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Der Heulerspiegel

Heinrich Hoffmann: Der Heulerspiegel - Kapitel 1
Quellenangabe
typesatire
booktitleHumoristische Studien und Satiren
authorHeinrich Hoffmann
year1986
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-14520-6
titleDer Heulerspiegel
pages221-238
created20020727
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1849
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Heinrich Hoffmann

Der Heulerspiegel

Mitteilungen aus dem Tagebuch des Herrn Heulalius von Heulenburg


Offener Brief des Herausgebers an den Verfasser

Hochwohlgeborener Herr von Heulenburg!

Wohl niemand wird in Deutschland in dem Grade verwundert sein, wenn er diese wenigen gedruckten Blätter in die Hände bekommt, wie gerade Sie, der Verfasser. Sie wähnten dieselben sicher geborgen im Schreibpulte, als ihr eigenstes, geheimstes Eigentum, und nun flattern sie im Luftzug der Öffentlichkeit draußen umher, möglicherweise in vieler Hände. Es muß Ihnen dabei zu Mute werden, wie jenen Theaterfreunden, die, während der Vorhang noch nicht aufgezogen ist, aus den Kulissen hervortreten, sich, den Hut auf dem Kopfe, die Hände in den Taschen und den Rücken gegen das Publikum gekehrt, ruhig sich umsehen, das Zeichen überhören, und die nun plötzlich, wenn die Szene sich geöffnet hat, zu eigener Überraschung eine Rolle im Stücke mitzuspielen gezwungen sind. Aber trösten Sie sich. Wie Ihnen geht es heutzutage noch gar vielen deutschen Menschenkindern. Ja! Ich fand mich bewegen, Ihnen diese kleinen Aufsätze zu »enthändigen«; auf der andern Seite bin ich aber auch ehrlich genug, dies unumwunden zu gestehen, und so mag dieser offene Brief Sie vor etwa möglichen Ungelegenheiten bewahren. Allein rechtfertigen muß ich dennoch meine Handlungsweise. Ich hatte sieben Gründe zu meiner sog. Unehrlichkeit.

  1. bewog mich dazu das Prinzip der Öffentlichkeit.
  2. Die neuen Ideen über das Eigentum. Bedenken Sie und folgern Sie! Wenn alles Eigentum in den Besitz des Staates übergeht, z. B. sogar die leiblichen Kinder (folglich auch die des Geistes), wenn es gleich ist, ob ich etwas habe oder Sie, da wir beide es doch nicht haben, sondern die Allgemeinheit, so stehen wir auf einem ganz neuen Rechtsboden, auf welchem aller Diebstahl platterdings unmöglich und ein Nonsens ist. Der Diebstahl ist nämlich ja dann ganz derselbe Prozeß, als wenn der Staat etwas aus der rechten Tasche in die linke steckt.
  3. Die Sicherung der Freiheit und der neuen Ordnung. Ich halte es nämlich für eine Verpflichtung jedes Staatsbürgers, ja es sollte durch ein Reichsgesetz einem jeden als solche auferlegt werden, ein Tagebuch zu schreiben. Daß solche Selbstdaguerrotypen dann von Zeit zu Zeit eingesehen werden müßten, versteht sich von selbst. Niemand könnte über Terrorismus oder Polizeigewalt klagen; denn dieselbe Maßregel wird eine ganz andere Maßregel, ob sie im Dienste eines Einzelwillens oder im Namen der Freiheit vollführt wird. Frankreich hat diesen Satz außer Zweifel gesetzt. Was mithin den vorliegenden Fall angeht, so haben wir beide nur unseren Staats Verpflichtungen Genüge geleistet, ich als Enthändiger, Sie als Enthändigter.
  4. Eine solche Veröffentlichung ist gar nichts Neues. Unsere modernen Touristen haben dergleichen kleine Indiskretionen schon längst bei uns eingebürgert.
  5. Das Geschlecht der Heulenburger ist gegenwärtig so verbreitet, daß es schwerhalten wird, gerade Sie, als den rechten, herauszufinden.
  6. Vielleicht habe ich Ihnen noch einen großen Dienst geleistet. Ihre Tagebuchblätter finden vielleicht Beifall. Sie werden berühmt wider Ihren eigenen Willen, sozusagen hinter Ihrem eigenen Rücken. – Ist dies aber nicht der Fall, so können Sie
  7. endlich Gott danken, daß ich nicht noch mehr von Ihren Selbstgesprächen bekannt gemacht habe.

