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Gutenberg > August von Kotzebue >

Der Freimaurer

August von Kotzebue: Der Freimaurer - Kapitel 1
Quellenangabe
typecomedy
authorAugust von Kotzebue
titleDer Freimaurer
senderhille@abc.de
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August von Kotzebue

Der Freimaurer

Lustspiel in einem Akt

Historischer Theaterzettel

Personen:

Der Graf von Hecht

Karoline, seine Nichte

Der Baron

Hans, des Grafen Bedienter

(Der Schauplatz ein Zimmer)


Erste Szene

Karoline allein.

Vergebens plag' ich ihn, er will mir nichts erzählen. –
Wie mag die Neugier uns Weiber doch so quälen!
Ein Buch von Frau La Roche und Ewalds Unterricht,
Darum kümmern wir uns in der Regel nicht.
Doch, was die Männer insgeheim vor uns bewahren,
Das möchten gar zu gern wir wissen und erfahren!
Und ist es auch vielleicht für uns von keinem Wert,
Genug schmeichelt doch, wenn man es nur erfährt.
Im Grund'ist's Eitelkeit – schau hinter die Kulissen,
Es kitzelt, wenn man weiß, was Andre noch nicht wissen.
Und wer sich brüsten kann mit einer Neuigkeit,
Der wächst um einen Zoll, wird noch einmal so breit.
Wenn's auch ein Unglück wär, nur neu vor allen Dingen,
So mag man's gar zu gern dem Andern hinterbringen;
Und wenn es dem auch gleich das Herz im Leibe bricht,
Genug, man setzt hinzu: Erschrecken Sie nur nicht. –
Verdammte Maurerei! Die war mit allem Rechte,
Schon längst Skandal und Qual dem weiblichen Geschlechte.
Dem Maurer wöchentlich ein Abend bestimmt,
An dem Er aus dem Schrank das wohl Verschloss'ne nimmt,
Es in die Tasche steckt, mit Sorgfalt es verhehlend,
Er geht, Gott weiß wohin, er tut, man weiß nicht was,
Indes die Frau daheim mit schwerem Herzen saß.
Fragt sie, so lächelt er mit vornehm güt'gen Blicken,
Als wäre sie ein Kind, als woll' es sich nicht schicken,
Ihr zu vertraun, was nur dem Mann zu wissen ziemt,
Und nichts erfährt sie, nichts! Auch nicht einmal verblümt!
Beim Licht besehen ist auch wohl nicht viel dahinter,
So eine Art von Klub, ein Zeitvertreib im Winter.
Doch bleibt es ärgerlich, dass, wenn die Schönheit fragt,
Die Stärke schweigen darf, und ihr zu trotzen wagt. –
Ich liebe den Baron, doch eh'ich's ihm gestehe,
Muss er mir beichten, wie sich's ziemt in guter Ehe;
Und tut er's nicht – was dann? – Ich breche? – Das zwar nicht –
Der Mann ist brav und hübsch – nur Sklave seiner Pflicht,
Doch prüfen will ich ihn – ein lockendes Vergnügen,
Der Männer Stolz und Trotz durch Schönheit zu besiegen!
Gelingt es – ein Triumph für meine Eitelkeit;
Gelingt es nicht – ein Ruhm für seine Festigkeit.

Zweite Szene

Der Graf. Karoline.

Graf: mein Fräulein, Ihr ergebener Diener!

Karoline: Herr Onkel, guten Morgen. Warum so finster?

Graf: Fragst du noch? Ich habe Sorgen.

Karoline:Der reiche Graf von Hecht?

Graf: Reich hin, reich her, die Ruh' erkauft der Reichtum nicht, es drückt auch mich der Schuh!
Ich, der Geplagteste von allen deutschen Grafen,
Ich habe diese Nacht schon wieder nicht geschlafen.

Karoline: Die Maurerei, nicht wahr? Die edle Wissbegier?

Graf: Was sonst?

Karoline: Auch ich bin krank davon.

Graf: Ich platze schier! Du weißt, ich hatte kaum erlauscht, erfragt, ergründet,
Dass hier im Hinterhaus die Loge sich befindet,
So schloss ich alsobald den teuren Mietkontrakt;
Es wurd'in aller Eil'der Koffer eingepackt,
Ich zog ins Vorderhaus, erhoffend in der Nähe,
Dass ich die Heimlichkeit durch Zufalls Gunst erspähe.
Die alte Wand ist dünn, die Fenster sind nicht hoch,
Man bohrt in eine Türe auch wohl ein kleines Loch;
Man hilft sich, wie man kann; so hatt'ich es beschlossen,
Allein es ist umsonst, ich habe fehl geschlossen.
Drei Monat sind wir schon so nah dem Quell des Lichts,
Und sehn und hören und erfahren immer nichts!
Ob man mit Engeln dort Verkehr hat, ob mit Teufeln,
Davon nicht eine Spur!

