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Der große Kuppler

José Echegaray: Der große Kuppler - Kapitel 4
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Zweiter Aufzug

In Ernestos einfachem, sehr bescheidenem Mietzimmer. Im Hintergrund rechts ein Alkoven, der durch Gardinen geschlossen werden kann; sie sind zu Anfang geöffnet. Es sind ein Kleiderspind, Bett, Stuhl und ein Waschbecken zu sehen. Links Mitte eine Tür als allgemeiner Eingang, links daneben ein Garderobenständer. Rechts vorn ein Fenster mit dürftiger Mullgardine, ein großer Schreibtisch, davor ein Stuhl; ein Büchergestell mit Büchern; auf dem Schreibtisch zwei Photorahmen, in dem einen das Bild Juliáns, der andere ist leer; Dantes Göttliche Komödie liegt aufgeschlagen, Manuskripte, ein Leuchter mit Licht, daneben verbranntes Papier. Links vorn eine Tür, weiter hinten ein Fenster, zwei Stühle.

Es ist Tag.

Erster Auftritt

Julián und Severo werden von der Vermieterin durch die Tür links Mitte hereingeführt

Julián zur Vermieterin Der Herr ist nicht zu Hause?

Vermieterin Nein, er ist gerade weggegangen.

Severo Das tut nichts. Wir werden warten. Ich denke, Ernesto wird bald zurück sein.

Vermieterin Das ist gut möglich, der Herr liebt die Pünktlichkeit.

Severo Schön, Sie können gehen. Wir werden solange hierbleiben.

Vermieterin Ja, mein Herr. Sie geht ab nach links Mitte.

Zweiter Auftritt

Julián, Severo links von ihm

Julián hat sich inzwischen umgesehen Was sagst du zu einer solchen Einrichtung?

Severo Mehr als einfach.

Julián Einfach? Warum es nicht zugeben? Es ist das unverhüllte Elend – und hier hat der Sohn meines Wohltäters, der an Luxus und ausgesuchten Geschmack gewöhnt ist, wochenlang gehaust. Und wir kommen jetzt, um ihn von hier fortzutreiben? Nein, das kann ich nicht mit ansehen, daß er in die Welt geht wie ein Ausgestoßener. Ich schäme mich meiner Schwäche, ich beklage es, daß Verleumdung und der Bosheit Zischeln mein Vertrauen haben erschüttern können. Doch ich habe mich besonnen, mich selbst wiedergefunden, ich lasse es mit Ernesto nicht zum Äußersten kommen! Ich werde, wenn nötig, den armen Menschen mit Gewalt zurückhalten.

Severo ging bisher ungehalten links auf und ab, setzt sich jetzt ungeduldig auf den Stuhl links.

Julián Ich wäre ein Feigling, wenn ich in verwerflicher Schwäche ruhig zuschauen könnte, wie der Sohn meines Wohltäters durch mein Verschulden zugrunde geht.

Severo streng Verzeih, aber du übertreibst deine Verpflichtung zur Dankbarkeit. Es ist mir bekannt, was du dem Vater dieses jungen Mannes schuldig bist, ich weiß, daß du alles Erdenkliche tust, um deine Schuld an seinem Sohn abzutragen. Unterstütze ihn, gib ihm die Hälfte deines Vermögens, ich werde es begreiflich finden, aber ...

Julián unterbricht ihn Du weißt sehr wohl, daß er viel zu stolz ist, um dergleichen anzunehmen.

Severo kopschüttelnd Dann hast du dir aber nichts vorzuwerfen und wirst nur bedauern, daß es dir sein Eigensinn unmöglich gemacht hat, etwas für ihn zu tun. Alles hat seine Grenzen, auch deine Verpflichtungen. Sie enden da, wo die Ehre deines Hauses gefährdet wird.

Julián gefühlvoll Ich würde dir ja gern glauben, wenn du imstande wärest, mir durch eine einzige Handlung Ernestos zu beweisen, daß meine Ehre, die ich höher schätze als mein Leben, bedroht ist.

Severo Euer ständiges ungezwungenes Beisammensein! Es genügt den bösen Mäulern. Kann es dir etwas nützen, wenn ich an euch glaube? Du lebst in der Welt und mit der Welt, und sie ist stärker als du. Du hängst von ihr ab wie wir alle, und ihr Urteil ist ohne Berufung, auch wenn es falsch ist. Die Welt wendet sich nun einmal von allem ab, was gegen Brauch und Herkommen ist; sie sucht ihre Erklärungen und findet sie stets mit Leichtigkeit, denn das willkommene Schlechte liegt ja immer so nahe. Und wenn sie nun sieht, daß in der Ehe eines älteren Mannes mit einer hübschen jungen Frau ein Dritter auftaucht, ein netter, interessanter junger Mann, der bald in vertraulichen Beziehungen zu dieser Frau steht, dann sucht die Welt eben die allbekannte Erklärung, und der liebe Mann spielt in ihren Augen die gewöhnlich lächerliche Rolle. Julián ist nach dem Fenster rechts gegangen und stellt sich so, daß er seinem Bruder den Rücken zukehrt. Severo erhebt sich und folgt ihm, scharf den Blick auf ihn gerichtet. Julián zuckt die Achseln Dein Achselzucken wird daran nichts ändern. Die Welt ist nun einmal, wie sie ist. Sie ist erbarmungslos und geht über einen jeden zur Tagesordnung über. Der Geschmähte unterliegt, wird getreten und ist bald vergessen. Ernesto hat unser Haus verlassen, und alles ist gut. Ich müßte lügen, wenn ich sagen sollte, daß ich Kummer über seinen Entschluß empfände, sein Glück in der Ferne zu suchen.