Mit diesen sieben Thesen habe ich wohl meine Verpflichtung zu Entschuldigungen gegen Ew. Hochwohlgeboren erfüllt, und ich erwarte demnach von Ihrer Versöhnlichkeit, daß Sie mir bei unserer nächsten Zusammenkunft zurufen: Soyons amis, Cinna! Bis dahin grüßt

Euer Hochwohlgeboren
ergebener
Heinrich Hoffmann

Aus dem Tagebuch des Herrn Heulalius von Heulenburg

September bis Dezember 1848

– –. So kann sich endlich denn einmal unsereiner wieder sachte an das liebe Tageslicht hervorwagen und zu sich selber flüstern: Ich existiere! Dank dir, du Heroentrias: Windischgrätz, Jellachich, Wrangel! Eure Namen klingen mir jetzt melodischer als Aglaja, Thalia und Euphrosyne, so sehr ich mich auch rühmen kann, ein treuer Priester der Charitinnen gewesen zu sein! Eine beruhigende Erfindung sind doch diese Bajonette und diese Kartätschen. So etwas positiv Sicheres liegt schon im bloßen Wortlaut. Heiliger Himmel, was waren das aber auch für Monate, die wir durchlebt haben! Was sage ich, durchlebt? Durchzittert, durchbebt! Die glatte, glänzende Haut der Behaglichkeit war in die Gänsehaut der Todesangst verwandelt. Was da für Kerle durch die Straßen zogen! Auch ich habe Gestalten gesehen! – Hu! – Meine goldenen Uhrketten mit den schönen Petschaften wagte ich die Zeit über gar nicht mehr zu tragen; die Herren mit den Klapphüten blickten mit einem gewissen kommunistischen Halbpart! im Auge darnach. Da habe auch ich geheult, öffentlich mit den Wölfen, und außerdem privatim für mich. Alles habe ich getan, um mich zu proletarisieren. Selbst habe ich die Ellbogen meines Rockes mühvoll auf dem Fußboden zerscheuert. Als ich gerade damit beschäftigt war, trat mein Freund, der Kommerzienrat, zu mir in das Zimmer, und dem Erstaunten mußte ich die Erklärung geben, daß ich den Boden der Existenzen nivelliere und an der bürgerlichen Gleichheit arbeite.

In solcher Zeit ist es das Beste, gar nicht bekannt zu sein. Ich erschrak jedesmal, wenn ich einem Freunde auf der Straße begegnete. In den Tagen des blutigen Terrorismus – und die hätten wohl kommen können – gibt es nichts Gefährlicheres als viele Freunde. Mich überfiel sogar immer ein Schauder, wenn ich nur in einen Spiegel sah. Da waren zwei, die kannten sich und konnten sich nicht verleugnen. Unwillkürlich schnitt ich Gesichter, um vor mir selber inkognito zu bleiben. Zuletzt habe ich alle meine Spiegel umgekehrt und mit dem Glas gegen die Wand gehängt. Da hatte ich Ruhe, wenigstens von dieser Seite und vor mir selbst. Jetzt kann ich doch wiederum an meinen Stiefeln Absätze tragen, die ich alle herunterschneiden ließ, des Kleinerscheinens wegen. Die niederen Sträucher verschont der Sturm, die hohen Stämme bricht er. Und endlich ist heute, o Lust! der Tag erschienen, wo er unter der scharfen Schneide der Rache fällt. Er? Wer denn? das einzige demokratische Fleckchen an mir, mein Bart. Er wuchs in den Tagen der Verstellung und der Angst, nun endet er in den Tagen der Wahrheit und der Ermutigung. Diese Barte sind wie die Flaggen der Kriegsschiffe; sie werden herabgenommen, wenn sich dieselben besiegt ergeben. An Bord meiner Person geschieht es mit Siegesjubel.

 

Ja! Ich will Ruhe. Ich schwärme für Ruhe. Ich wühle für Ruhe. Ich bin ein Fanatiker der Ruhe und Ordnung, der Ruhe um jeden Preis. Könnte ich nur den Anarchisten in ganz Deutschland zurufen, daß sie alle es hörten: Was wollt ihr denn? Euere Pressefreiheit ist ja keinen Pfennig wert, wenn keine Ruhe da ist, weil dann niemand lesen kann und mag. Euer Versammlungsrecht ist ja ein Unding, wenn keine Ruhe herrscht, und die Leute unterwegs totgeschlagen werden. Was helfen euch die Geschworenen, wenn die Lynchjustiz geübt wird? – Wahrhaftig, das wollt ich ihnen zurufen, wenn es möglich wäre, ohne gesehen zu werden.

 

Ich wohne im zweiten Stock, recht gemächlich und bequem; aber ich ziehe aus. Unter mir, über mir, neben mir nichts als Bürgerwehrmänner. Jeder hat 30 Patronen; das macht zirka 150 Patronen, oder, den Schuß zu 2 / 3  Lot Pulver gerechnet, über 3 Pfund Schießpulver rings um mich verteilt. Das ist genug, um eine Familie in die Luft zu sprengen, geschweige einen einzelnen Mann, der nur 120 Pfund Zivilgewicht hat. Es ist wahrlich himmelschreiend, daß der ruhige Bürger mitten in einer solchen fortdauernden Pulververschwörung leben soll. Und gehen die Leute nicht mit den Satanskörnern um, als ob es Griesmehl wäre?