Karoline: 's ist wahrlich zum Verzweifeln!

Graf: Man ist ein Mensch – man kriegt ein Fieber –
zehrt sich ab –

Karoline: Ja wohl! Ja wohl! Es bringt uns beide noch ins Grab.

Graf: Die Loge, wie du weißt, war gestern noch versammelt,
Doch alles ringsherum vernagelt und verrammelt.
Ich horchte wie ein Has', ich schlich auf meinen Zeh'n,
Allein, ich habe nichts gehört und nichts geseh'n.

Karoline: Sie stellten, wie mich dünkt, den Hans mit auf die Lauer? Der hat vielleicht –

Graf: Der Kerl ist nur ein dummer Bauer.

Karoline: So nimmt man auch vor ihm sich weniger in acht,
Wer weiß, ob nicht das Glück ihn auf die Spur gebracht.

Graf: So ruf'ihn her, auf dass wir den Bericht vernehmen.

Karoline: Ich schäme mich vor ihm –

Graf: Ei, was ist da zu schämen?
Sitzt mir das Messer an der Kehle, sapperment!
So mach'ich mit der Scham kein langes Kompliment.

Karoline (an der Tür) He! Hans!

Dritte Szene

Hans. Die Vorigen.

Hans: Da bin ich.

Graf: Tat'st du, was ich dir befohlen?

Hans: Potz tausend! Freilich!

Graf: Nun so red't, ich steh'auf Kohlen.

Hans: Ich hab's heraus.

Graf: Du weißt, was man dahinten treibt?

Hans. Ja, ja, ich weiß, woher der Barthel Most verschreibt.

Graf: Nun, so erzähl!

Hans: Als schon die Fledermäuse flogen,
Da kam so einer nach dem andern her gezogen.

Graf: Wie viele?

Hans: Schwerlich hat an tausend einer gefehlt.

Graf: Du bist nicht wohl gescheit.

Karoline: Die Furcht hat mitgezählt.

Graf: Wie sahn sie aus?

Hans: Gar nicht wie andre Menschenkinder.
Mir schien, ein jeder so ein Stück vom armen Sünder.
Wenn einer auf der Trepp'erhob das rechte Bein –

Graf: Was tat er dann?

Hans: Er zog das Linke hinterdrein.

Karoline: (Lachend) Um deinen Scharfsinn hat noch niemand dich beneidet.

Hans: Ha! Ha! Ich bin ein Luchs.

Graf: Wie waren sie gekleidet?

Hans: Ja euer Gnaden wär's ein Christenvolk wie wir,
Ich spräch', ein Oberrock schien ihre Kleidung mir,
Auch wohl ein Mantel – doch wer mag dem Dinge trauen?
Es kann solch Herrenvolk ein Sonntagskind nur schauen.

Graf: Bemerktest du nichts Besonderes?

Hans: Jawohl!
Es klang ein jeder Tritt so grässlich dumpf, so hohl,
Dann gab es wiederum verschied'ne unter ihnen,
Die trugen in der Hand – wie nenn'ich es? – Maschinen.

Graf: Maschinen? Wenn du auch nur recht gesehen hast?

Hans: O ja.

Graf: Wie sahn sie aus?

Hans: Wie Regenschirme fast.

Karoline: Ha! Ha! Es regnete.

Hans: Was kümmert die der Regen?
Die werden ja nicht nass, wie andre Christen pflegen;
Denn jeder Tropfen, der die Hexenmeister trifft,
Zischt wie auf heißem Stein und trocknet ein zu Gift.

Graf: Du solltest an der Tür, beim Öffnen und Verschließen,
So recht ins Innerste die Falkenblicke schießen.

Hans: Das tat ich auch.

Graf: Und sahst? –

Hans: Wie seinen Oberrock ein jeder abgelegt.

Graf: Sonst nichts?

Hans: Und auch den Stock.

Graf: Vorzimmer also nur? Allein die Loge? Weiter!
Empfahl ich dir nicht auch die hohe Gartenleiter,
Um bis zum Fenster aufzuklettern?

