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Der gestohlene Kaktus und andere Geschichten

Karel Capek: Der gestohlene Kaktus und andere Geschichten - Kapitel 12
Quellenangabe
typenarrative
authorKarl Capek
titleDer gestohlene Kaktus und andere Geschichten
publisherVerlag Dr. Rolf Passer Leipzig-Wien
year1937
translatorFr. Borový
illustratorVlastimil Rada
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20130114
modified20140612
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Die Geschichte vom Heiratsschwindler

»Daran ist viel Wahres«, sagte der Detektiv Holub und räusperte sich bescheiden, »wir von der Polizei haben solche Extratouren und diese gewissen ausgefallenen Sachen nicht gern; aber auch neue Leute sind uns nicht recht. Ein alter, bewährter Verbrecher – mit dem ist doch ein ganz anderes Arbeiten. Vor allem weiß man sofort, daß er es war, weil man sein Fach kennt; zweitens weiß man, wo er zu finden ist, und drittens macht so einer keinerlei Scherereien und leugnet nicht einmal, weil er weiß, daß es vergeblich wäre. Ja, meine Herren, mit so einem erfahrenen Menschen zu arbeiten, das ist schon ein reines Vergnügen. Und ich kann Ihnen sagen, daß sich diese Berufsverbrecher auch im Zuchthaus ganz besonderer Beliebtheit erfreuen und ein ganz anderes Vertrauen genießen als diese Neulinge und Zufallsdelinquenten, die nur renitente Querulanten sind, denen nichts recht ist. Ein guter alter Zuchthäusler aber weiß, daß das Gefängnis eben sein Arbeitsrisiko ist, und darum macht er sich und den andern die Sache nicht unnötig schwer. Aber das gehört eigentlich nicht mehr hierher.

Einmal, es sind jetzt fünf Jahre her, bekamen wir von allen Ecken und Enden des Landes Anzeigen – ein Heiratsschwindler trieb sich auf dem böhmischen flachen Land herum und stiftete viel Schaden. Ein Unbekannter – nach der Beschreibung ein etwas bejahrter Herr, dicklich, glatzköpfig, mit fünf Goldzähnen im Mund. Er legte sich die Namen Müller, Schimek, Prochaska, Schebek, Bilek, Schinderka, Hromadka, Pivoda, Berger, Bejtschek, Stotschek und noch allerlei andere zu. Verflucht – die Beschreibung paßte auf keinen unserer guten Bekannten aus der Heiratsschwindlergilde. Es mußte sich um einen neuen Mann handeln. Unser Herr Rat ließ mich also rufen und sagte: ›Holub, Sie machen doch Zugdienst; wenn Sie schon in der Eisenbahn sitzen, so passen Sie auf, ob Sie nicht einem Kerl mit fünf Goldzähnen begegnen.‹ – Na, schön. Ich fing an, den Leuten in den Zügen auf die Zähne zu gucken, und binnen vierzehn Tagen hatte ich nicht weniger als drei Herren mit je fünf Goldzähnen angehalten und aufgefordert, sich zu legitimieren. Du lieber Himmel – einer von ihnen war Schulinspektor, ein anderer war sogar Abgeordneter – fragen Sie mich nicht, was für Freundlichkeiten ich von den Herren und bei uns im Amt zu hören bekommen habe. Jetzt packte mich aber die Wut und ich setzte mir in den Kopf: den Kujon mußt du fassen. Der Fall gehörte gar nicht mir, aber ich hatte es mir vorgenommen, mich an dem Kerl zu rächen.

