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Der grobe Brief von Martin Luther bis Ludwig Thoma

Fritz Reck-Mallaczewen: Der grobe Brief von Martin Luther bis Ludwig Thoma - Kapitel 5
Quellenangabe
authorFritz Reck-Malleczewen
titleDer grobe Brief von Martin Luther bis Ludwig Thoma
publisherSchützen-Verlag
printrun6.-10. Tausend
year1940
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20170306
projectidc74a7813
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Martin Luther an Herzog Ludwig den Bärtigen von Sachsen

1523

Luther hatte 1522 von Wittenberg aus einen an Hartmuth von Cronberg gerichteten, allen wegen ihrer Religion Verfolgten geltenden offenen Brief geschrieben. In dem Briefe waren die fürstlichen Unterdrücker der neuen Lehre verglichen worden mit ›einer Wasserblase, so gegen den Himmel trotzt mit ihrem hohen Bauch‹, und eben diese Stelle hatte Herzog Georg in Sachsen auf sich bezogen und bei Luther eine entsprechende Rückfrage gestellt. Die Folge war der hier folgende Brief.

An Georg, Herzog in Sachsen, aufzuhören zu toben und wüten wider Gott und seinen Christ, statt meines Dienstes zuvor.

Ungnädiger Fürst und Herr, ich habe Ew. Fürstlichen Ungnaden Schrift samt dem Büchlein oder Schrift, so ich an Hartmuth von Cronberg geschrieben haben soll, empfangen, und mir sonderlich den Ort, des sich Ew. Fürstl. Ungnaden beschwert, lesen lassen.

Weil denn Ew. Fürstl. Ungnaden begehrt zu wissen, was ich darin geständig sein solle, so ist meine Antwort, daß mirs gleich gilt, ob es für Ew. Fürstl. Ungnaden werde für gestanden, gelegen, gesessen oder gelaufen genommen. Denn was ich wider Ew. Fürstl. Ungnaden heimlich oder öffentlich rede, des erbiete ich mich zu Recht und wills, wenn Gott will, auch wohl für Recht halten. Gott aber will die Gewalt wohl finden. Denn wenn es Ew. Fürstl. Ungnaden ernst wäre und Ew. Fürstl. Ungnaden nicht so unhöflich löge, daß ich Ew. Fürstl. Ungnaden Seele, Ehre und gutem Leumund zu nahe wäre, würde sie freilich die christliche Wahrheit nicht so schändlich lästern und verfolgen. Doch ist das nicht das erste Mal, daß ich von Ew. Fürstl. Ungnaden belogen bin und daß ich billige Ursach hätte, mich zu beklagen, der Injurien, Seele, Ehre und Leumundes betreffend. Aber ich schweige des allen, da Christus mir gebeut, auch den Feinden günstig zu sein, was ich bisher auch getan hab mit meinem Gebet für Ew. Fürstl. Ungnaden. Ich erbiete mich noch, Ew. Fürstl. Ungnaden zu dienen, wo ich kann, ohn all falsches Gesuch. Ist das veracht, so kann ich nicht zu. Ich werde mich darum vor keiner Wasserblase zu Tode fürchten, ob Gott will, und mein Herr Jesus Christus wolle Ew. Fürstl. Ungnaden Augen und Herz erleuchten und mir einen gnädigen Fürsten aus Ew. Fürstl. Ungnaden machen.

Zu Wittenberg, am 8. Johannis 1523.

Martin Luther,
von Gottes Gnaden Evangelist zu
Wittenberg.

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