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Der Gaukler der Ebene und andere afrikanische Märchen und Legenden

Carl Einstein: Der Gaukler der Ebene und andere afrikanische Märchen und Legenden - Kapitel 7
Quellenangabe
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typelegend
authorCarl Einstein
titleDer Gaukler der Ebene und andere afrikanische Märchen und Legenden
publisherFischer Taschenbuch Verlag GmbH
year1983
isbn3596228433
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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Boloki

Libanza

Ein Mann und eine Frau waren. Die Frau wurde schwanger. Da sie dem Gebären nahe war, wollte sie nicht mehr essen. Sie verlangte nach Safufrüchten und bat den Gatten, diese zu stehlen. Der Mann ging, brachte die Safus, und die Frau aß. Eines Tages überraschte der Besitzer den Dieb und tötete ihn.

Diese Frau gebar Libanza. Er kam zur Welt mit vielen Reichtümern; Kriegern, Sklaven, Lanzen, Messern ... Noch ganz jung, zog er in den Krieg und kämpfte gegen den Besitzer des Safubaumes, den Mörder seines Vaters. Der Mann spottete Libanzas: »Du, ein Kind, machst mir Krieg.« Libanza schlug ihn, tötete viele Leute und fällte den Safubaum.

Libanza war zur Welt gekommen mit einer Schwester, Nsongo genannt. Da er den Safubaum gefällt hatte, fürchtete ihn jedermann. Man sprach: »Wie, ein so junges Kind ist schon so stark?« Alle flohen ihn. So blieben Libanza und seine Schwester allein. Eines Tages gingen sie in den Wald, wo sie eine Palme fanden. Nsongo bat den Bruder, den Wipfel abzuschlagen.

Libanza fand eine Schlange und machte sich daraus einen Reifen, daran emporzusteigen. Doch je mehr er steigt, um so höher wächst die Palme und gipfelt, bis Libanza in ein Dorf kommt. Er setzt sich in eine Bananenpflanzung. Eine Frau kommt, sieht Libanza und will fliehen. Libanza beruhigt und bittet sie, ihren Mann zu holen, der ihn ins Haus führt.

Plötzlich läßt Ekungula-Kungula (der Herr des Donners) den Donner losbrechen: Kwurrru! Libanza ahmte ihn nach. Kwarrraraa. Jedermann floh. Ekungula-Kungula hörte und ärgerte sich: »Ich allein bin Meister hier. Wer wagt, so zu tun.« Er sandte also zwei Männer, zu suchen. Libanza tötete den einen und sandte den anderen zurück. Dann trieb er den Blasbalg der Schmiede und begann zu schmieden. Ekungula-Kungula schickte zehn Männer. Libanza sieht sie kommen. Er tötet fünf und sendet die anderen fünf zurück. Ekungula-Kungula läßt von neuem den Donner dröhnen. Libanza wiederholte Kwarrara. Ekungula-Kungula fuhr in Wut, ging. Das war ein Riese, der ganze Menschen verschlang. Libanza sah ihn ankommen und fuhr ruhig fort, ein großes Stück Eisen zu hitzen. Ekungula-Kungula näherte sich ihm, öffnete sein breites Maul, ihn zu verschlingen. Libanza riß flink den Eisenklotz vom Feuer, warf ihn in die Gurgel des Ekungula-Kungula, der sich auf der Erde wälzte und starb.

Libanza bemächtigte sich des ganzen Königreiches Ekungula-Kungulas. Er hatte einen Sohn und nannte ihn Nkati (Donner). Also auferweckte er Ekungula-Kungula und sprach zu ihm: »Du bist mein Sklave. So du den Donner tönen läßt, Kwarrara, mein Sohn wird wiederholen Kwarrara. Tue ihm nichts Übles an, so du nicht willst, daß dich Schlimmeres treffe.«

Seine Schwester Nsongo war immer unten. Sie hatte ihr Dorf mit einer hohen Palisade von Palmen umsäumt und aß vor Trauer nicht mehr. Libanza suchte sie wiederzufinden und nach unten zurückzukehren. Eines Tages sah er einen Sperber und sprach zu ihm: »Setze dich auf den First des Hauses; dort wirst du einen kleinen Pack finden; nimm und gib ihn meiner Schwester Nsongo. Aber ehe du ihn niederlegst, heiße meine Schwester Matten ausbreiten. Ich, ich gehe in den Wald.« Statt zu gehen, sammelte er Männer und Besitz, machte einen kleinen Pack daraus, trug ihn auf den First des Daches, und im Innern barg er sich.

Der Sperber sah den Pack und trug ihn fort. Unterwegs ruhte er auf einem Baum und wollte sehen, was darin sei. Libanza begann zu knurren. Da der Sperber ermüdete und den Pack lassen wollte, klammerte sich Libanza an seine Krallen. Der Sperber flog lange. Endlich kam er in Nsongos Dorf. Er rief: »Nsongo, dein Bruder schickt dir diesen Pack. Doch er befahl mir, ihn auf Matten zu legen.«

»Geh weg, Lügner, mein Bruder ist längst tot.«

»Nein Nsongo, ich lüge nicht, es ist die Botschaft des Bruders.« Nsongo staunte, ließ den Hof fegen und breitete Matten über Matten. Der Sperber wollte den Pack niederlegen, da trat daraus Libanza hervor und sprang auf die Matten. –

Libanza fuhr in einem Boot den Fluß herauf. Eines Tages legte er bei einem Dorf an. Dort traf er einen Mann und eine Frau: Ntondo und Ebesua. Libanza liebte sie und sagte dem Gatten: »Wenn ich wiederkehre, erwarte mich; ich werde dich lehren, glücklich zu leben. Doch achte wohl, meine Durchfahrt nicht zu versäumen.« Ntondo versprach zu wachen.

Da die Zeit der Rückkehr Libanzas kam, zankte Ntondo mit seinem Weib und schlug sie. Dann legte sich Ntondo unter eine Palme und schlief ein; indes setzte sich das Weib in Trauer an das Flußufer, zu weinen. Während Ntondo schlief, kam Libanza im Boot und rief Ntondo, seinen Freund; der hörte nicht. Ebesua noch immer in Zorn, hütete sich, den Gatten zu rufen, und ließ das Boot vorüberfahren. Libanza zürnte, da er sah, daß Ntondo seiner nicht warte und fuhr weiter. Da er schon weit war, weckte Ebesua den Gatten und sprach: »Da fährt Libanza, dein Freund fährt vorüber, er ruft nach dir, und du antwortest nicht.« Ntondo beeilte sich, sprang in die Piroge und rief nach Libanza. Der antwortete: »Du wachtest nicht, du hast mich nicht erwartet. Es ist zu spät, fahr fort zu arbeiten und zu mühen; du ließest das Glück vorüberziehen.«

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