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Gutenberg > Aristophanes >

Der Friede

Aristophanes: Der Friede - Kapitel 2
Quellenangabe
typecomedy
authorAristophanes
titleDer Friede
sendertschosie@gmx.de
created20030501
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Erster Act

Erste Scene

Der Vorhof eine Gehöftes; auf der einen Seite ein Schweinstall, worin ein großer Käfer gefüttert wird; zwei Knechte, ämsig beschäftigt, der eine an einem Backtrog, in welchem er Mistkuchen knetet, der andere am Schweinstall, den Käfer darin fütternd.

Der erste Knecht (bei dem Stalle)
Schnell, reiche schnell dem Käger einen Kuchen her!

Der zweite Knecht (bei dem Backtroge)
Da! Gib's dem Unhold, den der Henker holen mag,
Und labe seinen Gaumen nie ein süßerer!

Der erste Knecht
Noch einen andern reiche her – aus Eselsmist!

Der zweite Knecht
Da sieh noch einen! Wo gerieth der andre hin?
Den fraß er nicht?

Der erste Knecht         Bewahre, nein, er riß ihn weg,
Und wälzt' ihn umher mit den Füßen, und verschlang ihn ganz. Die Vertheilung der Verse ist nach der Ausgabe vom Bothe.
Drum knete hurtig ihrer viel' und dick noch.

Der zweite Knecht (gegen die Zuschauer)
Helft, helft, ihr Kothaufsammler, wollt ihr anders nicht
Mich im Gestank gleichgültig hier ersticken seh'n!

Der erste Knecht
Noch einen, einen von verliebten Knaben noch!
Denn ihn verlangt nach zartgeriebnen Brocken.

Der zweite Knecht
Hier! (zu den Zuschauern)
Von Einer Schuld, ihr Männer, denk' ich frei zu sein;
Denn daß ich knetend naschte, sagt wohl Kein's mir nach. Beim' Kneten des Brodes wurde den Knechten ein hölzernes Rad um den Hals gelegt, damit sie nicht die Hand zum Mund führen konnten.

Der erste Knecht
He, reiche mehr her; einen noch und einen noch!
Und knete neue!

Der zweite Knecht     Bei'm Apoll, nicht einen mehr!
Nicht länger halt' ich dieses Seegrundwasser aus;
Ich nehm' es samt dem Troge selbst und bringe dir's.
(er schafft den Backtrog nach dem Stalle hin.)

Der erste Knecht
Ei, trage du's zum Geier und dich selbst dazu!

Der zweite Knecht (zu den Zuschauern)
Ihr, wenn es euer Einer weiß, der sage mir's,
Wo man sich Nasen ohne Löcher kaufen kann.
Denn kein Geschäft auf Erden kann heilloser sein,
Als dieses Futterkneten für den Käger da.
Schwein oder Hund schlingt Alles, was am Wege liegt,
Frischweg hinunter; dieses Thier voll Uebermuths
Beberdet sich gar eckl, mag Nichts kosten, wenn
Ich's nicht gerieben und gerührt den ganzen Tag,
Wie einem Weib sein ausgeknetet Gerstenbrod.
Nun will ich nachseh'n, ob er ausgefressen hat,
(er geht nach dem Stalle)
Und hier die Thür halb öffnen; sonst bemerkt er mich.
(er sieht hinein und spricht zum dem Käfer:)
Nur munter, schling' hinunter, höre nimmer auf,
Bis unverseh'ns am Ende dir der Bauch zerplazt!
Wie der sich vorbückt, einem Ringer gleich, und frißt,
Und seine Kiefern gierig hin und wieder schiebt,
Und noch dazu den Rüssel und die Tazen vorn
So wild herumwirft, Seilern gleich, die angestrengt
Die dicken Taue für ein Schiff zusammendreh'n!
Ein garstig Wesen, stinkend, voll Gefräßigkeit!
Und welchem Gott wohl dieses Plagevieh gehört?
Ich weiß es nicht; der Aphrodite sicher nicht,
Auch nicht den Chariten.

Der erste Knecht                 Wem sonst?

Der zweite Knecht                                 Ich glaube fest,
Die Grauen ward vom Niederdonnerer Zeus gesandt. Als "Niederdonnerer" ward Zeus in Athen verehrt als der Gott, welcher die Blize herniederschleudert. Nach dem Scholiasten. Hier wird der zürnende Gott bezeichnet, der den Käfer als Plage gesandt hat.

Der erste Knecht
Da meint vielleicht jezt Einer dort im Publikum,
Ein Männchen, das sich weise dünkt: "Wo wills hinaus?
Der Käfer da, was soll er?" Dann erwieder ihm
Ein Mann vom Ionervolke, der ihm nahe sizt:
"Ich glaube, daß auf Kleon hier gestichelt ist,
Weil der den Abgang ohne Scham hinunterschlingt." Der "Abgang" bezeichnet den Abgang des Leders beim Gerben und den Menschenkoth.
Doch tränk' ich jezt den Käfer auch und geh' hinein.
(ab.)

Der zweite Knecht
Ich will indeß die Sache noch den Kindelein,
Zugleich den Männlein allen und den Männern dort,
Zugleich den höchsten Männern dort zu wissen thun,
Und jenen noch die Männer Uebermannenden.
(er zeigt, während er diese Worte spricht, immer weiter die Stufen des Theaters hinauf.)
Mein guter Herr hat eine Tollheit neuer Art,
Nicht so wie Ihr, nein, unerhörter neuer Art:
Den ganzen Tag lang hebt erhimmelan den Blick,
Sperrt weit den Mund auf, hadert laut mit Vater Zeus
Und ruft: "o Zeus, was denkst du endlich noch zu thun?
Leg' ab den Besen, fege Hellas nicht hinaus!"

Zweite Scene

Der Knecht. Trygäos, anfangs hinter der Scene, dann sichtbar.

Trygäos (hinter der Scene)
Hoho! Hoho!

Der Knecht
Seid still! Ich höre, dinkt mich, seine Stimme da.

Trygäos (wie oben)
Was willst du noch an unserm Volke thun, o Zeus?
Du raubst den Städten ihren Kern und merkst es nicht?

Der Knecht
Das ist das Unglück, eben das, wovon ich sprach:
Da hörtet ihr ein Pröbchen seiner Raserei!
Was er im Anfang, als die Raserei begann,
Gesprochen, hört noch. Also sprach er da zu sich:
"O könnt' ich doch gerades Wegs zu Zeus hinauf!"
Er baute dann sich dünne Leiterchen zurecht,
Und klomm an diesen himmelan mit Hand und Fuß,
Bis er herunterpurzelnd sich den Kopf zerfiel.
Nun gestern, da verläuft er sich, Zeus weiß wohin,
Und bringt ein großes Aetnaroß von Käfer heim, Die sicilischen Rosse am Aetna waren durch ihre Größe berühmt.
Und zwingt mich dieses Ungethüms Stallknecht zu sein,
Indeß er selbst es, wie ein Füllen, streichelnd rief:
"Du mein erhabnes Flügelthier, mein Pegasos, Anspielung auf Bellerophon, der auf dem Pegasos in den Himmel flog.
Komm, fliege mit mir grades Wegs zu Zeus hinauf!" –
Muß doch hinein hier gucken, was der Alte macht!
(er geht an die innere Hofthüre und sieht hinein.)
Ach, ach, ich Armer! Kommt, o Nachbarn, kommt heran!
Mein Herr, o schaut ,da steigt eben hoch zu Roß
Auf seinem Käfer schwebend in die Luft empor!

(Trygäos erscheint, auf einem übergroßen Käfer in die Höhe schwebend.)

Trygäos
Nur sacht, nur sacht, mein Käger, gemach!
Nicht stürme mir allzutrozig dahin,
Gleich anfangs stolz im Gefühle der Kraft,
Eh Schweiß vordringt und die Sennkraft dir
Der Gelenke sich löst in der Fittige Schwung!
Nicht schnaube so toll, ich beschwöre dich, Wurm!
Denn thust du mir dies, dann bleibe mir hier
Nur lieber dahiem in meinem Gehöft!

Der Knecht
O Gebieter und Herr, wie bist du verrückt!

Trygäos
Still doch! Still doch!

Der Knecht
Wo steuerst du blindlings hin in die Luft?

Trygäos
Hoch flieg' ich empor, den Hellenen zu Heil:
So verwegen, so neu ist, was ich ersann.

Der Knecht
Was fliegst du? Warum so vergeblich getollt?

Trygäos
Sprich Günstiges nur! Und muxe mir ja
Kein faules Geschwäz: nein, jauchze mir zu!
Und den Bürgern gebeut, recht stille zu sein,
Und die Gänge des Koths und die Haufen des Dungs
Ganz neu mit Ziegeln umher zu verbau'n,
Und ein Schloß an die Steiße zu legen.

Der Knecht
Unmöglich kann ich schweigen, bis du mir erklärst,
Wohin zu fliegen du gedenkst.

Trygäos                                       Wohin? Zu Zeus
Hinauf in Himmelshöhen.

Der Knecht                           Und was willst du da?

Trygäos
Ich will den Gott befragen um's Hellenenvolk
Gesamt und sonders, was er ihm zu thun gedenkt.

Der Knecht
Und, steht er dir nicht Rede – ?

