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Der gestohlene Mond

Ernst Barlach: Der gestohlene Mond - Kapitel 23
Quellenangabe
typefiction
booktitleDer gestohlene Mond
authorErnst Barlach
year1948
firstpub1948
publisherSuhrkamp Verlag
addressBerlin und Frankfurt/Main
titleDer gestohlene Mond
pages268
created20080701
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Dreiundzwanzigstes Kapitel

Aus der Scheidung der Ehe Waus machten sich die Richter der Stadt ein mühsames und gründliches Geschäft. Sie waren von altem Schrot und Korn, und ihre Waagen waren solche der alten Zeit, für 114 Handfestigkeiten reeller Art gebaut, und Windeier und Federn wogen auf ihnen nicht schwerer als blasiger Dunst, auf den man haucht und der mit ein wenig Spucke abgetan wird. Der ahnungslose auswärtige Vertreter des erkrankten Anwalts für Wau hatte diesem, da Wau eine Verfehlung Hennys nicht geltend machen wollte, eine anderswo gebräuchliche Prozedur empfohlen, auf die aber von den Richtern am Ort als unwürdige Routine in ernster Sache nicht eingegangen wurde. Daß eine Person aus öffentlichem Hause benannt wurde, die eine bezahlte Aussage daher plauschte und zu beschwören ihre Schwurhand bereit hielt, ließ kalt, und der Eid wurde abgelehnt. Dergleichen kennen wir und wollen es nicht, bekam besagter Vertreter aus der Fremde zu hören. Diese Methoden gelten nicht bei uns – es gab Termin über Termin, und zu Waus geheimem Behagen gewann es den Anschein, als wäre sein Bund mit Henny unlösbar.

Inzwischen fanden in der anderen Sache Waus Konvente zwischen Bostelmann und Wahl statt – Geheimsitzungen, die nichts an Verschwörerromantik zu wünschen ließen. Bostelmann sah in Wahls Gemüt einen kostbaren Ort der Empfängnis für alle gärenden Toll- und Torheiten seiner unerschöpflichen Lust zum Verführen. Das Vorbild des Gerichts über Sodom und Gomorrha war sehr bald als erbärmlich und unzulänglich fallen gelassen. Der Sturm apokalyptischer Reiter über jenes Elendsviertel des Orts schien bald die einzig würdige Verheerungsanstalt gegen Hinz. und Kunz, Wunderlich und Vorholz, wie über, wo nicht alle ähnlichen der Welt, so doch die hiesigen Kümmerformen wie Sandgang, Mehlhornstraße, Armsünder-, Petersilien-, Wokuhl-, Fronrei- und Fleischmehl-, Hospital-, Klosterbach-, Vogelsang-, Sassen-, Bagehl-, Kuchelmiß-, Kehrwieder-, Landreiter-, Stift- und Kummerstraßen, -wege, -gänge und -höfe. Die Runde Grube, der Schimpelberg, Wüstmarkt, Schlachthof, Fauler Weg, Poggenkrug und Glatter Aal nicht ausgenommen, über sie alle her sollte es gehen mit Donner zermalmender Hufe, und kein 115 Landgericht mit seinen Paragraphen und Präsidenten sollte diesem Vorspiel des jüngsten Gerichts Einhalt zu tun sich anmaßen.

