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Alexandre Dumas (der Ältere): Der Frauenkrieg - Kapitel 27
Quellenangabe
typefiction
authorAlexander Dumas
titleDer Frauenkrieg
publisherStuttgart Franckh'sche Verlagshandlung
year1921
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectid7b262676
created20061227
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Zehntes Kapitel.

Die zweite Rückkehr der Armee der Prinzen war sehr verschieden von der ersten. Diesmal gab es Lorbeeren für alle, selbst für die Besiegten. Das Zartgefühl der Frau von Cambes hatte einen guten Teil für Canolles vorbehalten, der, sobald er an der Seite seines Freundes Ravailly durch die Barriere einzog, wie ein hervorragender Führer angesehen und wie ein tapferer Soldat beglückwünscht wurde.

Man wies ihm eine Wohnung in der großen Festung der Stadt, im Schlosse Trompette an. Am Tage hatte er vollkommene Freiheit, in der Stadt herumzugehen, und erst beim Zapfenstreiche kehrte er nach Haufe. Man hatte nur sein Ehrenwort verlangt, daß er nicht fliehen und nicht mit den Freunden draußen korrespondieren wolle.

Ehe Canolles diesen letzten Schwur leistete, hatte er um Erlaubnis gebeten, vier Zeilen schreiben zu dürfen; worauf er an Nanon schrieb:

»Gefangen, aber frei in Bordeaux, durch mein Ehrenwort verpflichtet, keine Korrespondenz nach außen zu unterhalten, schreibe ich Euch diese paar Worte, teure Nanon, um Euch meiner Freundschaft zu versichern, an der Ihr meines Stillschweigens wegen zweifeln könntet. Ich verlasse mich auf Euch, daß Ihr meine Ehre bei dem König und der Königin verteidigen werdet.

Baron von Canolles.«

In diesen sehr sanften Bedingungen ließ sich der Einfluß der Frau von Cambes erkennen. Sie selbst aber sah er in den ersten Tagen nur wenig und sprach kaum ein paar Worte mit ihr; es schien der Vicomtesse zu genügen, daß er nicht mehr bei Nanon war, und sie fühlte sich glücklich, daß sie ihn, wie sie es gesagt hatte, bei sich behalten konnte.

Nach einiger Zeit genügte aber dieses seltene Zusammentreffen dem Gefangenen nicht mehr. Da er aber das Zartgefühl der Frau von Cambes begriff, die noch mehr für Canolles' Ehre, als für die ihrige fürchtete, so suchte er den Kreis seiner Zerstreuungen auszudehnen. Zuerst schlug er sich mit einem Offizier der Garnison und mit zwei Bürgern, was immerhin für ein paar Stunden Unterhaltung verschaffte. Ha er aber einen von seinen Gegnern entwaffnete und die andern zwei verwundete, so hörte dieser Zeitvertreib in Ermangelung von Partnern bald auf.

Dann hatte er einigemal Glück bei Frauen. Als er eines Tages Frau von Cambes in der Kirche zu sehen hoffte, und diese, vielleicht aus Furcht, ihn dort zu treffen, nicht gekommen war, bot er, der auf seinem Posten, Claires harrend, stand, einer reizenden Frau, die er noch nicht gesehen hatte, Weihwasser. An demselben Tage erhielt er ein Einladungsschreiben, um den Abend bei dem Generalanwalt Lavie zuzubringen, der als Stütze der königlichen Herrschaft beinahe ebensosehr verhaßt war, wie Herr von Epernon. Canolles, der immer mehr das Bedürfnis fühlte, sich zu zerstreuen, nahm die Einladung dankbar an und begab sich um sechs Uhr zu dem Generalanwalt. Als er in den Salon trat, stieß er einen Freudenschrei aus; Frau Lavie war niemand anderes, als die reizende Brünette, der er am Morgen so artig Weihwasser gereicht hatte.

Er wurde im Salon des Generalanwalts als erprobter Royalist empfangen und gefeiert.

»Mein lieber Herr von Canolles,« sagte der Generalanwalt, »ich weiß von guter Hand, daß bei Hofe von Euch und der schönen Verteidigung, die Euch mit Ruhm bedeckt hat, viel die Rede gewesen ist; die Königin hat auch geschworen, Euch, sobald sie könnte, auszuwechseln und Euch am Tage Eurer Rückkehr in ihren Dienst zum Range eines Regimentschefs oder eines Brigadiers zu erheben; wollt Ihr nun ausgetauscht sein?«

»Wahrhaftig,« antwortete Canolles, Madame Lavie einen verliebten Blick zuwerfend, »ich schwöre Euch, es ist mein größter Wunsch, die Königin möchte nicht zu sehr eilen; sie müßte mich gegen Geld oder gegen einen guten Militär austauschen. Ich bin diese Ausgabe nicht wert und verdiene diese Ehre nicht. Ich werde warten, bis Ihre Majestät Bordeaux genommen hat, wo ich mich vortrefflich befinde; dann kann sie mich umsonst haben.«

Frau Lavie lächelte bei diesen Worten anmutvoll.

Bald bildeten sich die Partien, Canolles setzte sich zum Spiele. Frau Lavie spielte mit ihm gegen ihren Gatten, der fünfhundert Pistolen verlor.

Am andern Tage kam es aus irgend einem Grunde zu einem Volksaufstand, der sich auch gegen den Generalanwalt richtete. Als die Scheiben zerschmettert waren, fing der Pöbel an, Feuer an das Haus zu legen. Man lief nach Bränden, als Canolles mit einer Abteilung des Regiments Navailles anlangte, Frau Lavie in Sicherheit brachte und ihren Gatten einem Nutzend Wütender entriß.

Hierauf kehrte er, da eben der Zapfenstreich erklang, nach dem Schlosse Trompette zurück, wo er einen Brief vorfand, dessen Handschrift ihn erbeben ließ. Es war die Handschrift der Frau von Cambes.

Er öffnete den Brief und las: »Seid morgen gegen sechs Uhr nachmittags allein in der Karmeliterkirche und setzt Euch in den ersten Beichtstuhl rechts beim Eingange. Ihr werdet die Tür offen finden.«

»Halt!« rief Canolles, »das ist ein origineller Gedanke.«

Es war noch eine Nachschrift dabei:

»Macht kein Rühmens,« sagte diese, »daß Ihr dahin geht, wo Ihr gestern »und heute gewesen seid; bedenkt wohl, Bordeaux ist keine royalistische Stadt; das Schicksal, das der Herr Generalanwalt ohne Euch erlitten haben dürfte, zeigt Euch die Gefahr.«

»Gut,« dachte Canolles, »sie ist eifersüchtig. Ich habe also, was sie auch sagen mag, recht gehabt, heute und gestern zu Herrn Lavie zu gehen.«

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