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Der Friede

Aristophanes: Der Friede - Kapitel 3
Quellenangabe
typecomedy
authorAristophanes
titleDer Friede
sendertschosie@gmx.de
created20030501
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Zweiter Act

Erste Scene

Trygäos, der mit Opora und Theoria in sein Gehöft sich niedergelassen hat. Der Chor. Ein Knecht.

(Die Scene ist wie im Anfange es Stückes.)

Trygäos
Wie schwierig war die Reise doch in's Götterland!
Mir thun die Beine schmerzlich weh vor Müdigkeit.
Klein sahet ihr von oben aus: mir kamet ihr,
Aus Himmelshöh'n gesehen, niederträchtig vor,
Von hier indeß um Vieles niederträchtiger.

(Ein Knecht kommt aus dem Hause.)

Der Knecht
Herr, kamst du wieder?

Trygäos                             Wie man eben sagte, ja.

Der Knecht
Wie ging es dir?

Trygäos                 Vom weiten Wege schmerzen mir
Die Beine.

Der Knecht     Nun erzähl mir einmal –

Trygäos                                               Wovon?

Der Knecht
Gewahrtest du noch andre Menschen außer dir,
Die durch die Luft sich trieben?

Trygäos                                         Nichts, als etwa nur
Dithyrambendichterseelen, zwei bis drei vielleicht.

Der Knecht
Was thaten die?

Trygäos                   Sie pflückten Verse sich im Flug
Von jenen Himmelslüfteleichtdurchschwimmenden.

Der Knecht
So sahst du nichts mir im Aether, was man sagen hört,
Daß wir zu Sternen werden, so wie Einer stirbt? Nach der Vorstellung einiger alten Weisen war die Seele des Menschen aus dem himmlischen Feuer entstanden oder ein Theil des feurigen Weltgeistes, und kehrte nach dem Tode des Leibes dorthin als Gestirn zurück.

Trygäos
Ei, wohl!

Der Knecht     Und wer ist droben jezt als Stern zu sehn?

Trygäos
Der Chier Ion, welcher hier auf Erden einst Ion, ein Tragödiendichter und Dithyrmbensänger aus Chios, der um die 82ste Olympiade lebte. Der Hymnos, auf welchen hier angespielt ist, begann mit den Worten: "den Morgenstern, den lustdurchwandelnden, weißbeschwingten Vorläufer der Sonne, erwarten wir." Der Scholiast.
Den Morgenstern gedichtet; als er kam, sogleich
Begrüßten Alle droben ihn als Morgenstern.

Der Knecht
Was sind denn das für Sterne, die so lichterloh Der Knecht meint die Sternschnuppen.
Und kreuz und quer hinschießen?

Trygäos                                             Das sind Sterne, die
Vom Schmaus bei einem reichen Stern nach Hause geh'n,
Laternen tragend und ein Licht in jeglicher.
Nun aber führe diese da geschwind hinein,
(auf Opora zeigend)
Spül' aus die Badewanne, mache Wasser heiß,
Und rüst' ein bräutlich Lager dann für mich und sie.
Wenn dies gethan ist, kehre gleich hierher zurück;
Ich send' indessen diese da dem weisen Rath.

Der Knecht
Woher bekamst du denn die Zwei?

Trygäos                                               Vom Himmel her.

Der Knecht
So geb' ich um die Götter keinen Deut hinfort,
Wofern sie Dirnen halten, wie wir Sterblichen.

Trygäos
Das nicht, indeß lebt Mancher wohl auch dort davon.

Der Knecht (zur Opora)
Nun, geh'n wir also!
(zu Trygäos.)             Sage mir: ich geb' ihr wohl
Zu essen?

Trygäos         Gar nichts; denn sie hat wohl keine Lust
Nach Brod und Kuchen, da sie bei den Himmlischen
Dort oben stets Ambrosia zu lecken pflegt.

Der Knecht
So tisch' ich auch hier unten was Leckres auf!
(ab mit Opora.)

Zweite Scene

Die Vorigen ohne den Knecht.

Der Chor
Ein seliges Loos ist jezt,
Das sehen wir deutlich hier,
Dem Alten gefallen!

Trygäos
Wie, wenn ihr erst als Bräutigam mich seht in vollem Glanze?