Julián mit einem bitteren Ausdruck Du entwickelst ja recht löbliche Grundsätze – das muß ich dir lassen! Du hältst also eine reine Neigung zwischen einem jungen Mann und einer hübschen jungen Frau für undenkbar. Die Freundschaft ist aber kein leerer Wahn! Muß Tugend, wenn sie sich ungewöhnlich zeigt, wie ein niedriges und schimpfliches Laster behandelt werden, weil dies eben das Gewohnte ist? Entrüstet Man möchte an Gott und der Welt verzweifeln! Und das Traurigste ist, daß ich mich selbst dieser verderblichen Einflüsse nicht erwehren kann. Ich spreche es laut und unumwunden und jedermann vernehmlich aus: ›Sie lügen und verleumden, die Erbärmlichen!‹ Und doch flüstert mir in meinem Innersten eine Stimme zu: ›Wenn sie nicht lügen –‹ Er stockt. Severo wird aufmerksam ›Wenn ich der Verblendete wäre?‹ Pause Wenn sie recht behielten, alle die anderen? Das Vertrauen ist ein schlechter Verteidiger in der Festung der Ehre. Niedergeschlagen Wir können unsere Gefühle nicht beherrschen. Die widersprüchlichsten Gedanken in mir bekämpfen sich und zermartern mich.

Severo halb tröstend Du wirst ruhiger werden, wenn erst Land und Meer zwischen euch liegen.

Julián zuckt zusammen, doch sammelt sich schnell wieder Du glaubst also noch immer, daß ich ihn ziehen lassen werde? Wenn nicht meine Pflicht, so müßte ihn meine Vernunft zurückhalten.

Severo Ich begreife dich nicht.

Julián Es ist doch nicht so schwer, mich zu verstehen. Seitdem Ernesto unser Haus verlassen hat, fühle ich mich niedergeschlagen. Teodora hat kein freundliches Gesicht mehr bei mir gesehen, keine ruhige Stunde gehabt, kein liebevolles Wort gehört. Das muß sie doch bemerkt haben, sie muß sich doch sagen: ›Was ist denn geschehen? Womit habe ich denn diese Behandlung verdient?‹ Pause, dann unruhig Und nichts kann mich ihr in einem günstigeren Licht erscheinen lassen. Wir entfernen uns stündlich mehr voneinander; mit unserer unbeschwerten Beziehung und unseren vertrauten Gesprächen ist es vorüber. Selbst der Klang unserer Stimmen ist ein anderer geworden. Ich spreche in Mißtrauen und Verbitterung, sie in Trauer und Bekümmernis.

Severo nachdenklich Wenn du dir selbst in einem so klaren Licht erscheinst, dann ist es erst recht deine Pflicht, dich zu beherrschen.

Julián niedergeschlagen Wenn ich es nur könnte! Ich weiß, daß es ein Unrecht ist, an ihr zu zweifeln, und bin darüber halb wahnsinnig. Dabei wird mein Verlust zu seinem Gewinn. Ich bin der Eifersüchtige, der Tyrann, der Menschenfeind – und er, der das Feld geräumt hat, gewinnt in den Augen der Welt als der Hochherzige und Liebenswürdige. Die Menge fährt unbekümmert mit ihrem Klatsch fort, und die beiden, die es überall aus dem Getuschel heraushören, zu jeder Stunde und an jedem Ort, daß sie sich lieben, glauben endlich selbst daran.

Severo Wenn es so ist, gibt es ein besseres Mittel, als die beiden zu trennen? Dein Widerstand ist mir unbegreiflich.

Julián immer verzweifelter Der Unbegreifliche bist du! Er soll in die Welt hinaus, vielleicht dem Elend preisgegeben, während wir hier in ruhiger Behaglichkeit am warmen Herd bleiben? Ich soll in den Augen Teodoras als der undankbare, selbstsüchtige Mann erscheinen, als der eifersüchtige Narr, der seiner Ruhe und Bequemlichkeit das Lebensglück eines hilfsbedürftigen Freundes opfert? Ich soll ohne Einspruch hinnehmen, daß ihre Gedanken ihm übers Meer folgen, daß sie ihn in ihren Träumen als ein Opfer menschlicher Undankbarkeit sieht, das Haupt mit der Dornenkrone der Entsagung geschmückt? Du willst, daß ich in ihrem Angesicht die Spuren heimlicher Tränen entdecke, die sie um ihn vergießt, um den Verstoßenen, den Unglücklichen, den Geliebten? Er bricht auf dem Stuhl am Schreibtisch rechts zusammen. Pepito kommt durch die Tür links Mitte.

Dritter Auftritt

Julián auf dem Stuhl am Schreibtisch. Severo bei ihm. Pepito noch an der Tür links Mitte

Severo leise Beruhige dich, man kommt! Pepito sieht Severo und Julián beobachtend und lächelnd an. Severo mit einigen Schritten nach links Du bist's. Was führt dich hierher?

Pepito für sich Aha, sie wissen alles. Er kommt nach vorn in die Mitte.

Severo steht am Fenster links. Julián sitzt in Gedanken versunken auf dem Stuhl am Schreibtisch rechts.

Severo zu Pepito Nun, was gibt's?

