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Alexandre Dumas (der Ältere): Der Frauenkrieg - Kapitel 41
Quellenangabe
typefiction
authorAlexander Dumas
titleDer Frauenkrieg
publisherStuttgart Franckh'sche Verlagshandlung
year1921
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectid7b262676
created20061227
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Vierundzwanzigstes Kapitel.

Frau von Cambes blieb acht Tage und acht Nächte hindurch, nachdem sie die furchtbare Kunde vernommen, wie im Wahnsinn in dem Bett, in das man sie ohnmächtig gebracht hatte.

Am neunten Tage kehrte in dem Augenblick, wo man es am wenigsten erwartete und bereits zu verzweifeln anfing, die Vernunft wie durch einen Zauber bei ihr zurück: ihre Tränen versiegten, ihre Augen schauten umher und hefteten sich mit einem traurigen Lächeln auf ihre Frauen, die ihr so eifrig beigestanden hatten, und auf Pompée; dann blieb sie einige Stunden stumm und auf ihren Ellenbogen gelehnt und verfolgte mit starrem Blicke einen und denselben Gedanken.

Plötzlich sagte sie, ohne sich darum zu bekümmern,, ob ihre Kräfte ihrem Entschlusse entsprächen: »Man kleide mich an.«

Dann ließ sie sich wachsbleich und mager wie eine Sterbende zur Prinzessin fahren, ersuchte um eine Audienz und wurde von der Prinzessin inmitten ihres ganzen Hofstaats empfangen, hier fragte sie steif und würdig die Prinzessin, ob sie ihr je Anlaß gegeben habe, mit ihr unzufrieden zu sein.

Die Prinzessin antwortete: »Teure Vicomtesse, ich bin bei jeder Gelegenheit vollkommen mit Euch zufrieden gewesen und habe Euch meine Dankbarkeit mehr als einmal ausgedrückt.«

»Dieses Zeugnis ist kostbar für mich,« erwiderte die Vicomtesse, »denn es berechtigt mich, Eure Hoheit zu bitten, mir gnädigst meinen Abschied gewähren zu wollen.«

»Wie!« rief die Prinzessin, »Ihr verlaßt mich, Claire?«

Claire verbeugte sich ehrfurchtsvoll und schwieg.

Man sah auf allen Gesichtern Scham, Reue und Schmerz. Eine Todesstille schwebte über der Versammlung.

»Aber warum verlaßt Ihr mich?« fragte die Prinzessin.

»Ich habe nur noch wenige Tage zu leben, Madame,« antwortete die Vicomtesse, »und diese wenigen Tage möchte ich gern zum Werke meines Heils anwenden.«

»Claire, liebe Claire,« rief die Prinzessin, »bedenkt doch...«

»Madame,« unterbrach sie die Vicomtesse, »ich wage es, mir zwei Gnaden von Euch zu erbitten; darf ich hoffen, daß Ihr sie mir gewähren werdet?«

»Ah! sprecht, sprecht, denn ich bin glücklich, etwas für Euch tun zu können.«

»Ihr könnt es.«

»Dann nennt diese Gnaden.«

»Die erste ist die Bewilligung der seit dem Tode von Frau von Montivy erledigten Sankt-Radegunds-Abtei.«

»Euch eine Abtei, liebes Kind! Ihr denkt nicht daran.«

»Die zweite, Madame,« fuhr Claire mit einem leichten Zittern der Stimme fort, »die zweite besteht darin, daß es mir erlaubt sein möge, auf meinem Gute Cambes den Leib meines von den Einwohnern von Bordeaux ermordeten Bräutigams, des Herrn Baron Raoul von Canolles, bestatten zu lassen.«

Die Prinzessin wandte sich, ihre kraftlosen Hände an ihr Herz pressend, ab. Der Herzog von Larochefoucault erbleichte und geriet in sichtbare Verwirrung. Lenet öffnete die Tür des Saales und entfloh.

»Eure Hoheit antwortet nicht?« sagte Claire, »schlägt Sie mir meine Bitten ab? Ich habe vielleicht zu viel verlangt?«

Frau von Condé hatte nur noch Kraft genug, um mit dem Kopfe ein Zeichen der Einwilligung zu machen; dann fiel sie ohnmächtig in ihren Lehnstuhl.

Claire wandte sich wie eine Bildsäule um; man öffnete ihr einen breiten Weg, sie schritt kalt und aufrecht an all den gebeugten Stirnen vorüber, und erst nachdem sie den Saal verlassen hatte, bemerkte man, daß niemand daran gedacht hatte, Frau von Condé Hilfe zu leisten.

Nach fünf Minuten rollte ein Wagen langsam durch den Hof, es war die Vicomtesse, die Bordeaux verließ.

»Was beschließt Eure Hoheit?« fragte die Marquise von Tourville Frau von Condé, als diese wieder zu sich kam.

»Man willfahre der Frau Vicomtesse in Betreff der beiden von ihr soeben vorgebrachten Wünsche, und bitte sie, uns zu verzeihen.«

Ende.

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