Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Ernst Barlach >

Der gestohlene Mond

Ernst Barlach: Der gestohlene Mond - Kapitel 2
Quellenangabe
typefiction
booktitleDer gestohlene Mond
authorErnst Barlach
year1948
firstpub1948
publisherSuhrkamp Verlag
addressBerlin und Frankfurt/Main
titleDer gestohlene Mond
pages268
created20080701
sendergerd.bouillon@t-online.de
Schließen

Navigation:

Zweites Kapitel

Wahl pflegte Wau des öfteren an seine Bürgerlichkeit zu erinnern, und dieser, keineswegs erschüttert, konnte es doch niemals unterlassen, in seiner Antwort die Frage nach Wahls Bürgerlichkeit ausdrücklich offen zu lassen. Beide wünschten unbemakelt von einer Wesensart zu bleiben, bei deren Erwähnung keiner an etwas Bestimmtes dachte. An einem frostigen Abend warf sich Wau indessen mit Behagen in einen gut gefütterten und an den Schultern brav gepolsterten Mantel, und während er ihn vor dem Spiegel zuknöpfte, nachdem er noch ein weniges an seiner Krawatte gefingert hatte, lächelte er seinem Spiegelbild beifällig zu und würde, so seine Vorstellungen in diesem Augenblick auf der Zunge geprickelt hätten, gesagt haben: gut bürgerlich, freilich, aber er sitzt warm, und ich fühle mich mollig darin. So trat er auf die Straße, wo er wie manche andere Beamten, Lehrer und sonstige Würdenträger von Gericht oder Post oder Steuer wohnte. Sie war kahl, normal, wohlanständig, und es schien Wau in seinem bürgerlichen Mantel, daß die Kahlheit und Normalhaftigkeit die Kälte des Abends besonders schaurig fühlbar machten. So also machte er sich's in seinem Mantel recht behaglich, wippte mit den Achseln, stopfte die Hände in die Taschen und zog die Schultern in die Höhe. Wenn seine 9 Straße sich an ihrer Kahlheit genug getan, lief sie zwar geradeaus weiter, hieß nach wie vor gleichen Namens, ließ sich aber einigen Bewuchs gefallen und endete als Lindenallee. Auf den ersten dieser Lindenbäume hatte sich eine Katze vor Hunden gerettet und sich, im Geäst höhersteigend, rettungslos verklettert, die Hunde hatten sich verlaufen, aber die Kletterkünste der Katze hatten bankerott gemacht. Sie saß im Frost des Abends oben und mußte sitzen bleiben, da sie nicht abwärts steigen konnte, und aus der Nachbarschaft hatte ihre Not die Teilnahme anderer Katzen beschworen, die nun aus dunkeln Winkeln und Ecken die Anteiligkeit ihrer Katzenseelen am Ungemach der einen aus feurigen Augen leuchten ließen. Wau in seinem an den Schultern stark gepolsterten warmen Mantel blieb stehen und las aus der Situation im Baum und aus der kalten Stille in den Winkeln hier und da den Verlauf der Vorgänge ab, wußte dem Tier oben in den kahlen Zweigen seinerseits auch kein Entkommen aus seiner üblen Lage nachzuweisen und setzte, da er von der Geselligkeit eines gemütlichen und zwanglosen Abends beim Bürgermeister erwartet wurde, seinen Weg fort.