Pepito Ohne Zweifel komme ich in derselben Angelegenheit, die euch hierher geführt hat. Guten Tag, Onkel! Guten Tag, Vater! Ich bin eigentlich erstaunt, daß ihr die Geschichte schon wißt. Aber freilich, der Auftritt im Café hat auch zu großes Ärgernis erregt.

Severo überrascht, vom Fenster weg mehr nach der Mitte gehend Was meinst du denn?

Pepito stellt sich verwundert Wie, ihr wißt noch nicht –?

Julián ist aufmerksam geworden, steht auf Alles – oder doch wenigstens das Wichtigste davon.

Pepito Ich habe mir's gleich gedacht, daß sich der Skandal wie ein Lauffeuer verbreiten würde.

Julián Alle sprechen davon. Nur über die Einzelheiten ist man verschiedener Meinung. Was weißt du davon, Pepito? Sehr ironisch Es ist dir ja immer bekannt, was sich zuträgt, und deine Mitteilungen sind auch stets zuverlässig.

Pepito brüstet sich O ja, wenn man herumkommt und von allem hört!

Julián seine Ungeduld zügelnd Wie steht es also?

Pepito Schlecht, sehr schlecht, besonders für Ernesto. Er geht an Severo vorüber nach links.

Julián beiseite Was mag denn nur geschehen sein? Laut und scheinbar unbefangen Wirklich? Meinst du nicht, daß sich die Sache noch beilegen lassen wird?

Pepito Ich glaube kaum. Auf Wunsch der Parteien haben die Sekundanten zur Entscheidung gedrängt ...

Julián nervös Die Sekundanten? Wahrscheinlich weil er schon morgen abreisen will. Schnell Doch wir müssen es verhindern, beides, das Duell und die Abreise.

Severo ist Julián nähergetreten, leise Was ist denn das für ein Duell?

Julián leise Still! Laut Ich hoffe Ernesto zu einer versöhnlichen Haltung umzustimmen, und auch sein Gegner wird vernünftig sein. Ein vorschnelles Wort kann man ja zurücknehmen.

Pepito steht nachlässig am Fenster links, wendet sich um Ein vorschnelles Wort? Du scheinst doch nicht recht unterrichtet zu sein. Du müßtest sonst wissen, daß Ernesto im Café den Grafen von Nebreda in Gegenwart vieler Zeugen geohrfeigt hat.

Julián mit gekünstelter Fassung Weil der Graf gelogen hat.

Pepito Immerhin. Aber die Beleidigung war eine öffentliche und so schwere, daß ich keine Möglichkeit sehe, das Duell zu verhüten, zumal der Graf keinen Scherz versteht und als ein guter Schläger bekannt ist. Die Bedingungen sind auf Leben und Tod – aufs Messer bis zur Kampfunfähigkeit.

Julián in grosser Aufregung Das weiß ich. Aber es muß doch noch eine Möglichkeit geben ...

Pepito Wie man in den beteiligten Kreisen meint, kaum.

Julián sucht jetzt von Pepito Näheres zu erfahren Ich kann immer noch nicht begreifen, wie sich Ernesto so durch seinen Jähzorn hat hinreißen lassen?

Pepito Er ist, wie Sie wissen, sehr nervös, und dabei hat ihm auch sein heißes Blut schon manchen Streich gespielt. Er hatte sich mit einem Freund im Café verabredet, der gute Beziehungen zum Ausland besitzt und ihm ein Empfehlungsschreiben geben wollte. Er sitzt ganz allein an seinem Tisch und achtet wenig auf die lustige Gesellschaft junger Leute an einem Nebentisch. Da hört er plötzlich seinen Namen und eine spöttische Bemerkung über seine Abreise. Er wird aufmerksam und vernimmt nun den Namen einer Dame in Verbindung mit dem seinen. Es fallen gehässige Bemerkungen unter höhnischem Achselzucken, die allgemein schallendes Gelächter hervorrufen. Das war zuviel! Das Blut schießt ihm ins Gesicht, er erhebt sich, ergreift den jungen Grafen Nebreda am Handgelenk, und, vor Wut zitternd, sagt er mit heiserer Stimme: ›Elender, du lügst! Widerrufe!‹ Ihr könnt euch den Auftritt vorstellen! Ein Todesschweigen. Der Graf, blaß vor Zorn, erhebt die Hand zum Schlag. Aber Ernesto kommt ihm zuvor und trifft ihn mit der geballten Faust ins Gesicht. Der Graf will die Beleidigung erwidern, doch die Anwesenden werfen sich dazwischen und trennen die Wütenden.

Julián in fieberhafter Spannung Und der Name der Dame? Pepito schweigt verlegen. Julián auffahrend Teodora! Ich wußte es! Er bricht auf dem Stuhl am Schreibtisch rechts zusammen und stützt den Kopf in die Hände.

Severo leise und vorwurfsvoll Pepito! Er geht auf Julián zu Julián, fasse dich!

Julián matt Du hast recht, ich brauche Ruhe. Meine Frau ist beleidigt, und ich erlaube niemandem, für ihre Ehre einzutreten. Das ist meine Sache. Er steht auf, zu Severo Darf ich auf dich zählen, Severo?

Severo Du kannst immer auf mich zählen.

Julián in der Mitte, streng zu Pepito Nun gib Antwort auf meine Fragen. Wann soll das Duell stattfinden?

Pepito Heute nachmittag drei Uhr.

Julián Wer sind die Sekundanten?

Pepito Ich kenne beide. Alcaraz und Rueda.