Trygäos                                         Dann verklag' ich ihn,
Daß er dem Medervolke Hellas' Volk verrieth.

Der Knecht
Bei Gott, so lang Ich lebe, thust du solches nicht!

Trygäos
Es ist einmal nicht anders. (er steigt höher)

Der Knecht (ruft in das Haus hinein)  Holla! Hollahoh!
Ihr Kinder, euer Vater geht davon und läßt
Euch hier als Waisen, fliegt geheim zum Himmel auf!
Ihr Armen, fleht den Vater um Erbarmen an!

(Die beiden Töchterchen des Trygäos treten aus dem Hause.)

Dritte Scene

Die Vorigen. Die Töchterchen des Trygäos

Ein Töchterchen
Väterchen, Väterchen, soll ich es glauben,
Was das Gerücht bis in unser Gemach trug?
Willst du mit Vögeln, verlassend die Deinigen,
Hoch in die Luft zu den Raben entweichen?
Ist was Wahres daran? Sprich, Väterchen, wenn du mich lieb hast!

Trygäos
Kind, das läßt sich vermuthen: gewiß ist, daß es mich herzlich
Jammert um euch, wenn ihr bittet um Brod und Papachen mir zuruft,
Während von Geld auch nicht Ein winziges Körnchen im Haus ist.
Wenn mir's gelingt un dich komme zurück, dann sollt ihr im Nu mir
Einen gewaltigen Weck, als Zukost Püffe bekommen.

Das Töchterchen
In welcher Art denn legst du deinen Weg zurück?
Denn keine Schiffe fördern dich hauf diesem Pfad.

Trygäos
Mich trägt ein Flügelrößchen, Schiffe brauch' ich nicht.

Das Töchterchen
Doch welcher Einfall, daß du dir den Käfer hier
Anschirrst, zu reiten in der Götter Reich, Papa?

Trygäos
Aesopos' Fabeln lehren uns, daß der allein
Von allen Fluggeschöpfen kam in's Götterreich. Als der Käfer dem Adler, der ihm die Jungen geraubt, aus Rache die Eier aus dem Neste weggewälzt hatte, wandte sich der Adler an Zeus, der ihm auf sein Klage gestattete, neue Eier in seinen (des Zeus) Schoß zu legen. Als aber Zeus die Eier im Schoße hatte, flog der Käfer summend heran. Zeus, der Eier vergessend, sprang auf, um den Käfer von seinem Haupte wegzuscheuchen, und die Eier zerbrachen. Nach dem Scholiasten.

Das Töchterchen
Unglaublich, Märchen, was du sagst, Papa, Papa,
Ein solchen Stinkthier sei gelangt in's Götterreich!

Trygäos
Als Feind des Adlers kam er hin vor alter Zeit,
Und wälzte, sich zu rächen, ihm die Eier weg.

Das Töchterchen
O hätt'st du lieber angeschirrt den Pegasos!
So schienst do doch den Göttern etwas tragischer.

Trygäos
Da braucht' ich doppelt Futter ja, du thöricht Kind,
Indeß ich jezt mit Futter, das ich selbst zuvor
Verzehrte, diesen hinterher abfüttere.

Das Töchterchen
Doch, wenn in feuchten Meeresgrund er niederstürzt,
Wie hilft er als ein Flügelthier sich dann heraus?

Trygäos
Mein Steuer nahm ich weislich mit, das brauch' ich dann,
Und lenke so mein naxisch Käferboot dahin. Auf der Insel Naxos baute man Boote, die von ihrer Gestalt Käfer hießen. Der Scholiast.

Das Töchterchen
Welch eine Bucht denn nimmt die Umgetrieb'nen auf?

Trygäos
Dort im Piräeus find' ich ja die Käferbucht. Der Hafen von Peiräeus bei Athen hatte drei Buchten, deren eine von einem Heros Kantharos die Käferbucht (Kantharos) hieß, wo die Schifswerfte sich befanden.

Das Töchterchen
Nur Eins beachte, daß du nicht im Schwindel dort
Herunterfällst, und hinkend dann dem Euripedes Euripedes brachte mehrere Helden als Krüppel auf die Bühne.
Den Stoff zu Märchen bietest und zum Trauerspiel.

Trygäos
Da werd' ich selbst schon sorgen. Nun gehabt euch wohl!
(die Kinder gehen in's Haus zurück.)
Doch ihr, für die ich diesen Kampf auskämpfen will,
Laßt keinen Wind los, stänkert nicht, der Tage lang;
Denn wenn der Käger Etwas riecht in hoher Luft,
So schnellt er häuptlings mich hinab und schwelgt im Duft.
(indem er immer höher steigt, zum Käfer:)
Nun, Pegasos, auf, zeuch fröhlich dahin!
Laß klirren des Goldzaums blankes Gebiß,
Und lausche mit heiterem Ohre dem Klang! –
Was beginnst du? Was ist's? Was beugst du dich so
Mit den Nüstern hinab zu den Gängen des Koths?
Auf, hebe dich kühn von der Erde hinweg,
Und die Schwingen der Hast ausbreitend im Flug,
Zeuch grade hinein zum Palaste des Zeus,
Von dem Kothe die Nas' abwendend und fern
Dich haltend vom Mahl alltäglicher Art.
(zur Erde hinabschauend)
Was machst du, Gesell, du, der dort kackt
Im Piräeus links an dem Hurenrevier?
"Tod bringst du mir, Tod!" He, scharr' es doch ein, Aus den Trachinerinnen des Sophokles.
Und schütte darüber des Erdreichs viel,
Und pflanze darauf Serphyllon, zugleich
Geuß Salbe darauf! Denn, stürz' ich hinab
Und breche den Hals, dann werde das Volk
Auf Chios um fünf Talente gebüßt, Ein Chier mußte es gethan haben, weil die Chier wegen Unreinlichkeit berüchtigt waren. Zugleich Anspielung darauf, daß die Athener jeden Unfall, den sie selbst verschuldet hatten, den verbündeten kleineren Staaten zu Last legten.
Um deinem Popo zu vergelten!
Wie graut mir! Wehe! Nicht im Scherze ruf' ich so.
Maschinenmeister, habe ja wohl Acht auf mich! Der Maschinenmeister leitet die Vorrichtung, durch welche Trygäos in die Höhe gezogen wird.
Schon kreist ein Wind um meinen Nabel her; so sei
Vorsichtig, oder füttr' ich gleich den Käger ab!
(der Olympos wird mit den himmlischen Wohnungen sichtbar.)
Doch nahe, scheint es, bin ich hier den Göttern schon;
Ja recht! Ich sehe da bereits das Haus des Zeus.
(er steigt ab, und pocht an die Thüre.)
Wer ist des Zeus Thürhüter? Macht doch endlich auf!

Vierte Scene

Trygäos. Hermes.

Hermes
Wo scholl die Menschenstimme her? Herakles hilf!
Welch Ungethüm erblick' ich dort?

Trygäos                                               Ein Käferroß.

(Hermes gewahrt jezt erst den Trygäos.)

Hermes
Verworfner du, Tollkühner, Unverschämter du,
Verruchter, allverruchter, erzverruchter Schuft,
Wie kamst du hieher, aller Schufte Schuftigster?
Was ist dein Name? Sagst du's nicht?

Trygäos                                                 Verruchter Schuft.

Hermes
Wie heißest du von Stamme? Sprich!

Trygäos                                                 Verruchter Schuft.

Hermes
Dein Vater, Mensch, wie heißt er?

Trygäos                                             Wie? Verruchter Schuft.

Hermes
Ha, bei der Erde, sterben sollst du mir sofort,
Bekennst du nicht zur Stelle, wie dein Name heißt.

Trygäos
Trygäos, schlichter Winzer vom Athmonergau,
Kein Sykophant, kein Zänker, der stets Händel sucht.

Hermes
Was führt dich hierher?

Trygäos                             Diesen Schinken bring' ich dir.
(er gibt ihm ein Stück Fleisch aus seiner Reisetasche)

Hermes
Nun, armer, Schelm, wie kamst du her?

Trygäos                                                     Sieh, Leckermaul!
Erschein' ich dir auch jezt noch als verruchter Schuft?
Geh' izt und rufe mir den Zeus!

Hermes                                           O je! O je!
Daß du den Göttern nahtest, war dir nicht bestimmt;
Denn alle zogen gestern aus, hinweg von hier.

Trygäos
In welches Land?

Hermes
                          Was? Land!

Trygäos
                                            Wohin sonst?

Hermes
                                                                Gräßlich weit,
Ganz oben in der Himmel Zellenwerk hinein.

Trygäos
Was aber ließ man unten dich allein zurück?

Hermes
Der Götter übrig Hausgeräth bewach' ich hier,
Die Töpfchen und die Brettchen und die Krügelchen.

Trygäos
Und was bewog die Götter, auszuzieh'n von hier?

Hermes
Sie zürnten Hellas' Volke; da denn haben sie
Hier, wo sie selbst sonst wohnten, eingelegt den Krieg, Der Krieg als Person, als Dämon, erscheint auch in den Acharnern.
Ganz frei mit euch zu schalten, wie es ihm beliebt.
Sie selber bauten möglichst hoch sich oben an,
Um Nichts hinfort von euren Kämpfen mehr zu sehn,
Und Nichts u hören, wenn ihr fleht um ihren Schutz.

