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Der Gaukler der Ebene und andere afrikanische Märchen und Legenden

Carl Einstein: Der Gaukler der Ebene und andere afrikanische Märchen und Legenden - Kapitel 9
Quellenangabe
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typelegend
authorCarl Einstein
titleDer Gaukler der Ebene und andere afrikanische Märchen und Legenden
publisherFischer Taschenbuch Verlag GmbH
year1983
isbn3596228433
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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Bena-Kanioka

Der Baum Gottes

Die Tiere waren auf Jagd gegangen; da sie einen Baum fanden, der Früchte trug, und seinen Namen nicht kannten, schickten sie die Antilope und sagten: »Geh, frage Gott um den Namen.« Die Antilope war gegangen, frug. Gott sagte den Namen; er sprach: »Mein ist der Baum, der Baum Gesprenkelt. Das ist mein lieber Baum Gesprenkelt.« Da die Antilope den Weg lief, entfiel ihr der Name. –

Sie schickten die Schildkröte und sagten: »Geh du fragen.« Die Schildkröte ging, auch sie, und fragte; Gott sagte ihr den Namen des Baumes: »Mein Baum Gesprenkelt, der liebe Baum Gesprenkelt.« Er gab ihr eine Glocke, sprach: »Wenn du ihn vergißt, wird die Glocke ihn sagen.« Die Schildkröte ging. Den Weg angekommen, vergaß sie den Namen. Die Glocke sagte ihr: »nkelente, nkelente.« Die Schildkröte verstand, kam an und sagte den Namen. Sie freuten sich, erstiegen den Baum und aßen die Früchte. Davon der Schildkröte zu geben, verweigerten sie. Als sie gegessen hatten, töteten sie diese. Die kleinen Ameisen nahmen den Leib der Schildkröte und sangen:

»Knete den Sand, knete die Erde,
Bis er erscheint, den Gott schuf.«

Sie gaben ihr den Körper zurück, und die Schildkröte kehrte zum Leben zurück. Die Tiere töteten sie noch einmal; die kleinen Ameisen bildeten noch einmal die Schildkröte, die zum Leben zurückkehrte. Die wiedererstandene Schildkröte entwurzelte den Baum, alle Tiere kamen um.

Die Frau und der Vogel

Eine Frau hatte geboren; ihr Kind war Sohn. Er zog in den Krieg. Man schoß ihm einen Pfeil in das Herz; er starb. Seine Freunde legten ihn auf die Totenbahre.

Ein Vogel ging weg zu der Mutter des Kindes und sagte ihr singend:

»Eh Makalonga von Mbayi,
Dein Sohn.
Man schoß ihm den Pfeil in das Herz.
Man legte ihn auf die Totenbahre.«

Die Frau warf einen Klumpen Erde nach ihm und verfluchte ihn:

»Verflucht, Ahne des Sohns des Bulonga,
Ahne du bist Zauberer.
Wäre ich Mann, erschlüge ich dich.«

Sie kamen zum Wasser mit der Bahre.

Der Vogel kam von neuem und weinte immer gleicherweise, und die Frau verfluchte ihn von neuem. Als sie sah, daß sie mit dem Sohn kamen, welch Jammern.

Die Frau sank nieder und bedachte: »Der Vogel weinte mit Recht, ich habe ihn verjagt.«

Die Oger

Der Jäger ging auf die Jagd mit seinen Hunden. Der Regen überraschte ihn. Er ging zum Schutz in eine Hütte. Er begegnete dem Oger mit den zwei Köpfen. Er setzte sich, den mit den drei Köpfen zu sehen; dieser kam und fragte den Zweikopf: »Ah, Oger Zweikopf, der hat einen Kopf, woher kommt er?« Zweikopf sagte: »Das ist der Jäger, der Frühregen hat ihn überrascht, und er sagte sich, ich schlüpfe bei Freunden unter.« Dreikopf sagte: »Künden wir ihm, der Meister komme.« Jeder Oger, der kam, sprach also, und der Meister kam.

Die Nacht fiel, der Jäger schlief ein, die Oger hitzten eine Eisenspitze am Herd und wollten den Jäger von hinten brennen. Die Hunde sprangen hoch und knurrten. Die Oger wurden müde. Die Nacht verging, vergebens mühten sie sich, ihn zu töten. Sie trugen ihn zu einem Baum und sprachen: »Pflücke uns Pflaumen.« Da sie aus der Hütte gingen, banden sie die Hunde in der Hütte fest. Der Jäger stieg, sie blieben unten am Baume und wollten ihn fällen. Der Jäger warf Schreie und rief: »Meine Kinder, ich bin verzehrt durch ein Tier.« Die Hunde hörten ihn, rissen die Tür auf, liefen schnell und zerfleischten die Oger mitten im Bauch. Der Jäger stieg herab.