Julián Auch ich kenne sie. Bleib hier, bis Ernesto kommt. Und schweige über alles, was hier vorgefallen ist – hörst du! Er wendet sich an Severo Komm mit, Severo.

Severo Wohin?

Julián schnell Zum Grafen von Nebreda. Die Verleumdung hat sich bis zu dieser Stunde vor meinen Augen versteckt, sie war überall und nirgends. Ich fühlte sie, doch habe ich sie nicht festhalten können. Endlich fasse ich einen, er hat Fleisch und Blut. Ich halte ihn fest, er soll mir nicht entschlüpfen, der Kerl! Komm, gehen wir! Er geht mit Severo ab nach links Mitte.

Vierter Auftritt

Pepito allein

Pepito geht auf und ab, bleibt gelegentlich stehen Mag mein Onkel sagen, was er will, eine Torheit war es, mit Teodora und Ernesto unter einem Dach zu wohnen. Ernesto ist ein Feuerkopf, ein Romantiker, der wohl einem hübschen Weib den Kopf verdrehen kann. Mag er auch schwören, daß nichts geschehen ist, daß ihn einzig und allein die reine Zuneigung fesselt, daß er sie wie eine Schwester und ihren Mann wie seinen Vater liebt. Ich denke anders und habe doch auch schon manches in der Welt gesehen. Einer hübschen Cousine und einem ebenso hübschen Cousin traue ich nicht über den Weg. Und nehmen wir einmal an, daß es wirklich so ist, wie er sagt: was sollen die Leute von der Sache denken und warum ist sie in aller Munde? Wer kann denn vorschreiben, Gutes anzunehmen? Sehen sie die beiden nicht immer zusammen, im Theater, im Konzert, auf der Promenade, auf der Spazierfahrt? Unvorsichtig sind sie auf alle Fälle gewesen. Und wenn sie auch nur ein einziges Mal allein zusammen ausgegangen wären und hundert Personen hätten sie gesehen, so ist es, als wären sie nicht an einem Tage, sondern an hundert verschiedenen Tagen beobachtet worden. Wer hat sich zu vergewissern, ob diese Frau und dieser Mann nur einmal oder oft zusammen gesehen worden sind? Fragt die Menge nach Zuneigung oder brüderlicher Liebe? Pause Alle erzählen nur, was sie gesehen haben, und darin lügen sie nicht. Der eine hat sie gesehen – der andere – ein Dritter – ein Vierter ein Fünfter meldet sich – und so geht es fort bis ins Unendliche! Jeder hat sie eben gesehen. Da ist's vorbei mit den Rücksichten, und der Verdacht wird zur Gewißheit. Pause Man kann nicht mehr von der reinen Liebe der beiden überzeugt sein, denn töricht erscheint es, in Teodoras Nähe zu leben, ohne sie zu lieben. Er geht nach rechts und setzt sich an den Schreibtisch Mag Ernesto ein Dichter, ein Philosoph, ein Mathematiker oder sonst etwas sein, er bleibt immer nur Mensch – und sie – sie das schöne, verführerische Weib! Es reicht gerade hin zu einem Fehltritt! Er sieht sich um und macht mit den Händen eine entsprechende Bewegung Diesen vier Wänden hat Ernesto seine innersten Gedanken anvertraut, und lange hätte ich nicht zu suchen, um Schuldbeweise zu finden. Vielleicht auch Beweise vom Gegenteil wer kann's wissen. Er sieht auf den Schreibtisch Aber schon diese Photorahmen geben zu denken. Der eine ist leer, und in dem anderen sehe ich Julián. Er nimmt den leeren Rahmen in die Hand Aus diesem leeren Rahmen haben doch früher die schönen Züge meiner Tante den Dichter begeistert. Warum hat er das Bild herausgenommen? Um es zu vernichten – oder um es mit dem Platz auf seinem Herzen zu vertauschen? Nun, es wird sich ja bald zeigen. In Gedanken verloren Kleine Teufelchen flattern durch den Raum, spinnen unsichtbare Fäden und klagen ohne Erbarmen den mit sich ringenden Philosophen an. Er erblickt auf dem Tisch das aufgeschlagene Buch, nimmt es zur Hand und blättert darin; dann spöttisch Immer das Buch auf derselben Seite aufgeschlagen. Er liest Dantes Göttliche Komödie. Und immer die Episode der Francesca da Rimini! Wie soll man das verstehen? Entweder liest Ernesto niemals darin, oder laut auflachend er liest immer dasselbe. Er sucht auf dem Schreibtisch herum Hier Spuren, die von Tränen herrühren. Verraten sie mir sein Geheimnis? Onkel, Onkel! Wie schwer ist es, verheiratet zu sein und ein ruhiges Leben zu genießen. Er nimmt ein Stück verkohltes Papier vom Tisch Ein Papier, zu Asche verbrannt, und doch noch Schriftspuren? Er hält es gegen das Licht und bemüht sich, die Schrift zu entziffern.

Ernesto kommt von links Mitte.

Fünfter Auftritt

Pepito, Ernesto links von ihm

Ernesto bleibt überrascht stehen Pepito! Was machst du denn da!

Pepito steht auf, verlegen Ein Stückchen verbranntes Papier, das mir aufgefallen war.

Ernesto ist inzwischen nach vorn gekommen, nimmt ihm das Papier ab; nachdem er es betrachtet hat, gibt er es ihm zurück Ich kann mich nicht mehr erinnern, was es war.

