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Der große Kuppler

José Echegaray: Der große Kuppler - Kapitel 5
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Dritter Aufzug

Derselbe Salon wie im ersten Aufzug. Der Speisesaal hinten ist geschlossen. Auf den Tischen rechts und links brennen Lampen. Es ist Abend

Erster Auftritt

Pepito allein

Pepito tritt rechts hinten ein, geht quer durch den Salon und bleibt vor dem Tisch links stehen Sollte der bedenkliche Zustand wirklich vorüber sein? Armer Julián, du dauerst mich. Dein Leben steht auf dem Spiel. Du wirst es verlieren wie deine Ehre und deinen guten Ruf. Vor den Augen der Welt zerrinnen beide wie Nebel. Zum Teufel mit allen Dichtungen, wir erleben hier im eigenen Haus ein Drama, das uns Skandal und Niederträchtigkeit genug einbringt. Was war das heute für ein entsetzlicher Tag. Pause Wir hätten ihn nicht hierher bringen sollen, der Weg war zu weit, seine Kräfte sind erschöpft. Freilich war es sein Wunsch. Er wollte unbedingt aus diesem Zimmer fort, in dem Teodora – Er wendet sich um nach links vorn. Die Tür links vorn öffnet sich Wer kommt? Ach, meine Mutter!

Mercedes kommt durch die Tür links vorn.

Zweiter Auftritt

Pepito, Mercedes links von ihm

Mercedes stürzt in heftiger Aufregung auf Pepito zu Nun?

Pepito Die Schmerzen haben sich verringert, er ist ruhiger.

Mercedes Was meint der Arzt?

Pepito Er ist ungehalten darüber, daß Julián nicht auf ihn gehört hat und nicht da blieb, wo er war. Das Hinabtragen auf der Treppe, die Stöße im Wagen haben seinen Zustand verschlimmert. Er sagt, daß es kaum noch Hoffnung gäbe.

Mercedes geht händeringend im Zimmer auf und ab Es ist fürchterlich.

Pepito setzt sich auf das Rundsofa Der Arzt hat gut reden, aber welcher Ehrenmann, in dem noch irgendein Lebensfunke glimmt, hätte in jenem Hause bleiben wollen?

Mercedes Und was sagt der Vater?

Pepito Er ist geistesabwesend. Zum erstenmal in meinem Leben flößt er mir Angst ein. Wir wissen ja alle, wie sehr er Julián liebt, aber daß ihn Zorn und Schmerz derart niederbeugen würden, das hätte ich nie geglaubt. Er sitzt am Bett seines Bruders, läßt seine Hand nicht aus der seinen, und Julián liegt wie ein Toter da, mit großen starren Augen. Nur manchmal stößt er heiser ›Teodora‹ hervor. Dann bleibt er wieder lange unbeweglich, als wenn alles Leben aus ihm gewichen wäre. Plötzlich erfaßt ihn eine unbeschreibliche Unruhe. Er ist kaum im Bett festzuhalten, er will zu ihr, zu ihm, die ihn erwarten, wie er meint. Nur mit großer Mühe gelingt es dem Vater, ihn davon abzubringen. Dann krampfen sich die Finger, mit seinen wilden Blicken, seinem zerrauften Haar sieht er wie ein Wahnsinniger aus.

Mercedes Es ist entsetzlich. Und der Vater?

Pepito Er gibt sich die größte Mühe, ihn zu beruhigen. In seinen milden, rührenden und versöhnlichen Worten wird er nur manchmal selbst vom Zorn übermannt. Dann ruft er unwillkürlich und drohend: ›Die Elende! Der Kerl!‹ und versinkt dann selbst in starres Nachdenken, bis ihn ein neuer Anfall seines Bruders bestürzt. Pause Aber wo ist Tante Teodora?

Mercedes Wo soll sie sein, bei mir oben.

Pepito Immer noch?

Mercedes Wäre es menschlich, hätte ich das Recht, sie um diese Stunde aus dem Haus zu weisen? Selbst wenn sie schuldig wäre, würde ich ihr mein Mitgefühl nicht versagen können. Und sie ist unschuldig, Pepito, ich bin davon überzeugt. Sie ist ein törichtes Kind, aber ein Verschulden trifft sie nicht.

Pepito ärgerlich Jawohl, ein Kind –, vorwurfsvoll das in Unschuld und Einfalt den Mann in den Tod treibt.

Mercedes Wenn du sie sähest, würdest du milder urteilen. Es ist dein Freund, der Dichter, der Träumer, der Idealist, der die Schuld an allem trägt. Was mag wohl aus ihm geworden sein?

Pepito Weiß ich es! Vielleicht irrt er unter den Folterqualen seines Gewissens auf den Straßen umher. Vielleicht arbeitet er zu Hause bei traulichem Lampenschein an seinem Meisterwerk, an seinem ›Galeoto‹.

Genaro kommt von links vorn.

Dritter Auftritt

Die Vorigen, Genaro

Genaro meldet Don Ernesto!

Mercedes überrascht Welche Unverfrorenheit!

Pepito steht auf, entrüstet Wir sind nicht für ihn zu sprechen.

