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Der gestiefelte Kater

Ludwig Tieck: Der gestiefelte Kater - Kapitel 13
Quellenangabe
typefairy
booktitleDie Märchen aus dem Phantasus. Dramen
authorLudwig Tieck
year1978
publisherWinkler Verlag
addressMünchen
isbn3-538-05212-3
titleDer gestiefelte Kater
pages205-266
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1797
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Erste Szene

Gottlieb und Hinze treten auf.

Gottlieb: Lieber Hinze, es ist wahr, du tust sehr viel für mich, aber ich kann immer noch nicht einsehn, was es mir helfen soll.

Hinze: Auf mein Wort, ich will dich glücklich machen, und ich scheue keine Mühe und Arbeit, keine Schmerzen, keine Aufopferungen, um diesen Endzweck durchzusetzen.

Gottlieb: Bald, sehr bald muß es geschehn, sonst ist es zu spät – es ist schon halb acht, und um acht ist die Komödie aus.

Hinze: Was Teufel ist denn das?

Gottlieb: Ach, ich war in Gedanken! sonst, wollte ich sagen, verschmachten wir beide. Aber sieh, wie schön die Sonne aufgegangen ist. – Der verdammte Souffleur spricht so undeutlich, und wenn man denn manchmal extemporieren will, geht's immer schief.

Hinze leise: Nehmen Sie sich doch zusammen, das ganze Stück bricht sonst in tausend Stücke.

Schlosser: Was sprach der von Komödie und halb acht?

Fischer: Ich weiß nicht; mir deuchte wir sollten achtgeben, es würde bald aus sein.

Schlosser: Ja wohl, acht! gottlob, um acht werden wir erlöst; wenn wir achtgeben, so wird es um acht für uns ein Losgehen; bis neun, nein, könnt es keiner aushalten; um zehn würd ich mit Zähnen um mich beißen.

Müller: Bester, Sie phantasieren schon in der Manier des Stücks.

Schlosser: Ja, ich bin auf lange ruiniert.

Gottlieb: Also heut noch soll sich mein Glück entscheiden?

Hinze: Ja, lieber Gottlieb, noch ehe die Sonne untergeht. Sieh, ich liebe dich so sehr, daß ich für dich durchs Feuer laufen möchte – und du zweifelst an meiner Freundschaft?

Wiesener: Haben Sie's wohl gehört? – Er wird durchs Feuer laufen. – Schön! da bekommen wir noch die Dekoration aus der Zauberflöte, mit dem Wasser und Feuer.

Nachbar: Katzen gehn aber nicht ins Wasser.

Wiesener: Desto größer ist ja des Katers Liebe für seinen Herrn; merken Sie, das will uns ja der Dichter eben dadurch zu verstehn geben.

Hinze: Was hast du denn wohl Lust zu werden in der Welt?

Gottlieb: Das ist schwer zu sagen.

Hinze: Möchtest du wohl Prinz oder König werden?

Gottlieb: Das noch am ersten.

Hinze: Fühlst du auch die Kraft in dir, ein Volk glücklich zu machen?

Gottlieb: Warum nicht? Wenn ich nur erst glücklich bin.

Hinze: Nun so sei zufrieden; ich schwöre dir, du sollst den Thron besteigen. Geht ab.

Gottlieb: Wunderlich müßt es zugehn. – Doch kömmt ja in der Welt so manches unerwartet. Geht ab.

Bötticher: Bemerken Sie doch die unendliche Feinheit, mit der der Kater seinen Stock hält, so zart, so leutselig.

Fischer: Sie sind uns mit Ihren Feinheiten schon längst zur Last, Sie sind noch langweiliger als das Stück.

Müller: Ja es ist recht verdrüßlich, immer diese Entwickelungen und Lobpreisungen anhören zu müssen.

Bötticher: Aber der Kunstenthusiasmus sucht sich doch auszusprechen.

Schlosser: O es soll nun gleich zu Ende sein! Fassen Sie an, bester Herr Leutner; Herr Müller, halten Sie ihm den Kopf, ich habe hier eine Maschine, die ihm den Mund schließen und das Sprechen untersagen wird.

Bötticher: Sie werden doch nimmermehr –

Schlosser: So, nun steckt ihm der Knebel schon im Munde; Herr Fischer, lassen Sie die Feder zuschnappen, so ist die Sache gemacht. Sie knebeln ihn.

Bötticher: Das ist doch himmelschreiend, daß ein Kunstke- –

Schlosser: Kunstkenner will er sagen. So, jetzt wird doch von der Seite Ruhe sein. Nun sehn Sie hübsch still und bedächtlich zu.

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