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Der Graf von Monte Christo. Dritter Band.

Alexandre Dumas (der Ältere): Der Graf von Monte Christo. Dritter Band. - Kapitel 16
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typefiction
authorAlexander Dumas d. Ä.
titleDer Graf von Monte Christo. Dritter Band.
publisherFranckh'sche Verlagshandlung
illustratorFritz Bergen
translatorMax Pannwitz
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorGerd Bouillon
senderwww.gaga.net
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Der Major Cavalcanti

Es schlug sieben Uhr, und Bertuccio war seit zwei Stunden nach Auteuil abgereist, als ein Fiaker vor der Tür des Hotels hielt und an dem Gitter einen Mann von etwa zweiundfünfzig Jahren absetzte, der einen von jenen Röcken mit schwarzen Borten trug, deren Geschlecht in Europa unvergänglich zu sein scheint. Eine weite Hose, ziemlich reinliche Stiefel, hirschlederne Handschuhe, eine schwarze Halsbinde mit einem schmalen weißen Streifen, die man, wenn sie ihr Eigentümer nicht freiwillig getragen haben würde, für ein Halseisen hätte halten können, das war die malerische Tracht, in welcher der Mensch erschien, der an dem Gitter läutete, hier fragte, ob nicht in Nr. 30 der Avenue der Champs-Elysées der Graf von Monte Christo wohne, und auf die bejahende Antwort des Portiers eintrat.

Der kleine, eckige Kopf dieses Menschen, seine weißlichen Haare und sein dicker, grauer Schnurrbart machten ihn für Baptistin erkenntlich, denn dieser besaß das genaue Signalement des Gastes und erwartete ihn im untern Hausflur. Kaum hatte er seinen Namen vor dem Diener ausgesprochen, als Monte Christo von seiner Ankunft benachrichtigt wurde.

Man führte den Fremden in den einfachsten Salon. Der Graf erwartete ihn daselbst und ging ihm mit lachender Miene entgegen. Ah! lieber Herr, sagte er, seien Sie willkommen! Ich erwartete Sie.

Wirklich? erwiderte der Lukkeser, Eure Exzellenz erwartete mich?

Ja, ich war von Ihrer Ankunft auf heute um sieben Uhr benachrichtigt.

Sie waren von meiner Ankunft benachrichtigt?

Vollkommen.

Ah! desto besser, ich befürchtete, man hätte diese Vorsichtsmaßregel vergessen.

Welche?

Sie in Kenntnis zu setzen.

Oh, nein!

Sind Sie dessen gewiß, täuschen Sie sich nicht?

Ich bin dessen gewiß.

Mich erwartete Eure Exzellenz heute abend um sieben Uhr?

Allerdings Sie. Ich will Ihnen den Beweis geben.

Oh, wenn Sie mich erwarteten, so ist es nicht der Mühe wert.

Doch! doch! rief Monte Christo.

Der Lukkeser schien etwas beunruhigt.

Sprechen Sie, sind Sie nicht der Marquis Bartolomeo Cavalcanti?

Bartolomeo Cavalcanti, wiederholte freudig der Lukkeser, so ist es.

Exmajor in österreichischen Diensten?

War ich Major? fragte schüchtern der alte Soldat.

Ja, sagte Monte Christo, Major. Das ist der Name, den man in Frankreich dem Grade gibt, den Sie in Italien einnahmen.

Gut, versetzte der Lukkeser, Sie begreifen, mir ist es ganz lieb . . .

Übrigens, kommen Sie nicht aus eigenem Antriebe hierher?

Allerdings.

Sie sind durch den vortrefflichen Abbé Busoni an mich gewiesen worden?

So ist es, rief der Major.

Und Sie haben einen Brief?

Hier ist er.

Monte Christo nahm den Brief, öffnete und las ihn.

Der Major schaute den Grafen mit großen, erstaunten Augen an, die zwar neugierig in allen Teilen des Gemaches umherliefen, jedoch immer wieder zu dessen Eigentümer zurückkehrten.

So ist es . . . der liebe Abbé . . . Der Major Cavalcanti, ein würdiger Patricier aus Lucca, von den Cavalcanti in Florenz abstammend, fuhr Monte Christo lesend fort, im Besitze eines Vermögens, das jährlich eine halbe Million abwirft.

