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Joachim Wilhelm von Brawe: Der Freigeist - Kapitel 28
Quellenangabe
typetragedy
booktitleDer Freigeist
authorJoachim Wilhelm von Brawe
year2001
titleDer Freigeist
senderffischer@texttech.de
firstpub1757
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Fünfter Aufzug.

Erster Auftritt.

Clerdon.

Clerdon (in einer wütenden Stellung). Hinweg, quälende Vorstellungen! Laßt ab, mich zu töten – Wie! nirgends kann ich euch entfliehn? Hier, nur hier laßt mich, Peiniger, ruhen – ich zittre – auch hier fließen für meinen erschrocknen Blicken Fluten von Blut, auch hier ängstigt mein Ohr ein sterbendes Ächzen – ja, ich sehe es, überall verfolgst du mich, Blut meines unschuldigen Freundes – Warum mußte ich dich vergießen? Den, den ich schon so tödlich beleidigt hatte, der gleich einer erbarmenden Gottheit kam, den grausamen Beleidiger zu retten, den konnte meine treulose Wut – den Besten, den Großmütigsten, ihre Zierde entriß ich der traurenden Menschheit? – alles muß mich verabscheuen, alles muß sich zu meinem Verderben aufmachen – Und du verzeuchst noch, Rache? Warum brausen deine Ungewitter noch immer von ferne? warum bin ich noch? – ich empfinde es, du nahest dich – ja, du hörst mich, sie kommen, deine furchtbaren Herolde – Undurchdringliche Nächte umlagern mich auf allen Seiten – o deckt mich, Finsternisse, deckt mich für jener entsetzlichen Gestalt – itzt hat sie mich ereilt – itzt droht mir ihr flammendes Schwert – ich erkenne dich, du bist der ermordete Granville. Welch ein Grimm schreckt aus deinem Auge! Nicht mehr jene Züge des Friedens und Liebe, mit denen du starbst – Engel des Verderbens – denn dazu hat dich der Allmächtige ausgerüstet – o vollführe den Streich, töte alles in mir, töte dies Gefühl, daß ich unaussprechlich elend bin – Noch stürzt dein Blut aus der entsetzlichen Wunde hervor – noch ist es ungerächt. Was verweilest du? Ist es Erbarmen oder Strafe? – Ach, wohin gebietet mir deine drohende Rechte zu blicken? – Mein Vater, auch du bist zur Strafe des unwürdigsten Sohnes gekommen! Ja, vollziehe sie. Ich war es, der dich in den schmachvollen Kerker warf, ich trat dein zitterndes Alter in den Staub der Dürftigkeit und Verachtung nieder; ich gebot dem Grabe, sich dir zeitiger zu öffnen, als es ihm die Natur gebot. Ich verwarf deine Warnungen, deine Befehle, das Flehen deiner sterbenden Lippen – itzt bist du glücklich – itzt wird kein frevelnder Sohn mehr Tränen des Kummers von dir erzwingen – doch ich – ja, du bist gerächt – ich bin zu unaufhörlichen Qualen verdammt. Der Fluch, den nicht deine Lippen, den dein Elend über mich aussprach, stürmt mit unversöhnlichen Zorn auf mich los. Ach, mein Vater – doch deine drohende Stirn verbietet mir, dich so zu nennen – ich vermag diesen Anblick nicht länger zu ertragen. Diese Augen, in denen einst nichts als Liebe und Zärtlichkeit lächelte, glühen itzt von Wut, diese Hände, die mich so oft segneten, bitten Verderben auf mich herab – wohin entflieh' ich! welche gräßliche Tiefe öffnet mir eine Freistatt – Hinweg, blutige Schatten, hindert mich nicht – Unerbittliche! selbst den Tod gönnt ihr mir nicht – er würde für mich Seligkeit sein, er würde euer Opfer euch entreißen –

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