Es gab zurzeit am Ort eine gute Schar Schöngeister, Dichterlinge und Dichter. Zu den letzten rechnete sich Assessor Bostelmann, wie auch viele seiner Bekannten taten, der im Verlauf des Abends einiges Papier entfaltete und etwas ganz Besonderes, wie er sagte, als Frucht seiner guten Stunden der letzten Tage zum besten gab. Schon die Überschrift überraschte und tat das, was Titel und Etiketten oft tun, sie versprach mehr, als sie hielt. Sie lautete: »Wo der Satan seine Abende verbringt.« Unter Abend verstand der Assessor Bostelmann nicht streng eine mehr oder weniger dämmerige Angelegenheit, sondern nur die Zeit der Erholung, der Ausspannung von Berufsgeschäften, und so hatte sich der Satan einst in der Verwandlung als Landstreicher das boshafte Vergnügen gemacht, bei Pastor Riefstahl am Markt gerade vor dem westlichen Turmeingang um eine milde Gabe zu bitten. Pastor Riefstahl ließ es nicht 10 an milden Worten fehlen, aber bei einem bedauernden Hinweis auf seine vielen Kinder blieb es denn auch. Der Satan, schnurstracks, schrägelte quer über die Ecke zum Hause des Propstes Pomperin, der gerade am Fenster stand und, wie er, nichts Gutes ahnend, den Satan auf sein Haus zusteuern sah, hinter die Gardinen und in das Dunkel des pastörlichen Gemachs zurückwich. Als der Satan aber klopfte, sagte das dienende saubere Kind, der Herr Propst sei nicht anwesend. Nun, nicht faul, machte der Satan wieder kehrt, gerade auf die Kirchenpforte los, grabbelte dabei, als hätte er schon vorher etwas Satanisches im Schilde geführt, in seinen Taschen, fand das zur rechten Zeit sich einfindende Stück Kreide und schrieb, als täte er es so recht zum Spott dessen, dem das hohe Haus geweiht, ans spitzgewölbte Bogentor: Christus ist mein Leben, Sterben mein Gewinn, Pastor Riefstahl wull mi nix geben, Pomperin, de lät mi gornich in. Der Herr Assessor schleckte beim Umschlagen seines Blattes an den letzten Worten wie an einem Bonbon und murmelte, als wäre seine Zunge von süßem Saft überlaufen, der zudem aus den Mundwinkeln sickerte, somit am genauen Artikulieren behindert, die Zwischenbemerkung: Eine wahre Geschichte, erst kürzlich vorgefallen, meine Herren, ich habe selbst die Inschrift gelesen und – er zog aus der Westentasche ein Stück Kreide – das Korpus delikti selbst aufgehoben. Aber weiter! Er las: »Der Satan hatte sich so zwar ein unterhaltendes Geschäft gemacht, aber es war immerhin ein verteufeltes Vergnügen gewesen, was, wenn er auf Abendunterhaltung ausging, nicht eigentlich seine Absicht war, kam sich somit als gewissermaßen aus der Rolle gefallen vor. Es war ihm hauptsächlich um leichte und arglose, ja gemütvoll-unschuldige Unterhaltung zu tun, er wollte mitten im Volke, in dem er seinem Handel und Wandel nachging, herz- und seelenbrüderlich seines Daseins genießen. Auf Erholung von berufsstrengem Tun und Treiben ging er aus, und so vollzog er einen flotten Wechsel vom Teuflischen ins Biedere, er warf nicht nur den Biedermann 11 um sich, sondern wandelte sich in ihn hinein, nicht ohne Erstaunen über den glatten Verlauf dieser Umstellung, ja gewissermaßen betroffen von der Erkenntnis, wie leicht die Brücke zwischen zwei so abgrundtiefen Geschiedenheiten zu schlagen war. Sollte die Scheidung am Ende gar nur eine scheinbare, eine leichte Maskierung sein, dachte er noch, als er schon als frischgebackener Biedermann, durchdrungen von Herzenswärme, im Vollgefühl jeder gangbaren Vorzüglichkeit seinen Weg antrat. Er saß, Vertrauen schöpfend aus dem Born der Gutartigkeit aller Zugehörigen eines trauten Familienkreises, zudem wohlempfohlen als vorgeblicher Freund eines abwesenden Sohnes, in Reih und Glied um einen runden Familientisch. Die Frau des Hauses ließ sich mit Schicklichkeit ein bißchen