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Der goldene Esel

Apuleius: Der goldene Esel - Kapitel 2
Quellenangabe
typenarrative
booktitleDer goldene Esel
authorApuleius
translatorAugust Rode
year1920
publisherPropyläen-Verlag
addressBerlin
titleDer goldene Esel
pages310
created20110913
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Ankündigung

Der goldene Esel des Apuleius, dieser wenigstens dem Namen nach allgemein bekannte satirisch-mystische Roman, ist mit so viel Menschenkenntnis, Witz, Munterkeit und Laune geschrieben, mit so angenehmen, wohlerfundenen, komischen, tragischen und poetischen Episoden durchwebt, daß nicht allein Boccaz und Raphael, La Fontaine und Le Sage denselben stückweise, jeder in seinem Fache, benutzt, sondern daß auch alle um uns liegenden kultivierten Nationen sich denselben durch wiederholte Übersetzungen völlig eigen zu machen gesucht haben. Ich habe mich seit einigen Jahren beschäftigt, ihn ins Deutsche zu übertragen. Die Episode der Psyche, die ich daraus im Jahre 1780 bekannt gemacht habe – (welche aber auch jetzt an ihrer Stelle wieder erscheinen wird, nur mit weniger Anmerkungen und mit den Einschaltungen, die im Originale befindlich, aber von mir ausgelassen waren, weil sie sich auf etwas Vorhergegangenes bezogen) –, mag als eine Probe meiner Übersetzung angesehen werden. War es Mangel an Geschmack seines Zeitalters, war es zu weite Entfernung von der Hauptstadt, oder war es afrikanisches Genie oder alles dreies zusammengenommen: genug, des Apuleius Schreibart ist bei weitem nicht die beste. Er kettet ewig lange Perioden zusammen, ist sehr kostbar und schwülstig in seinem Ausdrucke, gebraucht unerhörte Wortfügungen und veraltete, ja wohl gar selbsterfundene Wörter und Redensarten. Ich habe mich dagegen bemüht, ihn im Deutschen sich so ausdrücken zu lassen, wie ein so feiner Mann, ein Mann von so lebhaftem bebaueten Geiste als 2 er war – sich heutzutage in unserer Sprache über dieselben Gedanken und Gegenstände ausdrücken würde. Sollt ich auch in der Schule darum verdammt werden (ohnerachtet ich den Cicero auf meiner Seite habe, de opt. gen. or. c. 5), so wird man mir doch in der Welt dafür Dank wissen, und für den Weltmann ist meine Übersetzung auch nur bestimmt; mag für mich immerfort der Pedant sich an dem köstlichen Latein ergötzen! Übrigens bin ich meinem Originale ganz getreu geblieben, auch selbst in den üppigen Szenen, denn ich habe nicht geglaubt, in unsern Tagen verschämter tun zu dürfen als ein vornehmer Priester und platonischer Philosoph zu den Zeiten des frommen Antonins.

Der Übersetzer.  

 


 

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