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Der Hexenhammer. Zweiter Teil

Heinrich Kramer: Der Hexenhammer. Zweiter Teil - Kapitel 1
Quellenangabe
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typetractate
authorJakob Sprenger ? Heinrich Institoris
titleDer Hexenhammer. Zweiter Teil
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag GmbH
printrun12. Auflage
year1996
firstpub1486
translatorJ. W. R. Schmidt
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20110614
projectid8d111de7
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Erste Frage: Wem der Hexer nicht schaden könne?

Der zweite Teil dieses Werkes, der Hauptteil, weil er von der Art handelt, wie die Hexen bei der Verübung ihrer Hexentaten zu Werke gehen, ist in achtzehn Kapitel geteilt, mit nur zwei Schwierigkeiten, von denen die eine am Anfange steht, nämlich wer nicht behext werden könne, also über die Präservativmittel; die andere steht am Ende und handelt über die Heilmittel für die Behexungen, wodurch Behexte geheilt werden können; da nach dem Philosophen, Phys. 4, das Entfernende und Hindernde zusammenfallen und Ursachen per accidens sind, so daß man hierin das ganze Fundament dieser schauderhaften Ketzerei hat.

Auf zwei Punkte ist besonders einzugehen: erstens über den Eintritt der Hexen (in's Handwerk) und ihre gotteslästerliche Profession; zweitens auf den weiteren Vorschritt zum Handeln und auf ihre erschreckliche Beobachtung; drittens über die heilsamen Gegenmittel gegen ihre Hexereien und die Präservativmittel. Und weil wir jetzt an einem moralischen Stoffe arbeiten, weshalb es nicht nötig ist, auf die verschiedenen Argumente und Erklärungen durchaus einzugehen, da das, was in den Kapiteln folgt, durch die vorhergehenden Fragen genügend erörtert, ist, deshalb bitten wir den Leser in Gott, daß er nicht in allen Dingen eine Erläuterung verlange, wo eine hinreichende Glaubwürdigkeit genügt, durch einfache Aufführung dessen, was als wahr feststeht, sei es nun durch eigne Erfahrung mit Auge oder Ohr, sei es durch die Berichte Glaubwürdiger.

Betreffs des ersten Punktes wird zweierlei hauptsächlich berührt werden, erstens, die verschiedenen Arten, den Dämon anzulocken; zweitens, die verschiedenen Weisen, ihre Ketzerei zu betreiben. Betreffs des zweiten aber werden der Reihe nach sechs Punkte berührt werden, bezüglich des Vollführens der Hexereien und der Heilungen: erstens von dem, was die Hexen für sich und ihren Leib tun; zweitens von dem, was sie gegen andere Leute vollführen, drittens gegen Tiere und viertens von den Schädigungen der Feldfrüchte: fünftens von der Hexerei der Männer allein, d. h. von den Hexereien, mit denen sich blos Männer und keine Weiber befassen, sechstens folgt die Frage über die Hebung der Hexerei, und wie die Behexten zu heilen. Es ist aber die erste Frage in achtzehn Kapitel eingeteilt, da die Hexen auf so viel verschiedene und mannigfaltige Arten ihre Gebräuche handhaben.

Ob jemand durch die guten Engel so geschützt werden könne, daß er von den Hexen auf keine der unten angeführten Weisen behext werden könne? Und es scheint, nein, deshalb, weil im Voraufgehenden erklärt ist, daß auch die Unschuldigen und Schuldlosen und Gerechten öfters von Dämonen getroffen würden, wie Job, und viele unschuldige Kinder, die man behext sieht, samt vielen anderen Gerechten, wenn auch nicht so wie die Sünder, weil jene nicht zum Verderben ihrer Seelen getroffen werden, wenn auch an den Gütern des Glückes und des Lebens.

Entgegen ist das Geständnis der Hexen, daß sie nämlich nicht alle verletzen können, sondern nur die, welche, wie sie durch Winke der Dämonen erfahren, der göttlichen Hilfe verlustig gegangen sind.

Antwort: Drei Arten von Menschen sind von Gott so begnadet, daß ihnen jenes scheußliche Geschlecht mit seinen Hexereien nichts anhaben kann: und zwar sind es erstens diejenigen, welche die öffentliche Gerichtsbarkeit gegen die Hexen üben oder durch irgend ein öffentliches Amt gegen sie wirken, zweitens, die nach den gehaltenen und heiligen Bräuchen, wie durch Besprengen mit Weihwasser, durch das Nehmen des geheiligten Salzes oder durch die am Tage der Reinigung geweihten Kerzen und durch den erlaubten Gebrauch der am Palmensonntage geweihten Zweige sich schützen, (womit die Kirche exorzisiert), um die Macht des Dämonen zu schwächen, worüber noch gehandelt wird; drittens diejenigen, welche durch die heiligen Engel auf verschiedene und unzählige Arten begnadet sind.