Trygäos
Was stimmte sie zu solchem Groll? Dies sage mir.

Hermes
Weil euch der Krieg erwünschter war, wie oft sie selbst
Auch Frieden boten. Wenn das Volk Lakonia's
Ein wenig Vorsprung hatte, rief es ungestüm:
"Bei Kastor, büßen soll es jezt, das Athenerlein!"
Und lachte dnn wieder dem Athenerling das Glück,
Und trafen dann aus Sparta Friedensboten ein,
So riefet ihr wohl hastig: "uns belistet man,
Ja wohl, bei Pallas Athene! Gebt nicht nach, bei Zeus!
Sie kommen wieder, halten wir nur Pylos fest!"

Trygäos
Ja, so geprägt sind unsre Reden hier zu Land.

Hermes
Drum weiß ich nicht, ob euch die Friedensgöttin je
Fortan vor Augen kommen wird.

Trygäos                                         Wo schwand sie hin?

Hermes
Sie ward vom Krieg in eine tiefe Kluft gestürzt.

Trygäos
In welche?

Hermes           Die da drunten; und du siehst zugleich, Den Steinhaufen, unter welchem die Friedensgöttin verschüttet liegen soll, hat man sich im Hintergrunde der Bühne zu denken.
Wie viel er oben Steine noch darauf geschleppt,
Daß ihr sie niemals mehr bekommt.

Trygäos                                               O sage mir,
Was hat der noch weiter vor mit uns zu thun?

Hermes
Nichts weiß ich als das Eine, daß er Abends spät
Sich einen Mörser, riesengroß, hereingeschleppt.

Trygäos
Der Mörser da – zu welchem Zwecke dient er ihm?

Hermes
Zusammenstampfen will er Hellas' Städte drin.
Nun will ich gehen; denn er kommt alsbald heraus,
So däucht mir; innen lärmt er schon. (geht ab.)

Trygäos                                                 Ich Armer, weh!
Auf, laß mich ihm entlaufen! Denn es war mir selbst,
Als dröhnte mir des Schlachtenmörsers Klang in's Ohr.

Fünfte Scene

Trygäos. Der Krieg, einen mächtigen Mörser tragend. Das Getümmel.

Der Krieg
O Menschen, Menschen, Menschen unglückselige!
Wie werden euch die Backen alsbald wehe thun!

Trygäos (gegen die Zuschauer)
O Fürst Apollon, welchen Schlund der Mörser hat!
Und dieser Blick des Krieges, welch ein Grauen schon!
Das ist der Unhold also, den wir alle flieh'n,
Der Grause, der mit festem Fuß niemals entweicht!

Der Krieg
Ha, Prasiä, dreifach, dreißigfach und hunderfach Prasiä, eine Stadt an der lakonischen Küste, die im zweiten Jahre des Krieges zerstört ward, und auch nach ihrer Wiederherstellung noch manche Unfälle zu bestehen hatte.
Unglücklich, heute sollst du noch zu Grunde gehn!
(er wirft Prasiä, d. i. Lauch, in den Mörser)

Trygäos (wie vorhin)
Daher, o Männer, droht für uns noch keine Noth:
Denn dieses Unheil trifft ja nur das Sparteland.

Der Krieg
Ha, Megara, Megara, du zerstäubst samt Burg und Port Megara, das auf Seite der Sparter stand, war durch seinen Zwiebelhandel nach Athen bekannt.
Mit Einem Stoß in Einen Mörserbrei zerstampft!
(er wirft Zwiebeln in den Mörser.)

Trygäos (wie vorhin)
Poz alle Welt! Welch schweres, bittres Tränenbrod
Hat da der Unhold eingebrockt den Megarern!

Der Krieg
Auch du Sikelia, wehe dir, sollst untergehn! Sikelia, durch sein Käse berühmt.
(er wirft Käse hinein.)

Trygäos
Weh, solche Perle soll zerschabt wie Käse sein!

Der Krieg
Auf,gieß' ichauch nch diesen attischen Honig drauf! In Attika war der Honig vom Hymettos berühmt, der theurer als jeder andere bezahlt wurde.
(er gießt Honig darauf.)

Trygäos (halblaut)
Du, nimm dir andern Honig, Freund, ich rathe dir;
Der kostet vier Obole; spare den attischen!

Der Krieg
Bursch, Bursch! Getümmel!

Das Getümmel (aus dem Hause tretend)   Rufst du mich?

Der Krieg                                                                 Bald heulst du laut:
Was stehst du müssig? Koste hier einmal die Faust!

Trygäos (für sich.)
Das beißt!

Das Getümmel   O weh mir Armen! Ach, mein lieber Herr!
Hast du vom Knoblauch was gethan in deine Faust?

Der Krieg
Fort, hole mir den Stämpfel her!

Das Getümmel                               Ja, guter Herr,
's ist keiner da; wir zogen gestern erst herein!

Der Krieg
So springe, hole von Athen mir einen her!

Das Getümmel
Herr, fliegen will ich!
(für sich)                   Sonst erhalt' ich wieder was.
(ab.)

Trygäos
Nun, was beginnen, arme Menschenkinder ihr?
Ihr seht die Größe der Gefahr, die uns bedroht.
Denn wenn er ankommt und em Herrn den Stämpfel bringt,
Sezt der sich hin, und stößt die Städte klein damit.
Doch (Bacchos, hilf!) er sterbe, bringe nichts zurück!

(Das Getümmel kommt zurück.)

Der Krieg
Du!

Das Getümmel
      Was verlangt dich?

Der Krieg                         Bringst du Nichts?

Das Getümmel                                             Ach, jenes Ding –
Verloren ging es aus Athen, der Stämpfel, Herr –
Der Gerber, der ganz Hellas einst durchrüttelte. Der "Gerber", Kleon, war kurz vor der Aufführung des Friedens zugleich mit dem spartischen Feldherrn Brasidas in der Schlacht bei Amphipolis gefallen.

Trygäos
O heilige Herrin Athene, das war wohlgethan,
Der ging verloren für die Stadt zu rechter Zeit,
Bevor er solchen Mörserbrei un eingerührt!

Der Krieg
Jezt einen andern hole mir von Sparta her,
Und eile!

Das Getümmel   Ja, Gebieter!

Der Krieg                               Komm nur schnell zurück!

(Das Getümmel ab.)

Trygäos
Wie wird's mit uns geh'n Männer? Groß ist nun die Noth.
Wenn unter euch hier irgendwer die Weih'n empfing
In Samothrake, nun geziemt ein laut Gebet, Wer in die Mysterien von Samothrake eingeweiht war, stand in engerem Verkehr mit den Göttern, und seine Gebete wurden immer erhört. Der Scholiast.
Daß der die Beine verrenke, der den Stämpfel holt!

Das Getümmel (kommt zurück.)
O weh mir Armen, wehe mir, ja wehe mir!

Der Krieg
Was ist es? Bringst du wieder Nichts?

Das Getümmel                                       Verloren ging
Der Stämpfel auch dem Spartiatenvolke Herr.

Der Krieg
Wie so, du Schlingel?

Das Getümmel                 Dort im Thrakerlande lieh'n
Sie Fremden ihren Stämpfel, und verloren ihn.

Trygäos
Schön, schön, o Dioskuren, das war wohlgethan! Trygäos gedenkt der Dioskuren als der besonderen Schuzgeister Sparta's.
Noch kann es wohlgeh'n! Fasset Muth, ihr Sterblichen!

Der Krieg (zum Getümmel)
Da nimm das Zeug und trag' es wieder weg: ich will
Hinein, mir eine Keule selbst zu fertigen!

(Beide ab.)

Sechste Scene

Trygäos. Hernach der Chor

Trygäos
Jetzt ist das Lied des Datis ganz an seinem Platz,
Das der, sich kraulend, bei der Mittagsruhe sang:
"Wie freu' ich mich und labe mich und jauchze mich!"
Nun, Hellas' edle Söhne, nun geziemt es uns,
Vom Hader und vom Kampfe frei, den Frieden dort
Den allgeliebten, aus dem Schlund herauszuzuieh'n,
Bevor ein andrer Stämpfel uns es wieder wehrt!
Ihr Feldbesteller, Krämer, ihr Beflissenen
Der Kunst, des Handwerks, Schuzgenossen, Fremdlinge, An den großen Dionysien, an welchen das Stück aufgeführt wurde, waren auch Fremdlinge und Inselbewohner anwesend.
Ihr Inselmänner, kommt heran, kommt, alles Volk!
Ungesäumt ergreift die Hacken, nehmet Hebelbaum und Strick!
Nun gelingt's uns, wir erhaschen einen Trunk vom guten Geist.

Der Chor
Wandelt Alle frohen Muthes hier heran zu Glück und Heil!
Auf, Gesamthellenen, laßt uns helfen jezt, wenn irgend sonst;
Abgethan sei jede Fehde, fern des Krieges blut'ger Tanz!
Denn die Sonne leuchtet heute feindlich auf für Lamachos. Lamachos, der kriegslustige, der Feind des Friedens, Feldherr der Athener.
Was dazu von uns gescheh'n muß, sage du, werkmeist're du:
Denn die Hände ruh'n zu lassen, ist mir heut unmöglich, traun,
Bis der Himmel höchste Göttin und die rebenfreundlichste
Wir mit Hebeln und Maschinen an das Licht heraufgebracht.