 

Bürgerwehr und Regenbogen, als Zeichen des Friedens und der Versöhnung, sind nur sichtbar nach dem Gewitter, wenn die Sonne wieder scheint. Dann glänzen sie aber auch gar schön; im Sturme selbst wird man nichts von ihnen gewahr. Es war ein süßer Traum diese ganze Geschichte mit der Volksbewaffnung, süß wie Zucker, und wie dieser löst sie sich auch leicht in Wasser auf. Ihr glücklichen Städte, wo der friedliche Bürgerwehrmann es zur Entwaffnung gebracht hat, wo er das tückische Feuerrohr wieder mit dem türkischen Pfeifenrohr vertauschen konnte! Wahrlich, dies sind die einzigen Präliminarien zu dem Ruge-Brüsselschen Weltfrieden! – Die Sache hat aber auch ihre ernsten Seiten. Ich war auch ein Volksbewaffneter. Ich habe auch Patrouillen mitgemacht. Mit Schaudern denke ich daran. Es war mir damals zumute, wie dem Grafen Helfenstein selig, als ihn die schwäbischen Bauern bei Weinsberg in die Spieße jagten. Meine Nebenleute machten die gefährlichsten Manöver mit ihren Bajonettflinten, und namentlich mein Vormann, ein alter Chirurg, schien es auf einen Starstich rücklings abgesehen zu haben. Mit der vollkommensten Resignation marschierte ich vorwärts, und nur darüber war ich in Ungewißheit, ob ich von vorn, von hinten oder von der Seite würde totgestochen werden. Glücklicherweise war vor dem Hause eines mißliebigen Beamten eine kleine Katzenserenade von dem souveränen Volksorchester arrangiert worden. Dies bewog unsere Streifwache klugerweise, nach verschiedenen Seiten auseinanderzugehen. Wer weiß, was sonst geschehen wäre? – Von den Gefahren durch Zerplatzen unvernünftig geladener alter Gewehre will ich gar nicht reden. Aber eines will ich noch zu bedenken geben. Wer bürgt mir denn für die Gesinnungen und Absichten meines nächsten Nachbars in Reih und Glied? ja für die unseres Führers und Offiziers? Wenn nun dieser Mensch uns treue Bürger bei einer Emeute in einen Hinterhalt führte und erwürgen ließe. Bei dem ersten Steinwurf des Pöbels kann es uns geschehen wie dem Riesen des Jason, daß wir übereinander herfallen und uns elendiglich selbst abschlachten müssen. Ich bin und will aber kein jasonischer Riese sein. Von dem Schildwachstehen bei ihnen und Unwetter, von den Katarrhen und Rheumatismen, welche bei Aufzählung der Märzerrungenschaften wahrlich nicht vergessen werden sollten, will ich auch nichts sagen. Diese ganze Bürgerwehrerei ist eben ein unzuverlässiges, unnützes und gefährliches Ding. In dem totalen Begriffsdurcheinander, das man heutzutage politische Aufklärung zu nennen beliebt, hat man eben allgemeine Wehrpflicht und allgemeine Volksbewaffnung miteinander verwechselt.

 

Frankfurt im Belagerungszustand, Wien im Belagerungszustand, Berlin, Düsseldorf, Erfurt im Belagerungszustand, Genua und die Lombardei ebenso, Paris nicht besser, Irland auch nicht viel anders, ganz Rußland von jeher so! Es fängt wieder an, behaglich auf der Welt zu werden. Ganz gut wird es aber doch nicht eher, als bis alles dergestalt mit Bajonetten besetzt ist, daß der Erdball das Ansehen eines Igels bekommen hat. Dann setzen wir uns mitten zwischen die Borsten und reiben vergnügt unsere Hände.

 

Es muß doch einen tieferen psychologischen Grund haben, daß man, um populär zu werden, einen Rock mit zerrissenem Ellbogen tragen muß. Ich kann es mir nicht anders erklären, als daß ein solches Loch eine Art Deklaration der Menschenrechte vorstellen soll. Es soll ein Stück unverfälschter Menschennatur daraus hervorgucken, weil in diesen Zeiten des Jesuitismus den Gesichtern wenig mehr und den Händen gar nicht mehr zu trauen ist. Wenn man deshalb früher sagen konnte: Der Mensch hat ein ehrliches Gesicht, so muß ich heutzutage sprechen: Der Mensch hat einen volksfreundlichen Ausdruck am Ellbogen. – Ach Gott! Um Ruhe zu haben, wollte ich gern wie ein Nukahiwer umherziehen!