Betreffs des ersten Punktes wird ein Grund angegeben und als Bestätigung viele Taten und Geschehnisse. Weil nämlich alle Gewalt von Gott ist und das Schwert nach dem Apostel zur Rache der Bösen und zur Vergeltung der Guten, so ist es kein Wunder, daß dann die Dämonen durch Engelsgewalt abgehalten werden, wenn die Gerichtsbarkeit zur Rache an jenem erschrecklichen Verbrechen geübt wird. – Es bemerken hierzu die Doktoren, daß die Macht des Dämonen auf fünf Weisen ganz oder teilweise gehemmt wird: erstens durch das Ziel, das seiner Macht von Gott gesetzt ist, worüber Job 1. und 2. handelt; ferner beweist das jener Mann, von dem man bei Nider, Formicarius liest, den jemand angerufen hatte, daß er seinen Feind tötete oder am Leibe schädigte oder durch Blitzschlag vernichtete: »Als ich«, so gestand er dem Richter, »den Dämon angerufen, damit ich es mit seiner Hilfe vollbrächte, antwortete er mir, daß er nichts davon tun könne: »Er hat«, sagte er mir, »guten Glauben und schützt sich fleißig mit dem Zeichen des Kreuzes; deshalb kann ich ihn nicht an seinem Leibe, sondern, wenn Du willst, am elften Teile seiner Früchte auf dem Felde schaden«.

Zweitens wird der Dämon gehindert durch ein äußerliches Hindernis, wie bei der Eselin des Bileam, Num. 22. Drittens durch ein äußerlich geschehendes mögliches Wunder. So bei den Leuten, die durch besondere Gnade geschützt sind; über diese dritte Art von Menschen, die nicht behext werden können, weiter unten; viertens durch Gottes Ratschluß, der es speziell so anordnet durch die Hinderung durch einen guten Engel, wie bei Asmodeus, der die Verlobten der Jungfrau Sara tötete, aber nicht den Tobias; fünftens bisweilen durch eigene Vorsicht, weil manchmal der Teufel nicht schädigen will, damit etwas Schlimmeres daraus folgt, wie wenn er Exkommunizierte beängstigen könnte, (wie er auch den exkommunizierten Korinther beängstigte, Kor. 5.), so tut er es doch nicht, damit er den Glauben der Kirche an die Macht der Schlüssel schwäche. Daher können wir entsprechend sagen, daß, wenn die Dämonen auch nicht von der göttlichen Macht abgehalten werden, wenn die öffentliche Gerechtigkeit geübt wird, sie doch oft ihre Hand oder ihren Schirm von den Hexen freiwillig nehmen, weil sie entweder deren Bekehrung fürchten, oder ihre Verdammnis wünschen und beschleunigen.

Das wird auch mit Taten und Geschehnissen bewiesen. Der erwähnte Doktor berichtet, daß die Hexen, wie durch Erzählung und Erfahrung bekannt, das Zeugnis abgeben, daß sofort alle Hexenkunst erlahmt, sobald sie durch Beamte der staatlichen Gerichtsbarkeit gefangen genommen werden. Es war ein Richter, mit Namen Petrus, der auch schon oben erwähnt ist. Als er einen gewissen Hexer, Stadlin mit Namen, durch seine Diener gefangen nehmen lassen wollte, befiel ihre Hände solches Zittern, und in ihre Nasen drang ein so übler Gestank, daß sie schon zu zweifeln begannen, ob sie auf den Zauberer loszugehen wagen sollten. Da befahl ihnen der Richter: »Geht nur ruhig auf den Elenden los, weil er, berührt von der öffentlichen Justiz, sofort alle Kräfte seiner Bosheit verlieren wird«. Dies bewies denn auch das Ende der Geschichte: denn er ward gefangen und eingeäschert wegen sehr vieler Hexentaten, die hier und dort eingestreut und den verschiedenen Stoffen angepaßt sind.

Aber noch viele andere Geschehnisse, die uns Inquisitoren in Ausführung des Amtes der Inquisition zustießen, gibt es, die, wenn wir sie erzählen dürften, gewiß den Leser zur Bewunderung fortreißen würden. Aber weil Eigenlob stinkt, frommt es mehr, das stillschweigend zu übergehen, als den Vorwurf eitler Ruhmsucht auf uns zu laden: nur das wollen wir jedoch berichten, was so bekannt geworden ist, daß es sich nicht verheimlichen läßt.