Hans: Ist geschehn;
Ich sehe scharf, doch kann ich nicht durch Bretter sehn.
Der Fensterladen, dicht erschien er hinterm Glase,
Und an die Scheiben stieß ich mit der langen Nase.

Graf: Doch hören konntest du?

Hans: Ja freilich hört' ich.

Graf: Was?

Hans:Sie brummten hin und her, wie unsers Kantors Bass.
Mitunter schlugen sie auch Nägel in die Wände;
Mitunter klatschten sie auch tüchtig in die Hände.

Karoline: Nun sind wir klug.

Graf: Und das ist alles, was du weißt?

Hans: O nein. Ich weiß noch mehr. Sie haben auch gespeist. Ich habe selbst gesehen.

Graf: Wie sie zur Tafel saßen?

Hans: Nein, in der Küche nur –

Graf: Was denn?

Hans: Gebratne Hasen. Ob's wirklich Hasen? Nun, das bleibt dahingestellt,
Konnt'auch ein Braten sein tief aus der Unterwelt.
Bei Tische haben sie geklappert und gesungen.

Graf: Die Melodie?

Hans: Wie im Theater hat's geklungen.
Und endlich – was der Koch mir zugeflüstert hat –

Graf: Nun? Was vertraut'er dir?

Hans: Sie wären alle satt.

Graf: Ei wirklich? Was geschah nun weiter? Nach dem Schmause?

Hans: (Mit wichtiger Miene) nun kommt's!

Graf: Heraus damit!

Hans: Ein jeder ging nach Hause.

Karoline: Vermutlich.

Hans: Aber in dem Saal, der leer geblieben,
Hat Satan seinen Spuk die ganze Nacht getrieben.

Graf: (Zu Karoline) Was wissen wir denn nun?

Karoline: (Die Achseln zuckend) Mir scheint nur eines klar!
Durch unsern Hans wird kein Geheimnis offenbar.

Graf: Pack dich zum Teufel!

Hans: St! Ich tat, was Sie befahlen.
Den Teufel brauchen wir nicht an die Wand zu malen.
(ab)

Vierte Szene

Der Graf. Karoline.

Karoline: Nein, lieber Onkel, so geht's nicht.

Graf: Das seh'ich wohl.

Karoline: Wir fahren heim aufs Land und
bauen unsern Kohl.

Graf: Begraben musst du mich im nächsten halben Jahre,
Wenn ich auch hier nicht, was ein Maurer ist, erfahre.
Es geht mit mir zu Bett, steht wieder auf mit mir,
Drückt wie ein Alp und saugt das Blut wie ein Vampir!

Karoline: Wohlan, so gibt es nur ein Mittel noch.

Graf: Das wäre?

Karoline: Sie werden Maurer selbst.

Graf: Meinst du? Bei meiner Ehre! Ich bin fähig –
Wenn's einmal nicht anders ist – Nur aber –

Karoline: Was?

Graf: Du weißt, ich bin ein guter Christ –
Und in der Loge soll man wie ein Heide fluchen.

Karoline: Es wird so arg nicht sein, man kann's ja doch versuchen.

Graf: Ja, ein kleiner Fluch, den macht ein Graf wohl mit.
Du kennst das Sprichwort: Schwer ist nur der erste Schritt,
Und in Gesellschaft lässt sich's mit dem Teufel wagen.

Karoline: Doch werden Sie auch mir fein alles sagen?

Graf: Versteht sich! Wort für Wort. Am ersten Abend schon.

Karoline: Wohlan, so sprechen Sie gleich jetzt mit dem Baron.

Graf: Ein kleiner Schauer noch, ich werd'ihn überwinden.

Karoline: Er pflegt, um diese Zeit, sich bei mir einzufinden.

Graf: Der Schauer?

Karoline: Der Baron. Was gilt's, er ist nicht weit?
Ich lasse sie allein. Nutzen Sie die Zeit.
Als Maurer soll man ihn gewaltig hofieren;
Noch heute kann er Sie in eine Loge führen. (ab)


Fünfte Szene.

Graf allein.