Der Chor
Dann bist du beneidenswerth,
Bist wieder ein Jüngling, Greis,
Umduftet von Myrrhen.

Trygäos
Gewiß: und wenn ich, ihr gesellt, an ihre Brust mich schmiege –?

Der Chor
Beglückter dann, als Karkino's Drehmännchen, bist du wahrlich. Ueber die Tänzerfamilie des Karkinos.

Trygäos
Und nicht mit Recht, nachdem ich auf das Käferroß gestiegen bin,
Und Hellas' Retter wurde, daß sie allzumal
Auf ihren Aeckern ungestört der Ruh' und Liebe pflegen?

(Der Knecht kommt ohne Opora aus dem Hause zurück.)

Dritte Scene

Die Vorigen. Der Knecht.

Der Knecht
Das Mädchen ist gebadet; vorn' und hinten schmuck.
Gar ist der Kuchen, Sesamon darauf gestreut, Vom Genusse der Sesamkuchen versprach sich der Bräutigam fruchtbaren Segen.
Auch alles Andre fertig; nur das Männchen fehlt.

Trygäos
Wohlan, so laß uns ungesäumt Theoria,
Die da, dem Rathe bringen.

Der Knecht                             Wer ist diese denn?

Trygäos
Theoria, dieselbe, die wir ehedem,
Nach Brauron ziehend, halbberauscht herumgezaust, – In Brauron, einem Städtchen Attika's unweit Marathon, feierte man, außer den jährlichen Brauronien, alle fünf Jahre ein wildes Bacchosfest. Trunkene Männer brachten Lustdirnen hin, und gesellten dem Bacchos die Aphrodite.
Du weißt, sie ließ mit Mühe nur sich fangen.

Der Knecht                                                     Herr,
Was die für jubeldicke Hinterbacken hat! "jubeldick," d. i. so groß, wie die fünfjährige Festfeier.

Trygäos (gegen die Zuschauer)
He, wer von euch denkt ehrenhaft? Wer, sagt mir an,
Wer wird mir die bewahren für den hohen Rath?
(zu dem Knecht)
Was zirkelst du dort?

Der Knecht                     Auf das Spiel der isthmischen
Landenge, Herr, beleg' ich einen Plaz für mich.

Trygäos (an die Zuschauer)
Wer will sie uns bewahren? Schweigt ihr immer noch?
(da Niemand sich meldet, nimmt er sie bei der Hand.)
Komm du; vor Allen stell' ich hier zum Pfand dich aus!

Der Knecht (auf die Zuschauer zeigend)
Da drüben winkt ihr Einer!

Trygäos                                   Wer?

Der Knecht                                     Ariphrades; Ueber den Wüstling Ariphrades vgl. "Die Ritter".
Er bittet, ihm sie zuzuführen.

Trygäos                                     Nein, du Thor!
Der, über sie herfallend, schlappt die Supp' ihr aus.
(zu Theoria)
Auf, lege schleunig dein Geräth zur Erde hin!
(sie entkleidet sich)
Rathsherrn, Prytanen, schauet hier Theoria!
Seht, was von mir euch Süßes hier geboten wird:
Wenn ihr die runden Beinchen ihr nach oben hebt,
So schließt der Opfer Stätte sich von neuem auf.
Auch seht die Opferküche hier, wie schön gebaut;
Von Rauch geschwärzt ein wenig: denn vor Zeiten stand,
Bevor der Krieg war, hier des Rathes Kochgeschirr.
Da könnet ihr gleich morgen, wenn sie euer ist,
Ein herrlich Wettspiel halten im Verein mit ihr:
Ihr könnt am Boden ringen, auf vier Füßen stehn,
Und zum Gesammtkampf eingesalbt, mit Jugendkraft
Einhauen, bohren, mit der Hand und – wie ihr wollt.
Ein Pferderennen stellet ihr am dritten an,
Wo Renner neben Renner um die Wette jagt,
Wo Wagen über Wagen stürzt in wildem Flug,
Und keuchend, schnaubend, athemlos zu Ziele rast:
Doch andre Wagenlenker, die am Bug der Bahn
Das Haupt zerschellen, liegen schlaff dahingestreckt. –
Wohlauf, Prytanen, hier empfangt Theoria!
(er schickt die Theoria zu den vordersten Bänken, wo die Rathsherren sizen.)
Seht, wie gefällig der Prytan sie dor empfängt!
Ja, wenn du sie mit leeren Händen in den Rath Die Prytanen führten vor, wer bei'm Rathe der Fünfhundert Schuz und Recht suchte; sie ließen sich aber gut dafür zahlen. Kam Einer mit leerer Hand, so wandten sie einen Feiertag vor; denn an Feiertagen ruhten Geist und Hand von Rechtsgeschäften. Trygäos aber meint zugleich, sie hielten still die Hand vor, um eine Gabe zu empfangen.
Einführen müßtest, hielt'st du still die Hände hin!