Als nämlich in der Stadt Ravensburg die einzuäschernden Hexen von den Ratsherren gefragt wurden, warum sie uns Inquisitoren gewisse Hexereien nicht ebenso wie anderen Leuten zugefügt hätten, antworteten sie, sie hätten es öfters versucht, aber es nicht vermocht. Und als jene nach der Ursache fragten, antworteten sie, sie wüßten es nicht, nur seien sie so von den Dämonen informiert worden. Denn wie oft sie zur Tages- und Nachtzeit uns befehdet, können wir nicht erzählen: wie sie uns bald als Affen, bald als Hunde oder Ziegen mit ihrem Geschrei und Angriffen beunruhigten, wenn wir nachts zu wenn auch noch so inbrünstigem Gebete aufstanden, wo sie draußen am Fenster des Raumes, welches doch in solcher Höhe angebracht war, daß man nur mit ganz langen Leitern hätte ankommen können, mit kräftigstem Streiche, der gleichsam direkt nach dem Kopie geführt wurde, Hiebe mit dem Laken führten, mit dem der Kopf bedeckt war: so fanden wir sie auch, wenn wir aufstanden, als ob sie solche durch Hexenkunst unserem Haupte beibringen wollten. Aber dank sei dem Höchsten, der in seiner Liebe, ohne unser Verdienst, uns als öffentliche, unwürdige Diener der Gerechtigkeit des Glaubens aufbewahrt hat.

Betreffs des zweiten Punktes ist der Grund an sich klar. Denn mit solchen Dingen wird von der Kirche exorzisiert, und überhaupt sind sie die wirksamsten Mittel, um sich vor den Angriffen der Hexen zu bewahren. Wenn einer fragt, auf welche Weise man sich schützen müsse, so ist zu sprechen erstens von dem, was ohne Anführung von heiligen Worten geschieht, und dann von den heiligen Formeln selbst. Betreffs des ersteren nämlich ist es erlaubt, jede ehrliche Stelle an Mensch und Tier unter Anrufung der allerheiligsten Dreieinigkeit und mit dem Gebete des Herrn zur Rettung von Mensch und Vieh mit Weihwasser zu besprengen. So nämlich heißt es im Exorzismus, daß, wohin es gesprengt wird, diese Stelle von aller Unreinigkeit frei werde, befreit sei von der Schuld und dort nicht bleibe ein verderblicher Geist etc. Denn Menschen und Tiere rettet der Herr, ein jedes nach seinem Maße, wie der Prophet sagt.

Zweitens, wie das erste Mittel (das Besprengen) aus Notwendigkeit geschieht, so ist das zweite, nämlich eine geweihte Kerze anzünden, ein Besprengen gemäß der Kongruenz, indem das Beleuchten der Wohnräume mit solcher Kerze (dem Besprengen mit Weihwasser entspricht).

Drittens nützt es sehr viel, gewisse Kräuter anzuwenden oder zu räuchern, auch an geheimem Orte mit jenen gewöhnlichen Mitteln zusammen zu tun.

So nämlich traf es sich in demselben Jahre, wo dies Buch begonnen ward, in der Stadt Speyer, daß eine fromme Frau mit einer als Hexe Verdächtigen nach Weiberart einen Streit hatte. In der Nacht, da sie ihren kleinen Säugling in die Wiege legen wollte und im Herzen erwog, was sie am Tage mit der Hexe vorgehabt hatte, fürchtete sie Gefahr für ihr Kind. Sie legte daher zu dem Knaben geweihte Kräuter, besprengte ihn mit Weihwasser, gab ihm ein wenig geweihtes Salz in den Mund, schützte ihn mit dem Zeichen des Kreuzes und band die Wiege sorgfältig fest. Und siehe da, um Mitternacht hörte sie das Kind schreien; und als sie, wie gewohnt, nach dem Knaben fassen und die Wiege, die in gleicher Höhe mit dem Bette stand, bewegen wollte, bewegte sie zwar die Wiege, konnte aber den Knaben nicht greifen, weil er fort war. Zitternd und laut klagend über den Verlust des Kindes brannte die Ärmste ein Licht an und fand das Kleine weinend unter dem Bette in einem Winkel, doch unverletzt. Daraus kann man abnehmen, wie groß die Macht in den Exorzismen der Kirche liegt gegen die Nachstellungen des Teufels. Ferner leuchtet freilich auch ein die Gnade und Weisheit des allmächtigen Gottes, die sich Von Ende zu Ende mächtig zeigt; sie schaltet gnädig auch über den Hexereien jener ganz verworfenen Menschen und Dämonen, so daß, wo sie den Glauben zu mindern und zu schwächen suchen, sie ihn in vieler Herzen kräftigen und fester Wurzel fassen lassen. Ja, sehr viel Nutzen kommt den Gläubigen aus solchen Übeln, da so der Glaube durch die Bosheit der Dämonen gestärkt, das Mitleid Gottes ersichtlich wird und seine Macht sich offenbart, die Menschen getrieben werden, auf ihrer Hut zu sein und entbrennen, Christi Leiden und die Gebräuche der Kirche zu verehren.