Noch heute? O, wie mir das Herz im Leibe pocht!
Die edle Wissbegier in jeder Ader kocht!
Ja immerhin! Was auch mein Beichtvater dazu sage,
Ich werde Maurer noch auf meine alten Tage!
Ist mein gerunzelt Herz auch für die Liebe kalt. –
Ein Weiser spricht: Man wird zum Lernen nie zu alt. –
Allein, was sagt der Fürst, wenn ich zum Hofe reise,
Und als ein Maurer dort an seiner Tafel speise?
Wenn sich der Orient auf meiner Stirne malt;
Und ein Kometenlicht aus meinen Augen strahlt? –
"Mein lieber Graf von Hecht" wird seine Durchlaucht sagen,
"Sie helfen künftig die Regierungsbürde tragen."
Bescheiden sprech ich dann, unwürdig sei der Knecht –
Doch er – ich hör ihn schon – "Mein lieber Graf von Hecht,
Ich schätze das Verdienst, Sie sind Premierminister".
Und nun der ganze Hof – ein Murmeln – ein Geflüster –
Und alles strömt herbei, und alles gratuliert –
Und ich verneige mich ringsum, wie sich's gebührt –
Den einen lächel ich an mit gnädig stolzen Blicken –
Dem anderen weiß ich nebenbei die Hand zu drücken –
Dem dritten nick' ich zu, versprech ihm Protektion –
Und alle sind entzückt! O wär ich Maurer schon!


Sechste Szene

Der Baron. Der Graf

Baron: Herr Graf erlauben Sie –

Graf:O tausendmal willkommen!
Hier wurden Sie noch nie so herzlich aufgenommen.
Erwartet hab'ich Sie mit Sehnsucht, Ungeduld:
Es tobt in meiner Brust ein grimmiger Tumult,
Nur Sie, mein teurer Freund, vermögen ihn zu stillen,
Wenn Sie den heißen Wunsch, der mich beseelt, erfüllen.

Baron: Von Herzen gern, wenn das in meinen Kräften steht

Graf: Was sollt'es nicht! Sie sind ein Weiser, ein Prophet,
Sie zählen sich zu den Geweihten hier auf Erden –

Baron: Sie spaßen.

Graf: Kurz und gut, Freimaurer muss ich werden!

Baron: Ah! Ist es das?

Graf: Das ist's! Nicht wahr, Sie helfen mir und bald?
Ich sterbe sonst weiß Gott aus Neugier.

Baron: Das tut mir Leid. Ich muss gestehn vor allen Dingen,
Es darf in unsern Kreis nicht Neugier Sie bringen,
Dies gerade schließt Sie aus.

Graf: Das wär der Teufel!

Baron: Ja, gemeine Neugier kommt nie dem Lichte nah.
Nur wer die Wahrheit sucht, darf an die Pforte pochen.

Graf: Na, hören Sie, ich bin – ich habe mich versprochen
Neugierig bin ich nicht, bewahre Gott! Nein! Nein!
Nur um die Wahrheit möcht'ich auch ein Maurer sein.

Baron: Wenn das ist, werden Sie dem Bunde gern empfohlen;
Nur eine Warnung muss zuvor ich wiederholen:
Verspüren Sie die Kraft in Ihrer Brust, den Mut, auch Proben zu bestehn?

Graf: (Etwas ängstlich) Es kostet doch kein Blut?

Baron: Wer weiß!

Graf: Man muss wohl gar mit Blut sich unterschreiben?

Baron: Der Feige, sag ich nur, tut wohl davon zu bleiben,
Zumal, wenn er nicht gut mit dem Gewissen steht.

Graf: Ei, wenn es ihm nur nicht an Hals und Kragen geht!
Es hat so mancher schon das Kleinod sich erworben –

Baron: Doch niemals ungeprüft.

Graf: 's ist keiner dran gestorben.
Ich mein, ich werd'es auch mit Ehren überstehn.

Baron: (Schalkhaft) auch ohne zagen in die schwarze Kammer gehen?

Graf: Die schwarze Kammer? Hu! Das klingt, als hätt ein Rabe sein Lied gekrächzt! Wie sieht's da aus?

Baron: Schwarz wie im Grale.

Graf: Das macht mir Gänsehaut! Allein, es mag denn sein!
Schwarz sei die Kammer – Topp! Ich gehe doch hinein.

Baron: Hart ist die Prüfung zwar, doch wenn Sie überwinden,
so werden Sie zum Lohn die treusten Brüder finden.

Graf: Ach Gott! Von Bruderlieb'ist schon mein Herz entflammt!
Ich will doch hoffen, dass die Brüder insgesamt
Von gutem Adel sind?

Baron: Von gutem Seelenadel,
Von unbeflecktem Ruf und Sitten ohne Tadel.
Sonst aber finden Sie die Stände dort gemischt,
Um jeden Unterschied im Bruderkreis verwischt.

Graf: Erlauben Sie, von dem Brauch mir abzuweichen;
Denn so ein Sekretär, ein Doktor und dergleichen –
Ja, es mögen wohl gute Leute sein;
Man spricht mit ihnen auch ein Wort beim Glase Wein,
Nur kann man solche Plebs doch nicht Herr Bruder nennen?