Ich fuhr also auf eigene Faust zu allen betrogenen Witwen und Waisen, denen der Gauner mit den Goldzähnen unter Zusage der Ehe ihr Geld abgenommen hatte. Nicht zu glauben, wie gottserbärmlich diese mißhandelten Witwen und Waisen reden und flennen können! Alle waren sich darüber einig, daß er ein intelligenter und solider Herr war und daß er Goldzähne und eine wunderschöne und wohlerzogene Art hatte, vom Glück des Familienlebens zu schwärmen. Einen Daumenabdruck hatte aber keine einzige von ihm genommen. Gräßlich, wie leichtgläubig diese Weiber sind. Das elfte Opfer – ein Frauenzimmer in Kamenitz – erzählte mir unter Tränen, der Herr sei dreimal bei ihr gewesen; und immer sei er mit dem Zug um halb elf Uhr vormittags angekommen; als er beim letzten Male, mit ihrem Geld in der Tasche weggegangen war, habe er zufällig die Konskriptionsnummer ihres Häuschens gesehen und überrascht bemerkt: ›Sehen Sie, Fräulein Mitzi, es muß Gottes Wille sein, daß wir einander heiraten. Sie haben die Hausnummer 618, und um 6 Uhr 18 geht der Zug ab, mit dem ich immer zu Ihnen fahre. Ist das nicht ein Zeichen des Himmels?‹ – ›Fräulein‹, sagte ich, ›das könnte wirklich ein Zeichen des Himmels sein!‹ und sofort zog ich meinen Fahrplan heraus und suchte einen Zug, der irgendwo um 6 Uhr 18 abgeht und Anschluß an den Zug hat, der um halb elf in Kamenitz ankommt. Ich fand heraus, daß am wahrscheinlichsten die Station Bistritz-Neudorf am Ausgangspunkte dieser Reisen lag. Ein Zugsdetektiv muß sich im Fahrplan auskennen, meine Herren.

Selbstverständlich fuhr ich an meinem ersten freien Tag nach Bistritz-Neudorf und erkundigte mich bei den Stationsbeamten, ob nicht dort auffallend oft ein dicker Herr mit Goldzähnen abreiste. ›Ja‹, sagte der Stationsvorsteher, ›das ist der Herr Lacina, der Reisende, der wohnt dort unten in der Gasse. Gestern abend ist er wieder von einer Reise zurückgekommen.‹ – Ich gehe also zu diesem Herrn Lacina hin und treffe auf dem Flur eine saubere kleine Frau. ›Wohnt hier ein Herr Lacina?‹ frage ich. ›Ja‹, sagt sie, ›das ist mein Mann. Aber jetzt hält er gerade sein Nachmittagsschläfchen.‹ – ›Das macht mir nichts aus‹, sage ich und gehe hinein. Auf dem Kanapee liegt ein Mann in Hemdsärmeln und ruft: ›Oje, das ist ja der Herr Holub, Mutter, gib ihm doch einen Stuhl.‹

Mein Zorn war in diesem Moment wie weggeblasen. Das war doch der alte Losbetrüger Plichta! Mindestens zehnmal ist der Mann schon gesessen. ›Grüß dich, Vinzi‹, sage ich, ›du arbeitest also nicht mehr in Losen?‹ – ›Aber wo!‹ sagte Plichta und richtete sich auf seinem Kanapee auf, ›das gibt zuviel Laufereien, Herr Holub, und ich bin kein Jüngling mehr. Zweiundfünfzig Jahre – da läßt sich der Mensch schon gerne irgendwo nieder. Von Haus zu Haus rennen, das ist nichts mehr für unsereinen.‹

›Also deshalb hast du dich auf Heiratsschwindel verlegt, du Gauner du, was?‹

Plichta seufzte. ›Herr Holub‹, sagte er, ›mit irgend etwas muß sich der Mensch doch beschäftigen. Wissen Sie, das letzte Mal wie ich gesessen bin, sind meine Zähne kaputt gegangen. Ich glaube, das machen die vielen Linsen dort. Ich mußte mir also die Zähne reparieren lassen, nicht wahr? Und Sie würden nicht glauben, Herr Holub, was für einen Kredit einem solche Goldzähne geben! Was die für ein Vertrauen erwecken! Und außerdem beginnt der Mensch, wenn die Zähne wieder in Ordnung sind, besser zu verdauen und wird dick. Ja – unsereins muß mit dem arbeiten, was er hat.‹

›Und wo hast du das Geld?‹ fragte ich. ›In meinem Notizbuch, da stehen elf Betrügereien, zusammen macht es netto zweihundertsechzehntausend Kronen. Wo sind sie?‹