In jenen Tagen ward auch der Schulze eines Dorfes mit Namen Wiesenthal mit schweren Schmerzen und Qualen des Körpers behext, was ihn traf durch Hexentat, worüber er aber nicht von anderen Hexen, sondern durch eigene Erfahrung belehrt ward. Er sagte nämlich, daß er sich an jedem einzelnen Sonntage durch Salznehmen und Weihwasser schütze; und weil er das an einem Tage über einer Hochzeitsfeier versäumt hatte, ward er an demselben Tage behext.

Wie steht es endlich mit jenem Manne in Ravensburg, da er vom Teufel in der Gestalt eines Weibes zum Beischlafe gereizt ward? Er war gar sehr in Angst, und da der Teufel nicht ablassen wollte, kam ihm das in den Sinn, daß er sich mit Salz schützen müsse, wie er es in der Predigt gehört hatte. Als er daher beim Eintritt in die Stube geweihtes Salz genommen hatte, sah ihn das Weib mit wilden Blicken an und verschwand plötzlich, da einer von den Teufeln sie darüber eilig aufgeklärt hatte. Hier war der Teufel im Bildnisse einer Hexe oder mit leiblicher Gegenwart einer Hexe dagewesen, da er mit Zulassung Gottes beides tun kann.

Aber auch jene drei Kameraden, die auf einem Wege spazieren gingen; zwei von ihnen wurden vom Blitze erschlagen, der dritte aber hörte voller Angst Stimmen in der Luft: »Laßt uns ihn auch töten«; und eine andere Stimme antwortete: »Wir können nicht, weil er heute das Wort ward Fleisch' gehört hat«. Er merkte, daß er deshalb gerettet wurde, weil er die Messe gehört hatte und am Schlusse das Evangelium Johannis: »Im Anfange war das Wort«.

Aber auch durch jene einem Körper beigegebenen heiligen Worte (wehrt man den Dämonen), weil sie wunderbare Präservative sind, wenn nur sieben Bedingungen dabei beobachtet werden. Davon wird auch Meldung geschehen in der letzten Frage dieses zweiten Teiles, weil dort von den Heilmitteln, wie hier von den Präservativmitteln gehandelt wird; und solche heilige Worte dienen nicht nur zum Schutze, sondern auch zum Heilen der Behexten.

Als wirksamste Präservative für Orte, Menschen und Tiere dienen die Worte des Siegestitels unseres Heilandes, wenn sie nämlich an vier Teilen des Ortes in Kreuzesform geschrieben werden: Jesus † Nazarenus † Rex † Judaeorum †; oder auch mit Hinzufügung des Namens der Jungfrau Maria oder der Evangelisten oder der Worte des Johannes: »Das Wort ward Fleisch.« –

