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Der gestiefelte Kater

Ludwig Tieck: Der gestiefelte Kater - Kapitel 5
Quellenangabe
typefairy
booktitleDie Märchen aus dem Phantasus. Dramen
authorLudwig Tieck
year1978
publisherWinkler Verlag
addressMünchen
isbn3-538-05212-3
titleDer gestiefelte Kater
pages205-266
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1797
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Dritte Szene

Vor einem Wirtshause.

Lorenz, Kunz, Michel, sitzen auf einer Bank, der Wirt.

Lorenz: Ich werde wohl gehn müssen, denn ich habe noch einen weiten Weg bis nach Hause.

Wirt: Ihr seid ein Untertan des Königs?

Lorenz: Ja wohl. – Wie nennt Ihr Euren Fürsten?

Wirt: Man nennt ihn nur Popanz.

Lorenz: Das ist ein närrischer Titel. Hat er denn sonst keinen Namen?

Wirt: Wenn er die Edikte ausgehn läßt, so heißt es immer: zum Besten des Publikums verlangt das Gesetz. – Ich glaube daher, das ist sein eigentlicher Name: alle Bittschriften werden auch immer beim Gesetz eingereicht. Es ist ein furchtbarer Mann.

Lorenz: Ich stehe doch lieber unter einem Könige, ein König ist doch vornehmer. Man sagt, der Popanz sei ein sehr ungnädiger Herr.

Wirt: Gnädig ist er nicht besonders, das ist nun wohl wahr, dafür ist er aber auch die Gerechtigkeit selbst; von auswärts sogar werden ihm oft die Prozesse zugeschickt, und er muß sie schlichten.

Lorenz: Man erzählt wunderliche Sachen von ihm; er soll sich in alle Tiere verwandeln können.

Wirt: Das ist wahr, und so geht er oft inkognito umher, und erforscht die Gesinnungen seiner Untertanen; wir trauen daher auch keiner fremden Katze, keinem unbekannten Hunde, weil wir immer denken, unser Herr könnte wohl dahinterstecken.

Lorenz: Da sind wir doch auch besser dran; unser König geht nie aus, ohne Krone, Mantel und Zepter anzuziehn, man kennt ihn daher auch auf tausend Schritt. – Nun, gehabt Euch wohl. Geht ab.

Wirt: Nun ist er schon in seinem Lande.

Kunz: Ist die Grenze so nah?

Wirt: Freilich, jener Baum gehört schon dem König; man kann von hier alles sehn, was im Lande dort vorfällt. Die Grenze hier macht noch mein Glück, ich wäre schon längst bankerott geworden, wenn mich nicht noch die Deserteurs von drüben erhalten hätten; fast täglich kommen etliche.

Michel: Ist der Dienst so schwer?

Wirt: Das nicht, aber das Weglaufen ist so leicht, und bloß weil es so sehr scharf verboten ist, kriegen die Kerle die erstaunliche Lust zum Desertieren. – Seht, ich wette, daß da wieder einer kömmt!

Ein Soldat kommt gelaufen.

Soldat: Eine Kanne Bier. Herr Wirt! geschwind!

Wirt: Wer seid Ihr?

Soldat: Ein Deserteur.

Michel: Vielleicht gar aus Kindesliebe; der arme Mensch, nehmt Euch doch seiner an, Herr Wirt.

Wirt: Je, wenn er Geld hat, soll's am Bier nicht fehlen. Geht ins Haus.

Zwei Husaren kommen geritten und steigen ab.

Erster Husar: Nu, gottlob, daß wir so weit sind. – Prosit, Nachbar.

Soldat: Hier ist die Grenze.

Zweiter Husar: Ja, dem Himmel sei Dank – haben wir des Kerls wegen nicht reiten müssen – Bier, Herr Wirt!

Wirt, mit mehreren Gläsern: Hier, meine Herren, ein schöner frischer Trunk; Sie sind alle drei recht warm.

Erster Husar: Hier, Halunke! auf deine Gesundheit!

Soldat: Danke schönstens; ich will euch die Pferde unterweilen halten.

Zweiter Husar: Der Kerl kann laufen! Es ist gut, daß die Grenze nicht gar so weit ist, denn sonst wäre das ein Hundedienst.

Erster Husar: Nun, wir müssen wohl wieder zurück. Adieu, Deserteuer! viel Glück auf den Weg! – Sie steigen wieder auf, und reiten davon.

Wirt: Werdet Ihr hier bleiben?

Soldat: Nein, ich will fort, ich muß mich ja beim benachbarten Herzog wieder anwerben lassen.

Wirt: Sprecht doch wieder zu, wenn Ihr wieder desertiert.

Soldat: Gewiß. – Lebt wohl. – Sie geben sich die Hände, der Soldat und die Gäste gehn ab, der Wirt ins Haus. Der Vorhang fällt.

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