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Der gestiefelte Kater

Ludwig Tieck: Der gestiefelte Kater - Kapitel 17
Quellenangabe
typefairy
booktitleDie Märchen aus dem Phantasus. Dramen
authorLudwig Tieck
year1978
publisherWinkler Verlag
addressMünchen
isbn3-538-05212-3
titleDer gestiefelte Kater
pages205-266
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1797
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Fünfte Szene

Eine andre Gegend.

Kunz, der Korn mäht.

Kunz: Saure Arbeit! Und wenn ich's noch für mich täte, aber der Hofedienst! Da muß man für den Popanz schwitzen, und er dankt es einem nicht einmal. – Es heißt wohl immer in der Welt, die Gesetze sind notwendig, um die Leute in Ordnung zu halten, aber warum da unser Gesetz notwendig ist, der uns alle auffrißt, kann ich nicht einsehn.

Hinze kömmt gelaufen.

Hinze: Nun hab ich schon Blasen unter den Füßen! – Nun, es tut nichts; Gottlieb, Gottlieb muß dafür auf den Thron! He! guter Freund!

Kunz: Was ist denn das für ein Kerl?

Hinze: Hier wird sogleich der König vorbeifahren; wenn er Euch frägt, wem dies alles gehört, so müßt Ihr antworten, dem Grafen von Carabas, sonst werdet Ihr in tausend Millionen Stückchen gehackt. Zum Besten des Publikums will es so das Gesetz.

Fischer: Wie? zum Besten des Publikums?

Schlosser: Natürlich, weil sonst das Stück gar kein Ende hätte.

Hinze: Euer Leben wird Euch lieb sein! Geht ab.

Kunz: Das ist so, wie die Edikte immer klingen. Nun, mir kann's recht sein, wenn nur keine neue Auflagen daraus entstehen, daß ich das sagen soll. Man darf keiner Neuerung trauen.

Die Kutsche fährt vor und hält, König und Prinzessin steigen aus.

König: Auch eine hübsche Gegend. Wir haben doch schon eine Menge recht hübscher Gegenden gesehn. – Wem gehört das Land hier?

Kunz: Dem Grafen von Carabas.

König: Er hat herrliche Länder, das muß wahr sein – und so nahe an dem meinigen. Tochter, das wäre so eine Partie für dich. Was meinst du?

Prinzessin: Sie beschämen mich, Herr Vater. – Aber was man doch auf Reisen Neues sieht. Sagt mir doch einmal, guter Bauer, warum haut Ihr denn das Stroh so um?

Kunz lachend: Das ist ja die Ernte, Mamsell Königin, das Getreide.

König: Das Getreide? – Wozu braucht Ihr denn das?

Kunz lachend: Daraus wird ja das Brot gebacken.

König: Bitt ich dich ums Himmels willen, Tochter! – daraus wird Brot gebacken! – Wer sollte wohl auf solche Streiche kommen? – Die Natur ist doch etwas Wunderbares. Hier, guter Freund, habt Ihr ein klein Trinkgeld, es ist heute warm. –

Er steigt mit der Prinzessin wieder ein, der Wagen fährt fort.

Kunz: Kennt kein Getreide! Alle Tage erfährt man doch mehr Neues. – Wenn er mir nicht ein blankes Goldstück gegeben hätte, und wenn er kein König wäre, so sollte man denken, er wäre ein ganz einfältiger Mensch. – Ich will mir nur gleich eine Kanne gutes Bier holen. Kennt kein Getreide! Geht ab.

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