Die dritte Art (Menschen), die von den Dämonen nicht verletzt werden kann, ist sehr alleinstehend, als geschützt durch besonderen, inneren und äußeren, Schutz der Engel: innerlich durch Einfluß der Gnade, äußerlich durch Beschützung seitens der himmlischen Kräfte, d. h. seitens der Motoren der Himmelskörper. Und dies Geschlecht der Menschen wird in zwei Arten von Auserwählten geschieden: weil sie entweder geschützt werden gegen alle Weisen der Hexerei, so daß sie in nichts geschädigt werden können, oder daß sie besonders bezüglich der Zeugungskraft von den guten Engeln selbst ebenso keusch gemacht werden, wie böse Geister durch die Hexenkünste bezüglich der einen Frau entflammen oder bezüglich der anderen erkalten lassen. Die erste Behauptung, von dem inneren und äußeren Schutze bezüglich der Gnade und den Einflüssen der Himmelskörper, wird so erklärt. Mag Gott nämlich auch an sich Gnade in unser Herz fließen lassen, weil keiner Kreatur die Macht zu solcher Einflößung zukommen kann nach dem Worte: »Gnade und Ruhm wird der Herr geben«, so kann doch, wie S. Thomas an einer Stelle sagt, Sent. 3, wenn Gott eine ganz besondere Gnade einflößen will, ein guter Engel vermittelnd mitwirken; und das ist es, was Dionysius de div. nom. 4, sagen will: »Dies ist das unwandelbar feststehende Gesetz der Gottheit, daß das Niedrigste von dem Höchsten durch Mittelglieder bewirkt wird,« so daß wir alles Gute, was aus der Quelle aller Gutheit in uns hineinfließt, ganz durch den Dienst der guten Engel haben. Wir wollen dafür Gründe und Beispiele geben. Denn mag zur Empfängnis des göttlichen Wortes in der allerseligsten Jungfrau, durch die der Gott Mensch wurde, allein die göttliche Kraft wirksam gewesen sein, so ward doch durch den Dienst des Engels der Sinn der Jungfrau vermittelst der Begrüßung und vermittelst der Stärkung und Belehrung des Verstandes sehr erregt und zum Guten vorbereitet. Der Grund ist: Die Meinung des erwähnten Doktors ist, daß im Menschen dreierlei sei, wie wir sehen, nämlich Wille, Verstand und andere innere und äußere Kräfte, die den körperlichen Gliedern und Organen angeheftet sind. Auf den ersten wirkt Gott allein ein, weil »das Herz des Königs in der Hand Gottes ist«; durch Disponieren wirkt der gute Engel, insofern er den Verstand zur Erkenntnis des Wahren und Guten mehr erleuchtet, so daß auf das Zweite sowohl Gott als der gute Engel durch Erleuchten einwirken können; und drittens dem Körper kann ein guter Engel zum Guten helfen, ein böser Engel mit Zulassung Gottes böse Eindrücke geben. Doch liegt es in der Macht des menschlichen Willens, solche Einflößungen anzunehmen oder zurückzuweisen, wie sie denn auch der Mensch unter Anrufung der Gnade Gottes stets zurückweisen kann.

Auch betreffs der äußeren Wache, die durch die Motoren der Welten von Gott mitgeteilt wird, ist die gemeinsame und ganz übereinstimmende Überlieferung sowohl der heiligen Schrift als auch der Naturphilosophie, daß alle Himmelskörper durch die Macht der Engel bewegt werden und Motore der Welten heißen; und sie werden von Christus und der Kirche Himmelskräfte genannt; und folglich wird alles Körperliche dieser Welt von Himmelseinflüssen gelenkt, wie der Philosoph, Metaph. 1. bezeugt. Deshalb können wir auch sagen; da Gott über seine Auserlesenen besondere Vorsehung walten läßt, so mag er sie zwar auch manchen Übeln dieses Lebens, nämlich Prüfungen unterwerfen, aber einige bewahrt er doch so, daß sie in nichts geschädigt werden können; und dies Geschenk empfangen sie entweder von den guten Engeln selbst, die von Gott als Wächter beordert sind, oder von den Einflüssen der Himmelskörper, oder von den Motoren der Welten selbst.

Da ist noch anzumerken, daß, wenn auch manche gegen alle Hexenwerke geschützt sind, andere aber gegen einige und nicht gegen alle, es doch manche gibt, die ein guter Engel besonders an der Zeugungskraft so keusch macht, daß sie auf keine Weise daran vom Bösen behext werden können. Aber hierüber zu schreiben scheint einesteils überflüssig, andernteils freilich auch notwendig, weil die, welche an der Zeugungskraft behext werden, von der Engelwache deshalb verlassen sind, weil sie entweder immer in Todsünde leben oder mit allzu heftiger Gier nach solchen Unflätereien jagen. Daher ist auch im ersten Teile des Werkes festgestellt, daß Gott eher erlaubt, jene Kraft zu behexen, wenn nicht allein wegen der Scheußlichkeit (des Zeugungsaktes), so doch auch darum, weil die Verderbtheit des ersten Vaters durch die Erbsünde dabei auf das ganze Geschlecht der Menschen übergeht.