Trygäos
Stille doch, damit ihr innen nicht im Uebermaß der Lust,
Wenn ihr lärmt und schreit, des Krieges alte Glut von neuem weckt!

Der Chor
Solchen Heroldsruf zu hören, freu'n wir uns von Herzen, Freund; Der "Heroldsruf" ist der Ruf, die Friedensgöttin aus ihrer Haft zu befreien.
Dess es hieß nicht: "kommt und bringet Zehrung auf drei Tage mit!" Wer in den Krieg auszog, mußte sich mit Lebensmitteln auf der Tage versehen.

Trygäos
Hütet euch jezt nur vor Ihm da drunten, vor dem Höllenhund, Als Höllenhund (Kerberos) wird Kleon schon bei seinen Lebzeiten von dem Dichter bezeichnet, und hier mit dem Dämon des Krieges selbst indentificirt.
Daß er polternd nicht und schreiend, wie er einst auf Erden that,
Uns verhindert, unsre Göttin an das Licht heraufzuziehn.

Der Chor
Nimmerdar soll Einer kommen, der die Holde mir entreißt,
Wenn sie nur einmal in meine Hände kam: juheh, juheh!

Trygäos
Weh, ihr tödtet mich ihr Männer, hemmt ihr nicht des Jubels Ruf:
Denn er stürzt heraus, zerstampft uns Alles hier mit Einem Tritt!

Der Chor
Rüttl' er um und trete nieder, und zerstampf' er Alles hier!
Können wir doch unsre Freude nicht bezähmen, heute nicht!

(Der Chor beginnt zu tanzen.)

Trygäos
Welch ein Unfug! Was beginnt ihr, Leute? Bei der Götter Macht!
O zerstört das schönste Werk doch nicht mit eurem tollen Tanz!

Der Chor
Nun, so will ich nimmer tanzen; aber selbst, aus bloßer Lust,
Ohne daß ich nur mich rühre, hüpfen mir die Beine fort.

Trygäos
Nur für jetzt nich länger! Höre, höre nun zu tanzen auf!

Der Chor
Sieh, wir hören auf!

Trygäos                         Du sagst es, aber tanzest immer fort.

Der Chor
Nur den Einen Schleifer laß uns tanzen noch, dann keinen mehr!

Trygäos
Gut, den Einen, noch den Einen, aber dann nicht weiter mehr.

Der Chor
Keinen Schritt mehr will ich tanzen, wenn es dir was nüzen kann.

Trygäos
Aber seht, ihr tanz noch immer.

Der Chor                                       Hoben wir das rechte Bein
Nur noch Einmal auf, gewiß, dann stellen wir das Tanzen ein.

Trygäos
Nun, das Eine noch, um endlich meines Aergers los zu sein!

Der Chor
Aber auch das linke Bein hier zwingt mich fort und fort zum Tanz.
Denn ich bin vergnügt und jauchze, farze laut und lache laut,
Wie verjüngt vor lauter Freude, weil ich nun dem Schild entrann. "weil ich nun dem Schild entrann," weil nun der Krieg ein Ende hat.

Trygäos
Nur für jezt nicht mehr gejubelt: könnt ihr doch nicht sicher sein!
Aber, hoben wir die Göttin, dann, o Männer, freuet euch,
Jubelt hell und lachet hell auf!
Denn erlaubt ist Alles wieder:
Schifft und rastet, schlaft und liebelt,
Schaut der großen Spiele Feier,
Schmaust und zechet, kottabizelt,
Sybarizelt, Sybaris, eine Stadt in Unteritalien, war durch üppiges Wohlleben berüchtigt.
Schreit juhei, juheissasa!

Der Chor
Daß ein Gott mir noch vergönnte, diesen Tag einmal zu schaun!
Denn ich trug viele Noth,
Lag auf Strohbetten, hart,
Wie die Streu Phormions. Phormion, dein durch seine Ausdauer und Abhärtung berühmter Heerführer, der über die Sparter zwei Seesiege gewann.
Traun, du sollst als Richter fortan nimmermehr mich herb und barsch,
Noch erbarmungslosen Sinnes finden, wie wohl ehedem;
Nein, du sollst freundlich und
Sanft mich seh'n, jugendlicher,
Wurden wir des Krieges los.
Denn bereits lang genug
Hat man uns matt gequält,
Treibt man uns hin und her
Zum Lykeion vom Lykeion, mir dem Wurfspeer, mit dem Schild. Im Lykeion, einer öffentlichen Ringschule in Athen, wurden die kriegerischen Vorübungen gehalten.
Aber auf, sage mir,
Wo ich dir allermeist
Dienen kann; denn das Stück
Hat dich uns als Alleinherrn bestellt.

Siebente Scene

Trygäos. Hermes. Der Chor.

Trygäos
Auf, laß mich seh'n: wo wälzen wir die Steine hin?

(Hermes kommt aus dem Hause, wie Trygäos eben um die Steinkluft beschäftigt ist.)

Hermes
Tollkühner Frevler, was gedenkst du hier zu thun?

Trygäos
Nichts Arges, wahrlich, eben nur, was Killikon. Killikon verrieth seine Vaterstadt Miletos den Einwohnern von Priene. Während der Anstalten dazu gab er seinen Freunden auf die Frage, war er vorhätte, stets die Antwort: Lauter Gutes. Daher das Sprichwort: Lauter Gutes, wie Killikon. Suidas.

Hermes
Du bist des Todes, Armer – Wenn Mehrere in Athen zugleich zum Tode verurtheilt waren, so wurden sie nicht alle an Einem Tage hingerichtet, sondern es ward immer für einen Tag Einer herausgeloost. Dies hatte manchmal die Folge, daß die Richter oder das Volk den Spruch bereuten und die übrigen Verurtheilten gerettet wurden. Hermes nun, als Gott der Loose (d. h. als Gott der List bei jedem Zufallsspiele thätig), den der Loosende auch zuerst anrufen muß, weiß dem Loose eine günstige Wendung zu geben. Der Scholiast.

Trygäos                                     Wenn das Loos mich trifft.
Doch bist du Hermes, lenkst den Wurf, ich weiß wohin.

Hermes
Des Todes, ganz des Todes, Mensch!

Trygäos                                                 Auf welchem Tag?

Hermes
Im Augenblick.

Trygäos                 Doch hab' ich noch nichts eingekauft, Trygäos deutet die Drohung des Hermes so, als bo er in's Feld rücken müßte, wozu man sich mit Lebensmitteln auf drei Tage versah. Den Krieg denkt er als einzige Todesart. Zudem ist Hermes zugleich der Führer der Seelen in die Unterwelt und da er ein Leckermaul ist, so muß man sich für einen solchen Geleitsmann vorsehen.
So wenig Mehl als Käse, für den Todesgang.

Hermes
Gleichwohl, du bist vernichtet.

Trygäos                                       Und wie kommt es denn: Vernichtet sein war eine Wohltat für die kriegsbedrängten Athener: denn wie Aeschylos singt (in den Schutzflehenden): Der Tod allein ja nimmt von uns / All das jammerschwere Leid.
Ich merke nichts, daß solches Heil mir widerfuhr?

Hermes
So wisse, Zeus hat Jedem angedroht den Tod,
Der sie herauszuholen wagt.

Trygäos                                   Nun muß ich wohl
Auf alle Fälle sterben, Herr?

Hermes                                     Verlaß dich drauf.

Trygäos
So leihe mir drei Drachmen für ein Ferkelchen; Die Eingeweihten der Mysterien einer höheren Seligkeit nach dem Tode. Bei der Einweihung ward ein Ferkel geopfert.
Denn ich bedarf der Weihe, vor dem Tode noch.

Hermes
O Zeus in Bliz und Donner –

Trygäos                                     Bei den Göttern, nein!
Nicht wolle mich verrathen, Herr, ich bitte dich.

Hermes
Nicht schweigen darf ich.

Trygäos                               Um des Fleisches willen, still!
Das ich mit frohem Herzen dir heraufgebracht.

Hermes
Du Thor, vertilgen wird mich gleich Zeus' Donnerstrahl,
Posaun' ich's ihm nicht gellend in die Luft hinaus.

Trygäos
Posaune jezt nicht, Hermchen, ich beschwöre dich!
(zu dem Chore)
Sagt mit, Männer, wie geschieht euch? Ganz erschüttert steht ihr da!
Memmen ihr, seid nicht so lautlos: sonst posaunt er Alles aus!

Der Chor
Nimmermehr, gestrenger Hermes, nimmermehr, nein, nimmermehr!
Weißt du noch, wie ich dir
Ferkel oft aufgetischt,
Die dir süß schmeckten Herr,
Achte du doch solche Gabe nicht gering in solcher Noth!

Trygäos
Hörst du nicht, wie die dir schmeicheln, mein gestrenger Fürst und Herr?

Der Chor
Schaue nicht grollend auf
Unser Fleh'n, wehre nicht,
Sie zu heben aus der Gruft!
Nein, mit Huld blick' auf uns,
Meschenfreund, gabenreich,
Gütig, wie kein andrer Gott,
Graut dir anders vor Peisandros' Mähnenbusch und Augenbrau'n! Peisandros war stattlich von Ansehen und dabei furchtsam und feig. Siehe "Die Vögel"
Und ich will Dankes voll
Feierlicher Opfer Zoll
Stolzer Umzüge Pomp
Dir, o Herr, jubelnd weih'n allezeit!

