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Der Hexenhammer. Erster Teil

Heinrich Kramer: Der Hexenhammer. Erster Teil - Kapitel 4
Quellenangabe
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typetractate
authorJakob Sprenger ? Heinrich Institoris
titleDer Hexenhammer. Erster Teil
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag GmbH
printrun12. Auflage
isbn3-423-02162-4
year1996
firstpub1486
translatorJ. W. R. Schmidt
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20110614
projectid87fa49b9
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Ob der Dämon mit dem Hexer mitwirke, zweite Frage.

Ob es gut katholisch sei, zu behaupten, daß zu einer Hexentat immer der Dämon mit dem Hexer mitzuwirken habe, oder ob der eine ohne den andern, wie z.B. der Dämon ohne den Hexer, oder umgekehrt, eine solche Tat vollbringen könne?

1. Und zuerst wird nachgewiesen, der Dämon ohne Hexer: Augustinus lib. 83 q.: alles, was sichtbar geschieht, kann auch durch untere Mächte der Luft geschehen, wie man glaubt. Aber alle Schädigungen des Körpers sind nicht unsichtbar, sondern vielmehr fühlbar; daher können sie auch von Dämonen bewirkt werden.

2. Außerdem verursachte die Schädigungen, welche Job nach der Bibel trafen, als Feuer vom Himmel fiel und die Sklavenschar samt den Schafherden mit einem Schlage hinraffte, und ein Windstoß, der das Haus umstürzte, die Kinder tötete, ein Dämon allein, ohne Zutun einer Hexe, bloß mit Zulassung Gottes. Also analog auch in anderen (Taten), die man den Hexen zuschreibt. Klar ist es auch betreffs der sieben Männer der Jungfrau Sara, die der Dämon tötete.

3. Ferner, alles was eine höhere Kraft vermag, das vermag sie ohne Beihilfe einer höheren Kraft, und eine höhere ohne Beihilfe einer niederen. Aber eine niedere Kraft kann Hagel erregen und Krankheiten bringen ohne Unterstützung durch eine stärkere Kraft. Denn es sagt Albertus de propriet. rer., daß verfaulter Salbei, wenn man ihn auf die Arten, wie er es dort lehrt, in eine Quelle legt, wunderbare Stürme in der Luft hervorruft.

4. Ferner, wenn es heißt, daß der Dämon sich der Hexerei nicht aus Bedürfnis, sondern wegen des Verderbens derjenigen, die er sucht, bediene, so widerspricht dem Aristoteles Ethik 3: Böse Taten sind freiwillig, was er dadurch beweist, daß keiner mit Willen Unrecht tut, ohne zu wollen, daß es Unrecht sei; und keiner Unzucht treibt, ohne zu wollen, daß es unenthaltsam sei; und deshalb strafen auch die Gesetzgeber die Bösen, da sie gleichsam freiwillig Böses tun. Wenn aber ein Dämon mit Hilfe einer Hexe etwas vollbringt, so handelt er wie mit einem Werkzeuge; und da das Werkzeug abhängt vom Willen des handelnden Meisters und nicht nach eignem Willen handelt, wenn es mitwirkt, so wird man ihm auch die Tat nicht anrechnen und sie folglich auch nicht bestrafen können.

Aber dagegen: Der Dämon kann nichts hienieden ausrichten ohne die Hexen. Zuerst im allgemeinen. Jede Handlung geschieht durch Berührung. Und da der Dämon die Körper durchaus nicht berührt, da er nichts mit ihnen gemein hat, deshalb gebraucht er ein Werkzeug, indem er ihm durch Berührung die schädigende Kraft einflößt. Daß danach Hexereien auch ohne die Hilfe von Dämonen geschehen können, dies wird bewiesen durch den Text und die Glosse zu Galat. 3: »O, ihr unverständigen Galater, wer hat euch bezaubert, daß ihr der Wahrheit nicht gehorchet?« Glosse: Manche haben brennende Augen, die durch den bloßen Blick andere und zwar besonders Kinder bezaubern. Hierher gehört auch Avicenna, Natur. VI, 3. c. ult., der also spricht: »Oftmals wirkt eine Seele am fremden Leibe wie am eigenen, wie es geschieht bei dem Werke eines Zauberauges und der Absicht des Handelnden.« Ebendiese Ansicht stellte auf Agazel, 5. Phys. c. 9.

Es meint auch Avicenna, (mag man sich an jenes nicht halten), daß die Vorstellungskraft auch ohne Sehen fremde Körper verwandeln könne, wo er den Begriff Vorstellungskraft allzuweit ausdehnt; und wir fassen hier die Vorstellungskraft nicht in dem Sinne, insofern sie gegenüber anderen sinnlichen, inneren Kräften, wie Verstand, Einbildung, Meinung, unterschieden wird, sondern insofern sie alle diese inneren Kräfte umfaßt. Aber es ist wohl wahr, daß eine solche Vorstellungskraft einen verbundenen Körper verändern kann, wie z. B. in dem Falle, wo ein Mensch über einen Balken gehen kann, der mitten auf dem Wege liegt; wenn er aber über ein tiefes Gewässer gelegt wäre, würde er nicht wagen, darüber zu gehen, weil sich seiner Seele die Vorstellung des Fallens sehr lebhaft einprägt, welcher sein Leib und seine Gliederkraft gehorchen; aber nicht gehorchen sie ihm, stracks hinüberzugehen. Hierbei also stimmt diese Verwandlung mit dem Auge des Zaubernden, insofern zunächst der eigne Körper verwandelt wird, nicht ein fremder, worüber bald die Rede sein wird.

