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Der Gaukler der Ebene und andere afrikanische Märchen und Legenden

Carl Einstein: Der Gaukler der Ebene und andere afrikanische Märchen und Legenden - Kapitel 10
Quellenangabe
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typelegend
authorCarl Einstein
titleDer Gaukler der Ebene und andere afrikanische Märchen und Legenden
publisherFischer Taschenbuch Verlag GmbH
year1983
isbn3596228433
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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Bakubalegenden

Der Reichsapfel der Häuptlinge von Bangala

Ein Häuptling aus einem Dorf mit Namen Bangala Ganga genannt, ging eines Tages nach Zappo Lumbumba, ein Fest mitzufeiern.

Unterwegs traf er zwei sehr kleine Männer, die, anstatt ihn zu grüßen, wie man es einem Häuptling schuldet, frech vorübergingen.

Ganga hielt an und sprach: »Behauptet ihr, ihr hättet mich nicht gesehen, wohin geht ihr?«

»Wir sind dir über unser Sehen nicht Rechenschaft schuldig, sage uns zuerst, wohin du gehst.« Die Begleiter des Häuptlings waren über diese Antwort sehr erzürnt, fielen über die Fremden her und töteten sie.

Die beiden kleinen Männer waren Zauberer; da sie getötet waren, fiel der Häuptling tot um. Seine Leute erschraken sehr. »Warum ist unser Häuptling gestorben«, sprachen sie, »wir haben die Zauberer getötet, warum ist die Strafe nicht auf uns gefallen? Rächen wir uns an dem Volk der Zappo Lumbumba, woher die Zauberer kommen; sie haben sie geschickt, den Häuptling zu töten.« Sie brachen auf, bemächtigten sich einer Ziege der Zappo Lumbumba; da sie mit ihrer Beute zurückkamen, war die Leiche des Häuptlings verschwunden, und an der Stelle, wo sie den Leichnam gelassen hatten, fanden sie einen großen Berg. Sie kehrten eilig ins Dorf zurück, das Geschehene dem Volk der Bangala zu erzählen, das sich versammelte, dieses Wunder zu sehen. Kurze Zeit danach reiste ein anderer Häuptling der Bangala namens Samba Loamba auf dem gleichen Wege. Da er auf der Höhe des Berges angekommen war, schlug er die Erde mit dem Stock und rief: »Verflucht, o Berg, der einen Häuptling verschlungen hat.« Unmittelbar darnach hörte man zauberisches Lachen, der Berg verschwand, spie den Häuptling aus, an seiner Stelle blieb die große Schlucht, die man noch heute sieht.

Ursprung der Weihezeremonie (Bambala)

Es lebte einmal ein Mann, der hatte einen Sohn, und da der Junge wuchs und mannbar wurde, holte er oft Palmwein im Wald. Er trank vom Wein allein, ohne je an Vater und Mutter zu denken. Der Vater sprach zu ihm: »Warum, mein Sohn, gibst du mir niemals vom Palmwein, den du bringst?« Aber der Junge sagte: »Ich bringe niemals Palmwein, und wenn ich ihn bringe, tue ich damit, wie mir gefällt.«

So belog er seinen Vater und sprach unziemlich mit ihm. Der beschloß, ihn zu strafen. Er folgte ihm zum Wald und sah ihn Palmwein nehmen. Einmal bemerkte der Mann, da er einen dünnen Palmzweig rührt, daß dieser ein trauriges Geräusch machte. Da sein Sohn eine Öffnung in den Palmbaum machte, schnitt er ein Stück solchen Zweiges und befestigte es an einer Schnur. Er verbarg sich nach Sonnenuntergang hinter den Büschen am Weg und wartete, bis der Sohn nach Hause käme. Endlich kam der mit zwei großen Kalebassen Wein auf den Schultern. Da er ganz nahe war, begann der Vater das Werkzeug zu bewegen, das er erfunden hatte. Der Knabe erschrak furchtbar, ließ die Kalebassen fallen; aller Wein war vergossen, und der Knabe lief so schnell wie möglich ins Dorf zurück. Dies wiederholte der Vater mehrere Abende und immer mit gleichem Ende. Nach einigen Tagen sprach er zum Sohn: »Was ißt und trinkst du nicht, bist du krank?« Der Sohn antwortete: »Nein, ich bin nicht krank; aber jeden Abend, wenn ich um Palmwein für meine Mutter gehe, belauert mich ein schreckliches Gespenst und setzt mich in Schrecken und Tod.«

»Wie«, sprach der Vater, »du bist so tapfer, du, der du so dreist zu deinem Vater sprichst, ihn belügst, fürchtest ein Gespenst? Gehe mit deiner Mutter und deinem Palmwein und beleidige den Geist, wie du deinen Vater beschimpftest.« Da bereute der Sohn und bat den Vater um Verzeihung.