Trygäos
O laßt ihr Flehn dich rühren, ich beschwöre dich!
Sie zollen dir doch Ehre, mehr denn je zuvor.

Hermes
Sie sind ja jezt auch Diebe, mehr denn je zuvor. So spricht Hermes als Schuzgott der Diebe.

Trygäos
Ein Ding, gefährlich, ernster Art, entdeck' ich dir,
Das gegen alle Götter angesponnen wird –

Hermes
Wohlan, enthüll' es: denn vielleicht bewegst du mich.

Trygäos
Selene nämlich und der arge Sonnengott, Die Perser verehrten nach Herodotos 1,131 Mond und Sonne.
Verschworen beide wider euch schon lange Zeit,
Verrathen Hellas heimlich an's Barbarenvolk.

Hermes
Aus welchem Grunde thun sie das?

Trygäos
Weil wir, bei Zeus,
Euch spenden unsrer Opfer Dank, und ihnen nur
Barbaren opfern. Darum wünschen sie mit Grund
Euch alle sammt und sonders ausgetilgt zu sehn,
Daß sie der Götter Weihen dann allein empfah'n.

Hermes
Drum stahlen sie schon lange von den Tagen ab, Gemeint ist die jährliche Abnahme der Tage.
Und kürzten an den Zeiten aus Fahrlässigkeit.

Trygäos
Ja freilich. Deßhalb, Lieber, lege wohlgemuth
Hand an, die Göttin, uns vereint; herauszuziehn.
Dir feiern wir die großen Panathenäen dann,
Der andern Götter Feste samt und sonders auch,
Zeus' Fest, Adonis' Feste, samt Mysterien.
Ach andre Städte werden, frei der Kriegsnoth,
Dem Hort in Leid, dir, Hermes, allwärts Opfer weih'n;
Auch sonst des Guten wird dir viel. Vor Allem nimm
Von mir den Becher hier, damit du spenden kannst.
(er gibt ihm einen goldenen Becher.)

Hermes
O wie das Gold doch immer mir das Herz erweicht! –
(zu dem Chore:)
Euer ist nunmehr das Werk hier, Männer! Auf denn, geht hinan,
Nehmt die Hacken, und in aller Eile schleppt die Steine weg!

Der Chor
Also thun wir: du, der Götter schlauster, sei zu Rath und That
Uns gesellt, und was zu thun ist, ordne du werkmeisterlich!
Auch zum andern Dienste sollst du mich bereit und rüstig sehn.

Trygäos (zu Hermes)
Wohlan, geschwind denn halte du den Becher her,
Daß wir das Werk einbechern und den Göttern flehn. "das Werk einbechern", d. i. das Werk mit Trankopfern beginnen.

Hermes
Spende, Spende!
Schweigt voll Andacht, schweigt voll Andacht!
(er gießt die Spende aus.)

Trygäos
Zur Spende laßt uns beten, daß der heut'ge Tag
Der ganzen Hellas viels Glücks Urheber sei,
Und daß der Mann, der wacker an den Seilen mit "an den Seilen", mit welchen die Friedensgöttin heraufgezogen werden soll.
Angreift, hinfort zum Schilde niemals greifen muß!

Der Chor
Nein, daß ich friedlich spinnen mag der Tage Rest,
Und meine Kohlen schüren darf, dir Dirn' im Arm!

Trygäos
Wenn aber Jemand lieber Krieg zu haben wünscht,
Der werde niemals fertig, bei Dionysos' Macht,
Aus seinen Armen spize Pfeil' herauszuziehn!

Der Chor
Und wenn ein Mann, nach Häuptlingsehre lüstern, dir
Mißgönnt an's Lich zu steigen, hohe Königin,
So geh' es ihm im Felde, wie dem Kleonymos! Kleonymos, der von dem Dichter so oft verspottete Feigling, der "Mann ohne Schild".

Trygäos
Und wenn ein Schildverkäufer, wenn ein Lanzenschmid,
Des bessern Marktes wegen, Krieg und Schlacht begehrt;
In Räuberhände fallend, ess' er Gerste nur! Gerste, d. i. geschrotene Gerste, Viehfutter, nicht Mehl zu Brod und Klößen.

Der Chor
Und wenn ein Bürger, wei er Feldherr werden will,
Ein Knecht, der Ueberlaufen will, nicht ziehen hilft; Streng gehaltene Knechte fanden im Kriege leichter Gelegenheit, zum Feinde überzugehen.
Am Rade werd' er umgedrillt und durchgepeitscht! Verbrecher wurden an ein Rad gebunden und während des Umschwunges gepeitscht.
Doch uns erblühe Gutes! Heil, Ferntreffer, Heil! "Ferntreffer", Beiname des Apollon.

Trygäos
Das "Treffen" laß bei Seite; Heil; Heil rufe nur!

Der Chor
Heil also ruf' ich, rufe nichts als: Heil, o Heil!

Trygäos (indem er den Göttern, die er nennt, die Spenden ausgießt)
Dem Hermes und den Chariten, Die hier genannten Gottheiten sind, wie Hermes selbst, der Gott der Geistesbildung, im Gefolge der Friedensgöttin.
Den Horen und der Kypris und dem Eros dies!

Der Chor
Und Ares –?

Trygäos             Nein!

Der Chor                     Auch Enyalios nicht?

Trygäos                                                      O nein! Enyalios, sonst Ares selbst, hier ein eigener Dämon des Krieges, der auch ein Sohn des Ares und der Enyo heißt.

Der Chor
Frisch greifet an, ihr alle! Zieht die Taue, zieht!

(Der Chor zieht an den Tauen, die durch die Orchestra hin bis ind den Abgrund reichen, um die Friedensgöttin herauszuheben, unter gegenseitigen Zurufen.)

Hermes
Ho heia!

Der Chor       Heia frisch!

Hermes                           Ho heia!

Der Chor                                     Heia frisch!

Hermes
Ho heia! Ho heia!

Trygäos
Sie ziehen ja ganz ungleich an den Tau'n.
(zu den Böotern, die sich seitwärts gestellt haben:)
Greift an mit einander! O sträubt euch nicht!
Bald sollt ihr es büßen, Böoter! Die Böoter waren dem Frieden abgeneigt.

Hermes
Heia nun!

Trygäos
Heia ho!

Der Chor (zu Hermes und Trygäos)
Ihr beide, wohlan, helft auch mitzieh'n!

Trygäos
Ich ziehe ja schon und hänge mich an,
Und stemme mich an, und mühe mich ab.

Der Chor
Und gleichwohl geht's nicht vorwärts.

Trygäos
Ha, Lamachos, unrecht, daß du hier in den Weg dich drängst! Lamachos, der kriegslustige Heerführer Athens, trug auf dem Schilde das Abbild der Gorgo als Wappen. Wahrscheinlich saß er, als Feldherr, auf einer der vordersten Bänke des Theaters.
O Mensch, wir brauchen dein Gespenst im Schilde nicht.

Hermes
Auch Argos' Söhne ziehen hier schon lange nicht;
Sie lachen nur die Leute, die sich placken, aus,
Und essen ruhig hier und dort ihr Söldnerbrod. Die Argeier hielten es bald mit den Athenern, bald mit den Spartern, je nachdem hier oder dort Gewinn zu holen war.

Trygäos
Doch die Lakonen, Lieber, die zieh'n tapfer an.

Hermes
Du weißt ja: wer von ihnen noch am Holze liegt, "Die am Holze liegen", sind die Landleute, welche die ländlichen Werkzeuge des Friedens aus Holz bereiten, im Gegensatz gegen den Wehrschmid. Zugleich Anspielung auf die Gefangenen von Spyakteria, die noch "am Blocke liegen", in Athen an Balken gefesselt sizen, und welche die Friedensgöttin aus ihrer Gruft zu heben wünschen, um ausgelöst zu werden.
Die zögen gerne; doch der Wehrschmid läßt sie nicht.

Der Chor
Auch dort die Megarer schaffen nichts; doch ziehen sie, Den durch Krieg und Handelssperre heruntergekommenen Megarern wehrt der Hunger zu thun, wie sie wohl möchten.
Am Fleische zerrend, Hündchen gleich, recht kümmerlich;
Der Hunger hat sie freilich schon ganz abgezehrt.

Trygäos
Wir fördern nichts, o Männer; auf einmüthig geh'n
Wir alle wieder mit vereinter Kraft an's Werk!

(Alle fassen wieder an.)

Hermes
Ho heia!

Trygäos       Heia ho!

Hermes                   Ho heia!

Trygäos                               Ho, bei Zeus!

Hermes
Ho heia! Ho heia!

Der Chor
Kaum rücken wir vor!

Trygäos
Abscheulich ist's,
Die hier zieh'n an, die ziehn zurück!
Bald fühlt ihr die Faust, ihr Argeier!

Hermes
Heia nun!

Trygäos
Heia ho!

Der Chor
Böswillige gibt's in unseren Reih'n.

Trygäos
Auf, ihr denn, die voll Sehnsuchtschmerz
Nach dem Frieden verlangt, zieht mannhaft, zieht!

Der Chor
Doch stören so Viele das Werk hier.