Genaro an der Tür Ich habe Don Ernesto gesagt, daß der Herr krank sei und der Arzt alle Besuche untersagt habe –, aber der junge Herr besteht darauf, vorgelassen zu werden. Nur auf einen Augenblick, meinte er. Er läßt seinen Wagen warten. Pepito beratschlagt mit seiner Mutter Was sollen wir tun? Mercedes Tu, was du für richtig hältst. Pepito nach einer Pause, steht in der Mitte Lassen Sie ihn eintreten. Zu seiner Mutter Ich werde ihm selbst die Tür weisen. Genaro läßt Ernesto links vorn eintreten und schließt hinter ihm. Vierter Auftritt

Mercedes rechts, Pepito in der Mitte, Ernesto links vorn

Mercedes setzt sich auf einen Sessel rechts. Pepito bleibt in der Mitte. Beide beachten Ernesto nicht, nachdem er durch die Tür links vorn eingetreten ist.

Ernesto nach einer Pause, leise Das ist heute mein Empfang? Und weshalb? O mein Gott! Er tritt näher.

Pepito abweisend zu Ernesto Don Ernesto, Sie begreifen...

Ernesto Ich errate, daß Sie mir die Tür weisen wollen, doch ich wüßte nicht, warum. Die Jugend hat freilich ihre Eigenart, doch ihr sicheres Gefühl für Recht und Unrecht ist nicht anzuzweifeln. Oder zweifeln Sie wirklich an mir, Pepito?

Pepito plötzlich verändert Nein, Ernesto, wenn ich dich höre und sehe, ist es mir unmöglich, dich für schuldig zu halten. Aber ich bitte dich herzlich, leidenschaftlich geh fort von hier! Wenn etwas von deiner alten Freundschaft mir noch geblieben ist, so säume nicht länger! Pause Wenn dir hier jemand begegnete – mein Vater vielleicht – Schmerz und Zorn würden ihn rasen lassen – es käme zu einem neuen Auftritt – ich flehe dich an, Ernesto! Ernesto steht unbeweglich und starrt vor sich hin. Pepito fährt nach einigem Schweigen mit Wärme fort Du hast dich vorhin nicht vergeblich auf meine Jugend berufen. Ich glaube dir, aber die anderen werden dir nicht glauben. Die Welt denkt – und spricht wie der Graf von Nebreda.

Ernesto Dem habe ich für's erste das Sprechen verleidet.

Pepito erstaunt Du hast dich mit ihm geschlagen?

Mercedes steht auf und tritt näher.

Ernesto Er hatte den Saal noch nicht mit seinen Zeugen verlassen. Ich war in meiner Wohnung allein geblieben, immer das schreckliche Bild vor Augen, wie ein Mensch, der auf den Tod verwundet ist, von zwei Männern aus meinem Zimmer geschleppt wird, wie ihm eine bleiche Frau ohne Besinnen folgt. Da hörte ich über mir Schritte, und es durchzuckte mich wie ein Blitz, daß ich den Grafen vielleicht noch treffen könnte. Wie ein Besessener stürzte ich die Treppe hinauf – er stand mir gegenüber – wir zogen die Degen – die Klingen kreuzten sich. Dann warf sich einer der Sekundanten plötzlich mit erhobenem Arm zwischen uns und rief: ›Genug!‹ Der Elende war kampfunfähig zusammengebrochen.

Mercedes Tot?

Ernesto zögernd und unsicher Ich weiß nicht. Mercedes wendet sich schaudernd ab. Ernesto fährt mit steigender großer Wärme fort Haben Sie Mitleid mit mir, gnädige Frau! O sagen Sie mir – Julián, mein Freund, mein Wohltäter – lebt er noch? Sprechen Sie es aus, daß er noch am Leben ist. Es ist nicht auszudenken, wenn er sterben müßte. Ich will ihn sehen.

Mercedes Das ist unmöglich.

Pepito Gänzlich ausgeschlossen.

Ernesto Ich muß ihn sehen. Er darf nicht sterben, bevor er mir nicht sein Vertrauen wiedergeschenkt hat.

Mercedes nachdrücklich Um Himmels willen, sprechen Sie leise!

Ernesto Hüten Sie sich, gnädige Frau! Wenn man einen Menschen ächtet wie mich, wenn man ihn ins Verderben geradezu hineinsetzt, kann es nicht allein für ihn, sondern auch für alle anderen gefährlich werden. Ich habe nichts mehr zu verlieren, denn ich habe in diesem Kampf gegen ironisch ›alle Welt‹ die Freundschaft, die Liebe und die Ehre eingebüßt. Man kann mir nichts mehr nehmen.

Pepito Ich bitte dich, Ernesto, nimm dich zusammen. Wenn er deine Stimme hörte...