 

Gestern abend hat es Krawall geben sollen; es blieb zwar alles ganz ruhig, ich aber doch zu Hause. Vorsicht bringt nimmer Schaden. Man denke nun, was ich aus Langeweile getrieben habe. Ich habe Verse gemacht. Ich bin jetzt 45 Jahre und zwei Monate alt, und somit sind es über 25 Jahre, daß mir so etwas nicht passiert ist. Und damals geschah es nur zweimal, einmal als ich mich gern verliebt hätte, und das zweitemal, als seine königliche Hoheit, unser gnädiger Herr, auf Ihrer Durchreise durch das Städtchen zu kommen geruhten, wo ich damals wohnte. Es war eine allgemeine Illumination als freiwilliger Ausdruck landeskindlicher Anhänglichkeit befohlen worden. Ich hatte mir ein Transparent malen lassen, einen feisten Hammel darstellend, ich hatte für wohlgefüllte Talglampen gesorgt und folgende Verse dazu gemacht:

Die Landeshammel liefern gern
Ihr Fett zur Freude ihres Herrn.

Fast hätte ich damals einen schönen Skandal angerichtet, denn meine erste Inschrift lautete:

     Es gibt von uns ein jeder gern
Sein Fett dem hohen Landesherrn.

Es wurde zur rechten Zeit noch ausgelöscht und verbessert.

Leider kamen seine königliche Hoheit schon am Morgen durchgefahren, und somit hatte ich meinen poetischen Schweiß und die Hammel ihr Fett umsonst vergossen.

In so ungereimten Zeiten, wie die heutigen, verfällt man aufs Tollste, und so auch ich aufs Reimen. In der fieberhaften Aufregung der Angst ging es aber flotter damit, als die beiden ersten Male, und ich dichtete folgendes

Heulerlied

            O alte Zeit! O goldne Zeit!
Du Zeit der stillen Gedanken,
Wo Untertan der Obrigkeit
Wir schliefen und aßen und tranken!
Die guten Zeiten sind vorbei,
Was hilft da alle Heulerei!
    Hoi! oi, oi, oi!

Der Herrgott schläft im Himmelssaal
– Er ist schon hoch an Jahren –;
Sonst war' er längst im Wetterstrahl
Hier unten dazwischengefahren.
Ihn weckt kein Beten und kein Schrei,
Und nichts hilft alle Heulerei.
    Hoi! oi, oi, oi!

Die Buben führen's Regiment;
Das Alter wird zum Schüler.
Der Säugling in den Windeln nennt
Mit Stolz sich einen Wühler.
Das Gift liegt schon im Kinderbrei.
Was hilft da alle Heulerei!
    Hoi! oi, oi, oi!

Dem Adel brachen sie das Genick;
Die Titel sind vernichtet.
Gebt acht! Die rote Republik
Wird über Nacht errichtet.
Wach' auf! Wach' auf, Sankt Polizei!
Was hilft sonst alle Heulerei?
    Hoi! oi, oi, oi!

O Jammerzeit! voll Überdruß!
Die Wühler revoltieren;
Wir aber machen Fidibus
Aus unsern Staatspapieren.
In Stücken geht die Welt entzwei.
Umsonst ist alle Heulerei.
    Hoi! oi, oi, oi!

 

Was doch einem in diesen Zeitläuften für entsetzliche Dinge begegnen können! Da war ich unlängst abends in dem Verein der Freunde für Ordnung und Ruhe. Ich finde dort einen Bekannten mit einigen Fremden im Gespräch; harmlos setze ich mich zu ihnen. Bald aber entdecke ich zu meinem Schrecken, daß ich mitten in ein Nest hyperrevolutionärer Wespen und terroristischer Hornissen getappt bin. Ich mußte stille halten, und da habe ich nun schöne Dinge über mich ergehen lassen müssen. Das Gespräch nahm bald eine Wendung, daß es mir schwarz und gelb vor den Augen wurde. Nachdem alles Bestehende um und um gestürzt war, rief ein kleiner Verzweifelter aus der preußischen Rheinprovinz: »Dat hilft all zu nichts. Wir müssen noch die Guillotine haben!« Er sprach dies mit einer Ruhe und Behaglichkeit, als ob er bei dem Wirt noch einen Schoppen Wein bestellte.

Das ist kein Zweifel, stimmte ein reisender Redakteur bei. Da das Fallbeil nur die Großen treffen wird, so bezweckt es nur die praktische Ausführung des Grundsatzes der Gleichheit.

Das ist aber entsetzlich! flüsterte ich leise.

Was, entsetzlich? rief mir der kleine Verzweifelte zu. Furcht ist nur der Eindruck des Ungewohnten. Man familiarisiert sich mit allem. So haben in der Schreckensperiode der ersten Revolution die Frauen als Ohrschmuck kleine goldene Guillotinchen getragen. Zarte Frauen, ganz nah am Halse! Denken Sie sich! Ich werde mich morgen hinsetzen und eine populäre Geschichte der Guillotine schreiben, ein Büchelchen für Stadt- und Landleute. Illustrationen müssen natürlich hinein. Es soll bewiesen werden, daß die Guillotine nichts ist als das schneidende Prinzip der Zentripetalkraft.

