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Der Gaukler der Ebene und andere afrikanische Märchen und Legenden

Carl Einstein: Der Gaukler der Ebene und andere afrikanische Märchen und Legenden - Kapitel 8
Quellenangabe
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typelegend
authorCarl Einstein
titleDer Gaukler der Ebene und andere afrikanische Märchen und Legenden
publisherFischer Taschenbuch Verlag GmbH
year1983
isbn3596228433
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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Libanza

Vor langer Zeit, Libanza war nicht geboren. Es waren zwei Frauen, zwei Schwestern, die wohnten auf einem großen Baum. Die Schwestern hatten wunderbare Stimmen, und es war eine Freude, sie singen zu hören.

Vom Baum hing eine wunderbare Schnur zur Erde nieder, das sind die Sonnenstrahlen; wenn man die Schwestern zu singen bewegen wollte, zog man die Schnur.

Eines Tages zog ein Tier mit Namen Libenge die Schnur, alsbald begannen die Schwestern zu singen. Libenge fand die Lieder so schön, daß er die zwei Schwestern bat, seine Frauen zu werden. Sie schlugen es ab. Ein anderes Tier Mondanga kam, hörte die Frauen singen, verliebte sich und bat sie, sich mit ihm zu vermählen. Auch ihm verweigerten sie dies. Es kam ein drittes Tier Ndoumba und noch Nkoi, der Leopard; ihnen widerfuhr das Gleiche.

Endlich kam Coco, der Hahn, mit den wunderbaren Federn. Er begann zu singen: »Kubelukuku«, zog an der Schnur, und alsbald begannen die Frauen zu singen; diesmal noch zauberischer als sonst.

Der Hahn mit den wunderbaren Federn, der solches noch nie gehört hatte, verliebte sich in die Frauen und bat sie, herabzusteigen. Die beiden Frauen fanden in dem Hahn einen Gatten nach ihrem Geschmack, stiegen mit ihren Dienerinnen hinab und folgten ihm.

Alles ging gut. Man lebte in gutem Einvernehmen; denn die Frauen liebten ihren Gatten sehr. Da begann es eines Tages zu regnen. –

Da der Regen aufgehört hatte, kamen, wie das geschieht, tausend und abertausende Ameisen aus der Erde hervor, und der Hahn begann wacker sie zu essen. Eine Dienerin sah dies und konnte nicht verstehen, daß der Gatte ihrer Herrin solche Dinge aß; sie ging der Frau zu erzählen.

Diese konnte es noch weniger verstehen, daß der Mann Ameisen esse, und glaubte, die Dienerin sei eifersüchtig auf ihren schönen Gatten, und schalt sie. Diese war unzufrieden, unverdient gescholten worden zu sein, und belauerte den Hahn. Da sah sie, daß er immer noch Ameisen aß. Sie lief zu der Gattin und sagte ihr, sie wolle ihr ein Ding zeigen. Da die Frau es gesehen hatte, flüchtete sie sich mit ihren Frauen und ging wieder auf den Baum, sehr traurig und ohne zu singen.

Eines Tages, lange danach, kam Lotenge, der Vater Libanzas, zu diesem Baum und hörte die Frauen singen. Sie gefielen ihm, und er gefiel den Frauen, und er nahm sie mit sich in sein Dorf.

Sie lebten sehr glücklich, und die Zeit kam, da Nstombobelle gebären sollte. Eines Tages, da Nstombobelle auf dem Felde arbeitete, fand sie zwei Saphofrüchte, die ein Vogel hatte fallen lassen. Da sie die Früchte zubereitet hatte, schmeckten sie ihr so gut, daß sie nichts anders mehr als Saphofrüchte essen wollte. Unglücklicherweise gab es sehr wenige Saphobäume in der Umgegend, und da sich Nstombobelle nur mit diesen nährte, geschah, daß sie zu Ende waren. Da sagte Lotenge zu seiner Frau: »Warte, ich kenne einen großen Baum in der Nähe des Dorfes der Molimba; ich will dir Saphos suchen.«

Er ging und kam zum Baum, wo eine Wache stand, Fotte-Fotte genannt. Lotenge bat um Erlaubnis, die Früchte zu nehmen; Fotte-Fotte schlug es ihm nicht ab. Lotenge stieg in den Baum, der meilenbreit war, und nahm die Früchte. Da bat Fotte-Fotte, daß er ihm eine Sapho zuwerfe; doch die Frucht war ungeheuer und verwundete im Herabfallen die Wache.

Dieser rief Molimba, damit er Lotenge fange. Doch glücklich vermochte dieser zu flüchten, trotzdem er verwundet war. Lotenge brachte dann die Früchte seiner Frau Nstombobelle; sie war ihm erkenntlich und dankte ihm sehr.

Indes Nstombobelle nur noch von diesen Früchten aß, gab es bald keine mehr, und sie bat Lotenge, andere zu suchen.