wohltuende Aufmerksamkeit gefallen, die junge und jüngste Tochter nahmen eine oder andere, gut präparierte Entgleisung in zahmem Schwerenöterton geübt in geneigte Ohren, und der Herr Forstrat nahm mit Freude wahr, daß der Unbekannte mit zahllosen Geschichten völlig unbekannt geblieben, die er schon seit langen Jahren in seinem Busen verschlossen zu halten genötigt war, weil jedermann seines Bekannten- und Verwandtenkreises sie ebenso gut wie er hätte erzählen können, nur daß ihnen niemandes geneigte Ohren die Ehre einiger Aufmerksamkeit zuteil werden ließen. So war der Satan im biedersten Kreise warm gehegt und litt entsetzlich unter seiner eigenen und der anderen Biederkeit. Der alte Herr erzählte, und die Damen fanden in dieser Eigenschaft ihres Gastes als aufmerksamer Hinnehmer von abgeschmackten Delikatessen der aufgeschlossenen väterlichen Vorratskammer ein Haar, und der Satan, der es wohl empfand, daß er sich als bloßer Zuhörer unliebsam mache, räumte seiner Biederkeit das Recht ein, mit der Mahnung, es geschehe den Damen Unrecht, darauf zu dringen, daß ein Wechsel der Unterhaltung stattfände. In anscheinender und glaubhaft gespielter Zerstreutheit schenkte er den Damen Likör in die Gläschen und entschuldigte sich, des Unschicklichen seiner Handlung plötzlich und sichtlich 12 gewahr werdend, so drollig, daß alles lachte. Er fühle sich hier in dieser bisher unbekannten Familie von so wohliger Treuherzigkeit umhegt, daß es ihm im Augenblick vorgekommen sei, als wäre er Gastgeber im eigenen Hause. Er bat, den Verstoß zu entschuldigen, und bat den Herrn Forstrat, der gerade im Begriff war, die zweite Hälfte einer durch eine andere Geschichte, die ihrerseits auch noch der Pointe bedurfte, unterbrochenen Erzählung wieder aufzunehmen, seinerseits mit einem aktuellen Vorkommnis herausrücken zu dürfen, ohne weiter darauf zu achten, daß dem erschreckten alten Herrn der Atem ein wenig verschlug. Wie mag das wohl zugegangen sein, sagte der Satan, und nippte am süßen starken Zeug wie sämtliche Damen: Ich hörte, bevor ich Ihr Haus betrat, daß der Mond gestohlen sei, unauffindbar am Himmel, obgleich er im Kalender steht und vor einer guten halben Stunde aufgegangen sein müßte. Er ist nicht aufgegangen – ist wohl ein Kalender zur Hand? Das jüngste Fräulein stürzte davon und fiel, übereilfertig zurückkommend, über eine Teppichfalte just vor Satans Füße, der sie aufhob und mit onkelhafter Zärtlichkeit zu ihrem Stuhle führte, einer Zärtlichkeit, die vor dem Familienurteil als solche, und eben rein onkelhaft ausgelegt werden mußte. Dann schlug Satan, er hatte sich als ein Herr Doktor eingeführt, den Kalender auf und bewies die Richtigkeit seiner Angaben. Es war knapp zehn Uhr, und seit einer halben Stunde sollte der noch halbvolle Mond am Himmel stehen. Es ging dabei alles mit rechten Dingen zu, nämlich solchen, die für den Satan gute und gerechte sind, da die seinigen zwar besondere sein mögen, aber immerhin von zweifelsfreier Vor-Rechtlichkeit. Ein bißchen Blendwerkerei gehört zu seinem Handwerk, und zwar zu den läßlichsten seiner Ermächtigungen, die er nun, da es mit den von der bloßen Biederkeit erhofften Erbauungen nichts werden wollte, zu Rate zog. Niemand sah den Mond, der für jedermann sonst mit klarem Schein stand, wohin er gehörte, wenn auch in Wirklichkeit nicht stehend, sondern sausend und stürmend, wovon durch ein 13 Blendwerk aus anderer Ordnung der Dinge niemand etwas gewahrte. Er brauste sogar, wie der Doktor mit hochmusikalischen Ohren wahrnahm, über seine Bahn – die G-Saite des Brumbasses wird tüchtig strapaziert, dachte der Satan flüchtig, als er mit seinen Augen den gewaltigen Notenkopf am Himmel betrachtete. Aber als Biedermann war er ehrlich ratlos wie die