*

Doch reden wir ein wenig darüber, wie ein guter Engel bisweilen gerechte und heilige Männer begnadet, und zwar besonders an der Zeugungskraft. Denn so geschah es mit dem Abte S. Serenus, von dem Cassianus berichtet, in seinen Collat. patr., und zwar coll. abb. Sereni 1. »Dieser,« sagt er, »war um die innere Keuschheit des Herzens und der Seele bei Tag und Nacht mit Gebeten, Fasten und Wachen unermüdlich besorgt und sah endlich, daß er durch die göttliche Gnade alle Flammen der fleischlichen Lust in sich gelöscht hatte. Von noch größerem Eifer für die Keuschheit angespornt, bat er, nachdem er die genannten Mittel gebraucht, danach den Allgütigen, Allmächtigen, daß die Keuschheit des inneren Menschen auch an seinem Leibe durch Gottes Geschenk sich zeigte. Da kam der Engel Gottes in nächtlicher Vision zu ihm, und indem er gleichsam seinen Leib öffnete und aus seinen Eingeweiden ein feuriges Fleischstück herausholte, sagte er, indem er alle inneren Teile wieder an ihren Ort brachte: »Siehe, hier ist der Stachel deines Fleisches abgeschnitten; wisse, daß du mit dem heutigen Tage beständige Keuschheit des Fleisches erlangt hast nach deinem Gebete, da du batest, du möchtest nicht einmal durch die natürliche Bewegung, die auch bei den Kleinen und Säuglingen erregt wird, gepeinigt sein«.

So erzählt auch S. Gregor. dial. 1. von dem Abte S. Equitius: »Als diesen zur Zeit seiner Jugend der scharfe Kampf mit den Lockungen des Fleisches ermüdete, machten ihn eben diese seine Ängstigungen bei der Versuchung lässig zum Gebete; und da er durch fortwährende Bitten ein Heilmittel vom Allmächtigen erflehte, sah er in einer Nacht, wie ein Engel neben ihm stand und ihn zum Eunuchen machte; und bei dessen Erscheinung dünkte es ihn, daß er alle Bewegung aus den Genitalien abschnitt; und seit der Zeit war er der Versuchung so ledig, als ob er gar kein Geschlecht im Leibe hätte. Siehe, welcher Segen des Keuschmachens! Weil et nun auf seine Tugend mit Gottes Hilfe Vertrauen hatte, leitete er später die Frauen, wie er früher die Männer geleitet hatte.

In den Lebensbeschreibungen der heiligen Väter, die der hochreligiöse S. Heraclides in dem Buche, das er Paradisus nennt, gesammelt hat, erwähnt er einen heiligen Vater und Mönch, den er Helias nennt. Dieser vereinigte aus Erbarmen dreihundert Frauen im Kloster und war ihr Leiter. Aber nach zwei Jahren, als er schon 35 Jahre zählte, ward er vom Fleische versucht und floh in die Wüste, wo er zwei Tage fastete, betete und sprach: »Herr mein Gott, töte mich, oder befreie mich von dieser Versuchung.« Am Abend also überfiel ihn der Schlaf, und er sah drei Engel zu sich kommen, die ihn fragten, warum er aus dem Kloster der Jungfrauen geflohen wäre; und als er aus Ehrfurcht nicht zu antworten wagte, sagten die Engel: »Wenn du befreit werden wirst, willst du dann zurückkehren und die Sorge um die Frauen übernehmen?« Er antwortete: »Gern.« Da nahmen sie den Eid darauf entgegen, den sie gefordert hatten und machten ihn zum Eunuchen. Denn der eine Engel schien ihm die Hände, der zweite die Füße, der dritte seine Testikeln abzuschneiden: nicht daß es wirklich so war, sondern es schien so zu sein; und als sie fragten, ob er das Heilmittel wirken spürte, antwortete er, er sei sehr erleichtert. Daher kehrte er am fünften Tage zu den trauernden Frauen zurück, und die vierzig Jahre, die er noch lebte, spürte er auch nicht einen Funken der alten Versuchung.

Nicht minder lesen wir, daß den heiligen Thomas, den Doktor unseres Ordens, eine solche Gnade zuteil ward, der, von seinen Verwandten wegen seines Eintritts in den genannten Orden eingekerkert, fleischlich versucht ward, daß er durch eine Hure verführt würde, die von seinen Verwandten in prächtigem Anzuge und Schmucke zu ihm geschickt ward. Als der Doktor sie erblickte, lief er zum wirklichen Feuer, ergriff einen Feuerbrand und jagte die Verführerin zur feuerigen Lust zum Gefängnisse hinaus. Dann fiel er sofort auf die Kniee zum Gebete um das Geschenk der Keuschheit und schlief ein. Da erschienen ihm zwei Engel, die zu ihm sagten: »Siehe, wir gürten dich nach Gottes Willen mit dem Gürtel der Keuschheit, der durch keine spätere Versuchung gelöst werden kann; und was durch menschliche Tugend, durch Verdienst nicht erreicht wird, das wird von Gott als Geschenk gebracht.« Er fühlte also das Gürten, d. h. die Berührung durch den Gürtel und wachte mit einem Schrei auf. Da fühlte er sich mit dem Geschenk solcher Keuschheit begabt, daß er von eben dieser Zeit an vor jeder Üppigkeit zurückschrak, so daß er ohne Zwang mit den Frauen nicht einmal reden konnte, sondern vollkommene Keuschheit besaß. – Dies aus Nider's Formicarius.