Ernesto schnell einfallend O daß er sie hören könnte! Doch ich fürchte, mein Ruf wird schwerer zu ihm dringen als der Widerhall des Geschwätzes, das Echo der Verleumdung, das jetzt aus allen Häusern bis auf die Gassen tönt. Sarkastisch ]a, ja, man erzählt sich interessante Neuigkeiten. ›Julián hat seine Frau erwischt!‹ ›Mit wem denn?‹ ›Natürlich mit Ernesto!‹ Lautes Lachen! ›Und Ernesto hat sich ihm mit dem Degen in der Hand entgegengestürzt und hat ihn tödlich verwundet.‹ Das Lachen hört nun zwar auf. Pause Aber jetzt erwacht die Neugierde, man wünscht Einzelheiten zu hören, und da erheben sich die Stimmen meiner Freunde! ›Das war keine Hinterlist, Ernesto hat seinen Wohltäter im ehrlichen Zweikampf verwundet‹ Und so kommt es, daß sich Gerüchte und Verleumdungen verbreiten und vergrößern, daß sie sich widersprechen und die Wahrheit immer mehr verhüllen, anstatt sie zu offenbaren, denn ›wo man Rauch spürt, muß es brennen‹ Zu Mercedes Nehmen Sie das Niederträchtigste, das Schmutzigste, was es auf der Welt gibt, was am meisten beschimpft, entehrt, erniedrigt, mit einer Wendung nach links und Sie werden sich erst dann von dem eine Vorstellung machen können, was man über uns spricht.

Mercedes horcht nach rechts Still! Ich höre jemanden! Sie eilt nach rechts vorn, blickt durch die Tür und kommt schnell zurück; leise zu Pepito Versuche unter allen Umständen ihn wegzuschicken. Es ist Teodora.

Ernesto der das letzte Wort gehört hat, wendet sich zu ihr Wer kommt?

Pepito nimmt den fast willenlosen Ernesto am Arm und will ihn fortführen Komm, Ernesto!

Ernesto sieht vor sich hin Teodora? Plötzlich ausbrechend Ich muß sie sprechen, zu ihren Füßen will ich die Verzeihung erflehen...

Mercedes Ernesto, es ist unmöglich, bedenken Sie...

Ernesto unterbricht sie Bedenken? Was ist da noch zu bedenken? Vielleicht, daß die ›Welt‹ uns noch einmal zusammen sähe? Gut, es soll sein! Niemals will ich sie wiedersehen, niemals mehr soll mein Erscheinen die Ehrbarkeit dieser Frau verdunkeln.

Pepito führt ihn Laß dir raten. Du weißt, ich meine es gut mit dir. Er zeigt nach der Tür des Speisesaals hinten Erwarte mich dort, bis ich dich rufe.

Ernesto läßt sich geistesabwesend, willenlos geleiten Es ist mir recht, mach's wie du willst. Er verschwindet in der Tür des Speisesaals hinten.

Fünfter Auftritt

Mercedes, Pepito links von ihr

Mercedes Sieh nach deinem Vater. Laß mich allein mit ihr. Ich werde ihr ins Gewissen reden, wie sie es nicht erwartet.

Pepito Gut. Ob es aber helfen wird? Ich bezweifle es beinahe.

Mercedes Geh nur.

Pepito Wie du meinst. Er geht ah nach rechts hinten.

Mercedes Jetzt zu meinem Plan! Sie setzt sich auf das Rundsofa in der Mitte.

Teodora kommt ängstlich von rechts vorn und geht, ohne daß sie Mercedes bemerkt, nach der Tür zu Juliáns Zimmer rechts hinten.

Sechster Auftritt

Teodora, Mercedes links von ihr

Teodora Wie beängstigend still es hier ist. Sie weint.

Mercedes wendet den Kopf nach Teodora Teodora! Teodora hört nicht und hält ihr Taschentuch vor den Mund, um ihr Schluchzen zu verbergen. Mercedes lauter Teodora!

Teodora erschrickt, wendet sich um Ha! – Du bist's! Sie geht auf sie zu

Mercedes steht auf Weine nicht! Tränen machen das Vergangene nicht ungeschehen.

Teodora Sag mir die Wahrheit. Wie geht es?

Mercedes Etwas besser.

Teodora zweifelnd Ist es auch wahr?

Mercedes Ja.

Teodora geht an Mercedes vorüber nach links Ich würde mein Leben für ihn geben, wenn ich alles ungeschehen machen könnte. Sie setzt sich an den Sofatisch links Ich schwöre es dir, daß ich an nichts Arges gedacht hatte – du sprachst mir von einem Duell. – Ich wollte es um jeden Preis verhindern. Du hast mir gesagt, wo ich meinen Mann finden würde. Ach, daß ich ihn gefunden habe! Und daß ich ihn so habe finden müssen!

Mercedes lauernd Dachtest du denn nicht auch ein wenig an Ernesto?

Teodora unbefangen Gewiß. Es wäre ja unmenschlich, nicht an ihn zu denken. Der Graf von Nebreda ist stadtbekannt als einer der besten Schläger.

Mercedes Für den Grafen ist nichts mehr zu fürchten.

Teodora überrascht Wieso ?

Mercedes Er ist verwundet, vielleicht schon tot.

Teodora in leidenschaftlicher Freude Ernesto hat ihn gerächt? Ich habe nichts anderes von ihm erwartet.

Mercedes etwas spitz Was sagst du da?