Lotenge, der seine Frau anbetete, ging zu dem Baum, wo er wiederum Fotte-Fotte traf, der ihm noch einmal die Erlaubnis gab, die Früchte zu nehmen. Aber sofort rief er Molimba, Lotenge zu überraschen.

Dieses Mal hatte Molimba mehr Erfolg, und Lotenge wurde getötet.

Da die Trauerkunde im Dorfe Lotenges bekannt wurde, wollte keiner mehr Speisen zu sich nehmen, und das ganze Dorf trauerte. –

Nach einiger Zeit kehrten alle Frauen des Lotenge in ihre Dörfer zurück, ausgenommen Nstombobelle, die von Lotenge schwanger ging.

Der Tag der Niederkunft war nahe, und kurze Zeit nach dem Tode Lotenges gebar Nstombobelle Kobba.

Kobba wurde nicht wie andere Menschen geboren, sondern er kam zur Welt angetan als Krieger mit Messer und Schild.

Nachdem sie ihn geboren hatte, gab Nstombobelle das Leben an Tausende und Tausende von Schlangen, Stechmücken und anderen Tieren; alle gleich Kriegern bewehrt mit Lanzen und Schilden. Das war Kobbas Heer.

Nach ihm sollte Libanza zur Welt kommen, aber dieser sprach zu seinem Bruder Ngommingoy: »Nein, ich will, daß du der Ältere seist, komme vor mir zur Welt.«

Ngommingoy ist zur Welt gekommen, sitzend auf einem großen Thron, getragen von mehreren Sklaven. Er war glanzvoll; alle, die ihn kannten, sagten, es sei der schönste Mann, der je gelebt habe. Eine seiner Eigentümlichkeiten war, nie die Erde zu berühren, sondern immer von Sklaven sich tragen zu lassen.

Solcherart wurde Libanza geboren: Seine Mutter bat ihn, sich gebären zu lassen. Doch er wollte nicht. Das wäre zu schimpflich. Dann schlug ihm seine Mutter vor, durch die Ohren zur Welt zu kommen, doch das schlug er ab des Ohrenschmalzes wegen; durch die Nase, nein, des Schleimes wegen; durch die Augen, nein, da gibt es Tränen; durch die Hände, nein, denn die Hände sind schwarz; durch den Rücken, nein, wenn du schlafend auf dem Rücken liegst, wirst du mich töten. »Aber wie willst du denn zur Welt kommen«, frug ihn die Mutter. Er antwortete: »Durch die Nägel.« Er sagte seiner Mutter, sie möge eine Schnur nehmen und sie um die Nägel rollen, das tat sie, und Libanza kam durch den Nagel des kleinen Fingers zur Welt. Er glänzte, wie es einem höheren Wesen geziemt. Vor ihm wurde sein Thron geboren.

Als Libanza geboren war, sprach er nicht, und seine Mutter lief ängstlich zum Zauberer. Der Zauberer zündete das Bastkleid an, das die Mutter trug. Da dies Libanza sah, schrie er: »Mutter, gib acht, dein Kleid brennt.« Er streckte die Hand aus und Wasser löschte das Feuer.

Eines Tages frugen die Kinder Nstombobelle, wo ihr Vater sei, und sie war gezwungen zu erzählen, der Vater sei gestorben, weil er Holz geschlagen habe. Bald jedoch mußte sie ihnen sagen, was bei Molimba geschehen war.

Die Brüder beschlossen, daß der Baum, der des Vaters Tod verschuldet habe, nicht weiter stehen könne, und sie kamen überein, ihn zu fällen. Likenza, der Schmied, begann Äxte zu schmieden, und bald waren alle bereit.

Molimba war rasch über die Absichten Libanzas und der Brüder unterrichtet; er glaubte, sie seien nicht stark genug und sagte seinen Leuten, sie sollten ruhig bleiben.

 

So konnten Libanza und seine Männer alles nötige in Ruhe vorbereiten. Sie kamen überein, daß Kobba, weil er der älteste war, den Baum niederschlagen solle. Doch welche Überraschung, Kobba arbeitete und mühte sich mit aller Kraft, aber er vermochte selbst nicht das kleinste Stück Holz vom Baume zu schneiden. Die Zuschauer lachten, darüber geriet Kobba in Wut, kehrte in sein Haus zurück und ließ einen Regen fallen, der drei Tage dauerte. Dann bat ihn seine Mutter, den Regen aufhören zu lassen. Das tat er. Libanza hatte einen Sohn mit Namen Tserenge und Ngommingoy hatte einen Sohn, Bolingo genannt. Tserenge begann am Baum herumzuschneiden, und die Arbeit ging ein wenig voran. Da sagte Libanza, das sei keine Arbeit für einen Knaben. Libanza legte die Hand auf die Schnittwunde, und der Baum war von neuem heil.

Bolingo, der gesehen hatte, daß Tserenge so gut vorankam, sagte sich: »Was Tserenge machen kann, kann ich auch«, und so hatte er schon große Stücke abgeschnitten. Da kam Libanza und machte von neuem den Baum ganz.