Den anderen Tag geisterte das Gespenst nicht mehr.

Dies ist Ursprung der Weihezeremonie der Nkanda.

Ursprung der Reibtrommel

Kashashi, die Frau des Königs Samba Mikepe, war hübsch und geschickt; doch wie die meisten Bangongo war sie lasterhaft. Eines Tages überraschte ihr Gatte sie beim Ehebruch mit einem Mann niederer Abkunft. Er war sehr erzürnt, steckte Federn des Kammadlers in die Ecken seines Mundes, warf sich auf den Ehebrecher und tötete ihn mit dem Messer. Da das Volk frug, was aus dem Mann geworden sei, antwortete Samba Mikepe, Koy Na Bula, der Leopard des Dorfes (das heißt die Reibtrommel), hat ihn verschlungen. Seitdem bringt man Menschenopfer bei dem Klang dieser Trommel dar.

Der Ursprung der Masken

Einige Zeit, nachdem Samba Mikepe sich mit Kashashi vermählt hatte, gebar diese ein Kind. Eines Tages ging sie aus dem Dorf, Wasser zu holen. Das Kind lief nach. Sie sagte ihm: »Gehe ins Dorf und bleibe bei deinem Vater, während ich Wasser hole.«

Das Kind wollte nicht gehorchen; trotz der Strafen bestand es darauf, ihr zu folgen. Da Kashashi das Kind überwachen mußte, vergoß sie das meiste Wasser auf dem Wege und war gezwungen, zum Fluß zurückzukehren; noch einmal bestand das Kind darauf, sie zu begleiten. Drohungen, Strafen, selbst vom Vater, halfen nichts. Das Kind schrie, heulte unaufhörlich, bis man ihm erlaubte, die Mutter zu begleiten. Kashashi war eine kluge Frau; die ganze Nacht überlegte sie, wie sie das Kind hindern könne, die Arbeit zu stören. Schließlich fand sie ein Mittel. In die Schale ihrer Kalebasse zeichnet sie ein Antlitz mit Farbe und häßlich. Da das Kind ihr nachlief, hielt sie die Kalebasse vor ihr Gesicht und drehte sich plötzlich um. Das Kind war erschreckt. »Das ist nicht meine Mutter, das ist ein schreckliches Gespenst«, schrie es und lief ins Dorf zurück. Das war Kashashi, Erfinderin der Masken.

Ursprung der Maske Mashamboy (Bambala)

Einst lebte in den Wassern ein Geist mit Namen Mashamboy, der das Volk mit einer Krankheit Geji heimsuchte. Die von der Krankheit befallen wurden, verloren das Augenlicht, fielen nieder, als wären sie trunken und starben. Da Bo Kena Häuptling war, ging ein Mann mit Namen Bokoboko in den Wald und sah plötzlich diesen Geist. Voller Furcht rannte er ins Dorf und erzählte dem Häuptling, was er gesehen. Bo Kena befahl ihm, den Geist zu beschreiben. Bokoboko sagte: »Er ist so schrecklich, daß ich ihn nicht mit Worten beschreiben kann. Aber gib mir Zeit und Mittel, ich will ihn dir bilden.« Bo Kena willigte ein. Bokoboko baute eine Hütte fern vom Dorf und begann die Arbeit. Er forderte Baststoff, Vogelfedern und das Fell einer größeren Fledermaus. Bo Kena gab ihm die beiden ersten Dinge, befahl den Leuten des Dorfes, eine Fledermaus zu fangen und schickte ihm das Tier. Bokoboko verfertigte eine Maske, die Mashamboy glich; er nahm zwei Bäume, gewann zwei Farben, die eine gelb und die andere schwarz; mit diesen Farben und der weißen Erde bemalte er die Maske, die er gebildet hatte. Aus dem Reststoff fertigte er ein Gewand, womit er den Körper bedeckte. Dies Gewand war schmiegsam und lag genau dem Leibe an. Es bestand aus kleinen Dreiecken von Tuch, die weiß und schwarz gefärbt und aneinandergenäht waren. Nachdem er dies beendet, zeigte er es dem König. »Ah«, sagte der König, »gerade dies brauche ich.« Einige Tage später verschwand der König. Seine Frauen und Untertanen beweinten seinen Tod und fragten: »Wo ist der Nijmi?« Da die Sonne eingeschlafen, erschien ein seltsam Ding; im Dorf hatte man nie vorher gleiches gesehen. Das war der König, mit der Maske Mashamboy bekleidet; keiner erkannte ihn. Er tanzte einher und schreckte Frauen und Kinder, und endlich verschwand er. Er legte Maske und Gewand im Busch ab und verbarg sie sorgfältig. Dann ging er wie gewöhnlich gekleidet in sein Dorf, wo er freudig begrüßt wurde. Frauen und Kinder sprachen ihm von dem schrecklichen Gespenst, das sie gestern gesehen hatten. »Ich weiß, was es war, das war Mashamboy, der uns den Geji gibt. Er kam, um zu sehen, ob in dem Dorfe nicht zänkische Frauen und schlimme Kinder sind. Wenn er solche gefunden, hätte er die schreckliche Krankheit geschickt.« So erschraken die Frauen und Kinder und versprachen, ruhig und gehorsam zu sein.