Baron: Entsagen Sie dem Bund, wenn Sie das nicht können.

Graf: Bedenken Sie doch nur! Sie sind ja selbst Baron?
Ich gar bin ein Graf!

Baron: Hier gilt nur die Person, der Titel nicht.

Graf: Mein Gott! Was wär'ich ohne Titel?

Baron: Das ist nicht meine Schuld.

Graf: O Freund! Gibt's denn kein Mittel, dem auszuweichen?

Baron: Keines.

Graf: Gefallen lass' ich mir
Die schwarze Kammer schon, ein hässliches Quartier!
Ich will auch allenfalls mich wohl dazu bequemen,
Die Menschenkinder dort in Protektion zu nehmen;
Allein die Brüderschaft mit Kreti, Pleti? Nein!
Das möchte doch ein Klecks auf meinem Wappen sein.

Baron: Nur Menschenwürde gilt auf unseres Tempels Schwelle,
Und jedes Wappen ziert die echte Maurerkelle.
Ist Ihnen das zu hoch und kränkt es Ihren Stolz,
Dann ist die Maurerei für Sie ein dünnes Holz.

Graf: Die Menschenwürde, hm! So träumt ihr Philosophen,
Allein, man lockt damit den Hund nicht aus dem Ofen.
Die Menschenwürde sitzt in meinem Wappen nicht!
Ich tu'auf alles, wo der Graf nicht gilt, Verzicht.

Baron: Sie tun recht wohl daran. Jetzt bitt'ich mir zu sagen:
Darf man das Fräulein schon, wie es geruht, befragen?

Graf: (Verdrießlich) O ja.

Baron: So eil ich – doch, es fällt mir eben ein:
Mit einem Blumenstrauß werd'ich willkommen sein;
Sie wünschte gestern – mir gilt das: Sie hat befohlen,
Und darum geh ich schnell, den Blumenstrauß zu holen. (ab)

Graf: Ein sauberer Baron! Ein wahrer Zerberus!
Und ich – potz Element! Ich bin Graf Tantalus!

Siebente Szene

Karoline. Der Graf.

Karoline: Nun Onkelchen, wie weit sind Sie mit ihm gekommen?
Wohl gar schon Knall und Fall privatim aufgenommen?

Graf: Daraus wird nichts! Ich bin kein Schwärmer, bin kein Tor!

Karoline: Was heißt das?

Graf: Stell dir nur um Gotteswillen vor!

Karoline: Sie sind ja außer sich!

Graf: Es macht mir schwarze Galle!
Die Maurer – nicht einmal von Adel sind sie alle!
Ich soll nicht Graf dort sein. Das hat mich so ergrimmt!
Was bin ich denn, sobald man mir den Grafen nimmt?

Karoline: Sie sollten doch – um das Geheimnis zu erwerben –

Graf: Nein nimmer mehr! Ich will als Graf hochgräflich sterben.

Karoline: Ach, so erfahren wir denn nichts? Das ist betrübt!

Graf: Ein Mittel gibt es noch: er ist in dich verliebt,
Er wirbt um deine Hand, doch soll es ihm gelingen,
So muss er dir zuvor das kleine Opfer bringen;
Und widersteht er auch der Liebe Ungetüm,
So machst du deinen Knicks und gibst den Laufpass ihm.

Karoline: Versuchen will ich es.

Graf: Dein eignes Glück bedenke!
Jetzt holt der Verliebte die Blumen zum Geschenke.
Doch soll dein Ehestand ein Blumengarten heißen,
So musst du ihm zuvor das Schloss vom Munde reißen. (ab)

Achte Szene.

Karoline allein.

Ja, ja, versuchen will ich, was die Liebe kann.
Durch Schmollen zwingt man sonst so ziemlich einen Mann.
Vergebens spielt der Herr der Schöpfung Heldenrollen,
Ein kluges Weib besiegt ihn doch! – Wodurch? Durch Schmollen.
Es ist unglaublich, was die schöne Kunst vermag;
Nur Stunden hält er's aus und höchstens einen Tag;
Doch wenn es länger währt, das Nagen und das Prickeln,
So lässt er sich am End' um einen Finger wickeln. –
Halt! Triumphiere nicht zu früh, denn ach, gesetzt,
Dass er sein Maurerwort um keinen Preis verletzt,
Was mach ich dann? – Soll ich dem Onkel Folge leisten?
Entsagen? – Nein! Dabei verlör'ich selbst am meisten.
Ein Korb schlüpft aus der Hand in einem Augenblick –
Die Männer bleiben uns – die Reue bleibt zurück.