Wenn weiter gesagt wird, daß eine solche Verwandlung verursacht werde von einem lebenden Körper, indem die Seele auf den andern Körper vermittelnd wirkt, so widerspricht dem, daß in Gegenwart des Mörders das Blut aus den Wunden des Gemordeten fließt: die Körper können also auch ohne die Kraft der Seele Wundertaten vollbringen. Ebenso wird ein lebender Mensch, während er an der Leiche eines getöteten Menschen vorübergeht, auch wenn er ihn nicht bemerkt, doch von Schrecken ergriffen.

Auch haben natürliche Vorgänge gewisse verborgene Kräfte, deren Wesen von einem Menschen nicht gekennzeichnet werden kann, wie auch der Magnet Alle mir zu Gebote stehenden Ausgaben haben hier adamas, was freilich nicht Magnet bedeutet; aber ich habe nie gehört oder gelesen, daß der Diamant magnetische Kraft ausübe, wenigstens nicht auf Eisen. Eisen anzieht, und was sonst noch erwähnt ist bei Augustinus deciv. dei 20.

Item können sich die Weiber, um an den Körpern anderer Verwandlungen hervorzubringen, bestimmter Mittel bedienen, ohne Hilfe der Dämonen, was auch über unsern Verstand geht. Und weil es so ist, deshalb dürfen wir es nicht den Dämonen zuschieben, die gleichsam aus den Weibern heraussprächen.

Außerdem bedienen sich die Hexen bestimmter Bilder und Werkzeuge, die sie bisweilen unter die Schwelle der Haustüre legen, oder an bestimmte Orte, wo Tiere hinkommen oder auch Menschen, die dann behext werden, ja manchmal sterben. Daß aber derartige Wirkungen durch solche Bilder hervorgebracht werden können, insofern sie gewisse Einflüsse haben, die sie von Himmelskörpern erhielten, wird so bewiesen. Wie nämlich die natürlichen Körper den himmlischen unterworfen sind, so auch die künstlichen. Nun können natürliche Körper gewisse verborgene Eigenschaften empfangen, also etc. auch die künstlichen. Woraus ersichtlich, daß ihre Werke durch Dämonen ausgeführt werden können.

Ferner, wenn wahre Wunder geschehen können durch die Natureigenschaft dessen, der handelt, so auch wunderbare und erschreckliche und erstaunliche Werke durch die Kraft der Natur. Beweis: Gregorius dial. 2 sagt: »Die Heiligen tun Wunder teils durch Gebet, teils aus Macht.« Für beides wird ein Beispiel gegeben: Petrus erweckte durch sein Gebet die tote Thabita; den Ananias und die Saphira, welche logen, überlieferte er dem Tode durch Verfluchen, ohne Gebet. Also wird auch der Mensch durch die Macht seiner Seele die körperliche Materie in eine andere verwandeln oder aus dem Zustande der Gesundheit in den der Krankheit umgestalten können und umgekehrt.

Ferner ist der menschliche Leib edler als die anderen, tiefer stehenden Körper; aber durch die Aufnahme von Eindrücken seitens der menschlichen Seele wandelt sich der menschliche Leib, so daß er kalt und heiß wird, wie es sich bei Zornigen und Furchtsamen zeigt; ja, diese Wandelung führt zu Krankheiten und zum Tode; daher kann die Seele um so viel mehr durch ihre Kraft die Körpermaterie wandeln.

Aber dagegen: Die Substanz des Geistes kann nicht irgend welche Gestalt verleihen, außer durch die Beihilfe eines anderen Agens, wie oben festgestellt ist; daher auch Augustinus a. a. O.: »Man darf nicht glauben, daß dieser Stoff der sichtbaren Dinge den gefallenen Engeln auf den Wink gehorsam sei; sondern Gott allein.« Um so viel weniger kann daher der Mensch aus seiner natürlichen Kraft heraus Hexenwerke vollbringen.

Antwort. Weil es nicht an Leuten fehlt, welche hierin irren, indem sie die Hexen entschuldigen und entweder nur die Dämonen anklagen, oder ihre Taten gewissen natürlichen Verwandlungen zuschreiben, so wird ihre Verkehrtheit zuerst erwiesen durch eine Beschreibung der Hexen. Hierüber vergleiche Isidorus. Etym. VIII, 9: Hexen heißen sie wegen der Größe ihrer Verbrechen; nämlich schlecht vor allen andern Übeltätern ist ihre Wirksamkeit; er fügt hinzu: Sie verwirren die Elemente mit Hilfe der Dämonen, um Hagelschlag und Sturm zu erregen. Ebenso, sagt er, verstören sie den Geist der Menschen, d. h., (bringen ihn) zum Wahnsinn, Haß oder ungewöhnlicher Liebe. Item fügt er hinzu: Und ohne einen Tropfen Gift, bloß durch die Stärke ihres Zauberspruches vernichten sie die Seelen. Eben darauf bezieht sich 26. 5. c. nec mirum, und die Worte des Augustinus de civ. dei, wo gelehrt wird, wen man Zauberer (magus) und Hexenmeister (maleficus) nennt: Zauberer sind die, welche gewöhnlich Hexenmeister heißen und wegen der Größe ihrer Taten so benannt werden. Sie sind es, die mit Zulassung Gottes die Elemente verwirren; sie verstören den Geist der Menschen, die weniger auf Gott vertrauen; und ohne einen Tropfen Gift, nur durch die Stärke ihres Zauberspruches vernichten sie die Menschen; daher sagt auch Lucanus:

Nur durch Zaubergesang, nicht vom ätzenden Gifte bewältigt
Sinkt die Seele dahin.