Wozu übrigens Wau mitraten und taten lassen? Dergleichen konnte ihm erspart werden, und der Ausgang der Dinge mußte jede Vorenthaltung und Verhehlung rechtfertigen. Er würde staunen, was man im stillen für ihn vollbracht, triumphierte Wahl, der es ernstlich gut mit Wau zu meinen glaubte, und Bostelmann, in dieses Spiel mit Wahl wie in eine Schachpartie vertieft, klopfte ihm im Allversprechen des Gelingens auf den Rücken. Indem er ihn immer weiter lockte und sich ins Vertrauen aller seiner persönlichen Geheimnisse einschwärzte, gelangte er auf den Grund der gesamten Wahlschen Anlage, bis dahin, wo alles sich trübte und im Ungewissen, Sinnlosen und Unbewußten einer schaurigen Welt von Dunkelheiten manifestierte. Was unmittelbar von hier herauf dunstete und durch den Dschungel des Gemüts auf die Zunge sprang, waren Seltsamkeiten einer Phantasie und Diktion, für die Bostelmann eigens einen Sammelband mit der Aufschrift »Wahlverwogenheit« anlegte, den er fleißig betreute. Weder Freund Wau noch sonst eine auf Maß und Verantwortung dringende Persönlichkeit kannte das Eigentliche von Wahls Grundwerten, wie sie Bostelmann aufgedeckt sah, wenn man von solchen Gründen als von Werten sprechen darf. Aber Bostelmann hatte die Nase für Raritäten selbst der ruchbarsten Unbedenklichkeit. Er mochte im stillen fühlen, daß Wahl von all dem strotzte, was er selbst nur zu gern als Kraft seiner Vorstellung besessen hätte und wonach er mit kümmerlichem Gelingen tappte und bohrte. Der Sammelband wuchs zusehends, und Bostelmanns wütender Eifer, nach immer neuen Verbogenheiten der Wahlschen Seele zu schürfen und den Boden einer wahrhaft rührenden Arglosigkeit zu lockern, seine Mitteilsamkeit zu bereiten, die Ernte in seine Scheuer zu sammeln, wuchs mit ihm.

Karla aufzufinden, war nicht schwer, sie mitsamt ihrer unbedenklichen Zunge in ihrem viel geküßten Mund. 116 Bei besseren Leuten zugelassen zu werden, der Gewinn der anscheinenden Gehobenheit des Anspruchs auf nachgeäfften Standesdünkel, das waren die lackierten Spielzeuge, für die sie, falls mancherlei anderes nicht verabsäumt wurde, ihre paar Reste an Gütern, die Motten und Rost nicht fressen, hingab.

Wahl, sich sonst nur der Klasseweiblichkeit gönnend, bewilligte ihr, den guten Zweck bedenkend, hin und wieder einen Triumphzug mit ihm durch die Hauptstraße zur Stunde des täglichen Korsos, was ihm nicht leicht fiel – aber es machte sie zum geschmeidigen und willfährigen Werkzeug in seinen Händen und in denen des Assessors als dem Freunde ihres Freundes, der sich bei passender Gelegenheit unbefangen und wohl nicht ungern als Karlas alten Bekannten in Erinnerung brachte und die Hoffnung aussprach, doch von ihr nicht ganz vergessen zu sein. Ein Sträußlein Erinnerungen läge gewiß, wiewohl vertrocknet, in ihrer Kommode – ja der Assessor schien Wert darauf zu legen, daß sie sich seiner immerhin entsänne, und dann kannte er das Besondere ihrer kleinen Schwächen für ein oder andere käufliche Unnützlichkeit, in deren Besitz ihr doch ganz anders wurde, und in Wahl schien bei zunehmender Wärme der Beziehungen die freudigste Freigebigkeit aufzublühen. Es war, als wetteifere er mit dem Assessor, wer von ihnen der sicherste Treffer im Bestimmen der Windrichtung ihrer Begehrlichkeiten sei oder wem es am ärgsten gelänge, ihr eine erste Überraschung durch eine zweite wohl bedacht zu streicheln und zu kitzeln. Eine so freundschaftliche Rivalität, aus der ihr einstweilen keine Ungelegenheiten drohten, durfte nicht unbelohnt bleiben, und da sie aller geheimen Erbärmlichkeiten ihrer Kreise genaue Kennerin war, und das Gespräch sich hin und wieder und immer häufiger derlei kitzligen Erörterungen zuwandte, so versorgte sie dankbeflissen ihre Versorger mit dem, was sie an bisher nicht sonderlich hoch geachteten Schätzen bewußter Art besaß. Ja, sie war ein brauchbares Kind und merkte bald, daß sich alles mit Hilfe geschickter 117 Auslegung durch Zutun von harmlosen Nebenumständen und Argwöhnen bedeutungsvoller Zusammenhänge verdoppeln und vervielfachen ließ. Was heute unaufgebauscht genug des Verwünschten schien, gewann morgen infolge andeutender Vermutungen zweier hochgebildeter Herren, ausreichend befeuchtet mit Likören, eine Sondergleichheit, die sich gleichsam selbsttätig umtrieb und durch das eigene Gewicht beim Fall von Mund zu Mund lawinengleich anwuchs.