Monte Christo schlug die Augen vom Papier auf und verbeugte sich.

Eine halbe Million, sagte er, Teufel! mein lieber Herr Cavalcanti.

Steht eine halbe Million da? fragte der Lukkeser.

Mit allen Buchstaben, und das muß so sein, der Abbé Busoni ist ein Mann, der ganz genau die großen Vermögen in Europa kennt!

Es mag wohl richtig sein mit der halben Million; doch auf mein Ehrenwort, ich glaubte nicht, daß es sich so hoch beliefe.

Weil Sie einen Intendanten haben, der Sie bestiehlt; was wollen Sie, mein lieber Herr Cavalcanti, man muß sich das gefallen lassen!

Und da Sie mir hierüber Aufklärung gegeben haben, so werde ich den Burschen vor die Tür werfen, sagte mit ernstem Tone der Lukkeser.

Monte Christo fuhr fort zu lesen: Und dem nur eines zu seinem Glücke fehlte.

Oh, mein Gott! ja, nur eines, sagte der Lukkeser mit einem Seufzer.

Einen angebeteten Sohn wiederzufinden.

Einen angebeteten Sohn?

Der in seiner Jugend entweder durch einen Feind seiner Familie oder durch Zigeuner geraubt wurde.

Im Alter von fünf Jahren, mein Herr! sagte der Lukkeser mit einem tiefen Seufzer und die Augen zum Himmel aufschlagend.

Armer Vater! sagte Monte Christo.

Der Graf las weiter: Ich gebe ihm die Hoffnung, ich gebe ihm das Leben, Herr Graf, indem ich ihm verkündige, daß Sie ihm diesen Sohn, den er seit fünfzehn Jahren umsonst suchte, wiederfinden können.

Der Lukkeser schaute Monte Christo mit einem Ausdrucke voll unsäglicher Unruhe an.

Ich kann es, sagte Monte Christo.

Der Major richtete sich hoch auf und rief: Ah! ah! der Brief ist also bis zum Ende wahr?

Zweifelten Sie daran, mein lieber Herr Bartolomeo?

Nein, niemals! Ein ernster, eine religiöse Würde bekleidender Mann, wie der Abbé Busoni, hätte sich nie einen solchen Scherz erlaubt; doch Sie haben nicht alles gelesen, Exzellenz!

Ah! das ist wahr, es findet sich hier noch eine Nachschrift.

Ja, erwiderte der Lukkeser, es findet sich . . . eine . . . Nachschrift.

Um den Major Cavalcanti nicht in die Verlegenheit zu setzen, Papiere verkaufen zu müssen, schicke ich ihm einen Wechsel von zweitausend Franken für seine Reiseunkosten und akkreditiere ihn bei Ihnen mit der Summe von achtundvierzigtausend Franken, die ich bei Ihnen gut habe.

Der Major verfolgte in sichtbarer Angst diese Nachschrift mit den Augen.

Gut! begnügte sich der Graf zu bemerken.

Er hat gut gesagt, murmelte der Lukkeser. Also die Nachschrift wird von Ihnen ebenso günstig aufgenommen, wie der übrige Brief?

Der Abbé Busoni und ich stehen miteinander in Abrechnung; ich weiß nicht genau, ob er achtundvierzigtausend Franken bei mir gut hat, aber es kommt zwischen uns auf ein paar Banknoten nicht an. Ah! Sie legten also einen großen Wert auf diese Nachschrift, mein lieber Cavalcanti?

Ich muß Ihnen gestehen, antwortete der Lukkeser, daß ich mich, voll Zutrauen zu der Unterschrift des Abbé Busoni, nicht mit andern Geldern versehen hatte; wäre mir diese Quelle entgangen, so würde ich mich in Paris in großer Verlegenheit befunden haben.

Setzen Sie sich doch, sagte Monte Christo; in der Tat, ich weiß nicht, was ich mache . . . ich lasse Sie seit einer Viertelstunde stehen.

Der Major zog einen Stuhl an sich und setzte sich.

Nun sagen Sie, sagte der Graf, wollen Sie etwas zu sich nehmen? Ein Glas Xeres, Porto, Alicante?

Alicante, wenn Sie erlauben, das ist mein Lieblingswein.

Monte Christo läutete; Baptistin erschien. Der Graf ging auf ihn zu und fragte leise: Nun . . .?