Denn nach Herbeiholung der Dämonen wagen sie zu handeln, bis sie durch ihre Künste ihre Feinde vernichten. Daraus ist ersichtlich, daß bei derartigen Werken die Dämonen immer mit den Hexen mitzuwirken haben.

Zweitens: wir können vierfache Strafhandlungen annehmen: dienliche, schädliche, zauberische, natürliche. Dienliche heißen solche, die durch den Dienst guter Engel, schädliche, die durch den Dienst böser Engel geschehen. Moses traf Ägypten mit den zehn Plagen durch den Dienst guter Engel, wo die Zauberer nur in neun, unterstützt durch böse Geister, konkurrierten; die dreitägige Pest wegen David's Sünde, um der Zählung des Volkes willen, und wegen der zweiundsiebzig Tausend, welche nachts durch das Heer des Sanherib fielen, dies alles geschah durch Engel des Herrn und zwar durch gute, die den Herrn verehren und ihn kennen. Schädliche Schickungen, die in der Schrift die Schickungen durch böse Engel genannt werden, sind die, durch welche das Volk in der Wüste getroffen wurde. Zauberische heißen die, welche ein Dämon durch Hexen und Zauberer vollbringt; so wie natürliche, die aus den Einflüssen der Himmelskörper und zwar den geringeren unter ihnen hervorgehen in Gestalt von Sterblichkeit, Unfruchtbarkeit der Äcker, Hagelschlag und ähnlichem. Und unter diesen Erscheinungen herrscht große Verschiedenheit: wenn also Job durch einen Dämon von einem schädlichen Schlage getroffen ward und nicht von einem zauberischen, so gehört das nicht hierher. Wenn aber jemand kurios halsstarrig bliebe, wie denn überhaupt dieser Stoff kuriose Beanstandungen erfährt von den Verteidigern der Hexen, die immer an der Schale der Worte hängen, Lufthiebe tun und niemals zum Kern der Wahrheit gelangen und fragen, warum nicht Job durch einen Dämon, wie von einem schädlichen, so von einem zauberischen Schlage getroffen worden sei; diesem kann man ebenso kurios antworten, daß Job vom Teufel allein getroffen ward, ohne Vermittlung eines Hexenmeisters oder einer Hexe; denn diese Art des Aberglaubens war damals noch nicht bekannt; doch wollte die göttliche Vorsehung, daß die Macht des Dämonen, um sich gegen seine Nachstellungen schützen zu können, zum Ruhme Gottes der Welt bekannt würde, indem er nichts tun kann ohne Zulassung Gottes. Von der Zeit, wo die erste Art des Aberglaubens bekannt ward, wobei ich unter »erster Art« die Anrufung der Dämonen, nicht den eigentlichen Götzendienst verstehe, sagt Vincentius, spec. hist. mit Anführung mehrerer Gelehrten, daß der erste Erfinder der Magie und Astrologie Zoroaster war, der ein Sohn des Cham gewesen sein soll, des Sohnes des Noah. Dieser war nach Agustinus de civ. dei der einzige, der bei der Geburt lachte, was doch nur mit Hilfe des Teufels geschehen konnte. Als dieser König war, wurde er besiegt von Ninus, dem Sohne des Bei, der Ninive erbaute, oder vielmehr, unter dem das assyrische Reich begann, zur Zeit Abrahams.

Dieser Ninus ließ auch aus ungewöhnlicher Liebe zum Vater demselben nach dem Tode eine Bildsäule errichten, und welcher Missetäter dorthin floh, war frei von jeder Strafe, die er verwirkt hatte. Seitdem begannen die Menschen Bilder wie Götter anzubeten, aber dies erst nach dem ersten Zeitalter, weil es zu jener Zeit noch keinen Götzendienst gab, wegen des noch frischen Andenkens an die Schöpfung der Welt, wie S. Thomas sagt, II, 95, 4. Oder auch es war Nimrod der Begründer, welcher die Menschen zwang, das Feuer anzubeten; und so begann im zweiten Zeitalter der Götzendienst, als die erste Art des Aberglaubens; die Weissagung ist die zweite, die dritte ist die Beobachtung. Die Gebräuche aber der Hexen gehen zurück auf die zweite Art des Aberglaubens, nämlich auf die Weissagung, welche geschieht durch ausdrückliche Anrufung der Dämonen; und es gibt drei Arten: nämlich Nigromanten, Planetarier oder vielmehr Astrologen (Mathematici) und die Weissagung durch Träume.