Molowi

Ein Mann hatte Kinder, vier Töchter. Man griff den Vater in seinem Hof und sprach: »Gib uns deine schönste Tochter.« Sie nahmen Kahafwabanza. Da sie des Weges zogen, weinte sie und sang:

»Man verwundete ihn
Im Hofe der Kanioka,
Sie kamen von fern.«

Das Mädchen ging immer weinend. Da sie mit ihr zum Dorf kamen, befreiten sie den Vater von den Stricken. Scheidend sagte ihnen der Vater: »Meine Tochter hier zerschrotet nicht, sie webt nur Kleider.« Eines Tages ging ihr Mann ins Feld, da er mit Hunger zurückkam, sagte er: »Du wolltest mir nicht Nahrung bereiten.« Die Frau nahm Maniok, tat es in den Mörser, zerschrotet und spricht: »Lieber Stößer, willige ein, gehen wir unter die Erde, bei mir muß ich nicht schroten, hier schrote ich in Sklaverei.« Der Stößer und sie begannen in die Erde einzugehen. Sie zerschrotet und spricht also und sinkt in die Erde mit dem Stößer. Das war beendet, und der Stößer mit ihr verschwunden.

Ihr Gatte ging zum Schwiegervater und frug: »Kam deine Tochter hierher?« Ihr Vater nimmt eine Trommel und ruft: »Mudindila, Mudindila.«

Sie erwiderte:

»Vater höre mudindila.
Man gab mich zur Ehe mudindila.
Ich war geekelt
Und barg mich in die Erde!«

Der Vater schlug die Trommel, sie antwortete immer also. Sie kommen an den Dorfplatz; vielleicht schauen sie, wo sie zur Erde hervorkomme. Man rief kleine Kinder, sagte: »Werft Kerne.« Ein Kind warf einen Kern, und der Stampfer kam hervor. Man warf einen Kern, und der Mörser kam hervor. Ein anderes Kind warf noch einen Kern, und sie kam hervor. Als sie geendet hatte hervorzukommen, starb sie.

 

Junge Mädchen gingen baden. Da sie zu baden geendet, begannen sie die Zähne zu putzen; die Zähne der anderen wollten nicht weißen, die eines Mädchens wurden weiß. Die anderen warfen sie in den See. Sie kam, wo Flußpferd und Krokodil sind; die kämpften; das Krokodil war stärker und nahm sie. Das Mädchen gebar Molowi; das Krokodil schickte sie und sagte: »Geh Mutter und Vater sehen«, und gab ihr einen Korb Kauris, um sie Molowi zur Nahrung zu zerschroten; denn Molowi aß nicht Maniok, nicht Mais, nur Muscheln.

Da sie zum Ufer kam, hörte sie einen Mann Ruten schneiden. Das Mädchen rief ihn.

»Eh, der Ruten schneidet, der Ruten schneidet,
Sage meinem Vater
Und meiner lieben Mutter,
Da wir zum Wasser kamen,
Die Gefährtinnen mit mir,
Putzten wir die Zähne.
Die meinen wurden weiß.
Die ihren blieben schwarz.
Mich warfen sie zum Grund
Zu Flußpferd und Krokodil.
Das Krokodil sagte: Sie ist mein.
Das Flußpferd sagte: Sie ist mein.
Der Stärkere war das Krokodil.
Ich brachte zur Welt ein Kind.
Molowi vom Krokodil.
Es ißt nicht Mehl noch Mais.
Nur Staub der Kauris.«

Der Mann hört und hört; er schneidet von neuem. Die Frau sagt ihm von neuem. Der Rutenschneider kehrt zum Dorf und sagt der Mutter, wie die Tochter es gesagt. Die Mutter nahm ein weißes Huhn und ein Ei; sie trafen sie, schlugen sie mit dem Huhn, zerbrachen ihr das Ei im Gesicht und gingen ins Dorf. Eines Tages läßt die Frau das Kind in der Hütte ihrer Mutter und geht zum Fischfang. Da die Mutter mit dem Kind blieb, nahm sie die Kauris und legte sie in den Mörser und sagte: »Ich will dem Kind die Kaurinahrung zerstoßen.« Sie schüttete alle Kauris in den Mörser; da weint das Kind vor Hunger; und sie nahm Nahrung von Mais und gab sie dem Kind zu essen; und das Kind starb. Sie nahm dem Kind das Glöckchen und hing es dem Huhn an; das Huhn, da geht es damit.

Ein Vogel ging die Mutter des Kindes suchen im Busch und sagte ihr:

»Deine Mutter ist Zauberin.
Sie nahm Mais,
Gab es dem Kind zu essen.
Das Kind ist tot, ach
Unter dem Bett da
Findest sich ein schrecklich Ding,
Gedeckt von Palmblättern,
Gesprenkelt mit weißer Farbe ach.«

Die Frau hörte, der Vogel stöhnte immer; sie sagte ihren Gefährtinnen: »Ich gehe ins Dorf«, sie ging zum Bach und ging. Da sie gekommen war, frug sie die Mutter: »Wo ist das Kind, daß ich es stille.« Ihre Mutter sprach: »Hörtest du nicht das Glöckchen, das da läutet. Es spielt mit den anderen.« Die Frau schaut unter das Bett, da findet sie das Kind tot. Sie nahm es, geht zum Weg, geht zum Gatten, wandert und klagt.

