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Der fünfzehnte November

Ludwig Tieck: Der fünfzehnte November - Kapitel 1
Quellenangabe
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typenovelette
authorLudwig Tieck
booktitleTiecks Werke   Zweiter Band
titleDer fünfzehnte November
publisherLeipzig und Wien. Bibliographisches Institut
seriesTiecks Werke
volumeZweiter Band
editorLudwig Klee
firstpub1827
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090406
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Einleitung des Herausgebers.

Die Novelle »Der fünfzehnte November« erschien zuerst 1827 in der »Dresdener Morgenzeitung« (herausgegeben von Kind u. Kraukling) Nr. 37 49, d. i. vom 5.-26. März, und wurde 1828 in Buchform veröffentlicht. Im 7. Bande der siebenbändigen Ausgabe der »Novellen« (Berlin, Reimer), hinter der Novelle »Glück gibt Verstand«; spätere Auflagen, vom Dichter selbst besorgt, 1845 (»Schriften«, Bd. 19) und 1853 (»Novellen«,Bd. 3). Geschrieben ist sie zu Anfang des Jahres 1827; »im Winter« (Januar oder Februar) las Tieck sie seinem Freunde Karl Förster aus dem Manuskript vor. Förster, »Biographische und litterarische Skizzen«, S. 331. Die Veranlassung zu dieser Dichtung gab nach Köpkes Mitteilung »Ludwig Tieck«, Bd. 2. S. 154. ein Kupferstich in einem holländischen Buche, der eine Überschwemmung darstellte. Ob dies die einzige Quelle war, aus der Tieck den Stoff schöpfte, muß dahingestellt bleiben, »Nach der mir bekannten Gewohnheit und Sinnesweise Tiecks«, sagt Hermann von Friesen, »Erinnerungen eines alten Freundes«, Bd. 2, S. 327. »bin ich überzeugt, daß die Novelle nicht ein völlig selbständiges Produkt seiner Phantasie ist. Auch darf ich ... versichern, daß Kenner der geheimnisvollen und oft wunderbaren Seelenzustände von Gemüts- und Geisteskranken an dem Ahnungsvermögen des thörichten Fritz-Wilhelm, an seiner riesenhaften Körperkraft und seiner plötzlichen, überraschenden Heilung nicht den mindesten Anstoß nahmen. Daß aber der Zweifel hier ebensowenig am Platze sein würde, als das Grübeln über den möglichen Zusammenhang, darüber gibt uns der Dichter im Verlauf der Erzählung Winke von genügendem Gewicht. Man mußte es auch nur in wiederholten Gesprächen mit Tieck erfahren haben, wie sehr er es liebte, die stillwirkende und geheimnisvolle Macht der göttlichen Schöpfer- und Vaterhand in der Natur sowohl als in dem menschlichen Gemüt mit Hingebung zu betrachten, um ihm in der Neigung zu solchen Schilderungen zu folgen. Wenn der blödsinnige Fritz-Wilhelm in dem Instinkt der Tiere ebenso wie in anderen Äußerlichkeiten, die wir in der Gewohnheit, sie immer vor uns zu sehen, kaum noch beachten, Gott sieht und erkennt, so ist die unmittelbare, geheimnisvolle Wirkung des Ewigen ebenso klar und unzweifelhaft in den Erlebnissen eines alten Hausfreundes, des Schiffskapitän Thomas, in seiner treuen Freundschaft zu den Eltern des Kranken und in seiner Neigung zu der Tochter einer Jugendgeliebten. Oder dürften wir sie weniger sehen in der stillen Liebe des jungen Mädchens zu dem Unglücklichen, dessen Heilung kaum wahrscheinlich scheint, und endlich in der Gewalt, welche die sanfte Elsbeth über das verdunkelte Gemüt des armen Fritz-Wilhelm ausübt?«

Allerdings hat Tieck durch den Titel Anlaß gegeben, an die berüchtigten Unglückstage der Schicksalsdramatiker Werner und Müllner zu denken und irgend einen fatalistischen Sinn oder Unsinn zu argwöhnen, der in Wirklichkeit jedoch gar nicht vorhanden ist; aber wenn auch die Hervorhebung des Datums kein glücklicher Griff des Dichters ist, wenn auch die Lösung des Knotens durch ein Ereignis geschieht, das nahe an das Gebiet des Wunders streift, so könnte doch nur eine engherzige Kritik eine Verwertung des Seltsamen schelten, wenn sie so wenig dem dichterisch Schönen widerstreitet wie hier. Nicht eine fatalistische Spukgeschichte bietet der Dichter, sondern eine einfache und doch reizvolle, rührende Erzählung, tiefsinnig und von religiöser Wärme, mit prächtigem Humor vorgetragen, reich an trefflich gezeichneten Charakteren und eigenartigen Stimmungsbildern. Unter jenen steht scheinbar fremdartig der deutsche Windbeutel Sommer da, der indes einen sein berechneten Gegensatz zu dem rauhen, aber tief empfindenden, wahrheitsliebenden Seemann bildet, und in dem Tieck seiner Vorliebe, die Verlogenheit zu geißeln, genugthut. Im ganzen wird man sich ohne Bedenken den Kritikern Hoffmann, Minor, Hermann Kurz u. a. anschließen, welche die vorliegende Novelle zu den vortrefflichsten Schöpfungen unsers Dichters rechnen. Der Lokalton und die Zeitfärbung   die in Holland spielende Begebenheit wird in die zweite Hälfte der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts verlegt   sind so schön getroffen, wie es Tieck nicht häufig gelingt.

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