Dies habe ich deshalb hierher gestellt, damit der Leser zuvor einsehen möchte, daß jene schädlichen Künste nicht plötzlich, sondern im Laufe der Zeit bekannt geworden seien, und daß es nicht unsinnig sei zu behaupten, zu Jobs Zeiten habe es keine Hexen gegeben. Wie nämlich mit der Zahl der Jahre, wie es bei Gregorius, Moral, heißt, die Kunde von den Heiligen wuchs, so auch die schädlichen Künste der bösen Geister. Wie die Erde damals erfüllt war von der Kenntnis Gottes, Jesaias 11, so ist die Welt jetzt, wo sie sich zum Untergange neigt, überflutet von jeglicher Bosheit der Dämonen, da die Schlechtigkeit der Menschen zunimmt und die Liebe erlischt.

Aber da Zoroaster selbst eifrigst auf solche Taten aus war, und zwar nur vermittelst der Beobachtung der Sterne, wurde er vom Teufel verbrannt. Soweit dieses a.a.O.

Über die Zeit aber, wo nach den schriftlichen Aufzeichnungen Hexen mit Dämonen behufs Vollbringung von Hexenkünsten zusammengekommen seien, ist schon gesprochen; man findet es Exod. 7, über die Zauberer Pharaos, welche bei den Plagen, die über Ägypten kamen, unter dem Beistande von Dämonen, wie Moses durch die Hilfe guter Engel, viele Zeichen taten.

Daraus wird die gut katholische Wahrheit geschlossen, daß nämlich zur Vollbringung von Hexenwerken, wenn auch nicht von bloß schädlichen Taten, ein Hexer immer mit einem Dämon zu tun haben muß.

Daraus ergibt sich die Antwort auf die Argumente. Denn mit Bezug auf das erste wird nicht geleugnet, daß die schädlichen Taten, welche sichtbarlich an Menschen, Tieren und Feldfrüchten geschehen und auch statt haben infolge von Konstellationen, auch durch Dämonen, mit Zulassung Gottes, beigebracht werden können. Denn Augustinus deciv. dei 3 sagt: »Den Dämonen sind Feuer und Luft Untertan, so weit es ihnen Gott gestattet.« Es erhellt auch aus der Glosse über jenes Wort von den Schickungen durch böse Engel: »Gott straft durch böse Engel.«

Daraus ergibt sich auch die Antwort auf das zweite Argument, Job betreffend, ebenso aus dem, was früher festgestellt ist über den Anfang der Magie.

Bezüglich des dritten Punktes, verfaulten Salbei in den Brunnen werfen etc., wird erwidert, daß wohl eine schädliche Wirkung eintreten könne ohne Hilfe eines Dämonen, aber nicht ohne Einwirkung eines Himmelskörpers. Wir sprechen aber von der Hexentat: daher paßt es nicht hierher.

Betreffs des vierten Punktes wird gesagt, daß es wahr sei, daß die Dämonen sich der Hexen nur bedienen zu deren Verderben; und wenn eingewendet wird, daß sie nicht zu strafen seien, da es ja nur Werkzeuge seien, die sich nicht nach eignem Willen, sondern nach dem des handelnden Herrn bewegen, so ist darauf zu erwidern, daß es beseelte, aus freiem Entschlüsse handelnde Werkzeuge sind, mögen sie auch nach dem ausdrücklich mit den Dämonen abgeschlossenen Pakte nicht mehr Macht über sich haben, weil, wie wir aus ihren Geständnissen wissen, und zwar spreche ich von den verbrannten Weibern, sie zu den meisten Hexentaten gezwungen mitwirken, wenn sie Prügel von den Dämonen vermeiden wollen, sie doch durch die erste Versprechung, durch die sie sich den Dämonen anheimgeben, gebunden bleiben.

Über die andern Argumente, mit denen bewiesen wird, daß Hexenwerke ohne Hilfe von Dämonen durch alte Weiber getan werden könnten, ist zu sagen, daß von einem Teile auf das Ganze zu schließen, der Vernunft widerspricht; und da es scheint, daß in der ganzen Heiligen Schrift nichts derartiges gefunden wird außer hier, wo es sich handelt um Zauberei oder bösen Blick alter Weiber, so ist man nicht imstande, hieraus zu schließen, daß es immer so sein müsse. Überdies ist die Sache wegen der Glosse unsicher: Ob ohne Hilfe der Dämonen eine solche Zauberei geschehen könne, weil dort aus Glossen ersichtlich wird, daß Zauberei dreifach genommen wird: erstens heißt man so die Sinnestäuschung, welche durch zauberische Künste hervorgerufen wird und also auch möglich ist mit Hilfe der Dämonen, wenn sie nicht durch den unmittelbar vermittelnden Gott oder durch die Hilfe der guten Engel gehindert werden. Zweitens kann man so nennen den Neid, wie dort der Apostel sagt: ›Wer hat euch so bezaubert‹, d. h. so mit Haß verfolgt? Drittens findet aus solchem Haß eine Umwandlung zum Schlechten in dem Körper des Betreffenden statt, durch die Augen dessen, der ihn ansieht; und über diese eben genannte Zauberei sprechen die Gelehrten übereinstimmend, wie auch Avicenna und Algazel, wie in den Argumenten hergeleitet wird, gesprochen haben. Auch S. Thomas 1, 97 erläutert diese Zauberei auf folgende Weise: Vielleicht durch die starke Vorstellung der Seele, sagt er, werden die Geister des verbundenen Körpers verändert. Diese Veränderung der Geister geschieht besonders an den Augen, in welche feinere Geister kommen. Die Augen nun infizieren die Luft fort bis zu einem bestimmten Räume. Auf diese Weise bekommen Spiegel, wenn sie neu und rein sind, eine gewisse Trübung durch die Spiegelung eines Weibes, welches die Regel hat, wie Aristoteles de somn. et vigil. sagt. Wenn also eine Seele heftig zur Schlechtigkeit bewegt worden ist, wie es besonders alten Weibern passiert, so geschieht es wie vorhin angegeben. Ihr Blick ist giftig und schädlich, und zwar am meisten für Kinder, die einen zarten Leib haben und leicht empfänglich sind für Eindrücke. Doch, fügt er hinzu, ist es möglich, daß infolge göttlicher Zulassung oder aus irgend einem andern, verborgenen Grunde die Bosheit der Dämonen hierbei mitwirkt, mit denen die Hexenweiber einen Pakt geschlossen haben.