ganze Familie auch. Der Herr Forstrat, der mehr an seine in der Luft hängenden Geschichten als an den in der weiten Welt nicht wahrnehmbaren Mond dachte, rüttelte ein Schock unzusammenhängender Worte durcheinander, die Damen zirpten und zwitscherten durcheinander, und niemand achtete darauf, daß der Herr Doktor, während sich alle ans Fenster drängten, seinen Arm um die zarten Rundungen des jüngsten Fräuleins legte, offenbar keiner anderen als onkelhaften Empfindungen bewußt, trotz eigener ehrlicher Ratlosigkeit bestrebt, der Erschütterung einer jugendlichen Seele mit kundiger Hand zur Fassung und Ablenkung zu verhelfen.«

Der Assessor stockte und blickte auf. Denn der Bürgermeister hatte Zeichen der Ungeduld und des Überdrusses schon zum vielfachen Male von sich gegeben. Soll ich aufhören, Herr Bürgermeister? fragte der Herr Assessor. Der Gefragte schob die Frage beiseite: . . . viel zu novellistisch, ganz und gar älteste Schule, schnaufte er und besorgte sodann dem Assessor eine kritische Heimsuchung. Dieser Forstrat, ach, du großer Gott, was für ein Altenteiler – hat er kein Telephon, ruft die Polizei nicht an und läßt den Faxenmacher von Satan nicht einsperren – –? Diese Biedermänner, wie Forsträte, Herr Assessor, kennen alle Schleichwege im Wald und auf der Heide und noch mehr in den Korridoren und Amtszimmern der Behörden – – kurz . . . so was von Familie in der Gartenlaube war noch nie da . . . Der Assessor faßte sich langsam und begehrte von dem Bürgermeister zu wissen, woran sein Forstrat denn wohl, die Voraussetzung des satanischen Blendwerks einmal hingenommen, die Tatsache der arglistigen Täuschung hätte als solche erkennen sollen. Gestohlener 14 Mond, prustete der Bürgermeister, da haben sie indicia facti, Verehrtester – die Absurdheit, bewiesen durch sich selbst, schließt jede Täuschung aus. – Ja, aber, sagte nun leiser der Assessor, indem er seine Blätter zusammenlegte, kommt dergleichen nicht tatsächlich vor? Denken Sie einen Augenblick nach, was für Hereinfälle der Gutgläubigkeit, sagen wir der Biederkeit, auf Hochstapeleien jeder Art . . . und wenn Sie dann nur hätten bemerken wollen, worauf ich eigentlich hinaus wollte bei meiner . . . Novelle, Herr Bürgermeister! – Nun, Herr Assessor, Ihr Wohl, prosit, Herr Assessor, prosit die Herren, schließlich kann uns allen der Mond gestohlen werden – wenn schon! Er trank, und die anderen Gäste tranken, auch der Assessor, nur, daß er sich verschluckte und es nicht mit einem Räuspern zu vertuschen vermochte, er mußte, was er in den unrechten Schlund bekommen, auskeuchen, lief rot an, und Wau, der ihm zur Seite saß, verhalf ihm zu Luft, indem er ihm auf den Rücken klopfte. Als sich danach eine Art von Nachdenklichkeit mit allseitigem Stillschweigen peinlich auf den Kreis legte, faßte er, da es am Ende vor Räuspern und Hm-sagen nicht mehr auszuhalten war, ein Herz und erzählte von der im Lindengeäst verstiegenen Katze, hatte aber nur die Genugtuung, daß der einzige Rechnungsrat Studt halbwegs aufmerksam zuhörte. Als er zu Ende war, sagte jemand: Und?, worauf Wau, gekränkt und über die Teilnahmlosigkeit der geselligen Runde erbost, gegenfragte: Möchten Sie etwa bei der Kälte da oben hocken? Ich denke die ganze Zeit über alle Augenblicke an das hilflose Tier. – Ach, de Katt! sagte wegwerfend der Angeredete und wandte sich gleichzeitig an den Assessor Bostelmann mit der Frage, ob er nicht weiterlesen wolle. Dieser aber legte die Hand an seinen Hals und entschuldigte sich mit wirklich imposanter Kühle und Würde. Die gesamten Register sind verstimmt, sagte er, andeutungsweise hüstelnd, und es kommt mit der Sache selbst gewiß nicht besser als vorher – und obendrein, da der Vortrag des Redners Glück jetzt nicht mehr 15 