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Der Geldkomplex

Franziska zu Reventlow: Der Geldkomplex - Kapitel 25
Quellenangabe
typefiction
booktitleDer Selbstmordverein
authorFranziska Gräfin zu Reventlow
year1991
publisherVerlag der Nation
addressBerlin
isbn3-373-00471-3
titleDer Geldkomplex
pages7-92
created20011202
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1916
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25

Für Deinen Brief und Deine Teilnahme herzlichsten Dank.

Nur keine übertriebene Sorge – ich befinde mich im ganzen recht wohl.

Unser Dasein steht hier natürlich im Zeichen des Bankrotts, und auch das hat seinen Charme.

Henry ist ebenfalls schwer betroffen, denn seine Terraingesellschaft ist im Zusammenhang mit der Bank vollständig aufgeflogen. Er rechnet viel, ist aber voller Zuversicht, daß sich gerade auf diesen Zusammenbruch hin ganz neue Gründungsperspektiven eröffnen.

Auf jeden Fall bleiben wir hier. Wir fühlen uns allmählich immer mehr mit diesem Ort verwachsen...

Unter der Bevölkerung herrscht eine trübe und erregte Stimmung, jeder Tag bringt neue Hiobsposten von verkrachten Unternehmungen, schurkischen Aufsichtsräten, die durchgebrannt sind oder sich noch rasch erschossen haben, ruinierten Aktionären und dergleichen mehr. Man fraternisiert mit anderen Mitverkrachten und ist beständig von Leuten umringt, die über Hypotheken, Bodenwerte, Aktien, gestohlene Depositen, sichere und unsichere Papiere reden. Die ganze Atmosphäre hat eine kapitalistische Note bekommen, die ungemein wohltuend ist. Unsere Popularität ist ins ungeheure gestiegen, wir gelten zum mindesten für Millionäre, weil wir unsere Verluste mit Würde tragen, und haben schrankenlosen Kredit. So läßt sich's ganz gut leben.

Lukas ist nicht mehr da. Und Baumann hofft immer noch, mich einmal weiteranalysieren zu können, aber ich glaube, es ist nicht mehr nötig. Denn mein Geldkomplex...

Ich gehöre jetzt selbst zu den Gläubigern – der verkrachten Bank natürlich –, und das gibt dem Geld gegenüber einen ganz anderen Gesichtspunkt. Wer weiß, ob es mich nicht doch noch respektieren lernt, wie es eben nur Gläubiger respektiert, und auf ebenso unwahrscheinliche Weise wiederkehrt, wie es sich verabschiedet hat.

Leb wohl, ich will mit Gottfried zum Schneider. Es schadet meinem Ansehen, daß er immer und immer noch ohne Überzieher herumläuft. Und um vier Uhr muß ich zu einer Gläubigerversammlung.

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