Aber zum weiteren Verständnis der Lösungen werden einige Zweifel behoben, durch deren Beseitigung die Wahrheit noch mehr erhellen wird. Es scheint nämlich erstens das oben Gesagte zu widersprechen, daß geistige Substanzen Körper nicht in irgend eine natürliche Form umwandeln können, außer durch Beihilfe eines anderen Agens; also wird das viel weniger die wenn auch noch so starke Vorstellung der Seele bewirken können. Außerdem gibt es einen Artikel, der an den meisten Universitäten, besonders aber in Paris, verdammt ist, welcher lautet, daß ein Beschwörer ein Kamel durch den bloßen Blick in die Grube wirft, deshalb, weil, wie höhere Einsichten niedere beeinflussen, so auch eine intellektuelle Seele eine andere und zwar eine sensitive beeinflußt. Ebenso ist noch ein Artikel verdammt, welcher sagt, daß die Außenwelt der geistigen Substanz gehorcht, wenn man es einfach versteht und bezüglich jeder Art der Verwandlung; weil es so allein Gott zusteht, wie früher gezeigt ist.

Nach Erfassung dieser Punkte wird erläutert, in welcher Weise die Zauberei, von der wir reden, möglich sei und wie nicht. Es ist nämlich dem Menschen nicht möglich, durch die natürliche Kraft seiner Seele durch die Augen hindurch eine solche Kraft ausgehen zu lassen, die ohne Vermittlung einer Veränderung des eigenen noch des zwischenliegenden Körpers dem Leibe des Menschen, den er anblickt, Schaden zufügen könnte; besonders da wir nach der allgemeinen Annahme sehen, daß (die Augen) in sich aufnehmen, aber nichts ausgehen lassen. Auch ist es nicht möglich für einen Menschen, daß er durch die natürliche Kraft seiner Seele nach seinem Willen eine Verwandlung vollbringe durch Vorstellung in seinen Augen, die durch Vermittelung der Veränderung des Mittelkörpers, der Luft, den Körper des Menschen, den er anblickt, in irgend eine Gestalt verwandeln könne, je nachdem es ihm beliebte; und weil nach diesen beiden vorgenannten Arten kein Mensch den andern bezaubern kann, da keinem Menschen infolge der natürlichen Kraft der Seele eine solche Kraft innewohnen kann, deshalb ist der Versuch, zu beweisen, daß Hexenwerke hervorgebracht werden könnten aus einer natürlichen Kraft, um die Werke der Hexen zu entkräften, welche durch die Macht der Dämonen geschehen, ganz und gar der Wahrheit zuwider. So wird ja auch auf diese beiden Weisen die Zauberei und die Hexerei zurückgewiesen, wie auch die beiden genannten Artikel.

Wie sie aber doch möglich sei, soll hier noch deutlicher ausgeführt werden, wiewohl es schon weiter oben festgesetzt ist. Es kann nämlich geschehen, daß ein Mann oder eine Frau, wenn sie den Leib eines Knaben ansehen, ihn durch Vermittlung des bloßen Anblickes und der Einbildung oder irgend einer sinnlichen Leidenschaft erregen; und weil eine solche mit körperlicher Veränderung verknüpft ist, und die Augen sehr zart sind, weshalb sie Eindrücke sehr leicht aufnehmen, deshalb trifft es sich manchmal, daß durch irgend eine innere Erregung die Augen in eine schlechte Beschaffenheit verändert werden, wobei am meisten mitwirkt eine gewisse Einbildung, deren Eindruck schnell in den Augen sich ausdrückt wegen ihrer Zartheit und wegen der Nachbarschaft des Sitzes der Einzelsinne mit dem Organe der Einbildung; wenn aber die Augen in irgend eine schädigende Beschaffenheit verwandelt sind, dann kann es sich ereignen, daß sie die ihnen benachbarte Luft in eine schlechte Beschaffenheit verwandeln, und dieser Teil andere, und so fort bis zu der Luft, die den Augen des Knaben, den man ansieht, am nächsten ist; und diese Luft wird bisweilen die Augen des Knaben in den disponierten Stoff, zu dem sie paßt, mehr als in den nicht disponierten, in eine andere, schlechte Beschaffenheit verwandeln können, und durch Vermittlung der Augen andere, innere Teile des Knaben selbst. Daher wird er unfähig sein, Speise zu verdauen, an den Gliedern zu erstarken und zu wachsen. Dies läßt sich durch die Erfahrung handgreiflich zeigen, weil wir sehen, daß ein an den Augen leidender Mensch bisweilen durch seinen Blick die Augen dessen schädigen kann, der ihn ansieht, was daher kommt, daß die mit der bösen Eigenschaft behafteten Augen die Mittelluft infizieren und die infizierte Luft die Augen infiziert, welche auf die kranken gerichtet sind, sodaß in gerader Linie jene Infizierung übertragen wird, gerade in die Augen derer, die (auf die kranken) schauen; wobei die Einbildung des Betreffenden viel tut, welcher meint, er werde durch den Anblick der kranken Augen geschädigt.