Beiläufig zu bemerken ist, daß Karlas Stimme noch heiserer, fast rauh, man konnte sagen unflätig geworden war. Ihre Wangen schwellten unter einem wohl natürlichen, aber verblühenden Rot, und Bostelmann sagte mehr zu sich selbst als zu Wahl nach dem ersten Treffen: Sie hat den Tod im Halse sitzen. Die schartige Klinge, Karlas halsabschneiderische Seelenruhe und den Frieden ihres Quartiers zerschlitzende Übelrederei aus einem Halse, dem selbst ein böser Fraß drohte, tat ihr faules Bestes unter kundiger Lenkung. Medizinisch hätte man die Krankheit des Viertels die »krebsige Karla« benennen können.

Die erste Folterung der Frieda geschah aus dem Stegreif, indem sie Karla bei einer zufälligen Begegnung mit dem harmlosen Vorgeben, es gälte einem langweiligen Zusammensein irgendwiewo und sie möchte ihr doch Gesellschaft leisten, ohne ihr Zeit zum Fragen zu lassen, mit sich zog. Sie hatte eben einmal eine Äußerung Wahls, man müsse sich doch einmal mit Frieda benehmen, aufgefangen. Da Frieda auf nichts gefaßt war, was sich nach Abenteuer oder sonstigem Vorgang von Gewicht anlassen könne, so sah sie sich ohne Bedenken in einem fremdartigen Gemach und achtete kaum auf Karlas im Abgang hingeworfene Bemerkung, sie würde gleich wieder da sein, und nahm ein paar Beiläufigkeiten des Assessors fast ohne Aufmerken hin. Das kahle Büro, in dem Bostelmann gelegentlich abends arbeitete, wo Wahl ihn fand und von wo der Aufbruch, falls die Unterhaltung sich erhitzte, erweiterte oder Karla zu ihnen stieß, in bessere Regionen des Ortes geschah, war selbst für 118 ein vorsichtigeres Gemüt als Friedas unverdächtig, der Assessor kein Unmensch, Wahl irgendwie an höhere Sphären gebannt, und als Bostelmann nun zu Wau und seiner Berufung als immer wieder in Anspruch genommenen Spenders, wobei er schärfere Ausdrücke umging, hinlenkte, alles in zutraulicher Art, als wären sie ja beide einhellig darüber, was recht und billig sei, und brauchten sich nicht zu ereifern, gab Frieda in bester Willfährigkeit zu, daß an Waus gutem Willen kein Zweifel sein dürfe und daß es ihr fern läge, noch weitere Zumutungen an ihn zu stellen. Als aber dann Bostelmann, als sei alles nun im gleichen, wie nebenbei die Frage tat, wer denn eigentlich der Anreger zu den bisherigen immer härteren Ansinnen an Wau sei, in dessen Tun so etwas ja eigentlich gar nicht begründet sei, stockte sie bei schon angesetzter Antwort. Der Sicherungsinstinkt ihrer Herde erwachte in ihr, und da sie sich einer abwehrenden und ausweichenden Fortführung des Gesprächs im Tone scheinoffener Gemächlichkeit nicht gewachsen wußte, so maskierte sie ihre Verlegenheit und Beklemmung in schlecht gespielter Verwunderung, ja leichter Empörung über so zudringliche Befragung, und obgleich es in ihrem Leibe bebte und ums Herz ein kurzer Krampf spielte, verlangte sie zu wissen, was denn Waus Angelegenheit hier wohl zu schaffen hätte und was sie und ihre Familie den Herrn angingen – ein paar armselige, unzusammenhängende und stockende Worte aus vor Angst halberstickter Kehle, leise und immer leiser, zuletzt geflüstert. Dann verschluckte sie sich und schwieg, heftig errötend seitwärts auf den Boden blickend. Bostelmann staunte ehrlich über die Lieblichkeit dieses Vorganges, ja fast erbarmte es ihn ihretwegen, und er war für den Augenblick überrascht und entwaffnet. Doch räusperte er sich und