Teodora betont schärfer Du mißtraust mir immer noch? Der arme Ernesto ist also ohne weiteres auf einmal in meinen Augen ein Elender – und es soll mir sogar verboten sein, seinen Mut zu bewundern? Und warum, frage ich dich? Weil ich durch meine Unbesonnenheit die Ursache des Unglücks gewesen bin ? Weil Julián uns nicht geglaubt hat? Was hat denn Ernesto so ganz und gar Unverzeihliches getan? Antworte mir! Ich bitte dich!

Mercedes Du bemitleidest ihn also.

Teodora Aufrichtig. Mit fester Stimme Und warum sollte ich nicht?

Mercedes eindringlich Sei vernünftig – sei vernünftig – das Mitleid ist der gefährliche Weg zum Abgrund der Liebe!

Teodora steht auf Wollt ihr uns denn mit aller Gewalt dahin drängen? Ihr werft uns ja gegenseitig förmlich in die Arme!

Mercedes O nein! Ich will dir nur ins Gewissen reden – wie eine Mutter, wie eine Freundin.

Teodora nach und nach steigernd Warum wiederholst du mir denn dann immerzu: ›Du liebst ihn, und er liebt dich?‹ Mit Betonung Ich schwöre dir, daß es nicht so ist. Aber ihr alle, wie ihr da seid, ihr umnebelt meine Vernunft, ihr laßt mich zweifeln an mir selbst und der Wahrheit. Ihr verdreht die Wahrheit zur Lüge und werdet – ich sehe es kommen – die Lüge noch zur Wahrheit machen, wenn ihr so fortfahrt!

Mercedes boshaft Du gestehst also...?

Teodora entrüstet Ich? Ich habe gar nichts zu gestehen! Mein Verstand ist ungetrübt, meine Vernunft hell und klar und ich wiederhole dir offen und ehrlich: Ich habe für Ernesto niemals etwas anderes als die reinste Zuneigung einer Freundin empfunden. In meinem Herzen gibt es keinen Raum für ein sündiges Gefühl, denn ich liebe meinen armen, bedauernswerten Mann – sie richtet sich auf und spricht mit voller Wärme ich liebe ihn von ganzem Herzen, mit aller Kraft des tiefsten Gefühls.

Mercedes Das soll ich dir glauben?

Teodora gesteigert Hörst du es denn nicht?

Mercedes Und du liebst Ernesto wirklich nicht?

Teodora Glaubst du es denn noch immer nicht? Leidenschaftlich Nein, nein und nochmals nein! Sie ändert den Ton Wie empört wäre ich früher über eine solche Frage gewesen! Aber du und die Deinen, ihr alle habt mich schon so vor mir selbst erniedrigt und empfindungslos gemacht, daß ich alles hinnehmen und über mich ergehen lassen muß. Und jetzt tut, was ihr wollt. Glaubt mir oder mißtraut mir weiter! Ich weiß nicht mehr, was ich sagen soll. Wir müssen ja mit aller Gewalt schuldig sein, ich und dieser bedauernswerte Ernesto.

Mercedes höhnisch Dieser bedauernswerte Ernesto? Du kennst seine Erbärmlichkeit nicht.

Teodora edelmütig Ich kenne seinen offenen und ehrlichen Charakter. Er verehrt meinen Mann...

Mercedes lacht auf Er hintergeht ihn.

Teodora Das ist ausgeschlossen.

Mercedes Er liebt dich.

Teodora zornig Das ist nicht wahr.

Mercedes Es ist wahr! Wenn du ihn nur gesehen hättest – hier, soeben hier an dieser Stelle...

Teodora erstaunt Wie?

Mercedes gleichgültig Ja, hier, vor einigen Augenblicken. Und sein Schmerz und seine Verzweiflung, sein Trotz und sein Mut, seine Haltung, sein ganzes Sein, alles gellte uns die Worte in die Ohren, die seine Lippen gewaltsam verschlossen hielten: ›Ich liebe dich, Teodora – dich – und keine andere.‹

Teodora völlig vernichtet Ah! Wenn du wahr sprächest...

Mercedes Ich spreche die Wahrheit. Ich bin älter als du, du kannst meiner Erfahrung trauen.

Teodora gefaßt Ist denn wirklich des Jammers noch kein Ende? Wie kam er denn hierher?

Mercedes Ich weiß nicht mehr unter welchem Vorwand.

Teodora Und er ist fort ?

Mercedes Nein, er wartet da drinnen. Sie zeigt nach der Tür des Speisesaals hinten.

Teodora Er soll gehen, ich will ihm niemals mehr begegnen.

Mercedes Du mußt ihn wiedersehen, denn du selbst wirst ihn gehen heißen.

Teodora nach einer Pause, ruhig, als wenn sie über ihre Handlungsweise nachgedacht hätte Ja, das werde ich tun!

Mercedes Ich bleibe bei dir, ich unterstütze dich, wenn du meiner bedarfst.

Teodora Ich brauche keine Stütze, ich kenne meine Pflicht. Ich bitte dich, mich mit Ernesto allein zu lassen. Mercedes macht eine Bewegung Oder hast du mir noch weiteren Klatsch mitzuteilen? Bist du mit deinen Verdächtigungen noch nicht zu Ende? Ich weiß ganz genau, was ich zu tun habe. Niemand hat das Recht, an mir zu zweifeln, weder Ernesto noch du!