Der Ursprung des Eisens

Eines Tages fand Woto einen großen Stein, den Bumba, der Gott, ausgeschieden hatte. »Was ist dies?« frug er. Das Volk antwortete: »Das ist das Ausgeschiedene Gottes.« Woto befahl, daß es zum Dorf getragen und verehrt werde. Die folgende Nacht schaute Woto Bumba im Traum; er sprach zu ihm: »Ihr habt weise gehandelt, da ihr alles, was von mir kommt, verehrt; selbst mein Ausgeschiedenes. Zum Lohn will ich euch lehren, wie man sich dessen bedient.« Also wies Bumba, Woto, Eisen aus Gestein zu ziehen.

Wie man das Feuer entzündete

Unter der Herrschaft Muchu Mushangas lebte ein Mann mit Namen Kerikeri. Eines Nachts träumte er, Bumba sei gekommen, ihn zu sehen und weise ihm, einen bestimmten Weg zu gehen, Zweige eines gewissen Baumes zu brechen und sie sorgsam zu bewahren. Er tat es, und da die Zweige ganz trocken waren, erschien Bumba ihm von neuem im Traum, wünschte ihm Glück ob seines Gehorsams und wies ihm, durch Reiben Feuer zu machen. Kerikeri bewahrte das Geheimnis, und als durch Zufall alle Feuer des Dorfes erloschen waren, verkaufte er den Nachbarn Feuer um hohen Preis. Alle Klugen und Schlauen versuchten das Geheimnis zu lösen, doch jener wahrte es sorgsam.

Muchu Mushanga besaß eine schöne Tochter mit Namen Katenga; er sprach: »Wenn du das Geheimnis dieses Mannes zu entdecken vermagst, wirst du geehrt sein und wie ein Mann unter den Alten sitzen.« Katenga lockte Kerikeri, und er verlor sich in Liebe zu ihr. Da Katenga dies sah, befahl sie, daß alle Feuer des Dorfes erlöschten, und schickte einen Sklaven, Kerikeri zu melden, er möge sie den Abend in seiner Hütte erwarten. Da alles schlief, glitt sie zu seiner Hütte und klopfte an die Tür. Die Nacht war ganz dunkel. Kerikeri ließ sie ein.

Sie setzte sich und schwieg. Der Verliebte frug: »Warum sitzt du stumm Katenga? Liebst du mich nicht?« Sie erwiderte: »Wie kann ich an Liebe denken, wenn ich in deinem Hause zittere. Geh, suche Feuer, daß ich dich sehe und mein Herz sich hitze.«

Kerikeri lief zu den Nachbarn, Feuer zu beschaffen, doch diese hatten ihre Feuer gelöscht und jener kam zurück, er hatte keines gefunden. Vergebens bat er Katenga, von ihrem Verlangen zu lassen, sie bestand, daß er Feuer entzünde. Endlich gab er nach, suchte die Stäbe und bereitete Feuer, während sie aufmerksam zuschaute. Da lachte sie und sprach: »Dachtest du, daß ich, eines Königs Tochter, dich liebte um deiner selbst willen? Nur dein Geheimnis verlangte mich zu sehen, und da das Feuer jetzt errieben, kannst du durch einen Sklaven es löschen lassen.« Also erhob sie sich, verließ die Hütte, kündete dem ganzen Hof die Entdeckung und sprach zu ihrem Vater: »Wo ein mächtiger König strauchelt, gewinnt ein listig Weib.«

