Widerhall dringt durch Mark und Bein, selbst durch die schmalen Fensteröffnungen tönen die furchtbaren Weherufe ins Innere. Schon bin ich gebunden, schleppen sie mich durch geheime Gänge der Zwingermauer hinüber zum Kloster. Hell leuchten die Fenster des Herrenrefektoriums.

Wie wimmelt es unter dem bemalten Säulendach von weißgekleideten Mönchen, wie durchbrausen ihre zornigen Rufe die hochgewölbte Halle, wie sehen sie alle mit tiefliegenden schwarzen Augen durchbohrend auf mich, den einzigen unter den Vielen, die Kläger sind und Richter in einer Person!

»Ihr Herrn, ihr wertgeschätzten Herrn, ein entsetzliches Mißverständnis! Ich versichere Ihnen, ich bin nicht der Bruder Aribertus. Ich bin der Doktor der Philosophie Cornelius Heidelob, promoviert in Heidelberg! Sehen Sie doch her, meine Herrn, seit wann trägt denn der hochwürdige Bruder Aribertus ein Lodenwams? Sehen Sie hier meine Feldflasche, meinen Rucksack! In meinem Lodenhut steht, glaube ich, mein Name? Ich bin Frankfurter Bürger! Das Bürgermeisteramt wird es Ihnen schwer verübeln, wie Sie mich hier behandeln!« – Entsetzlich! Statt meiner grünlichen Joppe wallt eine weiße Kutte um meine Glieder, statt eines Lodenhutes bedeckt eine weiße Mönchskapuze mein Haupt! Kläglich wie die Stimme eines Kindes tönt meine wimmernde Stimme in der Steinmasse des Kapitelsaales.

Höllentreppe und Kreuzgang im Kloster.

»Geißelt ihn! Geißelt ihn! Hinab mit ihm zur Geißelkammer!«

Schon packen mich derbe Fäuste, schon drängen und stoßen sie mich durch Kreuzgänge, an der Höllentreppe vorüber, zur Geißelkammer, sie reißen mir die Kutte vom Leibe, hageldicht sausen die Schläge auf mich herab! Sie zerreißen mir den Rücken, es brennt wie Feuer mein zermartertes Fleisch, rasende Schmerzen durchzucken mein Gehirn!

»Meine Herrn! Meine Herrn!«

Was hilft mein Wimmern? Es geht verloren unter klatschenden Geißelhieben.

Eine wohltätige Ohnmacht umfängt meine Sinne.

*

»Was machen Sie eigentlich hier oben?« tönt eine grobe, etwas heisere Stimme an mein Ohr.

Allmählich kehrt das Bewußtsein zurück.

»Ich bin der Bruder Aribertus. Halt nein, es ist eine Täuschung, ich heiße Cornelius Heidelob.«

»Ich glaube, der Mensch ist totaliter betrunken,« sagt die grobe Stimme.

Vor mir steht ein großer Mann mit rötlichem Gesicht, rötlicher Nase und unwillig blickenden hellen Augen. Er trägt eine feldgraue Uniform und auf dem Kopf die wohlbekannte Mütze eines Polizeiwachtmeisters.

»Wo bin ich? Welch' eigentümliches Gemach? Feuchte Wände, Bretter und Bohlen!«

Ein schwaches Tageslicht dringt durch schmale Mauerfenster.

Dort liegt mein grüner Rucksack, mein Lodenhut, eine zertrümmerte Flasche und eine zweite steht neben einem abgebrannten Lichtstumpen dort drüben auf dem Balkonende.

Das Herrenhaus im Kloster Maulbronn.

Verschwunden sind die Mönche, verschwunden ist auch mein weißes Gewand, ich stehe in schlichtem bürgerlichem Kleide.

Im Hexenturm in Maulbronn bin ich und vor mir dräuet Maulbronns bewaffnete Macht, das Auge des Gesetzes, der Hüter der heiligen Ordnung.

O du schlimmste aller Hexen! Das ist dein Werk, du böses, du ganz böses Wuschelhexlein!

Aber es ist keine Zeit, Klage zu führen.

Entsetzlich ist meine Verlegenheit, seit Jahren erinnere ich mich nicht in einer ähnlichen gewesen zu sein.

»Ich frage Sie noch einmal, was Sie hier oben zu schaffen haben?« Mißtönig klingt die Stimme des zornentbrannten Polizeimannes. »Sogleich gehen Sie mit mir auf das Rathaus, zum Herrn Stadtschultheiß!«

Die Verlegenheit wird immer schlimmer.

Herr im Himmel! In dem Zeitraum einer Sekunde sehe ich gräßliche Bilder, sehe ich einen Mann in jüngeren Jahren, der die absoluteste Aehnlichkeit mit Dr. Heidelob aus Frankfurt besitzt, im Maulbronner Ortsarrest, auf Läuse und anderes Ungeziefer untersucht, auf dem Schubwege nach meiner guten Vaterstadt Frankfurt transportiert!

Ich fasse den Mann vor mir schärfer ins Auge, es scheint mir, als ob ich einige gutmütige Züge in diesem drohenden Gesichte entdeckte.

»Mein Name ist Cornelius Heidelob, Doktor der Philosophie, in Heidelberg promoviert.«

»Ein sauberer Doktor,« sagt der Polizeimann, aber es scheint mir, als ob seine Stimme milder würde.