›Herr Holub‹, sagte Plichta, ›Sie müssen wissen: hier gehört alles meiner Frau. Geschäft ist Geschäft. Ich besitze nichts als das, was ich in der Tasche habe: das sind genau sechshundertfünfzig Kronen, eine goldene Uhr und die Goldzähne. Mutter, ich fahre mit Herrn Holub nach Prag. Herr Holub, die Zähne muß ich noch abzahlen. Dreihundert bin ich auf sie noch schuldig, die lasse ich gleich hier.‹ – ›Und hundertfünfzig Kronen bekommt der Schneider noch‹, erinnerte ihn Mutter. ›Sehr richtig‹, meinte Herr Plichta. ›Herr Holub, ich bin immer für die Genauigkeit. Es geht nichts über Ordnung, nicht wahr? Ein Mensch, der keine Schulden hat, kann einem jeden ehrlich ins Gesicht schauen. Das gehört schon zum Geschäft, nicht wahr, Herr Holub? Mutter, bürste mir den Winterrock ein bißchen aus, damit ich dir in Prag keine Schande mache. So, gehen wir, Herr Holub.‹

Damals bekam der Plichta fünf Monate. Vor den Geschworenen erklärte der überwiegende Teil der Frauenzimmer, daß sie ihm ihr Geld freiwillig gegeben und ihm längst verziehen hätten. Nur eine, eine Alte, verzieh gar nichts; gerade die war eine reiche Witwe und er hatte ihr nicht mehr als fünftausend abgenommen.

Ein halbes Jahr darauf hörte ich von zwei neuen Fällen von Heiratsschwindel. Das wird gewiß wieder der Plichta sein, dachte ich; aber ich kümmerte mich weiter nicht darum. Ich hatte um diese Zeit in Pardubitz auf dem Bahnhof zu tun; ein Kofferdieb, einer von den Burschen, die auf dem Bahnsteig das herumstehende Gepäck klauen, trieb dort sein Unwesen. Und weil ich in einem Dorf, ungefähr eine Stunde von Pardubitz, meine Familie auf Sommerfrische hatte, fuhr ich hin und brachte ihnen ein Köfferchen mit Würstchen und anderen Selchwaren; Sie wissen doch, auf dem Dorf ist das eine Kostbarkeit. Wie ich so im Zug bin, gehe ich aus Gewohnheit durch alle Waggons und finde in einem Abteil den Plichta, wie er gerade einer älteren Dame von der Verdorbenheit dieser Welt erzählt.

›Vinzi‹, sage ich, ›bist du schon wieder dabei, jemandem die Ehe zu versprechen?‹

Plichta wurde rot und entschuldigte sich hastig bei der Dame, er hätte mit dem Herrn hier eine geschäftliche Unterredung . . . Als er mich auf dem Gang einholte, sagte er mir tadelnd: ›Herr Holub, so was sollten Sie mir vor fremden Leuten doch nicht antun! Zwinkern Sie mir einfach zu, das genügt, ich komme dann schon. Weswegen sind Sie hinter mir her?‹

›Wir haben da wieder zwei Fälle‹, sagte ich, ›aber heute habe ich eigentlich etwas anderes zu tun. Ich übergebe dich in Pardubitz den Gendarmen.‹

›Herr Holub, tun Sie mir das nicht an. Ich bin schon so an Sie gewöhnt, und Sie kennen mich auch schon so gut, ich gehe lieber mit Ihnen! Aus alter Bekanntschaft, Herr Holub, ja?‹

›Das geht nicht‹, sagte ich, ›ich will erst zu meiner Familie, die wohnt eine Stunde weit von hier. Was soll ich in der Zwischenzeit mit dir anfangen?‹

›Ich begleite Sie, Herr Holub‹, schlug Herr Plichta vor, ›wenigstens wird Ihnen die Zeit nicht lang.‹

Na schön, ich ließ also den Plichta mit mir kommen, und als wir außerhalb der Stadt waren, sagte er: ›Geben Sie mir Ihren Koffer, Herr Holub, ich trage ihn schon! Und dann, Herr Holub – sehen Sie, ich bin kein junger Mensch mehr, und Sie duzen mich immer vor allen Leuten – wissen Sie, das macht sich nicht gut.‹