Mercedes Wie sprichst du denn auf einmal, Teodora?

Teodora gebieterisch und mit Hoheit Geh', laß uns allein.

Mercedes reicht ihr nach einer Pause die Hand Ich vertraue dir. Sie geht nach der Tür des Speisesaals hinten und öffnetDon Ernesto! Meine Schwägerin wünscht sie zu sprechen! Sie geht ab nach rechts vorn.

Teodora setzt sich rechts vorn auf einen Sessel und wendet das Gesicht ab. Ernesto erscheint auf der Schwelle der Tür zum Speisesaal und tritt langsam in den Salon, wo er im Vordergrund stehenbleibt.

Siebenter Auftritt

Teodora, Ernesto links von ihr

Teodora fest, mit gelassener Stimme Gehen Sie – ich bitte Sie, ich befehle es Ihnen!

Ernesto Man hatte mir schon vorhin gesagt, daß ich gehen solle.

Beide schweigen, haben nicht den Mut, sich anzusehen.

Ernesto Und Sie wiederholen es mir jetzt? Teodora macht, noch immer ohne ihn anzusehen, eine bejahende Bewegung Haben Sie keine Furcht, Teodora, ich werde Ihren Wunsch erfüllen. Traurig Andere würden mich nicht so gehorsam finden. Mit Härte Von Ihnen ertrage ich alles, jede Kränkung, jede Beleidigung!

Teodora beinahe weich Ich, Sie beleidigen? Nein, Ernesto, wie können Sie das glauben? Sie sieht ihn noch immer nicht an Doch Sie begreifen...

Ernesto Alles begreife ich.

Teodora abgewandt, in großer Bewegtheit Leben Sie wohl und seien Sie glücklich!

Ernesto Leben Sie wohl! Er zögert zu gehen. Teodora bleibt noch immer abgewandt. Ernesto entfernt sich von ihr, kehrt plötzlich um und nähert sich wieder. Teodora bemerkt es, doch wagt sie nicht, ihn anzusehen Könnte ich um den Preis meines Lebens das Unrecht, das ich wahrlich absichtslos Ihrem Mann zugefügt habe, gutmachen, könnte ich alles Üble mit meinem Herzensblut tilgen, bei Gott, ich schwöre es Ihnen, ich würde keinen Augenblick zögern! Das Mißtrauen in Ihrer Seele, die Blässe Ihrer Wangen würden dann schwinden wie die stumme Verzweiflung Ihres Blickes, die Tränen in Ihren Augen.

Teodora unruhig auf ihrem Sessel für sich Großer Gott! Mercedes hat wahr gesprochen.

Ernesto Und Sie haben kein Wort des Abschieds für mich ? Nicht ein einziges?

Teodora ringt nach Atem Leben Sie wohl, ich verzeihe Ihnen alles, was Sie getan haben.

Ernesto Was ich getan habe?

Teodora mit erheuchelter Strenge Ja!

Ernesto In diesem Ton sprechen Sie mit mir? Auch Sie?

Teodora bewegt Hören Sie nicht auf meine Stimme, fragen Sie mich nicht nach Gründen, leben Sie wohl!

Ernesto Ist es möglich? Auch Sie?

Teodora Mein letztes Wort: lassen Sie mich allein.

Ernesto Sie jagen mich also aus Ihrem Haus?

Teodora zeigt nach rechts hinten, mit bebender Stimme Mein Mann stirbt dort, und ich, ich sterbe hier. Sie steht auf, schwankt und hält sich an der Lehne des Sessels.

Ernesto eilt herbei, um sie zu stützen Teodora?

Teodora tritt an ihm vorüber nach links Berühren Sie mich nicht, Ihre Hand befleckt mich!

Ernesto Mußte es denn dahin kommen? Auch Sie schmähen mich? Ohne ein einziges Wort des Mitleids stoßen Sie mich zurück und nehmen mir alles, was mich bis jetzt aufrecht erhalten hat: Ihre Verzeihung, Ihre Achtung. Auch für Sie bin ich nun der Erbärmliche, für den die ganze Welt mich hält. Diese grausame, boshafte und mitleidslose Welt, über deren gedankenlosen Unverstand ich mich hätte erheben können! Aber daß auch Sie, die reinste Frau, die ich kenne und für die ich mit Freuden mein Leben lassen würde, daß auch Sie mich verdammen – das ist zuviel! Mit größtem Schmerz Das ist zuviel!

Teodora wendet sich ihm halb zu Ich darf mit Ihnen in diesem Augenblick nicht sprechen. Später! Lassen Sie mich, haben Sie Mitleid mit mir! Pause Bedenken Sie – Sie zeigt nach rechts hinten, wo Julián liegt.

Ernesto O wäre ich an seiner Stelle! Ein Todesstich in der Brust ließe mich weniger leiden als Ihre Verachtung.

Teodora Vergeben Sie mir, wenn ich Sie beleidigt habe.

