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Alexandre Dumas (der Ältere): Der Frauenkrieg - Kapitel 24
Quellenangabe
typefiction
authorAlexander Dumas
titleDer Frauenkrieg
publisherStuttgart Franckh'sche Verlagshandlung
year1921
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectid7b262676
created20061227
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Siebentes Kapitel.

Zwei Tage, nachdem Frau von Cambes im Gewande eines Parlamentärs auf der Insel Saint-George erschienen war, meldete man Canolles, der auf den Wällen seine Runde machte, ein Bote mit einem Briefe verlange ihn zu sprechen.

Der Bote wurde sogleich eingeführt und übergab Canolles seine Depesche.

Diese Depesche hatte sichtbar nichts Offizielles; es war ein kleiner Brief, mehr lang als breit, geschrieben mit einer seinen, leichten; zitternden Handschrift auf bläuliches, glattes, wohlriechendes Papier. Canolles fühlte schon beim Anblick des Papiers sein Herz unwillkürlich schlagen.

»Wer hat dir diesen Brief gegeben?« fragte er.

»Ein Mann von fünfundfünfzig bis sechzig Jahren.«

»Mit grauem Schnurrbart und Knebelbart?« – »Ja.«

»Militärische Haltung?« – »So ist es.«

Canolles gab dem Mann einen Louisdor und machte ihm ein Zeichen, sich sogleich zu entfernen.

Dann zog er sich mit bebendem Herzen in einen Winkel der Bastei zurück, um den Brief, den er empfangen hatte, zu lesen.

Er enthielt nur folgende Worte: »Man wird Euch angreifen. Seid Ihr meiner nicht mehr würdig, so zeigt Euch wenigstens Euer würdig.«

Der Brief war nicht unterzeichnet; aber Canolles erkannte Frau von Cambes, wie er Pompée erkannt hatte; er schaute umher, ob ihn niemand beobachtete, und drückte errötend, wie ein Kind bei seiner ersten Liebe, das Papier an seine Lippen, bedeckte es mit glühenden Küssen und verbarg es sodann an seinem Herzen.

Hierauf stieg er auf den Kranz der Bastei, von wo aus er den Lauf der Garonne auf ungefähr eine Meile und die umliegende Ebene in ihrer ganzen Ausdehnung überschauen konnte.

Er vermochte weder auf dem Fluß, noch auf dem Lande irgend etwas wahrzunehmen.

»So wird der Morgen vorübergehen,« murmelte er, »sie werden nicht am hellen Tage kommen; ohne Zweifel rasten sie unterwegs und beginnen den Angriff am Abend.«

Canolles hörte ein leichtes Geräusch hinter sich, und erblickte sich umwendend, seinen Leutnant.

»Nun, Herr von Bibrac,« fragte Canolles, »was sagt man?« – »Mein Kommandant, man sagt, die Fahne der Prinzen werde morgen auf der Insel Saint-George flattern.«

»Wer sagt dies?« – »Zwei von unseren zurückkehrenden Läufern; sie haben die Vorkehrungen gesehen, welche die Bürger der Stadt gegen uns treffen.«

»Und was habt Ihr denen geantwortet, die Euch sagten, die Fahne der Herren Prinzen würde morgen auf dem Fort Saint-George flattern?« – »Mein Kommandant, ich antwortete, das sei nur gleichgültig, da ich es nicht sehen würde.«

»So habt Ihr mir meine Antwort gestohlen.«

»Bravo, Kommandant! Wir verlangten nichts anderes, und die Soldaten werden kämpfen, wie die Löwen, wenn sie Eure Antwort erfahren.«

»Sie mögen sich schlagen wie Männer, mehr fordere ich nicht ... Und was sagt man von der Angriffsweise?« – »General, es ist eine Überraschung, die man uns bereitet,« antwortete Bibrac lachend.