Das Licht

Da Woto Moelos Dorf verließ, war keine Sonne; es gab keine. Moelo war durch die Dunkelheit verwirrt; er klagte, so er heirate, könne er nicht sehen, ob das Weib schön oder häßlich; so er eine Frucht pflücke, könne er nicht sehen, ob sie reif sei oder nicht; wenn ein Mann sich ihm nähere, könne er nicht sagen, ob Freund oder Feind. So rief er drei seiner Leute und sprach zu ihnen: »Warum erlaubte ich Woto, das Dorf zu verlassen? Er ist geschickt und hätte gewiß ein Mittel gegen die Dunkelheit gefunden. Geht und findet ihn; bittet ihn, das Unrecht zu vergessen, das mein Sohn ihm angetan, und uns Mittel zu geben, in Helle zu sehen. Damit eure Sendung gelinge, meidet Streit und verweilet nicht, zu fischen. Merkt auf, gehet nicht fehl, versäumet euch nicht und fischet nicht an den Flüssen.« Also reisten die drei Männer, die Kalonda, Binga und Buimba hießen, auf die Suche nach Woto. Sie gingen, sie gingen, bis sie zu einem großen Ufer kamen, und Binga sprach: »Laßt uns verweilen und fischen.« »Nein«, erwiderten die anderen, »gedenkest du nicht der Worte Moelos?« Binga wollte sie nicht hören, schalt sie und begann trotz ihrer Gegenrede zu fischen. So sahen Kalonda und Buimba, unnütz sei es, die Reise fortzusetzen und kehrten zu Moelo zurück. Da sie ankamen, frug Moelo: »Habt ihr das Licht gebracht?« »Nein«, erwiderten sie, »Binga mißachtete dein Gebot, er stritt mit uns und hielt zu fischen an; so war es unnütz, weiter zu gehen, und wir kehrten zurück.« Darum schlug Moelo Binga und sagte: »Du gehst nicht mehr mit den anderen.« Er wandte sich zu Kalonda und Buimba: »Reiset nochmals auf Suche nach Woto und nehmt anstatt Bingas meinen Hund.« So machten sie sich wieder auf den Weg, diesmal mit Moelos Hund.

Da sie zum Ufer kamen, bauten sie ein Boot und begannen zu fahren, bis sie kamen, wo die Ufer von hohen Felsen umschlossen waren. »Was sollen wir tun?« sagten sie, »diese hohen Felsen hindern uns zu landen.« Kalonda fiel ein, den Hund suchen zu lassen; wo des Menschen Weisheit endet, beginnt die Klugheit des Tiers. Wirklich fand der Hund einen engen Pfad zwischen den Felsen, und die Männer folgten. Sie kamen zum Ort, wo Woto war. »Was wollt ihr«, sprach Woto, »ihr Leute Moelos habt mich von meinem Haus verjagt, könnt ihr mich nicht in meiner Zuflucht friedlich lassen, wohin ich kam, meine Schande zu bergen?«

»Dein Bruder«, erwiderten sie, »ist sehr unglücklich; er klagt, so er eine neue Frau nähme, nicht sehen zu können, ob sie hübsch sei oder nicht; so er Früchte pflückt, kann er nicht sehen, ob sie reif sind oder nicht; so ein Mann sich ihm nähert, kann er nicht sagen, ob es Freund oder Feind ist. Er bittet Euch zu gedenken, daß Ihr von der gleichen Brust kommet und ihm im Elend zu helfen.« Woto sagt: »Geht schlafen.« Den anderen Tag ruft er sie und gibt ihnen drei Vögel: einen Kuckuck, einen Hahn und einen Japodya. »Bringt diese Vögel meinem Bruder, und wenn ihr in sein Dorf kommt, laßt sie fliegen und geht schlafen. So ihr den Kuckuck hört sagen Ku Ku, rührt euch nicht; so ihr den Hahn rufen hört Katariko, rührt euch nicht; so ihr aber den Japodya schreien hört Zuaa, Zuaa, dann öffnet eure Hütten und schaut.«

Sie nahmen die Vögel, kehrten zu Moelo heim, und man tat, wie Woto geboten. Den anderen Tag schrie der Kuckuck, und niemand wich; dann hörte man den Hahn schreien Katariko, und niemand wich. Der Himmel nahm eine rötliche Farbe und die Dinge wurden sichtbar. Da der Japodya sang Zuaa Zuaa, öffneten sie die Türen ihrer Hütten und sahen das schöne Aufstehen der Sonne glänzen.