Ernesto freudig und schnell Alles verzeihe ich Ihnen – doch sagen Sie mir die Wahrheit. Glauben Sie wenigstens an meine Aufrichtigkeit, an meine Treue? Antworten Sie mir, ich flehe Sie auf den Knien darum an. Er kniet zu Teodoras Füßen.

In diesem Augenblick öffnet sich die Tür rechts hinten. Severo erscheint auf der Schwelle.

Achter Auftritt

Ernesto rechts, Severo in der Mitte, Teodora links. Dann Juliáns und Mercedes' Stimme

Severo empört sich Verflucht seien diese Elenden!

Teodora entfernt sich rasch von Ernesto; tiefbewegt Ach! Severo!

Ernesto hat sich schnell erhoben und ist nach rechts gegangen. Teodora steht am Sofatisch links.

Severo in der Mitte, nähert sich Ernesto und flüstert ihm mit erregter Stimme zu Sie sind ein Schurke! Hinaus! Er zeigt nach links vorn.

Ernesto zuckt zusammen An diesem Ort und in diesem Augenblick habe ich für Sie keine Antwort.

Severo dreht ihm den Rücken zu Sie haben hier allerdings nur zu schweigen und zu gehorchen.

Ernesto eigensinnig Sie haben mich wohl mißverstanden. Ich denke nicht daran, Ihnen zu gehorchen. Ich bleibe!

Severo außer sich Sie bleiben? Wie? Habe ich auch recht gehört?

Ernesto unerschütterlich Jawohl! Nur die Herrin des Hauses kann mir die Tür weisen, nicht Sie, der Sie mich grundlos beleidigen. Wenn ich schon im Begriff war, dieses Unglückshaus zu verlassen, so sind Sie es und Ihre Schmähungen, die mich veranlassen, meinen Entschluß zu ändern.

Severo wie vorher Nun, dann zwingen Sie mich, Sie mit Gewalt zu entfernen.

Ernesto Darauf kann ich es ankommen lassen. Er geht ihm in drohender Haltung entgegen.

Teodora eilt zwischen beide; würdevoll Solange mein Mann lebt, ist dies mein Haus, und kein anderer als er oder ich hat hier Befehle zu erteilen. Zu Ernesto Verzeihen Sie, was sich hier ereignet hat. Mit Wärme Und um meinetwillen: Bleiben Sie nicht länger!

Ernesto bestürzt Sie wünschen es?

Teodora Ich bitte Sie darum.

Ernesto verneigt sich tief und wendet sich nach dem Hintergrund.

Severo aufgebracht Vor meinen Augen! Die Schamlosigkeit dieser Frau übersteigt noch die Kühnheit dieses Elenden. Er geht zornig auf Teodora los. Ernesto bleibt stehen und betrachtet mit steigender Bewegtheit die folgenden Vorgänge. Severo gebraucht für Teodora das in diesem Falle verächtliche du Du wagst es, in meiner Gegenwart diesen Menschen noch flehentlich zu bitten? Du wagst es, noch die Stirn zu erheben? Vergißt du, daß ich dir verboten habe, diese Schwelle zu überschreiten, diese Schwelle, die mit Blut deines Mannes getränkt ist? Er faßt Teodoras Hand Warum bist du zurückgekehrt? Teodora zuckt zusammen und fällt auf den Sessel rechts nieder.

Ernesto stößt Severo zurück und stellt sich schützend vor Teodora; zu Severo Du wagst es? Du beleidigst eine Frau, die du ohne Verteidigung wähnst? Du irrst dich! Sie hat einen Verteidiger. Er steht vor dir!

Severo Das sollst du mir mit deinem Leben bezahlen.

Ernesto außer sich vor Zorn Mit meinem Leben? Nehmen Sie es, wenn Sie es vermögen, doch zuerst, so wahr ein Gott lebt, müssen Sie diese Frau auf den Knien um Verzeihung bitten. Teodora will ihn zurückhalten. Ernesto weist sie mit einer leichten Handbewegung zurück Sie glauben ja an einen Gott, der alles geschaffen hat! Gut! Wie Sie Ihre Knie vor dem Altar Gottes in Demut neigen, so müssen Sie sich vor Teodora niederbeugen!

Teodora steht auf Um Gottes willen!

Ernesto packt in wildem Zorn Severo und zwingt ihn zu Boden Zu Boden! Knie nieder!

Teodora ganz verzweifelt Es ist genug, Ernesto!

Severo windet sich am Boden und stöhnt Hölle und Teufel!

Ernesto triumphierend So, zu ihren Füßen!

Teodora Nicht weiter! Sie zeigt tieferschüttert nach Juliáns Zimmer.

Ernesto läßt Severo los, der sich erhebt und nach links taumelt. Teodora führt den völlig willenlosen Ernesto an sich vorbei nach der rechten Ecke.

Julián in seinem Zimmer rechts hinten Laß mich!

Mercedes ebenso Um Himmels willen! Julián, geh nicht!

Die Tür rechts hinten wird aufgerissen. Julián, der sich nur mit großer Mühe aufrecht halten kann, erscheint, blaß wie ein Sterbender. Mercedes folgt ihm und versucht ihn zu stützen.