Trygäos
Ihr Megareer, schert euch zum Geier fort!
Euch haßt die Göttin herzlich und gedenkt es euch,
Daß ihr zuerst mit eurem Knoblauch sie gesalbt. Durch ihren Knoblauchsgeruch, meint Trygäos, haben die Megarer die Friedensgöttin vertrieben. Knoblauch war, wie Zwiebeln, ein Handelsartikel der Megarer.
Auch euch, Athener, sag' ich, faßt nicht länger mehr
Das Seil an jenem Ende, wo bisher ihr zogt:
Denn nichts betreibt ihr weiter als Processe nur. Vom Meer abgewandt schauen die müßiggängerischen Athener auf ihre geliebten Gerichtsverhandlungen. Der Dichter heißt sie auf das Meer schauen, d. h. auf die Seemacht, die den tapferen Vätern Wohlstand und gute Verfassung gab.
Doch wenn ihr ernstlich sie heraufzuheben wünscht,
So ziehet euch ein wenig an das Meer zuück.

Der Chor
Auf, Männer, schaffen wir allein das Werk, wir Landbesteller!

(Der Chor allein faßt die Taue.)

Hermes
Schon geht es, wenn ihr ziehet nur, viel besser, traun, ihr Männer!

Der Chor
Schon geht es, meint er; alle denn greift an und schaffet wacker!

Hermes
Fürwahr, die Bauern ziehen sie heraus, und weiter Niemand!

Der Chor
Frisch auf! All' auf!
Schon ist die Göttin nahe.
Nicht nachgelassen jezo, nein,
Mannhafter nur euch angestrengt!
Schon ist es uns gelungen!
(Die Friedensgöttin steigt aus der Tiefe, mit ihr Opora und Theoria.)
Ho heia nun! Ho heia rings!
Ho heia, heia, heia, heia!
Ho heia heia ring!

Achte Scene

Hermes. Trygäos. Der Chor. Die Friedensgöttin. Opora. Theoria.

Trygäos
O hehre Traubenspenderin, wie grüß' ich dich!
Wo nehm' ich's her, das Zehentausendfuderwort,
Um dich zu grüßen? Denn ich habe kein's daheim.
Opora, Heil dir! Sei gegrüßt, Theoria!
Welch lieblich Antliz hast du doch, Theoria!
Wie duftest du, wie lieblich, bis in's Herz hinein,
So wonnig süß, wie Waffenruh und Nardenöl!

Hermes
Und wahlich gar nicht einem Kriegstornister gleich.

Der Chor
Pfui vor des eklen Söldlings, eklem Kriegsgepäck!
Da duftet's ja nach Zwiebelessigrülpsen nur,
Und hier nach Ernte, Luftgelag, Dionysosfest,
Schalmei'n, Tragödien, Sophokles, Krammtsvögelchen,
Nach Verschen aus Euripedes –

Trygäos                                           Das büßest du,
Die Göttin so zu läßtern! Denn sie liebt gewiß
Den Dichter nicht mit seinen Anwaltsrednerei'n.

Der Chor
Weinschläuchen, Epheu, Lämmerblöken auf der Trift,
Geschürzten Frauen, eilend auf das Feld hinaus,
Betrunknen Dirnen, umgestürztem Trinkgeschirr,
Und vielem andern Guten.

Hermes                                   Auf, betrachte nur,
Wie traulich dort die Städte, wieder ausgesöhnt,
Zusammenplaudern, wie sie lachen frohes Sinns,
Obgleich von Striemen grausenhaft die Haut zerfleischt
Gesammt und sonders, und mit Schröpfhütlein behängt!

Trygäos
Nun sieh dir auch die Gesichter an im Publikum:
Daran erkennst du jed Gewerb.

Hermes                                         Abah, du Schelm!
Gewahrst du nicht, wie dort der Helmbuschbinder sich
Das eigne Haar zaust, und der Hackenmacher hier
Dem Meister Schwertner in's Gesicht den Schwefel bläst?

Trygäos
Und der Sensenmacher, siehst du wohl, wie der sich freut,
Wie der dem Nachbar Lanzenschäfter Esel bohrt?

Hermes
Auf, schicke nun die Landbesteller wieder heim!

Trygäos
Ihr Völker, hört! Die Landbesteller schick' ich heim.
Nehmt eure Feldgeräthe, zieht auf's Land hinaus
Ungesäumt und ohne Wurfspeer, ohne Lanz' und ohne Schwert!
Aller Orten waltet hier jetzt Friede, wie zur alten Zeit;
Gehe Jeder denn zu Arbeit auf das Feld und juble laut!

Der Chor
Holder Tag, von allen Guten und dem Landmann heißersehnt!
Fröhlich, nun ich dich gesehen, grüß' ich meine Reben dort:
Auch ihr Feigenbäume, dich ich selbst gepflanzt, ein Knabe noch,
Wie verlangt mich's, euch zu grüßen nach so langer, langer Zeit!

Trygäos
Nun, o Männer laßt zuerst uns mit Gebet uns wenden hier
An die Götter, die von Helmbusch uns erlöst und Gorgobild!
Ungesäumt dann zieh'n wir alle friedlich heim nach Haus und Hof,
Wann wir erst ein gutes Stückchen Pökelfleisch für's Land gekauft.

(Der Chor stellt sich auf.)

Hermes
Großer Zeus, wie wallt so stattlich dort der Menschenschwarm dahin,
Großer Zeus und festgeknetet, wie Gebäck und Volksgelag!

Trygäos
Ja bei Zeus, denn hergerüstet ist die Hacke glänzendhell,
Und die dreigezackten Karste leuchten blank im Sonnenlicht;
Stattlich, traun, in Wechselreihen ragten sie, wie Reb' und Baum!
Drum verlangt's auch mich so herzlich, auf das Feld hinauszugeh'n,
Und einmal mein Gütchen wieder umzuschaufeln mit dem Karst.
Auf denn, eingedenk, o Männer,
Sei der alten Art und Sitte,
Welche sie euch einst gewährte,
Jenes eingemachten Obstes,
Jener Feigen, jener Myrten,
Jenes ersten süßen Mostes,
Auch des Veilchenbeets am Brunnen,
Auch der Oelbäum' unsrer Sehnsucht:
Alles dessen
Fromm gedenkend, weiht, o Männer,
Preis und Dank der Göttin hier!

Der Chor
Heil, o Heil dir, Theuerste!
Welche Wonn' uns, daß du kamest!
Sehnsuchtsvoll harrt' ich dein:
Denn mich trieb's lange schon,
Auf das Land heimzuzieh'n.
Denn du warst der größte Segen,
Heißersehnte, stets für uns
Alle, die, ohne Harm
Lebend, ihr Feld gebaut.
Uns Nuzen schafftest du allein.
Vieles ja gewährte dein
Walten uns, des Guten Vieles,
Ungekauft, gerngegönnt.
Ja, du warst uns Feldbestellern
Gnadenhort und Gerstenmus.
Darum beut, frischumlaubt,
Reb' am Stock, Feig' am Baum,
Alles, was keimt und sproßt,
Zum Emfpang lachend dir frohen Gruß.

Der Chorführer (zu Hermes)
Aber wo die lange Zeit durch unsre Göttin fern von uns
Weilte, davon gib mir Kunde, du der Götter gütigster!

Hermes
Ihr veramrmten Landbesteller, achtet meiner Rede wohl,
Wollt ihr anders gründlich hören, wie die Göttin euch entschwand.
Alles Unheils Quelle war das Mißgeschick des Pheidias. Pheidias, der Schöpfer des kolossalen Zeus Olympios, ward, als er ein Bild der Athene verfertigte, wegen Veruntreuung von Gold und Elfenbein angeklagt. Hievon freigesprochen, ward er beschuldigt, sich und den Perikles auf dem Schilde der Athene abgebildet zu haben, und mußte in's Elend wandern.
Perikles darauf, besorgend, daß er theile gleiches Loos – Auch Perikles wurde der Veruntreuung beschuldigt; allein er vertheidigte sich durch Darlegung seiner Armuth so gründlich, daß das Volk, weit entfernt, auf seine Verbannung zu dringen, ihm von neuem Liebe und volles Zutrauen schenkte. Gerade damals kamen die lakedämonischen Gesandten mit ihren schimpflichen Bedingungen nach Athen; Perikles zeigte den Athenern ihre eigenen Hülfsquellen und die Schwäche des Feindes, und der Krieg war beschlossen. So Thukydides. Die Komiker stellen den Perikles als einen Mann dar, der aus Angst vor einer gerichtlichen Untersuchung oder aus Rache wegen beleidigter Eitelkeit den Krieg erregt habe; gut für ihren Zweck; denn der Troß von Zuschauern, der die wahre Ursache des Krieges nicht begriff, konnte ihn wegen eines lächerlichen oder verächtlichen Ursprunges am ersten verabscheuen lernen. Voß.
Denn vor eurem Zorne bangt' ihm, eurer bissigen Natur –
Sezte schnell die Stadt in Flammen, eh' ihn selbst das Schlimme traf.
Durch das eingeworfne Fünklein, jenen Schluß ob Megara's, Den von Athen abgefallenen Megarern ward alle Handelsgemeinschaft mit Attika untersagt. Als kurz vor dem Ausbruche des peloponnesischen Krieges die Sparter die Aufhebung dieses Volksbeschlusses zu einer Hauptbedingung für die Fortdauer des Friedens machten, gaben die Athener so wenig Gehör, daß ihr Haß gegen die Megarer noch zu wachsen schien. Im ersten Jahre des Krieges verheerte Perikles die megarischen Gefilde, und diese Einfälle wurden alljährlich fortgesetzt, bis endlich, im achten Jahre des Krieges, der megarische Seehafen Nisäa in die Hände der Athener fiel.
Blies er an so große Kriegsflamme, daß vom Rauch sofort
Allem Volk die Augen thränten, fern und nahe, dort und hier.
Kaum vernahm davon der Weinstock, fuhr er alsbald knatternd auf,
Kaum das Faß, vom Schlag getroffen, schlug im Zorn auf's andre Faß;
Nirgend war ein Ziel des Haders, und die Göttin schwand hinweg.