macht bescheide ich mich notgedrungen mit dem beglückenden Achtungserfolg – durch welche forsche Umkehrung der Dinge er einen Aufschwung vollzog, der ihm den erwähnten Achtungserfolg tatsächlich eintrug. Er wurde also dennoch der Löwe des Abends und ließ sein Manuskript gelegentlich in der Brusttasche knistern, als wollte er sagen – ihr ahnt es ja alle nicht, wie sehr ihr hereingefallen seid. Ja, Wau vernahm, wie dem Zaun seiner Zähne ein Murmelwort entsprang. Es klang wie: . . . geweckt, aber es entsprang verstohlen, wie es schien, und sollte nicht gehört und beachtet werden. Auf dem Heimweg bot Wau sein Leibliches dem Zustrom der feuchten Kälte dar, ließ die Mantelfalten wie zwei lose hängende Schwingen um die Beine schlagen, gab der Kühle um ihn ab, soviel sie von seiner Wärme verlangte. Sein Kopf war heiß, manches Glases Zugebrachtes hatte ihm gutgetan und den Ballon seiner Seele gebläht, und so einer Zugeknöpftheit doppelt ledig stand er bald wieder an der Stelle der Straße, wo die Linden begannen, oder vielmehr, da er nun in umgekehrter Richtung strebte, aufhörten. Er dachte noch immer an den gestohlenen Mond und welche Bewandtnis es mit des Assessors Aufrollung eines so besonderen Falles von Unwahrscheinlichkeit eigentlich gehabt haben könnte, als er unvermutet unter der bewußten Linde stand und durch ein Geräusch von oben her, gerade als knacke es in den gerüttelten Ästen über ihm, an die nun wohl halberfrorene Katze erinnert wurde, die er just in irgendeinem Winkel seiner Gedanken unbeachtet gelassen. Ein Lichtlein aus dem Bodenfenster des Kaufmanns Paap, von dessen Ladentür einige Meter entfernt der Baum stand, schlug seinen Schein in die zarten Säulen des ragenden Baums, eine Stange schob sich langsam aus dem Fenster und machte sich mit der Spitze heftig in den Zweigen zu tun, es fauchte und mauzte aus einem bescheidenen Organ da oben, ein Körperchen glitt oder stürzte, nur als Schatten bisher spürbar, schien zwischen zu engen Gabelästen einen Augenblick eingeklemmt bleiben zu wollen, gab ein wütiges Lüftlein 16 Weh und Ach von sich, purzelte tiefer und tat einen fast unhörbaren Fall zu Waus Füßen, der nun dem erlösten Tierchen beigesprungen wäre, wenn es seiner Warmherzigkeit bedurft hätte. Es war aber ein auf nichts als Flucht bedachtes Stück matter Erhellung auf dem Pflaster, das sich durch schnellstes Verschmelzen mit der Dunkelheit jeder Weiterung der Vorgänge entzog. Paap zog seine Stange ins Dachfenster zurück und schlug die Scheiben zu. Er hatte das Katzenmiau vor seinem Hause nun endlich satt gehabt und mit einer Bohnenstange seine Nachtruhe erfochten. In Waus Magen grimmte etwas wie Katzenjammer. Er fand zudem wie schon sonst gelegentlich eine Ungehörigkeit unbestimmbarer Art im rechtmäßigen Bestand der Dinge allzusicher hausen. Der gestohlene Mond spukte noch in seinem doch wohl von alter Reserve und anderen besseren Feuchtigkeiten zu sehr durchdünsteten Kopfe, der Ballon seiner Seele hatte seine pralle Rundung verloren und verzog sich in Falten einer Mißlaune, die die Schuld an dem Versagen noch besserer Aufgeblähtheit dem Magen zuschob. Kurz, Wau ergrimmte über unbestimmbare Ungehörigkeiten und versetzte durch hartes Auftreten der nun doppelt erbärmlichen Normalität seiner Wohnstraße knallende Ohrfeigen. Er war allein im Nachtrevier des Viertels und hätte sich, wenn er gewollt hätte, noch besser austoben können, aber da er ein Mann von einiger Erfahrung war, so kannte er die Überflüssigkeit solcher Ausschweifungen und beschloß, dem Grimm seines Magens nicht länger zu widerstehen und die Zerteilung der Dünste seines Kopfes dem Walten der Nachtstunden zu überlassen.

 << Kapitel 1  Kapitel 3 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.