Der Chor
Wohl macht sich um alles Volk
Als redlicher Freund verdient
Ein Bürger, wie du bist!

Trygäos
Ja, trüget ihr die Trauben heim, wie prieset ihr Trygäos!

Der Chor
Nun liegt es am Tage: ja,
Du wurdest für alle Welt
Ein Helfer und Retter!

Trygäos
So sage, wenn vom neuen Most ein Schlückchen du getrunken.

Der Chor
Ja, nach den Göttern werden wir dich stets den Ersten achten.

Trygäos
Von großem Werthe bin ich euch,
Trygäos ich von Athmone,
Der aus so schwerem Ungemach erlöst das Volk
In Stadt und Land, und deinen Muth, Hyperbolos, gebrochen.

Der Chor
Auf, sage, was ist weiter noch von uns zu thun?

Trygäos
Die Göttin hier mit Opfertöpfchen einzuweihn. Altäre und Bilder von Gottheiten niederen Ranges wurden nicht mit größeren Opfern, sondern mit Töpfen voll Hülsenfrucht oder Hirsebrei eingeweiht.

Der Chor
Mit Opfertöpfchen, wie ein zürnend Hermeslein? Hermessäulen standen auf den Gassen und vor den Eingängen der Häuser.

Trygäos
Wie meint ihr sonst? Schlachtstiere nähmt ihr lieber wohl?

Der Chor
Schlachtstiere? Nein! Da müßten wir zu Schlacht hinaus.

Trygäos
So nehmt ein fettes, großes Schwein!

Der Chor                                               Nein, nein!

Trygäos                                                                 Warum?

Der Chor
Da gäb' es eine Schweinerei des Theagenes. Theagenes war nach dem Scholiasten ein fetter, fleischiger und weichlicher Mensch.

Trygäos
Womit denn anders soll's gescheh'n?

Der Chor                                             Mit einem Schaf.

Trygäos
Mit einem Schaf?

Der Chor                   Ja.

Trygäos                          Liebst du denn der Schafe Laut:
"Bä bä"?

Der Chor       Es paßt mir eben, daß im Rath des Volks,
Wenn Einer räth zum Kriege, dann die Leute rings
Bäbä'n und beben, Schafen gleich, in heller Angst –

Trygäos
Ganz wohl gesprochen!

Der Chor                           Und daß sie sonst auch milde sind.
Dann sind wir friedsam unter uns, wie Lämmer sanft,
Und gegen unsre Bündner noch vie freundlicher.

Trygäos (zu dem Knecht)
Wohlan, so bringe nur geschwind ein Schaf herbei;
Ich schaff' indeß uns einen Opferherd heraus.

(Trygäos und der Knecht eilen in's Haus.)

Der Chor
Wie Alles, was ein Gott verhängt, was das Glück begünstigt,
Nach Wunsche sich fügt, und in passender Zeit
Sich Eins mit dem Andern vereinigt!

Vierte Scene

Trygäos. Der Chor. Später der Knecht.

Trygäos (den Altar heraustragend)
Wohl eint sich Alles sichtlich: sieh, schon ist der Altar draußen.

Der Chor
Nun eilet, so lange der Wind,
Der frisch fortwehte den Krieg,
Noch bläst, von den Göttern gesendet!
Denn sichtbar führt das Geschick
Uns jezt zum Heile wieder.

(Der Knecht bringt die Opfergeräthe.)

Trygäos
Hier ist der Korb mit Gerste, hier der Kranz, das Opfermesser,
Selbst auch das Feuer hier, und nur das Schaf zum Opfer fehlt uns.