Pepito Es waren Verse. Sie werden dir bekannt sein! Er liest mit großer Schwierigkeit Das – Feuer –, das – in mir – brennt –

Ernesto unterbricht ihn unwillig Laß!

Pepito legt das Papier auf den Schreibtisch und lehnt sich auf seinen Stuhl Wie du willst!

Ernesto geht an Pepito vorbei zum Schreibtisch rechts und sieht auf die verkohlten Reste Ein Symbol des Lebens. Einige Schmerzensschreie und ein bißchen Asche.

Pepito bleibt hinter seinem Stuhl stehen Es waren doch Verse?

Ernesto Ja. Unwillkürlich fließen sie mir oft in die Feder. In Gedanken Aber gestern abend habe ich nicht gearbeitet.

Pepito Und nur um deiner Feder zu Hilfe zu kommen, um dich in die richtige Stimmung zu versetzen, suchst du Begeisterung hier im Buche des Meisters? Er zeigt nach dem Dante auf dem Schreibtisch Es ist ein großartiges Werk, dem man die Bewunderung nicht versagen darf. Gleich hier die Episode der Francesca da Rimini ...

Ernesto ironisch und ungeduldig Du bist heute ja recht wißbegierig.

Pepito Ich sah das Buch aufgeschlagen und fand eine Stelle, die du mir erklären mußt. Francesca und Paolo lesen eine Liebesgeschichte zusammen bis zu der Stelle, wo der Verfasser von der Liebe des Lanzelot und der Königin Ginevra spricht. Er klopft auf das Buch Das Feuer der Verse reißt den jungen Mann in seiner Liebestollheit hin, die Königin zu küssen. Er fixiert Ernesto Du nennst dein Drama ›Galeoto‹. Wer aber ist dieser Galeoto, der sich gerade in dem Augenblick rettet, wo sich die Liebenden in die Arme sinken?

Ernesto mit einigen Schritten nach links Galeoto ist der Vermittler zwischen Lanzelot und der Königin. Er ist der erbärmliche Unterhändler, der den Unschuldigen nachspürt, sie anklagt, sich dann mit einem Hohngelächter in Sicherheit bringt, ohne sich über die Strafe zu beunruhigen, die seine armen Opfer treffen wird. Der große Ehrenhändler menschlicher Seelen, das ist Galeoto. So nennt ihn Dante in seinem Buch, das Francesca mit ihrem Schwager liest; in jenem Buch, das ihre Liebe entstehen, sie ihre Pflichten vergessen läßt, das sie schließlich zur Verdammnis fuhrt. Und ich nenne mein Stück ›Galeoto‹, weil in ihm dieselbe dunkle Macht die Katastrophe herbeiführt. Mein Galeoto ist keine wirkliche, keine lebende Person, er ist eine Personifizierung der Gesellschaft, die durch ihre Kleinlichkeit und die niedrige Gesinnung diese beiden reinen Seelen gewaltsam zusammenführt, die deren Unbeflecktheit durch gemeinen Argwohn vergiftet, die das Böse in diese unschuldigen Herzen sät, die sie so wütend anklagt und verleumdet, daß sich beide schließlich schuldig in die Arme fallen müssen. Eindringlich und gesteigert Eine Wolke von Bosheit umgibt sie, die sie von allen anderen trennt, eine Lawine von Verleumdungen überschüttet sie, und im großen Unglück vereinigen sie sich und gehen als Schuldige unter. Und die Gesellschaft, die Urheberin ihres Falles, jubelt, sie hat ja so recht gehabt! Pause Verstehst du nun, was ich der Welt vorführen will? Man kann mein Stück auspfeifen, was tut's? Ich habe mich ausgesprochen und rühre vielleicht doch diesem oder jenem an die Seele.

Pepito nach einer Weile Und bedenkst du denn nicht, daß du vor einem Duell stehst? Weißt du denn nicht, daß der Graf von Nebreda eine sehr gute Klinge führt? Ich meine, das wäre jetzt wichtiger, als an dein neues Stück zu denken.

Ernesto Ich denke so: Wenn ich den Grafen töte, hat die Welt die Wette gewonnen; tötet er mich, so bin ich der Gewinner.

Pepito Deine Ruhe ist wirklich unheimlich.

Ernesto Vor dem Unabänderlichen bin ich immer ruhig.

Pepito neugierig Also gibt es keinen Ausweg mehr?

Ernesto sehr gelassen Keinen.

Pepito Wann? Heute um drei Uhr?

Ernesto wie oben Um drei Uhr.

Pepito Hast du einen guten Ort? Die Zeit ist schlecht gewählt.

Ernesto Beruhige dich; wir werden ungestört bleiben. Hier über uns ist ein leeres Atelier mit Oberlicht. Der Hauswart hat uns für klingende Münze die Schlüssel zur Verfügung gestellt. Die Sekundanten sind benachrichtigt, die Waffen werden bereit sein.

Pepito lauscht nach links Mitte Still! Ich höre jemanden im Vorzimmer. Vielleicht deine Sekundanten?

Ernesto geht nach hinten und horcht an der Tür links Mitte Nein, es ist noch zu früh.

Pepito aufmerksam Es spricht jemand. Eine Frauenstimme?

Die Vermieterin kommt von links vorn.

Sechster Auftritt

Die Vorigen, Vermieterin an der Tür

Vermieterin zu Ernesto Es ist jemand da, der Sie in einer dringenden Angelegenheit sprechen möchte.

Ernesto Ich habe leider wenig Zeit. Wer ist es?