Ngommingoy hatte sich eine gewaltige Axt arbeiten lassen und begann den Baum niederzuschlagen, und schon begann der Baum zu fallen, da legte Libanza die Hand auf den Baum und machte die ganze Arbeit zuschanden.

Die Leute Ngommingoys erzürnten sich darüber so sehr, daß sie über die Männer Libanzas herfielen: natürlich erwiderten diese den Angriff; viele kamen um.

Libanza rief Ngommingoy und sagte: »Mein Bruder, warum können wir nicht Freunde sein?« Ngommingoy zeigte ihm die Leichen seiner Leute und sagte, daß deswegen Freundschaft zwischen ihnen unmöglich geworden sei. »Du hast recht«, sagte Libanza, »aber wenn es nur dies ist, sieh hierher.« Er nannte die Toten beim Namen, und sie erhoben sich beim Klang seiner Stimme.

Ntsongo kam zu Libanza und sagte: »Bruder, wenn du diesen Baum fällen willst, mußt du Leopardenhaut um deine Hüften binden, und dann wird der Baum ganz allein fallen.« Der Leopard, der dies Gespräch gehört hatte, sprach: »Was, ihr glaubt also, mich töten zu können?« und er kam in der Nacht und stahl einen der Hunde Libanzas.

Libanza schickte seine Leute, den Leopard in Netzen zu fangen. Da kam Ntsongo, sprach zu ihm: »Bruder, du bist ein Mensch, der Leopard ist ein Mensch, kämpft miteinander.«

Libanza legte Lanzen und Messer zur Seite und erwartete ohne Waffen den Leoparden.

Da der Leopard auf Libanza sprang, nahm dieser ihn bei der Gurgel. Dann tötete Libanza den Leoparden, bemächtigte sich des Fells: der Baum fiel ohne einen Axtschlag.

Molambi, der zuerst nicht glauben wollte, daß Libanza den Baum zu fällen vermochte, sah es schließlich und rief all seine Leute, Libanza zu bekriegen.

Libanza, der wenig Krieger hatte, pfiff in seine Hände, und sofort wurden aus der Erde von überallher Männer geboren, zahlreich wie die Blätter der Bäume.

 

Tserenge, der Sohn Libanzas, brach auf, Molimba zu begegnen. Man kämpfte lange.

Tserenge wurde am Nacken verwundet, doch es legte Libanza die Hand auf die Wunde, und Tserenge war geheilt. Dann ließ Ngommingoy, der niemals ging, seinen Thron kommen und zog in den Krieg. Er schlug sich glänzend, und jede seiner Lanzen tötete zehn Männer. Da schickte Molimba den stärksten seiner Männer, mit Namen Ndomdomoli, heraus, der mit jeder Lanze fünf Männer zu Boden schlug. Er tötete alle Träger Ngommingoys, der zur Erde stürzte.

Molimba schleuderte alsdann eine Lanze nach Ngommingoy, und dieser starb unter seinem Baum und flog auf.

Indessen hatte Ndomdomoli keine großen Erfolge mehr, da er bald durch einen Lanzenstich getötet wurde. Da der Tod Ngommingoys bei seinen Leuten bekannt war, weinten diese, so daß die Tränen Bäche und dann Flüsse strömten. Die Tränen haben den Kongo geboren.

Der Krieg war schrecklich, so daß auf der Seite Molimbas nur er und seine Frau übrigblieben und auf der Seite Libanzas Ntsongo, Tserenge, Bolongo, Kobba und Ntsombobelle.

Libanza forderte Molimba zur Übergabe auf; dieser verweigerte sie und wollte kämpfen. Er schleuderte eine Lanze nach Libanza, doch der griff die Lanze und warf sie zur Erde, eine zweite Lanze und ein Messer gingen denselben Weg. Dann fragte Libanza, ob Molimba sich ergeben wolle, aber Molimba schlug es ab.

Dann schleuderte Libanza eine Lanze nach ihm, die kehrte zu ihm zurück mit der Mütze Molimbas, dann mit dem Gürtel, mit dem Halsband, mit den Kleidern, und bald stand jener nackt. Libanza frug ihn noch einmal, ob er sich ergeben wolle, aber Molimba verweigerte es noch immer, und dann schleuderte ihm Libanza die Lanze ins Herz.

Kobba versuchte vergebens, das Haupt Molimbas abzuschneiden; um sich zu rächen, ließ er furchtbaren Regen fallen.

Libanza hieb mit einem Schlag das Haupt ab und ließ alle Toten wieder geboren werden, außer Molimba, der ein zu großer Feind war und seinen Bruder Ngommingoy getötet hatte, der schöner war als er und auf den er eifersüchtig war.

Die Leute teilten dann untereinander alle Früchte, die sie auf dem Baume fanden, und man sagt, es seien genug gewesen, daß alle für mehrere Tage sich satt essen konnten.