Mit Ausnahme also dieser drei Arten von Menschen ist niemand vor den Hexen sicher, daß er nicht nach den achtzehn unten beschriebenen Arten behext oder zur Hexerei verführt und verleitet werde, worüber zuerst der Reihe nach zu handeln ist. Damit später um so klarer gelehrt werden könne, durch welche Mittel die Behexten zu befreien seien, und damit desto klarer die achtzehn Arten selbst ersichtlich werden, sollen sie in ebenso vielen Kapiteln behandelt werden, so daß erstens betreffs des Eintrittes der Hexen die verschiedenen Arten klar gemacht werden, auf welche die Hexen selbst unschuldige Mägdlein zur Vergrößerung jener Ruchlosigkeit anlocken; zweitens von der Art ihrer gotteslästerlichen Profession, wo auch eine bestimmte Erklärung der dem Teufel selbst zu leistenden Huldigung gegeben wird; drittens von der Art, wie sie örtlich, mit dem Körper oder im Geiste, ausfahren; viertens, wie sie sich den Incubi unterwerfen; fünftens, im allgemeinen von der Art, wie sie durch die Sakramente der Kirche ihre Hexenwerke üben, und im besonderen von der Art, wie sie ohne Himmelskörper jedwede Kreatur mit Zulassung Gottes zu behexen pflegen; sechstens von der Art, wie sie die Zeugungskraft zu vernichten pflegen; siebentens von der Art, wie sie die männlichen Glieder durch Gaukelkunst wegzuhexen pflegen; achtens von der Art, wie sie die Menschen in Tiergestalten zu verwandeln pflegen; neuntens von der Art, wie die Dämonen in den Köpfen stecken können, ohne sie zu verletzen, wenn sie solche gauklerische Verwandlungen bewirken; zehntens von der Art, wie die Dämonen durch das Werk der Hexen die Menschen bisweilen substanziell bewohnen; elftens, wie sie jede Art von Krankheiten zu senden pflegen, im allgemeinen; zwölftens über einige Krankheiten im besonderen; dreizehntens von der Art, wie die Hexenhebammen den größten Schaden verursachen, indem sie die Kinder entweder töten oder den Dämonen weihen und angeloben; vierzehntens, von der Art, wie sie den Tieren verschiedenen Schaden zufügen; fünfzehntens, von der Art, wie sie Hagel und Stürme zu erregen und Blitze auf Menschen und Tiere zu schleudern pflegen; sechzehntens, siebzehntens und achtzehntens von den drei Arten, wie nur Männer und nicht Weiber Hexerei treiben. Dann folgt die Frage über die Arten, derlei Hexereien zu heben.

Glaube niemand, eine gründliche Kenntnis hiervon zu gewinnen, weil hier die verschiedenen Arten betreffs der verschiedenen Behexungen aufgezählt werden. Denn das ist nur mäßig nützlich, ja, vielleicht könnte es sogar schaden: denn nicht werden hier die verbotenen Bücher der Nigromantie aufgeführt, da diese Art von Aberglaube nicht in Büchern oder von Gelehrten, sondern durchaus nur von Unwissenden geübt wird: er hat aber einunddasselbe Fundament (wie die Hexenkunst): wenn das nicht ausdrücklich erwähnt oder geübt wird, dann kann unmöglich einer als Hexer Hexereien ausführen wollen.

Es werden aber hier die Arten nur oberflächlich aufgeführt, damit die Werke jener nicht unglaublich scheinen, wie es bisher zur größten Schmach des Glaubens und zur Mehrung der Hexen selbst geschehen ist. – Wenn jemand nach dem Voraufgehenden, da gesagt ist, einige würden durch die Einflüsse der Himmelskörper bewahrt, so daß sie auf keine Weise behext werden können, auch jenen Einflüssen zuschreiben wollte, wenn welche behext werden, gleichsam als ob darin eine gewisse Notwendigkeit wäre, vor den Hexen zu bewahren oder Behexung zu bewirken, so würde ein solcher in verschiedener Hinsicht nicht recht den Sinn der Doktoren erfassen: erstens, weil es nämlich dreierlei gibt, was von den drei himmlischen Ursachen gelenkt werden kann, nämlich die Handlungen des Willens, die Handlung des Verstandes und das Körperliche; und zwar wird das erstere, wie oben festgestellt ist, von Gott allein, unmittelbar gelenkt; das zweite von einem Engel, das dritte von einem Himmelskörper: mag es auch davon nur gelenkt, nicht gezwungen werden.