Der junge Mensch ist im blauen Salon, antwortete der Kammerdiener.

Vortrefflich. Bringen Sie Alicantewein und Zwiebacke.

Baptistin brachte das Verlangte.

Der Graf befahl Baptistin, die Platte in den Bereich der Hand seines Gastes zu stellen, der zuerst den Alicante mit dem Rande seiner Lippen kostete, sodann eine Miene der Zufriedenheit annahm und endlich den Zwieback zart in das Glas tauchte.

Sie wohnten also in Lucca? sagte Monte Christo, Sie waren reich, Sie waren vornehmer Abkunft, Sie genossen die allgemeine Achtung, Sie hatten alles, was einen Menschen glücklich machen kann?

Alles, Exzellenz, erwiderte der Major, seinen Zwieback verschlingend, durchaus alles.

Und es fehlte nur zu Ihrem Glück, Ihr Kind wiederzufinden?

Dies fehlte mir sehr, rief der würdige Major, schlug die Augen zum Himmel auf und suchte zu seufzen.

Nun reden Sie, mein lieber Herr Cavalcanti, wie verhält es sich mit diesem so sehr beklagten Sohne? Denn man sagte mir, Sie seien Junggeselle geblieben.

Man glaubte es, mein Herr, und ich selbst . . .

Ja, versetzte Monte Christo, und Sie selbst suchten diesem Gerüchte Glauben zu verschaffen. Eine Jugendsünde, die Sie vor aller Augen verbergen wollten.

Der Lukkeser richtete sich auf, nahm seine ruhigste und würdigste Haltung an, schlug aber zugleich bescheiden die Augen nieder, sei es, um seine Haltung zu sichern, sei es, um seine Einbildungskraft zu unterstützen, während er von unten herauf den Grafen anschaute, dessen auf seine Lippen festgebanntes Lächeln stets dieselbe wohlwollende Neugierde andeutete. Ja, mein Herr, sagte er, ich wollte diesen Fehler vor der ganzen Welt verbergen.

Nicht Ihretwegen, versetzte Monte Christo, denn ein Mann steht über dergleichen Dingen!

Oh! nein, gewiß nicht meinetwegen, erwiderte der Major, lächelnd und die Achseln zuckend.

Sondern seiner Mutter wegen?

Seiner Mutter wegen, rief der Lukkeser, seiner armen Mutter wegen!

Trinken Sie doch, lieber Herr Cavalcanti, sagte Monte Christo, dem Lukkeser ein zweites Glas Alicante einschenkend; die Erinnerung überwältigt Sie.

Seiner armen Mutter wegen, murmelte der Lukkeser, indem er einen Versuch machte, ob nicht die Kraft des Willens den Winkel seines Auges mit einer falschen Zähre zu befeuchten vermöchte.

Welche, glaube ich, einer der ersten Familien Italiens angehörte?

Eine Patrizierin von Fiesole.

Namens?

Marchesa Oliva Corsinari!

Und Sie heirateten sie am Ende, trotz des Widerstrebens der Familie?

Mein Gott! ja, das tat ich am Ende.

Und Ihre Papiere, die Sie mitbringen, sind ganz in Ordnung?

Was für Papiere? fragte der Lukkeser.

Nun, Ihr Trauschein mit Oliva Corsinari und der Taufschein von Andrea Cavalcanti, Ihrem Sohne; heißt er nicht Andrea?

Ganz richtig, Herr Graf, doch mit Bedauern muß ich Ihnen bemerken, nicht darauf aufmerksam gemacht, daß ich mich mit diesen Papieren versehen sollte, versäumte ich, sie mitzunehmen.

Ah! Teufel! rief Monte Christo.

Sind Sie denn durchaus nötig?

Unerläßlich, rief Monte Christo; wenn man hier irgend einen Zweifel über die Gültigkeit Ihrer Ehe und die Rechtmäßigkeit Ihres Kindes erhöbe!

Es ist richtig, man könnte Zweifel erheben.

Das wäre sehr unangenehm.

Es könnte ihm dadurch eine glänzende Heirat entgehen.

O peccato!

Sie begreifen, in Frankreich ist man streng. Es genügt nicht, wie in Italien, einen Priester aufzusuchen und ihm zu sagen: Wir lieben einander, verbinden Sie uns! In Frankreich gibt es eine bürgerliche Ehe, und um sich bürgerlich zu verheiraten, braucht man Papiere, durch welche die Identität nachgewiesen wird.