Wenige Zeit nach dem Tode Molimbas beschloß Libanza, andere Orte zu sehen. Er machte sich mit seinen Leuten auf den Weg, geleitet von seiner Mutter, seiner Schwester und von Bongenje, dem Rat.

Da er mit seinen Leuten in das Dorf Toumboukous, des Einbeinigen, kam, weigerte ihm dieser den Weg.

Libanza sagte, er allein könne die Schwierigkeiten beseitigen und verschmähte die Hilfe seiner Männer. So kämpfte Libanza mit dem Einbeinigen. Dieser, wiewohl er nur ein Bein hatte, war furchtbar stark und Libanza konnte ihn nicht werfen.

Libanza schämte sich ein wenig, ging zu Bongenje und fragte ihn, was zu tun sei.

Bongenje war zwar schwach, doch schlau und sagte zu Libanza, er solle sich Bananen kaufen und sie reifen lassen. »Dann«, fügte er hinzu, »wirst du die Schalen nehmen und sie auf den Platz legen, wo du kämpfen willst.« Libanza tat, wie ihm Bongenje geraten hat und ließ dem Einbeinigen sagen, er wolle sich noch einmal mit ihm schlagen.

Toumboukou kam wieder zu ihm, und nach kurzem war er zur Erde geworfen.

Libanza frug Ntsongo, ob sie Toumboukou zum Manne wolle, aber sie schlug es mit Abscheu ab.

Libanza ging seinen Weg und kam in das Dorf einer Frau mit Namen Tokolo. Hier geschah das gleiche, wie bei dem Einbeinigen. Tokolo verbot Libanza den Durchzug. »Wie«, sagte Libanza, »ich, der Molimba tötete, der den Einbeinigen zur Erde warf, soll mich durch eine Frau aufhalten lassen?« Er schlug sich mit Tokolo.

Tokolo war eine starke Frau, es gelang ihm nicht, sie zur Erde zu werfen. So bedurfte er noch einmal des Rates seines Zauberers Bongenje.

Dieser hörte ihn an und sagte: »Unter deinen Leuten ist einer, der Schwiegersohn der Tokolo, und wenn du mit Tokolo kämpfst, so nimm ihn an dem Bein, so daß der Blick der Frau auf ihn fällt.« (Der Schwiegersohn darf niemals die Schwiegermutter ansehen und die Schwiegermutter nicht den Schwiegersohn.) Den anderen Tag, da Libanza mit Tokolo stritt, tat er, wie ihm gesagt war. Der Blick Tokolos fiel auf den Schwiegersohn; sie schämte sich dessen, wurde verwirrt, und Libanza warf sie leicht zur Erde.

Libanza nahm das Dorf in Besitz, ließ wie bei dem Einbeinigen einen Teil seiner Leute zurück und zog weiter.

Libanza kam in das Dorf der Ilongo Nkolo, der Schwester seiner Mutter, wo er wohl empfangen wurde. Eines Tages sah er Ilongo Nkolo mit drei Töpfen Palmwein, worum er sie bat. Ilongo Nkolo verweigerte sie ihm, Libanza fand das so schändlich, daß die Schwester seiner Mutter ihm solch Ding weigern könne, daß er die Tante angriff. Doch Ilongo Nkolo war eine Frau von großer Kraft, faßte Libanza am Hals und warf ihn einige Meter weit weg.

Libanza schämte und ärgerte sich zu gleicher Zeit, lief noch einmal zu Bongenje und forderte Rat.

Bongenje sagte ihm, es sei am besten, nicht mit Ilongo Nkolo zu kämpfen, da sie viele Fetische besäße. Aber Libanza wollte mit solchem Ohr nicht hören.

»Wenn du trotz allem kämpfen willst«, sagte ihm Bongenje, »wisse, daß Ilongo Nkolo, solange sie die Töpfe Öl auf der Brust trägt, unverwundbar ist. Ich will dir einen guten Rat geben. Wenn du mit deiner Tante kämpfst, mußt du sie zwingen, dreimal an den Baum zu tupfen, der sich dort befindet, wenn du dann die Töpfe berührst, die auf ihrer Brust liegen, wird ein Tropfen Öl auf ihre Brust fallen, und du wirst sie zur Erde werfen können.«

Libanza befolgte den Rat und warf Ilongo Nkolo zur Erde, so daß sie ihm die drei Töpfe geben mußte.

Da der Tag der Abreise Libanzas näher kam, rief ihn seine Mutter Nstombobelle und sagte ihm: »Sohn, ich habe dich bis hierher begleitet; doch du wirst zu schlimm, und überall kämpfst du, selbst mit deiner Tante. Weiter begleite ich dich nicht, ich bleibe bei meiner Schwester.«

Libanza reiste also ohne seine Mutter. Da Libanza zum Dorf der Ngombe (Waldmenschen) gekommen war, sagte er zu seinen Leuten, sie sollten zurückbleiben. Er verwandelte sich in einen jungen Mann, sehr häßlich und am ganzen Körper mit Wunden bedeckt. Er setzte sich auf einen Baum und wartete. Bald kamen die Leute vorüber und sahen ihn. Sie fragten ihn, wer er sei und woher er käme. Er antwortete, er sei ein Sklave und seinem Herrn entflohen.