Der Palmwein

Zur Zeit der Schöpfung war ganz nahe der Gegend, wo die Bushonge wohnten, ein großer See, und dieser See enthielt Palmwein, nicht Wasser; jedesmal, wenn einer dürstete, ging er, Wein zu schöpfen. Eines Tages pißte Nanchamba, ein Weib, in den See. Doch wurde sie von Boyo Bumba, einem Manne, gesehen; der sprach: »Schämst du dich nicht, den See zu besudeln, woraus alle trinken? Ich sage den Dorfleuten, was du getan hast.« Er tat es, und alle sprachen, sie tränken den Wein des Sees nicht mehr. Den anderen Tag kehrte Boyo Bumba in das Dorf zurück und sagte: »Seht, wie wir für das Vergehen des Weibes gestraft sind, der See ist vertrocknet.« So war es; der See war verschwunden, und an seiner Stelle war eine Schlucht, worin man vier unbekannte Arten junger Bäume sah. Sie nannten die Bäume Shamba, Mibondo, Ikori und Djana. Doch achteten sie ihrer nicht und beweinten den Verlust ihres Sees. Die Jahre vergingen. Die Bäume wuchsen breit auf und wuchsen, wo der See gewesen, zum Wald. Eines Tages sprach Bunyi, ein Motwa, zu sich: »Wohin ist der See gegangen; ist er nicht von den Bäumen aufgesogen? Ich will in sie ein Loch machen, und ich werde sehen, wem ihr Saft gleicht.« Er ging, kletterte auf einen Baum und machte ein Loch bei der Spitze; aber es floß kein Saft. Er kehrte heim, entschlossen, das Suchen aufzugeben; in einem Traum erschien ihm ein Mann und sprach: »Ein guter Einfall gilt nicht ohne Ausdauer. Geh und versuche noch einmal.« Den andern Tag ging Bunyi zu dem Baum und sah einen dünnen Faden Saft, der aus dem Loch floß, das er gebohrt; er kostete und fand Süßes; so hing er ein Gefäß auf, die Tropfen zu sammeln und kehrte zum Dorf zurück, doch sprach er nichts von seinem Fund. Jeden Tag nahm die Menge des Saftes zu, wurde stärker, und jeden Tag hatte er ein größeres Gefäß hinzusetzen, das Fließende zu sammeln. Eines Tages, da er den Inhalt seines größten Gefäßes getrunken hatte, kam er trunken in das Dorf; er belästigte viele und wurde vor den Nyimi gebracht. Der Nyimi befrug ihn um die Ursache seines sonderlichen Betragens, doch Bunyi verweigerte Auskunft, wenn nicht im Geheimen. Dies war bewilligt, und da er seine Geschichte erzählt, schickte der König einen Boten, zu prüfen, ob er wahr gesprochen. Da die Erzählung erwiesen wurde, verkündete der Nyimi dem Volke das Geheimnis und alle gingen Palmkerne zu sammeln und pflanzten sie im ganzen Land.

Der Selbstmord

Badja, ein Mann, ging mit seinem Sohn in den Wald. Der Sohn starb plötzlich im Walde, und der Vater kehrte allein in das Dorf zurück. Da er kam, frugen ihn die Leute: »Badja, wo ist Euer Sohn?« Er erwiderte: »Er liegt tot im Wald.« »Wie«, antworteten sie, »du läßest deinen Sohn im Wald sterben und wagst es, dich noch im Dorf zu zeigen; unverzüglich kehre in den Wald zurück und lasse dich hier nicht mehr sehen.« Also ging Badja wieder in den Wald, irrte umher und wußte nicht, wie sich lassen. Endlich schrie er: »So will ich nicht mehr leben; wie kann ich sterben?« Er nahm eine lange Liane, knüpfte das eine Ende an einen Ast, kletterte hoch und rollte das andere Ende um den Hals. Als er dies getan, schleuderte er sich ins Leere.

Succubus

Es waren zwei Brüder, Ganda und Lusumba; sie hatten eine Schwester. Sie lebten zu dreien im Wald, fern von allen in einer einfachen Hütte, wie es damals Brauch war. Eines Nachts kam ein Geist und verband sich der Schwester; sie wurde schwanger. –

Da Bruder Ganda es wahrnahm, ging er zum Bruder und sprach: »Lusumba, welche Schmach, du hast unsere Schwester geschändet.« Dieser wies die Anklage zurück und beschuldigte Ganda. So dauerte Zwietracht; ein jeder war von der Schuld des anderen fest überzeugt. Alle drei starben in Schande.

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