Es könnten noch mehr handgreifliche Beispiele angeführt werden, doch lassen wir sie um der Kürze willen weg.

Hiermit stimmt überein eine Glosse über jenes Wort des Psalmisten: »Welche dich fürchten, werden mich sehen,« welche sagt: Große Kraft liegt in den Augen, was sich in der Natur zeigt: ein Tier nämlich, welches gesehen wird, nützt den Gelbsüchtigen; ein Wolf, der zuerst sieht, läßt seine Stimme nicht erschallen. Oder: der Basilisk tötet, wenn er zuerst sieht; er stirbt, wenn er zuerst gesehen wird. Der Grund, weshalb der Basilisk durch seinen Blick den Menschen tötet, ist allein, weil infolge des Anblickes und der Vorstellung in seinem Körper Giftstoff erregt wird, durch welchen zuerst die Augen infiziert werden, dann die umgebende Luft und so ein Teil derselben nach dem andern, bis zu der den Menschen umgebenden Luft; und wenn nun der Mensch diese durch Einatmen in sich aufnimmt, wird er behext und stirbt. Wird aber der Basilisk zuerst vom Menschen gesehen, und der Mensch will ihn töten, so behängt er sich mit Spiegeln; und während der Basilisk hineinblickt, wird die Luft durch die Spiegelung von ihnen aus infiziert und so fort bis sie zum Basilisken kommt, der nun so getötet wird. Aber es ist zweifelhaft, warum der Mensch, der Töter des Tieres, nicht selbst stirbt; hier muß man eine geheime Ursache annehmen.

Dies ist ohne Vorurteil und ohne tollkühne Rechthaberei gesprochen; einzig an die Worte der Heiligen uns haltend, können wir die echt katholische Wahrheit erschließen, daß, was Hexenwerke betrifft, worüber wir gegenwärtig reden, die Hexen immer mit Dämonen zu tun haben und der eine ohne den andern nichts ausrichten kann.

Zu den Argumenten: Betreffs des ersten ist die Antwort über die Zauberei klar.

Über das zweite wird gesagt nach Vincentius, spec. nat. 13, daß die Wunde, infiziert vom Geiste des Mörders durch starke Vorstellung die infizierte Luft anzieht; geht der Mörder vorbei, so fließt das Blut heraus, weil bei der Anwesenheit des Mörders die in der Wunde eingeschlossene Luft, wie sie vom Mörder aus eindrang, bei seiner Gegenwart bewegt wird, durch welche Bewegung das Blut ausfließt. Einige führen noch andere Gründe an, wonach dieses Blutfließen sein (des Ermordeten) Schrei aus der Erde sei über den anwesenden Mörder, und zwar wegen der Verfluchung des ersten Mörders, des Kain.

Zu jener Bemerkung betreffs des Schauders ist zu sagen, daß ein Mensch, der an der Leiche eines getöteten Menschen vorübergeht, von Schauder geschüttelt wird, wenn er jenen auch nicht bemerkt. Das geschieht durch den Geist, der einen wenn auch noch so kleinen Eindruck empfängt und ihn der Seele mitteilt. Aber dies läßt nichts gegen die Werke der Hexen schließen, da alles dies, wie gesagt, auf natürliche Weise geschehen kann.

Drittens, wie oben gesagt, werden die Gebräuche der Hexen zurückgeführt auf die zweite Art des Aberglaubens, die man Weissagung nennt; aber gewisser Dinge sich abergläubisch bedienen bei bestimmten Beobachtungen, wird auf die dritte Art zurückgeführt, deshalb gehört das Argument nicht hierher; endlich auch, weil sie zurückgeführt werden nicht auf jede beliebige Art von Weissagung, sondern auf die, welche durch ausdrückliche Anrufung der Dämonen geschieht; und da dies auch auf viele Arten geschehen kann, durch Nigromantie, Geomantie, Hydromantie etc., worüber zu vergleichen 2, 2, 95, 5, deshalb hat auch diese Weissagung der Hexer, wenn sie auf Hexenwerk sinnen, wie sie eine sehr hohe Natur unter den Verbrechen einnimmt, so auch ein anderes Gericht zu gewärtigen. Wenn daher in der Weise argumentiert wird, daß, weil wir die verborgenen Kräfte der Dinge nicht erkennen können und auch die Hexer auf Geheimes ausgehen, gesagt wird, wenn sie nach Natürlichem strebten, um aus natürlicher Kraft natürliche Wirkungen hervorgehen zu lassen, dann wäre ihnen das, wie sich von selbst versteht, erlaubt; oder auch zugegeben, daß, wenn sie abergläubisch Natürliches erstrebten, nämlich derartige Dinge, auf die sie bestimmte Charaktere und irgendwelche unbekannten Worte aufschreiben, sie sie gebrauchten, um Gesundheit, Freundschaft oder einen andern Nutzen sich zu verschaffen, aber nicht um irgend einen Schaden zuzufügen, dann könnte solches, wenn ohne ausdrückliche, so doch nicht ohne schweigende Anrufung der Dämonen geschehen und wird für unerlaubt gehalten.