Die Ngombe glaubten ihm und führten ihn in ihr Dorf; ließen ihn dort alle Arbeit verrichten und gaben ihm fast nichts zu essen. Nach drei Tagen hatte Libanza genug und tötete alle Leute des Dorfes. Er rief seine Leute und zeigte ihnen die Leichen.

Er weckte wieder alle Ngombes auf und gab sie seiner Schwester Ntsongo zu Sklaven.

Allmählich klang überall der Name Libanza und verbreitete großen Schrecken. So geschah, daß er eines Tages im Wald Leuten begegnete, die Palmöl bereiteten. Die Leute flüchteten und schrien: »Das ist Libanza.« »Nein«, sagte Libanza, »ich bin ein Knabe, der von seinem Herrn flüchtete«, und bat um Feuer. Die Leute glaubten ihm und kamen zu ihm in einer Piroge. Da sie alle zu ihm gekommen waren, rief er seine Leute, und sie raubten die Schiffe.

Ein andermal verbarg Libanza seine Kleider im Schurz und verwandelte sich wieder in einen Sklaven, bedeckt mit Wunden und von eklem Ansehen.

Er ging in ein Dorf und sagte, er sei ein geflüchteter Sklave und richtete sich in der Hütte ein. Da kamen in der Nacht die roten Ameisen in sein Haus. Alle Menschen flohen, ausgenommen Libanza.

»Was«, sagten die Leute, »du siehst nicht die roten Ameisen, riechst du sie nicht?«

»Nein«, sagte er, »ich sehe nichts, ich rieche nichts.« Wirklich schien es so, als sehe er nichts und rieche er nichts, da er ebenso lange wie die Ameisen blieb.

Den andern Tag begleitete er Leute des Dorfes, die Palmwein machen gingen. Er sagte ihnen: »Wie also macht ihr Palmwein? Wartet, ich will euch zeigen, wie ihr Palmwein machen müßt.« Zuerst verspotteten sie ihn und sprachen: »Was, ein kleiner Mensch, wie du bist, willst uns lehren, Palmwein zu machen?« Doch da sie sahen, wie er arbeitete, erstaunten sie; denn er allein hatte mehr Palmwein gemacht als sie alle zusammen.

Da schrie einer von ihnen: »Das ist nicht ein Mensch, das ist nicht ein Sklave, das ist Libanza«, und flüchtete.

Nachts warf Libanza seine Verkleidung ab und erschien wieder als der Mann, wie er war, schön und glanzvoll.

Da die Frauen, die mit ihm in der Hütte waren, ihn so sahen, staunten sie sehr und fragten, woher er käme. Er erzählte ihnen eine Geschichte, und bald liebten ihn die Frauen.

Am anderen Tag gaben ihm die Dorfleute ein Haus, er richtete sich mit seinen zwei Frauen ein und lebte darin.

Eines Tages, da alle weggegangen waren und im Dorf nur Libanza und die zwei Frauen geblieben waren, sagte er ihnen, sie möchten Wasser holen. Da sie in der Piroge waren, in der Mitte des Wassers, rieb er sich die Nase und war bei ihnen in der Piroge.

Die Frauen sahen und begriffen, daß es Libanza sei, und schrien. Bald kamen die Dorfleute mit Lanzen und Schilden. Man warf nach ihm mit Lanzen. Er fing sie auf und legte sie in die Piroge.

Er sah die Väter seiner Frauen, namens Iman und Imalamutu und rief, man möge ihn ruhig ziehen lassen. Doch sie wollten nicht. Er liebte die Frauen und wollte sie mit in sein Dorf führen. Man antwortete ihm mit einem Schauer von Lanzen.

Libanza forderte zum letzten Male Iman und Imalamutu auf, zu enden; doch diese verlangten seinen Tod.

Libanza zürnte sehr, nahm eine Lanze, die man nach ihm geworfen hatte, und tötete Iman, nahm eine zweite Lanze und tötete Imalamutu. An der Stelle, wo die zwei Männer gefallen sind, brach ein großer Wasserfall heraus, der noch heute strömt.

Libanza zog weiter. Da stellte sich ihm eines Tages ein Riese entgegen und schrie: »Hier geht man nicht vorbei.« Das war ein gewisser Jau-Jau. Er war furchtbar und hatte einen solch langen Bart, daß er die Erde berührte.

Libanza, der noch nie einen so häßlichen Menschen gesehen hatte, lief zu Bogengje und forderte Rat. »Nichts leichter als dies«, antwortete Bogengje, »es genügt, daß du Feuer in seinen Bart legst, und er ist besiegt.«

Libanza befolgte den Rat, legte Feuer in den Bart des Riesen und bemächtigte sich seiner. Noch einmal war Libanza siegreich.