Der Chor
So lauft doch um die Wette, lauft!
Denn sähe Freund Chäris euch, Chäris, ein schlechter Flötenspieler, der sich überall einstellte, wo es etwas zu essen gab.
So käm' er ungelade, uns
Zu flöten, und dann gäbet ihr
Ihm, wenn er bläst und sich zerquält,
Was drein, ihn zu schweigen.

Trygäos (zu dem Knecht)
Wohlan, den Korb nimm und das Wasserbecken hier, Der Korb mit gerösteten Gerstenkörnern und das Becken mit dem Weihwasser waren nothwendige Erfordernisse bei'm Opfer.
Und wandle schnell zur Rechten um den Opferherd.

Der Knecht (herumwandelnd)
Was soll ich weiter? Rede! Sieh, ich bin herum.

Trygäos
Auf denn, ich nehme diesen Brand und tauch' ihn ein. Mit einem in das Weihwasser getauchten Feuerbrande wurden der Altar und die Umstehenden vor dem Opfer besprengt.
Du schwing' ihn hurtig!
(zu dem Chorführer:)       Reiche du die Gerste dar;
(zu dem Knecht:)
Auch dich besprenge, wenn du mir den Brand gereicht,
Und unter's Volk hier wirf den Gerstensamen.

Der Knecht (Gerste auswerfend)                             Da!

Trygäos
Du hast ihn ausgeworfen?

Der Knecht                           Ja, bei Gott, und viel,
So daß von allen Männern, die im Kreise hier
Als Schauer sizen, keiner ist, der keinen hat.

Trygäos
Die Frau'n erhielten keinen?

Der Knecht                               Nein, am Abend erst,
Da theilen ihnen die Männer mit.

Trygäos                                           Auf, beten wir!
(im Priestertone)
Wer weilt am Ort? Wo gibt es viele Redliche? "Wer weilt am Ort?" So fragte bei dem Beginne des Opfers ein Herold oder ein Priester. Die Umstehenden erwiederten, der guten Vorbedeutung wegen: "Viele und Redliche".

Der Knecht (den Chor mit Weihwasser besprengend)
Die da bespreng' ich; denn es sind vie Redliche.

Trygäos
Für redlich hältst du diese?

Der Knecht                             Ja; denn stehen sie,
Die wir so reichlich überthau'n mit Wasserflut,
Nicht unverrückt auf einem und demselben Plaz? Der Chor nimmt immer seine bestimmten Stellungen wieder ein. Bei den Opfern, vermuthet ein neuerer Erklärer, wichen Leute mit minder gutem Gewissen den Versprengungen aus.

Trygäos
Laßt ungesäumt uns beten, laßt uns beten jezt!
Ehrwürdige Göttin, Herrscherin du,
Die den Frieden verleiht
Und die festlichen Reih'n und die bräutliche Lust,
Nimm, Hehre, mit Huld dies Opfer von uns!

Der Knecht
Hochheilige, ja, nimm gnädig es an,
Und thu nicht also, bei Gott, wie sonst
Wohl unter den Frau'n die verbuhten es thun!
Die lauschen am Hofthor, öffnen es halb,
Und ducken sich vor und schielen heraus;
Und sobald man es merkt und achtet auf sie,
Dann flieh'n sie zurück;
Und geht man, schielen sie wieder heraus.
Ach, thue du nicht mehr solches an uns!

Trygäos
Nein, zeige dich ganz in voller Gestalt,
Wie's Edlen geziemt, uns Liebenden hier,
Die dreizehn Jahre bereits um dich
Das Verlangen verzehrt!
O löse den Kampf und der Schlachten Gedröhn,
Und du sollst Kampflöserin heißen!
Auch halte von uns die Verdächtigung fern,
Die mit glattem Geschwäz
Im Geheimen den Mann reizt wider den Mann;
Und vereine das Volk der Hellenen so fest
Mit der Freundschaft Kitt, wie's anfangs war,
Und versöhnlicher Sinn und mildes Verzeih'n
Durchströme das Herz, daß reich sich der Markt
Anfülle mit Gut, mit Knoblauch, groß,
Frühgurken, Granaten und Aepfeln, zugleich
Mit Mäntelchen, klein, für der Knechte Bedarf!
Von Böotien her laß Tauben für uns,
Zaunschlüpfer und Gäns' und Enten herein,
Auch Körbe mit Aal vom kopaischen See,
Um die wir gedrängt laut markten und schrei'n,
Im Gewühl mit Morychos, Teleas hier, Morychos, Teleas, Glauketas, drei Schlemmer, die nach attischer Sitte selbst auf den Markt gehen, um sich die Lebensmittel einzukaufen.
Mit Glauketas dort uns zankend und all
Dem gefräßigen Schwarm. Dann findet zulezt
Der Melanthios noch auf dem Markte sich ein, Melanthios schrieb ein Trauerspiel Medeia.
Wo die Aale verkauft sind: der schreit auf,
Und ächzt aus Medeia die Klagemelodie:
"O Jammer, o Gram! Ich stehe verwaist,
Der in Mangold lauschenden Aale beraubt!"
Wer's hört, der feut sich darüber.
Dies Hochgelobte, dies gewähr' auf unser Flehn!