Zweitens, weil nämlich aus dem Gesagten ersichtlich, daß die Entscheidungen und Wollungen unmittelbar von Gott gelenkt werden, nach dem Apostelworte: »Gott ist es, der in uns das Wollen und Tun lenkt, nach seinem guten Willen«, und die menschliche Erkenntnis des Verstandes von Gott durch Vermittlung der Engel geordnet wird, deshalb wird auch alles Körperliche, mag es innerlich sein wie Tugend und Wissen, erworben durch innere körperliche Kräfte, mag es äußerlich sein, wie Gesundheit und Krankheiten, von Himmelskörpern durch Vermittlung der Engel verwaltet. Dies berührt auch Dionysius, dediv. nom. 4.: daß die Himmelskörper die Ursache dessen sind, was in dieser Welt geschieht; doch ist das zu verstehen bezüglich der natürlichen Gesundungen und Erkrankungen. Da aber jene Krankheiten wegen der Macht des Dämons, die jene mit Zulassung Gottes bewirkt, übernatürlich sind, deshalb können wir nicht sagen, daß es aus dem Einflüsse der Himmelskörper geschehe, daß jemand behext wird, wie man wohl sagen kann, daß es aus dem Einflüsse der Himmelskörper geschehe, daß jemand nicht behext wird.

Wenn gesagt wird, daß das Gegenteil dabei zu geschehen habe, und wie Gesetztes bei Gesetztem, so Entgegengesetztes bei Entgegengesetztem, so wird geantwortet, daß, wenn jemand vor solchen übernatürlichen Krankheiten durch die Kraft der Himmelskörper bewahrt wird, dies nicht durch die Kraft der Himmelskörper unmittelbar geschieht, sondern durch die Kraft des Engels, welcher jenen Einfluß verstärken kann, daß ein Feind mit seinen Hexereien nicht über ihn hinaus kann; und diese Engelskraft kann von einem Motoren des Himmelskörpers abgeleitet werden: wie wenn jemand im Augenblicke sterben müßte, da seine Zeit abgelaufen, so kann doch Gott, der immer durch Mittelursachen derlei tut, in seiner Macht eine Veränderung bewirken, indem er die erhaltende Kraft anstatt der vernichtenden der Natur und ihrem Einflüsse sendet. So dürfen wir auch von dem, der behext werden kann, sagen, daß er auch auf solche Weise vor Hexerei bewahrt bleibt; oder es geschieht eine solche Bewahrung von einem zur Bewachung beorderten Engel, was auch die vorzüglichste unter allen Wachen ist.

Wenn es Jeremias XXII heißt: »Schreibet diesen Mann für einen Unfruchtbaren, dem es sein Lebtag nicht gelingt,« so wird dies von den Entscheidungen des Willens verstanden, in denen der eine Mensch Glück hat, der andere nicht; was auch aus den Einflüssen der Himmelskörper geschehen kann. Zum Beispiel: Einer neigt infolge des Eindrucks der Himmelskörper zu gewissen nutzbringenden Entscheidungen, als Eintritt in eine Religion u. dergl.; und wenn sein Verstand vom Lichte des Engels erleuchtet wird, solches zu tun, und sein Wille infolge von göttlicher Einwirkung dahin neigt, solches zu erreichen, so heißt es von dem, er habe gutes Glück; oder auch, wenn jemand zu einer Kunst neigt, oder einer nützlichen, praktischen Beschäftigung. Dagegen wird einer übel beglückt heißen, wenn aus höheren Ursachen seine Wahl zu Entgegengesetztem neigt.

Über diese Ansichten und viele andere spricht S. Thomas, Summa c. gentil. 3. und an vielen anderen Stellen, wie der Unterschied sei, wenn man sagte, einer sei wohl oder schlecht geboren, wohl oder schlecht beglückt, wohl oder schlecht bewacht: weil nach der vom Himmelskörper zurückgelassenen Disposition einer wohl oder schlecht geboren und so auch beglückt heißt; nachdem er aber vom Engel erleuchtet wird, heißt er wohl und nicht schlecht bewacht, falls er den Erleuchtungen folgt; aber nachdem er von Gott zu Gutem erleuchtet wird und dem nachjagt, heißt er wohl geleitet. Doch diese Entscheidungen haben hier keine Stelle, weil wir über sie selbst nicht so handeln, wie über die Bewahrung vor Behexungen. Da genügt es für jetzt, zu den Zeremonien der Hexen zu verschreiten, die sie üben, und zwar zuerst, auf welche Weisen sie Unschuldige zu ihrer Ruchlosigkeit verlocken.

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