»Teufel, was für eine Überraschung!« rief Canolles; »das ist bereits die zweite Warnung, die ich erhalte ... Und wer befehligt die Angreifenden?« – »Herr von Larochefoucault die Landtruppen, d'Espagnet, Rat im Parlament, die Seetruppen. Der letztere hat sich mit Eurem ehemaligen Regiment Navailles unter dem Baron von Navailly, das zu den Prinzen übergegangen ist, in Verbindung gesetzt.«

»Leutnant, da gibt es gute Unterhaltung für uns; Navailly ist ein trefflicher Bursche und tapfer wie mein Schwert.«

Canolles gab darauf Befehl, daß die Hälfte der Garnison mit geladenem Gewehr zur Hand wachen solle, während die andere Hälfte ruhe; äußerlich aber solle der Anschein der Sorglosigkeit erweckt werden, indem nach seinem Befehl die schlechtesten Soldaten am Abend in der Garonne Angeln auswerfen und im Gelände Wildfallen auslegen sollten.

Es dürfe aber bei Todesstrafe kein Schuß eher auf die Angreifer gelöst werden, als bis er selbst das Signal dazu gegeben hätte.

Der Leutnant entfernte sich und überbrachte die Befehle den anderen Offizieren, die einander erstaunt anschauten. Es lebten zwei Menschen im Gouverneur, der höfliche Edelmann und der unbeugsame Kommandant.

Canolles kehrte zum Abendessen zu Nanon zurück; nur war dieses Abendessen um zwei Stunden vorgerückt, denn Canolles hatte beschlossen, den Wall von Sonnenuntergang bis zur Morgendämmerung nicht zu verlassen. Er fand Nanon, in einer umfangreichen Korrespondenz blätternd.

»Ihr könnt Euch kühn verteidigen, lieber Canolles,« sagte sie zu ihm; »denn Ihr werdet nicht lange auf Unterstützung zu warten haben, der König kommt. Herr de La Meilleraye bringt eine Armee, und Herr von Epernon erscheint mit fünfzehntausend Mann.«

»Mittlerweile vergehen aber acht Tage, zehn Tage, Nanon,« entgegnete Canolles lächelnd; »die Insel Saint-George ist nicht uneinnehmbar.«

»Oh! solange Ihr kommandiert, stehe ich für alles.«

»Ja; aber gerade weil ich kommandiere, kann ich getötet werden. Nanon, was würdet Ihr in diesem Falle tun? Habt Ihr Euch wenigstens vorgesehen?«

»Ja,« antwortete Nanon ebenfalls lächelnd.

»Wohl, haltet Euer Gepäck bereit. Ein Bootsmann wird an einem bezeichneten Posten sein, müßt Ihr ins Wasser springen, so habt Ihr vier von meinen Leuten, gute Schwimmer, denen Befehl gegeben ist, Euch nicht zu verlassen, und die Euch an das andere Ufer bringen werden.«

»Alle diese Vorsichtsmaßregeln sind unnötig, Canolles; werdet Ihr getötet, so brauche ich nichts mehr.«

Man meldete, daß aufgetragen sei. Zehnmal während des Abendessens stand Canolles auf und ging ans Fenster, von dem aus man nach dem Flusse sehen konnte; vor dem Ende des Mahles verließ er die Tafel ... Die Nacht brach eben ein.

Nanon wollte ihm folgen.

»Nanon,« sagte Canolles, »kehrt zurück und schwört mir, nicht auszugehen. Wenn ich Euch außen wüßte ... irgend einer Gefahr preisgegeben, könnte ich nicht mehr für mich stehen. Nanon, es handelt sich um meine Ehre, spielt nicht mit meiner Ehre.«

Nanon reichte Canolles ihre Lippen, deren Rot sich noch mehr durch die Blässe ihrer Wangen hervorhob, und kehrte dann mit den Worten zurück: »Ich gehorche Euch, Canolles; Freunde und Feinde sollen den Mann kennen lernen, den ich liebe; geht!«

Canolles entfernte sich; er konnte nicht umhin, diesen Geist zu bewundern, der sich unter alle seine Wünsche beugte und in allen Stücken seinem Willen gehorchte. Kaum war er an seinem Posten, als die Nacht furchtbar und drohend eintrat, wie sie stets erscheint, wenn sie in ihren schwarzen Falten ein blutiges Geheimnis verbirgt.

Canolles hatte sich am Ende der Esplanade aufgestellt; er beherrschte den Lauf des Flusses und seine Ufer. Kein Mond schien, ein Wolkenschleier zog schwerfällig am Himmel hin. Wie man nicht gesehen werden konnte, konnte man auch selbst so gut wie nichts sehen.