tat das, was andere Leute auch zu tun pflegen, um über augenblickliche Ratlosigkeit hinwegzukommen. Er griff in das vor ihm stehende Kästchen Zigaretten, zündete an und ließ ein Schweigen der Überlegenheit eintreten. Dann, als sei er durch nichts berührt, wiederholte er 119 seine Frage, worauf Frieda keiner Besinnung fähig aufsprang und einige Schritte zur Tür machte. – Die Etage ist längst abgeschlossen, wir sind hier oben ganz allein, log gewandt der Assessor, und da sie einen Augenblick zögerte, tat er einen Schritt an ihr vorbei durch die Tür zum Flureingang und rüttelte an der Klinke: Sehen Sie, so ist es – drehte den Schlüssel um, als wolle er's zum Überfluß bekräftigen, daß geschlossen sei, zog ihn ab, barg ihn in der Tasche und sagte: Bitte wieder Platz zu nehmen, Fräulein Wunderlich, und nicht aufgeregt tun – es ist kein Grund, so schnell abzubrechen, wir wollen uns gemütlich weiter unterhalten. Hätte Frieda sich jetzt aufs Weinen verlegt, so wäre dem Assessor die Gemütlichkeit vermutlich vergangen. Aber da sie gehorchte und sich setzte, wie auch er, so schien sie auf weitere Aussprachen im früheren Tone einzugehen. Er begann also nun: Herr Wau hätte diese Sache längst angezeigt, denn auf Erpressung – pausierte der Assessor – Sie wissen doch, was Erpressung ist? Aber für alle Fälle kann es nicht schaden, daß Sie unterrichtet sind – ich mache Sie also mit den – hm, hm – entsprechenden – hm – Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches bekannt . . . und damit griff des Assessors Linke wieder ins Kästchen, die Rechte aber zu dem daneben liegenden vielseitigen und abgegriffenen Buche, darin alles steht, was wir nicht tun dürfen oder doch möglicherweise dürfen, wollen, beanspruchen, hoffen, in irgendeiner Form rechtens erstreben dürfen, ob wir es möchten oder nicht oder tun oder nicht, nichts von dem, was allüberall unverboten und von keiner Strafe bedroht geschieht, wie just hier Bostelmanns eigenhändiges Blättern im selben Buche. Er las, aber Frieda vernahm nur schauerliche Unverständlichkeiten, und es wurde ihr schwarz vor den Augen. Der Mund des Mannes vor ihr, zwischen dessen Zähnen hervor Rauch und Schwere unbegreiflicher Drohungen hervorging, erschien ihr als Öffnung höllischer Ergüsse über sie hin, die die Enge ihres Wunderlichschen Gemütes sprengten. Alle Unverständlichkeiten der juridischen Geheimsprache waren ihr 120 ebensoviele Herzstöße, und sie selbst erschien sich als Anlaß und Gegenstand aller dieser furchterregenden, sie betreffenden Darstellungen in schwindelerregende Verlorenheit entrückt.

Bostelmann las laut und leise, lauter, wenn es von aller Welt Schuld handelte, die in Schrecken ersäuft werden solle, leiser, gleichsam mit raunender Einflüsterung in empfindlichste Tiefen Entsetzen bohrend, wenn schulderzeugendes Geschehenlassen und schadenbringendes Nichtverhüten in Unbedacht gewogen und stets als zu schwer befunden geahndet wurden. Er las, alles Böse aufeinander häufend und sich keineswegs auf den Fall Wau–Frieda beschränkend, zur allgemeinen Einschüchterung, der urteilslosen Frieda recht zur grausenden Ahnung, hastig mit seinen etwas knöchernen Fingern zwischen den Seiten des Buches wie mit krallenden Fängen nach Beute wühlend, von all und jedem Übel dieser Welt, als sei sie selbst in Verdacht alles Gräßlichen und von den Schrecken jeder Buße bedroht.