Das ist ein Unglück, ich habe diese Papiere nicht.

Zum Glücke habe ich sie.

Ah! mein Herr, rief der Lukkeser, der, als er das Ziel seiner Reise durch den Mangel seiner Papiere verfehlt sah, befürchtete, dieses Vergessen könnte einige Schwierigkeiten in Beziehung auf die achtundvierzigtausend Franken zur Folge haben, ah! mein Herr, das ist ein Glück. Ja, wiederholte er, das ist ein Glück, denn ich hätte nicht daran gedacht.

Bei Gott! ich glaube wohl, man denkt nicht an alles. Glücklicherweise dachte der Abbé Busoni für Sie daran.

Ein bewunderungswürdiger Mann; und er schickte Ihnen die Papiere?

Hier sind sie.

Der Lukkeser legte die Hände als Zeichen der Bewunderung zusammen.

Sie heirateten Oliva Corsinari in der St. Paulskirche in Monte Cattini, hier ist der Trauschein des Priesters.

Ja, meiner Treu, sagte der Major, den Schein mit Erstaunen anschauend.

Und hier der Taufschein von Andrea Cavalcanti, ausgefertigt von dem Pfarrer von Saravezza.

Alles ist in Ordnung, sagte der Major.

So nehmen Sie diese Papiere, mit denen ich nichts zu tun habe, geben Sie sie Ihrem Sohne, der sie sorgfältig aufbewahren wird.

Ich glaube wohl! . . . Wenn er sie verlieren würde! . . .

Was nun die Mutter des jungen Mannes betrifft . . .

Mein Gott, sagte der Lukkeser, unter dessen Füßen die Schwierigkeiten immer neu emporzuwachsen schienen, sollte man ihrer bedürfen?

Nein, mein Herr, versetzte Monte Christo, hat sie übrigens nicht . . .

Doch, doch! rief der Major, sie hat . . .

Der Natur ihren Tribut bezahlt . . .

Ach, ja! sagte rasch der Lukkeser.

Ich habe das erfahren, sagte Monte Christo, sie ist vor zehn Jahren gestorben.

Und ich beweine noch ihren Tod, mein Herr, versetzte der Major, ein Taschentuch aus seiner Tasche ziehend.

Was wollen Sie, sagte Monte Christo, wir sind alle sterblich. Sie begreifen, lieber Herr Cavalcanti, man braucht in Frankreich nicht zu wissen, daß Sie seit fünfzehn Jahren von Ihrem Sohne getrennt sind. Alle diese Geschichten von kinderstehlenden Zigeunern finden bei uns keinen Anklang mehr. Sie haben ihn zur Erziehung in ein Kolleg in der Provinz geschickt, und er soll nun nach Ihrem Willen diese Erziehung in der Pariser Welt vollenden. Deshalb verließen Sie Via Reggio, wo Sie seit dem Tode Ihrer Frau wohnen. Das wird genügen.

Sie glauben?

Gewiß.

Gut also.

Wenn man etwas von dieser Trennung erführe . . .

Ah! ja. Was würde ich sagen?

Ein ungetreuer Lehrer, von den Feinden Ihrer Familie erkauft, habe dieses Kind geraubt, damit Ihr Name erlösche.

Ganz richtig, da es der einzige Sohn ist . . .

Nun da alles festgestellt ist, da Ihre Erinnerungen, wieder aufgefrischt, Sie nicht verraten werden, müssen Sie wohl geahnt haben, daß Ihnen eine Überraschung bevorsteht.

Eine angenehme? fragte der Lukkeser.

Ah! ich sehe wohl, daß man ebensowenig das Auge, als das Herz eines Vaters täuscht.

Hm! machte der Major.

Ist Ihnen irgend eine indiskrete Enthüllung zuteil geworden, oder haben Sie vielmehr erraten, er sei da?

Wer?

Ihr Kind, Ihr Sohn, Ihr Andrea!

Ich habe es erraten, erwiderte der Lukkeser mit dem größten Phlegma der Welt; er ist also hier?

Er ist hier, sagte Monte Christo, mein Kammerdiener hat mich soeben von seiner Ankunft benachrichtigt.