Der Knecht
Nun nimm das Messer, daß du dann kunstkochmäßig
Das Opfer schlachtest.

Trygäos                             Ziemt sich nicht.

Der Knecht                                                 Wie so? Warum?

Trygäos
Eirene hat am Schlachten keine Lust; ihr Herd
Wird nie von Blut geröthet. Innen schlacht' es denn,
Lös' ab die Schenkel, bringe sie sodann heraus:
So wird dem Choranführer doch das Schaf gespart.

(Der Knecht geht ab.)

Der Chor
Du bleibe vor der Thüre nun: du mußt
Scheitholz hierher aufschichten geschwind,
Und sonst was nöthig, besorgen.

Trygäos (legt das Holz auf dem Altar wohlgescheitet zurecht.)
Nun, schein' ich nicht recht priesterlich das Holz dir aufzuschichten?

Der Chor
Wie solltest du nicht? Was entginge dir auch,
Wo's Weisheit gilt? Was wüßtest du nicht,
Das ein Mann wissen muß,
Durch hellen Verstand
Bewährt und rüstige Kühnheit?

Trygäos
Ha, schämen muß sich Stilbides, wie meine Scheiter brennen! Stilbides, ein Seher jener Zeit, der im Legen der Holzscheite bei'm Opfer eine besondere Geschicklichkeit besaß.
Nun hol' ich auch den Opfertisch, und brauche keines Knechtes.
(geht in's Haus.)

Der Chor
Wer wollte des Mannes nicht
Mit Ehre gedenken, der
So Vieles bestand und Heil
Der heiligen Stadt errang?
Drum wird er stets vor aller Welt
Preiswürdig erscheinen.

(Trygäos und der Knecht kommen aus dem Hause zurück.)

Fünfte Scene

Trygäos. Der Knecht. Der Chor. Bald darauf Hierokles.

Der Knecht
Das ist gethan, Herr. Lege nun die Schenkel auf;
Indessen hol' ich Eingeweid' und Opfermehl.

Trygäos
Ich werde dafür sorgen. Komm nur schnell zurück!

Der Knecht
Da bin ich wieder. Schein' ich dir doch schnell genug?

Trygäos
Nun brate hübsch die Stücke. Doch da kommt ja noch
Ein Mann daher, mit einem Lorbeerkranz geschmückt. Hierokles aus Oreos, einer Stadt in Euböa, die dem Frieden abgeneigt war, trägt als Seher den Lorbeerkranz des Apollon.
Wer mag es sein?

Der Knecht               Wie der sich übermüthig bläht!
Ein Seher ist es.

Trygäos                   Nein bei Zeus, Hierokles ist's.

Der Knecht
Das ist er also, der Prophet aus Oreos!
Was wird er bringen?

Trygäos                         Unserm Friedensschlusse will
Er sich entgegenstemmen, das ist offenbar.

Der Knecht
Nein, nur der Duft des Bratens hat ihn hergelockt.

Trygäos
Wie wollen thun, als wenn wir ihn nicht sähen.

Der Knecht                                                         Recht!

Hierokles
Sagt, welch ein Opfer bringt ih hier, und welchem Gott?

Trygäos
Du brate schweigend, nasche nicht vom Rückenstück.

Hierokles
Wem gilt das Opfer? Sagt ihr's nicht?

Trygäos                                                 Macht auch der Schwanz
Sich schön?

Der Knecht       Ja recht schön, holde Friedenskönigin!

Hierokles
Schneid' ab die Erstlingsstücke, dann vertheile sie!

Trygäos
Erst braten, das ist besser!

