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Gutenberg > Wilhelm Busch >

Der Geburtstag

Wilhelm Busch: Der Geburtstag - Kapitel 5
Quellenangabe
typecomics
booktitleUnd die Moral von der Geschicht
authorWilhelm Busch
year1982
publisherC. Bertelsmann Verlag
addressMünchen
isbn3-570-03004-0
titleDer Geburtstag
pages42
created20101211
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Die Butterhenne

Das wäre also auch mißraten.
Doch ist's noch Zeit zu neuen Taten. –
Hierauf bezüglich mit Gefühl,
Sprach Herr Adjunktus Klingebühl:
»Geliebte! So wie ich erachte,
Indem ich diesen Fall betrachte,
Bedenke, prüfe, überlege
Und mit Bedachtsamkeit erwäge –
So ist gewiß für treue Liebe
Und sonsten eingepflanzte Triebe
Das schönste Beispiel, so ich kenne,
Das Mutterhuhn, genannt die Henne. –
Ich weiß nicht, ob Ihr dieses wißt.«
»Jaja!« rief jeder. »Ja, so ist!!«

»– – – Nun wohl!
So lasse man, als ein Symbol,
Durch unsern Bäcker und Konditer –
Ich meine hier Herrn Knickebieter –
Aus Butter und dergleichen Sachen
Ein Ebenbild der Henne machen.« –
»Jaja!« – rief jeder laut und froh.
»Jaja! Man to! Jaja! Man to!!«

Bald ist im Dorfe weit und breit
Manch treues Weib in Tätigkeit,
Die Butter durch ein rastlos Wälzen
Und Kneten innig zu verschmelzen.
Und alle diese schöne Butter
Legt freudig Tochter oder Mutter

Als eine tiefempfundne Spende
In Knickebieters Künstlerhände.

Mit Freuden tut er sie begucken
Und denkt: Das ist ein schöner Hucken!

Sogleich, nachdem er sich geschneuzt,

Wird er zum Schaffen angereizt.

»Sieh, sieh! Da ist ja eine bei,
Die innen voll Kartoffelbrei.
Oh!« sprach er. »O du alter Schlinkel!
Die ist gewiß von Krischan Stinkel!!«

Zuerst mit großem Vorbedacht
Wird Kopf und Leib und Schwanz gemacht.

Die Augen macht man mit dem Daumen
Vermittelst zwo gedörrter Pflaumen.

Als Schnabel wird die rote Rüben
Zweckmäßig in den Kopf getrieben.

Nun wirft man mit geheimer Wonne
Den Überrest in seine Tonne.

Nicht übel! Nur erscheint mir bloß
Das ganze Bildnis etwas groß.

Noch mal gemacht! – Und zwei Rosinen,
Die können auch als Augen dienen.
Und da das Ganze ein Symbol,
So kann's nicht schaden, wenn es hohl.
Und wieder mit geheimer Wonne
Wirft er, was übrig, in die Tonne.

Er steht und sieht sein Werk von ferne
Und spricht: »Na, so hab' ich dich gerne!«

Er schafft die Tonne fort verstohlen,
Man kommt, die Glucke abzuholen.

»Willkommen! Eure Meinung bitt' ich!«
»Gott ja! Man bloß'n beten lüttich!«

Der Wagen steht und wartet schon.
Der Bürgermeister in Person
Wird dieses Mal, und zwar allein,
Der Fest- und Ehrenbote sein.

Bei jedem ist die Freude groß,
Denn gleich geht die Geschichte los.
Und jeder ruft: »Wie wünschet Glücke!« –

Den Gaul umschwirrt die Stachelmücke

»Oha!« schrie alles voller Not –
»Herrgott! He sit de Glucken dot!«

Er sitzt am Boden sehr erschreckt.
Das Festgeschenk ist fast verdeckt.

Du liebe Zeit! Welch ein Malheur!
Man kennt das schöne Bild nicht mehr.
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