Ah! sehr gut! sagte der Major, indem er dabei die Schnüre seiner Polonaise zusammenzog.

Mein Herr, ich begreife Ihre Erschütterung, man muß Ihnen Zeit lassen, sich zu erholen; auch will ich den jungen Menschen auf die so sehr ersehnte Zusammenkunft vorbereiten, denn ich setze voraus, er ist nicht minder ungeduldig als Sie.

Ich glaube es wohl, sagte Cavalcanti.

Gut! in einer kleinen Viertelstunde gehören wir Ihnen.

Sie bringen mir ihn? Sie treiben also Ihre Güte so weit, daß Sie mir meinen Jungen selbst vorstellen?

Nein, ich will mich keineswegs zwischen einen Vater und seinen Sohn stellen; Sie werden allein sein, Herr Major; doch seien Sie unbesorgt, selbst dann, falls die Stimme des Blutes stumm bliebe, könnten Sie sich nicht täuschen, er wird durch diese Tür eintreten. Es ist ein hübscher, blonder, junger Mann, vielleicht etwas zu blond, und von äußerst einnehmenden Manieren, wie Sie sehen werden.

Doch Sie wissen, sagte der Major, ich nahm nur die zweitausend Franken mit, die mir der Abbé Busoni zu geben die Güte hatte. Damit machte ich die Reise, und . . .

Und Sie brauchen Geld, das ist nur zu billig, mein lieber Herr Cavalcanti. Hier sind auf Abschlag acht Tausendfranknoten.

Die Augen des Majors glänzten wie Karfunkel.

Somit bin ich Ihnen noch vierzigtausend Franken schuldig, sagte Monte Christo.

Will Eure Exzellenz einen Empfangschein? fragte der Major, die Scheine in die innere Tasche seiner Polonaise steckend.

Wozu?

Als Belege dem Abbé Busoni gegenüber.

Sie geben mir einen allgemeinen Schein, wenn Sie die letzten vierzigtausend Franken in Empfang genommen haben. Unter ehrlichen Leuten sind solche Vorsichtsmaßregeln unnötig.

Ah! ja, das ist wahr, sagte der Major, unter ehrlichen Leuten.

Nun noch ein letztes Wort, Marquis. Sie erlauben mir eine kleine, unmaßgebliche Bemerkung, nicht wahr?

Ich bitte darum.

Es wäre wirklich nicht übel, wenn Sie diese Polonaise ablegen würden.

Wirklich? sagte der Major, sein Kleid mit einem gewissen Wohlgefallen anschauend.

Ja, das trägt man noch in Via Reggio, aber in Paris ist dieses Kostüm, so elegant es auch sein mag, längst aus der Mode.

Das ist ärgerlich.

Oh! wenn Sie viel darauf halten, so ziehen Sie es bei Ihrer Abreise wieder an.

Aber was soll ich dafür nehmen?

Was Sie in Ihren Koffern finden.

Wie, in meinen Koffern! Ich habe nur einen Mantelsack.

Bei sich, allerdings. Wozu sich beschweren? Überdies liebt es ein alter Soldat, mit leichter Ausrüstung zu marschieren.

Gerade deshalb . . .

Sie sind ein vorsichtiger Mann und haben Ihre Koffer vorausgeschickt. Diese sind gestern im Hotel des Princes, Rue de Richelieu, angelangt. Dort ist Ihre Wohnung bestellt.

In diesen Koffern also? . . .

Ich setze voraus, Sie sind so vorsichtig gewesen, durch Ihren Kammerdiener alles, was Sie brauchen, einpacken zu lassen: Röcke zu gewöhnlichen Ausgängen, Uniformen. Bei großen Veranlassungen ziehen Sie Ihre Uniform an, das tut gut. Vergessen Sie Ihre Kreuze nicht. Man spottet darüber in Frankreich, trägt sie aber dennoch immer.

Sehr gut! sehr gut! sehr gut! sagte der Major, von dem, was er hörte, immer mehr geblendet.

Und nun, da Ihr Herz gegen zu lebhafte Empfindungen gewappnet ist, bereiten Sie sich vor, lieber Cavalcanti, Ihren Sohn Andrea wiederzusehen.

Und sich freundlich vor dem entzückten Lukkeser verbeugend, verschwand Monte Christo hinter dem Türvorhange.

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