»So wahr ich vor Ihnen stehe! Jede Bosheit ist mir fremd. Sie dürfen überzeugt sein, Herr Wachtmeister, ich bin der friedlichste Mensch auf der Erde, ich kann versichern, daß Ihnen noch nie ein aller öffentlichen Ordnung, guter Sitte und dem Gehorsam gegen die Obrigkeit mehr ergebener Mensch begegnet ist, als ich es bin.«

Ich fange an, meine gut begonnene und schlimm zu Ende geführte Geschichte zu erzählen, zuerst schlecht und mit mangelhafter Wortstellung, in ungeschickten Perioden, allmählich mit der Beredsamkeit eines geübten Volksredners.

Da ich des Elfingers erwähne und der beiden Flaschen, die beweiskräftig im schwachen Morgenlichte blinken, bemerke ich ein gedankenreiches Aufblitzen der Augen des Braven, sein Gesicht wird zusehends heller und freundlicher und volles Verständnis liegt in seinen nicht sehr schönen, aber jetzt so gutmütigen Zügen.

»Ja, ja,« sagt er, »den Elfinger muß man verstehen. Den trinkt man aber auch nicht wie das Wasser. Was haben Sie denn nur für ein Jammergeschrei verführt, als brächte man Sie um? Die Leute stehen unten vor dem Hexenturm, weil sie meinen, es müsse hier oben etwas geschehen sein! Ja, ja, Herr Doktor, der Elfinger!«

»Nein,« erwiderte ich, während er mich staunend betrachtet, »es war die Geißelkammer!«

*

Nun habe ich doch noch meinen freundlichen Wirt um Quartier bitten müssen.

Aber einige Stunden Schlaf, frisches Brunnenwasser und ein gutes Mittagessen bringen wieder auf die Beine.

Am Nachmittage fuhr ich mit dem puppenhaften Bahnzügchen nach Frankfurt durch prächtiges Waldgehege aus dem lieblichen Maulbronn.

Lieber Freund Paulus, du hast recht in deinem Buche. Wundervoll sind die Schätze, die hier im stillen Salzachtale verborgen liegen, wundervoll ist auch der Wein dieser anmutigen Hänge, die zuweilen durch die Lichtung des schwärzlichen Tannenwaldes auftauchen.

Ade, ade, mein lieber Elfingerberg! Dein Rebensaft ist edel, aber ich grolle ihm, denn hinterhältig ist sein Feueratem.

Langsam ziehe ich mich von dem offenen Wagenfenster zurück und kusche mich in die Ecke der Bank.

Was ist das? Mir gegenüber sitzt es wieder, das Hexlein Elzelin und sieht mich mit seltsamen, hell glitzernden Augen an. Mehr spöttisch als freundlich.

Wenn ich jetzt den alten Herrn aus dem Brettener Bahnhofwartezimmer neben mir hätte, würde ich ihm sagen, daß ich alle seine Lehren für wahr halte.

Das ist kein Zufall mehr, das ist Schicksal, Vorsatz, Fatum!

Aber diesmal soll sie mir nicht mehr entkommen, die Maid, wie gestern drüben im badischen Städtchen. Unbedingt werde ich ein Gespräch mit ihr beginnen. Bietet mir nicht die gefundene Gartenschere, die mich aufs neue höchst unbequem im Rücken drückt, den passendsten Anknüpfungspunkt?

Oder soll ich sie lieber fragen, ob sie nicht wirklich das Hexlein Elzelin ist?

Ich will es lieber nicht tun, ich will sie lieber mit höchst banalen Worten anreden und sie fragen, wie ihr Maulbronn gefallen hat.

Die Unterhaltung hat Früchte getragen!

Wir haben uns versprochen, im nächsten Jahre werden wir wieder in Maulbronn zusammentreffen. Wir haben beide das Versprechen gehalten und sind miteinander nach Maulbronn gefahren, ich, der Doktor der Philosophie Cornelius Heidelob, und das Hexlein Elzelin.

Es ist nämlich meine Frau geworden!

Aber meine Erlebnisse im Maulbronner Hexenturm habe ich ihr vorher beileibe nicht erzählt!

Als sie vorstehende Geschichte las, ist sie wild geworden. Nicht wegen der Hexe, o nein, darüber setzte sie sich lachend hinweg. Aber sie behauptet, daß ich in dieser Geschichte geschrieben habe, sie hätte Katzenaugen, und das will sie sich nicht gefallen lassen. In Wirklichkeit seien sie schwarz.

Wahrhaftig! Sie hat Augen wie Herzkirschen!

Um den Hexenturm, um den Hexenturm,
da heulet der Wind, da brauset der Sturm,
da flog einst im Wetter wohl aus und ein
ein junges, zierliches Hexchen fein.
Es leuchten die Augen, rot wölbt sich der Mund,
um die Haare schlingt sich ein Hexenband bunt.
Du hast mich bezaubert, du hast mich betört,
du hast mir Herz und Sinnen gestört.
Du reich mir die Lippen und küß mich geschwind,
du bist doch und bleibest ein Hexlein, mein Kind!

Der Hexenturm in Maulbronn mit Klosterberg.

 << Kapitel 1 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.