Vermieterin wichtig Eine Dame.

Ernesto Das ist sonderbar.

Pepito nachlässig Ist sie hübsch?

Vermieterin Ich kann es nicht sagen. Auf dem Flur ist es ziemlich dunkel, und sie ist dicht verschleiert. Sie scheint sehr aufgeregt zu sein, sie sprach schnell, und ihre Stimme zitterte. Sie wird sich nicht abweisen lassen.

Ernesto zu Pepito Wer zum Teufel mag das denn sein?

Pepito Gleichviel, du mußt sie empfangen. Es scheint doch von Wichtigkeit zu sein, was sie dir anzuvertrauen hat. Er nimmt seinen Hut Ich lasse dich allein. Zu allem andern wünsche ich dir Glück. Zur Vermieterin Worauf warten Sie denn noch ?

Vermieterin zögernd Ich weiß noch nicht, ob der Herr die Dame empfangen will?

Pepito Natürlich. Lassen Sie sie nur eintreten. Sonst aber ist der Herr für niemanden zu sprechen. Mit Nachdruck Hören Sie, für niemanden.

Vermieterin zuvorkommend Ich verstehe.

Pepito Leb wohl, Ernesto! Er gibt ihm ausdrucksvoll die Hand und geht zur Tür links Mitte. Vermieterin öffnet ihm. Pepita geht ab nach links Mitte. Vermieterin entfernt sich nach links vorn.

Ernesto geht nach seinem Schreibtisch Was mag man von mir wollen? Und eine Dame?

Teodora erscheint in der Tür links vorn.

Siebenter Auftritt

Ernesto, Teodora links von ihm; dann Pepitos Stimme. Teodora bleibt auf der Schwelle stehen.

Ernesto begrüßt sie Sie wünschen mich zu sprechen. Haben Sie die Güte, näherzutreten. Teodora zieht den Schleier ab. Ernesto äußerst überrascht Teodora! Er verbessert sich Gnädige Frau –!

Teodora so aufgeregt, daß sie kaum Worte finden kann Wo – ist – Julián?

Ernesto erstaunt Ich weiß nicht.

Teodora wie oben Ich muß ihn sprechen – und zwar hier.

Ernesto Beruhigen Sie sich, gnädige Frau.

Teodora in höchster Unruhe, halblaut Ich muß ihn – augenblicklich – ich will ihm schwören – Mercedes hat mir gesagt, daß er mit Don Severo zu Ihnen gegangen sei, daß ich ihn hier sicher finden werde...

Ernesto tritt näher Gut, so erwarten Sie ihn hier.

Teodora unruhig Hier?

Ernesto geht nach der Tür links Mitte, horcht einige Augenblicke und kommt dann wieder nach vorn Ich weiß das Vertrauen, mit dem Sie mich ehren, zu schätzen, fürchten Sie nichts, gnädige Frau. Seien Sie unbesorgt und setzen Sie sich!

Teodora ablehnend Ernesto, es gab eine Zeit – ach! – sie ist leider entschwunden–, wo ich so sorglos in Ihr Zimmer trat wie in das eines Bruders. Ja, in diesem Augenblick – ich fühle es deutlich und klar hat die Abschiedsstunde geschlagen. Damals hätte ich dem scheidenden Freund arglos mit Wehmut die Hand gegeben, die ganze Welt hätte meine Zuneigung sehen können. Jetzt schleiche ich mich verschleiert zu Ihnen, ich komme mir vor wie eine Verbrecherin, meine Hände zittern, ich ängstige mich bei dem Gedanken, daß uns ein Fremder hier überraschen könnte. Weshalb? Weshalb? Erklären Sie es mir, Ernesto, weshalb?

Ernesto steht wie gebannt und wendet den Blick nicht von ihr Gnädige Frau, ich kann Ihnen darauf nicht antworten. Dieser Veränderung gegenüber bin ich ebenso mut- und trostlos wie Sie. Auch mir ist klar, daß sich ohne unser Verschulden ein Abgrund zwischen uns aufgetan hat. Ihn zu überbrücken, finde ich kein Mittel. Wenn sich jetzt unsere Hände berühren, sind unsere Gedanken andere als damals. Und was mich am schmerzlichsten trifft, ist die Überzeugung, daß ich meinem Wohltäter, meinem besten Freund, die Ruhe geraubt habe, daß ich die Veranlassung bin, daß auch andere um mich leiden – wie Sie, gnädige Frau –

Teodora unterbricht ihn Sprechen Sie nicht von mir. Ja, ich habe qualvolle Nächte durchlebt. Es hat mich gefoltert bis zum Wahnsinn, es hat mich fast aufgerieben, Julián an mir zweifeln zu sehen. Und doch empfand ich keine Bitterkeit gegen Sie. Sie haben keine Schuld – und wenn Julián an mir und meiner Liebe irre wird, Sie trifft sein Vorwurf nicht.

Ernesto verzweifelnd Ich kann es nicht fassen! Wie kann ein Mann an einer Frau, wie Sie es sind, zweifeln?

Teodora Es drückt ihn schwer. Entschuldigen Sie ihn, klagen Sie ihn nicht an.

Ernesto Ich ihn anklagen? Ich? Den armen Julián? Ich begreife es nur zu gut, wie ihm die Eifersucht am Herzen nagt. Es gibt ja Menschen, die an Gott und der Welt zweifeln. Wer reich ist, verteidigt sein Geld und bewacht es mißtrauisch. Besäße ich die übernatürliche Gewalt, Sie zu gewinnen, bei meinem Leben, Teodora, ich würde auch zweifeln.