Um Mitternacht kam es Canolles vor, als gewahre er, wie dunkle Massen auf dem linken Ufer sich bewegten und riesige Formen auf dem Flusse hinglitten, übrigens war kein Geräusch zu vernehmen, als das des Windes, der durch die Blätter der Bäume wehklagte.

Die Massen hielten an, die Formen blieben in der Entfernung stillstehen. Canolles glaubte, er habe sich getäuscht, verdoppelte jedoch seine Wachsamkeit; seine glühenden Augen durchdrangen die Finsternis, sein unablässig gespanntes Ohr faßte das geringste Geräusch auf.

Die Glocke der Festung schlug drei Uhr, und der Schall verlor sich langsam und düster in der Nacht. Canolles fing an zu glauben, er habe eine falsche Nachricht erhalten, und war im Begriff, sich zurückzuziehen, als plötzlich der Leutnant Vibrac, der sich in seiner Nähe befand, eine Hand auf seine Schulter legte und mit der andern nach dem Flusse deutete.

»Ja, ja!« sagte Canolles, »sie sind es; vorwärts, wir werden durch das Warten nichts verloren haben. Weckt die Leute, welche schlafen; sie sollen ihren Posten hinter der Mauer nehmen. Nicht wahr, Ihr habt ihnen gesagt, daß ich den Ersten, welcher Feuer gibt, erschießen lasse?« – »Ja.«

»Wohl, so sagt es Ihnen zum zweiten Male.«

Man sah wirklich beim ersten Schimmer des Tages lange Barken, beladen mit Menschen, die lachten und leise plauderten, herannahen, während man in der Ebene eine Art von Erhöhung wahrnahm, die am Tage vorher noch nicht bestanden hatte. Es war eine Batterie von sechs Kanonen, die Herr von Larochefoucault in der Nacht hatte errichten lassen.

Die Barken kamen immer näher, und bei der ersten Tageshelle unterschied Canolles das Lederwerk und den eigentümlichen Hut der Kompanie Navailles; auf dem Vorderteile einer der ersten Barken stand der Baron von Navailly, und aus dem Hinterteil der Leutnant, sein Milchbruder, den seine Kameraden wegen seiner heiteren Laune und seiner nie versiegenden Scherze ungemein liebten.

»Ihr werdet sehen,« sagte dieser, »sie rühren sich nicht, und Herr von Larochefoucault muß sie am Ende mit der Kanone aufwecken. Teufel! wie gut und fest schläft man in Saint-George; wäre ich krank, so ließe ich mich dahin bringen.«

»Dieser gute Canolles,« versetzte Navailly, »er spielt seine Gouverneursrolle als Familienvater; er befürchtet, seine Soldaten könnten den Schnupfen bekommen, wenn sie bei Nacht die Wache beziehen müßten.«

»In der Tat,« sagte ein anderer, »man sieht nicht einmal eine Schildwache.«

»Oho,« rief der Leutnant, an das Land springend, »wacht doch auf da oben und gebt uns die Hand, daß wir hinaufsteigen können.«

Bei diesem letzten Scherz durchlief ein Gelächter die ganze Linie der Belagernden, und während drei bis vier Barken in der Richtung des Hafens vorrückten, schiffte sich der Rest der Landtruppen aus.

»Vorwärts!« rief Ravailly, »ich begreife, Canolles will das Ansehen haben, als würde er überrumpelt, um sich mit dem Hofe nicht zu entzweien. Meine Herren, wir wollen seine Höflichkeit erwidern und niemand töten. Sind wir einmal in der Festung ... Gnade für alle, mit Ausnahme der Frauen, die gar keine verlangen werden! Meine Kinder, vergessen wir nicht, daß dies ja ein Frauenkrieg ist; ich lasse auch den ersten, der vom Leder zieht, über die Klinge springen.«

Bei diesen mit echt gallischer Heiterkeit gegebenen Mahnungen begann das Gelächter abermals, und die Soldaten teilten die muntere Laune der Offiziere.

»Ah! meine Freunde,« sagte der Leutnant, »es ist etwas Schönes um das Lachen, aber man darf darüber das Geschäft nicht vergessen. Zu den Leitern und geklettert!«

Die Soldaten zogen lange Leitern aus den Barken und rückten gegen die Mauern vor.