Neunter Auftritt

Die Vorigen, Julián, Mercedes. Teodora und Ernesto stehen beide dicht zusammen, unbeweglich in der Ecke rechts vorn.

Julián Das Pärchen zusammen! Ah! Mein Ohr hat mich nicht getäuscht. O die Verräter! Er will auf das Paar rechts vorn zustürzen, seine Kräfte verlassen ihn, er schwankt.

Severo eilt herbei und stützt ihn

Julián Sieh, wie sie fast ineinander verschlungen dastehen! Ernesto und Teodora treten auseinander Und sie wagen es nicht, sich mir zu nähern, sie wagen es nicht! Teodora macht zögernd einige Schritte zu ihm hin, dann bleibt sie stehen Näher – noch näher!

Teodora weint und bleibt unbeweglich stehen Julián!

Julián befehlend Näher sage ich! An mein Herz! Teodora will ihm in die Arme fallen. Julián schleudert sie mit einem Stoß von sich, so daß sie zu Boden stürzt Nieder mit dir auf die Erde, du Treulose! Jetzt könnte ich dich zertreten, wie du es hundertfach um mich verdient hast. Aber der wahre Schuldige steht dort. Er zeigt auf Ernesto; gebieterisch zu ihm Komm her! Hierher!

Teodora erhebt sich unauffällig und wendet sich mit einigen Schritten nach rechts hinten.

Ernesto tritt einige Schritte näher Ja, Sie sind unwürdig getäuscht, schmählich betrogen worden, aber bei der Seele meines Vaters, ich bin der Schuldige nicht!

Julián dem das laute Sprechen schwerfällt Schweige du! Entehre nicht den reinen Namen meines Freundes. Willst du unverfroren leugnen, was alle Welt weiß ?

Ernesto sehr entschlossen Alle Welt lügt, und ich allein sage die lautere Wahrheit. Ich schwöre es bei allem, was mir heilig ist. Er wendet sich zu Teodora Was können wir tun ?

Julián kann sich kaum länger halten, zu Severo Du siehst es, da, vor meinen Augen verständigen sie sich.

Ernesto Sie sehen Gespenster in Ihrer Fieberglut.

Julián Ja, im Fieber, das mich verzehrt. Komm näher! Ernesto tritt an ihn heran. Julián sieht ihn durchdringend an Kein Blick des Bedauerns! Deine Augen sind trocken.

Mercedes Beruhige dich, schone dich, Julián!

Julián Und so habe ich euch nun vor mir, alle beide! Gesteht es vor Gott und den Menschen, bekennt und gesteht es offen, daß ihr euch liebt! Mit der Liebe des Verbrechens und der Schande!

Ernesto ruhig Es ist nicht wahr.

Julián keuchend Du lügst! Und ich werde dir das Brandmal deines Verrates auf die Stirn drücken – bald, wenn Gott will, mit der Klinge. – Er schleppt sich an Ernesto ganz nahe heran Jetzt mit der Faust, Bube!

Er stürzt auf Ernesto zu und schlägt ihn mit der letzten Anspannung seiner Kraft ins Gesicht.

Ernesto mit fürchterlichem Aufschrei Ah! Er taumelt zur Seite, macht besinnungslos eine drohende Bewegung, als wolle er sich auf Julián werfen, krampft die Hände und bleibt unbeweglich stehen.

Teodora, Mercedes und Severo mit dem Ausdruck des größten Entsetzens.

Lange Pause. Julián ist völlig entkräftet. Mercedes und Severo stützen ihn.

Severo Du tötest dich! Komm! Sie führen Julián nach seinem Zimmer rechts hinten.

Julián bleibt auf der Schwelle stehen, wendet sich um und spricht mit brechender Stimme Ich sterbe – ja – aber ich bin gerächt! Schande über Schande! Er wird von Severo und Mercedes in sein Zimmer gebracht.

Zehnter Auftritt

Teodora, Ernesto links von ihr; dann Stimmen

Ernesto hat sich nach dem Rundsofa geschleppt, wo er zusammenbricht Mein guter Vater, das ist nun deinem Sohn geschehen, und von ihm, deinem treuen Freund! Ich bitte dich, Vater, sage es mir, was nützt es uns auf dieser Welt, unsere Pflicht zu tun und ehrenhaft zu bleiben, wenn Schimpf und Schande für Ehre, Treue und Redlichkeit unser Lohn ist? Antworte mir, denn ich finde keine Gedanken mehr, und mein Hirn umnachtet sich.

Teodora blickt ihn tief mitleidig an, geht zu ihm und reicht ihm beide Hände.

Ernesto steht auf. Beide blicken sich stumm und wehmütig an. Im Zimmer Juliáns rechts hinten unbestimmtes, unheimliches Geräusch, dem Schreckensrufe folgen.

Severo rechts drinnen Allmächtiger!

Mercedes ebendort Zu Hilfe!

Pepito ebendort Schnell!

Teodora Was gibt es denn?

Ernesto Er stirbt. Teodora will zur Tür hineilen. Ernesto hält sie zurück, ruhig und fest Wohin?

Teodora Zu ihm.

Ernesto Unmöglich.

Teodora Ich muß ihn sehen.

