Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Ludwig Tieck >

Der gestiefelte Kater

Ludwig Tieck: Der gestiefelte Kater - Kapitel 7
Quellenangabe
typefairy
booktitleDie Märchen aus dem Phantasus. Dramen
authorLudwig Tieck
year1978
publisherWinkler Verlag
addressMünchen
isbn3-538-05212-3
titleDer gestiefelte Kater
pages205-266
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1797
Schließen

Navigation:

Zweiter Akt

Erste Szene

Bauernstube.

Gottlieb, Hinze. Beide sitzen an einem kleinen Tisch und essen.

Gottlieb: Hat's dir geschmeckt?

Hinze: Recht gut, recht schön.

Gottlieb: Nun muß sich aber mein Schicksal bald entscheiden, weil ich sonst nicht weiß, was ich anfangen soll.

Hinze: Habe nur noch ein paar Tage Geduld, das Glück muß doch auch einige Zeit haben, um zu wachsen; wer wird denn so aus dem Stegreif glücklich sein wollen! Mein guter Mann, das kommt nur in Büchern vor, in der wirklichen Welt geht das nicht so geschwinde.

Fischer: Nun hört nur, der Kater untersteht sich, von der wirklichen Welt zu sprechen! – Ich möchte fast nach Hause gehn, denn ich fürchte toll zu werden.

Leutner: Es ist beinahe, als wenn es der Verfasser darauf angelegt hätte.

Müller: Ein exzellenter Kunstgenuß, toll zu sein, das muß ich gestehn!

Schlosser: Es ist zu arg. Statt daß er froh sein sollte, daß er nur, wenn auch in imaginärer Welt, wenigstens existieren darf, will er den andern von phantastischen Hoffnungen abbringen, und behandelt ihn als Schwärmer, der doch wenigstens als Bauer nicht den Gesetzen unserer gewöhnlichen Welt widerspricht!

Gottlieb: Wenn ich nur wüßte, lieber Hinze, wo du die viele Erfahrung, den Verstand herbekommen hast.

Hinze: Glaubst du denn, daß man tagelang umsonst unterm Ofen liegt und die Augen fest zumacht? Ich habe dort immer im stillen fortstudiert. Heimlich und unbemerkt wächst die Kraft des Verstandes; daher hat man dann am wenigsten Fortschritte gemacht, wenn man manchmal Lust kriegt, sich mit einem recht langen Halse nach der zurückgelegten Bahn umzusehn. – Übrigens sei doch so gut und binde mir die Serviette ab.

Gottlieb tut's: Gesegnete Mahlzeit! – Sie küssen sich. Nimm so vorlieb.

Hinze: Ich danke von ganzem Herzen.

Gottlieb: Die Stiefeln sitzen recht hübsch, und du hast einen scharmanten kleinen Fuß.

Hinze: Das macht bloß, weil unsereins immer auf den Zehen geht, wie du auch wirst in der Naturgeschichte gelesen haben.

Gottlieb: Ich habe einen großen Respekt vor dir – von wegen der Stiefeln.

Hinze hängt sich einen Tornister um: Ich will nun gehn. – Sieh, ich habe mir auch einen Sack mit einer Schnurre gemacht.

Gottlieb: Wozu das alles?

Hinze: Laß mich nur, ich will einen Jäger vorstellen. – Wo ist denn mein Stock?

Gottlieb: Hier.

Hinze: Nun so lebe wohl. Geht ab.

Gottlieb: Einen Jäger? – Ich kann aus dem Manne nicht klug werden. Ab.

 << Kapitel 6  Kapitel 8 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.