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Joachim Wilhelm von Brawe: Der Freigeist - Kapitel 33
Quellenangabe
typetragedy
booktitleDer Freigeist
authorJoachim Wilhelm von Brawe
year2001
titleDer Freigeist
senderffischer@texttech.de
firstpub1757
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Letzter Auftritt.

Clerdon, Henley.

Clerdon (der wütend auf ihn losgeht). Ha, Treuloser! wo ist Granville? von deinen Händen, Ungeheuer, fodre ich sein Blut.

Henley. Sein Sie ruhig, Clerdon, nur einige Augenblicke sein Sie es. Ich komme nicht hieher, Ihre Wut zu besänftigen, ich komme, sie noch stärker zu entflammen; nur so lange, bis Sie mich angehört haben, gebieten Sie ihr zu ruhen. Itzt sollen Sie Ihr Geschick und die geheime Ursache Ihrer Unfälle kennenlernen – Sie wissen, wie ich mit Ihnen zu London bei der Rückkehr von meiner Reise bekannt wurde. Sie waren damals in dem Schoße eines blühenden Glücks. Überall ertönte das Lob Ihrer Tugenden; überall folgte Ihnen Glanz und Bewundrung nach. Sie wissen die Vorteile, die Ihnen diese Vorzüge über mich gewannen – Unselige Vorteile für Sie! – Ich ward Ihr Todfeind, der letzte und wichtigste Triumph, den Sie bei unsrer Bewerbung um Miß Granville davontrugen, machte meinen Haß unversöhnlich und Ihren Untergang gewiß. Ich beschloß, Sie auf der Seite anzufallen, auf der Sie meinen Glück so nachteilig geworden waren. Ich beschloß, diese stolzende Tugenden zu bekriegen, den erhabnen, ruhmvollen Clerdon in die verworfne Klasse der Wollüstlinge, Lasterhaften und Religionsspötter zu verweisen, seine schönsten Hoffnungen sowohl des jetzigen Lebens als jener Zukunft zu verwüsten – ja, beben Sie nur! – ihn selbst in der Ewigkeit die Folgen meines Hasses fühlen zu lassen.

Clerdon. Ist's möglich? – Was höre ich! –

Henley. Dieses war das große Vorhaben, das ich bei jedem Schritte vor Augen hatte. Sie wissen, ob es mir gelungen ist – Itzt will ich Ihnen alles entdecken, zu Ihrer Pein will ich es. Granville war unschuldig, alles, dessen ich ihn anklagte, war Erdichtung. Ihr frevelnder Arm – verfluchen Sie sich selbst – hat dem edelgesinntesten, dem zärtlichsten Freunde das Leben geraubt – Nun ist meine Rache vollendet. Nun sind Sie in dem tiefsten Abgrunde der Verzweiflung. Alle Frevel sind für Sie erschöpft. Hier können Sie nun nichts mehr verlieren, und jenseit des Grabes drohn Ihnen unerbittliche Gerichte – Wie triumphiere ich! wie genieße ich Ihr Unglück? Unaussprechliche Wollust bemächtigt sich meiner, da ich Ihrer Verzweiflung Hohn sprechen kann. Dies ist der schönste Tag meines Lebens – Stoßen Sie nun die bittersten Schmähungen wider mich aus; überhäufen Sie mich mit Flüchen. Je mehr Sie toben, je mehr fühlen Sie Ihr Elend, je mehr triumphiere ich. Ihre Tränen, Ihre Qual sind das ergötzendste Schauspiel für mich, Ihre Seufzer sind Harmonien in meinen Ohren! – Wo sind nun diese erhabnen und blendenden Verdienste, die Ihre Lobredner so zu erheben wußten? wie ohnmächtig Sie vor mir dahinfielen! wie entstellt Sie in Ihren Ruinen liegen! Unsträflicher, edelmütiger Clerdon, Freund der Tugend und Religion, wie war es Ihnen möglich, sich zu so schändlichen Verbrechen zu erniedrigen? – Auf, entreißen Sie sich dieser fühllosen Erstarrung. Empfinden Sie meinen Spott, meinen Triumph, er ist hin, wo Sie ihn nicht empfinden – O könnte ich Sie für Ihr Elend ganz zu Gefühl machen!

Clerdon. Rede ich mit einem Menschen? Nein, die Hölle redet aus dir, Ungeheuer, ihrer sind diese Gesinnungen wert – Ja, frohlocke nur, frohlocke, ich fühle den ganzen Grimm und die niederschmetternden Gerichte des Himmels, sie strafen mich, weil ich deinen unseligen Eingebungen folgte und ein Ungeheuer wie du ward. Zittre für diesem Richter! Ein noch entsetzlicher Verderben wird dich ergreifen, erzürntere Donner werden auf dies stolze Haupt herabstürzen, und jene Zukunft wird den Verführer von dem Verführten unterscheiden – Noch einmal rufe die ganze Freude der Hölle in deiner Brust zusammen – ja, deine treulosen Ratschläge haben mich in dies grenzenlose Elend hinabgestoßen. Frohlocke und nimm den Lohn dafür (er zieht jähling einen Dolch hervor und ersticht ihn) – Und dies sei der meinige, daß ich dir Gehör gab. (Er tötet sich.)

Henley. Ich sterbe! – doch mein Feind stirbt mir zur Seiten – ich bin gerächt – o Triumph! o Rache!

Ende des Freigeists.

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