Hierokles                               Nun, das ist ja schon
Gebraten.

Trygäos         Wer du seist, du kümmerst dich um viel. –
(zu dem Knecht)
Zerlege nun! Wo steht der Tisch? Die Spende her!

Hierokles
Die Zunge schneidet man heraus!

Trygäos                                           Uns wohlbekannt! Nach dem Abendessen wurde die Zunge des Opferthieres dem Hermes, dem Gotte der Beredsamkeit, geopfert, und dadurch von ihm die Gabe des Schlafes erfleht.
Doch weißt du was?

Hierokles                       Ja, wenn du's sagst.

Trygäos                                                     Nicht unterbrich
Uns weiter; denn der Friedensgöttin opfern wir.

Hierokles
Ihr armseligen Menschen, ihr thörichten –

Trygäos                                                       Dir auf das Haupt dies!

Hierokles
Die ihr, der Himmlische Rath in verblendetem Sinne verkennend,
Bündnisse schloßt, ihr Männer, mit graunvollblickenden Affen –

Der Knecht
Ha, ha, ha!

Trygäos           Was lachst du?

Der Knecht                           Der graunvollblickenden Affen!

Hierokles
O leichtgläubige Täubchen, ihr traut arglistigen Füchsen,
Denen das Herz mit Listen, die Brust mit Listen erfüllt ist –

Trygäos (ein Stück von den dampfenden Eingeweiden emporhaltend)
Daß dir, o Prahler, so heiß, wie dies hier, glühte die Lunge!

Hierokles
Wenn nicht göttliche Nymphen den Bakis irre geleitet,
Und nicht Bakis die Menschen, und nicht auch Bakis die Nymphen –

Trygäos
Treffe dich Tod, wenn nicht du sofort zu bakizen mir aufhörst!

Hierokles
Noch nicht war es verhängt, Eirene's Bande zu lösen,
Sondern zuerst alsdann –

Trygäos (zu dem Knecht)           Mit Salz muß dieses bestreut sein!

Hierokles
Denn noch nicht ist's also genehm den unsterblichen Göttern, Im Orakeltone verkündigt Hierokles, was die Volksführer wünschten, ewigen Krieg.
Daß wir ruhen vom Streit, bis der Wolf mit dem Schafe sich gattet –

Trygäos
Wie kann je, du Verwünschter, der Wolf mit dem Schafe sich gatten?

Hierokles
Ja, so lange der Iltis im Flieh'n aufs garstigste duftet,
Oder die kläffende Hündin in Angstweh'n blinde Geburt wirft,
So lange mußt' es dem Volke verwehrt sein, Friede zu schließen.

Trygäos
Doch was sollten wir thun? Niemals abstehen vom Kriege?
Würfeln vielleicht, ob uns, ob den Feind mehr treffe des Jammers,
Da wir im Frieden in Hellas vereint zu gebieten vermöchten?

Hierokles
Niemals lehrst du dem Krebse, sich nicht zu bewegen im Krebsgang.

Trygäos
Niemals speisest du mehr im Saal der Prytanen in Zukunft, Nie sollst du an den öffentlichen Speisungen im Prytaneion Theil haben, da du zum Kriege räthst, noch sollst du mit deinen Orakeln den einmal gefaßten Friedensschluß rückgängig machen.
Noch auch wirst du hinfort Etwas am Geschehenen ändern.

Hierokles
Niemals wird dir's gelingen, den stachligen Igel zu glätten.

Trygäos
Lässest du nie mehr ab, das athenische Volk zu berücken?

Hierokles
Welchem Orakel gemäß verbranntet ihr Schenkel den Göttern?

Trygäos
Jenem Orakel gehorchend, dem herrlichsten, welches Homer sang:
"Die, nachdem sie vertrieben die feindlichen Wolke des Krieges, Homerische Verse mit eigenen untermischt.
Grüßten Eirene froh, und weihten sie ein mit dem Opfer.
Als sie die Schenkel verbrannt und die inneren Theile gekostet,
Gossen sie Wein aus Schalen, und ich war Führer des Weges.
Aber der funkelnde Krug ging schnell an dem Seher vorüber."

Hierokles
Fern ist solches von mir; denn so sprach nicht die Sibylla.