Und dann, fiel der schreckliche Redakteur ein, erwarte ich von den Fortschritten der angewandten Mathematik und Physik Namentliches für die Technik der Maschine. Man wird hoffentlich bald zwei- und mehrschläfrige Dampfguillotinen bauen, oder noch besser kleine portative Taschenguillotinen.

Nun gut! hub hier ein Mann an, der bis jetzt mit sichtlichem Wohlbehagen dem Verlaufe des Gespräches gefolgt und, wie ich später erfuhr, Arzt und Professor der Anatomie war, »ich sehe, es eröffnen sich gute Zeiten für mein anatomisches Theater«.

– Ich stehe jederzeit als Debütant zu Befehl, frevelte der Verzweifelte.

Es eilt nicht sehr, sprach lächelnd der Professor. Aus Ihnen werde ich ein Skelett verfertigen, und dazu müssen sie ein paar Wochen zuvor im Wasser liegen. Sie sehen also, daß wir noch etwas Zeit haben. Übrigens können Sie sorgfältiger Behandlung und netter Arbeit versichert sein.

Alle brachen in ein schallendes Gelächter aus; ich aber stand mit gesträubtem Haare auf und ging. Und das nennt man einen Belagerungszustand! O über die Unvollkommenheit aller menschlichen Dinge!

 

Ist es ein Wunder, wenn man nach solchen schrecklichen Abendunterhandlungen schreckliche Träume hat?

Und ich hatte einen entsetzlichen.

Mir war es, als sei ich in demselben Vereinslokale wie am Abend. Die Säle waren überfüllt mit Leuten. Aber, o Graus! alle waren enthauptet, und statt der Köpfe trugen sie sämtlich runde holländische Käse auf den Hälsen. Man unterhielt sich lebhaft; wie? weiß der Himmel. Einer erzählte dem andern von seiner Exekution; die meisten verglichen sie mit einem starken galvanischen Schlag. Es war greulich anzusehen, wenn sie ihre Käseköpfe abnahmen, und nun Tee, Wein oder anderes Getränk unmittelbar in den Hals hinuntergossen. Ja, einige gingen soweit, daß sie gegenseitig von ihren Vizeköpfen zu Butterbrot und Bier verzehrten. Zwei der Gestalten spielten Billard, aber sobald sie sich vorlegten, fielen ihnen die Pseudoköpfe auf die grüne Tafel, und nun spielten sie mit diesen ihren Köpfen weiter à la poule. Ich wollte vor Angst beinahe versinken, als eine Menge dieser Gespenster sich zu mir drängte, und der eine mich versicherte, er sei ja der und der, der andere mich fragte, warum ich so fremd tue, er sei ja mein Freund, der Bankier und Kommerzienrat; und wahrlich, er hatte Gestalt und Kleidung und Gang und Manieren und Sprache des Mannes, nur seinen Kopf nicht, sondern einen holländischen Käse dafür. »Fehlt Ihnen etwas, Herr von Heulenburg?« frug man von verschiedenen Seiten. »Ob mir etwas fehlt, fragt ihr mich!« rief ich unwillkürlich, und wendete mich weg. Eine kleine Figur kam auf mich zu und rief: »Nun, habe ich dat nicht gesagt? Wir werden auch noch die Guillotine haben. Gestern abend habe ich dat gesagt!« Es mußte der kleine Verzweifelte aus Rheinpreußen sein. – Der Professor der Anatomie stürmte in das Zimmer ohne Kopf und ohne Surrogat, er wütete gegen die Verwaltung des Staates, man habe ihn zwar lege artis guillotiniert, aber nun sei in der ganzen Stadt kein einziger holländischer Käse mehr aufzutreiben, und er müsse nun so wie ein inkomplettes Präparat umherlaufen. – Der reisende Redakteur trat zu mir mit den Worten: »Mein lieber Bürger Heulenburg, Sie sind der einzige noch nicht geköpfte Mensch in der Stadt. Sie kommen aber auch noch heute daran!« Mich erfaßte ein eisiger Schauder, ich stürzte aus dem Saale fort.

Unten im Garten sah ich Männer, wahrscheinlich Freunde von mir, an der Kegelbahn sich erlustigen; statt der Kugeln schoben sie ihre eigenen Köpfe. Auf den Straßen dieselbe Regsamkeit, dasselbe Getreibe wie sonst, nur stiller und alles, alles ohne Kopf. Die Kinder kamen aus den Schulen, und spielten Ball mit ihren Köpfen, und sangen dazu den bekannten Kinderreim:

Ich wollt' um tausend Taler nicht,
Daß mir der Kopf ab wär';
Da lief ich mit dem Rumpf herum,
Und wüßt' nicht, wo ich wär'.