Weil jedoch dies und ähnliches auf die dritte Art des Aberglaubens, nämlich auf die Beobachtung der eitlen Dinge zurückgeführt wird, wie gesagt ist, deshalb trägt dies nichts bei zur Frage über die Ketzerei der Hexen. Auch die Lösung, daß dieser dritten Art vier Unterarten zugeschrieben werden, weil der Betreffende sich der Beobachtung bedient, um ein Wissen zu ergründen oder Vermutungen zu gewinnen über Glück oder Unglück oder zur Umgehung der heiligen Worte oder zur Verwandlung von Körpern in einen besseren Zustand, daher auch S. Thomas in jenem Titel der Frage, ob die zur Veränderung der Körper verordneten Beobachtungen erlaubt seien, 9, 96, a r. 2 der erwähnten Summa, bemerkenswerterweise hinzugefügt, »nämlich zur Gesundheit«; also die Beobachtungen der Hexer, wenn sie hier Platz haben, gehören doch, wie gesagt, unter die zweite Art des Aberglaubens, gehören also nicht hierher.

Danach wird auch auf das vierte Argument geantwortet, daß bei solcher Beobachtung zwiefache Bilder, nigromantische und astronomische, vorkommen können, und unter ihnen ist der Unterschied der: bei den nigromantischen finden immer ausdrückliche Anrufungen der Dämonen statt, wegen der ausdrücklich mit ihnen eingegangenen Pakte, (man sehe die Lösung des zweiten Argumentes der genannten Frage); dagegen bei den astronomischen sind nur. stille Pakte und darum keine Anrufung außer vielleicht einer stillen, nämlich wegen der Figuren und der Zeichen der Charaktere, die auf sie geschrieben werden. Und wiederum die nigromantischen Bilder werden entweder gemacht unter bestimmten Konstellationen, um bestimmte Einflüsse und Eindrücke der Himmelskörper aufzunehmen, auch mit bestimmten Figuren und Charakteren versehen, wie an einem Ringe, Steine oder einem andern kostbaren Stoffe; oder sie werden einfach gemacht ohne Beobachtung der Konstellationen, aber ohne Unterschied aus jedem, auch gewöhnlichem Stoffe, um Hexerei zu verüben, wo und wann sie auf bestimmte Stellen gelegt werden; und von solchen Wirkungen samt ihren Bildnissen ist jetzt die Rede und nicht von andern: darum gehört das Argument nicht zur Sache.

Wieso endlich bestimmte Zauberbilder, von denen geredet ist, keine Wirksamkeit haben, insofern sie nur künstlich sind, mögen auch die an ihnen betrachteten Stoffe eine Wirkung haben können, und nicht insofern sie eine natürliche Kraft hätten durch den Eindruck der Himmelskörper, darüber möge, wem's gefällt, den Doctor nachsehen. Er sagt jedoch, es sei immer unerlaubt, sich der Bilder zu bedienen. Die Bilder aber der Hexen werden angewendet ohne natürliches Geeignetsein zur Wirkung; sie legen sie aber nur und verwenden sie auf Befehl der Dämonen, daß sie zur Wirkung mit Hand anlegen, zur größeren Schmach für den Schöpfer, daß das Böse geschehe zur Rache solcher Schandtaten: Daher sorgen sie, daß derlei auch an den heiligen Tagen des Jahres geschehe.

Zum Fünften ist zu sagen, daß Gregorius dort die Macht der Gnade, nicht der Natur verstand, daher er auch anfügt: Welche Söhne in Gottes Macht sind, wie Joannes sagt, was Wunder, wenn sie Zeichen tun durch seine Macht?

Zum letzten (Argumente) ist zu sagen, daß die Ähnlichkeit nichts gilt, weil die Handlung der Seele am eignen Körper eine andere ist als am fremden. Denn weil dem eignen Leibe die Seele vereint wird wie eine Gestalt und der sensitive Trieb der Akt eines körperlichen Organs ist, deshalb kann auf einen Eindruck der menschlichen Seele hin der sensitive Trieb (gleichzeitig) unter einer körperlichen Umwandlung zu Kälte und Hitze, ja alich bis zum Tode erregt werden. Aber zur Verwandlung der äußeren Körper genügt nicht der Eindruck der menschlichen Seele, außer mit Vermittlung der Verwandlung des eignen Körpers, wie von der Zauberei gesagt ist. Darum auch bewirken die Hexen aus keiner natürlichen Kraft, sondern nur mit Hilfe der Dämonen, und die Dämonen selbst ihre Hexenwerke durch Beihilfe irgend eines anderen Dinges wie Dornen, Knochen, Haare, Holz, Eisen und derartiges, indem sie es senden oder irgend ein Werkzeug niederlegen, wie der Reihe nach klar werden wird.