Eines Tages rief Ntsongo den Bruder und sagte: »Ich sah ein schönes Messer in den Händen eines Knaben; ich wünsche, daß du es mir schenkest.«

Libanza wollte seiner Schwester zu Gefallen tun und suchte den Knaben. Er verlangte das Messer. Aber der Knabe verweigerte es. Libanza erzürnte und forderte Rat bei seinem Zauberer Bongengje: der sagte ihm, er solle ein Schaf töten und jedermann zum Mahl laden. Er dachte, auch der Knabe käme, und dank seiner Gefräßigkeit könne man ihm das Messer nehmen. Aber dieses Mal irrte Bongengje; Irengerengaikai ließ sich nicht fangen, Libanza konnte schön seine Schafe töten; jener blieb fern, sah die anderen essen und verspottete Libanza, der nutzlos Ausgaben gemacht hatte. Dieser wurde wütend und warf Steine nach ihm. Der Knabe floh.

Libanza bedauerte sehr, daß er seiner Schwester das Messer nicht geben konnte. Einige Zeit darnach erbat sie von ihm einen schönen Vogel mit Namen Ntoto; er mühte sich, ihr angenehm zu sein. Doch der Vogel entwischte; er suchte von neuem die Hilfe seines Zauberers; dieser erinnerte sich seines letzten Mißerfolges und wollte drum selber die Sache betreiben. Er sagte dem Vogel, er möchte sich auf einen Baum setzen. Doch wenn er sich nähern wollte, warnte der Baum den Vogel, der spöttisch sang; er befahl ihm, sich auf einen Felsen zu setzen, um zu trinken. Doch jedesmal warnten diesen rechtzeitig Fels und Wasser. Bongengje verzweifelte darüber und befahl ihm, sich zu seinem Weibchen zu begeben. Dieses Mal wurde der Vogel nicht gewarnt und wurde gefangen. Libanza war ganz glücklich, lief zu seiner Schwester, ihr den Vogel zu bringen. Aber wie war er erstaunt, da nach all diesen Mühen, die man gehabt hatte, ihr den Vogel zu schaffen, er hörte, daß sie ihn nicht mehr wolle.

Eines Tages erbat Ntsongo von Libanza einen anderen Vogel, Itsosi genannt. Da er ihn nicht fangen konnte, nahm er die drei Jungen und brachte sie seiner Schwester. Aber der Vogel, der gewaltig war, beschloß sich zu rächen, und eines Tages raubte er die drei Kinder Ntsongos.

Ein anderer Vogel, Ivotosigunda, hatte sehr lange und sehr schöne Krallen. Ntsongo bat ihren Bruder, ihr die Krallen zu verschaffen.

Der gutmütige Libanza wollte ihr die Krallen verschaffen und wurde verwundet. Trotzdem gelang es ihm, den Vogel zu fangen, doch da er ihm die Krallen abschneiden wollte, bat ihn dieser, sie ihm zu lassen. Zum Lohne wolle er ihm als Sklave dienen. Libanza willigte ein, und der Vogel blieb mit ihm.

Die Regenzeit war gekommen, der ganze Wald wurde überschwemmt. Libanza befahl seinen Männern, Pfähle einzuschlagen, die einen gegen die andern gestützt, so daß nur noch ein enger Durchgang blieb.

Da das Wasser zu sinken begann, ließ er den Abfluß schließen, und bald war der Wald mit Fischen gefüllt. Libanza wollte sie seiner Schwester geben, doch die schlug sie aus. »Gib sie unsern Männern«, sagte sie, »und wirf das übrige ins Wasser.« Libanza befolgte den Rat; hätte er es nicht getan, so hätten wir niemals Fische gehabt. –

Ntsongo hatte eine schöne Frau gesehen und sagte zu Libanza: »Nimm diese hübsche Frau; sie soll mir als Sklavin dienen oder deine Frau sein, so du willst.« Als Libanza sich der Frau nähern wollte, floh sie zu ihrem Vater. Der fragte sie um die Ursache solcher Angst. Sie sagte, sie habe Libanza gesehen; doch jener wollte es nicht glauben und befahl ihr, in den Busch zurückzugehen, um Palmöl zu ernten. »Du schickst mich in den Tod; aber wenn du es willst, gehe ich«, und sie ging. Als Libanza sie sah, näherte er sich und sagte: »Fürchte dich nicht, ich liebe dich, und du sollst meine Frau sein.« Da nahm er sie mit und befahl seiner Wache, sie wohl zu hüten.

 

Libanza hatte, um die weite Reise zu machen, sich einen kleinen Vogel mitgenommen, namens Sensery, der trug ihn, wohin er wollte.

Eines Tages tat Libanza all seine Leute, um sie nicht zu ermüden, in ein kleines Blatt, steckte es in die Nase und ging zu seiner Schwester.