Neunte Szene.

Der Baron. Karoline.

Baron (mit einem Blumenstrauß) Mein Fräulein –

Karoline: (Kalt) Herr Baron?

Baron: Ich komme, Wort zu halten.
Empfangen Sie den Lenz in allerlei Gestalten.

Karoline: Wie kommen Sie zum Lenz? Was geht der Lenz Sie an?
Dem gleicht nichts weniger auf Erden als ein Mann.
Der Lenz schließt alles auf, die Herzen wie die Blüten.
Der Mann schließt alles zu, will stumm und kalt gebieten.
Was jede Knospe birgt, das lockt der Lenz ans Licht,
Nur eines Mannes Herz eröffnet Phöbus nicht.

Baron: So sind Sie mächtiger als Phöbus, denn Sie kennen
Die Wünsche lange schon, die mir im Herzen brennen.

Karoline: Nichts kenn' ich, nichts, mein Herr! Durch einen Honigmund
Sah noch kein Sterblicher bis auf des Herzens Grund.
Die Worte klingen schön, auf die ist nicht zu bauen,
Ein wahrhaft liebend Herz verrät sich durch Vertrauen.
Es wartet nicht einmal, bis die Geliebte klagt,
Es öffnet sich von selbst, es spricht, noch eh sie fragt.
Ihm ist Bedürfnis, ihr sich freundlich anzuschließen,
Denn ohne Mitteilung kann es nur halb genießen.

Baron: So grade fühl' auch ich, nur eines nehm ich aus –

Karoline: Da haben wir's! Da guckt sogleich der Mann heraus.
Dies eine grade will ich wissen, will ich kennen!
Sie mögen, wenn's beliebt, es eine Schwachheit nennen,
Erbsünde, die sich aus dem Paradiese schreibt.
Kurz, ich will wissen, was man in der Loge treibt.

Baron: Auch wenn Verschwiegenheit Gesetze von mir heischen?

Karoline: Man darf die ganze Welt, nur seine Frau nicht kränken.

Baron: Auch wenn die Ehre selbst ich gab zum Pfande dort?

Karoline: Das Wort der Lieb'ist mehr als jedes Ehrenwort.

Baron: Die Liebe fordert nicht, dass man die Pflicht verletzt.

Karoline: Warum nicht? Liebe kennt nur eigene Gesetze.

Baron: Doch des Geliebten Ruf begehrt auch Liebe rein?

Karoline: Zuerst sie selbst und dann der Ruf, so muss es sein.

Baron: Nachgeben kann ich nicht in dem verhassten Streite.

Karoline: Nun wohl mein Herr, so sind wir auch geschied'ne Leute.

Baron: Wie, brechen wollten Sie, weil ich verschwiegen bin?

Karoline: Ein jedes Mädchen hat so seinen Eigensinn.

Baron: Und wenn ich spräche: Wir versammeln uns im Stillen,
Um was wir Gutes tun, bescheiden zu verhüllen.
Um durch ein Bruderband im enger'n Kreis vereint,
Zu lernen, dass der Mensch auch sein soll, was er scheint.
Um fern von jedem Trug, Cagliostros Wunderwerken,
Uns in der Tugend nur zu üben und zu stärken;
Und wenn ich spräche: Das ist das Geheimnis ganz,
Gewähren Sie mir dann ein wenig Toleranz?

Karoline: Mitnichten! Hilfreich mag der Witz die Worte spinnen,
So leichten Kaufes soll der Herr mir nicht entrinnen.
Wär's weiter nichts als das, wozu die Heimlichkeit?
Das kann bei off'ner Tür geseh'n zu jeder Zeit.
Muss man deshalb in Nacht und Nebel sich begraben?
Nein, Nein, mich täuscht man nicht, kurz, ich will Wunder haben!

Baron: Wohlan! So muss es denn! Gebrochen sei das Wort!
Die Macht der Liebe reißt unwiderstehlich fort!
Wenn Ihre Großmut nicht –

Karoline: Sie beichten ohne Gnade,
Und zwar vom ersten Grad bis zu dem siebenten Grade.

Baron: Im Ersten –

Karoline: Nun, was gibt es da?

Baron: Wird Gold gemacht.

Karoline: Da haben wir's! O ja! Das hab'ich längst gedacht.

Baron: Im zweiten Grade schmilzt man kleine Diamanten,
und große werden draus.