Trygäos
Aber ein treffendes Wort sprach, traun, der erhab'ne Homeros:
"Rechtlos nenn' ich den Mann, unwürdig des Stamms und des Herdes, Aus Homer Illias.
Der einheimischen Krieges sich freut, des entsezlichen Scheusals."

Hierokles
Sie dich vor, daß nicht, mit Betrug dir die Sinne berückend,
Dir's wegschnappte der Weih –

Trygäos (schnell einfallend, zu dem Knechte)   Ja, darauf achte du sorgsam; Raubvögel stürzten manchmal auf die Altäre nieder. Trygäos deutet es auf Hierokles selbst.
Denn für das Opfergekrös' ist fürchterlich dieses Orakel.
Gieße des Weins denn ein, und bringe mir her vom Gekröse.

(Der Knecht trägt auf.)

Hierokles
Nun denn, ist es gestattet, so will auch ich mich bedienen.
(will zugreifen, wird aber von dem Knecht gehindert.)

Trygäos
Spende! Spende!

Hierokles
Mir auch schenke nun ein, und gib vom Gekröse mir Etwas.

Trygäos
Nein, noch nicht ist's also genehm den unsterblichen Göttern;
Nein, erst dies: wir spenden zuvor, du drückst dich von dannen.
Bleibe mit uns, Eirene, vereint, so lange wir leben!

Hierokles
Bringe die Zunge daher!

Trygäos                             Und die deinige trage von hinnen!

Hierokles (nach einem Becher greifend)
Spende!

Trygäos (wirft ein Bein nach ihm)
Da nimm mir der Spende zugleich in der Eile das Bein auch!

Hierokles
Niemand gibt vom Gekröse mir was!

Trygäos                                               Wir dürfen, du weißt ja,
Nichts dir geben davon, bis der Wolf mit dem Schafe sich gattet.

Hierokles
Laß dich erflehn, bei den Knieen!

Trygäos                                           Du flehst mich, Guter, umsonst an:
Denn nie wird's dir gelingen, den stachligen Igel zu glätten.
(sich an das Publikum wendend:)
Kommt ihr heran, Zuschauer, auf, und theilt mit uns
Das Mahl!

Hierokles         Und ich hier?

Trygäos                                 Speise du Sibyllen auf!

Hierokles
Bei Gäa, niemals eßt ihr beide dies allein;
Ich reiß' es euch weg; ist es doch gemeines Gut.

Trygäos (zu dem Knecht)
Auf, schlage, schlage den Bakis!

Hierokles (an die Zuschauer)               Ihr seid Zeugen mir!

Trygäos
Auch mir, daß der ein Schlemmer und ein Prahler ist!
(zu dem Knecht)
He, schlage, wehre mit dem Holz den Prahler ab!

Der Knecht
Thu's selbst! Ich hülf' indessen aus den Fellen ihn Von einem andern Opfer hat Hierokles Felle mitgenommen, die er noch um sich trägt; diese will ihm der Knecht abstreifen, wie die Häute einer Zwiebel.
Heraus, den Schurken, die er durch Betrug gewann.
(zu Hierokles)
Wirf ab die Felle, säume nciht, mein Opfermann! –
Nun, hörst du? Rabe, der du kamst aus Oreos! Rabe, Unglücksvogel und Dieb.
Fort, flieg' in aller Eile nach Elymnion! Elymnion, ein Ort auf Euböa in der Nähe von Oreos.

(Alle ab; der Chor bleibt allein zurück.)

Der Chor

Strophe
Ich bin froh, herzlich froh,
Vom schweren Helm los zu sein,
Von Zwiebelkost, Käsekost.
Denn Schlachtenlärm lieb' ich nicht;
Nein, am Herdfeuer zech' ich,
Im Kreis trauter Zechbrüder froh,
Brenne dürr Scheiterholz reichlich auf,
Das ich in der Sommerzeit
Haufenweis' ausgenäßt,
Röste Kichern auf den Kohlen,
Wenn die Buche sprüht in Funken,
Scherze mit der Thrakerin,
Wenn die Frau im Bade sizt.