Eine Fliege, die Bostelmann, als spotte sie seiner Veranstaltung, umsummte, tötete er, als sie einen Augenblick auf dem Tisch verschnaufte, mit einem hastigen Schlage, und die jammervolle Frieda durchfuhr es dabei wie die Vorstellung, als gelte sie selbst vor dieser über sie hereinbrechenden Unfaßbarkeit nicht mehr als solch lästig summendes kleines Ding, das der nächste wütende Augenblick treffen und zunichte schmettern würde.

Bostelmann dachte wohl bei dem allem, ein kleiner Schreck könne ihr nicht schaden, und behagte sich schon bei dem Vorsatz, mit Lesen aufhörend, die ihr sicher entzückend stehende Erschrockenheit mit Balsam tröstlichen Zuspruchs zu lindern, vielleicht ihre heißen oder gar erblaßten Wangen flüchtig zu streicheln – er war eben kein Unmensch, der Assessor, der ja nun schon eigentlich ein Rat war –, aber als er mit Blättern und Seitenwälzen aufhörte und sagte: Sie sehen also, womit und mit wem Sie es zu tun haben – hatte er die hochgehäufte eigene Schuld mit echtem Schrecken zu Füßen, denn die Frieda vor ihm, fast noch ein Kind, von 121 Henkerhand fast abgewürgt keineswegs lieblich anzuschauen, offenbar nicht mehr hörend, nur noch blickend und gar nicht ihn, Bostelmann, sehend, sondern, als sei er ausgelöscht, durch ihn hindurch das bloße Böse hinter ihm, das Kommen aller Schrecken licht- und hoffnungsloser Dunkelheit gewahrend, war eben keine Frieda Wunderlich mehr, die man trätieren konnte, sondern eine alles Erlittene zurückwerfende, alle Erschütterung wiedergebende, für das gehabte Schlimme den Bringer oder vielmehr das Schlimme selbst beschuldigende, ja bedrohende, ihrer selbst unbewußte Gewalt, die nun selbst trauerte und kraft der ihr eingeflößten magischen Formeln gespenstisch wieder brachte, was sie empfangen. Das kann nett werden, sagte Bostelmann halblaut – wollen Sie etwas, vielleicht ein Glas Wasser . . . oder? . . . Aber sie hörte ja nicht, und für sie war er im Augenblick unvorhanden, und der büßende Bostelmann mußte zurücknehmen, was er gegeben vollauf in bitterer Folterung, wobei die Vorstellung eines übeln Ausgangs der Dinge durch skandalöse Auslegung ihn in wahren Delinquentenschweiß brachte. Etwas mußte bald geschehen, und so war es zu seinem guten Glück, daß ihm ein Geräusch an der verschlossenen Tür, Diebesfingern, wie er es von Karlas Hand zu hören gewöhnt, Erlösung brachte. Karla kam, um zu erfahren, ob für den Abend eine Fortsetzung in amüsierlicher Tonart in Aussicht stehe, und empfing ihre Genossin aus dem Mehlhornviertel mit der Weisung des Assessors, es an aufmunternder Zerstreuung nicht fehlen zu lassen und sie nicht zu früh, jedenfalls »gut versorgt« – ein Ausdruck, den der Assessor mit vielsagendem Augenzwinkern erläuterte – nach Haus zu bringen. Karlas übermütiges Lachen kratzte in den Ohren und schabte über die Wände, und sie schob ihren derben Arm unter Friedas zarteren. Erstmal was frische Luft, Frieda, sagte sie – und nachher zu Tante Lieschen. Tante Lieschen war ein Haus, wo Karla heimisch war und wo es immer Unterhaltung nach Karlas Geschmack gab.

Dies war Friedas erste Folterung.

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