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Der Gwissenswurm

Ludwig Anzengruber: Der Gwissenswurm - Kapitel 12
Quellenangabe
typecomedy
booktitleDer Gwissenswurm
authorLudwig Anzengruber
year1986
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-000215-X
titleDer Gwissenswurm
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1874
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Elfte Szene

Vorige. Knechte und Mägde, darunter Michl und Annemirl, Rosl. Alle durch den Zaun auftretend.

Michl. Ho, Großknecht, wehr dich! Wehr dich, sunst geht's dir schlecht.

Wastl. Halt's Maul!

Annemirl. Je, schau, schau! Weiß mer's doch jetzt, warum 'n Wastl kein hiesige Dirn net ansteht! Dös is sein Schatz, und der kimmt von auswärts!

Wastl (sieht sie von der Seite an). Besser a Dirn kimmt von auswärts, als sie geht nach einwärts, dös steht net schön.

Rosl. No no, Wastl, richtig is net mit dir. Hast vergessen, daß Mittag is? Wir sein alle schon abgfuttert, hab dir dein Essen af d' Seit gstellt.

Wastl. Ich frag nach kein'm Essen. Han, Liesel, magst du's leicht habn? Hast ein weiten Weg hinter deiner; wirst hungrig sein.

Liesel. No, wann viel is, gib's her.

Wastl. Wird net wenig sein. Kumm nur. Und dann schau, daß d' mit unsern Bauer auf gleich kimmst!

Michl. Liesel heißt s'?

Annemirl. Soll s' in Dienst?

Rosl. Dös war recht. Wastl, dö bring nur auf 'n Hof. Bist so lustig, wie's d' ausschaust, Dirndl?

Liesel. Bin mein Lebtag net trauriger gwest wie hizt.

Rosl. Nachher is's schon recht. Brachst 'n Bauer wieder zrecht, dös war a verdienstlich Werk; möcht mer doch wieder lachen und lustig singen hörn auf'n Hof, wie ma alt wordn is dabei.

Liesel. No, soll dös net sein?

Rosl. U mein, na! Hörst nix als von Buß und von Reu und vom Versterbn!

Liesel. Na, da tu ich net mit!

Rosl. Und koans soll sich rührn!

Liesel. Ös armen Hascher, ös! No, ich ghör net zu dö Engern und justament sing ich hizt oans!

Wastl. Nöt, Liesel, na; war no z' fruh! Eh schau, daß dich der Bauer leiden mag!

Liesel. Weißt ja net, was ich ihm will und ob mir drum is, daß ich ihm ansteh! Kränkt mich ja gar net, wann er mich gleich davonjagt, und dann geh ich wieder und bring der Mahm ein schön Gruß.

Wastl. Du gangst – glei –?

Liesel. Wonn a i geh, kannst ja du doch kimma!

Wastl. No is's eh recht!

Liesel. No, und hizt laßts mich aus! Wann ich mir 's Einwendige von so einer traurigen Wirtschaft betrachte wird mir eh die Luft zwenig in der Stubn und ich bin mir nimmer gleich, bis ich wieder draußt bin. Muß ich schon eini, solang ich noch außerhalb bin, bin ich d' Horlacher-Lies und zum Trutz noch einmal so lustig!

Lied
1.
      A Bub kimmt zun Himmel,
Fragt beim Petern sich an:
»Gibt's da Zithern und Dirndeln?
So bist du mein Mon!«
Und drauf sagt der Peter:
»Dös gibt's bei uns net!«
Und da kratzt sich der Bub
Hinterm Waschl und geht.
(Jodler.)
2.
Der Bub kimmt zur Höll drauf,
Fragt beim Teuxel sich an:
»Gibt's da Zithern und Dirndeln?
So bist du mein Mon!«
Und drauf sagt der Teuxel:
»Dös gibt's bei uns net!«
Und da kratzt sich der Bub
Hinterm Waschl und geht.
(Jodler.)
3.
Und Zithern und Derndeln,
Na, dö kann i net lon,
Und so steht mer der Himmel
Und 's Höllreich net an.
O schön grüne Welt,
Laß sagn, wie d'mer gfallst,
Solang Zithern klingen
Und mei Dirndl mich halst!
Chor
O schön grüne Welt
Laß sagn, wie d'mer gfallst,
Solang Zithern klingen
Und mei Dirndl mich halst!
(Jodler.)

(Zugleich hört man hinter der Szene Grillhofer und Dusterer das Bußlied singen.)

      Erlös uns von des Lebens Pein,
O Herr, in deinen Gnaden
Und führ uns in den Himmel ein,
Das kann uns gar nicht schaden!
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