Lärmende Stimmen links Mitte.

Teodora fährt entsetzt zusammen Still, man kommt!

Ernesto sieht nach seiner Uhr Unmöglich.

Teodora plötzlich freudig bewegt Julián! Ich erkenne seine Stimme. Und er ist nicht allein. Sie eilt nach hinten, ihm entgegen.

Ernesto versucht sie respektvoll davon zurückzuhalten, horcht links Mitte an der Tür. Nein – bleiben Sie!

Teodora Wen kann er bei sich haben?

Ernesto flüstert ihr zu Wenn er nicht allein ist, dann treten Sie durch diese Gardine in den Alkoven. Er führt sie nach dem Alkoven rechts Mitte und horcht dann wieder an der Tür links Mitte Bleiben Sie, es ist wieder ruhig. Vielleicht hat die Wirtin den Besuch abgewiesen. Er wendet sich wieder zu ihr Wie Sie zittern! Er ergreift ihre Hände.

Teodora Ich sterbe vor Angst. Die Zeit geht dahin – und...

Ernesto Ja, die Zeit verrinnt, und ich vergesse ganz, daß wir hier nicht zusammen bleiben können. Ich erwarte – Freunde, die ich nicht abweisen kann.

Teodora Ich weiß es.

Ernesto erstaunt Wie können Sie das wissen?

Teodora Meine Schwägerin hat es mir gesagt. Sie wollen sich meinetwegen schlagen. Aber ich werde es nicht dulden.

Ernesto Man hat Sie beleidigt, verleumdet! Ich habe Ihre Sache zu der meinen gemacht, und nun betrifft sie nicht mehr Sie – sie geht nur noch mich alleine an.

Teodora Nein! Stets uns beide! Und wenn ich Ihnen befehle...

Ernesto Ich würde Ihnen blindlings folgen, verfügen Sie über mich, über alles, was ich besitze – nur nicht über meine Ehrenpflicht! An jener Grenze, wo die Ehre gebietet, endet Ihre Macht über mich.

Teodora Auch dann, wenn das Ärgernis über das Gerede, welches das Duell verursachen muß, die Verleumdung nur noch unterstützen und ihre Erbärmlichkeit bekräftigen wird?

Ernesto Das Ärgernis ist schon da, es kann nicht größer werden. Nichts wird es ganz unterdrücken, man kann es nur noch abschwächen durch die Strafe, der ich mich freiwillig unterziehe.

Teodora zögernd Und Julián?

Ernesto Nun?

Teodora Glauben Sie, daß es ihm so gleichgültig sein wird, einen anderen für die Ehre seiner Frau eintreten zu sehen?

Ernesto Ich habe nicht das Recht, die Frau meines Wohltäters zu verteidigen, und ich maße mir keine fremden Rechte an. Es ist nicht von Ihnen die Rede, sondern einzig und allein von einer Dame, die in meiner Gegenwart beleidigt worden ist. Ich habe diese Beleidigung gehört, ich bin der Freund dieser Dame, ich war zur Stelle, ich habe dem Beleidiger die wohlverdiente Züchtigung erteilt und mich um nichts anderes gekümmert.

Teodora sehr schmerzlich bewegt Es wird Ihnen nicht schwer werden, mir zu beweisen, daß Sie im Recht sind, ich würde gegen Ihre Begründung doch nicht ankämpfen können. Aber sind Ihnen denn meine Empfindungen so gänzlich gleichgültig? Ernesto, ich bitte Sie, haben Sie Mitleid mit mir, Sie dürfen sich nicht schlagen – Sie können es auch nicht, wenn Sie nur ein wenig Rücksicht auf mich nehmen wollen.

Ernesto Und ich beschwöre Sie, machen Sie mir das Duell nicht zu Unmöglichem. Es muß stattfinden – und es wird stattfinden – die Beschimpfung kann nicht ungesühnt bleiben. Und wenn ich zurückträte, würde die Welt sagen: Der Feigling verkriecht sich! Julián würde sich statt meiner schlagen, und was hätten Sie dabei zu gewinnen? Der Ausgang eines Zweikampfes ist unsicher, nur zu oft, beinahe immer, gibt er dem Verleumder recht! Was liegt an mir. Pause Wer wird mich beklagen? Ich stehe allein...

Teodora zaghaft Sie wissen nicht, wie weh Sie mir tun – wie heiß meine Gebete für Sie zum Himmel stiegen ...

Ernesto traurig Man betet für die ganze Welt, nur einen einzigen beweint man.

Teodora fassungslos in Tränen Sehen Sie mich an, und haben Sie Mitleid mit mir. Ernesto will sich ihr nähern, bleibt plötzlich mit einer leidenschaftlichen Bewegung wie angewurzelt stehen. Draußen links Mitte Stimmen und Geräusch. Teodora zeigt nach der Tür links Mitte. Dann flüsternd, sehr rasch.

Ernesto eilt nach der Tür links Mitte Es ist jemand da.

Teodora ebenso Man verlangt dringend Einlaß.

Ernesto zuckt zusammen Ja! Er weist mechanisch nach dem Alkoven rechts Mitte Dorthin, Teodora! Verbergen Sie sich!

Teodora außer sich Was? Ich soll mich verbergen? Juliáns Verdacht wird sich nur noch vergrößern.