Ernesto steht in der Mitte des Salons, Teodora rechts hinten vor der Tür zu Juliáns Zimmer. Pepito erscheint auf dessen Schwelle und verweigert ihr den Eintritt. Severo hinter ihm.

Elfter Auftritt

Pepito, Severo, Teodora, Ernesto

Severo Niemand wird diese Schwelle überschreiten! Zu Pepito Sorge dafür, daß diese Frau mein Haus verläßt, im Augenblick, ohne Mitleid, ohne Erbarmen. Laß dich weder durch ihre Tränen noch durch die Fürbitten deiner Mutter rühren! Beeile dich, daß sie fortkommt!

Teodora verzweifelt Ich muß ihn sehen.

Severo streng Gut! Du sollst ihn sehen. Er nimmt sie bei der Hand, führt sie nach der Tür rechts hinten und öffnet Juliáns Zimmer Da, schau hin!

Teodora taumelt zurück Julián, mein armer Julián! Tot! Sie bricht zusammen.

Ernesto in tiefster Trauer Ja, unglücklicher Julián, armer väterlicher Freund.

Severo nach einer Pause Nun ist's genug! Mein heiliger Schmerz soll durch die Gegenwart der beiden Schuldigen nicht entweiht werden. Pepito, du hast meine Befehle gehört, vollziehe sie!

Pepito tritt nach der rechten Ecke vor, versucht seinen Vater zu beschwichtigen Aber Vater!

Severo hart Wenn du zu schwach bist, dann werde ich's selbst tun.

Ernesto außer sich Genug! Er zeigt nach der Tür rechts hinten Da liegt ein edler Mann, ermordet durch eure blöde Schändlichkeit. Und hier seht ihr eine tief unglückliche Frau, eine unschuldige Frau, der Verzweiflung und Schmerz den Verstand geraubt haben. Weder der Tod dort er zeigt wieder nach rechts hinten noch dieses verlorene Leben hier auf Teodora weisend vermögen euch einen Funken Mitleid zu geben. Mit roher, tierischer Gewalt stoßt ihr sie zurück. Wir widerstreben nicht mehr - ihr sollt den Platz behaupten - freut euch eures falschen Sieges! Severo macht eine Bewegung, als wolle er Teodora anrühren. Ernesto zu Severo mit großer Kraft Niemand wage es, diese Frau anzurühren! Von diesem Augenblick an - ist sie mein - mein ganz allein! Pepito und Severo in großer Bewegtheit Die ›Welt‹ hat es gewollt, es ist gut, ich beuge mich ihrem Spruch. Die ›Welt‹ hat uns mit Gewalt zusammengehetzt, wir sind vereint. Komm, Teodora! Er geht an Severo vorüber, tritt zu ihr und richtet sie auf Komm! Euer Bann soll uns auf immer vereinen!

Severo So kommt es also doch endlich zum Sieg der Wahrheit.

Pepito Der Elende!

Ernesto Eure Verachtung erreicht mich nicht mehr. Ja, jetzt habt ihr recht. Nein, nicht allein ihr, alle haben recht! Ihr habt das Letzte an mir verübt, und ich fühle, daß ich zu allem fähig bin. Da habt ihr Leidenschaft, da habt ihr Liebe, was wollt ihr noch mehr? Ihr habt alles erreicht. Mit stolzem Ton Ich fürchte nichts mehr auf dieser Welt, mag sie weiter erfinden, was sie will, ich bin auf alles gefaßt. Erzählen Sie nun, was Sie wollen, und jede Ihrer Neuigkeiten wird in der Stadt ihr Echo finden. Nun habt ihr uns da, wo ihr uns wolltet. Mit scharfem Vorwurf Diese Frau war unschuldig wie das Licht der Sonne. Meine Freundschaft für den hochherzigen Mann, der jetzt nicht mehr lebt, ist ohne Vorwurf. Von ganzem Herzen verzeihe ich ihm die Schmach, die er mir zugefügt hat. Ich schwöre, daß wir unschuldig waren, ich schwöre es vor demselben Gott, der nun jenen richtet, wie er uns einst richten und rein erfinden wird. Für euch jedoch sind wir schuldig - schuldig so wie ihr es gewollt habt! Und nun gestehen wir es ein. Unsere strafbare Liebe flammt in unseren Herzen empor vor diesem Körper, der noch nicht einmal erkaltet ist. Geht nun hin und schreit es in alle Winde, daß ihr doch recht hattet. ›Triumphiert!‹ Und wenn man euch fragt, wer das Unheil angerichtet hat, so seht euch selbst an, stellt euch vor den Spiegel, ihr alle seid die Schuldigen! Ein jeder von euch ist, wie Dante sagt, ein Galeoto, ein Kuppler! Zu Teodora Und nun gehört sie mir. Komm, Teodora! Der Schatten meiner geliebten Mutter senkt sich aus seligen Höhen zu dir hernieder. Mit Würde und warmem Ton Komm, Teodora, mein unglückliches, heißgeliebtes Weib! Der allgerechte Himmel wird sie und mich in unserer letzten Stunde richten! Er führt Teodora, die ihm willenlos folgt, durch die Tür links vorn fort.

Ende

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