Karoline: Da haben wir's. Brillanten!

Baron: Im dritten Grade –

Karoline: Nun?

Baron: Zitiert man Geister –

Karoline: So?

Baron: Im Vierten destilliert man Liebestränke –

Karoline: O!

Baron: Im Fünften wird gelehrt, sich unsichtbar zu machen.

Karoline: Und es gelingt?

Baron: O ja.

Karoline: (Zur Seite) kaum halt'ich noch mein Lachen.

Baron: Im sechsten Grade wird Universalarznei gekocht und ausgeteilt –

Karoline. Umsonst?

Baron: Versteht sich.

Karoline: Ei!

Baron: Im Siebenten –

Karoline: Weiter.

Baron: Gibt's nur wenig Kandidaten,
Und was man da erlangt – noch darf ich's nicht verraten.

Karoline: O mit sechs Wundern will ich schon zufrieden sein,
Wenn Sie von einem nur mir das Rezept verleih'n.

Baron: Ich könnte Sie vielleicht durch leere Phrasen blenden,
Naturphilosophie aus vollen Backen spenden,
Allein der Wahrheit ist geweiht des Maurers Herz,
Und er verleugnet sich auch nicht einmal im Scherz.

Karoline: Was soll das heißen?

Baron: Gern erfüll'ich Ihr Begehren,
Die Wunder, die wir tun, auch praktisch zu erklären.
Das Gold, das wir hervorzubringen uns bemühen,
Es ist die Genügsamkeit, die mehr als Gold uns schien. –
Und weben wir ein Band für gleich geschaffene Seelen,
So sind das allerdings verschmolzene Juwelen. –
Mit Geistern – wenigsten mit einem gehen wir um,
Er ist die Weisheit aus dem grauen Altertum. –
Die Liebestränke, die wir kochen – das Bestreben,
Durch Liebenswürdigkeit die Tugend zu beleben. –
Der Tod macht unsichtbar, die Kunst lehrt allein,
Es ist die schwere Kunst, mit ihm vertraut zu sein.
Universalarznei erfanden schon die Alten:
Stets heiter sein bewahrt vor Krankheit und vor Falten.
Das sind die Wunder, das der Zweck der Maurerei;
Der siebente Grad enthält die schönste Zauberei.
Wer bis zu diesem Licht sein Herz hinaufgeschwungen,
Der ist ins Innerste des Heiligtums gedrungen,
Der hat das Köstlichste erlangt: die Zaubermacht,
Zu schaffen, dass die Welt ihm ewig blüht und lacht!
Nur kann er nicht allein zu dem Grad sich erheben,
Durch treue Liebe muss verdoppeln er sein Leben,
Denn dieses Grades Ziel wird häuslich Glück genannt,
Und ohne ein gutes Weib auf Erden nie gekannt.
Es möge noch so ernst der Maurer sich bestreben,
Den siebenten Grad kann nur ein gutes Weib ihm geben.
O Karoline! Drum verschmäh'n Sie nicht den Mann,
Der seinen Bruderschwur nie brechen wird und kann;
Der, wenn er durch Verrat Sie zu erlangen wüsste,
Auch seinem schönsten Glück beherzt entsagen müsste,
Der aber, wie ihn selbst die Maurerei gelehrt,
Des Bundes ewige Treu, wie dort auch Ihnen schwört.
O lassen Sie uns schnell den Bund der Liebe errichten!
Geheimes hat auch der in manchen süßen Pflichten;
Hat Wort und Zeichen auch, die man wohl kennen muss –
Das Wort

Karoline: Wie heißt es?

Baron: Ja!

Karoline: Das Zeichen?

Baron: Ist ein Kuss.

Karoline: Wie, glauben Sie im Ernst, ich könnte mich vergessen,
Durch kindischen Eigensinn Geheimnis abzupressen?
Nur prüfen wollt ich Sie und – brachen Sie Ihr Wort,
So schickte ich Sie fürwahr mit einem Korb fort.

Baron: Nun aber?

Karoline: Aber nun – je nun, das wird sich finden.

Baron: Nicht länger zögern Sie, mein Glück mir zu verkünden!

Karoline: Gemach mein Herr. Auch Lieb' ist ein Mysterium:
Im ersten Grade bleibt der Liebe Lehrling stumm;
Im Zweiten darf er nur mit seinen Augen sprechen;
Im Dritten darf der Mund das heilige Schweigen brechen;
Im Vierten ist der Hand ein leiser Druck vergönnt,
Im Fünften auf der Hand die heiße Lippe brennt;
Im sechsten Grade wird der erste Kuss erbeutet,
Der endlich zum Altar im Siebenten geleitet.