Ernesto Julián? Nach links Mitte zeigend Und wenn dies nicht Ihr Mann wäre?

Teodora wiederholt wie betäubt Wenn dies nicht mein Mann wäre?

Ernesto fieberhaft Es sind die Sekundanten, schnell! Er drängt sie nach dem Alkoven rechts Mitte.

Teodora sich vergessend, schreit in tiefer Leidenschaft auf Sie dürfen sich nicht schlagen, Sie müssen leben!

Ernesto mit großer Festigkeit Hassen Sie mich meinetwegen, verachten sollen Sie mich nicht!

Teodora vollständig gebrochen und willenlos Barmherziger Gott!

Ernesto drängt Teodora nach dem Alkoven. Teodora gibt willenlos nach und verschwindet hinter der Gardine. Die Stimmen draußen links Mitte haben sich verstärkt. Ernesto schließt die Gardine, macht einige Schritte nach links.

Pepito ruft draußen Ernesto! Ernesto! Anscheinend zur Vermieterin Gehen Sie zum Teufel! Ich muß ihn sprechen! Er stürzt aufgeregt durch die Tür links Mitte ins Zimmer.

Achter Auftritt

Pepito, Ernesto links von ihm

Ernesto überrascht Um Gottes willen, was ist geschehen?

Pepito Das Fürchterlichste, was du dir denken kannst. Ein schreckliches Unglück! Julián hat von dem Duell gehört und ist dir zuvorgekommen. Er hat den Grafen aufgesucht und ihn durch eine tödliche Beleidigung gezwungen, sich mit ihm zu schlagen. Er ist hier gewesen, man hat ihn nicht eintreten lassen. Deine Zeugen haben ihm sekundiert. Ernesto in größter Aufregung Sie haben sich geschlagen? Pepito Wie zwei Besessene! Er zeigt nach oben Hier über uns. Ernesto mit einem scheuen Blick auf den Alkoven, seine Bewegungen ängstlich und nervös Er ist verwundet? Pepito Tödlich.

Ernesto erschrocken Nicht so laut, Pepito! Um Himmels willen, leiser! Die Tür links Mitte öffnet sich. Pepito Da bringen sie ihn schon.

Julián wird von links Mitte hereingeführt, stützt sich auf den Arm seines Bruders Severo. Der Arzt, Rueda und der zweite Sekundant folgen.

neunter Auftritt Pepito, Severo, Arzt, Julián, Ernesto, Rueda, Sekundant

Ernesto stürzt auf Julián zu, fällt aufs Knie und ergreift Juliáns Hand Julián, mein Freund, mein Wohltäter, mein Vater! Julián mit schwacher Stimme Laß gut sein – mein guter Junge – wir haben unsere Pflicht getan – du die deine – und ich – die meine. Ernesto in Verzweiflung O es ist entsetzlich! Severo stützt Julián und drängt Schnell! Schnell! Er spricht leise mit dem Arzt und nimmt dessen Anordnungen entgegen. Ernesto kniend Vater! Severo Der Schmerz überwältigt ihn. Ernesto wie abwesendNebreda, dieser Schurke, er soll mir für zwei zahlen. Severo Der Arzt befiehlt schnell ins Bett! Pepito zu den anderen, indem er nach dem Alkoven zeigt Das Bett steht im Alkoven, hinten an der Wand. Ernesto ganz in Gedanken versunken, kniet noch immer vor Julián Nebreda!

Severo Die Tollheiten sind zu Ende.

Ernesto faßt sich Tollheiten? Wir werden sehen! Er steht auf und geht nach dem Hintergrund.

Severo Der Kranke soll auf das Bett gelegt werden, in den Alkoven.

Ernesto bleibt plötzlich wie angewurzelt stehen Wo? Wohin?

Severo zeigt nach dem Alkoven Dorthin.

Pepito Ja.

Ernesto stürzt vor die Gardinen und deckt sie mit seinem Körper Halt, nein!

Severo verwundert Du verweigerst uns das? Wie soll ich das verstehen?

Pepito Bist du wahnsinnig?

Severo Siehst du nicht, daß er uns sonst unter den Händen stirbt?

Ernesto kämpft in heller Verzweiflung, mit erstickter Stimme Dort nicht –!

Julián zu Ernesto Was sagst du, mein Junge –? Du verweigerst mir –? Er richtet sich mit Anstrengung auf und sieht Ernesto durchdringend an.

Ernesto Zweifeln Sie an mir? Er geht ein paar Schritte nach vorn und will Julián die Hand geben.

Severo benutzt diesen Augenblick, eilt nach hinten und öffnet die Gardinen Es muß sein!

Pepito tritt zu Julián, um ihn zu stützen. Teodora wird in dem Alkoven rechts Mitte sichtbar.

Zehnter Auftritt

Pepito, Julián, Severo, Arzt, Teodora, Ernesto, Rueda, Sekundant

Severo prallt zurück.

Severo und Pepito Was ist das?

Rueda Eine Frau?

Ernesto dreht sich um, in schrecklichster Bestürzung Allmächtiger Gott!

Pause.

Fast gleichzeitig.

Teodora stürzt leidenschaftlich und schluchzend nach vorn zu Julián Julián! Nein, du zweifelst nicht an mir!

Julián sieht sie mit äußerster Anstrengung an, ergreift die Hände Severos und Pepitos, die ihn stützen Wer ist das? Er richtet sich auf. Pause. Dann mit einem fürchterlichen AufschreiTeodora! Er bricht ohnmächtig zusammen.

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