Ich stellte ihn meiner Frau und meiner Schwägerin als meinen alten Freund Herrn Plichta vor. Meine Schwägerin ist ein recht hübsches Mädel von fünfundzwanzig Jahren; Herr Plichta redete mit ihr so nett und so solide, den Kindern gab er Bonbons – und nach dem Kaffee meinte Herr Plichta, er würde sehr gerne mit dem Fräulein und den Kindern einen kleinen Spaziergang machen; mir zwinkerte er zu, als ob er sagen wollte: wir Männer, wir verstehen einander schon; und dann meinte er noch, ich hätte doch gewiß mit meiner Frau allein zu reden. So eine edle Seele war er, der Plichta. Und als sie nach einer Stunde zurückkamen, hielten die Kinder Herrn Plichta an den Händen, meine Schwägerin sah aus wie eine Rose, und beim Abschied drückte sie ihm überlange die Hand.

›Hör' mal, Plichta‹, sagte ich ihm, als wir gegangen waren, ›was ist dir denn eingefallen, daß du unserer Mitzi den Kopf verdreht hast?‹

›Das geschieht schon so aus Gewohnheit‹, sagte er fast traurig, ›Herr Holub – ich kann nichts dafür, das machen die Zähne. Nur Unannehmlichkeiten habe ich durch diese Zähne, nicht wahr? Ich rede mit den Frauenzimmern niemals von Liebe – das würde zu meinem Alter gar nicht passen. Und sehen Sie, gerade darauf beißen sie alle an. Ich muß mir sogar manchmal sagen: die Weiber lieben mich gar nicht um meiner selbst willen, sondern nur aus Eigennutz, weil sie auf eine gesicherte Stellung aus sind, und nach der sehe ich eben aus.‹

In Pardubitz, auf dem Bahnhof, sagte ich ihm: ›Plichta, jetzt muß ich dich doch den Gendarmen übergeben; ich habe hier noch in einer Diebstahlssache zu arbeiten.‹

›Herr Holub‹, bat der Plichta, ›setzen Sie mich doch inzwischen in die Bahnhofsrestauration. Ich bestelle einen Tee und lese die Zeitungen. – Da haben Sie mein Geld; es sind etwas mehr als vierzehntausend; ohne Geld werde ich Ihnen nicht davonlaufen. Ich habe ja nicht einmal genug, um die Zeche zu bezahlen.‹

Ich setzte ihn also in Gottes Namen in die Bahnhofsrestauration und ging meiner Wege. Nach einer Stunde schaute ich durchs Fenster. Plichta saß auf seinem Platz. Er hatte einen goldenen Zwicker auf der Nase und las Zeitungen. Eine halbe Stunde später war ich fertig und ging zu ihm. Jetzt saß er bereits am Nebentisch neben einer auffallend üppigen Blondine und tadelte voll Würde den Kellner, weil er ihr einen Kaffee mit Haut gebracht hatte. Als er mich erblickte, nahm er Abschied von der Dame und kam auf mich zu. ›Herr Holub‹, sagte er, ›könnten Sie mich nicht erst in einer Woche abholen? Ich hätte gerade jetzt Arbeit.‹

›Sehr reich?‹ fragte ich.

Plichta winkte nur mit der Hand. ›Die hat eine Fabrik, Herr Holub, und sie braucht notwendig einen erfahrenen Menschen, der sie in allem beraten kann. Jetzt hat sie gerade einige Maschinen zu übernehmen und zu bezahlen‹, flüsterte er.

›Aha‹, sagte ich, ›na komm' mit, ich stelle dich ihr vor.‹ Wir näherten uns der blonden Dame. ›Servus Loisi‹, sagte ich ihr, ›noch immer auf die gewissen älteren Herren los, was?‹

Die Blondine errötete bis an die Schulterblätter. ›Jesus Maria, Herr Holub, ich habe nicht gewußt, daß der Herr da ein Freund von Ihnen ist.‹

›Dann schau, daß du weiterkommst!‹ riet ich ihr. ›Der Herr Rat Dunder hätte eine Menge mit dir zu besprechen. Du weißt es ja: er nennt diese Sachen Betrug!‹

Plichta war ehrlich bestürzt. ›Herr Holub‹, sagte er, ›darauf wär' ich gar nicht gekommen, daß die Dame auch eine Gaunerin ist!‹