»Von mir nur dies, keines von Blitz und Regenbogen.
Das Kind des Krokodils, keines von Blitz und Regenbogen.
Das Gerunzelte, keines von Blitz und Regenbogen,
Da ist es tot.«

Sie begegnete dem Zweiköpfigen, er frug sie: »Ist das Weinen oder Singen?«

»Das ist Singen, o Herz.«

»Sind dies Tränen oder Schweiß?«

»Das ist Schweiß, o Herz.«

Sie kam zum Krokodil. Dies flocht kleine Körbe, stellte sie zur Erde, rief die kleinen Kinder und sagte: »Sammelt die kleinen Körbe.« Sie sammelten. Ein einziger blieb. Das tote Kind nieste »tritsehe« und sagte: »Das ist der meine«, und stand auf.

Die Tiere töten die Mütter

Alle Tiere sprachen untereinander: »Töten wir unsere Mütter.« Sie schlugen ihre Mütter tot. Kamundi nahm die seine und ging, in der Höhle eines Baumes sie zu verbergen. Alle Tage ging er dorthin, Maniokbrot zu essen, und wenn er bis zur Sattheit gegessen, brachte er den anderen Früchte.

Eines Tages brachte er davon der Genettekatze und ging mit ihr zu seiner Mutter, Maniokbrot zu essen. Zurückgekehrt von dort, sagte die Genette den anderen: »Kamundi hat uns gesagt, töten wir unsere Mütter; aber die seine ist noch da, er verbarg sie in der Höhle des Baums, wohin er ihr jegliche Nahrung bringt.« Und die anderen sagten: »Ah, das ist so.« Der Elefant stellte sich krank. Er nahm Medizin, steckte sie sich in den Hintern, da man suchte, Kamundi zu täuschen; sobald er weit bliebe, ginge man, seine Mutter zu töten.

Sie sprachen zu ihm: »Geh Wasser schöpfen, dort bei den Wasserfällen.« Kamundi ging, sie blieben, gingen zum Loch, kamen an, riefen, wie Kamundi rief:

»Mütter, Mütter,
Essen wir sie, ach.
Ich werde meine Mutter nehmen, ich werde sie in ein Loch stopfen.
In das Loch welchen Baumes?
In das Loch des Tsinam-Bamamba.
Antworte Mutter. Wu.«

Die Frau antwortete; die Tiere entwurzelten den Baum, töteten sie und kehrten heim. Kamundi ging vorbei und sah die Tiere seine Mutter töten. Er ging mit dem Wasser, stellte den Krug nieder und begann zu weinen. Sie frugen ihn: »Eh, Kamundi, was weinst du?« Er sagte ihnen: »Ah, älterer Bruder, das ist das Fleisch der Mitte des Leibes, daraus bin ich gekommen.« Sie gaben ihm Maniokbrot und Fleisch. Da er einen Pferdeknochen zermalmte, sagten sie ihm: »Du hast einen Knochen von deiner Mutter gegessen.« Er sagte:

»Ihr sagtet was?«

»Oh, wir sagen, iß vom Maniokbrot.«

Kamundi fällte einen Baum, höhlte eine Trommel, er versammelte die Tiere und ging mit ihnen zur Wiese. Er nahm die kleinen Tiere, ganz kleine, und gab ihnen Feuer. »Geht, legt in alle Kräuter Feuer.« Er nahm die Eidechsen und ließ sie auf einen Baum steigen: »Wenn ihr das Feuer seht, das sich nähert, sagt es mir, ich trete in die Dachslöcher, ihr anderen geht in die Baumhöhlen.«

Er nahm die Trommel auf die Schulter und da ging er und zählte auf:

»Oh, oh, die Antilope, Glühwurm, Glühwurm.
Oh, oh, der Eber, Glühwurm, Glühwurm.
Man beweint die Mütter, Glühwurm, Glühwurm.
Wohin sind sie gegangen, Glühwurm, Glühwurm.«

Er zählte die Tiere auf, er zählte die Tiere auf.

Immer also. Sie sahen das Feuer kommen und frugen ihn: »Kommt das Feuer?« Er sagte: »Tanzt, das Feuer ist noch weit.« Sie tanzen, sie tanzen und sehen das Feuer, das ganz nah kommt; die oben im Baum sagten ihm: »Das Feuer ist da.« Er setzte die Trommel zur Erde und trat in die Dachslöcher. Alle Tiere waren verbrannt und starben.

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