Ntsongo sah Palmnüsse und bat ihren Bruder, ihr welche zu suchen. Libanza hatte ein gutes Herz und liebte seine Schwester sehr. Doch frug er sich bisweilen, warum sie immer irgendein Ding von ihm verlange. »Schwester, du liebst mich nicht. Ich bin sicher, du möchtest mich tot sehen.«

»Ja«, antwortete Ntsongo, »ja, ich will deinen Tod, du hast deinen Bruder getötet, weil du ihn beneidetest; du glaubst, daß ich dich liebe; nein, nein, nein. Du hast deinen ältesten Bruder getötet, der fast dein Vater war, und du glaubst, daß ich es nicht wage, dir zu sagen, daß ich dich hasse? Ja, ich hasse dich und werde glücklich sein, dich sterben zu sehen.«

»Du hast unrecht, meinen Tod zu wünschen, weil keiner dich zu schützen vermag als ich. Aber du willst meinen Tod, wohl, ich werde sehen.« Er begann auf die Palme zu klettern, um Nüsse zu pflücken, die seine Schwester verlangt hatte. Libanza hatte sich, ehe er aufstieg, eine große Schlange um den Hals gewunden und einige Glocken umgehängt, die jede seiner Bewegungen hören ließen.

Libanza stieg immer, aber je höher er stieg, desto größer wurde der Baum, er erhob sich so hoch, daß seine Äste bald in den Wolken schwanden, und die Menschen am Fuße der Palme konnten nicht mehr die Nüsse sehen. Dann wurde plötzlich die Palme so klein, daß Ntsongo alle die Nüsse, welche sie wollte, pflücken konnte. –

Libanza war verschwunden, da er nicht mehr mit seiner Schwester, die seinen Tod wünschte, leben wollte. Ntsongo und ihre Leute erwarteten ihn vergebens, und als sie sahen, daß er nicht wiederkehre, gründeten sie an der Stelle ein Dorf, das noch heute besteht. –

Libanza blieb in den Wolken und war nicht wenig erstaunt, dort seine Tante, die Schwester Ntsongos und seinen Bruder wiederzufinden. Seine Tante, noch mehr verwundert, fragte ihn, was ihn hierherführte. Libanza erzählte das Geschehene und sagte, Ntsongo habe seinen Tod gewollt. Seine Tante unterrichtete ihn dann über die Dinge der Luft und riet ihm, dem mächtigen Häuptling Lombo, dem König der Lüfte, zu mißtrauen.

Die Nacht war niedergefallen, und Lombo befahl, bevor er sich schlafen legte, jedermann Stillschweigen unter Todesstrafe. Libanza übertrat das Gebot und sprach mit lauter Stimme. Lombo erzürnte sich und schickte zwei Sklaven, um ihn zu töten. Aber Libanza machte einen Ruck, und einer fiel tot nieder, während der andere von Furcht erfaßt flüchtete, um seinem Herrn zu erzählen, was er gesehen. –

Lombo glaubte es nicht und schickte zwei Frauen, sich Libanzas zu bemächtigen. Er griff sie und machte sie zu seinen Sklavinnen. Da Lombo sah, daß die Frauen nicht zurückkehrten, schickte er zwei Jungfrauen hin, diese hielt Libanza gleichfalls zurück. Lombo wollte noch zwei junge Männer schicken, aber das Volk murrte und sprach: »Du willst uns wohl alle sterben lassen; siehst du nicht, daß Libanza da ist?«

Da ließ Lombo das Tamtam schlagen und versammelte all seine Männer; Libanza ließ seine Krieger aus dem kleinen Blatt, das er sich in die Nase gesteckt hatte, hervorkommen. Die Kämpfer stritten miteinander bis zur völligen Vernichtung aller Männer. –

Libanza wollte um jeden Preis siegen und befragte seinen Zauberer Bongengje, was zu machen sei. »Nimm dieses Stück Eisen«, antwortete der, »laß es im Feuer glühen, und wenn sich Lombo zeigt, um mit dir zu kämpfen, bohre es ihm in die Gurgel.«

Libanza ging sofort ans Werk; aber Lombo, der Feuer fürchtete, verschwand unter der Erde. Dann nahmen Bongengje und Libanza die Form unsichtbarer Geister an, und da Lombo zurückkehrte, gelang es Libanza, Lombo das rote Eisen in die Kehle zu bohren.

Man hörte ein Donnern im Körper Lombos, und er fiel auf den Rücken; Libanza warf sich auf ihn, ihm die Kehle zu durchschneiden, aber der König der Lüfte bat um Gnade und wurde Sklave des Siegers.

Libanza erweckte alle und machte die Männer zu seinen Sklaven.