Baron: In dieser Loge erklimmt man jede Stufe schnell,
Zum Meister wird gar bald der Lehrling, der Gesell,
Und konnte er nur bis zu dem vierten Grad es bringen,
So darf er allenfalls den Fünften überspringen.
(Bittend)
Den Kuss –

Karoline: Mein Onkel kommt! In Ordnung!

Baron: Aber wie –

Karoline: Er ist der Meister hier vom Stuhl, das wissen Sie.

Zehnte Szene

Der Graf. Die Vorigen.

Graf: Nun Kinderchen, wie steht's?

Karoline: (Ihn zur Seite ziehend) Herr Onkel, im Vertrauen:
Gelungen ist es mir, ihn endlich aufzutauen. Er hat gebeichtet.

Graf: Hat er?

Karoline: Ich bin eingeweiht, vier Grade hab ich schon.

Graf: In dieser kurzen Zeit? Ist's möglich?

Karoline: O fürwahr! 's hat nur an mir gelegen,
Sogleich den Sechsten zu erlangen.

Graf: Wie verwegen!

Karoline: Das teilt so schnell sich mit und ist dabei so klar.

Graf: Und schrecklich, wie?

Karoline: O nein.

Graf: Gefährlich doch, nicht wahr?

Karoline: Nun freilich –

Graf: O, erzähl'.

Karoline: Ich musste mich bequemen,
Was d'raus entstehen kann, auf Risiko zu nehmen.

Graf: Hat er die Augen dir verbunden?

Karoline: Kann wohl sein.

Graf: Und hat er dich geführt ins schwarze Kämmerlein?

Karoline: Als Brautgemach erschien sie mir, die dunkle Kammer,
In dieser Loge – kurz – führt Amor nur den Hammer.

Graf: Was soll das heißen? Sprichst du nicht von Maurerei?

Karoline: Freimaurerin? Ach Gott! Ich bin ja nicht mehr frei.

Graf: Du willst doch nicht etwa in Winkellogen schleichen?

Karoline: Die Warnung kommt zu spät, schon hab'ich Wort und Zeichen.

Graf: Nun denn, heraus damit! Wenn man's doch hören muss.

Karoline: Da Losungswort ist ja. Das Zeichen ist ein Kuss.
(Sie wirft sich in die Arme des Barons)

Baron: Heil mir. (Zu dem Grafen) O darf ich nun Sie meinen Bruder nennen?
Und werden Sie als echt die neue Loge erkennen?
Der Liebe nur ist hier der Meisterstuhl geweiht;
Vorsteher, die Vernunft und die Beständigkeit.
Der Bruder Redner ist das herzliche Vertrauen,
Und auf den Schatzmeister die Hoffnung lässt sich bauen,
Zumal, wenn Ordnung ihn belebt und unterstützt,
Die ihm als Sekretär stets gegenübersitzt.
Der Zeremonienmeister, Nachsicht mag indessen,
Dass auch der beste Mensch oft fehle, nie vergessen;
So wird die Arbeit stets echt und gerecht vollbracht.
Bis eine Stimme ruft: Es ist Hochmitternacht!

Graf: Das klingt wohl schön, sie mag's im Herzen fein bewahren;
Doch was ein Maurer ist, werd'ich das nie erfahren?

Baron: Warum nicht? Alsbald. – Der Maurer ist ein Mann,
Den nicht die Schale reizt, wenn er den Kern gewann.
Der stets in Rang und Stand ein Flittergold nur findet,
Und in dem Menschen nur das Menschliche ergründet.
Dem Bruder reicht er gern die treue Bruderhand,
Für Wahrheit ist sein Wort ein heilig Unterpfand.
Im Wohltun findet er ein himmlisches Vergnügen,
Die Leidenschaften sucht er standhaft zu besiegen.
Was er als recht erkannt, bekennt er mutig laut,
Er fürchtet nicht den Tod, macht sich mit ihm vertraut.
Er beugt die Knie nicht, ihm gilt kein stummer Götze,
Allein, er ehrt Gott, den Fürsten, die Gesetze!
Und wenn ein holdes Weib sein liebend Herz gewann,
So ist der Maurer auch der beste Ehemann.

Karoline: (sich an ihn schmiegend)
Nur eine Frage noch vernehmen Sie geduldig,
(Schalkhaft)
Sind alle Maurer so?

Baron: Die Antwort bleib ich schuldig.

Ende.








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