Der Chorführer
Ist es doch das Angenehmste, wenn die Saat im Boden ruht, Der Chorführer malt einen ländlichen Picknik unter guten Freunden und Nachbarn, während ein befruchtender Regen, der die Feldarbeit unterbricht, die bestellte Saat begießt, und sie nicht fremden Erntern, sondern dem Eigner zu reifen verheißt.
Und der Gott sie wohl beträufelt, und ein Nachbar also spricht:
Sage mir, was thun wir unterdessen, Freund Komarchides?
Mir gefällt es, Eins zu trinken, nun der Gott den Regen schickt!
Also sez' uns heute Schoten, liebe Frau, drei Mezen auf;
Mische Waizenmehl darunter, auch dir Feigen spare nicht.
Syra rufe dann den Mannes ungesäumt vom Feld herein Syra heißt die Magd, Manes der Knecht.
Denn die Reben abzublatten, geht an diesem Tage nicht;
Sie behacken, ist unmöglich, denn der Grund ist allzufeucht.
Laß von mir die Drossel holen und zugleich das Finkenpaar.
Biester fand ich auch im Hause, Hasenfleisch vier Stücke noch, Biester, die erste Muttermilch, nachdem die Kuh gekälbert hat.
Wenn die Kaze nicht am Abend mir davon entwendet hat;
Demm im Hause drinnen scharrt' es gräulich um und polterte.
Drei davon bring' uns, o Bürschchen, eines gib dem Vater ab.
Myrtenzweig' erbitte dann mit Beeren von Aeschinades; Mit Myrten kränzte man sich zum Gelage, und besonders festlich waren Myrthenzweige mit Beeren.
Und zumal (der gleiche Weg ist's) rufe man Charinades,
Einen Trunk mit uns zu theilen,
Weil mit Regen und dem Segen
Unsre Saat ein Gott beglückt.

Der Chor

Gegenstrophe
Wenn der Feldgrille Lied
In süßen Tonweisen schwirrt,
Mit frohem Muth schau' ich dann
Des Lemnerweins Reben an, Lemnerwein, Reben von Lemnos nach Attika verpflanzt.
Ob sie bald reifen werden,
(Denn frühzeitig reift dies Gewächs,)
Seh' entzückt, wie dir Frühfeige schwillt;
Hängt die Frucht reif am Baum,
Greif' ich zu, koste sie,
Singe drauf: "ihr lieben Horen!"
Rühre mir ein Mus von Isop,
Schling's hinein, und werde dann
Fett, bevor der Sommer flieht.

Der Chorführer
Besser, als den gottverhaßten Rottenhäuptling anzuschaun,
Der mit drei Helmbüschen herprangt und dem grellen Purpurrock,
Den der Mann als Muster auspreist ächter Sardesfärberei. Zu Sardes in Lydien waren berühmte Purpurfärbereien.
Aber muß er einst in's Treffen, eingemummt in solchen Schmuck,
Wechselt er alsbald die Farbe, färbt sich Hemd und Hosen gelb,
Flüchtet, wie der schnelle Roßhahn, als der Erste flüchtet er, Eines von den frazenhaften Ungeheuern auf persichen Tapeten, von Aeschylos in den Myrmidonen Roßhahn genannt. Man bildet ihn als vierschenkliches Roß mit purpurnem Hahngefieder, krummem Schnabel und rothem Kamm.
Schüttelnd seine Büsche; lauernd steh' ich selbst am Vogelgarn.
Wenn sie dann einmal daheim sind, thun sie, daß uns Allen graut,
Schreiben den auf ihre Rolle, löschen aus und schreibe an, Auf der Musterrolle war jeder Krieger nach seinem Verdienst eingeschrieben; oft aber ward durch Gunst oder Abgunst der gebührende Rang verrückt. Hier ist die Rede von einer Aushebung nach Gunst.
Löschen wieder, schreiben wieder. "Morgen wird in's Feld gerück!"
Mancher hat noch keine Zehrung eingekauft, er ahnte nichts,
Als er ausging; also tritt er an Pandions Säule, liest An zwölf Säulen waren in Athen die Namen der ausgehobenen Krieger zu lesen.
Seinen Namen, und mit saurer Miene läuft er rathlos hin.
Also thun sie uns, dem Landvolk; euch die Städter, scheu'n sie mehr,
Diese Schildabwerfer, Göttern gleich verhaßt und Sterblichen!
Doch sie sollen mir dafür noch büßen, wenn ein Gott es will.
Denn sie kränken mich so vielfach,
Die daheim die Löwen spielen,
In der Schlacht nur Füchse sind.

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