Nun stand Canolles auf und näherte sich, den Stock in der Hand, den Hut auf dem Kopf, wie ein Mensch, der am Morgen zu seinem Vergnügen frische Luft schöpft, der Brustwehr, die er bis zum Gürtel überragte.

Es war hell genug, daß man ihn erkennen konnte.

»Ei! guten Morgen, Navailles,« rief er dem ganzen Regimente zu; »guten Morgen, Ravailly; guten Morgen, Remonenq.«

»Halt, das ist Canolles,« riefen die jungen Leute. »Bist du endlich erwacht, Baron?«

»Oh ja, was wollt Ihr? Man führt hier ein Leben wie der König von Schlaraffenland, man legt sich früh nieder und steht spät auf; aber was zum Teufel macht Ihr so frühzeitig?«

»Bei Gott,« erwiderte Ravailly, »du siehst es wohl, wie mir scheint, wir wollen dich belagern, sonst nichts.«

»Und warum wollt Ihr mich belagern?« – »Um dein Fort zu nehmen.«

Canolles brach in Gelächter aus.

»Nicht wahr, du kapitulierst?« rief Ravailly.

»Zuvor muß ich wissen, wem ich mich ergebe. Wie kommt es, daß Navailles gegen den König dient?«

»Wahrhaftig, Freund, weil wir Rebellen sind. Bei genauer Überlegung faßten wir die Ansicht, Mazarin sei offenbar ein Knauser, unwürdig der Dienste braver Edelleute, und demzufolge gingen wir zu den Prinzen über. Und du?« – »Ich, mein Lieber, bin ein wütender Epernonist. Aber kommt herauf zum Frühstück; ich habe einen vorzüglichen Koch.«

Ravailly lachte und ermutigte seine Leute mit dem Blick. Inzwischen schickte sich eine andere Kompagnie an, aus den Schiffen zu steigen.

Canolles sah, daß der entscheidende Augenblick gekommen war, nahm die feste Haltung und die ernste Miene an, wie es einem mit so schwerer Verantwortlichkeit belasteten Mann geziemte, und rief: »Halt, Ravailly; genug des Scherzes, Ranonenq; kein Wort mehr, keinen Schritt mehr, oder ich lasse schießen, so wahr, als dies hier die Fahne des Königs ist und Ihr gegen die Lilien von Frankreich marschiert.«

Und die Tat mit der Drohung verbindend, warf er mit kräftigem Arme die erste Leiter um, die ihren Kopf über den Steinen des Walles zeigte.

Fünf oder sechs der Eifrigsten fingen gerade an hinaufzusteigen; der Stoß schleuderte sie nieder. Sie fielen, und ihr Sturz veranlaßte ein ungeheures Gelächter unter den Angreifenden und unter den Belagerten; man hätte glauben sollen, es handle sich um Bubenstreiche.

In diesem Augenblick verkündigte ein Signal, daß die Belagerer die Ketten gesprengt hatten, die den Hafen schlossen.

Sogleich nahmen Navailly und Remonenq eine Leiter, schickten sich ebenfalls an, in die Gräben hinabzusteigen, und riefen: »Herbei, Navailles! Zu den Sturmleitern! Aufgestiegen!«

»Mein armer Ravailly,« rief Canolles, »halt ein, ich bitte dich!«

Aber in demselben Augenblick brach die Landbatterie, die bis jetzt geschwiegen hatte, lärmend und leuchtend los, und eine Kugel riß die Erde rings um Canolles auf.

»Vorwärts, da sie es durchaus haben, wollen,« sagte Canolles, seinen Stock ausstreckend; »Feuer, meine Freunde; Feuer auf der ganzen Linie.« Nun sah man, ohne daß man einen einzigen Mann erblickte, eine Reihe von Musketen sich gegen die Brustwehr senken, ein Flammengürtel umhüllte den Kranz der Mauer, während der Donner von zwei ungeheuren Kanonen der Batterie des Herzogs von Larochefoucault antwortete.

Es fielen etwa zehn Mann, aber ihr Sturz verlieh ihren Gefährten, statt sie zu entmutigen, neuen Eifer; die Landbatterie antwortete ihrerseits der Batterie vom Wall, eine Kugel schlug die königliche Fahne nieder, eine zweite Kugel zerschmetterte einen Leutnant.