›Und was für eine‹, erklärte ich ihm, ›und außerdem ist sie ein ganz gemeines Frauenzimmer. Stell dir nur vor – sie lockt älteren Herren Geld heraus – unter dem Vorwand, sie zu heiraten!‹

Direkt blaß wurde der brave Plichta. ›Pfui Teufel!‹ spuckte er aus, ›da soll ein Mensch noch an die Weiber glauben! Da hört sich aber alles auf, Herr Holub, nicht wahr?‹

›Also warte jetzt hier‹, sagte ich, ›ich kaufe dir die Fahrkarte nach Prag. Zweiter oder dritter Klasse?‹

›Sparen Sie, Herr Holub‹, sagte er, ›ich bin Arrestant und habe Anspruch auf freie Fahrt, das ist doch richtig? Nehmen Sie mich nur auf ärarische Kosten mit. Unsereiner muß auf jeden Heller schauen.‹

Auf dem ganzen Weg nach Prag hörte Plichta nicht auf, das Frauenzimmer zu beschimpfen. Nie habe ich eine ehrlichere moralische Entrüstung gesehen. Als wir in Prag ausstiegen, sagte Herr Plichta: ›Herr Holub, ich weiß, diesmal werden es sieben Monate – und ich vertrage die Kost dort so schlecht. Ich möchte mich gerne noch einmal ordentlich anessen, verstehen Sie das? Die vierzehntausend, die Sie mir abgenommen haben, sind alles, was mir der letzte Fall eingebracht hat – wenigstens ein Abendessen möchte ich davon haben. Und außerdem möchte ich mich bei Ihnen für den Kaffee revanchieren.‹

Wir gingen miteinander in ein gutes Gasthaus. Plichta ließ sich einen Rostbraten geben und trank fünf Krügel Bier. Ich bezahlte aus seiner Brieftasche, nachdem er vorher dreimal die Rechnung geprüft hatte, damit der Kellner uns nicht beschwindle.

›So‹, sagte ich, ›und jetzt zur Direktion!‹

›Einen Augenblick noch‹, hielt Plichta mich zurück, ›ich hatte bei diesem letzten Fall sehr große Spesen. Da waren einmal vier Fahrten hin und zurück zu achtundvierzig Kronen, macht dreihundertvierundachtzig.‹ Er setzte seinen Zwicker auf und schrieb die Zahlen auf ein Stück Papier. ›Dann Diäten – sagen wir: dreißig Kronen per Tag, ich muß anständig leben, Herr Holub, das gehört zum Geschäft. Das macht also weitere hundertzwanzig Kronen. Ferner habe ich dem Fräulein einen Blumenstrauß für fünfunddreißig Kronen verehrt, das erfordert die Höflichkeit, das werden Sie verstehen. Der Verlobungsring machte zweihundertvierzig Kronen aus – er war nur vergoldet, Herr Holub. Wenn ich kein so ehrlicher Kerl wäre, so würde ich sagen, er sei aus Gold gewesen, und dann könnte ich gute sechshundert aufschreiben, nicht wahr? Dann kommt noch eine Torte für dreißig Kronen. Dazu kommen noch fünf Briefe zu einer Krone. Und schließlich hat das Inserat, durch das ich sie kennengelernt habe, achtzehn Kronen gekostet. Das sind also . . . alles in allem achthundertzweiunddreißig Kronen, Herr Holub. Ich bitte Sie, ziehen Sie den Betrag ab, nehmen Sie ihn beiseite, ich lasse ihn einstweilen bei Ihnen. Ich bin für Ordnung, Herr Holub. Wenigstens meine Regie muß ich gedeckt haben. So, jetzt können wir gehen.‹

Wir waren schon auf dem Gang der Polizeidirektion, da fiel dem Herrn Plichta noch ein: ›Herr Holub, ich habe ja dem Fräulein auch noch ein Fläschchen Parfüm um zwanzig Kronen gekauft; da habe ich also um weitere zwanzig Kronen mehr bei Ihnen gut.‹

Dann schneuzte er sich sorgfältig und ließ sich ruhigen Gewissens abführen.«

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