Trygäos
Bei'm Apollon, noch von Niemand hab' ich sowas je gehört,
Wußte nie, daß mit der Göttin Pheidias verbunden sei.

Der Chor
Wußten's auch noch nicht bis heute. Darum war sie wohl so schön,
Weil sie Pheidias verwandt ist. Unser Eins weiß wenig doch!

Hermes
Als darauf die Städte hörten, deren Oberherrn ihr wart,
Wie erboßt ihr auf einander wärt und euch die Zähne wiest,
Woben sie, die Steuern fürchtend, alle Ränke wider euch,
Und gewannen der Lakonen größte Männer durch ihr Gold
Diese nun, voll schnöder Habsucht, und verhöhnend Fremdlinge, Habsucht und Fremdenhaß waren alte Untugenden der Sparter. Ausschließung der Fremden war Gesez bei ihnen, und nur an gewißen Tagen durften Fremde das spartische Gebiet betreten. Der Scholiast.
Stießen frech hinaus die Göttin, griffen hastig nach dem Krieg.
Und darauf ward ihre Habgier auch der Landbesteller Fluch.
Denn die Schiffe, die wir rächend ausgesendet, zehrten dort
Leuten auch, die nichts verschuldet, gierig alle Feigen auf.

Der Chor
Und gewiß mit vollem Recht, auch weil sie meinen Feigenbaum
Ausgehau'n, den ich mit eigner Hand gepflanzt und aufgenährt.

Trygäos
Ja mit allem Recht, o Lieber, weil sie mein Sechsscheffelfaß,
Voll von Korn, auch mir mit Steinen frech genug zerschmetterten.

Hermes
Als darauf das Bauernvolk zur Stadt herein vom Lande kam, Die attischen Landleute flüchteten ihre Habe vor den Einfällen der Feinde in die Stadt. Der Scholiast.
War es auf dieselbe Weise hier verkauft und merkte nichts.
Aber missend seine Trauben, seinen Feigen zugethan,
Sh es hoffend auf die Redner. Diese, wenn sie gleich erkannt,
Wie der arme Mann in Noth war, dem gebrach sein täglich Brod,
Trieben schreiend unsre Göttin mit des Wortes Gabeln aus,
Ob sie schon, nach diesem Land sich sehnend, oft sich blicken ließ. Nach den Vorfällen in Pylos kamen die Lakedämonier mit Friedensanträgen, wurden aber von den Athenern abgewiesen.
War der Bundesgenossen Einer fett und reich, der ward gezwackt,
Und als Schuld ihm angedichtet: "dieser hält's mit Brasidas." Brasidas, der bekannte Heerführer der Sparter.
Ihr sodann, wie kleine Hunde, packtet und zerrisset ihn.
Denn die Stadt, gebleicht von Hunger, saß in Angst und Sorge da;
Was man ihr verläumdend hinwarf, Alles aß sie gierig auf.
Als die Bundesfreunde sah'n, wie Schlag auf Schalg die Fremden traf,
Stopften sie den argen Thätern ungesäumt mit Gold den Mund;
Diese wurden reiche Leute, während (und ihr merktet nichts)
Hellas öd' und ausgeleert ward. Und die Schuld an all dem
Trug der Gerber –

Trygäos
Schweig', o schweige, hoher Hermes; nichts davon!
Laß den Lederhändler drunten ruhig liegen, wo er liegt!
Denn er ist nicht mehr der Unstre; die allein gehört er an. "dir allein gehört er an", dem Hermes, als dem Führer der Schatten in die Unterwelt.
Was du denn dem Manne nachsagst,
War er auch ein Schalk im Leben,
Und ein Schwäzer und ein Laurer,
Und ein Zänker und ein Stänker,
Dieses alles sammt und sonders
Wirfst du deinen Leuten vor.
(sich an die Friedensgöttin wendend)
Doch du, Verehrte, sage mir, warum du schweigst.

Hermes
Wohl schwerlich mag sie reden vor dem Volke dort:
Dem grollt sie schwer für Alles, was sie duldete.

Trygäos
Ein kurzes Wort nur rede sie denn doch zu dir!

Hermes (zu der Friedensgöttin)
wie denkst du denn von ihnen? Theure, sage mir's!
(er nähert sich ihr.)
Sprich, du der Frauen grimmste Tartschenhasserin!
(sie flüstert ihm etwas zu.)
Schon gut – ich höre! – Dessen zeihst du sie? – Ich weiß.
(zu den Andern)
Ihr Männer, höret, wessenthalb sie Klage führt!
Freiwillig, sagt sie, kam ich her nach Pylos' Fall,
Der Stadt Verträge bringend, eine Kiste voll,
Und ward im Rath des Volkes dreimal weggestimmt.

Trygäos
Das war von uns ein Fehler; doch vergib es uns.
Denn unser Sinn stand dazumal auf Leber nur.

Hermes
Wohlan, vernimm auch, was sie jezt mich weiter frug:
Wer ihr am meisten feindlich war in euerer Stadt,
Wer ihr befreundet und dem Krieg entgegen war?

Trygäos
Ihr bester Freund von Allen war Kleonymos.

Hermes
Und welches Rufes freut er sich als Krieger denn,
Kleonymos?

Trygäos             Ein Mann von Muth; nur leider ist
Er nicht der Sohn des Mannes, den er Vater nennt.
Denn wenn er je zu Felde zieht, so sezt er gleich,
Er selbst ein Findling, seinen Schild als Findling aus.

Hermes
Nun höre weiter, was sie mich jezt eben fragt:
Wer waltet jezt als Herrscher auf dem Stein der Pnyx? Auf der Pnyx war, wie auf dem Markt und im Areopagos, die Rednerbühne von Stein.

Trygäos
Hyperbolos gebietet nun in diesem Raum. Ueber den Lampenhändler Hyperbolos, der nach dem Tode des Kleon der erste Volksführer war.
(zu der Friedensgöttin)
Was ist dir? Wohin wendest du das Haupt, o Frau?

Hermes
Sie kehrt sich ab vom Volke, voll Unwillen, daß
Es solch verworfnen Menschen sich zum Herr erkor.

Trygäos
Wir brauchen ihn nicht länger mehr; einstweilen nur,
Weil ihm ein Vormund fehlte, weil es nackend war,
Umband das volk die Blöße sich mit diesem Strick.

Hermes
Wie das der Stadt denn (fragt die Göttin) frommen soll?

Trygäos
Wie werden wohlberathner sein.

Hermes                                           In welcher Art?

Trygäos
Nun, weil er Lampenmacher ist. Sonst tasteten
Wir durch die Staatsgeschäfte nur im Dunkel hin,
Und nun beräth man jedes Ding bei Lampenlicht.

(Die Göttin bespricht sich indessen eifrig mit Hermes.)

Hermes
Ho! Ho!
Was sie mich jezt dich Alles fragen heißt!

Trygäos                                                       Und was?

Hermes
Gar Vieles und Uraltes, wie sie's einst verließ.
Vor Allem fragt sie, wie's dem Sophokles ergeht.

Trygäos
Er lebt im Glück doch geht's ihm sonderbar.

Hermes                                                           Wie so?

Trygäos
Aus deinem Sophokles wird er ein Simonides. Vom Simonides erzählt Aristoteles dies: "Als ihm ein Sieger mit Maulthieren einen geringen Sold gab, wollte er nicht singen, weil es schmachvoll sei, Maulthiere zu besingen; als jener zur Genüge gab, sang er: Heil euch, ihr Töchter der sturmgeschwinden Rosse!" – Von des Sophokles Geldgier ist weiter nichts bekannt. Der Scholiast erzählt, er habe sich auf dem Feldzuge gegen die Samier bereichert. Diesen aber machte Sophokles unter Perikles, sieben Jahre vor dem Beginne des peloponnesischen Krieges, als rüstiger Fünfzigjähriger. Was Trygäos erzählt, wird als Wirkung des gräßlichen Krieges angesehen, der einen so edlen Sänger zu Unedlem verleiten kann.

Hermes
Simonides? Wie meinst du?

Trygäos                                   Weil er, alt und morsch,
Auf einem Strohhalm noch die See durchführ' um Geld.

Hermes
Doch weiter – lebt der Meister noch, Kratinos?

Trygäos                                                               Nein;
Er starb zu Zeit des Spartereinfalls.

Hermes                                               Und woran?