Canolles schaute abermals um sich her, sah, daß seine Leute ihre Gewehre wieder geladen hatten, und rief: »Feuer allenthalben!«

Dieser Befehl wurde mit derselben Pünktlichkeit ausgeführt, wie sein erster.

Zehn Minuten nachher war keine Scheibe mehr auf der ganzen Insel Saint-George übrig; die Steine zitterten und zersprangen in Stücke; das schwere Geschütz durchlöcherte die Mauern, die Kugeln prallten von den großen Platten ab, und ein dichter Rauch verdunkelte die von Geschrei, Drohungen und Seufzern erfüllte Luft.

Canolles sah, daß die Batterie des Herrn von Larochefoucault seinem Fort am meisten Schaden zufügte, und sagte: »Vibrac, beschäftigt Euch mit Ravailly und laßt ihn in meiner Abwesenheit keinen Zoll Boden gewinnen. Ich laufe zu unseren Batterien.« Canolles eilte wirklich zu den zwei Kanonen, die das Feuer des Herrn von Larochefoucault erwiderten, leitete selbst den Dienst, machte sich zum Lader, Richter und Kommandanten, brachte in einem Augenblick drei Kanonen von sechs zum Schweigen und streckte gegen fünfzig Mann auf das Blachfeld nieder. Die anderen, die diesen scharfen Widerstand nicht erwartet hatten, fingen an auseinanderzulaufen und zu fliehen. Herr von Larochefoucault, der sie wieder zu sammeln suchte, wurde von einem Kieselsplitter getroffen, der ihm den Degen aus der Hand riß.

Als Canolles diesen Erfolg wahrnahm, überließ er den Rest der Arbeit dem Anführer der Artillerie und lief an die Stelle zurück, wo die Kompanie Navailles, von d'Espagnets Leuten unterstützt, den Sturm fortsetzte.

Vibrac hielt fest, aber er hatte eine Kugel in die Schulter bekommen.

Canolles' Erscheinen wurde mit Freudengeschrei empfangen und verdoppelte den Mut der Truppen.

»Vergib,« rief er Ravailly zu, »vergib, wenn ich genötigt war, dich einen Augenblick zu verlassen, lieber Freund, aber es geschah, wie du sehen kannst, um die Kanonen des Herzogs von Larochefoucault zum Schweigen zu bringen; sei nur ruhig, ich bin wieder hier.«

Und da der Kapitän in diesem Augenblick seine Leute zum dritten Male zum Sturm führte, zog Canolles eine Pistole aus seinem Gürtel und drückte, die Hand gegen seinen alten Kameraden ausstreckend, rasch los. Die Kugel zerschmetterte Ravaillys Arm.

»Ich danke,« rief der Kapitän, der gesehen hatte, woher die Kugel kam; »ich danke und werde mich revanchieren.«

Aber trotz seiner Selbstbeherrschung war er genötigt still zu stehen, und sein Degen entfiel seinen Händen. Remonenq lief hinzu und faßte ihn in seine Arme.

»Willst du dich bei mir verbinden lassen, Ravailly?« lief Canolles, »ich habe einen Wundarzt.

»Nein, ich kehre nach Bordeaux zurück; aber erwarte mich jeden Augenblick, ich verspreche dir zurückzukommen. Nur werde ich diesmal meine Stunde besser auswählen.«

»Zum Rückzug,« rief Remonenq, »zum Rückzug! Man flieht dort. Auf Wiedersehen, Canolles, Ihr habt die erste Partie gewonnen.«

Remonenq sprach die Wahrheit, die Artillerie hatte furchtbare Verheerungen unter den Landtruppen angerichtet, die wenigstens hundert Mann verloren; der Verlust der Seetruppen war nicht geringer. Den stärksten Verlust hatte jedoch die Kompanie Navailles erlitten, die, um die Ehre der Uniform aufrecht zu erhalten, stets an der Spitze marschieren wollte.

Canolles hob seine entladene Pistole in die Höhe und rief: »Stellt das Feuer ein, laßt sie ruhig sich zurückziehen; wir haben keine Munition zu verlieren.«

Die Angreifenden zogen sich in Eile zurück, ließen ihre Toten auf dem Platze und nahmen nur ihre Verwundeten mit. Canolles zählte die Seinigen; er hatte sechzehn Verwundete und vier Tote. Er selbst hatte keine Schramme bekommen.

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