Lombo besaß einen sehr treuen Leopard (Nkoi), der verzweifelt war, seinen Herrn zum Sklaven erniedrigt zu sehen; er beschloß, Libanza zu verderben. Er schlug diesem vor, Palmnüsse pflücken zu gehen. Libanza ahnte die schlimme Absicht, tat, als nehme er an, und blieb zu Haus. Er schlug die Erde mit einem Stab; das ganze Haus füllte sich alsbald mit Nüssen, und als der Leopard zurückkam, staunte er, Libanza mit so überreicher Ernte zurückgekehrt zu sehen.

Den anderen Tag schlug der Leopard vor, Holz zu schneiden. Von neuem tat Libanza, als nehme er an; jedoch er rührte sich nicht, schlug in seine Hände und sofort hatte er einen großen Vorrat Holz. Der Leopard konnte seinen Augen nicht trauen und suchte ein anderes Mittel, Libanza zu töten. »Bruder«, sagte er, »wir wollen Palmnüsse kochen.«

Libanza ahnte, daß der Leopard ihn töten wolle, sobald er ihm den Rücken zudrehe, legte eine Kette mit Schellen um die Hüften und sang bei der Arbeit.

Der Leopard widerstand der Müdigkeit nicht und schlief ein. Libanza hätte ihn leicht töten können; doch zog er es vor, Palmnüsse zu bereiten. Da alle bereitet waren, erwachte der Leopard und sann auf ein anderes Mittel, Libanza zu verderben. Er schlug ihm vor, Salz zu bereiten. Libanza beschloß jetzt, mit ihm zu enden; nahm noch einmal an, und als der Leopard gegangen war, verschloß er das Haus und ließ nur eine Öffnung im Dach. Der Leopard kehrte zurück und bat, eintreten zu dürfen. »Wenn du kommen willst«, antwortete Libanza, »komm durchs Dach.« Da der Leopard den Kopf durch die Öffnung des Daches steckte, warf ihm Libanza heißes Salz in die Augen, das er eben bereitet hatte. Der Leopard heulte vor Schmerz und starb. Libanza zweifelte, ob sein Feind tot sei und sagte ihm: »Wenn du wahrhaft tot bist, mögen die Zähne fallen«, und die Zähne fielen. »Wenn du wahrhaft tot bist, mögen deine Nägel fallen«, und die Nägel fielen. Libanza war des Todes des Leoparden versichert und ging.

Er traf einen großen Adler. Er nahm die kleinen Blätter, die in seiner Nase waren, und gab seinen Geist den Leuten, die darin waren. Er sagte ihm: »Bring das meiner Schwester.« Der Adler flog fort, aber da er glaubte, daß er Fleisch trage, hielt er auf dem Wege an und wollte den Inhalt der Blätter essen. Libanza war im Innern verborgen. Er erschreckte den Adler, der die Blätter fallen lassen wollte. Aber sie blieben an seinen Klauen wie angeheftet. Dann befahl Libanza dem Adler, die Blätter einem Geier zu übergeben. Der wollte gleichermaßen den Inhalt fressen, und es wurde ihm befohlen, sie einem Falken zu geben, der sie wiederum aus gleicher Ursache einem Papagei geben mußte. Der trug sie fort, aber als er schöne Palmnüsse sah, ließ er sie zur Erde fallen.

Libanza kam aus dem Versteck hervor, gab seinen Männern das Leben zurück und befahl ihnen, an dieser Stelle ein Dorf zu errichten. Ohne es zu wissen, hatte Libanza in der Nähe seiner Mutter das Dorf gebaut. Eines Tages erging er sich im Wald, wurde von einem Sklaven erkannt, der seiner Mutter eilig sagte, er habe ihren Sohn gesehen. Diese glaubte, der Sklave lüge, und ließ ihn töten.

Einige Zeit darnach bedauerte die Mutter Libanzas die Tat und sagte, der Sklave habe vielleicht die Wahrheit gesprochen. Um ihr Herz zu beruhigen, schickte sie einen anderen Mann in den Wald. Dieser sah Libanza, der versprach, die Mutter zu besuchen. Alsbald ließ sie überall Matten legen, auch auf dem Wege, den ihr Sohn gehen mußte, und ließ zu seiner Ehre ein großes Fest bereiten. Während des Aufenthalts bei der Mutter bemerkte Libanza, daß man, um Feuer zu haben, sich an Mokwikwe wenden muß, den einzigen, der es besaß. Er beschloß, sich seiner zu bemächtigen. Er ließ während mehrerer Tage regnen und nahm die Gestalt eines kleinen, durchnäßten Knaben an. Er bat Mokwikwe, sich an seinem Feuer erwärmen zu dürfen; das ward ihm erlaubt. Allein geblieben nahm er ein großes Stück Feuer, verschluckte es, ließ den Regen aufhören und trug das Feuer ins Dorf seiner Mutter.

Mokwikwe sah die Tat Libanzas und versammelte seine Männer, ihn zu strafen. Er wurde besiegt.

Libanza blieb noch einige Zeit bei seiner Mutter. Dann kehrte er in sein Dorf zurück. Anstatt ruhig zu leben, unterwarf er alle Nachbardörfer. Libanza herrschte.

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