Ich eilte über den großen Platz am Rathaus; da stand die alte Justitia auf dem Brunnen, auch sie ohne Kopf. Das war nun freilich am wenigsten zu verwundern. Ich war, ich weiß selbst nicht wie, mitten in einen Zug Soldaten gekommen, voran die Regimentsmusik, alle ohne Köpfe. Es sah schauderhaft lächerlich aus, die Musikanten hatten ihre Trompeten, Posaunen und Klarinetten oben in den abgehauenen Hals gesteckt und spielten einen Trauermarsch. So kamen wir auf den Roßmarkt. Eine dichtgedrängte Menge bedeckte ihn, Hals an Hals. In der Mitte ragte hoch empor, rot angestrichen, die letzte Instanz der Revolutionen, die Greuelmaschine. Ich war an der ersten Stufe der Treppe angelangt. Der kopflose Henker winkte mir herauf. Neben ihm stand mein Nachbar, der Spezereihändler, und offerierte mir auf geschmücktem Teller einen prächtigen holländischen Käse. Ich stieß einen Schrei aus und erwachte im Angstschweiß gebadet.

Das war aber noch nicht alles. Fiebernd mußte ich den Vormittag zu Bette bleiben. Um zehn Uhr trat mein Bedienter in das Zimmer, und brachte ein Kistchen, welches mit der Post gekommen war. Auf mein Geheiß öffnete er es, – und ich wendete mich mit Entsetzen ab. Es war einer der schönsten Edamer Käse, den mir mein Freund, van der Kopp, aus Amsterdam zum Geschenke sendete. Natürlich ließ ich das saubere Präsent sogleich wegschmeißen.

Und das nennt man einen Belagerungszustand, wo man solche Greuel träumen muß?!

 

Also Steuerverweigerung in Berlin! Alle Tage was Neues! Die Todesstrafe haben sie wegdekretiert; als früher zuweilen noch ein bißchen gerädert wurde, haben sie Zeter und Mord geschrien. Und was haben sie nun selbst in ihrer Weisheit beschlossen? Steuerverweigerung ist nichts anderes als Verurteilung zum Hungertode. Die Regierung soll also verhungern, wie einst Ugolino im Turme zu Pisa. Was würden da die Folgen sein? Es werden, da keine Staatszinsen und keine Besoldungen mehr bezahlt werden können, alle wohlhabenden Leute und alle Beamten, diese armen Ugolini, mitverhungern müssen; der ganze anständige Teil des Volkes ist zum Hungertode verurteilt; wenigstens drei Millionen werden verhungern. Das wird ärger wie in Schlesien; das ist greulicher gehaust als Attila, die Hunnengeißel. Das souveräne Volk par excellence aber wird gar keinen Vorteil dabei haben. Ich wenigstens begreife nicht, wie es dem Schusterjungen besser gehen soll, wenn der Reiche barfuß geht, oder wie der Bäckergesell behaglicher lebt, wenn wir Queckenwurzel statt Brot verzehren. Ja, die Folgen eines solchen Beschlusses müssen noch weiter führen. Alle Schulen werden eingehen, Kunst und Wissenschaft verschwinden; die Barbarei bricht herein. Wir werden wieder in den Eichenwäldern hausende Bärenhäuter; Met und Eichelkaffee werden wir trinken, und uns mit dem Skalp erschlagener Feinde schmücken. Ja, ich fühle es, ich werde noch den Wotan anbeten, und mein Schädel wird bei Trinkgelagen von Hand zu Hand gehen. Es wird ganz entsetzlich sein. Und das alles wird geschehen im Namen der Freiheit.

 

Berlin, du bist eine große Stadt! Du bist die Kapitale der Intelligenz! Sollte man glauben, daß soeben mitten unter den Schwankungen der Gegenwart in deinen Mauern eine der größesten Erfindungen des Jahrhunderts gemacht worden ist? Du hast das blausaure Eisenoxyduloxyd, vulgo Berliner Blau, der Menschheit und den Waschweibern geschenkt! In dir druckt Gropius mit gekautem Papier Gottes weite Welt nach, Altes und Neues. Das will aber alles nichts, gar nichts sagen gegen die neueste Entdeckung. – Aber was ist's denn? – Ihr fragt noch und alle Zeitungen waren voll davon. Es ist der passive Widerstand. Franklin hat die Blitzstrahlen des Himmels abgeleitet, Luther die Bannstrahlen des Papstes gebrochen. Heutzutage kommen die Gewitter von unten. Die neue Erfindung macht sie unschädlich. Ja, solche Passive-Widerstands-Revolutionen lasse ich mir gefallen! Dabei geht es doch anständig, ordentlich und gesetzmäßig her. Man kann sie zur Not im Schlafe fertig machen. Dieser passive Widerstand ist nichts anderes, als die unterwürfige Widersetzlichkeit, die gehorsame Empörung, als die Beredsamkeit des Schweigens, als das Schwert in der Scheide, als eine vernagelte Kanone, als eine gemalte chinesische Festung, als eine Faust im Sack. Man sollte dem Erfinder das erste Reichspatent zuerkennen, und den Tag durch eine allgemeine Feier und durch allgemeine Nationalfaulenzerei begehen. Ein Monument ist dem großen Manne unausbleiblich. Sobald die Zeiten friedlicher werden, stelle ich mich an die Spitze des Komitees und sammle Beiträge im ganzen einigen Deutschland. Einstweilen mögen die Künstler sich in Entwürfen versuchen; die fliegenden Blätter, die des Guten schon so viel verbreitet haben, würden gewiß die besten derselben veröffentlichen. Deshalb will ich auch meinen eigenen reichen Ideenschatz einstweilen noch zurückhalten. Eins aber kann ich mir nicht versagen, nämlich demnächst den Vorschlag zu einer Inschrift für das künftige Denkmal zu machen. Dieselbe soll folgende sein:

B.   B.   B.   B.   B.
B.   B.   B.   B.   B.

Das ist doch wahrhaftiger Lapidarstil. In zwei- bis dreihundert Jahren klügelt dann endlich nach vergeblichem foliantendicken Streite ein philologischer Archäologe heraus, daß dies Rätsel folgende Lösung haben möge:

Berolinum barricadibus bestialibus barbatorum bellatis
beneficium ballistarum basilicarum breve benedicit.

Und ein anderer poetischer Schulmeister übersetzt diese Worte dann folgendermaßen:

    Nachdem im Kampf zerstört die Greuelbarrikaden,
Von bärt'gem Wühlervolk erbaut zu argem Schaden,
Blickt segnend nun Berlin, wo fromme Menschen wohnen,
Die kurze Wohltat an, des Königes – Kanonen!

 

Woher mag es kommen, daß die widerspenstigen Widersprecher in den Ständekammern sich immer auf die linke Seite setzen? Es ist dies die Seite der Böcke am jüngsten Tage. Und allerdings werden sattsam Böcke geschossen in diesem Revier, auch müssen dort Hörner abgelaufen werden, und die vielartigsten Bocksbärte gemahnen auch daran. Linkerseits ist man auch etwas weiter von dem mit der rechten Hand Ordnung klingelnden Präsidenten. Die linke Hand ist ungeschickter und schwächer als die rechte; die linke ist tappig, die rechte gewalttätig. Links sitzt das Herz, rechts die Leber, d. h. links die Keckheit und rechts der Ärger. Das mag nun alles sein, wie es will, der klügste, bequemste und sicherste Sitz ist der in der Mitte. Das körperliche Individuum kann alsdann mit seiner Stimme bald rechts bald links hinüberrücken; die Gesinnungen bleiben da ruhig sitzen, wo sie eigentlich hingehören; das braucht niemand zu wissen, und das geht keinen was an.

 

Das »von Gottes Gnaden« soll also weg? Nichts mehr bleibt heilig!

Übrigens begreife ich mit meinem trüben Untertanenverstand den ganzen Streit nicht. Hat es mit dem Titel seine Richtigkeit, was bezwecken alle Abschaffungsdekrete? Unser Herrgott ist der einzige Potentat, der sich um Revolutionen ganz und gar nicht zu kümmern braucht. Die Erfahrung hat auch hinlänglich gezeigt, daß sie allesamt einen sehr kläglichen Ausgang genommen haben. Die Aufwiegler kehrten wieder mit einem demütigen: pater peccavi! Wenn also auch die Völker einstimmig der Ansicht werden: »Es ist aus mit dem von Gottes Gnaden, ihr Könige!«, und Gott spräche: »Nichts da! Es bleibt bei dem Titel. Ich kann mein Sach verschenken, an wen ich will, und damit basta!«, was dann? Soll man Barrikaden gegen den Himmel bauen, unsern Herrgott mit der roten Fahne und dem sozialdemokratischen Atheismus bedrohen? Er lacht euch aus. Ich will beiden Teilen einen klugen Rat geben: Die Könige sollen den Titel fahren lassen; was liegt denn daran? Die Völker sollen den Titel stehen lassen; was liegt denn daran? Wir wollen abwarten, was unser Herrgott sagt. – Man wird wahrhaftig in dieser Zeit wider Willen frivol.

Und dann können beide Parteien das streitige Wort ja deuten, wie sie wollen. Der König kann sagen: »Gottes Gnaden« will heißen: »Von euch hab ich nichts, euch geb ich nichts! Ich bin nur dem obersten Abrechner im Himmel Red' und Antwort schuldig.« Das Volk aber kann sagen: »König magst du sein durch Gottes Gnade, durch dein eigenes Verdienst bist du es wahrhaftig nicht. Rechne mit dem ab, mit dem du Geschäfte machst! Von uns bekommst du nichts.« – Meinungsverschiedenheit muß es geben in der Welt, aber in Ruhe und Ordnung.