Trygäos
Er fiel in Ohnmacht: unerträglich war es ihm,
Ein volles Weinfaß mit Gewalt zerschellt zu sehn. –
(an die Friedensgöttin)
Wie Vieles sonst noch, glaubst du, daß die Stadt erfuhr?
Drum lassen wir, o Herrin, nimmermehr von dir.

Hermes
Auf dieses Gelöbnis nimm dir nun Opora hier
Zur Ehegattin, und hinfort auf deinem Gut
Dich ihr gesellend, zeuge dir die Trauben selbst!
(er übergibt ihm die Opora.)

Trygäos
Komm her und laß dich küssen, komm, mein süßer Schaz! –
Sprich, kann's mir schaden, wenn ich nach so langer Zeit,
Mein König Hermes, mit Opora schäkere?

Hermes
Nein, trinke nur ein Schlückchen Herzpolei darauf. >Die Polei stärkt den verdorbenen Magen.
Jezt ohne Säumen nimm dir auch Theoria,
Und führe sie zum Rathe, dem sie sonst gehört.

Trygäos
O Rath, wie glücklich wirst du durch Theoria!
Wie viele Brühe schlürfst du nun, drei Tage lang!
Wie viel Kaldaunen schlingst du nun und Fleisch hinab!
Jezt, lieber Hermes, lebe wohl!

Hermes                                         Ja, lebe wohl
Auch du, vergnügt zieh' hin, o Mensch, und denke mein!

Trygäos
Auf Käfer, heimwärts, wieder heimwärts fliegen wir!

Hermes
O Freund, der Käger ist ja fort.

Trygäos                                         Wo kam er hin?

Hermes
Zeus' Wagen zieht er, mit dem Donnerstrahl bewehrt.

Trygäos
Und wo bekommt der Arme dort sein Futter her?

Hermes
Als Futter dient ihm Ganymed's Ambrosia.

Trygäos
Doch wie gelang' ich dort hinab?

Hermes                                           Gut; sei getrost:
Hier neben ihr, der Göttin selbst.

Trygäos                                           Kommt, Mädchen, kommt,
Und folgt mir in Eile; denn verlangenvoll
Erwarten euch gar Viele mit gespanntem Hahn.

(Trygäos steigt mit den drei Göttinnen vom Himmel auf die Erde nieder; der Chor bleibt allein zurück.)

Der Chorführer
Zeuch fröhlich dahin. Wir wollen indeß das Geräth hier unsern Gefährten
Einhändigen und zur Bewahrung vertau'n; denn Diebe ja pfelgen gewöhnlich
Um die Bühne herum sich zu schleichen in Meng' und geheim zu betreiben ihr Handwerk.
So bewacht denn Alles mit männlichem Sinn; wir thun dem versammelten Volke
Kund, "wie uns der Brauch gebietet, was die ganze Seele füllt."

Parabase

Der Chorführer (an die Zuschauer)
Wohl sollte der Stab vollzeihen sein Amt, wenn hier ein Komödiendichter Auf der Schaubühne standen, um Ordnung und Ruhe zu erhalten, öffentliche Aufseher, die als Zeichen ihrer Würde und zugleich als Werkzeug der Strafe einen Stab trugen.
Sich selbst lobpreist, an die Menge gewandt im Schwung anapästischer Weisen.
Doch wenn sich's geziemt, o Tochter des Zeus, dem Ehre zu thun, der im Lustspiel
Als Meister sich weit vor den Andern bewährt und den herrlichsten Ruhm sich errungen;
Dann dünkt, der uns einübte das Spiel, vorzüglicher Ehre sich würdig.
Denn Alle, die einst wettkämpften mit ihm, hat er ja, der Eine, beschwichtigt,
Die Lumpen und Noth aushöhnten und stets sich herum nur balgten mit Läusen. Der Komiker Eupolis hatte nach dem Vorgange des Euripides Bettler auf die Bühne gebracht.
Die Herakles sodann, die ewig den Mund voll kneteten, hungernd und lungernd,
Und die Flüchtlinge dort und das Gaunergezücht, und was zum Vergnügen sich durchpeitscht,
Die trieb er zuerst mit Schande hinweg; auch schuf er den Knechten Erlösung.
Die stets auftraten mit lautem Geheul, nur aus dem ergözlichen Grunde,
Daß mit hämischem Spott ihr Mitknecht dann sie wegen der Schläge begragte:
"Armseliger, ach, was traf die das Fell? Brach etwa der borstige Zagel
Mit Heeresgewalt in die Flanken dir ein, und zerbläute dir tüchtig den Rücken?"
Solch faules Geschwäz, solch häßlichen Schund, solch niedrige Frazen vertrieb er,
Und schuf uns groß die gesunkene Kunst, u nd thürmte den Bau in die Lüfte
Mit Gedanken und Wort von erhab'nem Gehalt und nicht marktähnlichen Wizen,
Das Gewöhnliche nicht durchziehend mit Spott, alltägliche Männchen und Weibchen;
Nein, Herakles' Muth in der zornigen Brust, legt Er an die Mächtigsten Hand an,
Durch Lebergeruch und entsezlichen Dunst kothsprudelnder Drohung schreitend.
Und zuerst und vor Allen bekämpf' ich ihn selbst mit den spizigen Hauern, den Unhold,
Dem fürchterlich, ha! von den Augen daher, wie der Kynna, sprühten die Blicke, Kynna, eine bekannte Buhlerin in Athen.
Die hundert heulende Häupter umher unseliger Scheichler beleckten
Sein gräßliches Haupt; er hatte den Laut, wie des allzerstörenden Waldstroms,
Und der Robbe Gestank und den Steiß des Kamels und der Lamia schmuzige Hoden.
Solch Grauen zu schau'n, es erschreckte mich nicht; nein, immer für euch, ihr Athener,
Und die Inseln bestand ich muthig den Kampf. Drum acht' ich es recht und geziemend,
Daß dankend ihr jezt mir vergeltet mit Huld und mein in Liebe gedenket.
Denn sonst auch, wenn es nach Wunsch mir gelang, umschlich ich nie die Palästra,
Auf Knaben erpicht; nein, wenn ich geschnürt mein Bündelchen, zog ich nach Hause,
Nur selten zur Last, oft weckend die Lust, und stets zu gefallen beflissen.
Drum ziemt es sich wohl, daß Männer zumal
Und Knaben zumal an der Seite mir stehn;
Auch jeglichen Kahlkopf mahn' ich getreu,
Mit Eifer zum Sieg mir behülflich zu sein.
Denn wird mir der Sieg, dann rufen sie wohl
Bei'm festlichen Mahl, bei'm Zechergelag:
"Für den Kahlkopf dies, für den Kahlkopf das Aristophanes hatte über der hohen Stirne eine Glaze.
Von dem Backwerk hier; ihm schmälere nichts,
Dem gewichtigen Mann mit der glänzenden Stirn,
Dem erhabensten unter den Dichtern!"

Der Chor

Strophe.
Wende von Schlachten dich ab,
Und tanze den Reigen mit mir,
Deinem Freund, o Muse,
Hochzeiten der Götter besingend, Männermahle,
Und der Heroen Gelag!
Dir liegt ja dies vor Allem ob.
Aber so Karkinos kommt und Ueber Karkinos und seine Söhne. Einer dieser Söhne schrieb Tragödien, worin Götter auf Maschinen zum Himmel fliegen.
Dich mit den Söhnen im Chor zu tanzen bittet,
Höre sie nicht und nahe
Nicht als Helferin ihnen;
Denke, sie seien alle
Wachteln, im Hause geheckt, Die Söhne des Karkinos heißen "Wachteln, im Hause geheckt", weil Wachteln als streitsüchtige Vögel häufig, wie die Haushähne, zu Wettkämpfen aufgezogen und abgerichtet wurden; durch die folgenden Prädikate werden ihre verbutteten Gestalten bezeichnet.
Langhalsige Tanzmännlein,
Zwergelchen, Pillen des Mist's, Geißkegelchen, Wundermaschinler.
Sagte der Vater doch selbst von dem Stück, das Karkinos gebar, ohne Beistand der Muse, nach langem Kreißen ein Schauspiel: die Maus. Sie lief auf das Theater und ward – von der Kaze verzehrt, d. i. ausgezischt.
Wider Vermuthen ihm kam:
"Die Kaze maust' des Abends."

Gegenstrophe.
Also den Feiergesang
Schönlockiger Chariten muß
Euch der weise Dichter
Anstimmen, sobald mit dem jungen Lenz die Schwalbe
Zwitschert am hohen Gesims, Bruchstück aus Stefichoros mit leichten Abänderungen.
Und keinen Chor führt Morsimos
Oder Melanthios, dessen Morsimos und Melanthios, Söhne des Philokles, schlechte Tragödienschmide und Schlemmer dazu, daher V. 800 Gorgonen genannt, die mit starken Freßwerkzeugen dargestellt wurden, und V. 801 Harpien.
Schnarrende Stimme noch jüngst in's Ohr mir dröhnte,
Als er mit seinem Bruder
Selbst der Tragöden Chorreih'n
Führte, die beiden ein gierig
Schlemmendes Gorgogezücht,
Harpyien, nach Lachs lüstern,
Büßend an Vetteln die Luft, bockduftige Fischeverschlinger.
Diese bespuckt mit Macht, unsterbliche
Muse, geselle dich mir,
Und tanze frohe Reigen!

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