Nun ist mehr mit Festhaltung an dem geistigen Inhalte der apostolischen Bulle der Ursprung der Hexen und ihre mannigfaltigen Werke zu betrachten: zuerst von den Hexen selbst, dann zweitens von ihren Werken. Hier ist anzumerken, daß zu einer derartigen Ausführung drei Kräfte zusammen zu wirken haben: der Dämon, die Hexe, die göttliche Zulassung; 23. qu. 1: Siper sortiarias. Auch Augustinus sagt, daß infolge der verderblichen Gemeinschaft der Menschen und Dämonen dieser abergläubische Wahn bekannt geworden ist. Daher schreibt sich der Ursprung und die Zunahme dieser Ketzerei hier aus dieser verderblichen Gemeinschaft, was auch aus anderem ersichtlich ist.

Denn wohlgemerkt: Diese Hexerketzerei ist nicht nur von anderen Ketzereien darin verschieden, daß sie nicht bloß durch ausdrückliche, sondern auch freiwillig geschlossene Pakte, auf jede Schmähung und Schädigung des Schöpfers und seiner Geschöpfe rasend begierig ist, während doch alle andern, einfachen Ketzereien ohne stille und ausdrückliche mit den Dämonen geschlossene Pakte, wenn auch nicht ohne Anspornung des Säers alles Neides, den Irrlehren anhangen, wegen der Schwierigkeit des zu Glaubenden; sondern diese Hexenketzerei unterscheidet sich auch von jeder andern schädlichen und abergläubischen Kunst darin, daß sie vor allen Arten der Weissagungen den höchsten Grad von Bosheit besitzt, so daß sie auch den Namen maleficium, wie früher festgesetzt, bekommt von maleficere, d.h. male de fide sentire.

Wohl zu bemerken ferner, daß sie (die Hexen) außer anderen Handlungen zur Stärkung jenes Unglaubens viererlei zu tun haben: den katholischen Glauben ganz oder teilweise mit gotteslästerlichem Munde abzuleugnen und sich selbst mit Leib und Seele zu verkaufen, die noch ungetauften Kinder dem Bösen selbst zu überliefern und teuflische Unflätereien durch fleischlichen Umgang mit den Incubi und Succubi zu treiben.

O, wenn doch alles das fern von aller Wahrheit und erdichtet genannt werden könnte, und wenigstens die Kirche von so schrecklicher Besudelung frei bliebe! Doch dem steht leider entgegen sowohl die Bestimmung der Bulle des Papstes als auch die Lehrmeisterin Erfahrung, die uns nach den eignen Geständnissen (der Hexen) und den von ihnen begangenen Schandtaten so sicher gemacht hat, daß wir ohne Gefährdung des eignen Heiles nicht mehr von der Inquisition abstehen können.

Darum wollen wir von ihrem Ursprünge und ihrer verderblichen Vermehrung handeln; und weil es eine schwere Arbeit ist, müssen wir beim Lesen das einzelne mit der größten Sorgfalt so untersuchen, daß das zuzulassen ist, was als mit der Vernunft vereinbar und den Überlieferungen der Schrift nicht zuwider befunden wird. Und weil unter allen Handlungen, die zu ihrer Vervielfältigung dienen, zwei besonders wirksam sind, nämlich die mit den Incubi und Succubi und die schändliche Gelobung der Kinder, deshalb werden wir von ihnen besonders handeln, so zwar, daß zuerst von den Dämonen selbst, zweitens von den Hexen, drittens von der göttlichen Zulassung gesprochen wird; und weil die Dämonen durch Verstand und Willen handeln und mehr unter der einen als unter der andern Konstellation, zu dem Zwecke, daß der Same keimfähig sei, werden die von den Dämonen beobachteten Konstellationen untersucht werden müssen; und so ergeben sich hauptsächlich drei Konstellationen und so ergeben sich hauptsächlich drei Fragen: erstens, ob diese Ketzerei durch die Vermischung mit den Incubi und Succubi ursprünglich vervielfältigt werden könne; zweitens ob nicht durch die Vermischung mit den Himmelskörpern, die auch die Ursache menschlicher Handlungen sind, ihre Werke stark werden können; drittens ob nicht durch die schändliche Auslieferung der Kinder an die Dämonen die Ketzerei verschlimmert werden könne; doch wird zwischen der zweiten und dritten die zweite Hauptfrage behandelt werden, nämlich über die Einflüsse der Himmelskörper, und zwar wegen der passenden Fortsetzung (der Untersuchung) über die Werke der Hexen. Betreffs des ersten Punktes werden sich drei Schwierigkeiten herausstellen, eine allgemeine über jene Incubi; die zweite, spezielle, von welchen Dämonen derartige Taten vollbracht werden; die dritte, ganz besondere, mit Bezug auf die Hexen, die sich den Dämonen unterwerfen.

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