Himmel! Wie habe ich revolutionär geschrieben!

 

Dieser Tage las ich einem Freunde aus diesem meinem Tagebuche einige Sätze vor. Der Mann ist eine ernste, etwas grämliche Natur. Als Antwort hielt er mir folgende Rede, die ich ihrem wesentlichen Inhalt nach notiert habe.

»Das mag alles gut sein!« sprach der Freund, indem er von seinem Stuhle aufstand und mit großen Schritten das Zimmer durchmaß. »Das Jammervolle der Gegenwart liegt nicht in dem, was wir verlieren, sondern in der Ungewißheit, ob wir verlieren oder ob wir gewinnen. Dies ewige haltlose Schwanken zwischen Zuversicht und Trostlosigkeit macht mürbe. In Paris haben sie doch einmal wenigstens in dem Junigemetzel va banque gespielt! Unsere Zeit ist an einem schweren Übel krank, an dem Mangel an großen Menschen. In demselben Verhältnis, als die Bewegungen gewaltig sind, in demselben Maße sind die Menschen unbedeutend. Sie verbrauchen sich, sie nutzen sich schnell ab. Nicht von Heroen werden wir geführt, sondern von den Begebenheiten, mit anderen Worten, der Zufall regiert die Welt. Man sagt freilich, es seien Weltideen, die die Massen in Bewegung gesetzt haben. Gut! Es mag dies ein gewaltiges Gespann sein; aber wehe denen, die im Wagen sitzen, wenn keine feste Hand die Zügel lenkt! Und die fehlt; es fehlt an einem tüchtigen Weltkutscher. Oder wollte man denselben in Berlin finden, sollte es Herr Vogt in Frankfurt, Windischgrätz in Wien oder Louis Napoleon sein, der sich in der Livree seines Onkels selig spreizt. Mancher, der da glaubte, recht fest zu sitzen, ist bereits von dem Kutscherbock heruntergefallen, wie z. B. jüngst erst der gute Pio nono. Wahrhaftig, ich wäre froh, wenn ich mit Manier aus dem Wagen heraus wäre! Es sind das alles recht gute Fiaker und Stadtkutscher, aber die Weltkutscherei verstehen sie noch lange nicht. Da müssen hellere Augen und festere Hände kommen, und ehe diese kommen, geht noch manche Speiche aus dem Rad.

Drei Dinge sind es, die alles verderben und vergiften, die Gleichgültigkeit, die Feigheit und die Lüge. Bei Gott! man hätte meinen sollen, wir Deutschen wären für ein paar Jahrzehnte wachgeschüttelt worden durch den Sturm, der unser morsches Haus durchsaust hat! Ein Sommer und ein Herbst sind hingegangen, und Erschöpfung allenthalben! – Wo sind denn die großen patriotischen Opfer? Sind es etwa die phrasenreichen, staatsunklugen Reden, die ja doch nichts bedeuten als veröffentlichte Preiskurante und Empfehlungen zu Ministerialstellen oder zu Volksführerschaften? Ist es etwa die tropfenweis rinnende Flottensammlung? Oder jene Frachtfuhren mit Adressen und Petitionen? Nicht einmal eine Winkelsouveränität soll jetzt auf dem viel besungenen »Altar des Vaterlandes« niedergelegt werden. Es ist keine Ausdauer in dem heutigen Geschlechte. Glauben Sie mir, in ein paar Monaten wird man die alten Bundestagszeiten als ein Ideal herbeiwünschen und als eine Märzerrungenschaft begrüßen. Die Menschen sind feig aus Liebe zum Besitz, und aus Liebe zum Besitz heucheln und lügen sie in allen Parteien. Da ist keine Poesie, keine Frische mehr. Es ist eine Komödie; eine Komödie, gespielt auf einer Riesenbühne von Zwergpuppen! Der Humor allein hat ein Recht an diese Marionetten; aber nicht dieses kleine Winkelhumörchen, wie Sie, mein Herr, es haben und das Sie ein Tagebüchelchen schreiben läßt, welches Ihre eigene armselige Passionsgeschichte erzählt. Nein! Es müßte der Humor eines Gottes oder eines Teufels sein, der in ein unmenschliches Gelächter ausbräche, so daß diese ganze Narrenkugel ›Erde‹ auseinanderflöge, gleich einer Seifenblase, die ein spielender Knabe zerschlägt.«

So sprach der Mann. Es ist wirklich auffallend, was cholerische, schwarzgallige Temperamente oft für absonderliche Auffassungsweisen haben; noch auffallender aber ist es, wie man eine Ansicht so offen aussprechen mag, mit der man es doch gewiß mit beiden Parteien verderben muß.

(1849)